Schlagwort-Archive: Klett-Cotta

[NEWS] Stephen Hawking und Roger Penrose – Was sind Raum und Zeit

Ein Klassiker der Physik des 20. Jahrhunderts

Warum sind Raum und Zeit so fundamental für das Verständnis des Weltalls und unseres Lebens? Zwei Genies verdeutlichen, warum wir das Universum und die Schwarzen Löcher ganz anders begreifen müssen als bisher, wenn wir das Weltall und die Welt der Quanten als eine Wirklichkeit verstehen wollen.

Zwei der renommiertesten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts erörtern, wie das Universum entstanden sein könnte, welche Entwicklung es genommen hat und welches Schicksal ihm und uns – in einigen Milliarden Jahren – bevorsteht. Stephen Hawking ist einer der wichtigsten Kosmologen aller Zeiten, eine Ikone des 20. und 21. Jahrhunderts und war Schüler von Roger Penrose, einem genialen Mathematiker, Nobelpreisträger für Physik 2020 und Vordenker der Schwarzen Löcher. Die beiden brillanten Theoretiker stellen sich den Grundfragen der Physik und Kosmologie und bestimmen die Dimensionen von Raum und Zeit völlig neu. Ohne Raum und Zeit gäbe es kein Universum und kein Atom, weder den Urknall noch die Schwarzen Löcher. Wer mehr über Raum und Zeit wissen will, muss diesen erstmals im Jahr 1996 erschienenen Klassiker der Physik lesen. (Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 208 Seiten
Klett-Cotta

[NEWS] Tad Williams – Die Hexenholzkrone 1: Der letzte König von Osten Ard 1

Der Auftakt von Tad Williams‘ neuem Epos aus Osten Ard Osten Ard ist in Aufruhr. Seit 30 Jahre regieren König Simon und Königin Miriamel mit Weisheit und Güte über ihr Land. Doch die dunklen Mächte sammeln sich um die Nornenkönigin und wollen sich Osten Ard untertan machen. Vor allem Prinz Morgan ist in Gefahr, denn die Feinde wollen seine Thronbesteigung verhindern und selbst die Macht erlangen. Da ruft König Simon seine alten Freunde zu Hilfe, und Binabiq, Aditu, Jiriki und Jeremias treten gemeinsam mit ihm gegen die Nornen und andere Widersacher an. Wird es einen gerechten Kampf geben? Können die Freunde Osten Ard verteidigen? Und wird Prinz Morgan unversehrt aus der Schlacht zurückkehren? (Verlagsinfo)


Taschenbuch : 752 Seiten
Klett-Cotta

[NEWS] J. R. R. Tolkien – Natur und Wesen von Mittelerde

Der endgültige Beweis, das Mittelerde existiert
J.R.R. Tolkien, der unbestritten größte Fantasyautor aller Zeiten, hat sich bis zu seinem Tod im Jahr 1973 mit seinem eigenen Schaffen auseinandergesetzt und die Voraussetzungen und Entwicklungen seines Weltenbaus überdacht. In »Natur und Wesen von Mittelerde« zeigt sich die ganze Dimension von Mittelerde.

Es gibt wohl keine andere Weltenschöpfung, die so viele Leser und Cineasten in ihren Bann gezogen hat wie Mittelerde. In diesem Buch sind zahlreiche späte Schriften Tolkiens zugänglich gemacht, die erhellen, was es mit ihr auf sich hat: mit ihren Geschöpfen, Tieren und Pflanzen, mit dem Entstehen und Vergehen ganzer Landschaften, bis hin zu der Frage, was Tote und Lebendige, Elben und Menschen verbindet und trennt. Und manch einzelne Geschichten aus dem Herr der Ringe, dem Silmarillion, den Nachrichten aus Mittelerde werden erst verständlich, wenn der Leser dem tiefen Nachdenken Tolkiens über seine Welt begegnet. Natur und Wesen von Mittelerde enthält ein eigenes Kapitel über die Insel Númenor und ihre Bewohner. Sie wird Schauplatz der neuen Tolkien-TV-Serie sein. (Verlagsinfo)

E-Book
Seitenzahl der Print-Ausgabe (September 2021) : 600 Seiten
Klett-Cotta

Williams, Tad / Hoffman, Nina Kiriki – Stimme der Finsternis, Die

_Scheherazades Brüder und der schwarze Vampir_

Dies ist ein Vampirroman, der sich als Märchen aus Tausendundeiner Nacht verkleidet hat. Und Tad Williams, der Autor von „Otherland“, zeigt uns, wie uns das Geschichtenerzählen à la Scheherazade den Hals retten kann. Und wie weit man eine Geschichte verschachteln kann.

_Handlung_

Pro- und Epilog der Hauptgeschichte spielen im Hause von Masrur, einem reichen Handelsherrn, der seine Gäste so gut bewirtet, dass sie mittlerweile schon recht bezecht sind. Da der Wein ausgegangen ist (es scheint kein moslemisches Land zu sein, in dem Masrur lebt), schickt er seinen Diener in die Weinhandlung. Bis zu dessen Rückkehr muss man sich die Zeit vertreiben, am besten mit einer guten Geschichte. Da Masrur gerne seinen Freund Ibn Fahad triezt, kommt dieser auch in der Story vor.

Masrur erzählt: In der Zeit der Herrschaft des Kalifen Harun al-Raschid wurde der junge Masrur mit einer Karawane des Kalifen in den Norden, zu den Armeniten geschickt. Deren Fürst hatte nämlich dem Kalifen viele Geschenke geschickt und ihn eingeladen. Doch die Karawane kommt nie beim Fürsten an, denn in den Bergen warten Räuber und ein Ungeheuer auf die müden Reisenden.

Nachdem sie von den Bergbanditen ausgeraubt wurden und froh sind, mit dem Leben davongekommen zu sein, machen sich die restlichen Reisenden auf den Rückweg. Doch sie haben keine Karte und verirren sich. Sie greifen einen Jungen auf, Kurken, der jedoch nicht ihre Sprache spricht. Ein junges Mädchen ist bei ihm, seine Geliebte, Sossi. Sie weisen den Überlebenden notdürftig den Weg.

Doch Kurken zeigt sich sehr nervös und das mit gutem Grund: Er erzählt ihnen radebrechend (er lernt schnell) von dem Ungeheuer, das in dieser Gegend hause. Anfangs kommen sie gut voran, nichts geschieht, nur die Stille ist etwas unheimlich. Doch eines Morgens fehlt einer der Soldaten. Am folgenden Morgen fehlt wieder einer. Man kann nur einen Schatten sehen, der durch den Waldrand huscht. Masrur sieht ein Augenpaar, das sich am Rande des Scheins vom Lagerfeuer aufhält. Lauscht das Ungeheuer etwa?

Als sie nur noch wenige sind, beschließen sie – vor allem Masrur -, dass es nur eine Möglichkeit gibt, dem Ungeheuer zu entkommen: Sie erzählen einander Geschichten. Verborgen in den Schatten hockt nun Nacht für Nacht der Vampir und vergisst über dem Zuhören die Zeit. Doch einen Abends, als den Reisenden die Storys ausgehen und die Kehlen heiser sind, bietet er den Männern und Jugendlichen einen tödlichen Wettstreit an: Wenn es ihnen gelingt, die traurigste Geschichte zu erzählen, so könnten sie ungehindert abziehen. Wenn aber er, der Vampir, den Wettstreit gewinne, so müsse sich einer der Ihren für sie opfern …

Nun, der Leser weiß ja, dass Masrur und Ibn Fahad mit dem Leben davongekommen sind. Aber was mag aus den anderen geworden sein? Aus Kurken und der lieblichen Sossi? (Ein Schelm, wer nun bereits zum Schluss vorblättert!)

_Fazit_

„Die Stimme der Finsternis“ ist ein bezauberndes Buch, genau wie Scheherazades Geschichten aus Tausendundeiner Nacht: klein aber fein. Nicht nur die Figuren werden lebendig gezeichnet, sondern auch die archaischen Szenen erwachen zum Leben: das Erzählen am Lagerfeuer und in der Kneipe, die Reise durch die Berge, das Grauen im Schatten des riesigen Vampirs.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass uns nicht nur Masrur in seinen Bann schlägt, sondern auch der Vampir. Und dass es diesem gelingt, nicht Furcht und Schrecken empfinden zu lassen, sondern Mitleid mit dieser verfluchten Kreatur, die das Licht der Sonne scheuen muss und doch einst ein Mensch war.

Die beiden Autoren spielen ihre Stärken sehr gut aus. Auch der Aufbau des Buches ist ausbalanciert und folgerichtig. Insgesamt stellt das Buch ein kleines Juwel an Erzählkunst dar. Es sei jedem Liebhaber von Fantasy- und Arabian-Nights-Geschichten wärmstens an Herz gelegt.

Auch die Übersetzung von Profi Peter Torberg – er übersetzte Mark Twain, Oscar Wilde und Irvine Welsh – kann sich sehen lassen: Sie ist makellos.
Mit einem Preis von 13,50 €uronen für 170 Seiten ist das Büchlein allerdings recht teuer veranschlagt.

|Originaltitel: Child of an ancient city, 1992
Aus dem US-Englischen übertragen von Peter Torberg|

McKillip, Patricia – Schatten über Ombria

Sprachgewaltige Fantasy

Der König ist tot, lang lebe der König – doch wie lange noch? Unter dem wachsenden Schatten der zaubermächtigen Regentin muss der junge Thronerbe überleben, oder die Stadt wird untergehen. Die Freunde, die Kyel lieben, beschließen ihn unter Lebensgefahr zu retten, doch sie haben nicht mit der Macht der Regentin gerechnet.

Die Autorin

Patricia McKillip zählt mittlerweile zu den wichtigsten Fantasyautorinnen der Gegenwart, sie wird bereits auf eine Stufe mit Ursula K. Le Guin (Erdsee-Zyklus) gestellt.

Die am 29.2.1948, einem Schaltjahr, geborene Patricia McKillip hat 1975 den |World Fantasy Award| für ihren wundervollen Roman „Die vergessenen Tiere von Eld“ (dt. bei Heyne) erhalten, 1980 den |Locus Award| für „Der Harfner im Wind“ (Band 3 der Erdzauber-Trilogie).

Neben der Erdzauber-Trilogie sind noch „Die Königin der Träume“ (Heyne), „Winterrose“ und „Das Lied des Basilisken“ (Klett-Cotta) auf deutsch erschienen. Bei Bastei-Lübbe erschienen zwei schmale Romane, die Duologie „Das Herz des Schwans“: „Die Zauberin und der Schwan“ (1991; Nr. 20282) sowie „Der Prinz und der Feuervogel“ (1993; Nr. 20294). Im November 2005 erscheint „Im Drachenturm“ bei Blanvalet.

McKillip lebt in Roxbury im US-Bundesstaat New York.

Handlung

Die Handlung hat keine Hauptfigur, mit der sich der Leser identifizieren könnte – das ist eines der Mankos dieses Buches. In „Das Lied des Basilisken“ gab es einen Musiker, dessen Kunst zugleich Magie war, und wir folgten seinem Werdegang und schlussendlichen Erfolg. In „Schatten über Ombria“ entwickeln sich mehrere Figuren, und wir sind gezwungen, uns ihre Erlebnisse und ihr Zusammenspiel einzuprägen. Aber auch die Stadt Ombria selbst spielt eine eminent wichtige Rolle. Die Handlung erstreckt sich über mehrere Monate.

Da alle positiven wie negativen Wechselwirkungen in diesem Buch auf gegensätzlichen Paaren aufgebaut sind, versuche ich die Figuren in zwei Lager einzuordnen.

Die Geschichte beginnt zünftig mit einer Verstoßung aus dem Stand der Unschuld und des Wohlbefindens: Lydea, die Tochter eines Schankwirts, war jahrelang die geliebte Konkubine des nun sterbenden Fürsten von Ombria, Royce. Noch während während Royce Greve auf dem Sterbelager liegt, verstößt die boshafte neue Regentin Domina Perle, genannt die Schwarze Perle, Lydea aus dem Palast. Man sagt, die Regentin wisse mit Gift und schwarzer Magie umzugehen …

Lydea muss in ihrer schönen Kleidung, in ihren teuren Schuhen durch die verkommenen Gassen des düsteren Hafenviertels außerhalb des Palastes fliehen. Nur weil ihr jemand hilft, sich zu verstecken, entkommt sie Banditen und Dieben, um sich schließlich bei ihrem Vater als Scheuermagd und Schankmädchen zu verdingen. So schnell kann’s gehen.

Doch geholfen wurde ihr von einem ganz besonderen Mädchen: Mag ist der „Wachsling“, das möglicherweise aus Wachs geformte Dienstmädchen einer weiteren mächtigen Zauberin, Faey. Doch Faey ist wie Domina Perle keineswegs menschlich. Die heilkundige Hexe scheint in einer anderen Dimension Ombrias zu leben, zumindest in der Unterstadt. Hier gibt es Geister, viele Schatten und nutzbare Magie. Faey lässt sich die Nutzung ihrer Magie gut bezahlen. Und so kommt es, dass sie eines Tages einen Auftrag Domina Perles annimmt: Sie soll den unerwünschten Neffen des mittlerweile verstorbenen Fürsten vergiften. Sie muss sich also in die Staatsangelegenheiten einmischen.

Dieser Neffe, Ducon, ist ein Bastard, der wie ein Albino aussieht und offenbar, wie Mag, die Fähigkeit besitzt, beide Seiten Ombrias zu sehen: die des Lichts und die der Schatten, die des Palasts und die der Unterstadt, wo die Geister leben (darunter auch sein verstorbener Vater). Ursprünglich als Erzieher des Nachfolgers des Fürsten, des neunjährigen Kyel Greve, angestellt, streunt Ducon Greve zunehmend durch die Gassen und Schänken des düsteren Hafenviertels, um den Zugang zu Unterstadt zu finden. Dabei zeichnet er unablässig, was er sieht. Diese Zeichenkohle ist es, die Faey vergiftet. Ducon gerät ins Delirium, bis er schließlich zusammenbricht und in die Unterstadt stürzt.

