Schlagwort-Archive: Titania Medien

Francis Marion Crawford – Das Lächeln des Toten (Gruselkabinett Folge 176)

Teuflisches Spiel mit der Liebe

England, 1911: Auf dem Totenbett verwehrt der alte Sir Hugh Ockram seinem Sohn Gabriel und seiner Nichte Evelyn den Segen für ihre Heiratsabsichten, verweigert aber mit einem diabolischen Lächeln auf den Lippen die Begründung. Gabriel befürchtet eine alte Erblast auf der Familie, die mit merkwürdigen Bestattungsriten und grinsenden Totenschädeln einhergeht. Eines Nachts schwebt eine blasse, seltsam lächelnde Frau vor dem Fenster, die Evelyn zum Verwechseln ähnlich sieht … (Verlagsinfo)

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E.A. Poe & Marc Gruppe – Der Rabe (Gruselkabinett Folge 139)

Poe-Klassiker: Feindliche Seelen-Übernahme

1843 am Rhein: Auf einer Reise lernt ein Engländer in einer alten Stadt am Rhein die äußerst faszinierende Dichterin Lady Ligeia kennen und lieben. Sie arbeitet gerade an einem Werk, welchem sie den Titel „Der Rabe“ gegeben hat… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren. Die Reihe wurde mit dem HörKules ausgezeichnet.

Der Autor

E.A. Poe & Marc Gruppe – Der Rabe (Gruselkabinett Folge 139) weiterlesen

A.C. Doyle & Marc Gruppe – Harry Price und der Fall Rosalie (Sherlock Holmes Folge 45)

Der Geisterjäger und der Detektiv

Der berühmte Geisterjäger Harry Price hat in seiner Karriere bereits unzählige Trance-Medien des Betrugs überführt. Als bei einer Séance in einer feudalen Stadt-Residenz der Geist eines Mädchens namens Rosalie beschworen wird, und Price keinerlei Merkmale einer Täuschung aufdecken kann, beschließt er, die Herren aus der Baker Street 221b um ihre Mitarbeit zu bitten. Der Meisterdetektiv soll herausfinden, ob Harry Price nicht vielleicht doch einem Betrug aufgesessen ist … (Verlagsinfo)

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A.C. Doyle & Herman Cyril MacNeile – Die dritte Botschaft (Sherlock Holmes Folge 40)

Der Zwischenfall des Hundes in der Nacht und seine üblen Folgen

Sir James Brackenbury kommt bei einem Sturz in seinem Garten ums Leben. Obwohl alle Anzeichen auf einen Unfall hindeuten, glaubt sein Neffe an einen Mord, weil es nun einen weiteren Todesfall mit ähnlichen Vorzeichen gab. Holmes nimmt die Ermittlungen auf und beschließt, dem vermeintlichen Mörder eine Falle zu stellen. (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.

Die Serie wurde mit dem „Blauen Karfunkel“ der Deutschen Sherlock Holmes-Gesellschaft ausgezeichnet.
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Doyle & MacNeile – Eine Frage des Teers (Sherlock Holmes Folge 39)

Die gestohlene Tiara

Eine verschwundene Tiara ruft den Meisterdetektiv auf den Plan, denn ausgerechnet bei einer kurzen Aufbewahrung in einem ungesicherten Schreibtisch wird das wertvolle Schmuckstück gestohlen. Die Zahl derer, die das Versteck der Tiara kannten, erscheint auf den ersten Blick durchaus überschaubar. Ein Motiv hat indes nur eine der Personen. Holmes zweifelt jedoch daran, dass die Lösung des Falles so einfach ist… (Verlagsinfo) Doyle & MacNeile – Eine Frage des Teers (Sherlock Holmes Folge 39) weiterlesen

A.C. Doyle & Herman Cyril McNeile – Der Mann in Gelb (Sherlock Holmes Folge 46)

Teuflische Botschaften

Nach jahrelanger Funkstille erhält Dr. Watson den Brief einer gewissen Marjorie Beaumont, die ihn und Holmes dringend um Hilfe ersucht. Angeblich trachtet eine religiöse Gemeinschaft ihrem Onkel nach dem leben und peinigt ihn mit Drohbriefen. Nachdem eines Nachts eine mysteriöse Gestalt im Haus des Onkels gesehen wird und ebenso spurlos verschwindet wieder verschwindet, beschließt Holmes, den vermeintlichen Tatort bei Nacht einmal genauer unter die Lupe zu nehmen… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 12 Jahren.

Die Serie wurde mit dem „Blauen Karfunkel“ der Deutschen Sherlock Holmes-Gesellschaft ausgezeichnet.
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Doyle & MacNeile – Das Haus mit den Zwingern (Sherlock Holmes Folge 38)

Gestörte Idylle im Pfarrhaus

Die junge Miss Nancy Millington wird in der Baker Street 221b vorstellig, da sie sich Sorgen wegen ihrer neuen Nachbarn macht, welche nicht nur ein merkwürdiges Verhalten an den Tag legen, sondern vor allem eine Reihe Hundezwinger auf dem weitläufigen Grundstück aufgestellt haben … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 12 Jahren.

Die Serie wurde mit dem „Blauen Karfunkel“ der Deutschen Sherlock Holmes-Gesellschaft ausgezeichnet.
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Stoker, Bram / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – Schloss des weißen Lindwurms, Das (Gruselkabinett 35)

_Sehr unbritisch: die Priesterin des Wurmgottes_

England 1860: Der junge Australier Adam Salton folgt der Einladung seines einzigen noch lebenden Verwandten auf den Landsitz Lesser Hill. Richard Salton hofft, dass sein Großneffe dort eines Tages sein Erbe antreten wird. Das Anwesen liegt in einer äußerst geschichtsträchtigen Gegend, der es nicht an exzentrischen Bewohnern mangelt. Eine von ihnen ist die faszinierende Lady Arabella March, die Herrin eines auf einer Halbinsel gelegenen Schlosses mit dunkler Vergangenheit … (Verlagsinfo)

Vom Verlag wird das Hörbuch empfohlen für Hörer ab 14 Jahren.

_Der Autor_

Bram Stoker ist der Künstlername des irischen Schriftstellers und Theatermanagers Abraham Stoker (1847-1912), dessen Karriere mit der des damals berühmten Theaterschauspielers Henry Irving verbunden war, der von 1838 bis 1905 lebte. Stoker begann schon 1872 mit dem Veröffentlichen seiner Erzählungen, was 1897 in der Publikation des Horrorklassikers [„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 gipfelte, der aber 1901 kräftig revidiert wurde. Stoker schrieb noch ein paar weitere unheimliche Romane („The Lair of the White Worm“, 1911 gedruckt, wurde erst 1986 vollständig veröffentlicht) und etliche Erzählungen.

„The Lair of the White Worm“ wurde von Ken Russell verfilmt.

_Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Adam Salton: Markus Pfeiffer (dt. Stimme von Adrien Brody, Colin Farrell in „Alexander“)
Richard Salton: Hasso Zorn (David Kelly)
Sir Nathaniel de Salis: Joachim Pukaß (David McCallum, DeForest ‚Pille‘ Kelley)
Lady Arabella March: Katja Nottke (Michelle Pfeiffer, Demi Moore)
Mimi Watford: Melanie Hinze (Brittany Murphy, Holly Marie Combs)
Edgar Caswall: David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale)
Oolanga: Peter Reinhardt (Jeff Daniels)
Junge Frau: Anja Stadlober (Jennifer Hudson, Paris Hilton)

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand in den |Planet Earth Studios| statt und wurde bei |Kazuya| abgemischt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

|PROLOG|

Eine junge Frau hat sich im Dunkeln eines Verlieses verirrt und tastet sich voran. Es ist kalt, feucht, und ein beißender Gestank nimmt ihr fast den Atem. Vergeblich ruft sie nach Hilfe, doch das Einzige, das ihr Antwort gibt, ist eine Kreatur, die faucht, grollt und zischt. Ihr langer Schrei geht in seinem Fauchen unter – und verstummt …

|Haupthandlung|

Als der Australier Adam Salton am 12. Juni 1860 im Hafen von Southampton eintrifft, glaubt er noch, er sei ein Glückspilz. Sein Großonkel Richard hat ihm einen Brief nach Sydney geschrieben, in dem er ihn nach England einlud, und zwar auf den Stammsitz der Saltons, in die westenglische Gegend nahe der walisischen Grenze. Mr. Salton hat vor, Adam zu seinem Alleinerben zu machen. Adam zeigt seinem Onkel Richard seinen zahmen Mungo Mr. Bagels, der wirklich scharf auf Schlangen ist. Als sie auf dem Salton-Landgut Lesser Hill eintreffen, hat Adam schon einiges über die Gegend dort erfahren, vor allem über ihre Geschichte, die bis in die vorrömische Zeit zurückreicht.

|Nathaniel de Salis|

In Lesser Hill lernt Adam den freundlichen Nathaniel de Salis, den ältesten Freund seines Großonkels, kennen, einen ehemaligen Diplomaten. Nathaniel erzählt ihm von den adligen Großgrundbesitzern des Landes, den Caswalls, die das naheliegende Gut von Castra Regis durch Verwalter bewirtschaften. Nach einem Krach ging einer der Erbfolger ins Ausland. Der Erbe werde nun dieser Tage zurückerwartet. Nathaniel und Richard sind besorgt wegen der besonderen Hypnotiesierkunst aller Caswalls.

Auf einer Halbinsel liegt das Schloss von Diana’s Grove, und Nathaniel erzählt, einst habe es dort ein Heiligtum, einen Tempel und sogar ein Nonnenkloster gegeben. Doch auch dieser Ort hat eine blutige Geschichte, denn der König von Mercia, der zum Heidentum zurückkehrte, ließ alle Nonnen massakrieren. Heute lebt dort nur Lady Arabella March, die Witwe des Kapitäns March, der wenige Wochen nach ihrer Hochzeit Selbstmord beging. Zumindest nimmt man das an.

|Lady Arabella March|

Die schöne Witwe, Lady Arabella March, begrüßt Adam und Nathaniel. Doch als sie Adam einlädt, zeigt sich Nathaniel auffallend zurückhaltend. Er verrät Adam, die Lady sei hochverschuldet und suche dringend einen Mann zum Heiraten. Adam ist nicht wenig von der Lady bezaubert, gesteht er, als sie beide nach Castra Regis gehen, um Edgar Caswall zu begrüßen.

Vor dem Gutshaus erblickt Adam eine bezaubernde junge Frau, und Nathaniel erklärt ihm, es handle sich um Mimi Watford, die verwaiste Enkeltochter des Pächters der Caswalls. Mimi lädt Adam gerne zu sich auf die Mercy Farm ein. Dann begrüßen alle Edgar Caswall.

Edgar Caswall ist ein finster dreinblickender junger Mann, der in Begleitung eines afrikanischen Schamanen namens Oolanga auftritt. Adam ist erstaunt zu bemerken, dass Oolanga ein lebhaftes Interesse für Arabella an den Tag legt und ihr sogar seine Verehrung bezeigt, indem er sich ihr zu Füßen wirft. Doch die Lady ist empört über solches Betragen und weist Oolange, der sie weiterhin verfolgt, die Tür. Stattdessen interessiert sie sich brennend für das Wohlergehen seines Herrn, Sir Caswalls. Edgar hingegen lädt sich ungeniert bei den Watfords ein.

|Mimi|

Am nächsten Tag ist Adam bei den Watfords zum Tee und wird entsetzt Zeuge einer grässlichen Szene. Sir Caswall macht nicht Lady Arabella den Hof, sondern Mimi, in die sich Adam schon verliebt hat. Es ist ein bemerkenswerter Kampf des Willens: einerseits der herrische Gutsbesitzer, der Unterwerfung fordert, auf der anderen Seite die immer schwächer werdende junge Frau, die sich zusehends einer Ohnmacht nähert. Nur Adams Protest bewahrt Mimi vor einem kompletten Zusammenbruch. Adam erklärt Mimi seine Liebe, die Mimi gerne erwidert, denn sie braucht offensichtlich dringend Schutz. Den Segen der beiden Mentoren Richard und Nathaniel hat Adam jedenfalls.

|Castra Regis|

Edgar Caswall verschwindet, um sich einem anderen seltsamen Zeitvertreib zuzuwenden: Er lässt einen riesigen Drachen steigen, um damit das Wetter zu beeinflussen, indem er elektromagnetische Kräfte lenkt. Vorerst beeinflusst er jedenfalls nur das Verhalten der Vögel. Sie meiden Castra Regis wie die Pest. Das kommt den Pächtern aber nur gelegen, denn die Vögel fraßen ihre Ernte.

Nathaniel und Adam gehen unweit Diana’s Grove spazieren. An einem Steinhaufen, der ein Gedenkstein für einen Doppelmord an Christen ist, hat Adams Mungo Mr Bagels tags zuvor vier und heute weitere sechs Schlangen getötet. Als Arabella March energisch gegen das Treiben des Mungos protestiert, wird das Tier ganz wild gegen sie, als ob sie eine weitere Schlange darstelle. In ihrer Panik feuert sie mit einer Pistole auf den Mungo, verfehlt ihn aber zum Glück.

Adam und Nathaniel fragen sich, ob es einen Zusammenhang zwischen Lady March und Schlangen gibt. Nathaniel erzählt, dass Arabella als junges Mädchen einmal verschwunden war. Als sie drei Tage später wieder auftauchte, wirkte sie wie hypnotisiert. Sie konnte sich nur an ein Verlies und einen Brunnenschacht erinnern. Sobald sie von einem Fieber genesen war, legte sie einen veränderten, grausamen Charakter an den Tag und wollte unbedingt den Herrn von Diana’s Grove heiraten, Kapitän March. Er starb nach wenigen Wochen. In letzter Zeit häufen sich Todesfälle im Umkreis des Schlosses, und die Schäfer klagen über verschwundene Tiere. Irgendein grässliches Geheimnis umgibt das Schloss.

|Der Wurm|

Unter dem Einfluss von Edgar Caswalls Machenschaften verändert sich die natürliche Umgebung von Castra Regis, Lesser Hill und Diana’s Grove auf bizarre Weise, die Adam Salton und seine Mimi ziemlich unangenehm finden. Und etwas Böses braut sich offenbar zusammen, findet Nathaniel.

Adam und Nathaniel glauben, dass sich etwas Böses aus dem unergründlich tiefen Brunnenschacht in dem Schloss über das Land ausbreitet, und Nathaniel hat sogleich eine geschichtliche und naturhistorische Erklärung parat. Doch wie kann man herausfinden, welches Geheimnis das Schloss wirklich birgt? Das fasst Adam als Aufforderung auf, sich in den Keller des Schlosses einzuschleichen und festzustellen, was dort vor sich geht. Gibt es wirklich einen „Lindwurm“, ein Mittelding zwischen Wurm und Drache, wie der Volksmund behauptet?

