Schlagwort-Archive: Titania Medien

H. P. Lovecraft – Das gemiedene Haus (Gruselkabinett Folge 162)


Geisterjäger gegen das Unheil im Keller

Providence, 1919: Was ist dran an den unheimlichen Gerüchten um das Haus der Familie Harris, das nach unzähligen Todesfällen, die es dort gab, nun nicht mehr bewohnt wird? Dr. Elihu Whipple und sein Neffe Howard wollen dem Rätsel auf die Spur kommen und beschließen, eine Nacht im Keller des Gebäudes zu verbringen, um das vermeintliche Böse auszurotten. Ihr Gegner erwartet sie dort bereits… … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.
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H.P. Lovecraft – Herbert West, der Wieder-Erwecker (Gruselkabinett Folge 150)

Die Rache der Untoten

Arkham 1904: Zwei Studenten der medizinischen Fakultät der Miskatonic University wagen sich trotz eines ausdrücklichen Verbotes an höchst umstrittene Forschungsarbeiten: Sie wollen mit einer Injektion chemischer Flüssigkeiten kürzlich Verstorbene ins Leben zurückholen. Doch die Toten zeigen eine ganz unerwartete Reaktion auf ihre Wiedererweckung… (Verlagsinfo)
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Mary Fortune – Weiß (Gruselkabinett 75)

Spannend & erotisch: Das Geheimnis des weißen Hauses

Ein junger Arzt, der sich gerade in einem Vorort Londons niedergelassen hat, wird auf seinem Nachhauseritt auf ein gerade bezogenes, einsam gelegenes Landhaus aufmerksam. Es lässt ihn die Frage nicht mehr los, weshalb die neuen Besitzer sämtliche Fensterscheiben von innen weiß gestrichen haben … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.

Die Autorin

Mary Fortune (1833-1909) hatte ein überaus interessantes Leben. Geboren 1833 in Belfast, Nordirland, wanderte sie mit ihrem Vater nach Kanada aus und heiratete dort 1851 Joseph Fortune, mit den sie einen Sohn hatte. Doch statt bei ihm zu bleiben, folgte sie ihrem Vater bei dessen Auswanderung nach Australien. Dort traf sie am 3.10.1855 ein und bekam im November 1856 einen zweiten Sohn. Im Januar 1858 starb der ältere Sohn, und im Oktober heiratete sie Percy Rollo Brett (möglicherweise bigamistisch).

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Bram Stoker – Die Squaw (Gruselkabinett 48)

Vom Marterpfahl in die Eiserne Jungfrau

Frankfurt/Main um 1883: Amelia und George Price, ein junges Paar in den Flitterwochen, macht während seiner Reise durch das romantische Deutschland die Bekanntschaft von Elias P. Hutcheson, einem verwegenen Abenteurer aus Nebraska. Die drei planen eine gemeinsame Besichtigung der Burg zu Nürnberg, in der die berühmte „Eiserne Jungfrau“, eines der grauenvollsten je erdachten Folterwerkzeuge, ausgestellt wird …

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.

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H. P. Lovecraft – Berge des Wahnsinns (Teil 2) (Gruselkabinett 45)

Aufbruch zu verhängnisvollen Antarktis-Expedition

New England 1930: Der Geologe William Dyer, ein Professor an der Miskatonic University, ist der Kopf einer großangelegten Expedition in die Antarktis. Gemeinsam mit seinem Assistenten Larry Danforth, seiner Kollegin Dr. Leni Lake, deren Assistentin Leslie Carroll, dem Ingenieur Prof. Frank Pabodie, dem Physiker und Meteorologen Prof. Atwood und diversen Hilfskräften bricht Dyer auf, den unwirtlichsten Kontinent der Erde zu erkunden. Ein sehr gefahrvolles Unterfangen, wie sich herausstellt.

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Edith Wharton – Verhext. (Gruselkabinett 47)

Subtil und stimmungsvoll: Hexenjagd in Neu-England

Amerika um 1890: Das ländliche New England liegt tief verschneit. Prudence Rutledge bittet einige ihrer Nachbarn trotz des gefahrvollen Wetters zu sich in ihr Farmhaus. Weder sie, noch ihren Mann Saul Rutledge hat man seit Längerem in Hemlock County gesehen. Was kann die als eigenbrötlerisch bekannte Frau bloß von ihren Nachbarn wollen …? (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.