Es ist nur Mag zu verdanken, dass Ducon nicht getötet wird. Denn sie hat inzwischen von ihrer Freundin Lydea erfahren, dass Ducon die letzte Hoffnung Ombrias auf Rettung ist, denn die Hexe im Palast will Kyel Greve ebenso töten wie Ducon, um danach Alleinherrscherin (und Piratin) zu sein.

Nun kann Mag, die an Tochterstelle adoptierte Dienstmagd, Faey (die eigentlich unparteiisch bleiben will) davon abhalten, Ducon zu töten. Vielmehr beschließen Mag, Lydea und Ducon, unter Lebensgefahr in den Palast zurückzukehren, um den kleinen Kyel Greve zu retten und die Regentin zu stürzen. (Man sieht, sie alle haben sich mittlerweile gewaltig verändert.) Von der mächtigen Zauberin maskiert, wagen sie es, direkt unter der Nase der Schwarzen Perle gegen sie zu intrigieren und Kyel Mut zu machen.

Das kann natürlich nicht lange gutgehen. Als Mag der Regentin in die Hände fällt, muss Faey reagieren. Ihr Gegenangriff erschüttert die Grundmauern des Palastes und verändert die gespaltene Stadt für immer. Was mit einer Verstoßung begann, endet mit einer Wiedergeburt.

Mein Eindruck

Drei Symbole

McKillip ist viel zu sehr Künstlerin, um es für nötig zu halten, irgendetwas davon logisch zu erklären. Stattdessen beobachtet sie lediglich, dringt dabei aber in eine Tiefe vor, die anderen AutorInnen des Fantasy-Genres verwehrt zu sein scheint (eine Ausnahme gibt es: Ursula K. Le Guin). Das bedeutet, dass sich der junge oder erwachsene Leser seinen eigenen Reim auf die Gründe des Geschehens machen muss. Hier spielt Logik des Verstandes keine Rolle, sondern vielmehr ein Ursache-Wirkung-Prinzip, das auf der Wechselwirkung von Emotionen beruht.

Wie schon angedeutet, spielen Dualismen eine große Rolle. Die zentralen Metaphern dafür sind der Spiegel, das Zeichnen und Passagen.

A) Spiegel

Wie mit Monitoren überwacht Domina („die Herrin“) Perle mit Hilfe zahlreicher Zauberspiegel ihr Herrschaftsgebiet. Statt Schönheit zu reflektieren, dienen ihre Spiegel nur ihrer Machtausübung. Domina und die Spiegel sind Teil des Schattens, der über Ombria liegt. Doch ihr Blick reicht nicht bis in die Unterstadt der Geister, wo die Zauberin Faey herrscht und Mag sich versteckt. Hier, im Zwielicht der Geister und der Magie, erwächst eine Gegenkraft zu Dominas Herrschaft. (McKillip beschreibt Ombria, als handelte es sich um eine menschliche Figur, mit allen Schichten und Aspekten.)

B) Zeichnungen

Ducons Zeichnungen sind eine weitere wichtige Metapher. Wie der Fotograf in Antonionis „Blow-up“ ist er besessen vom Gesehenen, denn sein Blick dringt tiefer als das Auge gewöhnlicher Menschen. Ducon gelingt der Durchbruch zur Geisterdimension. Schließlich sind seine Zeichnungen nicht mehr tot, sondern können auf magische Weise – im Zwischenreich des Möglichen – das Gezeichnete zum Leben erwecken, so etwa seinen Vater. Dieser ist eine Verbindung mit der Vergangenheit, die Ombria einen weiteren Aspekt hinzufügt: Die Stadt entwickelt sich in wiederkehrenden Zyklen, die Untergang und Wiedergeburt durchlaufen. Das Herrschergeschlecht Greve pflanzt sich daher nicht linear und ungebrochen fort, sondern weitverzweigt in obskuren Verästelungen: Ducon ist eine davon, doch die vielversprechendste.

C) Passagen

Durchgänge sind das dritte zentrale Symbol. Neben dem Durchbruch zur Unterstadt sind hier vor allem Lydeas Verstoßung aus der Palasttür aufzuführen und die unzähligen Geheimtüren im ausgedehnten Palast. Wie in einem italienischen Renaissancepalast gehen Diener und Intriganten durch unsichtbare Tapetentüren ein und aus, um ihre Herrschaft oder ihre Mitverschwörer zu treffen. Es handelt sich um einen Palast im Palast, eine Schachtel in einer größeren Schachtel und so weiter. Das erinnerte mich an Mervyn Peakes Schloss Gormenghast.

Nach Royces Tod machen sich auch die Ex-Minister und Ducons Vettern Hoffnungen auf den Thron, doch zuvor muss der junge Erbe sterben. Daher spielt Ducon (und später Lydea und Mag) ein riskantes Doppelspiel mit Kyles Gegnern: Prompt werden Attentate auf ihn verübt.

Kurz vor Schluss führt eine Tür in das verhängnisvolle Schlafzimmer der Schwarzen Perle. In diesem Zentrum der Schwarzen Magie erwartet die angekettete Mag und Ducon Greve ihr Schicksal.

Dieser Raum hat sein Gegenstück in Faeys Haus. Hier wird betäubender Tee serviert und Gift gebraut, Geister sprechen, und magische Amulette finden sich in seinen Winkeln. Es es wichtig, daran zu denken, dass die Bewohnerin dieses Hauses kein Mensch ist, sondern ein Wesen, das älter ist als Ombria selbst. Wir erfahren nicht, was Faey ist, genau wie so vieles andere der Erforschung durch die Vorstellungskraft überlassen bleibt.

Dass diese dualen Konflikte sich am Schluss nicht alle in Wohlgefallen auflösen, dürfte einleuchten. Der Sieg des Guten ist wieder einmal bittersüß und überschattet von Opfern.

Die Sprache

Der Ton dieser Handlung und für diese Art von zwielichtiger Welt ist nicht der von Allerwelts-Fantasy à la Raymond Feist oder Robert Jordan (obwohl die auch ihre Qualitäten haben). Die Sprache nähert sich vielmehr dem Gothic Horror eines Edgar Allan Poe an, nur dass dessen Melodramatik fehlt. Wer „The Cask of Amontillado“ oder „Morella“ und „Ligeia“ gelesen hat, weiß, wovon ich rede.

McKillips Prosa ist an Poesie geschult und führt so zuweilen zu ungewöhnlichen Fügungen, um eine Empfindung oder eine Figur zu beschreiben. Sie ermöglicht sogar leise Ironie. Dies ist keine anspruchslose Sprache, wie man sich denken kann. Tatsächlich konnte ich daher immer nur wenige Kapitel (alle sind zwischen 9 und 12 Seiten lang) auf einmal lesen. Ich brauchte zwei Monate für das 300-Seiten-Buch.

Die Sprache lebt in der deutschen Fassung natürlich von den Qualitäten des Übersetzers. Hans J. Schütz hat Tad Williams, H. P. Lovecraft und Peter S. Beagle übersetzt (neben vielen anderen). Er macht seine Sache sehr gut. Nur an manchen Stellen erschienen mir seine Fügungen und Wortwahl als zu gestelzt, zu geschraubt und mitunter antiquiert, aber das trifft wohl auch auf McKillips Sprache zu. Genervt haben mich lediglich viele Tippfehler. Offenbar spart Klett-Cotta nun auch am Korrektor, um den Preis niedrig halten zu können: Dieses Buch kostet 2 Euro weniger als das bessere „Das Lied des Basilisken“. (Beide Romane sind bei Klett-Cotta vergriffen.)

Unterm Strich

Für diesen Fantasyroman mit Gothic-Horror-Elementen sollte man sich Zeit nehmen und ihn notfalls zweimal lesen. McKillip gelingt es, aus einer bedrückenden Atmosphäre heraus Gefühle der Hoffnung entstehen zu lassen, die zu Aktionen werden. Die Geschichte Ombrias ist eine zyklische Geschichte von Verstoßung, ständiger Bedrohung und Wiedergeburt. Die (anspruchsvolle) Sprache ist der Magie der Handlung ebenbürtig, ermöglicht sie im Grunde erst. Doch dass der Handlung eine Hauptfigur fehlt und sie auf drei bis fünf Figuren verteilt ist, macht es nicht einfach, ihr zu folgen. Auch auf die Druckfehler hätte ich verzichten können.

Das Buch eignet sich für Freunde guter phantasievoller Geschichten ab etwa 14 Jahren, die durchaus mal auf Action verzichten können.


Originaltitel: Ombria in shadow, 2002
Aus dem US-Englischen übertragen von Hans J. Schütz
Deutsch bei Klett-Cottas Hobbit-Presse.

[NEWS] Stefan Rebenich – Die Deutschen und ihre Antike: Eine wechselvolle Beziehung

200 Jahre Antikensehnsucht und Geschichte der Altertumswissenschaft Zugänglich und spannend erzählt Stefan Rebenich pointiert die Entwicklung der deutschen Althistorie, die Weltruhm erlangte, aber auch politisch missbraucht wurde. Anhand zentraler Diskurse und wichtiger Institutionen würdigt er kritisch grandiose Leistungen wie Verfehlungen bedeutender Historiker. Ein einzigartiges Buch über die besondere Beziehung der Deutschen zur Antike. Seit mehr als 200 Jahren hat das griechisch-römische Altertum die deutsche Nationalkultur und unsere kollektive Identität mitgeprägt. Stefan Rebenich, einer der führenden deutschen Alt- und Wissenschaftshistoriker, bietet eine ebenso konzise wie glänzend geschriebene Darstellung der wechselvollen und oft kontroversen Geschichte seiner Disziplin. Dabei schildert er nicht nur die politischen und wissenschaftlichen Biographien einzelner herausragender Historiker (u. a. Mommsen, Wilamowitz, Harnack), sondern er berücksichtigt auch bedeutende Wissenschaftsinstitutionen und legt die zeitbedingten Faktoren der historischen Forschung offen. Souverän behandelt er Kontroversen und Themen, die die Entwicklung des Faches bestimmten, und zeigt schonungslos anhand ausgewählter, wenig bekannter Quellen die ideologische Vereinnahmung der Alten Geschichte und die Anpassung ihrer Vertreter im Nationalsozialismus. Was also bleibt und wo stehen wir nach dem Bedeutungsverlust der Antike als Leitbild, fragt der Autor mit einer aktuellen Wendung: Noch heute ist die Beschäftigung mit der Fremdheit der Antike eine intellektuelle emanzipatorische Übung, uns selbst in Frage zu stellen und uns selbst zu finden. (Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe : 400 Seiten
Klett-Cotta

Steven Brust – Athyra. Fantasyroman

Fantasy für Denker: Zauberer auf dem Lande

Vlad Taltos, einst ein gefürchteter Draufgänger und Messerheld, ist auf der Flucht vor seinen Mördern. Vergebens. Von einer Übermacht bedrängt, gelingt ihm in letzter Sekunde der rettende Teleport. Doch sein Kontrahent Loraan, der als Untoter noch zaubermächtiger von den Pfaden des Todes zurückgekehrt ist (siehe die Bände „Jhereg“, „Taltos“ und „Yendi“), weiß inzwischen, wo Vlad sich verbirgt. Dieser allerdings war trotz seiner Wunden nicht untätig. Denn es gibt einen Weg und ein Mittel, den Zauberer zu vernichten. Doch sein einziger Helfer ist ein Junge, schwach und verängstigt. Wird er im entscheidenden Moment Loraan standhalten können?

_Hintergrund_

Auf der Welt Dragaera ging bislang in der Stadt Adrilankha unser Held Vlad Taltos (sprich: taltosch) seinem Beruf nach: Er war ein erstklassiger Auftragskiller. Adrilankha ist eine Art ernsthafte Version von Terry Pratchetts Ankh-Morpork: komplett mit Diebes- und Mördergilden, Kaufleuten, Schenken und Bordellen. Vlad hat sein Büro in der Altstadt, von wo er seinen eigenen Bezirk verwaltet, Schutzgelder abkassieren lässt und Konkurrenz aus dem Weg räumt.

Als hilfreich hat sich sein Vertrauter erwiesen: Loiosh ist ein Flugdrache der Spezies Jhereg. Ähnlich wie Anne McCaffreys Feuerechsen auf dem Planeten Pern, kann Loiosh fliegen, mit seinem Herrn Gedanken austauschen und giftige Bisse austeilen. Loiosh hat seit kurzem eine Partnerin: Rosza.

Auf der uralten Welt Dragaera stellen die Menschen („Ostländer“) wie Vlad Taltos eine Minderheit dar; angeblich kamen sie aus dem Ostreich in das Reich der Nichtmenschen, die so etwas wie kriegerische Elfen sind. Diese Dragaeraner sind in exakt 17 Häuser oder Clans aufgespalten, so etwa Dragons und Hawks …

Definition: ATHYRA – das Haus der MAGIE. Eulenartige Vögel. Senden telepathische Signale aus, die ihre Beute anlocken oder Menschen in Furcht versetzen.

Der Jhereg-Clan, der Vlad aufgenommen hat, ist ein Bastard-Clan und steht außerhalb der Clan-Hierarchie. Die Dragons bilden die Spitze, sie gehorchen nur der Imperatorin. Hochnäsig schauen sie auf die Jhereg-Mitglieder herab, mit einer Ausnahme: Seit seinen Heldentaten in „Jhereg“ hat Vladimir Taltos einen großen Stein im Brett des Dragon-Clans e’Kieron, namentlich bei der zauberischen Aliera und ihrem Verwandten, Morrolan, der über das furchterregendste Schwert auf ganz Dragaera verfügt: „Schwarzstab“ frisst Seelen. Wiederbelebung ausgeschlossen.