Im Kellerverlies des Schlosses wird er unverhofft Zeuge einer grausigen Szene, die sich zwischen Arabella, Oolanga und der Kreatur, die in der Tiefe haust, abspielt …

_Mein Eindruck_

Der heutige Stoker-Fan muss sich in dieser verfilmten Erzählung mit einer Reihe seltsamer Begegnungen und Phänomene herumschlagen, die in der gekürzten Fassung bislang ziemlich unbegründet daherkamen, doch im Hörspiel endlich einen Sinn ergeben.

|Draculas Ersatz|

Da ist zunächst einmal der jämmerliche Dracula-Ersatz des Edgar Caswall. Wie ein Vampir verfügt er über die psychische Kraft, sein Opfer durch eine Art Hypnose niederzuringen und gefügig zu machen. Adam Salton selbst, ein würdiger Nachfolger von Jonathan Harker, wird mehrmals direkt oder indirekt Zeuge einer solchen Konfrontation. Doch seltsamerweise schafft es Caswall nie, Mimi Watford zu unterwerfen und sie seinen Zwecken zuzuführen, welche auch immer das sein mögen. Denn ein untoter Blutsauger ist er mitnichten.

Sein Schamane Oolanga spielt in Caswalls Plänen erstaunlicherweise überhaupt keine Rolle, sondern verfolgt seine eigenen Absichten. Er erinnert an gewisse Figuren in Sherlock-Holmes-Erzählungen. Und so kommt es zwar dazu, dass Adam seine Mimi Watford, die sich ohne Widerrede in eine Heirat mit ihm flüchtet, zwar in Sicherheit bringen muss, aber nicht vor Caswall, sondern vor dem anderen Bösewicht: Lady Arabella.

|Lady Arabella und der weiße Wurm|

Lady Arabella ist die mit weitem Abstand interessanteste Figur des gesamten Romans, und zwar nicht nur, weil sie die Priesterin (nicht mehr die Verkörperung) des weißen Wurms ist. Der Wurm wiederum ist eine Erscheinungsform des altägyptischen Gottes Apophis. Arabella ist, wie Oolangas Verehrung bezeugt, eine Priesterin der weißen Göttin, der Großen Mutter, die über Schlangen gebietet und somit über Gesundheit oder Verderben der Menschen. Man kann sie sich gut als Zauberin Circe vorstellen, doch sie verwandelt zum Glück niemanden in ein Schwein.

Arabella lebt in Diana’s Grove, dem Dianenhain. Diana/Artemis/Kybele* war eine der Verkörperungen der Weißen Göttin, die im Altertum von zahlreichen Völkern, in denen das Matriarchat herrschte, verehrt wurde. Die Weiße Göttin, das hat unter anderem die gleichnamige Untersuchung von Robert Ranke-Graves zu belegen versucht, wurde von den patriarchalischen Kulten und Religionen abgelöst, so wie als zentrale Herrschaftsstruktur die Familie vom Königtum und seiner Theo- bzw. Bürokratie abgelöst wurde.

Kybele (Kleinasien), Rhea, Astarte, Diana – sie alle wurden von Göttern wie Zeus bzw. Jupiter ersetzt. Artemis / Diana, die wandlungsfähige und jähzornige Mondgöttin, ist in der kultischen Verehrung die Herrin über die Tiere sowie über Fruchtbarkeit und Vegetation, außerdem Schutzherrin der Jungfrauen und Nymphen. Jeder Frevel in dieser Hinsicht wird von ihr in vielen Sagen bestraft. Ihre Opfer sind u.a. Orion, Aktäon und Admetos (dem sie Schlangen ins Brautgemach schickte).

Diana zu Ehren wurden kultische Tänze um Bäume aufgeführt. Ihr Kultbild im Artemis-Tempel zu Ephesos, einem der sieben Weltwunder der Antike, wies zahlreiche Brüste auf, um ihre Fruchtbarkeit zu kennzeichnen. Vor der Eheschließung opferten ihr Burschen und Mädchen. Häufig wurde sie als Schutzgöttin bei der Entbindung verehrt, doch nicht als Mutter, sondern quasi als Hebamme. Auffallend ist, dass sie wie ihr Bruder Apollon, der Sonnengott, nie einen Ehepartner hatte wie Zeus oder Hades.

Der Vegetationsgöttin wurden häufig Heiligtümer in feuchten, sumpfigen Gegenden errichtet – das deckt sich mit Diana’s Grove, dem alten Diana-Heiligtum, einer späteren Druiden-Kultstätte und Nonnenkloster, das durch den unergründlichen Brunnenschacht eine Verbindung zu Fluss, Sumpf oder gar Meer haben muss, wie Adam und Nathaniel, sein Van Helsing, vermuten. Den Wurm sollte man sich weniger als anämischen und zu groß geratenen Regenwurm oder Grottenolm vorstellen als vielmehr wie einen Lindwurm, also einen flügellosen Drachen.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Der Dramaturg des Hörspiels hat jedes Recht, die Handlung und das Personal seinen Bedürfnissen anzupassen. So fielen beispielsweise die Rollen der Lilla und von Mimis Großeltern weg, ebenso diverse Szenen, die nur Verwirrung gestiftet hätten, die Handlung aber nicht weiterbringen. Das Grundgerüst der Story ist erhalten geblieben.

Genial ist die Verknüpfung des bislang unbekannten Prologs mit Nathaniels Erwähnung von Arabellas mysteriösem Verschwinden im Versteck des Drachen. Unterstellt man ihre mystische Vereinigung mit dem Drachen, so erklärt dies ihre Grausamkeit, ihre Schlangennatur und die Rolle als Priesterin des Schlangengottes. Das heißt, sie ist auf einmal die Gegenspielerin zu allen anderen Figuren, wenn auch nicht zu Caswall, der selbst sein Unwesen treibt.

|Showdown|

Da ein Drache ebenso gefährlich ist wie eine zu mächtige Lady Arabella, die sich anschickt, sich mit dem verrückten Sir Caswall zu vermählen, beschließen Adam und Nathaniel, ihr bzw. ihrem Wurm-Domizil den Garaus zu machen. In der Folge kommt es zu einem fulminanten Höhepunkt in der Handlung. Wie das im Einzelnen zustande kommt, soll hier nicht verraten werden, aber es ist trickreich eingefädelt. Hier folgt das Hörspiel ziemlich genau der literarischen Vorlage.

Die Sprecher könnten direkt aus einem viktorianischen Stück stammen, aber sie reden wie moderne Menschen, ohne Schnörkel und pompöses Getue um Etikette und Standesdünkel. Am gelungensten fand ich das Trio aus Adam, Richard und Nathaniel, zu dem sich die liebliche Mimi Watford gesellt. Ihnen stehen sinistre Gestalten gegenüber: die arrogant auftretende Arabella March, der hypnotisierende Edgar Caswall und der rätselhafte Oolanga, dessen Akzent irgendwo zwischen Indisch und Afrikanisch liegt.

|Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut, meist aber reichen Andeutungen aus. Mehrmals hören wir Schritte – im Gras oder auf Kies. Dann wieder rumpelt eine Droschke des Wegs. Am Hafen ertönen Nebelhörner und die Schreie von Möwen, und Möwen hören wir seltsamerweise auch auf den Hügeln von Lesser Hill. Aber die Lage des Schlosses Diana’s Grove wird vielleicht durch die Nähe des Meeres erklärt. Ich glaube, in der Buchvorlage befindet sich Diana’s Grove weiter im Landesinneren und ist lediglich ein altes Gutshaus, kein Schloss.

Sehr schön ist die Gewitterkulisse im Finale des Hörspiels gestaltet. Wer eine gute Anlage hat, sollte sie ordentlich aufdrehen, um den Donner richtig schön krachen zu lassen. Das passt auch zur finalen Explosion, den Schreien und dem Klirren zerberstender Fenster. Diese Szene hält für den aufmerksamen Zuhörer noch etliche weitere Zutaten bereit, aber ich will hier nicht alles verraten.

|Sounds|

In der aktuellen Frühjahrs-Staffel der drei Gruselkabinett-Hörspiele „Die obere Koje“, „Die Jagd der Vampire“ und „Das Schloss des weißen Lindwurms“ spielen Sounds erstmals eine auffallend bedeutende Rolle, um die Atmosphäre einer Szene zu verstärken. Musik allein reicht einfach nicht mehr, um den Horror zu evozieren und zu veranschaulichen.

Nun ist die Beschreibung von Sounds stets auf Analogien angewiesen, und auch ich muss mich damit behelfen. Die wichtigste Frage muss natürlich lauten, wie das Ungeheuer dargestellt wird. Dass es sich um eine Art flügellosen Drachen handeln soll, ist dabei völlig unerheblich. Hauptsache, das Viech wirkt bedrohlich und präsent. Schon im Prolog deutet die Soundregie an, dass das Monster faucht, grollt und zischt. Diese Charakteristika wiederholen sich, wann immer es erscheinen soll, gewöhnlich begleitet von dem Schrei seines Opfers.

|Musik|

Jeder Auftritt des Monsters wird fein säuberlich durch musikalische Motive vorbereitet, denn schließlich handelt es sich dabei um die wichtigsten Höhepunkte der Handlung. Immer wieder ist vorher dramatische Musik von den Streichern zu hören, aber auch eine tickende Melodie, mit der die Harfe das Verstreichen der Zeit andeutet und so die Spannung erhöht.

Zwischen und nach diesen dramatischen Auseinandersetzungen – dazu zählen auch die Auftritte von Edgar Caswall bei Mimi sowie Arabellas Schüsse auf den Mungo – darf sich der Hörer entspannen, meist bei einem romantischen Piano-Motiv, das von einer Oboe begleitet wird.

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und ist mit klassischem Instrumentarium produziert – keine Synthesizer für klassische Stoffe! Die Musik steuert nicht nur die Emotionen des Publikums auf subtile Weise, sondern bestreitet auch die Pausen zwischen den einzelnen Akten. Dann stimmt sie das Publikum auf die „Tonart“ des nächsten Aktes ein.

Musik, Geräusche und Stimmen wurden so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt. Durch den Rhythmus von An- und Entspannung in der Handlung wird der Hörer bei der Stange gehalten. Die Spannung steigert sich und wird durch Bemerkungen der Figuren noch angeheizt, dass etwas Schlimmes bevorstehe. Das Finale löst dieses Versprechen voll und ganz ein. Mir dauert es ein wenig zu kurz, aber das ist Geschmackssache. Mit über 68 Minuten gehört „Lindwurm“ bereits zu den längsten Hörspielen der Reihe.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin fand ich wieder einmal sehr passend und suggestiv.

Diesmal sind wieder in einem zusätzlichen Katalog Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:

Nr. 30: J. W. Polidori: Der Vampyr (November)
Nr. 31: Rudyard Kipling: Die Gespenster-Rikscha (November)
Nr. 32 + 33: Barbara Hambly: Die Jagd der Vampire (2 CDs, März 2009)
Nr. 34: F. M. Crawford: Die obere Koje (April 2009)
Nr. 35: Bram Stoker: Das Schloss des weißen Lindwurms (April 2009)
Nr. 36+37: Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray (erscheint im Oktober 2009)
Nr. 38: Hanns Heinz Ewers: Die Spinne (erscheint im November 2009)
Nr. 39: H. P. Lovecraft: Der Tempel (erscheint im November 2009; Story siehe [„Jäger der Finsternis“)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3450

_Unterm Strich_

Völlig abstrus ist die Grundidee keineswegs. Statt das Monster im fernen Transsilvanien anzusiedeln, wo sich die „Knoblauchfresser“ (siehe Polanskis „Tanz der Vampire“) damit herumschlagen müssen, haust das Ungeheuer Edgar Caswall mitten im lieblichen Westengland und zwar unter der feinen adligen Gesellschaft. Caswall ist degeneriert und fordert den Himmel heraus, während Arabella kein Freund von Mungos ist und sich als Schlange und mit Schlangen ihre Opfer sucht.

Dass der Autor auf dem Umweg über die horrormäßig inszenierte Mythologie die Adelsschicht als nicht mehr lebensfähige Gesellschaft, ja, als gefährlich für die Rechtschaffenen und Liebenden hinstellt, ist ein bemerkenswerter Ansatz zur Sozialkritik. Die beiden Adeligen sind durchweg heidnisch. Caswall stellt pseudowissenschaftliche Experimente an, während er sich als Vampirjünger betätigt (durch Hypnose). Arabella tritt sogar als Priesterin eines altägyptischen Gottes auf. Altertum und Neuzeit, Heidentum und Christentum prallen in ihr aufeinander.

Dass die moralische Degeneration mit ihrer religiösen einhergeht, verwundert nicht, denn wer soziale Regeln ablehnt, der lehnt auch Gottes Regeln ab – zumindest in den Augen der Viktorianer, die dieses Buch lesen sollten. Der Lindwurm ist die ultimative Verkörperung der Verderbtheit von Arabella und Caswall. Dass das Hörspiel nun Arabellas Begegnung mit dem Lindwurm und ihre Verwandlung in dessen grausame Dienerin an den Anfang stellt und zeitlich in ihre Jugend platziert, finde ich sehr plausibel, auch in einem poetischen Sinn. Dass sie zusammen mit ihrem Gott untergeht, erscheint nur konsequent. Es handelt sich um eine weitere Teufelsaustreibung, wie schon in „Dracula“.

Das positive Gegenbild das liefern die drei Männer auf Lesser Hill – Richard, Adam und Nathaniel. Sie nehmen die von Caswall bedrohte Jungfrau, die obendrein auch noch verwaist und somit noch schutzloser ist, in ihren Kreis auf. Das christliche Sakrament der Ehe stellt Mimi Watford unter den Schutz von Kirche, Mann und Gott. So liebten es die Viktorianer.

|Das Hörspiel|

Das Hörspiel hat mir gut gefallen, mich aber nicht umgehauen. Dazu kannte ich die Geschichte und ihre Hintergründe bereits zu gut. Also wusste ich, was ich zu erwarten hatte. Doch als Beitrag zur Reihe |Gruselkabinett| bildet „Das Schloss des weißen Lindwurms“ einen achtbaren Beitrag, der durch die Beiträge der Dramaturgie (bes. der Prolog) mehr Sinn ergibt als das gekürzte Original. Dass Arabella nicht der Lindwurm in anderer Gestalt IST, sondern nur dessen priesterliche Dienerin, ist ebenfalls viel leichter vorzustellen als eine Gestaltwandlerin.

Über die Güte der akustischen Darbietung habe ich mich bereits oben ausgelassen. Bemerkenswert sind die zusätzlichen Sounds. Weniger gut gefiel mir die Aussprache des Namens „Watford“ als [wätfo(r)d], denn ich habe diesen Namen – es ist auch ein Stadtteil von London – immer nur als [wåtf(e)d] ausgesprochen gehört. Auch über die Aussprache des Namens Caswall ließe sich trefflich streiten – am Ende entschiede aber doch nur ein Blick ins Lexikon diese Frage.

Fazit: ein Volltreffer.

|Basierend auf: The Lair of the White Worm, 1886
ohne Übersetzerangabe
68 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3825-2|
http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de

*Quelle für die mythologischen Angaben: Herbert Hunger, „Lexikon der griechischen und römischen Mythologie“, Rowohlt, Reinbek 1980, ISBN 3-499-16178-8.