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Apel, Johann August / Gruppe, Marc – Freischütz, Der (Gruselkabinett 15)

_Nur aus Liebe? Teufelspakt im Geisterwald_

Gruselkabinett (15): Eine kürfürstliche Gegend um 1800: Der junge Amtschreiber Wilhelm liebt des Försters Tochter Käthchen. Die einzige Möglichkeit, den Vater dazu zu bewegen, ihm die Hand der Geliebten zu gewähren, besteht für Wilhelm darin, sich als sein würdiger Nachfolger in der Erbförsterei zu erweisen. Leider ist er alles andere als ein sicherer Schütze. Wilhelm ist jedoch jedes Mittel recht, das kurfürstliche Probeschießen zu bestehen – sogar ein Pakt mit dem Teufel …

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.

_Der Autor_

Johann August Apels (1771-1816) Erzählung ist die Vorlage zu Carl Maria von Webers berühmter, gleichnamiger Oper. Ein literarischer Schatz aus der Zeit der schwarzen Romantik, der nun erstmals als atmosphärisches Hörspiel vertont wurde. (Verlagsinfo)

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Wilhelm: Marius Clarén (u. a. dt. Stimme von Tobey Maguire)
Förster Betram: Jochen Schröder (James Cromwell)
Anne, seine Frau: Dagmar von Kurmin
Käthchen, seine Tochter: Luise Helm (Scarlett Johansson)
Rudolf, Jägerbursche: Tobias Kluckert (Tyrese Gibson, Colin Farrell in „The New World“)
Stelzfuß: Jürgen Thormann (Michael Caine, Max von Sydow)
Hexe: Inken Sommer („Lwaxana Troi“ in „Star Trek“)
Geisterkutscher: Kammerschauspieler Heinz Ostermann
Geist der Mutter: Evelyn Maron (Kim Basinger)
Samiel: Norman Matt (Jonathan Rhys-Meyers)
Kommissarius des Kurfürsten: Uwe Büschken (Matthew Broderick, Hugh Grant)
Gefängniswärter: Jürg Löw

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand im Studio AudioCue, Rotor Musikproduktion, Scenario Studio und bei Kazuya statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

Hörprobe: http://www.titania-medien.de/gruselkabinett__15.php

_Handlung_

|PROLOG|

In seinen Albträumen hört der Försterbursche Wilhelm Schüsse. Schüsse mit drei verhexten Kugeln. Und ein teuflischer Geist lacht dazu: „Du bist mein, Wilhelm!“ Der junge Mann wälzt sich auf einem Strohlager, das man ihm in einem Einzimmerapartment bereitet hat: im Kerker. Sein Gefängniswärter ist jedoch kein Unmensch, sondern erklärt sich gegen ein kleines Entgelt bereit, dem Gefangenen Papier, Feder und Tinte zu holen. Wilhelm schreibt seine Erinnerungen nieder. Wie konnte ihn das Schicksal nur in diese missliche Lage bringen? Denn am folgenden Morgen soll er öffentlich hingerichtet werden. Vorher will er wenigstens seine Seele erleichtern.

|Binnenhandlung|

Weil Wilhelm bereits mit 17 Jahren seine Eltern verloren hat, wird sein Onkel zum Vormund bestimmt. Dieser Amtmann will aus dem Jungen einen von Seinesgleichen machen, doch als er die Lehre im Jahr 1800 abschließt, steht Wilhelm der Sinn nach etwas ganz anderem als dem Herumschubsen von Aktenbergen: Er ist bis über beide Ohren in die Tochter des Försters Bertram verliebt. Käthchen würde ihm auch allzu gerne ihre Hand geben, und ihre Mutter Anna hätte auch nichts gegen den feschen Jüngling. Doch der alte Förster sorgt sich um seine Nachfolge im Revier des Kurfürsten und will partout nur einen Förster zum Schwiergersohn.

Da kann Wilhelm nur erleichtert lachen. Bevor ihn sein Vormund in die Lehre schickte, hat er zwei Jahre lang praktische Erfahrung in der Jägerei gesammelt. Käthchen hüpft das Herz in der schönen Brust, und tatsächlich dauert es nicht lange, bis Wilhelm ihre Hand versprochen bekommt. Es gibt nur noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen. Beim Abendessen erzählt man ihm von Urahn Kuno, der der erste Förster in diesem Revier war. Missgünstige Gemüter erzählen bis heute, sein Meisterschuss sei nicht von den Engeln geleitet worden, sondern vom Teufel, also ein so genannter „Freischuss“ gewesen. Seitdem sei vor der Försterwahl immer eine Schießprüfung nötig. Der Vertreter des Kurfürsten werde sie beizeiten ansetzen.