_Handlung_

In einer sehr friedlichen Ecke des dragaeranischen Reiches lebt ein friedliches Völkchen sehr langlebiger Flachsbauern. Sie können durchaus mehrere hundert Jahre alt werden, doch Savn ist erst achtzig und somit noch ein junger Hüpfer. Er lebt im Hause seiner Eltern und erträgt seine ständig plappernde Schwester Polyi mit Gleichmut. Lieber denkt er an die Lehren, die ihm sein Lehrmeister Wack erteilt, denn der ist Medikus und weiß alle möglichen interessanten Sachen. Außerdem hat Savn bei Wack das Lesen gelernt und wirft ab und zu einen Blick in die Bücher des Arztes. Sie handeln unter anderem von Zauberei und Philosophie.

Eines Tages kehrt Savn nach Hause zurück und begegnet auf der Landstraße einem Fremden. Der stellt sich als Vlad vor, sei Ostländer und komme aus dem Süden. Savn zeigt ihm freundlich, bei wem er ein Quartier bekommen kann. Am nächsten Tag findet man eine Leiche. Das passiert im Dorf Kleinklippe nicht jeden Tag, nicht einmal in Großklippe, und so gibt es mächtig Aufsehen.

Es ist Zaum, der da mausetot auf der Dorfstraße liegt, ein Lieferant und Fuhrmann. Wack leitet seinen Lehrling an, wie man eine Leiche untersucht, und Savn wird ganz grün im Gesicht. An Zaums Körper findet sich keine einzige Wunde, und nur am Hinterkopf sind ein paar Blutflecke zu sehen. Doch als sich Zaum diese Wunde beim Sturz gegen seinen Wagen zuzog, muss er schon tot gewesen sein. Aber wodurch? Ein Rätsel.

Unfachmännische Lösungen von Rätseln haben die Tendenz, stets die Falschen zu treffen, und so gerät auch Vlad alsbald ins Visier von Verdächtigungen, schließlich trägt er als einziger ein Schwert – also?! (Dass Schwertwunden fehlen, macht den Verdächtigern nichts aus.) Doch Savn hält zu ihm und erfährt einige Dinge über Zauberer und Hexer. Das ist beileibe nicht dasselbe. Vlad kannte den Toten, Zaum, und hat einen Verdacht, der den Baron von Kleinklippe betrifft. Erstaunlich, dass der alte Loraan immer noch lebt. Er hätte schon den Weg alles Sterblichen gehen müssen. Aber schließlich ist Loraan ein Zauberer.

Savn zeigt Vlad einen „Ort der Kraft“: eine tiefe Höhle. Hier hätte Loraan die Kraft eines Untoten gewinnen können, meint Vlad, enthüllt aber nicht, wie er das meint. Dem neugierigen Savn bringt er bei, sich auf telepathische Weise mit ihm, Vlad, zu verständigen. Das wird sich noch als sehr nützlich erweisen. Unterdessen suchen Vlads zwei Jheregs Loiosh und Rosza nach dem Zauberer. Auch sie kommunizieren auf telepathische Weise.

Denn Loraan, so zeigt sich im Laufe der Ereignisse, hat sich mit Vlads Verfolgern zusammengetan. Bevor Vlad fliehen kann, tauchen sieben schwer bewaffnete Krieger auf, Soldaten Loraans. Vlads Verteidigungskräfte reichen nicht ganz aus, und so muss er sich der Übermacht durch Teleportation entziehen. Allerdings ist er zu stark verwundet, um sich selbst heilen zu können. Seine letzte Hoffnung liegt in Savns medizinischen Fähigkeiten. Doch wie soll Savn ihn nach dem Teleport finden?

_Mein Eindruck_

Man muss die eingangs angeführten drei Romane nicht unbedingt kennen, um diesen Band zu genießen, aber es hilft. Denn der Unterschied ist ziemlich deutlich. Ist Vlad Taltos dort ein tatkräftiger Attentäter, der sich seiner Haut zu wehren weiß, so präsentiert er sich in „Athyra“ die meiste Zeit als Flüchtling und Invalide, was nicht besonders viele Aktivität zulässt, wie sich denken lässt.

|Vlad als Fremder|

Da das Geschehen komplett aus der Perspektive von Savn erzählt wird, erscheint uns Vlad diesmal quasi als Außenstehender: ein Fremdkörper, ein verdächtiger Eindringling, ja, möglicherweise nicht einmal ein Mensch – schließlich ist er kein Dragaeraner, sondern ein Ostländer. Und wer weiß, was in deren Köpfen vor sich geht? Savns Schwester Polyi vertritt die Seite der vorurteilsreichen Einheimischen, die den Eindringling suchen und am liebsten umbringen würden. Schließlich hat er ja drei der Soldaten des Herrn Baron getötet, oder? Wenn sich Savn auf Vlads Seite stellt und ihm hilft, gerät er automatisch in die Schusslinie. Prügel setzt es schon mal als Warnung.

|Emanzipation|

Doch Prügel schrecken Savn nicht ab. Die Begegnung mit Vlad und dessen Ansichten hat in Svans Geist ein Tür geöffnet, die ihm Ausblicke auf andere, entfernte Gefilde gewährt – nicht nur andere Gegenden, sondern auch neue Ideen. Und die Methoden seines Lehrmeisters Wack, der auf wissenschaftliche Beobachtung vertraut, tun ein Übriges, um Savn zu einer Person zu machen, die nicht dem Augenschein traut, sondern sich ihr eigenes Urteil bilden will.

|Das Problem der Erkenntnis|

Doch der achtzigjährige Junge befindet sich im gleichen Dilemma, dem sich jeder Kriminalist gegenübersieht: Wie soll man wissen, was man glauben soll? Jeder, den er fragt, behauptet etwas anderes. Sogar Lehrmeister Wack ist kein reiner Wissenschaftler, der experimentiert, sondern auch er fantasiert von „Fieberkobolden“ und singt so etwas wie schamanistische Lieder, um den Patienten zu beruhigen und zu heilen. Der Medikus ist keine große Hilfe beim Herausfinden der Wahrheit: Hat Vlad die drei Soldaten absichtlich getötet – oder war es wirklich Notwehr, wie Vlad behauptet?

Diese zentrale Frage muss Savn erst beantworten, bevor er entscheiden kann, ob er Vlad dabei hilft, sein erklärtes Ziel zu erreichen: den Baron von Kleinklippe zu töten. Das ist keine kleine Sache, wie sich jeder denken kann. Schon immer gab es auf Kleinklippe einen Baron und schon immer haben die Dörfler ihn sich den besten Teil der Flachsernte nehmen lassen. Die Herrschaft des Barons ist praktisch von den Göttern gegeben. Wie kann Savn es da zulassen, dass der Baron getötet wird, noch dazu von einem fremden Ostländer?

|Handeln oder untergehen|

Der Junge hat jedoch ein phänomenales Gedächtnis. Und mit diesem schlägt er Vlad mit seinen eigenen Waffen. Er beweist, dass Vlad kein Deut besser ist als dessen Gegner Loraan oder als dessen Verbündeter, der Assassine Isztvan. Dieser will Vlad mit einer Morganti-Waffe töten, so dass eine Wiederbelebung Vlads ausgeschlossen ist. Das bedeutet, dass Vlads Existenz in höchster Gefahr schwebt: Die Konfrontation mit Loraan und seinem Helfer wird auf jeden Fall die einzige und entscheidende sein. Zum Glück hat Vlad ein paar Tricks auf Lager.

Da hat Savn die rettende Idee, um alle Zweifel auszuräumen: Warum fragt er nicht einfach Loraan selbst, was Sache ist? Dass diese Idee nicht so glorreich ist, wie er zunächst dachte, findet Savn bald heraus, als er in das Herrschaftshaus des Barons gebeten wird. Er gerät vom Regen in die Traufe.

_Unterm Strich_

Actionfreunde kommen hier nicht auf ihre Kosten. Im Gegenteil: Hier wird sehr viel geredet. Der Kampf mit den sieben Soldaten des Barons stellt quasi nur eine Ablenkung vom Reden dar. Doch das Reden ist natürlich kein Selbstzweck, sondern dient der Erkenntnis. Wir können mitverfolgen, wie sich die Geisteshaltung der Hauptfigur, nämlich Savns, verändert und ihn von einem ahnungslosen naiven Dörfler zu einem ebenbürtigen Diskussionsgegner Vlads macht. Das ist ziemlich erstaunlich. Andererseits ist es absolut notwendig, dass diese Wandlung erfolgt, denn nur so kann am Schluss Savn als glaubwürdiger Helfer Vlads und Kontrahent Loraans auftreten. Im Gleichgewicht der Kräfte der beiden Zauberer stellt er das Zünglein an der Waage dar.

Ich konnte den Roman wie alle Taltos-Bände zuvor in zwei Tagen lesen. Doch die Einfachheit der Sprache sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es um ein wichtiges Thema geht, das sich nur in zahlreichen Dialogen realisieren und darstellen lässt: Wie können wir wissen, was wir glauben sollen? Savn hat einen Weg gefunden: Sein Gedächtnis hilft ihm, Aussagen zu vergleichen und Widersprüche aufzudecken. In unserer Welt müssten hierfür die Presse und die Geschichtswissenschaft entsprechend einspringen – mit Erfolg?

Savn erkennt, wie schändlich ihn Vlad missbraucht und benutzt hat. Er emanzipiert sich bei diesem Vorgang der Aufklärung aus den Fesseln von Vorurteil und Täuschung. Zu diesen Vorurteilen gehört ganz klar auch Rassismus. „Athyra“ ist eines der seltenen Fantasy-Werke, in denen der Rassismus ziemlich deutlich dargestellt und einer kritischen Betrachtung unterzogen wird.

Am Ende des Showdowns trägt Savn schwere seelische Verletzungen davon; er ist traumatisiert. Vlad nimmt ehrenvollerweise die Aufgabe auf sich, die Seele seines Freundes zu heilen. Er hat einiges wiedergutzumachen. Der Autor hebt niemals den Zeigefinger, sondern behält stets die Figuren im Vordergrund. Umso überzeugender und fesselnder ist ihm seine Geschichte geraten. Wer sich nicht an langen Dialogen stört, sondern im Geiste daran teilnimmt, wird wesentlich mehr von diesem – auch optisch – schönen Buch haben. Die Übersetzung ist einwandfrei gelungen.

|Die Motti|

Jedem der 17 Kapitel ist der Vers eines langen lustigen Liedes vorangestellt, das Savn einmal mit Polyi singt. Es handelt von einer jungen Frau, die praktisch sämtliche Männer, die in Frage kommen, als Freier ablehnt. Dazu gehören der Schweinebauer, der Soldat, der Edelmann, der Koch und viele, viele andere. Wen sie dann am Schluss erwählt, soll hier nicht verraten werden, aber es ist sehr ironisch.

|Look & Feel|

Die Cover-Art der |Klett-Cotta|-Reihe mit Steven-Brust-Romanen weist einen eigenen Stil auf. Der monochrome Hintergrund zeigt einen Jungen mit einem starren Blick – ähnlich wie der traumatisierte Savn. Doch im Vordergrund schwebt ein hochgereckter Dolch mit gewellter Klinge. Es ist die Morgantiwaffe, die für Vlad bestimmt ist. Aber natürlich ebenso gut Savn treffen könnte.

_Der Autor und seine Werke_

1955 in Minneapolis geboren, ist Steven Karl Zoltán Brust schon Programmierer, Drummer in einer Reggae-Band, Schauspieler und Gitarrist in verschiedenen Bands gewesen. Er liebt vor allem zwei Dinge: die Küche seiner ungarischen Vorfahren und den Kampfsport – zumindest Letzteres merkt man seinem Buch an.

Er ist ein Mitglied der wichtigen Schriftstellergemeinschaft der „Scribblies“, die 1980 in Minneapolis gegründet wurde. Ihr gehören bekannte AutoInnen wie Emma Pull, Patricia Wrede und vor allem Kara Dalkey (die bei |Knaur| veröffentlicht wurde) an. Sie schreiben, was sie gerne selbst lesen würde. Dazu gehört besonders zeitgenössische und urbane Fantasy. Bull und Shetterly edierten die Romane, die auf der Shared-World Liavek spielen. Viele Scribblies-Mitglieder gehören der Bewegung der Pre-Joycean Fellowship (PJF) an. Sie unterstützen Literatur, wie sie vor James Joyce geschrieben wurde. Sie sind somit anti-modernistisch (aber modern) und anti-elitär, außerdem meist humorvoll.

In den USA ist Brust bisher durch neunzehn Romane und eine Soloplatte bekannt geworden. Seine Bücher werden immer wieder neu aufgelegt. Mit „Jhereg“ erschien 1983 der Startband eines ganzen Zyklus um den Antihelden Vlad Taltos. Zu diesem gehören folgende Werke:

Jhereg (1983), Yendi (1984), Teckla (1986) – zusammengefasst als „Taltos the Assassin“ (1991);

Taltos (1988; auch „Taltos and the Paths of the Dead“, 1991), Phoenix (1988) und Athyra (1991).

Verwandt ist die „Khaavren“-Sequenz, die sozusagen historische Romane à la A. Dumas umfasst, die auf Dragaera spielen: The Phoenix Guard (1991), Five Hundred Years After (1994) und The Viscount of Adrilankha (ca. 1996). „Brokedown Palace“ (1986) enthält ebenfalls verwandtes Material.

Bei |Klett-Cotta| erschienen die Bücher in folgender Reihenfolge: „Jhereg“ (2002), „Taltos“ (2002), „Yendi“ (2003), „Teckla“ (2003), „Phönix“ (2004), „Athyra“ (2005).

Weitere Werke Steven Brusts:

– To Reign in Hell (1984): Jehova als politischer Intrigant, der seine gleichberechtigten Kollegen verstoßen hat, die nun in der Hölle herrschen;
– Agyar (1993): Vampir-Roman mit einer Hauptfigur, die sich weigert, über ihren Zustand zu sprechen;
– Gypsy (mit Megan Lindholm/Robin Hobb, 1992): Zigeunerfolklore;
– The Sun, the Moon, an the Stars (1987): Nacherzählung eines Märchens;
– Cowboy Feng’s Space Bar & Grille (1990); Science-Fiction-Parodie.