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)
[„Der Glöckner von Notre-Dame“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5399 (Gruselkabinett 28/29)
[„Der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5426 (Gruselkabinett 30)
[„Die Gespenster-Rikscha“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5505 (Gruselkabinett 31)
[„Jagd der Vampire. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5730 (Gruselkabinett 32)
[„Jagd der Vampire. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5752 (Gruselkabinett 33)
[„Die obere Koje“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5804 (Gruselkabinett 34)

Montgomery, L. M. / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – Anne in Avonlea. Folge 6: Ein rabenschwarzer Tag und seine Folgen

_Ein rabenschwarzer Tag & neue Hoffnung_

Kanada Ende des 19. Jahrhunderts. (Fortsetzung von „Anne auf Green Gables“.) Anne genießt ihre letzten Ferientage auf Green Gables. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird sie die Lehrerstelle an der Dorfschule von Avonlea übernehmen. Für den kleinen Ort haben Anne und ihre Freunde ehrgeizige Pläne. Flugs wird ein Dorf-Verschönerungs-Verein gegründet. Überschattet werden die Spendensammel-Aktionen durch Probleme mit der Kuh Dolly und einem sehr wütenden neuen Nachbarn …

Folge 6: Anne Shirley wird von den meisten Schülern an der Dorfschule angehimmelt. Aber keineswegs alle mögen die neue junge Lehrerin. Der flegelhafte Anthony Pye hat es regelrecht auf Anne abgesehen. An einem kalten Wintermorgen kommt es zu einer sehr hässlichen Szene in der Schule, die keines der Schulkinder von Avonlea je vergessen wird …

Pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum gibt es die Abenteuer des sympathischen Waisenmädchens Anne Shirley als Hörspiel-Serie, geeignet für die ganze Familie, gesprochen von den deutschen Stimmen vieler Hollywood-Stars.

_Die Autorin_

Lucy Maud Montgomery (1874-1942) war eine kanadische Schriftstellerin, die besonders durch ihre Jugendbücher um Anne Shirley bekannt wurde: „Anne of Green Gables“ und sechs Fortsetzungen.

Das Manuskript wurde zunächst von mehreren Verlagen abgelehnt, bevor es Montgomery gelang, es zu platzieren. 1908 war sie bereits 34 Jahre alt. Das Buch wurde zu einem Theaterstück verarbeitet, mehrmals verfilmt und in mehr als 40 Sprachen übersetzt.

Die erste Staffel: Anne auf Green Gables

Folge 1: [Die Ankunft]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4827
Folge 2: [Verwandte Seelen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4852
Folge 3: [Jede Menge Missgeschicke]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4911
Folge 4: Ein Abschied und ein Anfang

Die zweite Staffel: Anne auf Avonlea

Folge 5: [Die neue Lehrerin]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5783
Folge 6: Ein rabenschwarzer Tag und seine Folgen
Folge 7: Eine weitere verwandte Seele
Folge 8: Das letzte Jahr als Dorfschullehrerin

Die dritte Staffel: Anne in Kingsport

Folge 9: Auf dem Redmond College
Folge 10: Erste Erfolge als Schriftstellerin
Folge 11: Die jungen Damen aus Pattys Haus
Folge 12: Viele glückliche Paare

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Erzähler: Lutz Mackensy (Rowan Atkinson, Christopher Lloyd, Al Pacino)
Anne Shirley: Marie Bierstedt (Kirsten Dunst, Kate Beckinsale)
Marilla Cuthbert: Dagmar von Kurmin (Bühnenschauspielerin, Hörspiel-Regisseurin für |Europa|, Stammsprecherin für |Titania Medien|)
Rachel Lynde: Regina Lemnitz (Whoopi Goldberg, Kathy Bates, Diane Keaton)
Diana Barry: Uschi Hugo (Neve Campbell)
Gilbert Blythe: Simon Jäger (Josh Hartnett)
Jane Andrews: Cathlen Gawlich (Jaime King, Amy ‚Fred‘ Acker)
James A. Harrison: Heinz Ostermann (Kammerschauspieler)
Anthony Pye: Maximilian Artajo (‚Aang‘ in „Avatar“)
Und viele weitere.

Regie führten Stephan Bosenius und Marc Gruppe, der auch das „Drehbuch“ schrieb. Die Aufnahme leiteten Martin Wittstock und Kazuya. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

Es ist inzwischen November, und die Bewohnerschaft von Green Gables ist um zwei vermehrt worden. Die Zwillinge Dora und Davy Keth, jeweils acht Jahre alt, sind die Halbwaisen von Mary Keith, die starb. Doch weil ihr Bruder in British Columbia lebt, ist das Schicksal der Kinder ungewiss. Anne und Marilla Cuthbert haben sich bereit erklärt, die Kinder bei sich aufzunehmen. Doch das stellt sich als Bürde heraus. Während Dora ein liebes, braves Mädchen ist, ist Davy ein richtiger Lausejunge, dem die strenge Hand eines Vaters fehlt. Er lügt, spielt Streiche und bereitet allen Verdruss. Einmal sperrt er sogar seine Schwester in den kalten Schuppen ein.

|Ein neuer Freund|

Doch es gibt einen Ausgleich für Anne. Sie ist inzwischen mit dem Nachbarn Mr. James A. Harrison gut Freund geworden, und nur dessen vorwitziger Papagei Ginger piesackt sie mit seinem Schrei „Karotte!“ Anne hat gelernt, diese Rufe gutmütig hinzunehmen. Bei ihrem jüngsten Besuch redet sie Mr. Harrison ins Gewissen, dass er doch bitte für die Verschönerung des Gemeindesaals spenden solle. Joshua Pye werde das Anstreichen übernehmen, und der ganze Dorfverschönerungsverein, sie eingeschlossen, freue sich bereits auf den neuen Anstrich: ein dezentes Grün.

|Katastrophe|

Als Plaudertasche und Vereinsvorstand Rachel Lynd das vollbrachte Werk begutachten will, trifft sie fast der Schlag. Sie eilt davon, um allen, die es wissen oder nicht wissen wollen, zu verkünden, welch einen Frevel Joshua Pye begangen hat. Auch Gilbert Blythe und seine Freund Fred Wright sind aufgebracht über diese „Katastrophe“ und erzählen ihren Freundinnen Jane Andrews, Anne und Diana Barry davon. Ja, es ist schreckliche Wahrheit: Der Gemeindesaal ist knallblau gestrichen worden! Die nichtsnutzigen Pyes haben die Nummer der Farbe verwechselt, die man ihnen angegeben hatte.

|Eine verwandte Seele|

Es wird Dezember, und die Zeit für Bratäpfel ist gekommen. Anne erzählt Gilbert begeistert von ihrem Schüler Paul Irving, elf, in dem sie eine verwandte Seele erkannt habe. Auch er habe die GABE: Er könne wie sie mit seinen Phantasien andere Welten erstehen lassen. Er stellt sich Felsenmenschen vor, die an seinem Strandabschnitt leben. Paul lebe allein bei seiner Großmutter, denn seine Mutter sei gestorben und sein Vater lebe in Boston. Stephen Irving hatte vor 25 Jahren einen Streit mit seiner Verlobten Lavender Lewis, nach dem sie sich trennten. Was auch Lavender wurde, weiß Anne nicht (aber sie wird es herausfinden). Unterdessen schreibt Paul seiner Lehrerin ganz liebe Briefe, die Gilbert beinahe eifersüchtig machen.

|Ein rabenschwarzer Tag|

Der schrecklichste aller Tage bricht damit an, dass Anne Shirley Zahnschmerzen hat, aber aus Pflichtgefühl trotzdem in die Schule geht. Wegen des Schneesturms kommt Anne erst einmal zu spät, aber sie ist nicht die Einzige: Auch Anthony Pye, der ungezogene Junge ihrer Klasse, nimmt sich die Freiheit, einfach so spät zu kommen wie sie. Die Stimmung wird nicht besser, als Clarissa Donnell so nervös ist, dass sie die Kohlen kaum in der Heizofen praktizieren kann. Anthony lacht sich natürlich schief, was Anne zornig macht.

Als er seinem Klassenkameraden ein Päckchen zustecken will, konfisziert Anne es einfach und befiehlt ihm, es in den Ofen zu stecken. Die Kinder essen sowieso zu viel Kuchen und werden fett. Doch im Päckchen waren Feuerwerksknaller … Als sich der Krach verzogen hat, gibt es für Anne nur eines zu tun, will sie Anthony zur Räson bringen: Sie muss ihn züchtigen. Doch das widerspricht allen ihren Prinzipien für die Erziehung von Schulkindern. Sie steht vor einer schrecklichen Wahl …

_Mein Eindruck_

Annes Bemühen, den Mitmenschen und vor allem „verwandten Seelen“ zu ihrem ihnen zustehenden Glück zu verhelfen, wird auf eine harte Probe gestellt: Sie muss entweder Anthony Pye züchtigen oder vor ihrer Klasse (und deren Eltern) für immer das Gesicht verlieren. Seltsamerweise erwirbt sie sich Anthonys Achtung, nachdem sie es doch fertiggebracht hat, ihn zu bestrafen. Wenn sie sich auch Gewissensbisse macht, so ist doch fortan ein besserer Unterricht möglich als je zuvor. Und nur die Mutter von Jacob Donnell, pardon: D’onéll, beschwert sich französelnd, dass Anne ihren Sohn nicht mit seinem echten Namen „Saint Clair“ anspreche. Anne hat Mitleid mit Jacob und spricht ihn fortan nur vor Mrs. Donnell mit Saint Clair an.

„Edel sei der Mensch, Zwieback und gut“, sagten die Studenten in Anspielung auf Goethe. Anne hat sich Goethes Motto auf die Fahnen geschrieben und hat keinen Zweifel, ihre Suche nach dem Glück ihrer Mitmenschen zum Erfolg führen zu können. Dazu gehört die Aufnahme von zwei Waisenkindern – sie ist ja selbst eines – ebenso wie die Verschönerung des Dorfes, die sie im Verein betreibt. Die Erziehung Davys ist ebenso mit Fallstricken versehen wie das Anstreichen des Gemeindehauses: Beides geht gründlich daneben, wie es aussieht. Von den Untaten des jungen Waisenjungen werden wir noch mehr hören.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Die Hauptrolle der Anne Shirley wird von Marie Bierstedt, der deutschen Stimme von Kirsten Dunst und vielen anderen jungen Schauspielerinnen, mit Enthusiasmus und Einfühlungsvermögen gesprochen. Obwohl Bierstedt wesentlich älter ist als die siebzehnjährige Heldin, klingt ihre Stimme doch ziemlich jugendlich. Manchmal darf sie aber auch ein wenig langsamer und überlegter sprechen, besonders mit „verwandten Seelen“.

Sehr gut gefiel mir auch Heinz Ostermann, der Sprecher des Mr. Hamilton. Er legt ihm ein ganzes Spektrum von Grantigkeit, Freundlichkeit und schließlich sogar Zärtlichkeit in den Mund, dass man fast einen gerundeten Charakter vor sich hat. Witzig fand ich den krächzenden Papagei, der immer „Karotte!“ ruft, um Anne zu triezen.

Unter den weiteren weiblichen Sprecherinnen ragen die der Marilla Cuthbert (Dagmar von Kurmin) und der Rachel Lynde (Regina Lemnitz) heraus. Dagmar von Kurmin muss wie Heinz Ostermann sowohl Strenge als auch Freundlichkeit verkörpern. Regina Lemnitz ist die Inkarnation der Plaudertasche und der wandelnden Gerüchteküche. Außerdem scheint ihre Rachel Lynde Vorsitzende des Dorfverschönerungsvereins zu sein und hat entsprechend viele Sorgen um die Ohren. Und sie ist natürlich die beste Freundin von Marilla Cuthbert, die die Witwe in Folge 8 in ihr Haus aufnimmt.

|Geräusche|

Die Geräusche im Hintergrund sorgen für die Illusion einer zeitgenössischen Kulisse für das Jahr 1879, doch sind sie so sparsam und gezielt eingesetzt, dass sie einerseits den Dialog nicht beeinträchtigen, andererseits den Hörer nicht durch ein Übermaß verwirren. Deshalb erklingen Geräusche in der Regel stets nacheinander.

Auffällig häufig ist jedoch die Kombination aus Brandung und Vogelgezwitscher zu hören. Das ist eine Besonderheit der meerumtosten Inselumgebung. Selbstredend erklingen zahlreiche Vogelstimmen, wenn Anne mit ihren Freunden durch den Wald spaziert. Um die Epoche zu verdeutlichen, ist natürlich kein einziges Auto zu hören, sondern nur diverse Kutschen und Karren.

|Musik|

Die Musik ist ebenfalls ziemlich romantisch, voller Streichinstrumente, Harfen und Pianos. Das Klavier wird meist für melancholische Passagen eingesetzt, und diese sind ebenso wichtig wie die heiteren. Der kontrastreiche Wechsel zwischen Heiterkeit, Drama und Melancholie sorgt für die emotionale Faszination beim Zuhörer. Die Musik steuert die Emotionen und untermalt die wichtigsten Szenen, kommt aber nicht ständig im Hintergrund vor. Ebenso wie mit den Geräuschen darf man es nicht übertreiben.

Als Intro erklingt die Erkennungsmelodie der Serie: In einem flotten Upbeat-Tempo lassen Streicher, Holzbläser und ein Glockenspiel Romantik, Heiterkeit und Humor anklingen. Alle diese Elemente sind wichtige Faktoren für den Erfolg des Buches gewesen. Warum sollten sie also ausgerechnet im Hörspiel fehlen?

_Unterm Strich_

Es passiert im Winter natürlich nicht allzu viel auf Green Gables, aber die zwei neuen Waisenkinder sorgen für gehörig Aufregung. Besonders der achtjährige Davy scheint sich ebenso wie Anthony Pye gegen Anne verschworen zu haben, und sie kommt aus den Aufregungen kaum heraus, die diese beiden Jungen ihr bereiten. Leider ist dies im Grunde wenig spannend für männliche Zuhörer, denn es handelt sich vor allem um Erziehungsfragen. Auffällig ist die häufige Abwesenheit von Gilbert Blythe, Annes Jugendfreund, so dass es keine romantischen Verwicklungen gibt. Das sollte sich möglichst bald ändern.

Besonderes Vergnügen hat mir die akustische Umsetzung des Buches bereitet. Hörbaren Spaß haben die Sprecher an ihren Rollen, und insbesondere die Hauptfigur ist von Marie Bierstedt ausgezeichnet gestaltet. Sie schluchzt, lacht, schmollt, flüstert und quasselt, dass man sich wundern muss, woher diese Vielseitigkeit stammt. In den Spider-Man-Film ist Kirsten Dunst nie so vielseitig. Bierstedts Anne muss sich nicht nur durch Höhen und Tiefen des Herzens lavieren, sondern auch noch weiterentwickeln.

|Basierend auf: Anne of Avonlea, 1909
68 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3634-0|
http://www.titania-medien.de
http://www.wellenreiter.la
http://www.luebbe-audio.de

Montgomery, Lucy Maud – Anne in Windy Poplars, Folge 16: Abschied von Summerside

_Taschentuchalarm: Rabenväter und Shotgun Weddings_

Kanada Ende des 19. Jahrhunderts. (Fortsetzung von „Anne in Kingsport“)

Die Lage im Hause Sinclair spitzt sich immer mehr zu. Anne rät ihren Lieblingsschülern daraufhin zu einem gewagten Schritt – wohl wissend, dass dies sicherlich Ärger verursachen wird. Aber auch an anderer Stelle sorgt Anne für Wirbel. Der kleinen Elizabeth im Nachbarhaus stehen einige aufregende Stunden bevor …

Pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum gibt es die Abenteuer des sympathischen Waisenmädchens Anne Shirley als Hörspiel-Serie, geeignet für die ganze Familie, gesprochen von den deutschen Stimmen vieler Hollywood-Stars.