Doch wie es manchmal so seltsam geht: Mit dem Wachsen der Liebe zu Käthchen schwindet Wilhelms Glück auf der Jagd. Er bringt immer lausigere Beute heim. Das Gewehr sei verhext, sagt sein Rivale, der Försterbursche Rudolf. Um dem abzuhelfen, soll Wilhelm nachts auf den Kreuzweg und auf Samiel warten, den Seelensammler Satans. Davon hat Wilhelm noch nie gehört. Doch bei einem weiteren Fehlschuss beschwört er Samiel und ein kleines Männlein taucht auf, das sich als Stelzfuß vorstellt. Er gibt Wilhelm eine besondere Kugel, die auch prompt den gewünschten Erfolg zeitigt: Dieser Schuss holt einen schnellen Falken vom Himmel. Stelzfuß gibt Wilhelm mehr Kugeln, und dieser hofft, damit das Probeschießen beim Kurfürsten bestehen zu können.

Doch das Schicksal scheint sich gegen ihn verschworen zu haben. Das Schießen wird verschoben, und schon nach kurzer Zeit ist der Vorrat aufgebraucht, weil der Förster mehr Wild liefern soll. Was tun? Da erzählt Förster Bertram vom Freischützen Georg Schmidt, der einmal beim Kreuzweg nachts verweilte und wahnsinnig wurde. Er wollte seine eigenen Freikugeln gießen und musste einen kleinen Fehler bitter büßen. Das Ritual ist genau vorgeschrieben: Es muss ab elf Uhr nachts genau eine Stunde dauern, der Mann muss in einem Zauberkreis stehen und darf diesen nie verlassen. Doch die Geistererscheinungen jagten Georg solches Grauen ein, dass er den Bannkreis verließ – der Teufel holte seine Seele …

Na, jetzt weiß Wilhelm ja genau Bescheid, wie er es anstellen muss, 63 Zauberkugeln zu gießen. Doch erstens gibt es jede Menge warnende Vorzeichen und zweitens wollen ihn seine Schwiegereltern in spe und Käthchen von nächtlichen Ausflügen abhalten. Nur auf den letzten Drücker gelingt es ihm, in den Wald zum Kreuzweg zu gelangen und dort das Ritual zu vollziehen …

Am nächsten Tag findet das Probeschießen auf dem kurfürstlichen Schloss statt. Seine Lügen haben Käthchen, die von bösen Vorahnungen erfüllt ist, kaum beruhigen können. Doch noch immer gilt ihr Versprechen, sie werde ihn heiraten und ihm bis zum Tode treu bleiben, sobald er die Anstellung als Förster errungen habe. Sie hält ihr Versprechen aber auf eine fürchterliche Weise, die sich Wilhelm nie und nimmer vorzustellen gewagt hätte …

_Mein Eindruck_

Dass ein Teufelspakt eine gefährliche Sache ist, wissen wir ja spätestens seit der Sache mit Dr. Faustus. Auch bei ihm war eine Frau im Spiel: Erst das brave Gretchen, dann sogar die schöne Helena. Wilhelm, der Försterbursche, hat nicht so hochfliegende Pläne, aber auch ihm steht der Sinn nach einer Frau. Und was tut mann nicht alles für die Liebe.

Interessant ist die Erzählung durch die Art und Weise, wie sich der Teufel präsentiert und die Seelen braver Christenmenschen holt. Da gibt es zunächst den Seelensammler Stelzfuß, der sozusagen den Werber spielt und die Leimrute der Versuchung auslegt, um den Vogel zu fangen: Wilhelm geht ihm denn auch auf den Leim, wie man so bildlich sagt, und alle seine Pläne scheitern, dem Teufel ein Schnippchen zu schlagen. Obwohl ihm das Freikugelgießen formidabel gelingt, er etliche Geister abwehrt und sogar Samiel eine Nase dreht, ist sein Schicksal besiegelt. Denn er gießt drei Kugeln, die dem Satan persönlich geweiht sind. Dafür muss er einen hohen Preis zahlen.