Brust, Steven – Phönix. Fantasyroman

_Unterhaltsam: James Bond in der Fantasywelt_

Ein Königsmord, den Vlad Taltos begeht, löst einen Krieg aus, doch das ist noch gar nichts gegen das, was seine Frau Cawti anstellt: Sie führt die Revolution in der Hauptstadt an. Vlad würde gerne etwas unternehmen, um sie wieder aus dem Gefängnis zu holen, aber dummerweise hat jemand einen Preis auf seinen Kopf ausgesetzt. Doch wer steckt dahinter?

_Hintergrund_

Auf der Welt Dragaera geht in der Stadt Adrilankha unser Held Vlad Taltos (sprich: taltosch) seinem Beruf nach: Er ist ein erstklassiger Auftragskiller. Adrilankha ist eine Art ernsthafte Version von Terry Pratchetts Ankh-Morpork: komplett mit Diebes- und Mördergilden, Kaufleuten, Schenken und Bordellen. Vlad hat sein Büro in der Altstadt, von wo er seinen eigenen Bezirk verwaltet, Schutzgelder abkassieren lässt und Konkurrenz aus dem Weg räumt.

Als hilfreich hat sich sein Vertrauter erwiesen: Loiosh ist ein Flugdrache der Spezies Jhereg. Ähnlich wie Anne McCaffreys Feuerechsen auf dem Planeten Pern kann Loiosh fliegen, mit seinem Herrn Gedanken übertragen und giftige Bisse austeilen.

Auf der uralten Welt Dragaera stellen die Menschen („Ostländer“) wie Vlad Taltos eine Minderheit dar; angeblich kamen sie aus dem Ostreich in das Reich der Nichtmenschen, die so etwas wie kriegerische Elfen sind. Diese Dragaeraner sind in exakt 17 Häuser oder Clans aufgespalten, so etwa Dragons und Hawks. Der Jhereg-Clan, der Vlad aufgenommen hat, ist ein Bastard-Clan und steht außerhalb der Clan-Hierarchie.

Die Dragons bilden die Spitze, sie gehorchen nur der Imperatorin. Hochnäsig schauen sie auf die Jhereg-Mitglieder herab, mit einer Ausnahme: Seit seinen Heldentaten in „Jhereg“ hat Vladimir Taltos einen großen Stein im Brett des Dragon-Clans e’Kieron, namentlich bei der zauberischen Aliera und ihrem Verwandten, Morrolan, der über das furchterregendste Schwert auf ganz Dragaera verfügt: „Schwarzstab“ frisst Seelen. Wiederbelebung ausgeschlossen.

Ach ja: Endlich erfahren wir auch etwas über die Götter. Sie sind an allem schuld.

_Handlung_

Vladimir Taltos ist ein erfolgreicher Auftragskiller in der „Organisation“. Im Vorgängerband „Teckla“ ist ihm ein beträchtlicher Gebietszuwachs gelungen: Ihm unterstehen nun Süd-Adrilankha und somit die Arbeiter- und Elendsviertel der Hauptstadt der Dragaeraner. Allerdings hat sich damit auch eine Menge Ärger eingehandelt, wie sich nicht erst jetzt zeigt.

Denn wie schon in „Teckla“ kommt es in diesem Viertel des Proletariats zu Aufständen, die von Revolutionären geschürt werden. Eine von ihnen ist Cawti, Vlads Frau, ebenfalls eine Attentäterin. Da aber Unruhen schlecht fürs Geschäft sind, gerät Vlad immer wieder mit Cawti aneinander. Um die Zukunft seiner Ehe steht es nicht sonderlich gut. Sein Job macht ihm keinen Spaß mehr.

Deshalb ist er relativ froh über die Abwechslung, die sein neuester Auftrag mit sich bringt. „Ich sandte ein Gebet an [meine Schutzpatronin] Verra, die Dämonengöttin, und bereitete mich darauf vor, meinen Angreifern gegenüberzutreten. Dann passierte etwas Ungewöhnliches. Mein Gebet wurde erhört.“

Verra erteilt Vlad den Auftrag, einen König zu töten. Nicht irgendeinen, sondern den von Grünwehr, einem benachbarten Inselreich. Einer Göttin kann man bekanntlich einen Wunsch nicht so leicht abschlagen, und so setzt Vlad auf die Insel über, wo der König in einem stattlichen Dorfhaus wohnt. Der Haken an dem Auftrag ist der, dass hier keine Magie funktioniert. Vlad erfährt erst später, dass der so genannte Phönixstein, aus dem die halbe Insel besteht, jede Magie, die das Imperium bereitstellt, unwirksam macht.

Dieser Umstand macht auch die Befreiung Vlads so schwierig, nachdem er erfolgreich den Auftrag ausgeführt hat, dann aber bei einem geheimnisvollen Trommler seinen Häschern in die Hände gefallen ist. Die Verhörmethoden der Grünwehrer sind einfach lachhaft. Sie hatten noch nie mit einem Attentäter zu tun. Im Knast bringt der miteingefangene Trommler, er heißt Aibynn, Vlad gerne das Trommeln bei. Erst als es Loiosh gelingt, Vlads Freunde und Frau zu verständigen, gelingt die Befreiung, mit prä-imperialer Magie.

Die Grünwehrer lassen aber die Schande nicht auf sich sitzen und erklären dem Imperium den Krieg. Sie bereiten eine Invasion vor. Folglich braucht die Imperatorin, die hübsche Zerika, neue Truppen, und sie lässt ihre so genannten „Presspatrouillen“ besonders in Süd-Adrilankha Männer zwangsverpflichten. Dass das böses Blut erzeugt, ist klar, und Cawti trägt ihren Teil dazu bei. Schon bald sitzt auch sie im Knast. Vlad muss bei der Imperatorin vorsprechen, um sie herauszuholen.

Doch Aufruhr und Krieg sind ganz schlecht fürs „Geschäft“, findet die „Organisation“ (lies: Mafia). Sie stellt Vlad ein Ultimatum: Entweder er bringt Cawti dazu, mit dem Aufstand aufzuhören, oder er wird „außer Dienst gestellt“. Vlad versucht herauszufinden, wer für den Mordauftrag gegen ihn verantwortlich ist. Damit sticht er aber in ein imperiales Wespennest.

Zum Glück fällt ihm ein raffinierter Plan ein, um sämtliche Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Doch der Plan wird nur gelingen, wenn alle seine Freunde mithelfen. Und wenn auch die Grünwehrer mitspielen. Wogegen es wohl einige Widerstände geben dürfte.

_Mein Eindruck_

Ich habe auch dieses Taltos-Abenteuer in nur zwei Tagen verschlungen. Ich bin ja schon seit Beginn der Serie ein Fan des unkonventionellen „Hauptdarstellers“: ein James Bond in einer Fantasywelt, wenn auch ohne die obligatorischen Bond-Girls, das ist genügend Stoff für unterhaltsame Lektüreabende. Die Bindungen, die er an seine Frau Cawti entwickelt hat (sie rettete ihm einmal das Leben), lassen ihn wesentlich verantwortungsbewusster und zielstrebiger, mitunter sogar dickschädeliger handeln als seinen Film-Kollegen. Seine Sturheit, die sich auch als Loyalität zu Cawti interpretieren lässt, beeindruckt selbst die Imperatorin.

|Überraschungen und andere göttliche Momente|

Der Mann versteht zweifellos sein Handwerk, das des fachgerechten und effizienten Tötens. Dennoch gibt es immer wieder ein paar Dinge, die ihn aus dem Konzept bringen. Diese Dinge tragen in der Regel zur Erzeugung von Ironie und der Erheiterung des Lesers bei. Da wäre einmal das erhörte Gebet. Damit beginnen die ganzen Malessen, mit denen sich Vlad in der Folge herumschlagen muss. So ein göttlicher Mordauftrag, sollte Vlad wohl annehmen, dürfte seine Gründe haben. Wie sich hinterher im Gespräch mit der Göttin selbst erweist, hat aber auch sie die Folgen nicht so ganz durchdacht und ein paar Umstände übersehen. Merke: Götter sind weder allwissend noch allmächtig, sondern einfach nur personifizierte Mächte.

Dass Götter wie jene in der Antike auch Kinder haben können, verwundert im Grunde nicht. Doch als Vlad erfährt, dass seine gute Bekannte Aliera, die mit dem Morganti-Schwert, die Tochter von Göttin Verra ist, fällt er glatt aus allen Wolken. Er kann es Aliera heimzahlen, indem er ihr von ihrer Tochter Devera erzählt – die sie zu diesem Zeitpunkt AUF DER ERDE noch gar nicht hat, wohl aber in der göttlichen Dimension (wo immer das auch ist). Nun ist die Reihe an Aliera, überrascht zu sein.

Ein weiteres Joker-Element in der Handlung stellt der schweigsame Trommler Aibynn dar. Er musste zusammen mit Vlad von Grünwehr flüchten. Vlad hat ein ziemlich zweispältiges Verhältnis zu ihm. Vlad hatte sich in einem Baum vor Aibynns Hütte vor seinen Verfolgern versteckt, doch der „Traumgras“-Rauch benebelte ihn derart, dass er zu Boden stürzte – womit seine Schwierigkeiten anfingen. Ob Aibynn nicht auch noch ein Spion der Grünwehrer ist, ist Vlad die meiste Zeit nicht klar. Als Aibynn schließlich auch vor der Imperatorin trommeln darf, befürchtet Vlad daher ein Attentat. Sein Einschreiten rührt die Imperatorin; er hat bei ihr einen Stein im Brett. Als Pointe kommt dann schließlich die Szene, in der es Aibynn gelingt, nur mit Trommeln die Dimension zu wechseln. Für dieses Teleportieren brauchen die Leute von Dragaera immer die Magie, und hinterher ist ihnen schlecht. Aibynn zeigt Vlad, dass es auch anders geht, und ohne Nebenwirkungen. Ein ironischer Kommentar auf die ach so hoch geschätzte Macht der Magie.

|Lektüreerlebnis|

Nach einem spannenden Auftakt auf der magielosen Insel Grünwehr beschäftigt sich Vlad erst einmal mit alles anderem als toten Königen. Ich fragte mich, wohin das führen sollte. Doch Vlads Recherchen nach dem Verantwortlichen für den Mordauftrag gegen ihn gleichen einer Stufenleiter, die bis zur höchsten Instanz führt. Sein Kampf für die Freiheit seiner Frau ist eng damit verknüpft, denn die „Organisation“ macht ihn für Cawtis Verhalten haftbar. Dadurch gerät er jedoch mitten in das blutigste Massaker der „Revolution“, an das er sich später nur bruchstückhaft erinnern kann. Uns bleibt also das Schlimmste erspart.

[SPOILER!]

Wie sich das für ein gut geschriebenes Buch gehört, führt die Handlung wieder zurück zum Ausgangspunkt, um ein paar lose Fäden zu beseitigen: ein genialer Showdown beim neuen König von Grünwehr ist die Folge. Dass Vlad dafür vom Imperium belohnt wird, fasst er selbst als lästig auf und setzt der Ironie wirklich die Krone auf. Er wollte eigentlich nur ein gewöhnlicher Attentäter bleiben, nun jedoch macht ihn die Imperatorin zu so etwas wie einem Ritter, als wäre er einer von diesen hochnäsigen Dragaeranern. Also wirklich!

_Unterm Strich_

Freunde von Action-Fantasy kommen hier durchaus auf ihre Kosten, dürfen aber keine Einheitskost à la Conan erwarten. Allenfalls eine so witzige Fantasyreihe wie die um Fafhrd und den Grauen Mauser, geschrieben von Fritz Leiber Mitte des 20. Jahrhunderts, könnte Brusts Romanen das Wasser reichen, was Witz, Action und Ironie anbelangt.

Brusts fiktionale Welt ist vielschichtig, besser ausgetüftelt als die übliche Sword & Sorcery und viel enger unserer eigenen Welt verwandt. Zudem spielen hier aktive Frauen eine sehr bedeutende Rolle und tragen wesentlich zur Unvorhersehbarkeit ders Handlungsverlaufs bei. Ganz abgesehen von den romantisch-sinnlichen Aspekten, die ihre Präsenz mit sich bringt. Cawti beispielsweise hat nicht nur einiges in der Bluse, sondern auch noch einen spitzen Dolch im Gewande. Diesmal kommen die Göttin Verra, ihre Tochter sowie die Imperatorin hinzu – eine Menge mächtige Weiblichkeit, mit der sich Vlad auseinandersetzen muss.

Wahrscheinlich sind noch einige wertvolle Einsichten über grundlegende Dinge wie Liebe und Hass sowie die Wechselwirkungen von Machtanwendung in dem Buch verborgen, doch diese Dinge auszugraben, überlasse ich Leuten mit mehr Geduld. Ich fand jedenfalls „Phönix“ eine recht kurzweilige Lektüre, die dem Leser durch unkonventionellen Handlungsverlauf und ungewöhnlich gezeichnete Charaktere stets ein hohes Maß an Aufmerksamkeit abverlangt. Die vielen ironischen und lakonischen Dialoge haben sicher auch dazu beigetragen, dass das Buch schnell gelesen war.

|Look & Feel|

Die Cover-Art der |Klett-Cotta|-Reihe mit Steven-Brust-Romanen weist einen eigenen Stil auf. „Phönix“ zeigt vor dem Hintergrund, in dem einen grünen Jhereg-Flugdrachen zu sehen ist, einen golden Brocken Stein. Der sieht zwar aus wie Pyrit („Katzengold“), soll aber wohl den im Buch erwähnten Phönixstein darstellen. Dieser wehrt Zauberei ab und scheint weitere erstaunliche Eigenschaften zu besitzen.

_Der Autor_

1955 in Minneapolis geboren, ist Steven Karl Zoltán Brust schon Programmierer, Drummer in einer Reggae-Band, Schauspieler und Gitarrist in verschiedenen Bands gewesen. Er liebt vor allem zwei Dinge: die Küche seiner ungarischen Vorfahren und den Kampfsport – zumindest Letzteres merkt man seinem Buch an.