_Die Autorin_

Lucy Maud Montgomery (1874-1942) war eine kanadische Schriftstellerin, die besonders ihre Jugendbücher um Anne Shirley bekannt wurde: „Anne of Green Gables“ und sechs Fortsetzungen.

Das Manuskript wurde zunächst von mehreren Verlagen abgelehnt, bevor es Montgomery gelang, es zu platzieren. 1908 war sie bereits 34 Jahre alt. Das Buch wurde zu einem Theaterstück verarbeitet, mehrmals verfilmt und in mehr als 40 Sprachen übersetzt.

Die 1. Staffel: Anne auf Green Gables

Folge 1: [Die Ankunft]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4827
Folge 2: [Verwandte Seelen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4852
Folge 3: [Jede Menge Missgeschicke]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4911
Folge 4: Ein Abschied und ein Anfang

Die 2. Staffel: Anne auf Avonlea

Folge 5: [Die neue Lehrerin]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5783
Folge 6: [Ein rabenschwarzer Tag und seine Folgen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5806
Folge 7: [Eine weitere verwandte Seele]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5832
Folge 8: Das letzte Jahr als Dorfschullehrerin

Die 3. Staffel: Anne in Kingsport (Frühjahr 2009)

Folge 9: Auf dem Redmond College
Folge 10: Erste Erfolge als Schriftstellerin
Folge 11: Die jungen Damen aus Pattys Haus
Folge 12: Viele glückliche Paare

Die 4. Staffel: Anne in Windy Poplars (Herbst 2009)

Folge 13: [Die neue Rektorin]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6084
Folge 14: [Ein harter Brocken]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6085
Folge 15: [Das zweite Jahr in Summerside]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6110
Folge 16: Abschied von Summerside

Die 5. Staffel: „Anne in Four Winds“ (Frühjahr 2010)

Folge 17: Ein neues Zuhause
Folge 18: In guten wie in schlechten Zeietn
Folge 19: Verwirrung der Gefühle
Folge 20: Ein neuer Anfang

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Erzähler: Lutz Mackensy (Synchronstimmer von: Rowan Atkinson, Christopher Lloyd, Al Pacino)
Anne Shirley: Marie Bierstedt (Synchronstimme von: Kirsten Dunst, Kate Beckinsale)
Und viele andere.

Regie führten Stephan Bosenius und Marc Gruppe, der auch das „Drehbuch“ schrieb. Die Illustration stammt von Firuz Askin. Hier ist einzige Kritik angebracht: Das Mädchen auf dem Titelbild, das Elizabeth darstellen soll, sieht meiner Auffasung nach viel zu alt aus, fast schon erwachsen. Und doch vergingen in Summerside nur zwei Jahre. Oder waren es doch drei? Wie die Zeit vergeht!

_Handlung_

Als Anne Anfang des neuen Jahres wieder nach Windy Poplars zurückkehrt, erzählt sie, dass Katherine Brooke mit dem kleinen Hündchen, dass sie ihr geschenkt habe, in ein neues Domizil ziehen werde, das gar nicht weit entfernt liege. Die Bewohnerinnen von Windy Poplars sagen ihr sofort, sie soll Katherine einladen, und diese verspricht auch zu kommen.

Im Nachbarhaus „Evergreens“ stehen die Dinge immer noch schlimm, denn Mrs. Campbell hat ihrer Urenkelin Elizabeth das Vorsingen verboten, worüber das Mädchen sehr traurig ist. Doch Anne weiß von Rebecca, dass Mrs Campbell eine erbitterte Feindin des Pringle-Clans ist. Sie braucht nur zu erwähnen, dass eines der Pringle-Mädchen sowieso besser als Elizabeth singen würde, als Mrs. Campbell auch schon ihre Erlaubnis erteilt. Elizabeth ist selig. Aber wer ist bloß dieser Rabenvater, der seine Tochter so im Stich lässt?

Die Sommerferien verbringt Anne ein letztes Mal zusammen mit Katherine Brooks. Die Bekehrte will nicht mehr als Lehrerin arbeiten, sondern hat sich für einen Kurs als Fremdsprachensekretärin am Redmond College eingeschrieben, denn sie sehnt sich nach den Orten im Orient, die zu bereisen sie sich schon immer gewünscht hat. Aber auch Elizabeth darf diesmal mit und findet in Davy und Dora zwei wunderbare Spielkameraden. Gilbert Blythe hilft beim Eisenbahnbau im Westen, um Geld für sein Medizinstudium zu verdienen.

|Shotgun Wedding|

Louis Allen, der angehende Fotograf, und Sophie Sinclair, die talentierte Schauspielerin, wollen eigentlich heiraten, aber Sophie hat schreckliche Angst, dass ihr Vater diese Verbindung ablehnt, weil er zu sehr auf die Familienehre bedacht ist. Anne soll sich nicht einmischen, hat aber nur einen Rat parat: In diesem Fall können Louis und Sophie nur durchbrennen und auf eigene Faust heiraten! Dann müsse sich Sophie nicht zwischen Louis und ihrem Vater entscheiden.

Alles ist für die heimliche Trauung im Haus der Armstrongs vorbereitet, wo Louis jetzt wohnt, und der Pfarrer wartet schon, doch wo ist die Braut? Verzweifelt fährt Louis durch den strömenden Regen zu Anne, um sie um Hilfe zu bitten. Es gibt nur eines zu tun: Sie muss Sophie umstimmen, denn die hat bestimmt die Hosen voll …

|Ein Rabenvater kehrt zurück|

Nach dem glücklichen Ende dieser Affäre begibt sich Anne im Sommer auf die versprochene Bootstour mit Elizabeth. Zusammen rudern sie zur Insel Flying Cloud, wo sich Elizabeths „Traumland“ befindet. Vor Monaten hat Anne dem Vater des Mädchens einen ermahnenden Brief geschrieben, aber bis zum heutigen Tage keine Antwort erhalten, was sie ziemlich frustriert. Elizabeth fürchtet, dass dies ihr Ende sein werde, was die Tanten in Windy Poplars mal wieder zum Schluchzen bringt, als sie davon hören.

Doch der Maitag auf der Insel ist wunderschön, und Anne hat einen Auftrag zu erledigen: Sie soll Mrs. Thompson, die hier wohnt, einen Brief bringen. Doch die Frau befindet sich am anderen Ende der Insel beim Pflücken wilder Erdbeeren. Während Anne losgeht, bleibt Elizabeth an der Landestelle. Da tritt ein Mann auf, der seinen Namen nicht nennt, aber so freundlich ist, dass er Elizabeth ein Eis mit Erdbeermarmelade spendiert. Aber als Anne zurückkommt, verschwindet er wieder. Wer mag er gewesen sein? Zusammen erkunden Anne und Elizabeth die Insel, finden ihn aber nicht, bevor sie heimkehren müssen.

Doch auf dem Heimweg gehen einem Kutscher die Pferde durch. Die stoßen Elizabeth so heftig um, dass sie in Ohnmacht fällt. Erst im Krankenhaus erwacht sie wieder. Zwei Erwachsene sprechen über sie. Der eine ist unverkennbar Anne, doch der Mann … der Mann, der ihr das Eis spendierte, gibt sich endlich als ihr Vater zu erkennen …

_Mein Eindruck_

Das gemeinsame Thema der beiden Episoden, die durch drei Folgen vorbereitet wurden und endlich ihren Abschluss finden, sind Väter. Man kann also sagen, dass das Fehlen der Väter ein Generalthema dieser Staffel ist. Auch Louis Allen und Teddy Armstrong sind vom Schicksal ihrer Väter betroffen, und Anne hat ihren eigenen nie kennengelernt. Matthew Cuthbert wurde ihr Ersatzvater, und seiner Liebe verdankt sie ihre positive Einstellung den Männern und dem Leben gegenüber.

Die Männer am Ende des 19. Jahrhundert sind rein rechtlich immer noch die unumschränkten Herrscher, doch im praktischen Alltag werden sie zunehmend von Frauen bestimmt, die auf mehr Rechte pochen. Das illustriert bereits Annes eigene selbstbestimmte Lebensweise. In dieser vierten Folge nimmt sie nun den Kampf mit zwei ganz verschiedenartigen Bastionen der Vaterschaft auf: Mr. Sinclair ist zu selbstherrlich und Mr. Grayson ist völlig abwesend. Welcher von den beiden ist schlimmer?

|Zwei Arten Väter|

Nun, beiden kann auf die Sprünge geholfen werden, wie sich zeigt. Das Gespräch mit dem patriarchalischen Mr. Sinclair verläuft ganz anders, als Anne befürchtet hat, denn am Ende ist der Patriarch sogar froh, dass sie ihm die ganze Arbeit abgenommen hat, Sophie zu verheiraten. Typisch Kerl! Andere die Arbeit machen lassen, um nur nicht das eigene Ansehen in der Sippe zu ramponieren! Anne weiß nicht zu wüten oder lachen soll. Als Diplomatin tut sie weder das eine noch das andere, sondern ist froh, ihren Lieben in Windy Poplars die frohe Botschaft überbringen zu können, dass das „Shotgun Wedding“ mit der „Runaway Bride“ Sophie ein gutes Ende gefunden hat.

|Rabenvater?|

Anne hat Mr. Grayson, den Vater ihres Schützlings Elizabeth, eigentlich in Paris vermutet, also schrieb sie einen geharnischten Brief an seine Firmenzentrale – ohne jedoch je eine Antwort zu erhalten. Nun taucht Mr Grayson unerwartet auf der Insel Flying Cloud und in Summerside auf. Wie Mr Sinclair ist auch er gottfroh, dass ihm Anne die Arbeit abgenommen und sich um seine Tochter gekümmert hat. Typisch Mann! Er hat nur die jämmerliche Entschuldigung vorzubringen, dass sein Boss etwas gegen Elizabeth gehabt hätte. Was nichts Gutes von diesem Boss erwarten lässt, oder? Wenigstens will sich Grayson fortan um die Tochter kümmern – reichlich spät, nachdem sie um Haaresbreite dem Tod von der Schippe gesprungen ist.

Wie man sieht, weiß die Autorin nicht allzu viel Gutes über das Verhalten von Vätern zu erzählen. Deshalb kommt den Frauen die Aufgabe zu, sich um die Ordnung solcher chaotischen Angelegenheiten zu kümmern, um wenigstens so den Fortbestand der menschlichen Rasse zu gewährleisten, vom Glück und Wohlergehen ihrer jüngsten und schwächsten Mitglieder ganz zu schweigen.

|Abschiede|

So viele Abschiede, so viele Tränen! Am besten ein dickes, großes Taschentuch bereithalten, um den Wasserfall aufzufangen!

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Hauptrolle der Anne Shirley wird von Marie Bierstedt, der deutschen Stimme von Kirsten Dunst und vielen anderen jungen Schauspielerinnen, mit Enthusiasmus und Einfühlungsvermögen gesprochen. Obwohl Bierstedt wesentlich älter ist als die zwanzigjährige Heldin, klingt ihre Stimme doch ziemlich jugendlich. Manchmal darf sie aber auch ein wenig langsamer und überlegter sprechen, besonders mit „verwandten Seelen“.

Unter den weiteren weiblichen Sprecherinnen ragen die der Marilla Cuthbert (Dagmar von Kurmin) und der Rachel Lynde (Regina Lemnitz) heraus, die Anne regelmäßig im Sommer und zu Weihnachten besucht. Regina Lemnitz ist die Inkarnation der Plaudertasche und der wandelnden Gerüchteküche. Außerdem scheint ihre Rachel Lynde Vorsitzende des Dorfverschönerungsvereins zu sein und hat entsprechend viele Sorgen um die Ohren. Und sie ist natürlich die beste Freundin von Marilla Cuthbert, die die Witwe in ihr Haus aufgenommen hat.

|Geräusche|

Die Geräusche im Hintergrund sorgen für die Illusion einer zeitgenössischen Kulisse für das Jahr 1882, doch sind sie so sparsam und gezielt eingesetzt, dass sie einerseits den Dialog nicht beeinträchtigen, andererseits den Hörer nicht durch ein Übermaß verwirren. Deshalb erklingen Geräusche in der Regel stets nacheinander. Um die Epoche zu verdeutlichen, ist kein einziges Auto zu hören, sondern nur diverse Kutschen und Karren.

|Musik|

Die Musik ist ebenfalls ziemlich romantisch, voller Streichinstrumente, Harfen und Pianos. Das Klavier wird meist für melancholische Passagen eingesetzt, und diese sind ebenso wichtig wie die heiteren. Der kontrastreiche Wechsel zwischen Heiterkeit, Drama, Rührung und Melancholie sorgt für die emotionale Faszination beim Zuhörer. Die Musik steuert die Emotionen und untermalt die wichtigsten Szenen, kommt aber nicht ständig im Hintergrund vor. Besonders fiel mir die Variation von Heiterkeit und Rührung, von Verträumtheit und Aufbruchstimmung auf.

Als Intro erklingt die Erkennungsmelodie der Serie: In einem flotten Upbeat-Tempo lassen Streicher, Holzbläser und ein Glockenspiel Romantik, Heiterkeit und Humor anklingen. Alle diese Elemente sind wichtige Faktoren für den Erfolg des Buches gewesen. Warum sollten sie also ausgerechnet im Hörspiel fehlen?

_Unterm Strich_

Das Generalthema der Väter hat die ganze Staffel durchzogen und findet nun in zwei Varianten seinen Abschluss. Anne setzt sich jeweils konstruktiv mit den Vätern auseinander. Nachdem die vorhergehende Staffel das Thema der jugendlichen Liebe bis zur Verlobung durchexerziert hat, verweist diese Staffel nun bereits auf das kommende Generalthema voraus: Annes Ehe mit ihrem bisherigen Verlobten Gilbert Blythe. Ob er sich wohl als optimaler Vater ihrer Kinder erweisen wird? Nach dieser Staffel würden wir nicht unbedingt eine Million Euro auf ihn setzen, selbst wenn er als herzensguter Kerl erscheint. Mit anderen Worten: Für Anne Shirley bleibt es spannend, und es gibt wie immer jede Menge zu tun, was die Menschen brauchen.

|Das Hörspiel|

Man merkt dem Hörspiel die Mühe und Liebe an, die darauf verwendet wurden. Besonderes Vergnügen hat mir die akustische Umsetzung des Buches bereitet. Hörbaren Spaß haben die Sprecher an ihren Rollen, und insbesondere die Hauptfigur ist von Marie Bierstedt ausgezeichnet gestaltet. Sie schluchzt, lacht, schmollt, flüstert und quasselt, das man sich wundern muss, woher diese Vielseitigkeit stammt. In den „Spider-Man“-Filmen ist Kirsten Dunst nie so vielseitig. Bierstedts Anne muss sich nicht nur durch Höhen und Tiefen des Herzens lavieren, sondern auch noch weiterentwickeln.

|1 CD mit 54 Minuten Spielzeit
ISBN-13: 978-3785741412|
[www.titania-medien.de]http://www.titania-medien.de
[www.wellenreiter.la]http://www.wellenreiter.la
[www.luebbe-audio.de]http://www.luebbe-audio.de

Alice & Claude Askew – Aylmer Vance – Abenteuer eines Geistersehers – Teil 2 (Gruselkabinett 55)

Kunst und Nach-Leben: zwei unheimliche Variationen

Der englische Geisterseher Aylmer Vance und sein treuer Freund Dexter sind in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg so etwas wie das Detektivgespann Sherlock Holmes und Dr. Watson für das Übersinnliche. Ob es sich um ruhelose Geister, geheimnisvolle Erscheinungen, unerklärliche Begegnungen oder unbewohnbare Häuser und Schlösser handelt – Aylmer Vance scheut vor nichts zurück, um seine gruselig-spannenden Fälle aufzuklären. (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.