Die Frage ist am Schluss natürlich, ob er im Augenblick seiner Hinrichtung ein Verdammter ist oder seine Seele noch eine hauchdünne Chance auf Erlösung hat. Das ist auch genau jene Kardinalfrage, auf die Goethe in seinem „Faust II“ eine Antwort gesucht und gefunden hat. „Wer ewig strebend sich bemüht, den können wir erlösen“, singen die Stellvertreter des Himmels. Ob sich Wilhelm stets redlich bemühte, lässt sich durchaus bejahen, und auch seine schrecklichen Verbrechen beging er nur aus Liebe. Dass er obendrein auch noch Reue zeigt und schriftlich Buße ablegt, sollte ihm eigentlich auf dem himmlischen Sündenkonto einen dicken Bonus eintragen. Wie die Sache ausgeht, werde ich aber nicht verraten.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Dies ist nicht nur Kino für die Ohren, sondern auch noch Hollywoodkino. Denn hier sprechen nicht irgendwelche Sprecher, sondern die deutschen Stimmen bekannter Stars aus der amerikanischen, englischen und französischen Filmgeschichte – siehe oben. Dass diese Profis eine solide Performance abliefern, versteht sich fast von selbst, und der Hörer kann entsprechend zufrieden sein.

Einige Szenen sind für den heutigen Geschmack durchaus ansprechend gestaltet, und vor allem die Geistererscheinungen sind stilecht und wirkungsvoll aufgebaut. Allerdings ist die Story an sich bereits ziemlich melodramatisch: Es gibt jede Menge böse Omen, Fingerzeige und Vorahnungen, von Albträumen ganz zu schweigen – sie alle dienen dazu, die Spannung zu steigern. Das Finale ist natürlich entsprechend bewegend gestaltet: ein doppelte Katastrophe – und bestimmt hat dabei der Teufel seine Finger mit im Spiel. Oder?

Solche geübten und prestigeträchtigen Sprecher und Sprecherinnen einzusetzen, gehört zum Marketing von Marc Gruppe bzw. |Titania Medien|. Hinzu kommen jeweils traditionsreiche Schauergeschichten, die den nötigen emotionalen Rahmen für die Entfaltung solcher Stimmtalente liefern. Zu Anfang waren es eher unbekannte Geschichten wie etwa Launs „Totenbraut“, doch mittlerweile wagt sich Marc Gruppe an die Klassiker heran.

Nach den Weihnachtsstandards von Charles Dickens’ „Frohe Weihnachten, Mr. Scrooge“ und Burnetts „kleinem Lord“ nimmt sich der Produzent zentraler Stoffe an. „Frankenstein“ macht den Anfang, dann folgt im April 2007 „Dracula“. Wer weiß, wozu Marc Gruppe und sein Team noch fähig sind. Ich bin bereits gespannt.

|Musik und Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Schlüsselszenen sehr dicht und realistisch aufgebaut. In der eröffnenden Kerkerszene raschelt das Stroh, man hört ein Keuchen und Stöhnen: Wilhelm hat einen Albtraum. Später schreibt er seine Erinnerungen nieder, und das Papier raschelt, die Gänsefeder kratzt. Die Turmuhr schlägt zwölfe – Mitternacht. Man muss genau mitzählen, um dies zu erkennen. Wilhelm hat genau sechs Stunden für seine Beichte, danach heißt es um sechs: Kopf ab!

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder, und das klingt dann etwas anders als in Webers bekannter Oper. So beginnt etwa Wilhelms Lebensgeschichte mit einer zarten und klagenden Oboe: Die Vollwaise sucht ihre Bestimmung. Sobald sich Käthchen am Fenster zeigt, erklingt heitere Orchestermusik. Sobald Vater Bertram sein Plazet gegeben hat, ertönt sogar flotte Tanzmusik.

Diese heitere Stimmung verfliegt jedoch rasch, je mehr Misserfolge sich einstellen, und vollends düster und unheilvoll wird die Musik, als Wilhelm der dunklen Seite seiner Seele und den Einflüsterungen des Stelzfußes nachgibt. Die mahnenden Stimmen in Wilhelms Kopf sind durch Hall als solche gekennzeichnet. Der dramatische Höhe- oder vielmehr Tiefpunkt ist die Szene am Kreuzweg. Hier darf sich der Leser alle möglichen Instrumente vorstellen, die eine geisterhafte Stimmung erzeugen. Wieder ruft das allgegenwärtige Käuzchen (es war schon beim Fensterln ein unheimlicher Zeuge) und die Turmuhr zeigt das Verstreichen der Zeit an (wieder heißt es hier: mitzählen).

Der Wind tost in den Bäumen, das Feuer prasselt, als Wilhelm seine Zauberkugeln gießt. Der Spuk beginnt, um ihn aus seinem Schutzkreis zu treiben: erst eine Hexe, die ihn ziemlich knusprig findet; dann eine heranbrausende Kutsche mit Geisterpferden. Wilhelm hält stand. Doch ob er auch gegen drohend knurrende Wölfe und flatternde Fledermäuse bestehen kann? Das i-Tüpfelchen bildet das höhnische Lachen Samiels selbst.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 14 Jahren.