Er ist ein Mitglied der wichtigen Schriftstellergemeinschaft der „Scribblies“, die 1980 in Minneapolis gegründet wurde. Ihr gehören bekannte AutoInnen wie Emma Pull, Patricia Wrede und vor allem Kara Dalkey (die bei |Knaur| veröffentlicht wurde) an. Sie schreiben, was sie gerne selbst lesen würde. Dazu gehört besonders zeitgenössische und urbane Fantasy. Bull und Shetterly edierten die Romane, die auf der Shared-World Liavek spielen. Viele Scribblies-Mitglieder gehören der Bewegung der Pre-Joycean Fellowship (PJF) an. Sie unterstützen Literatur, wie sie vor James Joyce geschrieben wurde. Sie sind somit anti-modernistisch (aber modern) und anti-elitär, außerdem meist humorvoll.

In den USA ist Brust bisher durch neunzehn Romane und eine Soloplatte bekannt geworden. Seine Bücher werden immer wieder neu aufgelegt. Mit „Jhereg“ erschien 1983 der Startband eines ganzen Zyklus um den Antihelden Vlad Taltos. Zu diesem gehören folgende Werke:

Jhereg (1983), Yendi (1984), Teckla (1986) – zusammengefasst als „Taltos the Assassin“ (1991);

Taltos (1988; auch „Taltos and the Paths of the Dead“, 1991), Phoenix (1988) und Athyra (1991).

Verwandt ist die „Khaavren“-Sequenz, die sozusagen historische Romane à la A. Dumas umfasst, die auf Dragaera spielen: The Phoenix Guard (1991), Five Hundred Years After (1994) und The Viscount of Adrilankha (ca. 1996). „Brokedown Palace“ (1986) enthält ebenfalls verwandtes Material.

Bei |Klett-Cotta| erschienen die Bücher in folgender Reihenfolge: „Jhereg“ (2002), „Taltos“ (2002), „Yendi“ (2003), „Teckla“ (2003), „Phönix“ (2004), „Athyra“ (2005).

Homepage des Autors: http://www.dreamcafe.com/

Brust, Steven – Teckla. Fantasyroman

_Action: Der Attentäter als Konterrevolutionär_

Die Bauern und Proleten proben den Aufstand. In ihrem Viertel Süd-Adhrilanka werden Barrikaden errichtet. Und Vlads Angetraute Cawti beteiligt sich an diesen Machenschaften. Kein Wunder, dass Vlads Nerven Trampolin spielen. Denn er weiß: Es wird Blut fließen. Die Frage ist nur: Wessen wird es sein?

_Hintergrund_

Auf der Welt Dragaera geht in der Stadt Adrilankha unser Held Vlad Taltos (sprich: taltosch) seinem Beruf nach: Er ist ein erstklassiger Auftragskiller. Adrilankha ist eine Art ernsthafte Version von Terry Pratchetts Ankh-Morpork: komplett mit Diebes- und Mördergilden, Kaufleuten, Schenken und Bordellen. Vlad hat sein Büro in der Altstadt, von wo er seinen eigenen Bezirk verwaltet, Schutzgelder abkassieren lässt und Konkurrenz aus dem Weg räumt.

Als hilfreich hat sich sein Vertrauter erwiesen: Loiosh ist ein drachenähnliches Wesen aus der Spezies Jhereg. Ähnlich wie Anne McCaffreys Feuerechsen auf dem Planeten Pern kann Loiosh Gedanken übertragen und giftige Bisse austeilen.

Auf der uralten Welt Dragaera stellen die Menschen („Ostländer“) wie Vlad Taltos eine Minderheit dar; angeblich kamen sie aus dem Ostreich in das Reich der Nichtmenschen, die so etwas wie kriegerische Elfen sind. Die Dragaeraner sind in exakt 17 Häuser oder Dynastien aufgespalten, so etwa Dragons und Hawks. Sie erlangen nach einer genau festgelegten Reihenfolge die Staatsmacht, um sie nach einer bestimmten Zeit wieder zu verlieren. Diese Abfolge des so genannten „Zyklus“, die in einer Art Merkvers (abgedruckt am Buchanfang) festgehalten ist, bestimmt das Schicksal der Welt. Dennoch versuchen die einzelnen Häuser, ihre Macht auszubauen.

Jedes Haus und jede Dynastie hat sich das Wappen und den Namen eines Tieres ihres Planeten zugelegt, und dessen Eigenschaften sind auf das Haus selbst übergegangen. (Liste siehe Schluss.) Der Jhereg-Clan, der Vlad Taltos aufgenommen hat, ist ein Bastard-Clan und steht ein wenig außerhalb der Clan-Hierarchie. Dennoch: „Mit Ausnahme der Tecklas sind alle Häuser edel.“ (Brust)

Die kriegerischen Dragons bilden die Spitze, sie gehorchen nur der Imperatorin. Hochnäsig schauen sie auf die Jhereg-Mitglieder herab, mit einer Ausnahme: Seit seinen Heldentaten in „Jhereg“ hat Vladimir Taltos einen großen Stein im Brett des Dragon-Clans e’Kieron, namentlich bei der zauberischen Aliera und ihrem Verwandten Morrolan, der über das furchterregendste Schwert auf ganz Dragaera verfügt: „Schwarzstab“ frisst Seelen. Wiederbelebung ausgeschlossen.

_Handlung_

Im Viertel Süd-Adhrilanka proben die Tecklas und Ostländer den Aufstand. Tecklas sind in der Hierarchie der Stände auf Dragaera so etwas wie Bauern und Pächter, Ostländer sind meist Proletarier. Zwei Männer, Kelly und Franz, leiten den Aufstand und „indoktrinieren die Massen“, wie Karl Marx und Friedrich Engels so schön sagen würden. Ihre Sache, der Kampf um mehr Rechte, hat durchaus etwas für sich. Leider kommen sie damit etlichen Leuten in die Quere. Unter anderem auch der Unterwelt, dem Jhereg.

Einer der Unterweltbosse, Herth, lässt Franz umlegen. Zunächst wurde Vlad Taltos dieser Job angeboten, aber der lehnte ab. Einen Ostländer-Landsmann umlegen? Kommt nicht in Frage. Später erscheint ihm Franz als Geist. Ein Zauberer zu sein, hat auch seine Nachteile.

Ernst nimmt Vlad den ganzen Aufstand sowieso erst, als seine Frau Cawti sich den Aufständischen anschließt und ebenfalls zu agitieren beginnt. Er fürchtet um ihr Leben, wenn der Jhereg zuschlägt und obendrein das Imperium für Ruhe sorgen will, indem es seine Phönixwachen ins Viertel schickt, um Kelly festzunehmen. Kelly ist schlau und bricht keine blutige Revolution vom Zaun. Er wartet darauf, dass sich andere Städte seiner Bewegung anschließen. Etwas frustriert findet Vlad heraus, dass Cawti seine Bemühungen überhaupt nicht konstruktiv findet. Schließlich zieht sie aus.

Indem sich Vlad eingemischt hat, geriet er in die Schusslinie des Jhereg-Bosses Herth. Der ist ebenso ein Zauberer wie Vlad selbst und nimmt ihn schwer in die Mangel. Nur die Tecklas und Cawti befreien ihn. Diese Demütigung kann Vlad nicht auf sich sitzen lassen. Nachdem er sich bei seinem Großvater über die Geschichte der Aufstände in Adhrilanka erkundigt hat, fädelt er einen ebenso ausgetüftelten wie gewagten Plan ein, um dem Spuk ein Ende zu bereiten.

Allerdings weiß er auch, dass Herth einen Attentäter auf ihn angesetzt hat.

_Mein Eindruck_

„Teckla“ ist wieder so ein Roman wie „Taltos“: Es braucht ziemlich lange, bis der Plot in die Gänge kommt. Nach einem viel versprechenden Auftakt von etwa 50 bis 70 Seiten beginnt der Plot nur noch um sich selbst zu kreisen. Das ist Vlads Aufklärungsphase und die Zeit des Waffenstillstands. Fast 130 Seiten Stillstand – mit einem kleinen Intermezzo in Herths Folterkammer – strapazieren den Geduldsfaden des Lesers bis zum Zerreißen. Endlich, um die Seite 200 herum, kristallisiert sich Vlads genialer Plan heraus, der denn auch zu einem guten Ende führt. Es bleiben nur wenige Leichen auf der Strecke.

Der Roman hätte sich also actionmäßig auf 120 Seiten erzählen lassen: eine Novelle. Das war er vielleicht auch ursprünglich, denn es ist bekannte Praxis amerikanischer Autoren, zuerst eine Kurzfassung zu veröffentlichen – etwa für Anthologien und Taschenbuchmagazine – bevor sie sie zu einem Roman von wenigstens 300 Seiten ausbauen. Der Dumme ist jedoch der Leser: Er hat zwischen Auftakt und Finale eine Durststrecke zu überwinden. So auch in „Teckla“.

Thematisch gibt die Story durchaus etwas her: Vlads seriokomische „Behandlung“ des Phänomens der Revolution durch das Proletariat (genauer: ihre Vereitelung). Die Kritik der aristokratisch dominierten Stände-Hierarchie auf Dragaera. Das Zerreißen persönlicher und persönlichster Beziehungen wie etwa auch Vlads Ehe. Die historische Dimension der Aufstände, die bis in Vlads Familiengeschichte hineinreicht: Vlads Opa ist einmal Kampfgenosse Kellys gewesen.

Am interessantesten ist der Konflikt, in den Kellys Strategie Leute wie Vlad stürzt: Vlad muss sich entscheiden, auf welcher Seite er als a) Ostländer (Nicht-Dragaeraner), b) Jhereg und c) Edelmann und Hexer steht. Es gibt hierzu ein ausgezeichnetes Streitgespräch mit Kelly. Und es sieht nicht so aus, als würde Vlad dabei eine gute Figur machen.

Das alles hat durchaus etwas für sich, und der Autor schneidet das alles auch an. Er schafft es aber nicht, es in einen Spannungsbogen einzubinden, der den Leser bei der Stange hält. Vielleicht sind Revolutionen ja immer so langweilig, von nahem betrachtet. Erst als Vlad seinen Plan der Konterrevolution in die Tat umsetzt, ohne dem Leser allzu viel darüber zu verraten, kommt (wieder) Spannung auf.

_Unterm Strich_

Dramaturgisch gesehen ist dieser Schlussband der ersten Taltos-Trilogie der schwächste. An intellektuellem Gehalt ist er jedoch der ausgereifteste. Je nachdem, ob man nun auf Spannung Wert legt – wie ich etwa – oder auf die Aufarbeitung des Themas Revolution – finde ich auch nicht übel -, so wird man den Roman verwerfen oder willkommen heißen. Daher gibt es meinerseits entsprechende Abstriche beim Gesamteindruck. Begründung siehe oben.

Der Autor ist ungarischer Abstammung und stolz darauf. 1956 probten die Ungarn den Aufstand gegen die sowjetischen Besatzer ihres Landes. Bekanntlich scheiterten sie damit. Die Frage ist also berechtigt, ob Brust mit „Teckla“ dieses Ereignis für sich verarbeitet hat. Anders als in der Geschichte geht Kellys Aufstand unblutig – nun ja, relativ unblutig zu Ende.

Die Übertragung ist Olaf Schenk wieder einmal ganz ausgezeichnet gelungen. Er setzt auch den leicht schnoddrigen Ton und die halb ernst, halb ironisch gemeinten Bemerkungen und Äußerungen eins zu eins um. Das zeugt von hervorragendem Sprachgefühl.

_Autor und Werke_

1955 in Minneapolis geboren, ist Steven Karl Zoltán Brust schon Programmierer, Drummer in einer Reggae-Band, Schauspieler und Gitarrist in verschiedenen Bands gewesen. Er liebt vor allem zwei Dinge: die Küche seiner ungarischen Vorfahren und den Kampfsport – zumindest Letzteres merkt man seinem Buch an.

Er ist ein Mitglied der wichtigen Schriftstellergemeinschaft der „Scribblies“, die 1980 in Minneapolis gegründet wurde. Ihr gehören bekannte AutoInnen wie Emma Pull, Patricia Wrede und vor allem Kara Dalkey (die bei |Knaur| veröffentlicht wurde) an. Sie schreiben, was sie gerne selbst lesen würde. Dazu gehört besonders zeitgenössische und urbane Fantasy. Bull und Shetterly edierten die Romane, die auf der Shared-World Liavek spielen. Viele Scribblies-Mitglieder gehören der Bewegung der Pre-Joycean Fellowship (PJF) an. Sie unterstützen Literatur, wie sie vor James Joyce geschrieben wurde. Sie sind somit anti-modernistisch (aber modern) und anti-elitär, außerdem meist humorvoll.

In den USA ist Brust bisher durch neunzehn Romane und eine Soloplatte bekannt geworden. Seine Bücher werden immer wieder neu aufgelegt. Mit „Jhereg“ erschien 1983 der Startband eines ganzen Zyklus um den Antihelden Vlad Taltos. Zu diesem gehören folgende Werke:

Jhereg (1983), Yendi (1984), Teckla (1986) – zusammengefasst als „Taltos the Assassin“ (1991);

Taltos (1988; auch „Taltos and the Paths of the Dead“, 1991), Phoenix (1988) und Athyra (1991).

Verwandt ist die „Khaavren“-Sequenz, die sozusagen historische Romane à la A. Dumas umfasst, die auf Dragaera spielen: The Phoenix Guard (1991), Five Hundred Years After (1994) und The Viscount of Adrilankha (ca. 1996). „Brokedown Palace“ (1986) enthält ebenfalls verwandtes Material.

Bei |Klett-Cotta| erschienen die Bücher in folgender Reihenfolge: „Jhereg“ (2002), „Taltos“ (2002), „Yendi“ (2003), „Teckla“ (2003), „Phönix“ (2004), „Athyra“ (2005).

Homepage des Autors: http://www.dreamcafe.com/

_Die Liste der siebzehn Tierarten des Zyklus_
(Angaben von Steven Brust):

DRAGONS – stehen für KRIEG. Große Reptilien, die kein Feuer speien. Zu erkennen an den Tentakeln, mit denen sie übersinnliche Eindrücke aufnehmen.