Die Autoren

Alice & Claude Askew – Aylmer Vance – Abenteuer eines Geistersehers – Teil 2 (Gruselkabinett 55) weiterlesen

Hambly, Barbara / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – Jagd der Vampire. Teil 2 von 2 (Gruselkabinett 33)

Actionreich: Showdown mit dem Monstervampir

London 1907. Seit Jahrhunderten treiben die Vampire in den dunklen Gassen unbehelligt ihr Unwesen. Nun jedoch sehen sie sich einer ernstzunehmenden Gefahr gegenüber. Ein Unbekannter öffnet am Tag ihre Särge und setzt sie dem todbringenden Sonnenlicht aus. Nur einer kann den Blutsaugern noch helfen: der ehemalige Meisterspion James Asher.

Die Jagd auf den Killer führt Asher quer durch London bis nach Paris. Immer wahrscheinlicher wird dabei die These, dass der Mörder selbst ein Vampir ist. Doch wenn auch er unter dem Sonnenlicht leidet, wie kann er dann die Morde begehen? Wer ist der Mörder? Und schließlich muss Asher die Frage aller Fragen beantworten: Aus welchem Grund mordet er seine Artgenossen?

Teil 2:

Paris 1907. James Asher und der Vampir Simon Ysidro sind nach Paris aufgebrochen, um dort nach dem ältesten Vampir Europas zu suchen. Ihre Nachforschungen versetzen die machtgierige französische Meistervampirin Elysée de Montadour und ihre Gespielin nicht gerade in Euphorie. Asher und Ysidro wagen dennoch den Abstieg in die Katakomben unter der Kirche Saint Innocents … (Verlagsinfo)

Vom Verlag wird das Hörbuch empfohlen für Hörer ab 14 Jahren.

Die Autorin

Die Amerikanerin Barbara Hambly, geboren 1951, erzielte mit ihrer frühen Darwath-Trilogie – es gibt auch eine später geschriebene – den literarischen und kommerziellen Durchbruch im Fantasy-Genre. Inzwischen zählen die unter dem Titel „Gefährtin des Lichts“ zusammengefassten Romane zu den Klassikern der Fantasy-Literatur. Hambly wurde auch für ihre Vampirromane („Gefährten der Nacht“ und „Die Jagd der Vampire“) und zahlreichen Fantasy-Bücher bekannt, wie etwa den Wenshar- und den Sonnenwolf-Zyklus.

Die Inszenierung

Die Rollen und ihre Sprecher:

Prof. James Asher: Wolfgang Pampel (dt. Stimme von Harrison Ford, Larry Hagman)
Lydia Asher: Claudia Urbschat-Mingues (Angelina Jolie)
Simon Ysidro: Nicola Devico Mamone (Gael García Bernal, Diego Luna)
Elysee de Montadour: Katja Nottke (Michelle Pfeiffer, Demi Moore)
Hyacinthe: Melanie Hinze (Brittany Murphy, Holly Mary Combs)
Bruder Antonius: Hasso Zorn (David Kelly)
Lionel Grippen: Uli Krohm (David ‚Oirot‘ Suchet, Randy Quaid, Scott Glenn)
Chloé: Anja Stadlober (Paris Hilton, Jennifer Hudson)
Dr. Horace Blaydon: Jürgen Thormann (Michael Caine, Max von Sydow, Peter O’Toole)
Dennis Blaydon: David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale)
Pensionswirtin: Philine Peters-Arnolds

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand in den Planet Earth Studios statt und wurde bei Kazuya abgemischt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

Handlung

James Asher reist ohne seine Frau Lydia nach Paris, aber an der Seite des Vampirs Don Simon Ysidro. Hier wollen sie der französischen Meistervampirin Elysee de Montadour ihre Aufwartung machen, denn man platzt nicht unangemeldet in den Hinterhof eines Vampirs, wenn einem sein Leben lieb ist. Calvert, das erste Opfer in London, war ihr Zögling, doch er war ein Prahlhans und spielte sich auf, weil er mehr wollte: eigene Zöglinge. Die konnte er aber nur in London bekommen. Es gelten zwei strenge Gesetze unter Vampiren: 1) Kein Vampir darf einen anderen töten. Und 2) Kein Vampir darf andere Vampire in Gefahr bringen. In London wurden beide Gesetze gebrochen. Ysidro vermutet, dass Elysee Angst vor dem Mörder hat, es aber niemals zugeben würde.

Nachdem sie einem Nachwächter Baupläne und Schlüssel gestohlen haben, steigen sie hinab in die Katakomben von Paris. Unter der Kirche von St. Innocents wollen sie einer Legende auf den Grund gehen, die zu einem der ältesten Vampire überhaupt führen soll. Zwischen Bergen von fein säuberlich sortierten Knochen stoßen sie vor einem Altar aus Knochen auf Bruder Antonius. Der einstige Franziskaner ist ein Vampir, der zu seiner Zeit zwar Menschen tötete (er nennt Namen, die Ysidro bestätigt), doch niemals einen Vampir. Als Asher ihm versichert, für ihn vor dem Jüngsten Gericht zu bitten, beantwortet er ihm drei Fragen. Dass er bei Sonnenlicht wandeln könne, verneint er, doch das erweist sich später als Lüge.

Am nächsten Tag liest Asher in einer englischen Zeitung von einer Mordserie unter Prostituierten in Londons verrufensten Vierteln. Alle wurden ausgesaugt. James hat Angst um Lydia und beschließt, Antonius um Hilfe in London zu bitten. Er findet den Mönchsvampir zwar nicht, doch er stellt fest, dass er ihm folgt. Kaum hat er die Katakomben verlassen, stellen sich ihm Elysee de Montadour, ihre Geliebte Hyacinthe sowie Chloé Dubois in den Weg. Und Lionel Grippen, den er in London schwer verletzt hat.

Doch diesmal ist Asher auf Geheiß von Ysidro schutzlos, und als Grippen und Elysee de Montadour blutdürstend den Angriff auf ihn freigeben, verfügt Asher über keinerlei Schutz. Doch er erhält Beistand von unerwarteter Seite …

Mein Eindruck

Anders als in der traditionellen, meist europäischen Vampirliteratur (Stoker, Le Fanu usw.) geht es diesmal nicht primär um die faszinierende Subkultur der Vampire, sondern um die Untersuchung der Verbrechen an den Vampiren, die Ermittlung des Täters. Es handelt sich also um einen klassischen Detektivroman. Es liegt der Verdacht nahe, dass Sherlock Holmes das Vorbild für James Asher geliefert haben dürfte. Auch die kühle deduktive Kombinationsmethode James Ashers legt dies nahe.

Aber Asher ist verheiratet und braucht keinen Dr. John Watson, Doktor der Medizin, um ihm zur Seite zu stehen. Denn er kann sich auf die Hilfe seiner klugen und gebildeten Lydia verlassen, einer der ersten Pathologinnen überhaupt. Dass Lydia eine Pathologin ist, war in der damaligen Zeit ein revolutionärer Einbruch in die rein männliche dominierte Domäne der Medizin.

Lydia ist es auch, die die wissenschaftliche Theorie aufbringt, dass es sich beim Vampirismus um die Wirkung eines Virus handelt. Viren waren erst ein Jahr zuvor, anno 1906, entdeckt worden. Was, wenn jemand versuchen würde, mit Hilfe von Viren bestimmte Vampirmerkmale zu übertragen oder gar zu verändern? Dann könnte vielleicht sogar Sonnenlichtverträglichkeit erzeugt werden!

Bis zum Beweis dieser Theorie gelangte die Geschichte im ersten Teil noch nicht, doch jetzt bekommen es Asher und Lydia mit dem Urheber der virologischen Experimente zu tun. Zunächst verdächtigte Asher Lionel Grippen, den Meistervampir Londons. Immerhin war Grippen mal ein Arzt und hat demzufolge Ahnung von Viren, was ihn in Ashers Augen doppelt verdächtig macht. Doch im zweiten Teil wird er eines Besseren belehrt, und zwar auf die drastischste Weise.

Der Mörder ist tatsächlich einer aus Ysidros eigener Sippe. Er wurde so verändert, dass ihm das Sonnenlicht nichts mehr ausmacht. Doch als Lydia spurlos verschwindet, muss Asher das Schlimmste befürchten. In zwei Häusern kommt es zu heftigen Kämpfen mit dem Mörder und seinem Schöpfer. Natürlich geht es beim Showdown auch um Lydias Leben, und das ist James Asher nun wirklich lieb und teuer.

Die Inszenierung

Die Sprecher

Die Sprecher könnten direkt aus einem viktorianischen Stück stammen, so stilecht werden sie präsentiert und so gepflegt wissen sich die meisten auszudrücken. Besonders Wolfgang Pampels Asher tritt souverän auf und hat stets eine schlagfertige, unerschrockene Erwiderung auf den Lippen. Diese Vampire jagen ihm keine Angst ein, und wenn sie noch so seltsame Fähigkeiten haben, beispielsweise telepathische Hypnose, mit der sie ihre Opfer unter ihren Willen zwingen. Pampel vermittelt mit Harrison Fords deutscher Stimme das nötige Maß an Autorität und Tatkraft – eine exzellente Sprecherwahl. (Pampel las auch die Hörbücher zu „Illuminati“ und „Sakrileg“.)

Don Simon Ysidro, spanischer Edelmann von annähernd 400 Jährchen, flößte mir ein leises Grauen ein, denn sein zischelnder spanischer Akzent gemahnte mich an eine Schlange, die jederzeit zustoßen könnte. Nicola Devico Mamone, die deutsche Stimme des Spaniers Gael García Bernal, ist für diese Figur eine sehr passende Wahl. Unheimlich ist seine Fähigkeit, niemals die Contenance zu verlieren und stets cool zu bleiben.

Ein weiteres Highlight, obwohl seltener gehört, ist Claudia Urbschat-Mingues, die deutsche Stimme von Angelina Jolie. Ihre Lydia Asher vermittelt Tatkraft, Intelligenz, aber auch Weiblichkeit und Emotionalität. Die restlichen Figuren sind alle nebensächlich, doch die Sprecher verleihen ihnen durch ihren Einsatz nichtsdestoweniger große Glaubwürdigkeit. Dazu gehört etwa der junge Vampir Bully Joe Davis. Dass er einen Akzent aus dem Stadtteil Holborn haben soll, hört man ihm allerdings nicht an.

Musik

Jede Auseinandersetzung mit einem der Vampire wird fein säuberlich durch musikalische Motive vorbereitet, denn schließlich handelt es sich dabei um die wichtigsten Höhepunkte der Handlung. Immer wieder ist vorher dramatische Musik von den Streichern zu hören, die sich manchmal bis zu einem Crescendo steigert.

Zwischen und nach diesen dramatischen Auseinandersetzungen darf sich der Hörer ab und zu entspannen, meist bei einem romantischen Piano-Motiv oder einer Harfe. Einmal wird sogar elegante Tanzmusik der Belle Epoque angestimmt – Lydia ist auf einem Ball der oberen Zehntausend und quetscht Evelyn Westmoreland nach der Todesursache seines Bruders Bertie aus, der Lotta Harshaws Geliebter war.

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und ist mit klassischem Instrumentarium produziert – keine Synthesizer für klassische Stoffe! Die Musik steuert nicht nur die Emotionen des Publikums auf subtile Weise, sondern bestreitet auch die Pausen zwischen den einzelnen Akten. Dann stimmt sie das Publikum auf die „Tonart“ des nächsten Aktes ein.

Geräusche

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut, meist aber reichen Andeutungen aus. Zugpfeifen deuten so einen Bahnhof an, knarrende Türen einen Durchgang und das Rumpeln einer Droschke eine entsprechende Fahrt von A nach B.

Sounds

Doch manchmal reichen Musik und Geräusche nicht aus. In der aktuellen Frühjahrs-Staffel der drei Gruselkabinett-Hörspiele „Die obere Koje“, „Die Jagd der Vampire“ und „Das Schloss des weißen Lindwurms“ spielen Sounds erstmals eine auffallend bedeutende Rolle, um die Atmosphäre einer Szene zu verstärken. Musik allein reicht einfach nicht mehr, um den Horror zu evozieren und zu veranschaulichen.

Nun ist die Beschreibung von Sounds stets auf Analogien angewiesen, und auch ich muss mich damit behelfen. Das erste Mal, dass Sounds eingesetzt werden, ist die Friedhofszene auf Highgate Hill. Begleitet von Hintergrundmusik ertönen unheimliche Sounds, die nicht von den üblichen Instrumenten erzeugen werden – die Klagelaute der Toten und das Heulen des Windes.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

Das Booklet

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von Titania Medien. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin fand ich wieder einmal sehr passend und suggestiv.

Diesmal sind wieder in einem zusätzlichen Katalog Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:

Nr. 34: F. M. Crawford: Die obere Koje (April 2009)
Nr. 35: Bram Stoker: Das Schloss des weißen Lindwurms (April 2009)
Nr. 36+37: Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray (erscheint im Oktober 2009)
Nr. 38: Hanns Heinz Ewers: Die Spinne (erscheint im November 2009)
Nr. 39: H. P. Lovecraft: Der Tempel (erscheint im November 2009)

Unterm Strich

Hamblys Buch wurde mit dem Leserpreis des LOCUS-Magazins als bester Horrorroman des Jahres ausgezeichnet. Mir schien dies bereits in der Buchform (es erschien bei Bastei Lübbe) einer der unterhaltsamsten und sehr flüssig verfassten Romane zum Thema Vampirismus zu sein. In der Zwischenzeit sind rund 20 Jahre vergangen, und die Flut der Vampirromane ist kaum noch zu überblicken. Die Untoten sind überall, wo „Gothic“ draufsteht.

Im Vordergrund steht bei Hambly nicht die Darstellung der sattsam bekannten Traditionen und Historie der Vampire, sondern die Untersuchung der Verbrechen, die Ermittlung des Täters. Es handelt sich also um einen klassischen Detektivroman. Es liegt der Verdacht nahe, dass Sherlock Holmes das Vorbild für James Asher geliefert haben dürfte. Auch die nostalgisch verklärt wirkende Zeit- und Ortswahl dürfte den Leser nicht aus ihrem Bann lassen.

Der Mystery-Actionkrimi lebt vom Kontrast zwischen der Kultur der Lebenden und der der Untoten. Ganz nebenbei wird sehr schön über die Existenzbedingungen der jeweiligen Art philosophiert. Die Autorin führt einige neue Elemente ein, wie etwa die Rolle von Medizin und Wissenschaft, die zu einer Sonnenlichtverträglichkeit der Untoten führen könnte. Hier spielt die Ideenwelt von Mary Shelleys Roman „Frankenstein oder Der neue Prometheus“ hinein. Auch das Verhältnis von Meister und Zögling wird intensiv ausgeleuchtet – es ist eine besondere Art seelischer Vereinigung und nachfolgender Abstoßung.