_Unterm Strich_

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Für den jungen Zeitgenossen, der sich scheut, eine so angestaubte Oper wie Webers „Der Freischütz“ anzuhören (allein schon die Arie „Wir winden dir den Jungfernkranz“ könnte mich in die Flucht schlagen), bildet das Hörspiel eine durchaus erträgliche Alternative.

Aber auch junge Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermittelt das richtige Kino-Feeling. Wer jedoch mit Melodramatik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Koste greifen. Die Hörbücher der „Necroscope“-Serie von Brian Lumley dürften eine ausreichend starke Dosis verabreichen.

|65 Minuten auf 1 CD|
http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Gruppe, Marc – Sherlock Holmes – Im Schatten des Rippers (Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs 1)

_|Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs|:_

Folge 1: „Im Schatten des Rippers“
Folge 2: „Spuk im Pfarrhaus“
Folge 3: „Das entwendete Fallbeil“
Folge 4: „Der Engel von Hampstead“ (07.04.2012)

_Zwischen Ermittlung, Action und Splatter: Die Jagd auf den Ripper_

London im Herbst 1888 – die Stadt hält den Atem an. Im East End werden in kurzen Abständen auf brutalste Weise Prostituierte ermordet. Ein sehr persönliches Motiv weckt Sherlock Holmes‘ Interesse an dem ungewöhnlichen Fall. Verkleidet begibt er sich zum Schauplatz der blutigen Verbrechen, dem finsteren Stadtteil Whitechapel … (Verlagsinfo)

Diese Fälle dieser neuen Holmes-Reihe wurden nicht von Sir Arthur Conan Doyle geschrieben, sondern alle von Marc Gruppe. Sie basieren natürlich auf den originalen Figuren, die mittlerweile Allgemeingut geworden sind.

_Der Autor_

Marc Gruppe ist der Autor, Produzent und Regisseur der erfolgreichen Hörspielreihe GRUSELKABINETT, die von Titania Medien produziert und von Lübbe Audio vertrieben wird. Genau wird dort erscheinen auch „Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs“ stets im Doppelpack.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher|

Sherlock Holmes: Joachim Tennstedt (dt. Stimme von John Malkovich)
Dr. John H. Watson: Detlef Bierstedt (dt. Stimme von George Clooney u. a.)
Mrs. Hudson: Regina Lemnitz (dt. Stimme von Kathy Bates)
Inspektor Abberline: Christian Stark
Annie Chapman: Marianne Gross
Elizabeth Stride: Eva Michaelis
Mary Jane Kelly: Polonca Olszak
Ripper: Axel Lutter
Constable: Hannes Maurer
Joe: Tobias Nath
Passant: Michael Pan
Hure: Schaukje Könning
Pianospielerin: Marina Noga

Regie führten die Produzenten Marc Gruppe und Stephan Bosenius. Die Aufnahmen fanden in den Planet Earth Studios statt. Alle Illustrationen – im Booklet, auf der CD – trug Firuz Askin bei.

_Handlung_

Am 8. September 1888 ereignet sich im Londoner Stadtteil Whitechapel der zweite Mord des Täters, den man schon bald den Schlitzer nennen wird: Jack the Ripper. Erst drei Wochen später wird Inspektor Abberline von Scotland Yard bei Sherlock Holmes in dieser Sache vorstellig. Doch der Detektiv ist nicht interessiert und sagt, er praktiziere nicht.

Doch da bringt Abberline die Sprache auf Dr. Watson, der kürzlich Mary Morstan geheiratet und schon wieder verlassen habe. Nach Angabe von Mrs Watson sei ihr Mann nach Whitechapel gezogen – und falle ein schwerer Verdacht auf ihn! Es heißt, er habe kurz vor Annie Chapmans Ermordung mit ihr gesprochen. Holmes schwört, Watson habe nichts damit zu tun. Wie kann er seiner so sicher sein? Den beiden weiblichen Opfern wurde die Kehle durchschnitten, bevor man sie ausweidete – was auf medizinische Kenntnisse der Anatomie schließen lasse, sagt Abberline listig. Und da er seine Frau im Streit verlassen habe, habe Watson durchaus einen Grund für einen handfesten Hass auf Frauen. Holmes ist bestürzt.