LYORNS – Stehen für TRADITION. Sehen wie mittelgroße Hunde mit goldenem Fell aus, nur haben sie mitten auf der Stirn ein Horn.

TIASSAS – stehen für Beschleunigung und INSPIRATION. Große Panther mit fledermausartigen Flügeln.

HAWKS – stehen für NEUGIERDE. Alles vom Hühnerhabicht bis zum Adler.

DZURS – stehen für HELDENTUM. Große schwarze Tiger.

ISSOLAS – stehen für Etikette und ÜBERRASCHUNG. Leicht storchenhaft, nur dunkler und mit spitzerem Schnabel.

TSALMOTHS – bekannt für Unvorhersagbarkeit und AUSDAUER. Baumbewohnende Schildkröten.

VALLISTAS – stehen für AUFBAU und ABRISS. Amphibische Kreaturen, die an Strömen und Teichen leben.

JHEREGS – stehen für KORRUPTION. Kleine giftige Flugreptilien, die sich von Aas ernähren.

IORICHS – stehen für Gerechtigkeit und STRAFE. Große, langsame Flussreptilien, Pflanzenfresser. Gedächtnis wie ein Nashorn und Elefant, sehr nachtragend.

CHREOTHAS – stehen für die FALLE. Große fuchsartige Tiere, die mit Hilfe ihres Speichels Netze bauen, die stark genug sind, um Dzurs und manchmal auch einen Dragon zu verstricken.

YENDIS – stehen für HEIMTÜCKE und Irreführung. In Wüsten lebende Sandschlangen. Ihr Biss ist so leicht, dass kaum ein Tier bzw. Mensch ihn bemerkt, bis das Opfer wenige Minuten bis eine Stunde später zusammenbricht.

ORCAS – Unternehmensgeist und die gewalttätige Seite des Geschäftemachens.

TECKLAS – stehen für FEIGHEIT und Fruchtbarkeit. Kleine Feldmäuse aus den Salzmarschen.

JHEGAALAS – stehen für METAMORPHOSE. Leben in Sümpfen, erst als Eier, dann als Motten und schließlich als große Kröten.

ATHYRAS – das Haus der MAGIE. Eulenartige Vögel. Senden telepathische Signale aus, die ihre Beute anlocken oder Menschen in Furcht versetzen.

PHÖNIX – steht für Dekadenz und WIEDERGEBURT.

„Mit Ausnahme der Tecklas sind alle Häuser edel.“

Brust, Steven – Yendi. Fantasyroman

_Action-Fantasy mit Witz und Erotik_

Jemand will Vlad Taltos ans Leder. Aber das ist ja nichts Neues. Vlad lebt als Mitglied der Unterwelt stets gefährlich. Und wenn er doch mal getötet wird, besteht in Adrilankha die Möglichkeit der magischen Wiederbelebung. Leider hat er es diesmal mit einem Konkurrenten zu tun, der Leute auf seiner Seite hat, die auch dies verhindern können …

Dies ist der dritte Roman mit Abenteuern des Jhereg-Gangsters Vlad Taltos.

_Hintergrund_

Auf der Welt Dragaera geht in der Stadt Adrilankha unser Held Vlad Taltos (sprich: taltosch) seinem Beruf nach: Er ist ein erstklassiger Auftragskiller. Adrilankha ist eine Art ernsthafte Version von Terry Pratchetts Ankh-Morpork: komplett mit Diebes- und Mördergilden, Kaufleuten, Schenken und Bordellen. Vlad hat sein Büro in der Altstadt, von wo er seinen eigenen Bezirk verwaltet, Schutzgelder abkassieren lässt und Konkurrenz aus dem Weg räumt.

Als hilfreich hat sich sein Vertrauter erwiesen: Loiosh ist ein drachenähnliches Wesen aus der Spezies Jhereg. Ähnlich wie Anne McCaffreys Feuerechsen auf dem Planeten Pern kann Loiosh Gedanken übertragen und giftige Bisse austeilen.

Auf der uralten Welt Dragaera stellen die Menschen („Ostländer“) wie Vlad Taltos eine Minderheit dar; angeblich kamen sie aus dem Ostreich in das Reich der Nichtmenschen, die so etwas wie kriegerische Elfen sind. Die Dragaeraner sind in exakt 17 Häuser oder Clans aufgespalten, so etwa Dragons und Hawks. Der Jhereg-Clan, der Vlad aufgenommen hat, ist ein Bastard-Clan und steht außerhalb der Clan-Hierarchie.

Die Dragons bilden die Spitze, sie gehorchen nur der Imperatorin. Hochnäsig schauen sie auf die Jhereg-Mitglieder herab, mit einer Ausnahme: Seit seinen Heldentaten in „Jhereg“ hat Vladimir Taltos einen großen Stein im Brett des Dragon-Clans e’Kieron, namentlich bei der zauberischen Aliera und ihrem Verwandten, Morrolan, der über das furchterregendste Schwert auf ganz Dragaera verfügt: „Schwarzstab“ frisst Seelen. Wiederbelebung ausgeschlossen.

_Handlung_

Eine schwere Zeit ist für den rechtschaffenen Attentäter Vlad angebrochen: Es herrscht Krieg. Nicht so einer mit Soldaten, sondern Krieg zwischen konkurrierenden Unterweltfirmen im Zentrum Adrilankhas. Da hat doch tatsächlich ein gewisser Laris seinem Untergebenen erlaubt, eines von Vlads Lokalen zu überfallen und zu übernehmen. Vlad ist auf Verhandlung bedacht – man muss sich ja nicht gleich umbringen – und trifft sich mit diesem Laris. Man trifft eine nette Vereinbarung, doch danach ist für Vlad der Fall klar: Es gibt Krieg.

Der tödliche Schlagabtausch geht eine Zeit lang hin und her. Nach einer Weile gehen Vlad die Mittel aus, und er erbittet von Dragon Morrolan (vgl. „Hintergrund“) eine erkleckliche Summe, die er auch erhält. Sofort eskaliert der Kampf in die nächsthöhere Stufe: Einsatz von Magie. Schutzzauber, Vernichtungszauber – es geht wieder einmal wild zu.

Leider hat Vlad Pech. Schon wähnt er sich als Sieger eines erfolgreichen Tages, als er kurz vor seinem Hauptquartier kalt erwischt wird: Zwei seiner Leibwächter haben ihn verraten, doch das merkt er zu spät. Auch Morrolan und Aliera teleportieren um Sekundenbruchteile zu spät an den Ort des Desasters. Zwei fremde Kämpferinnen machen Vlad und seinen verbliebenen Leibwächtern nieder. Vlad gibt den Löffel ab.

Nun sieht es gar nicht gut aus: weder für den Helden dieser Geschichte noch für den Fortgang dieser Geschichte überhaupt. Doch um herauszubekommen, wer es Laris ermöglicht hat, Vlads Truppe ratzfatz auszuschalten und welche fiese Absicht dahintersteckt, ist es dringend nötig, Vlad wiederzubeleben.

Ob und wie das gelingt und ob er Folgenschäden davonträgt, darf ich euch nicht verraten.

_Mein Eindruck_

In „Jhereg“ war Steven Brust ein furioser Start auf dem deutschen Buchmarkt gelungen. Er stellte seinen Helden als eine Art James Bond der Unterwelt vor. Zumindest hatte Vlad Stil. In „Taltos“ entführte er den Leser allerdings ins Reich des Todes, und das war denn doch reichlich metaphysisch.

Mit „Yendi“, benannt nach einem weiteren Dragaera-Clan, der für Intrigen berüchtigt ist, gewinnt Brust den leser zurück. Die Action geht ab wie eine Rakete, und Ironie und trockenster Humor machen das Lesen der abstrusen Abenteuer Vlads zu einem Vergnügen.

Relativ bizarr sind wie immer die Auswirkungen von dragaeranischen Eigenheiten wie psionische Kommunikation (= abhörsicheres Gedankentelefon ohne Vermittlung), Wiederbelebung gegen harte Währung (meistens rechtzeitig), Teleportation (gaaanz wichtig, führt aber zu massiven Magenbeschwerden) und magische Waffen. Morganti-Schwerter wie „Schwarzstab“ verhindern die Wiederbelebung.

Als wäre es noch nicht genung, dass sich Vlad mit unfähigen Dösköppen von Leibwächtern herumschlagen muss, verliebt er sich auch noch in eine fetzige Ostländerin namens Cawti, die ihm eigentlich ans Leben wollte. Nun ja, wo die Liebe hinfällt, da wächst kein Gras mehr. Vlad ergibt sich widerstandslos.

Leider ist die zweite Hälfte des Romans kein ungetrübtes Vergnügen. Nachdem alle Möglichkeiten durchgefochten wurden, bleibt Vlad nur noch das scharfe Nachdenken, um herauszubekommen, was hinter dem Bandenkrieg und den Anschlägen auf sein Leben und Unternehmen steckt. Dieses Nachdenken dauert leider übermäßig lange, nämlich mehrere Dutzend Seiten. Immerhin führt es dann zu einem überraschenden Finale.

_Unterm Strich_

Freunde von Action-Fantasy kommen hier durchaus auf ihre Kosten, dürfen aber keine Einheitskost à la Conan erwarten. Allenfalls eine so witzige Fantasyreihe wie die um Fafhrd und den Grauen Mauser, geschrieben von Fritz Leiber Mitte des 20. Jahrhunderts, könnte Brusts Romanen das Wasser reichen – was Witz, Action und Ironie anbelangt.

Allerdings ist Brust fiktionale Welt vielschichtiger, besser ausgetüftelt und viel enger unserer eigenen Welt verwandt als die des Grauen Mausers. Zudem spielen hier aktive Frauen eine sehr bedeutende Rolle und tragen wesentlich zur Unvorhersehbarkeit ders Handlungsverlaufs bei. Ganz abgesehen von den romantisch-sinnlichen Aspekten, die ihre Präsenz mit sich bringt. Cawti beispielsweise hat nicht nur einen spitzen Dolch im Gewande, sondern auch noch einiges in der Bluse.

|Titelbild|

Die Cover-Art der Klett-Cotta-Reihe mit Steven-Brust-Romanen weist einen eigenen Stil auf. „Yendi“ etwa zeigt eine verträumt dreinblickende Groschenromanheldin an der starken Brust ihres Helden: Stil der 40er Jahre. Von der Seite ragt ein knallrot geschminktes Lippenpaar herein, von dem Blut zu tropfen scheint. Offensichtlich wird hier mit Genreklischees gespielt. Genau wie in den Geschichten selbst (siehe die Angaben zum Autor und seiner Schreibschule).

_Der Autor_

1955 in Minneapolis geboren, ist Steven Karl Zoltán Brust schon Programmierer, Drummer in einer Reggae-Band, Schauspieler und Gitarrist in verschiedenen Bands gewesen. Er liebt vor allem zwei Dinge: die Küche seiner ungarischen Vorfahren und den Kampfsport – zumindest Letzteres merkt man seinem Buch an.

Er ist ein Mitglied der wichtigen Schriftstellergemeinschaft der „Scribblies“, die 1980 in Minneapolis gegründet wurde. Ihr gehören bekannte AutoInnen wie Emma Pull, Patricia Wrede und vor allem Kara Dalkey (die bei |Knaur| veröffentlicht wurde) an. Sie schreiben, was sie gerne selbst lesen würde. Dazu gehört besonders zeitgenössische und urbane Fantasy. Bull und Shetterly edierten die Romane, die auf der Shared-World Liavek spielen. Viele Scribblies-Mitglieder gehören der Bewegung der Pre-Joycean Fellowship (PJF) an. Sie unterstützen Literatur, wie sie vor James Joyce geschrieben wurde. Sie sind somit anti-modernistisch (aber modern) und anti-elitär, außerdem meist humorvoll.

In den USA ist Brust bisher durch neunzehn Romane und eine Soloplatte bekannt geworden. Seine Bücher werden immer wieder neu aufgelegt. Mit „Jhereg“ erschien 1983 der Startband eines ganzen Zyklus um den Antihelden Vlad Taltos. Zu diesem gehören folgende Werke:

Jhereg (1983), Yendi (1984), Teckla (1986) – zusammengefasst als „Taltos the Assassin“ (1991);

Taltos (1988; auch „Taltos and the Paths of the Dead“, 1991), Phoenix (1988) und Athyra (1991).

Verwandt ist die „Khaavren“-Sequenz, die sozusagen historische Romane à la A. Dumas umfasst, die auf Dragaera spielen: The Phoenix Guard (1991), Five Hundred Years After (1994) und The Viscount of Adrilankha (ca. 1996). „Brokedown Palace“ (1986) enthält ebenfalls verwandtes Material.

Bei |Klett-Cotta| erschienen die Bücher in folgender Reihenfolge: „Jhereg“ (2002), „Taltos“ (2002), „Yendi“ (2003), „Teckla“ (2003), „Phönix“ (2004), „Athyra“ (2005).

Homepage des Autors: http://www.dreamcafe.com/

Brust, Steven – Taltos. Fantasyroman

_Abenteuer im Reich der Toten_

Wie schon in „Jhereg“ finden die Abenteuer des Helden Vlad Taltos in einer originell gestalteten Fantasywelt namens Dragaera statt. Eine vergnügliche, intelligente und komplexe Fantasy um den Auftragsmörder Vlad, der lieber seinen Kopf einsetzt, um diesen noch eine Weile zu behalten. Diesmal erfahren wir von Vlads menschlichem und beruflichem, ähem, Werdegang und erleben eines seiner schwierigeren Abenteuer: im Reich der Toten.

Informationen über den Autor findet ihr am Schluss meiner Besprechung.

_Hintergrund_

Auf der Welt Dragaera geht in der Stadt Adrilankha unser Held Vlad Taltos (sprich: taltosch) seinem Beruf nach: Er ist ein erstklassiger Auftragskiller. Adrilankha ist eine Art ernsthafte Version von Terry Pratchetts Ankh-Morpork: komplett mit Diebes- und Mördergilden, Kaufleuten, Schenken und Bordellen. Vlad hat sein Büro in der Altstadt, von wo er seinen eigenen Bezirk verwaltet und Schutzgeld eintreibt.