Das Hörspiel

Das Team von Titania Medien hat sich mal wieder ins Zeug gelegt, um ein stimmungsvolles Hörspiel zu inszenieren, das zugleich schaurig-schön und actionreich wie ein Mystery-Krimi ist. Mit Wolfgang Pampel als James Asher, dem Sprecher des Simon Ysidro und Claudia Urschat-Mingues ist eine hervorragende Besetzung gelungen. Die Nebenfiguren stimmen ebenfalls und überzeugen durch Kompetenz.

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Augen- bzw. Ohrenmerk sollte man auf die verstärkt eingesetzten Sounds richten. Die Action kommt in diesem Teil voll zum Zuge, so dass man sich über spannende Auseinandersetzungen nicht zu beklagen braucht.

Fazit: ein Volltreffer.

Originaltitel: Those who hunt the night, 1989
148 Minuten auf 2 CDs
ISBN-13 der Doppel-CD-Ausgabe: 978-3785738238
www.titania-medien.de
www.luebbe-audio.de

Wilhelm Hauff – Das Gespensterschiff (Gruselkabinett Folge 171)

Halligalli auf des toten Manns Kiste

Basra, 1825: nach dem Tod seines Vaters möchte der junge Kaufmannssohn Achmet sein Glück in der Fremde versuchen und besteigt daher mit seinem Diener Ibrahim ein Schiff nach Indien. Als sie nach knapp zweiwöchiger Reise in einen Sturm geraten und plötzlich ein geheimnisvoller Segler mit johlender Besatzung aus dem Nichts auftaucht, gerät der Kapitän in Panik, da er in der vorbeidonnernden Mannschaft den Tod persönlich zu erkennen meint. Tatsächlich sinkt kurz darauf sein Schiff, und Achmet und Ibrahim scheinen die einzigen Überlebenden zu sein… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.
Wilhelm Hauff – Das Gespensterschiff (Gruselkabinett Folge 171) weiterlesen

A. C. Doyle & Herman Cyril McNeile – Der zweite Hund (Sherlock Holmes Folge 44)

Die dritte Glocke im zweiten Hund, du Schwein!

Eigentlich besuchen Holmes und Watson anlässlich eines Golf-Turniers bloß einen Freund in Croxton Hall, als der allseits beliebte Daniel Benton ermordet wird. Der Schuldige ist schnell gefasst, und sein Motiv lässt keinen Zweifel an der Tat zu. Der Meisterdetektiv entschließt sich dennoch, den Tatort in Augenschein zu nehmen, und macht eine Entdeckung, die den Verdächtigen entlasten könnte… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.

Die Serie wurde mit dem „Blauen Karfunkel“ der Deutschen Sherlock Holmes-Gesellschaft ausgezeichnet.
A. C. Doyle & Herman Cyril McNeile – Der zweite Hund (Sherlock Holmes Folge 44) weiterlesen

Hambly, Barbara / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – Jagd der Vampire. Teil 1 von 2 (Gruselkabinett 32)

Mystery-Actionkrimi unter den Jägern der Nacht

London 1907. Seit Jahrhunderten treiben die Vampire in den dunklen Gassen unbehelligt ihr Unwesen. Nun jedoch sehen sie sich einer ernstzunehmenden Gefahr gegenüber. Ein Unbekannter öffnet am Tag ihre Särge und setzt sie dem todbringenden Sonnenlicht aus. Nur einer kann den Blutsaugern noch helfen: der ehemalige Meisterspion James Asher … (Verlagsinfo)

Vom Verlag wird das Hörbuch empfohlen für Hörer ab 14 Jahren.

Die Autorin

Die Amerikanerin Barbara Hambly, geboren 1951, erzielte mit ihrer frühen Darwath-Trilogie – es gibt auch eine später geschriebene – den literarischen und kommerziellen Durchbruch im Fantasy-Genre. Inzwischen zählen die unter dem Titel „Gefährtin des Lichts“ zusammengefassten Romane zu den Klassikern der Fantasy-Literatur. Hambly wurde auch für ihre Vampirromane („Gefährten der Nacht“ und „Jagd der Vampire“) und zahlreichen Fantasy-Bücher bekannt, wie etwa den Wenshar- und den Sonnenwolf-Zyklus.

Die Sprecher/Die Inszenierung

Die Rollen und ihre Sprecher:

Prof. James Asher: Wolfgang Pampel (dt. Stimme von Harrison Ford, Larry Hagman)
Lydia Asher: Claudia Urbschat-Mingues (Angelina Jolie)
Simon Ysidro: Nicola Devico Mamone (Gael García Bernal, Diego Luna)
Frau im Zug: Monica Bielenstein (Emma Thompson)
Bully Joe Davies: Markus Pfeiffer (Colin Farrell als ‚Alexander‘, Jeremy Piven, Adrien Brody)
Lady Anthea Ernchester: Astrid Bless (Pam Grier, Candice Bergen)
Lord Charles Ernchester: Peter Reinhardt (Jeff Daniels)
Lionel Grippen: Uli Krohm (David ‚Oirot‘ Suchet, Randy Quaid, Scott Glenn)
Chloé: Anja Stadlober (Paris Hilton, Jennifer Hudson)
Evelyn Westmoreland: Uwe Büschken (Matthew Broderick, Greg Kinnear, Hugh Grant)
Kutscher: Tobias Nath

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand in den Planet Earth Studios statt und wurde bei Kazuya abgemischt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

Handlung

London Ende des 19. Jahrhunderts. Seit der Zeit von Elisabeth I. haben die Vampire unentdeckt in der englischen Metropole gelebt. Doch jetzt werden sie, einer nach dem andern, von einem Unbekannten ermordet, indem ihre Särge im tödlichen Sonnenlicht geöffnet werden.

Da der Killer am Tage zu Werk geht, müssen sich die Vampire entgegen ihrer Tradition an einen Sterblichen um Hilfe wenden. Prof. James Asher, ehemaliger Meisterspion der englischen Krone und inzwischen als biederer Oxford-Tutor zur Ruhe gekommen, findet eines Tages seine Frau betäubt in seiner Wohnung vor. Obwohl er tatkräftig und bewaffnet ist (ein Messer steckt stets in seinem Stiefel), wird er blitzschnell entwaffnet. Unglaublich, wie schnell sich der Angreifer bewegen kann!

Der Mann, der Lydia ebenso wie die Köchin und das Dienstmädchen betäubt hat, stellt sich mit einem langen Namen vor, der in Kurzform Don Simon Ysidro lautet. Er lädt Asher kurzerhand nach London ein, um einen Auftrag auszuführen. Asher sei aufgrund seiner profunden Kenntnisse über den Balkan und dessen Volkslegenden ausgewählt worden. Obwohl ihm Ysidro beileibe nicht alles erzählt, muss Asher dennoch widerwillig akzeptieren, denn ansonsten muss Lydia für seinen Widerspruch büßen.

Die verkohlte Kurtisane

Zusammen fahren sie per Zug zum ersten Tatort. Auf der Fahrt hat Ysidro Asher ins Bild gesetzt. Vier Vampire sind bereits getötet worden. Nummer vier war Lotta Harshaw, die in einer Gruft auf dem Highgate Hill-Friedhof ruht. Oder vielmehr ruhte, denn nun ist sie völlig verkohlt. Einst sei sie eine attraktive Kurtisane der Gesellschaft gewesen, erzählt Ysidro, und deshalb war der Pflock durch ihr Herz und die Abtrennung ihres Kopfes eine höchst niederträchtige Methode, die Untote endgültig ins Jenseits zu befördern.

Während sie zu Lottas Londoner Wohnung fahren, berichtet Ysidro, dass ein französischer Vampir namens Calvert das erste solche Opfer war, dann kamen der Diener Danny King und der Schöngeist Edward Hammersmith an die Reihe. Vier Opfer in kurzer Zeit – für Asher ist klar, dass alle Vampire in großer Gefahr schweben. Aber wer steckt dahinter?

Eine Komplizin

Zurück in Oxford, fragt Asher seine Frau um ihre professionelle Meinung als Pathologin. Lottas Kopf wurde wohl mit einem Fleischermesser oder einem Skalpell abgetrennt. Deshalb kommt auch ein Arzt als Täter in Frage. Lydia besteht darauf, ihrem James zu helfen und ihn nach London zu begleiten. Sie beschließen eine Doppelstrategie: Während er mit Ysidro nach dem Killer sucht, forscht sie nach weiteren Vampiren. Das ist einfach, denn die Untoten müssen in Häusern wohnen, die seit über hundert Jahren nicht mehr den Besitzer gewechselt haben.

Ashers Konkurrent

Außerdem verkehrte Lotta in Lydias eigenem früheren Bekanntenkreis, bei den Westmorelands und Blaydons. Bertie Westmoreland starb vor wenigen Monaten, und Dennis Blaydon war als Verehrer James‘ direkter Konkurrent. Will er vielleicht zusammen mit den Vampiren James eins auswischen? Unwahrscheinlich, aber man darf keine Spur ungeprüft lassen. Sie wollen sich in gegenüberliegenden Pensionen in Londons Zentrum einquartieren. Über die Garderobe des British Museum können sie Nachrichten und Dokumente austauschen. Gut, wenn man einen ehemaligen Meisterspion zum Mann hat! Natürlich dürfen die Vampire nicht das Geringste von Lydias Ermittlung ahnen!

Französische Konkurrenz

In London merkt Asher, dass er beschattet wird, aber nicht von Ysidro, sondern von einem einfachen Kerl, der sich Bully Joe Davis nennt. Von ihm erfährt Asher von dem Meister der Vampire in London. Lionel Grippen hat die meisten Vampire als seine Zöglinge selbst gemacht, steht ihnen aber nun mit Misstrauen gegenüber, falls sie mal seine Macht begehren sollten. Doch Bully Joe wurde nicht durch Grippen zum Vampir, sondern durch den französischen Einwanderer Calvert, der Grippen seine Stellung streitig machen wollte. Was, wenn es sich bei den Morden um innere Machtkämpfe handelt? Das würde aber nicht die Methode mit dem tödlichen Sonnenlicht erklären.

Angriff aus dem Hinterhalt

Lydia ist ein Goldstück! Auf ihrer Liste alter Häuser tauchen der ermordete Edgar Hammersmith und das Haus von Lord und Lady Ernchester auf. Für sie arbeitete Danny King. Lady Ernchester, Lotta Harshaws engste Freundin, findet Ashers Besuch ganz schön kühn, denn schließlich könnte sie ihn jederzeit angreifen und bis auf den letzten Blutstropfen aussaugen. Ihr Mann pflichtet ihr bei und schaut Asher gierig an. Während sie Asher mit einer schönen Geschichte vom großen Brand Londons anno 1666, als alle Vampire verbrannten, ablenken, stürzt sich unvermutet Lionel Grippen auf den ahnungslosen Sterblichen!

Doch auch für diese Eventualität hat der Meisterspion Vorsorge getroffen …

Mein Eindruck

Anders als in der traditionellen, meist europäischen Vampirliteratur (Stoker, LeFanu usw.) geht es diesmal nicht primär um die faszinierende Subkultur der Vampire, sondern um die Untersuchung der Verbrechen an den Vampiren, die Ermittlung des Täters. Es handelt sich also um einen klassischen Detektivroman. Es liegt der Verdacht nahe, dass Sherlock Holmes das Vorbild für James Asher geliefert haben dürfte. Auch die kühle deduktive Kombinationsmethode James Ashers legt dies nahe.

Aber Asher ist verheiratet und braucht keinen Dr. John Watson, Doktor der Medizin, um ihm zur Seite zu stehen. Denn er kann sich auf die Hilfe seiner klugen und gebildeten Lydia verlassen, einer der ersten Pathologinnen überhaupt. Dass Lydia eine Pathologin ist, war in der damaligen Zeit ein revolutionärer Einbruch in die rein männlich dominierte Domäne der Medizin.

Lydia ist es auch, die die wissenschaftliche Theorie aufbringt, dass es sich beim Vampirismus um die Wirkung eines Virus handelt. Viren waren erst ein Jahr zuvor, anno 1906, entdeckt worden. Was, wenn jemand versuchen würde, mit Hilfe von Viren bestimmte Vampirmerkmale zu übertragen oder gar zu verändern? Dann könnte vielleicht sogar Sonnenlichtverträglichkeit erzeugt werden!

Bis zum Beweis dieser Theorie gelangt die Geschichte im ersten Teil noch nicht. Wenn es auch manchem vorkommen mag, als ob recht wenig passieren würde, so kommt es doch zu unerwarteten Übergriffen der Vampire auf den Sonderermittler Asher, so etwa von Seiten Lionel Grippens, dem Meistervampir. Immerhin war Grippen mal ein Arzt und hat demzufolge Ahnung von Viren, was ihn in Ashers Augen doppelt verdächtig macht.

Spannend ist auch das Verhältnis zwischen Asher und Ysidro. Wie weit kann er dem alten Vampir trauen? Sie müssen einander vertrauen, um weiterzukommen, doch Asher muss erkennen, dass Ysidro ihn angelogen hat: Der Mörder ist einer aus Ysidros eigener Sippe.

Als sie in Calverts Wohnung eindringen, stoßen Asher und Ysidro bei diesem ersten Opfer der Serie auf eine Spur, die nach Frankreich führt, nach Paris, in eine ganz bestimmte Kirche. Dorthin wird sie nun ihr Weg führen.

Die Inszenierung

Die Sprecher

Die Sprecher könnten direkt aus einem viktorianischen Stück stammen, so stilecht werden sie präsentiert und so gepflegt wissen sich die meisten auszudrücken. Besonders Wolfgang Pampels Asher tritt souverän auf und hat stets eine schlagfertige, unerschrockene Erwiderung auf den Lippen. Diese Vampire jagen ihm keine Angst ein, und wenn sie noch so seltsame Fähigkeiten haben, beispielsweise telepathische Hypnose, mit der sie ihre Opfer unter ihren Willen zwingen. Pampel vermittelt mit Harrison Fords deutscher Stimme das nötige Maß an Autorität und Tatkraft – eine exzellente Sprecherwahl (Pampel las auch die Hörbücher zu „Illuminati“ und „Sakrileg“).

Don Simon Ysidro, spanischer Edelmann von annähernd 400 Jährchen, flößte mir ein leises Grauen ein, denn sein zischelnder spanischer Akzent gemahnte mich an eine Schlange, die jederzeit zustoßen könnte. Nicola Devico Mamone, die deutsche Stimme des Spaniers Gael García Bernal, ist für diese Figur eine sehr passende Wahl. Unheimlich ist seine Fähigkeit, niemals die Contenance zu verlieren und stets cool zu bleiben.

Ein weiteres Highlight, obwohl seltener gehört, ist Claudia Urbschat-Mingues, die deutsche Stimme von Angelina Jolie. Ihre Lydia Asher vermittelt Tatkraft, Intelligenz, aber auch Weiblichkeit und Emotionalität. Die restlichen Figuren sind alle nebensächlich, doch die Sprecher verleihen ihnen durch ihren Einsatz nichtsdestoweniger große Glaubwürdigkeit. Dazu gehört etwa der junge Vampir Bully Joe Davis. Dass er einen Akzent aus dem Stadtteil Holborn haben soll, hört man ihm allerdings nicht an.

Musik

Jede Auseinandersetzung mit einem der Vampire wird fein säuberlich durch musikalische Motive vorbereitet, denn schließlich handelt es sich dabei um die wichtigsten Höhepunkte der Handlung. Immer wieder ist vorher dramatische Musik von den Streichern zu hören, die sich manchmal bis zu einem Crescendo steigert.

Zwischen und nach diesen dramatischen Auseinandersetzungen darf sich der Hörer ab und zu entspannen, meist bei einem romantischen Piano-Motiv oder einer Harfe. Einmal wird sogar elegante Tanzmusik der Belle Epoque angestimmt – Lydia ist auf einem Ball der oberen Zehntausend und quetscht Evelyn Westmoreland nach der Todesursache seines Bruders Bertie aus, der Lotta Harshaws Geliebter war.

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und ist mit klassischem Instrumentarium produziert – keine Synthesizer für klassische Stoffe! Die Musik steuert nicht nur die Emotionen des Publikums auf subtile Weise, sondern bestreitet auch die Pausen zwischen den einzelnen Akten. Dann stimmt sie das Publikum auf die „Tonart“ des nächsten Aktes ein.

Geräusche

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut, meist aber reichen Andeutungen aus. Zugpfeifen deuten so einen Bahnhof an, knarrende Türen einen Durchgang und das Rumpeln einer Droschke eine entsprechende Fahrt von A nach B.

Sounds

Doch manchmal reichen Musik und Geräusche nicht aus. In der aktuellen Frühjahrs-Staffel der drei Gruselkabinett-Hörspiele „Die obere Koje“, „Die Jagd der Vampire“ und „Das Schloss des weißen Lindwurms“ spielen Sounds erstmals eine auffallend bedeutende Rolle, um die Atmosphäre einer Szene zu verstärken. Musik allein reicht einfach nicht mehr, um den Horror zu evozieren und zu veranschaulichen.

Nun ist die Beschreibung von Sounds stets auf Analogien angewiesen, und auch ich muss mich damit behelfen. Das erste Mal, dass Sounds eingesetzt werden, ist die Friedhofszene auf Highgate Hill. Begleitet von Hintergrundmusik ertönen unheimliche Sounds, die nicht von den üblichen Instrumenten erzeugen werden, fast schon die Klagelaute der Toten und das Heulen des Windes.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

Das Booklet

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin fand ich wieder einmal sehr passend und suggestiv.

Diesmal sind wieder in einem zusätzlichen Katalog Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:

Nr. 32 + 33: Barbara Hambly: Die Jagd der Vampire (2 CDs, März 2009)
Nr. 34: F. M. Crawford: Die obere Koje (April 2009)
Nr. 35: Bram Stoker: Das Schloss des weißen Lindwurms (April 2009)
Nr. 36+37: Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray (erscheint im Oktober 2009)
Nr. 38: Hanns Heinz Ewers: Die Spinne (erscheint im November 2009)
Nr. 39: H. P. Lovecraft: Der Tempel (erscheint im November 2009)

_Unterm Strich_

Hamblys Buch wurde mit dem Leserpreis des |LOCUS|-Magazins als bester Horrorroman des Jahres ausgezeichnet. Mir schien dies bereits in der Buchform (es erschien bei |Bastei Lübbe|) einer der unterhaltsamsten und sehr flüssig verfassten Romane zum Thema Vampirismus zu sein. In der Zwischenzeit sind rund 20 Jahre vergangen, und die Flut der Vampirromane ist kaum noch zu überblicken. Die Untoten sind überall, wo „Gothic“ draufsteht.

Im Vordergrund steht bei Hambly nicht die Darstellung der sattsam bekannten Traditionen und Historie der Vampire, sondern die Untersuchung der Verbrechen, die Ermittlung des Täters. Es handelt sich also um einen klassischen Detektivroman. Es liegt der Verdacht nahe, dass Sherlock Holmes das Vorbild für James Asher geliefert haben dürfte. Auch die nostalgisch verklärt wirkende Zeit- und Ortswahl dürfte den Leser nicht aus ihrem Bann lassen.

Der Mystery-Actionkrimi lebt vom Kontrast zwischen der Kultur der Lebenden und jener der Untoten. Ganz nebenbei wird sehr schön über die Existenzbedingungen der jeweiligen Art philosophiert. Die Autorin führt einige neue Elemente ein, wie etwa die Rolle von Medizin und Wissenschaft, die zu einer Sonnenlichtverträglichkeit der Untoten führen könnte. Hier spielt die Ideenwelt von Mary Shelleys Roman „Frankenstein oder Der neue Prometheus“ hinein. Auch das Verhältnis von Meister und Zögling wird intensiv ausgeleuchtet – es ist eine besondere Art seelischer Vereinigung und nachfolgender Abstoßung.

|Das Hörbuch|

Das Team von |Titania Medien| hat sich mal wieder ins Zeug gelegt, um ein stimmungsvolles Hörspiel zu inszenieren, das zugleich schaurig-schön und actionreich wie ein Mystery-Krimi ist. Mit Wolfgang Pampel als James Asher, dem Sprecher des Simon Ysidro und Claudia Urschat-Mingues ist eine hervorragende Besetzung gelungen. Die Nebenfiguren stimmen ebenfalls und überzeugen durch Kompetenz.

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Augen- bzw. Ohrenmerk sollte man auf die verstärkt eingesetzten Sounds richten. Ich hätte mir noch ein wenig mehr Action gewünscht, doch diese kommt dann verstärkt im zweiten Teil zum Zug.

Originaltitel: Those who hunt the night, 1989
148 Minuten auf 2 CDs
ISBN-13 der Doppel-CD-Ausgabe: 978-3785738238

http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de
_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)
[„Der Glöckner von Notre-Dame“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5399 (Gruselkabinett 28/29)
[„Der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5426 (Gruselkabinett 30)
[„Die Gespenster-Rikscha“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5505 (Gruselkabinett 31)

Elizabeth Gaskell – Das alte Kindermädchen erzählt (Gruselkabinett Folge 165)

Der Fluch der bösen Tat

Northumberland, 1852: Nach dem Tod ihrer Eltern zieht die kleine Rosamond zusammen mit ihrem Kindermädchen Hester nach Manor House zu ihren Verwandten. Doch alsbald beginnt Hester, sich über das blasse Gesicht und die kalte Ausstrahlung ihrer Gastgeberin zu wundern. Als eines Abends die verwitterte Orgel zu spielen vermag und ein Kind an die Fensterscheibe klopft, ohne Spuren im Schnee zu hinterlassen, wird Hester klar, dass das Haus offenbar ein düsteres Geheimnis birgt … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.

Die Autorin
Elizabeth Gaskell – Das alte Kindermädchen erzählt (Gruselkabinett Folge 165) weiterlesen

Lovecraft, H. P. / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – Fall Charles Dexter Ward, Der (Gruselkabinett 24/25)

_Die Wiederkehr des Hexenmeisters_

Providence, USA, 1928: Der junge Charles Dexter Ward verschwindet am 13. April spurlos aus der Nervenheilanstalt von Dr. Waite. Sein Hausarzt Dr. Marinus B. Willet, ein guter Freund seiner Eltern, blickt zurück auf den äußerst befremdlichen Fall eines Wahnsinns, der offenbar aus der Beschäftigung des jungen Mannes mit der eigenen Familiengeschichte herrührte …

_Der Autor_

Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) wird allgemein als Vater der modernen Horrorliteratur angesehen. Obwohl er nur etwa 55 Erzählungen schrieb, hat sein zentraler Mythos um die Großen Alten, eine außerirdische Rasse bösartiger Götter, weltweit viele Nachahmer und Fans gefunden, und zwar nicht nur auf Lovecrafts testamentarisch verfügten Wunsch hin.

Aber Lovecrafts Grauen reicht weit über die Vorstellung von Hölle hinaus: Das Universum selbst ist eine Hölle, die den Menschen, dessen Gott schon lange tot ist, zu verschlingen droht. Auch keine Liebe rettet ihn, denn Frauen kommen in Lovecrafts Geschichten praktisch nur in ihrer biologischen Funktion vor, nicht aber als liebespendende Wesen oder gar als Akteure. Daher ist der (männliche) Mensch völlig schutzlos dem Hass der Großen Alten ausgeliefert, die ihre Welt, die sie einst besaßen, wiederhaben wollen.

Das versteht Lovecraft unter „kosmischem Grauen“. Die Welt ist kein gemütlicher Ort – und Einsteins Relativitätstheorie hat sie mit in diesen Zustand versetzt: Newtons Gott ist tot, die Evolution eine blinde Macht, und Erde und Sonne sind nur Staubkörnchen in einem schwarzen Ozean aus Unendlichkeit. Auf Einstein verweist HPL ausdrücklich in seinem Kurzroman [„Der Flüsterer im Dunkeln“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1961

Mehr zu Lovecraft kann man in unserer [Rezension]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=345 seiner Biographie von Lyon Sprague de Camp nachlesen.

„Der Fall Charles Dexter Ward“ wird zusätzlich in den [Rezensionen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=897 von Dr. Michael Drewniok & Meike Schulte-Meyer bei uns betrachtet.

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Dr. Marinus B. Willet: Ernst Meincke (dt. Stimme von Patrick Stewart)
Theodore Howland Ward: Hans-Werner Bussinger (Lee Majors, ‚Q‘)
Emma Ward: Cornelia Meinhardt (Sally Field)
Dr. Waite: Andreas Mannkopff (Tim Curry, Benny Hill)
Charles Dexter Ward / Joseph Curwen: Frank Schaff (Ethan Hawke, Joseph Fiennes)
Pfleger Miller: Michael Pan (Brent ‚Data‘ Spiner, Martin Short)
Chronist, Tony Gomes: Torsten Michaelis (Wesley Snipes, Sean Bean, Martin Lawrence)
Ezra Weeden: Julien Haggége (Colin Hanks)
Eleazar Smith: David Turba (Zac Efron, Shia LaBeouf)

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand bei Rotor Musikproduktion und bei Kazuya statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

|PROLOG.| Es ist die Nacht des 13. April 1771, als etwa hundert Bürger aus der Stadt Providence das Gehöft an der Pawtuxet Road stürmen, um dem Hexer Joseph Curwen das teuflische Handwerk zu legen. Nur zu gut erinnern sich die beiden an den Fluss abgeordneten Wachen Ezra Weeden und Eleazar Smith an Curwens Verbrechen an dem armen Daniel Green. Zum Glück sind Curwens Frau Eliza und seine Tochter in Sicherheit gebracht worden. Ezra und Eleazar erschrecken plötzlich: Ein grüner Strahl von Energie rast in den Himmel! Mehr Teufelswerk! Die Bürger stürmen das Labor und zerstören alles, was sie finden. Eine Explosion lässt die Erde beben. Ein gellender Schrei eines Mannes – ist es Curwen selbst? Der Hexer prophezeit seine Wiederkehr, da er unsterblich sei …

|Das Jahr 1928.|

Es ist wieder einmal der 13. April, diesmal aber im Jahr 1928, als Dr. Waite, Leiter der Nervenheilanstalt von Providence, von Dr. Marinus B. Willet Besuch erhält. Willet ist seit langer Zeit der Hausarzt der angesehenen Familie Ward. Er begehrt Zugang zu seinem Schützling Charles Dexter Ward, dessen Werdegang er seit dem Jahr 1902, als Charles geboren wurde, verfolgt hat. Er habe neue Erkenntnisse erlangt, seit er die Einweisung des jungen Mannes in die Anstalt veranlasst hat. Als Waite nichts Krankhaftes an Ward finden kann und droht, ihn am nächsten Tag zu entlassen, erschrickt Willet. Das dürfe nicht passieren.

Mit der Erlaubnis des Pflegers Miller darf Willet Wards Zimmer allein betreten. Ward begrüßt seinen Hausarzt mit der gleichen heiseren Stimme, die er schon seit einigen Monaten besitzt, und mit den fahlen, rauen Gesicht, das nur alten Menschen zueigen ist. Nachdem Miller eine Weile gewartet hat, tritt Willet wieder aus der Zelle, sichtlich erschüttert und etwas blass. Er bittet, man solle Ward nicht stören, da er schlafe. Aber er ruft gleich, nachdem er sein Heim erreicht hat, seinen Freund Theodore Howland Ward, an, um ihm zu berichten, dass sein Sohn Charles nicht mehr unter den Lebenden weile. In seinem Zimmer in der Anstalt werde man nun nur noch ein bläuliches Pulver finden …

Willet übernimmt die mühselige Aufgabe niederzuschreiben, wie es zu diesem schrecklichen Ende des vielversprechenden und wohlhabenden Charles Dexter Ward kommen konnte. Im Rückblick erscheint es Willet sonderbar, dass aus einem freundlichen Jungen ein Wahnsinniger in der Psychiatrie wurde, und das binnen weniger Jahre. Er hätte nicht gedacht, dass aus ihm ein Erwecker widernatürlicher außerirdischer Mächte werden würde …

|Das Leben des Charles Dexter Ward|

Charles Dexter Ward, geboren 1902, wächst Anfang des 20. Jahrhunderts als Sohn eines wohlhabenden und anständigen Mannes im schönen Hafenstädtchen Providence in Rhode Island auf. Zu gern streunt er durch die verwinkelten Gassen, die sich von seinem Elternhaus auf dem Hügel bis zu den Hafenkais hinabziehen. Das geht so, bis er im vorletzten Jahr seiner Schule ist. Nach dem Willen seiner Eltern soll er danach das College besuchen, doch etwas kommt dazwischen: Er entdeckt seine Vorliebe für Ahnenkunde und Geschichtsforschung.

Ward dringt immer weiter in die Vergangenheit seiner Familie ein und stößt 1918 auf ein von den Stadtvätern seit 150 Jahren unterdrücktes Geheimnis. Wards Ururugroßvater ist ein gewisser Joseph Curwen, der im Jahr 1692 aus Salem, Massachusetts, nach den dortigen Hexenprozessen ins friedliche, liberale Providence floh. Merkwürdig war nur, das Curwen selbst im hohen Alter, also etwa 1770, keinen Tag älter als 30 Jahre alt aussah. Ward stößt in Curwens altem Stadthaus auf ein verborgenes Gemälde: Curwen sieht fast aufs Haar genauso aus wie Ward aus, bis auf eine kleine Narbe über dem Auge. Hinter dem Gemälde findet er Curwens kodierte Aufzeichnungen.

Mit der Verpflanzung dieses Gemäldes ins Ward-Haus scheint das Unheil begonnen zu haben, erinnert sich Willet. Denn Joseph Curwen ist in der Stadtgeschichte mit einer großen Aktion gegen ihn und seine Machenschaften verknüpft: Auf Curwens Bauernhof in der Vorstadt Pawtuxet wurden unheilige Riten abgehalten, Lichter stiegen gen Himmel auf und einmal wurden im nahen Bach Knochen und eine sonderbare Leiche gefunden, vom grässlichen Gestank, der dort herrschte, ganz zu schweigen (siehe PROLOG).

Die Stadtväter sahen sich gezwungen, mit hundert Mann gegen Curwen vorzugehen und sein Nest auszuräuchern. Sie waren so erbost über das, was sie vorfanden, dass sie Curwen auf der Stelle töteten. Es ist bemerkenswert, dass niemand über die Geschehnisse dort redete. Curwens Grabstein wurde unkenntlich gemacht, sein Name getilgt.