Als hilfreich hat sich sein Vertrauter erwiesen: Loiosh ist ein drachenähnliches Wesen aus der Spezies Jhereg. Ähnlich wie McCaffreys Feuerechsen auf Pern kann Loiosh Gedanken lesen und giftige Bisse austeilen.

Auf der uralten Welt Dragaera stellen die Menschen wie Vlad Taltos eine Minderheit dar; angeblich kamen sie aus dem Ostreich in das Reich der Nichtmenschen, die so etwas wie kriegerische Elfen sind. Die Dragaeraner sind in exakt 17 Häuser oder Clans aufgespalten, so etwa Dragons und Hawks. Der Jhereg-Clan, der Vlad aufgenommen hat, ist ein Bastard-Clan und steht außerhalb der Clan-Hierarchie. Die Dragons bilden die Spitze, sie gehorchen nur der Imperatorin.

_Handlung_

„Taltos“ ist ein wenig vielschichtiger aufgebaut als „Jhereg“, doch die Handlung setzt die Kenntnis der Informationen aus „Jhereg“ voraus.

Die erste Schicht besteht aus der Beschreibung eines rätselhaften Zauberrituals. Es wird jeweils am Anfang jedes Kapitels kurz beschrieben, so dass man keine Ahnung hat, zu welcher Situation es gehört oder welchen Zweck Vlad damit verfolgt. Sehr clever eingesetzt.

Die zweite Schicht besteht in der Biografie Vlads, die dieser selbst erzählt und die sich mit seiner Wiedergabe des eigentlichen Abenteuers abwechselt. Auf diese Weise wird weder das eine noch das andere langweilig. Das kann aber zuweilen zu Verwirrung führen, welcher Abschnitt denn nun zu welchem Abeneteuer gehört. Denn Vlad erzählt bei seinem beruflichen Werdegang von seinen knifflichsten Mordaufträgen.

Die dritte und wichtigsten Schicht besteht im neuesten Auftrag Vlads. Er erhält ihn von seinen schwierigsten Kunden: dem Dragon-Fürsten Morrolan, einem recht hochnäsigen Zeitgenossen, der aber über eine furchterregende Waffe verfügt: ein seelenraubendes Morganti-Schwert. Vlad lässt lieber Vorsicht walten. Seine zweite, eigentliche Auftraggeberin ist die Zauberin Sethra Vode, die auf einem Zauberberg wohnt und eine merkwürdige Art von Humor pflegt.

Ihr Auftrag: Einen Stab von einem mächtigen Magier zurückholen. Der Lohn ist astronomisch hoch, aber das Risiko auch. Vlad schlägt ein. Er ahnt noch nicht, dass sich in besagtem Stab die Seele der Kusine Morrolans, Aliera, befindet und dass mit dem besagten Zauberer nicht zu spaßen ist.

Und es wird Vlads weitere Aufgabe sein, diese geraubte Seele im Reich der Toten zu befreien und wieder ins Reich der Lebenden zurückzubringen. Leider haben die Götter des Jüngsten Tages, die über die Toten, Untoten und Lebenden bestimmen, einiges gegen dieses verwegene Vorhaben einzuwenden. Na, denn mal los, Vlad!

Ach ja: das eingangs erwähnte Ritual. Es spielt eine wichtige Rolle, damit Vlad von seinem Auftrag lebend zurückkehrt.

_Mein Eindruck_

Nachdem ich mich an die ungewöhnliche Erzählweise gewöhnt hatte, ging das Lesen fast wie von alleine. Zunächst meinte ich, dass in der Erzählung – es sind ja drei – nichts vorangeht. Aber ich täuschte mich. Allerdings muss man sich etwas gedulden, bis es mit der Action einigermaßen vorangeht.

Die zweite Hälfte der Haupthandlung dreht sich ja ums Reich der Toten. Allein schon der Weg dorthin ist ungewöhnlich gestaltet, doch das Totenreich selbst lässt an Überraschungen nichts zu wünschen übrig. Dafür sorgen schon die zänkischen Götter selbst.

_Unterm Strich_

Nicht so flott und fröhlich-frech wie „Jhereg“, aber immer noch ein gutes Fantasyabenteuer und eine originelle Vision vom Jenseits.

_Der Autor_

1955 in Minneapolis geboren, ist Steven Karl Zoltan Brust schon Programmierer, Drummer in einer Reggae-Band, Schauspieler und Gitarrist in verschiedenen Bands gewesen. Er liebt vor allem zwei Dinge: die Küche seiner ungarischen Vorfahren und den Kampfsport – zumindest Letzteres merkt man seinem Buch an.

Er ist ein Mitglied der wichtigen Schriftstellergemeinschaft der „Scribblies“, die 1980 in Minneapolis gegründet wurde. Ihr gehören bekannte AutoInnen wie Emma Pull, Patricia Wrede und vor allem Kara Dalkey (deren Werke bei |Knaur| veröffentlicht wurden) an. Sie schreiben, was sie gerne selbst lesen würden. Dazu gehört besonders zeitgenössische und urbane Fantasy. Bull und Shetterly edierten die Romane, die auf der Shared-World Liavek spielen. Viele Scribblies-Mitglieder gehören der Bewegung des Pre-Joycean Fellowship (PJF) an. Sie unterstützen Literatur, wie sie vor James Joyce geschrieben wurde. Sie sind somit anti-modernistisch (aber modern) und anti-elitär, außerdem meist humorvoll.

In den USA ist Brust bisher durch neunzehn Romane und eine Soloplatte bekannt geworden. Seine Bücher werden immer wieder neu aufgelegt. Mit „Jhereg“ erschien 1983 der Startband eines ganzen Zyklus um den Antihelden Vlad Taltos, der auf insgesamt neunzehn Bände angelegt ist. Zu diesem gehören folgende Werke:

Jhereg (1983), Yendi (1984), Teckla (1986) – zusammengefasst als „Taltos the Assassin“ (1991); Taltos (1988; auch „Taltos and the Paths of the Dead“, 1991), Phoenix (1988) und Athyra (1991).

Verwandt ist die „Khaavren“-Sequenz, die sozusagen historische Romane à la A. Dumas umfasst, die auf Dragaera spielen: The Phoenix Guard (1991), Five Hundred Years After (1994) und The Viscount of Adrilankha (ca. 1996). „Brokedown Palace“ (1986) enthält ebenfalls verwandtes Material.

Bei |Klett-Cotta| erschienen die Bücher in folgender Reihenfolge: „Jhereg“ (2002), „Taltos“ (2002), „Yendi“ (2003), „Teckla“ (2003), „Phönix“ (2004), „Athyra“ (2005).

Homepage des Autors: http://www.dreamcafe.com/

|Die Übersetzung|

… ist erstaunlich gut. Ich habe selten eine bessere Übertragung amerikanischen Sprachgebrauchs in heutiges Deutsch gelesen. Die Aufmachung des Buches ist ebenfalls gelungen, wie von Klett-Cotta gewohnt.

|Originaltitel: Taltos, 1988
Aus dem US-Englischen von Olaf Schenk|

Brust, Steven – Jhereg. Fantasyroman

Eine vergnügliche, intelligente und komplexe Fantasy um einen Auftragsmörder, der lieber seinen Kopf einsetzt, um diesen noch eine Weile zu behalten. Zauberer, Halbdrachen, telepathische Kräfte, Teleportation – so manches an dieser modernen Fantasy gemahnt eher an Motive der Science-Fiction als an altbackene Tolkien-Imitate. Und der Humor ist von feiner Ironie.

_Handlung_

Auf der Welt Dragaera geht in der Stadt Adrilankha unser Held Vlad Taltos (sprich: taltosch) seinem Beruf nach. Er ist ein erstklassiger Auftragskiller. Ich würde daher nicht sagen, dass er so etwas wie ein James Bond ist, wie ihn der Klappentext bezeichnet. Und mit Monty Python hat die Story schon gar nichts am Hut. Leute umbringen will schließlich gelernt sein, da kann man keine Stümper gebrauchen. Besonders dann nicht, wenn die Opfer später wiederbelebt werden. Das könnte für einen schlechten Ruf sorgen.

Adrilankha ist eine Art ernsthafte Version von Terry Pratchetts Ankh-Morpork: komplett mit Diebes- und Mördergilden, Kaufleuten, Schenken und Bordellen. Vlad hat sein Büro in der Altstadt, von wo er seinen eigenen Bezirk verwaltet und Schutzgeld eintreibt. Wehe, wer ihm in die Quere kommt! Doch er ist klug genug, nicht selbst anderen Auftragskillern in die Quere zu kommen. Er wurde bereits zweimal wiederbelebt.

Als hilfreich hat sich sein Vertrauter erwiesen: Loiosh ist ein drachenähnliches Wesen aus der Spezies Jhereg. Ähnlich wie McCaffreys Feuerechsen auf Pern kann Loiosh Gedanken lesen und giftige Bisse austeilen. Den Jhereg hat Vlad aus dem Urwald erworben, wo er seiner Mutter ein Ei abschwatzte und dessen Inhalt aufzog.

Auf der uralten Welt Dragaera stellen die Menschen wie Vlad Taltos eine Minderheit dar; angeblich kamen sie aus dem Ostreich in das Reich der Nichtmenschen, die so etwas wie kriegerische Elfen sind. Die Dragaeraner sind in über ein Dutzend Häuser oder Clans aufgespalten, so etwa Dragons und Hawks. Der Jhereg-Clan, der Vlad aufgenommen hat, ist ein Bastard-Clan und steht außerhalb der Clan-Hierarchie. Die Dragons bilden die Spitze, sie gehorchen nur der Imperatorin.

All dies zu wissen, ist notwendig, um zu verstehen, in welche Not unser Held gerät, als er vom Jhereg-Clan den Auftrag erhält, einen Dieb dingfest zu machen und umzunieten. Für ein hübsches Sümmchen, versteht sich. Ach ja: Und das Ganze bitte in drei Tagen erledigen, denn niemand soll erfahren, dass der Rat des Jhereg ohne Geld dasteht.

Der Dieb hat dem Rat des Jhereg die Kriegskasse geklaut, rund neun Millionen Goldstücke. Das Problem ist jedoch, den Dieb zu ergreifen. Dieser Mellar hat sich als Gast im Schwarzen Schloss von Vlads Freund Morollan einquartiert, wo er entsprechenden Schutz genießt. Warum ausgerechnet hier?, fragt sich Vlad. Es stellt sich heraus, dass Mellars Ermordung einen erneuten Krieg zwischen den Clans Dragon und Jhereg auslösen würde, mit verheerenden Folgen für beide.

Es kommt noch übler: Da Mellar ein Mischling ist, hatte er sich nicht nur bei Jheregs und Dragons eingeschlichen, sondern auch beim Clan Dzur und schnüffelte dessen Geheimnisse aus. Würde Mellar getötet, so würden diese Geheimnisse auffliegen und den ach so heldenhaften Dzur-Clan bis auf die Knochen blamieren.

War Vlads Auflösung des Rätsels um Mellar schon brillant, so ist seine Lösung für das Problem, den drohenden Weltkrieg zu verhindern, noch weitaus genialer.

_Mein Eindruck_

Vlad Taltos ist ein geradezu zeitgenössischer Bursche: ein Dieb, Mörder, Kneipenbesitzer und Zuhälter. Der Jhereg-Clan, für den er arbeitet, ist nichts anderes als eine Art Mafia. Dennoch ist Vlad – die Kurzform von ‚Vladimir‘ – ein sehr sympathischer Held, oder richtiger: Antiheld. Er überlegt lieber, bevor er einen aussichtlosen Kampf anfängt. Und er hat eine Frau, die flink mit dem Messer ist, Cawti. Und einen Halbdrachen, der ebenso telepathisch begabt ist wie er selbst: sein Gewissen und sarkastisches Über-Ich.

Eindrucksvoll sind aber auch die Elfen-Clans. Die Dragon beispielsweise verfügen über Große Waffen, also Waffen, die mit Intelligenz begabt sind: Schwerter und Stäbe (es gibt keine Feuerwaffen). Diese Waffen sind mit der Seele des Trägers verbunden, der daher ziemlich nervenstark und kaltblütig sein muss. Ähnlich wie „normale“ Morganti-Waffen können die Großen Waffen die Seele des Opfers verschlingen, so dass dessen Wiederbelebung nicht ohne weiteres möglich ist. Opfer von Messer, Schwert und Dolch lassen sich von Hexen und Zauberern routinemäßig wiederbeleben (gegen ein hübsches Sümmchen, versteht sich), da ja die Seele noch vorhanden ist. Interessant sind die Unterschiede zwischen Zauberei, die an die Naturelemente und das Chaos gebunden ist, und Hexerei, die à la Voodoo mit Gegenständen arbeitet.

All diese politischen und metaphysischen Systeme breitet der Autor vor uns aus, als wären sie selbstverständlich. So muss es auch sein, denn eine abstruse Welt, die sich nicht ernst nimmt, kann ihre Wirkung nicht entfalten. So aber entsteht eine komische Spannung zu unserer eigenen Welt, in der solchen Systeme gemeinhin nicht existieren. Erst aus dieser Spannung, derer man sich stets vergewissern muss, entsteht die Komödie, die das Buch darstellt.

Dies ist keine Slapstick- oder Situationskomödie, in der Tortenschlachten die Hauptrolle spielen würden. Vielmehr geht es hier immerhin um die Vorbereitung oder Vermeidung von kaltblütigem Mord (plus optionaler Seelenvernichtung). Die Ernsthaftigkeit, mit der das Ziel verfolgt wird, mutet lediglich uns grotestk an. Vlad hat einen „Job“ angenommen und muss ihn auch ausführen, oder er kann sein Metier an den Nagel hängen. Dennoch fällt es ihm nicht leicht, den Rassismus zu ertragen, den die Dragaeraner gegenüber „Ostlingen“ wie ihm an den Tag legen. Während des genialen Showdowns verschafft es ihm daher eine diebische Freude, es einem solchen Rassisten heimzuzahlen.