Deshalb versetzt es die Verwaltung ab ca. 1924 in Alarmzustand, als man mehrmals Leute auf dem Friedhof beobachtet, die sich an Grabsteinen zu schaffen machen. Wards Vater und Dr. Willet sind alarmiert, als sich der junge Charles gegen das College entscheidet und sich 1924 – er ist endlich volljährig – lieber nach Europa aufmacht, um dort seine „Studien“ zu vertiefen. Wie sich später zeigt, besucht er frühere Kollegen des „Hexenmeisters“ Curwen, die ebenso wenig gealtert sind: einer in Prag und einer in Transsilvanien. Es sind Freunde aus der Salemer Zeit vor den Hexenprozessen. Und sie alle haben ein bestimmtes Interesse: Nekromantie – die Beschwörung von Toten.

Nach seiner Rückkehr nach Providence richtet sich Charles Anfang 1927 ein chemisches Labor ein und beginnt sowohl zu experimentieren als auch Anrufungen und Riten zu vollziehen, dass es seinen Eltern, der Dienerschaft und selbst den Haustieren graust. Ein ekliger Gestank schlägt ihnen aus seinem Labor entgegen – falls sie es überhaupt betreten dürfen.

Er schlägt offenbar den gleichen Werdegang ein, den Joseph Curwen seinerzeit gegangen war – und der kann nur ins Verderben führen. Willet schreibt, Charles habe den Sarg gefunden und Curwens Leiche gestohlen, doch habe er sich verrechnet: Curwen bemächtigt sich als Wiedergänger des Geistes und der Gestalt seines jungen Nachfahren und geht wieder seinen alten Umtrieben nach. Zu diesen gehört auch das Blutsaugen …

Dr. Willet untersucht mit Theodore Ward Charles‘ „Bungalow“, der auf dem gleichen Grundstück steht wie vor 150 Jahren Curwens Bauernhof. Berichten zufolge wurden hierher Unmengen von Fleisch, Vieh und sogar Sklaven und Leichen verfrachtet – doch wo sind diese Materialien geblieben? Sie lassen sich von dem Spießgesellen Tony Gomez nicht aufhalten und dringen hinter eine massive Betonplatte vor. Wozu braucht Charles solche Schutzmaßnahmen? In den unterirdischen Katakomben stoßen die beiden tapferen Männer auf unfassbare Gräuel, die sich auf dem blutigen Altar, dem Labor und der gigantischen Bibliothek abgespielt haben müssen: Geisterbeschwörungen und Leichenschändungen.

Unter den Gittern und Platten des Bodens vernehmen sie mit Schaudern das Gebrüll eines Monsters. Womit haben sie es hier denn noch zu tun?

_Mein Eindruck_

Im Gegensatz zu dem Verfahren von Edgar Allan Poe ist H. P. Lovecraft wenig am Innenleben seiner Hauptfigur interessiert. Vielmehr bekommen wir Leser immer nur die Perspektive von Berichterstattern und Zeugen vorgesetzt, die beglaubigen sollen, wie furchtbar das Schicksal des jungen Ward doch sei. Dies dient dazu, die Schrecken, die beschworen werden, auch realistisch wirken zu lassen. Die Zeugen – allen voran Dr. Willet – stellen ihre Vermutungen darüber an, was Ward zur Nekromantie bewogen haben mag.

|Locations|

Alle liebevoll geschilderten Schauplätze wie die Stadt Providence, Wards Elternhaus, aber besonders das frühere Stadthaus Curwens und sein abgelegener Bauernhof (eine bevorzugte „location“ aller |Cthulhu|-Autoren) belegen, wie realistisch der Werdegang des jungen Ward ist. Denn dies ist die Historie, in der er aufwächst – eine redigierte Historie, wie er selbst herausfindet, in welcher der schwarze Fleck des J. Curwen fast vollkommen getilgt worden ist. Doch eben nur fast. Aus kleinen Hinweisen erschließt sich Ward wie ein Detektiv à la Poe die Vorgeschichte seines eigenen Geschlechtes und somit auch seiner Heimatstadt (die für Amerika allgemein steht).

|Wahnsinn & Wiederholung|

Doktor Willet ist überzeugt, dass Ward bis zu diesem Punkt völlig zurechnungsfähig gewesen sei. Doch in welchem Moment begann Wards Wahnsinn? In diesem Punkt gehen die Meinungen von Dr. Willet und den Irrenärzten aus Providence und Boston stark auseinander.

Lovecraft ist auch hierfür Experte: Sein Vater kam 1892 in die Psychiatrie und starb dort, als Howard gerade mal sieben Jahre alt war. Man kann sich vielleicht seinen Schrecken ausmalen, als auch seine Mutter begann, geistige Verwirrung und Psychosen an den Tag zu legen. Sie starb 1921 in der gleichen Nervenheilanstalt wie HPLs Vater. (HPL konnte seine Freiheit mit seiner Frau Sonia Greene, einer New Yorker Schauspielerin, nicht genießen: Seine beiden Tanten Annie und Edna wachten nun ebenso streng über ihn wie vormals seine Mutter.)

An welchem Punkt kann man noch von chemischen Experimenten sprechen und wann von Okkultismus? Lovecraft war ein Experte in Sachen Geheimlehren, Okkultismus, Hexenglaube usw. Er hatte als Wunderkind schon mit sechs Jahren begonnen, die ersten Geschichten zu schreiben und verschlang Bücher geradezu: Die Bibliothek seines Vaters umfasste an die 2000 Bände. Ständig tauchen in seinen Geschichten Bibliotheken und Museen als Hort des Wissens – auch verbotenen Wissens – auf. Auf dieser Grundlage beschäftigte er sich, wie sein Held Ward, mit der Geschichte seiner Heimatstadt und der Umgebung, insbesondere Salems – und aufgrund der dortigen Hexenprozesse natürlich mit Hexenwahn usw. So weist Curwen beispielsweise ein schwarzes Hexenmal auf. Es dient dazu, ihn von Ward zu unterscheiden, der lediglich ein Muttermal hat.

|Entgleisung & Verdrängung|

Wie konnte es zu Wards Persönlichkeitsverdrängung durch Curwen kommen? Im Roman wird es durch eine mittelalterliche Geheimlehre eines gewissen Borellus erklärt. Doch in modernen Begriffen formuliert, könnte man vom übermächtigen Einfluss der Vergangenheit auf die gegenwärtige seelische und geistige Entwicklung des einsamen aufwachsenden, rückgratlosen jungen Ward sprechen. Der Einfluss der Mutter ist völlig ausgeschaltet – sie wird sogar aus Sicherheitsgründen nach Atlantic City in die Kur geschickt. Bleiben also nur standhafte Männer wie Dr. Willet, um Wards Entgleisung zu protokollieren und schließlich zu stoppen.

Was mir leider nicht ganz klar wurde, ist der finstere Drang, der Ward dazu bringt, Curwen auszubuddeln, dessen Forschungen weiterzutreiben, ihn zurück ins Leben zu bringen und so den eigenen Untergang heraufzubeschwören. Einmal verdrängt, ist Ward eine Sache der Vergangenheit. Ich kann es mir nur damit erklären, dass Ward von Curwen Hilfe erwartete, als er Nekromantie und Dämonenbeschwörung ausüben wollte – in dem frevlerischen Bemühen, immer mehr Wissen von den Toten zu erlangen. Ward ging also einen faustischen Pakt mit seinem Vorfahren ein – und verlor. Die Warnung findet sich mehrere Male im Hörspiel.

_Die Inszenierung_

Im [Buch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=897 besteht die Erzählung aus sehr viel auktorialer Prosa und sehr wenigen darstellenden Szenen. Diese Schwäche erweist sich auch für das Hörspiel als Problem. Der Dramaturg Marc Gruppe hat allerdings sein Möglichstes versucht, packende Szenen zu gestalten. Schon im Prolog gelingt ihm dies ausgezeichnet, denn durch die Explosion und das Donnergrollen weckt er den Zuhörer regelrecht auf und versetzt ihn (möglicherweise) in Angst und Schrecken. Das mysteriöse Geschehen in der Nervenheilanstalt lässt uns rätseln, worum es hier wohl gehen mag.

Anfang und Ende der Geschichte stehen gedrängt nebeneinander, nun gilt es, die Punkte A und Z miteinander zu verbinden – ein schöner Spannungsbogen, der erst am Schluss eingelöst wird. Für die Erklärung des Dazwischen dient die Erzählung des Marinus B. Willet. Hier beginnt es für den Zuhörer unanschaulich zu werden, denn als Willet erstmals von den Eltern in Sachen Charles hinzugezogen wird, müssen sie erst jede Menge Verdachtsmomente aufzählen und darlegen, wie sie sich dabei fühlen. An dieser Stelle können nur die ausgezeichneten Sprecher das Hörspiel über die Zeit retten. Zum Glück gelingt dies einigermaßen, aber man muss schon einiges Interesse am Fall des Charles Dexter Ward aufbringen, um bei der Stange zu bleiben.

Zum Glück wird der Schluss der Entwicklung dann wieder sehr anschaulich. Dieser Schluss dauert fast 25 Minuten und lohnt das lange Warten und das gesamte Hörspiel. Es ist ein Meisterstück atmosphärisch inszenierter Erkundung à la Indiana Jones. Nur dass es die beiden Forscher mit grausigsten Themen und Szenen zu tun bekommen. Der Tod von Charles Dexter Ward – oder richtiger: Joseph Curwen – scheint danach obligatorisch zu sein, doch die Frage stellt sich: Wie tötet man einen Unsterblichen? Mehr soll nicht verraten werden.

|Musik und Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut. Besonders der Prolog und die Erkundung der Katakomben sind so atmosphärisch und effektreich inszeniert, dass es für jeden Gruselfreund eine Freude sein dürfte.

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und ist mit klassischem Instrumentarium produziert – keine Synthesizer für klassische Stoffe! Allenfalls ein paar Soundeffekte verursachen dem Hörer Gänsehaut. Die Musik steuert nicht nur die Emotionen des Publikums auf subtile Weise, sondern bestreitet auch die Pausen zwischen den einzelnen Akten. Dann stimmt sie das Publikum auf die „Tonart“ des nächsten Aktes ein.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin auf dem Schubereinband fand ich wieder einmal sehr passend und suggestiv. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 14 Jahren.

Diesmal sind in einem zusätzlichen Katalog Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:

Nr. 26: Theophile Gaultier: Die Liebe der Toten.
Nr. 27: Robert Louis Stevenson: Der Leichendieb (nach historischen Tatsachen).
Nr. 28 + 29: Victor Hugo: Der Glöckner von Notre-Dame (2 CDs, Herbst 2008)
Nr. 30: J. W. Polidori: Der Vampyr
Nr. 31: Rudyard Kipling: Die Gespenster-Rikscha
Nr. 32 + 33: Die Jagd der Vampire (2 CDs, ohne Autorenangabe)

_Unterm Strich_

Die „Encyclopedia of Fantasy“ erwähnt diesen Roman überhaupt nicht, und das vielleicht mit Fug und Recht. 1928 fertiggestellt, bezeichnet er ein frühes Stadium in HPLs Entwicklung des |Cthulhu|-Mythos. Der Dämon erscheint hier erst am Schluss, und die ganze Zeit meint der Leser, es gehe nur um Nekromantie, also Totenbeschwörung. Wie diese im Einzelnen vor sich geht, wird ebenfalls nicht geschildert, sondern nur angedeutet: mit „essenziellen Salzen“, die nur „Hexenmeister“ wie Curwen & Co. herstellen können. Daher hält sich der Horroranteil stark in Grenzen, und Horrorfans kommen kaum auf ihre Kosten. (Es sei denn, die Vorstellung eines globalen Unternehmens zur Plünderung von Gräbern zwecks Leichenbefragung verursache kalte Schauder.)

Die Freunde des gepflegten okkulten Grauens hingegen kommen schon eher auf ihre Kosten. Der Roman beschreibt den zweifachen Einbruch des okkulten Wahnsinns in eine friedliche Gemeinschaft, der Bürgerschaft von Providence, Rhode Island – einmal 1770/71, dann wieder ab 1927/28. Diese Schilderung erfordert eine sorgfältige Darstellung von Umfeld, Historie und Akteuren. Darin liegt die eigentliche Leistung des Romans. Und unschwer können wir in Charles Dexter Ward Züge des jungen Lovecraft wiedererkennen.

|Das Hörspiel|

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Prolog und Finale sind besonders gelungen akustisch in Szene gesetzt, dazwischen sollte der Hörer ein wenig Geduld aufbringen, um mitzubekommen, was es mit Charles Dexter Ward auf sich hat. Er ist ein faustischer Typ, dieser Junge, und verweigert seinen Eltern und dem Hausarzt jegliche Auskunft über das, was er vorhat und treibt. Das erweist sich nicht zuletzt für ihn als verhängnisvoll.

Als sich die beiden mannhaften Beschützer von Sohn und Stadt in die Höhle des Löwen begeben, werden sie zu wahren Van Helsings, die erkennen, dass es nur einen Ausweg gibt, um der Bedrohung eine Ende zu bereiten … Wie man sieht, geht es nicht einfach um eine Monsterjagd à la Hollywood, sondern um die Unterscheidung von wahr und falsch, von echt und vorgetäuscht. Der Autor konfrontiert die schöne neue Welt seiner Vereinigten Staaten einmal mehr mit ihrem kolonialen Erbe, das für die dunkle Seite des seelischen Amerika steht.

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Wer jedoch mit Melodramatik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen.

|Originaltitel: The Case of Charles Dexter Ward, 1928/1941
Aus dem US-Englischen übersetzt von Rudolf Hermstein
137 Minuten auf 2 CDs
Folge 1: SPV 173362
Folge 2: SPV 173372
ISBN 978-3-7857-3550-3|
http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de
http://www.spv.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Arthur Machen – Das innerste Licht (Gruselkabinett Folge 158)

Verbotene Experimente: Der Teufelsdoktor

London 1894: Was hat es mit dem Verschwinden der bildschönen Agnes Black auf sich, die angeblich Opfer eines Verbrechens wurde? Der Schriftsteller Dyson wittert eine spannende Geschichte und kommt einem teuflischen Seelenhandel auf die Spur… (Verlagsinfo)

Der Autor
Arthur Machen – Das innerste Licht (Gruselkabinett Folge 158) weiterlesen

H.G. Wells – Der rote Raum (Gruselkabinett Folge 146)

Riskanter Selbstversuch

England 1899: Was geht vor sich in dem berüchtigten roten Raum des Schlosses Lorraine, in dem noch niemand eine ganze Nacht ausgehalten hat, ohne dem Wahnsinn zu verfallen oder zu versterben? Simon Price will gegen den ausdrücklichen Rat der Besitzerin und der alten Dienstboten dem Spuk mit modernster Technik, einem Phonographen, zu Leibe rücken und riskiert damit seinen Verstand und sein Leben… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.

H.G. Wells – Der rote Raum (Gruselkabinett Folge 146) weiterlesen

Louisa May Alcott – Im Labyrinth der großen Pyramide (Gruselkabinett Folge 148)

Zweifacher Frevel: Der Fluch der bösen Taten

London 1880: Evelyn und Paul Forsyth stehen kurz vor ihrer Hochzeit, als der Bräutigam von seinen Erinnerungen an ein unheimliches Erlebnis in Ägypten heimgesucht wird, als er sich eines Nachts mit Professor Niles in der gewaltigen Cheops-Pyramide verirrt hatte… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.

Die Autorin

Louisa May Alcott – Im Labyrinth der großen Pyramide (Gruselkabinett Folge 148) weiterlesen