Korruption, politische Ränkespiele, (Alien-)Gentechnik, psionische Verständigung, auch Rassismus – all diese Themen würde man im „Herr der Ringe“ weitgehend vergeblich suchen. Ausnahmen wären vielleicht Korruption und Machtspiele, wie sie an Saruman zu beobachten sind. Daher hebt sich Steven Brusts Fantasy wohltuend von dem üblichen Tolkienverschnitt ab, den man heute gemeinhin als Fantasy vorgesetzt bekommt.

_Fazit_

Eine vergnügliche, intelligente und komplexe Fantasy um einen Auftragsmörder, der lieber seinen Kopf einsetzt, um diesen noch eine Weile zu behalten. Ein ironisch gezeichneter Sherlock Holmes sozusagen.

_Der Autor, die Scribblies und Jhereg_

1955 in Minneapolis geboren, ist Steven Karl Zoltan Brust schon Programmierer, Drummer in einer Reggae-Band, Schauspieler und Gitarrist in verschiedenen Bands gewesen. Er liebt vor allem zwei Dinge: die Küche seiner ungarischen Vorfahren und den Kampfsport – zumindest Letzteres merkt man seinem Buch an.

Er ist ein Mitglied der wichtigen Schriftstellergemeinschaft der „Scribblies“, die 1980 in Minneapolis gegründet wurde. Ihr gehören bekannte AutoInnen wie Emma Pull, Patricia Wrede und vor allem Kara Dalkey (deren Werke bei |Knaur| veröffentlicht wurden) an. Sie schreiben, was sie gerne selbst lesen würden. Dazu gehört besonders zeitgenössische und urbane Fantasy. Bull und Shetterly edierten die Romane, die auf der Shared-World Liavek spielen. Viele Scribblies-Mitglieder gehören der Bewegung des Pre-Joycean Fellowship (PJF) an. Sie unterstützen Literatur, wie sie vor James Joyce geschrieben wurde. Sie sind somit anti-modernistisch (aber modern) und anti-elitär, außerdem meist humorvoll.

In den USA ist Brust bisher durch neunzehn Romane und eine Soloplatte bekannt geworden. Seine Bücher werden immer wieder neu aufgelegt. Mit „Jhereg“ erschien 1983 der Startband eines ganzen Zyklus um den Antihelden Vlad Taltos, der auf insgesamt neunzehn Bände angelegt ist. Zu diesem gehören folgende Werke:

Jhereg (1983), Yendi (1984), Teckla (1986) – zusammengefasst als „Taltos the Assassin“ (1991); Taltos (1988; auch „Taltos and the Paths of the Dead“, 1991), Phoenix (1988) und Athyra (1991).

Verwandt ist die „Khaavren“-Sequenz, die sozusagen historische Romane à la A. Dumas umfasst, die auf Dragaera spielen: The Phoenix Guard (1991), Five Hundred Years After (1994) und The Viscount of Adrilankha (ca. 1996). „Brokedown Palace“ (1986) enthält ebenfalls verwandtes Material.

Bei |Klett-Cotta| erschienen die Bücher in folgender Reihenfolge: „Jhereg“ (2002), „Taltos“ (2002), „Yendi“ (2003), „Teckla“ (2003), „Phönix“ (2004), „Athyra“ (2005).

Homepage des Autors: http://www.dreamcafe.com/

|Die Übersetzung|

… ist erstaunlich gut. Ich habe selten eine bessere Übertragung amerikanischen Sprachgebrauchs in heutiges Deutsch gelesen. Die Aufmachung des Buches ist ebenfalls gelungen, wie von Klett-Cotta gewohnt. Und der Preis ist nicht übertrieben hoch.

|Originaltitel: Jhereg, 1983
Aus dem US-Englischen übertragen von Olaf Schenk|

William Gibson – Agency (Jackpot-Trilogie Band 2)

Die PR-Agenten und ihre Kampfdrohne

San Francisco 2017. Die App-Flüsterin Verity Jane testet im Auftrag eines mysteriösen Start-ups ein neues Produkt: Eunice, eine Künstliche Intelligenz, die sich rasant weiterentwickelt und auch schon mal die eine oder andere Geldübergabe einfädelt.

Währenddessen arbeiten in London – ein Jahrhundert voraus – Wilf Netherton und seine Chefin Ainsley Lowbeer daran, mit Hilfe von Eunice, ihrer Software-Agentin, Veritys Welt vor einem drohenden Atomkrieg zu bewahren. Doch plötzlich ist Eunice verschwunden… (erweiterte Verlagsinfo)
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[NEWS] Christoph Hardebusch – Die Stadt der Seher

Eine gewaltige Armee steht vor den Toren der Stadtrepublik Vastona. Während sich die Einwohner zum Krieg rüsten, entdeckt der Straßenjunge Marco ein furchtbares Geheimnis um den geheimen Orden der Seher. Er und seine Gefährten müssen die Stadt vor dem sicheren Untergang retten. In der blühenden Stadtrepublik Vastona wird der Waisenjunge Marco in den Orden der Seher aufgenommen, der ihm eine Zukunft jenseits der Straßen verspricht. Er freundet sich mit Elena an, einem Mädchen aus ärmsten Verhältnissen, die in den Manufakturen arbeitet, um ihre Familie zu ernähren. Als ein gewaltiger Krieg droht, die Stadt zu erfassen und alles zu zerstören, was sie kennen, müssen sich Marco und Elena ungewöhnliche Verbündete suchen, um das Schlimmste zu verhindern. Denn die wahre Gefahr ist viel größer, als sie ahnen – und sie lauert direkt im Herzen der Stadt.
(Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe : 504 Seiten
Klett-Cotta

John Howe – Reise durch Mittelerde. Illustrationen von Beutelsend bis Mordor

Zwischen Angmar und Mordor: Entdeckungen auch für Fans

John Howe führt in diesem prächtigen Bildband zu allen bekannten und unbekannten Schauplätzen des »Hobbit« und des »Herr der Ringe«. Er zeigt ihre Wildheit, Anmut und Abgründigkeit und wahrt dabei stets ihre geheimnisvolle Einzigartigkeit. Eines der schönsten Bücher zu Tolkiens Mittelerde. Die Landschaften zwischen Bree und Gondor, zwischen Angmar und Mordor haben sich tief in das Gedächtnis von ganzen Leser-Generationen eingeschrieben. Diese phantastischen Auen und Flüsse, Schluchten, und Stollen, Wälder und Gebirgszüge sind in der Literatur wie im Film einzigartig.

Auf seiner Reise durch Mittelerde nimmt der berühmte Künstler John Howe nicht nur die bekannten Schauplätze wie das Gasthaus zum Tänzelnden Pony, das Pferdereich Rohan, Elronds Haus in Bruchtal, oder den gefährlichen Düsterwald und Helms Klamm in den Blick. Er widmet sich auch den entlegeneren Orten und wagt sogar einen Blick auf die Lande jenseits des Meeres. Die Texte zu den Farbillustrationen und Zeichnungen erhellen, wie John Howe sich Tolkiens Welt erschlossen hat. (Verlagsinfo)
John Howe – Reise durch Mittelerde. Illustrationen von Beutelsend bis Mordor weiterlesen

[NEWS] Kevin Hearne – Gehämmert (Die Chronik des Eisernen Druiden 3)

»›Die Chronik des Eisernen Druiden‹ überzeugt von der ersten bis zur letzten Seite. Phantastische Literatur vom Feinsten.« Abenteuer und Phantastik Thor, der nordische Donnergott, ist nicht nur ein Aufschneider und Rüpel, sondern viel schlimmer. Er hat viele Leben vernichtet und unzählige Unschuldige auf dem Gewissen. Atticus O’Sullivan, der letzte der Druiden, und sein vampirischer Anwalt Leif unternehmen alles, um diesen nordischen Albtraum ein für alle Mal loszuwerden. Über 2.000 Jahre hat eine Überlebensstrategie für Atticus funktioniert: Halt dich fern von Thor! Aber die Dinge heizen sich auf in seiner neuen Heimat Tempe, Arizona. Russische Dämonenjäger, die sich selbst die »Hämmer Gottes« nennen, drehen komplett durch und terrorisieren die Gegend. Doch wer steckt dahinter? Trotz vielfacher Warnung reisen Atticus und Leif zur nordischen Welt Asgard, wo sie sich mit einem Werwolf, einem Zauberer und einer Armee von Eisriesen verbünden. Ein epischer Kampf gegen boshafte Walküren, zornige Götter und – vor allem – gegen den hammerschwingenden Donner-Fiesling selbst beginnt. (Verlagsinfo)


Taschenbuch : 368 Seiten
Klett-Cotta

J.R.R. Tolkien / Christopher Tolkien (Hrsg.) – Nachrichten aus Mittelerde. Mit Illustrationen von Alan Lee, John Howe und Ted Nasmith

Erstmals in einer illustrierten Ausgabe»Ein wunderbares Geschenk an alle, die mehr Geschichten von Tolkien lesen möchten.« Publishers WeeklyDie »Nachrichten aus Mittelerde« sind dasjenige Buch aus Tolkiens Nachlass, dessen Geschichten alle drei Zeitalter von Mittelerde umspannen. Diese Ausgabe enthält überwältigend schöne Bilder von Alan Lee, John Howe und Ted Nasmith.

Kein anderes Buch unterhält und informiert den Tolkienfreund so umfassend wie die »Nachrichten aus Mittelerde«: Von den Ältesten Tagen bis hin zu Ereignissen, welche mit dem Großepos »Der Herr der Ringe« zusammenhängen, reichen die spannenden Geschichten, die Christopher Tolkien aus dem Nachlass seines Vaters hier herausgegeben hat. Der Leser darf sich dabei mit den interessantesten Fragen der Geschichte Mittelerdes beschäftigen.

Mit welchem Auftrag reiste der tapfere Tuor nach Gondolin? Was hat es mit der geheimnisvollen von Elben und Menschen bewohnten Insel Numenor auf sich? Und wie kam Gandalf eigentlich darauf, ausgerechnet Bilbo Beutlin für eines der herausragendsten Abenteuer der Fantasygeschichte auszuwählen? Eine wahre Fundgrube für alle Tolkienfans, jetzt illustriert von den drei berühmtesten Tolkienkünstlern. (Verlagsinfo) Herausgegeben, kommentiert und mit Register und Karten versehen wurde dieser Band von Tolkiens Sohn Christopher.

J.R.R. Tolkien / Christopher Tolkien (Hrsg.) – Nachrichten aus Mittelerde. Mit Illustrationen von Alan Lee, John Howe und Ted Nasmith weiterlesen

Kevin Hearne – Tinte & Siegel. Die Chronik des Siegelmagiers 1

Feen in Glasgow: Der Siegelagent ermittelt

Al MacBharrais ist gesegnet. Gesegnet mit einem ungewöhnlichen schönen Schnurrbart, einem Sinn für kunstvoll gemixte Cocktails – vor allem aber mit einem einzigartigen magischen Talent. Er schreibt mit Geheimtinte kraftvolle Zaubersprüche. Und als ehrbarer Schotte setzt er alles daran, unsere Welt vor den schurkischen Knechten verschiedener Pantheons zu schützen, im Besonderen vor Feenwesen, die alles andere als nett sind. (Verlagsinfo)

Der Autor
Kevin Hearne – Tinte & Siegel. Die Chronik des Siegelmagiers 1 weiterlesen

[NEWS] Peter McLean – Priest of Lies: Der Kampf um den Rosenthron 2

»Tomas Piety ist zurück mit Intrigen, Chaos und viel Blut. Wer Fantasy besonders dunkel und ungeschönt mag, sollte das hier nicht verpassen.« Christina Henry, Autorin von »Die Chroniken von Alice« Tomas Piety war in seinem Leben schon vieles: Soldat, Priester, Gangster und sogar Spion. Aber jetzt hat er ein neues Ziel, das er erobern und sich untertan machen will: die Welt des Adels. Als Tomas Piety aus dem Krieg zurückkehrte, wollte er vor allem eins: mit Hilfe seiner Gang sein Verbrechensimperium wiederaufbauen. Aber seine Vergangenheit als Spion für die Queen’s Men holte ihn ein und brachte ihm mehr Macht, als er sich erhofft hatte. Jetzt, wo halb Ellinburg in Schutt und Asche liegt und mit den Queen’s Men in seinem Rücken, kann Tomas den politischen Intrigen nicht mehr entkommen. Zeit, sich in die Höhle des Löwen zu wagen, Zeit, nach Dannsburg aufzubrechen. In der Hauptstadt kämpft der Adel jedoch nicht mit Schwertern, sondern mit Worten, aber das ist am Ende nicht weniger tödlich. In dieser Schlangengrube muss sich Tomas endgültig entscheiden, ob er ein Kämpfer für die kleinen Leute ist … oder eben nur ein Lügenpriester. (Verlagsinfo)


Broschiert : 464 Seiten
Klett-Cotta

Jim Crace – Der siebte Kontinent. Erzählungen

Ironische Erkundung des Fabellands

Bei Reisen auf den „Siebten Kontinent“ der Phantasie halten seltsame neue Orte Abenteuer für den Kopf sowie Wissen und Unterhaltung bereit. Dies ist die Erklärung für den seltsamen Titel, den Jim Craces Sammlung von sieben Erzählungen trägt. Meines Wissens war dies das erste Buch, das von ihm in Deutschland veröffentlicht wurde. Ich hörte diese wunderbaren Fabeln selbst, als der Autor zusammen mit Brian W. Aldiss am 2.2.1989 in Reutlingen las.

„Es sind sehr knappe, lakonische Geschichten, raffiniert erzählt, zart und hintergründig. Verhaltenes Gelächter und eine vage Melancholie sind ihre Grundstimmung.“ (Verlagsinfo)
Jim Crace – Der siebte Kontinent. Erzählungen weiterlesen