Um das Maß vollzumachen, präsentiert ihm Abberline einen Brief des Mörders, der tags zuvor, am 27.9., bei einer Nachrichtenagentur eingegangen ist. Darin kündigt der Schlitzer weitere Taten an, denn er liebe seine Arbeit und sie mache ihm Spaß. Dass der Schreiber die Anrede „Lieber Boss“ verwendet, lässt auf einen Amerikaner schließen. Watson jedoch spricht astreines britisches Englisch. Holmes sagt Abberline, dass man den Täter nur fassen könne, wenn man ihn in flagranti erwische. Und nachdem Abberline gegangen ist, bittet mrs Hudson Holmes inständig, Watson zurückzubringen – in ihre Obhut. Was bleibt ihm übrig? Nur, sich zur Tarnung zu verkleiden.

Schon bald hat er Watson in Whitechapel ausfindig gemacht. Der gute Doktor verspürt eine Verpflichtung, den armen Straßenmädchen seinen medizinischen Beistand angedeihen zu lassen. Kaum sie einander erkannt, als sie Schreie von einer Frau in der Nachbarschaft vernehmen. Sie eilen hin und finden eine liegende Gestalt. Es handelt sich um Lizzie Stride, die Holmes‘ Botschaft an Watson überbracht hat. Sie scheint fast unversehrt. Also muss der Killer noch in der Nähe sein, denn sie haben ihn gestört. Da erfolgt unversehens ein Angriff aus dem Dunkel! Der Mann droht ihnen zu entkommen, und sofort eilen sie ihm hinterher …

|Mein Eindruck|

Es gibt schon so viele Geschichten über Jack the Ripper, dass diese Bücher allein eine ganze Bibliothek füllen könnten. Und ebenso viele wie Bücher gibt es Theorien darüber, um wen es sich bei dem Killer handelte. Diese Theorien kann der geneigte Leser alle in Lexika wie der Wikipedia nachlesen. In einem sind sich die AutorInnen einig: Der Mörder besaß ungewöhnlich gute anatomische Kenntnisse. Das zeigt sich an der Art und Weise, wie er seine Opfer zerstückelte.

Das Hörspiel unternimmt nicht den zum Scheitern verurteilten Versuch, diese Identität endgültig zu klären, sondern zählt vielmehr zahlreiche Verdächtige auf. War es ein Amerikaner oder gar ein Mitglied des Königshauses? Unwichtig, denn im Mittelpunkt steht die Jagd unseres patentierten Detektivduos Holmes und Watson auf den Mörder.

Mit akribischer Genauigkeit werden uns die Indizien präsentiert, als wären wir die Jury, darunter sämtliche Briefe, so etwa den mit „From hell“ unterzeichneten. Doch Akribie und Detailgenauigkeit ist für sich genommen wenig unterhaltsam. Deshalb ist es viel wichtiger, dass die Ermittlung vorankommt, aber auch, dass Holmes & Watson einen weiteren Mord verhindern können. Doch wer auch jemals auch nur ein Fitzelchen über jack the Ripper gelesen, wer sein schlimmstes und letztes Opfer war: Mary Jane Kelly.

Deshalb ist es unerlässlich, uns diese Dame zuvor extrem sympathisch zu machen. Sie kann singen, sie hat das Herz auf dem rechten Fleck, und sie mag Watson. Immer wieder hören wir ihr rührseliges Lied vom Veilchen, das sie auf Mutters Grab gefunden habe. Und hat sie wirklich einen Grund, sich zu fürchten, wo doch ihr Gewerbe in der eigenen Wohnung betreibt statt wie die anderen Opfer auf der Straße abgeschlachtet zu werden?

Aus dieser emotionalen Fallhöhe und der Spannung, die aus der Erwartung ihres Todes resultiert, bezieht dieses Hörspiel seinen größten Reiz. Alles vor Mary Jane Kelly ist nur Vorspiel, und zwar ein äußerst ausgedehntes. Die Action beschränkt sich auf eine Rauferei im Dunkeln sowie eine vergebliche Verfolgungsjagd. Den Rest besorgt das stets erneute Auffinden von grausig zugerichteten Frauenleichen – aber ist das genug? Mitnichten, und so war ich froh, als das Finale am 8. November 1888 erfolgt.

Der Text vergisst nicht zu erwähnen, dass sich erst nach dieser Mordserie die Zustände im East End gebessert haben. Die Taten waren u.a. auch deshalb möglich, weil der Stadtteil völlig übervölkert und die Population arm und krank war. Weshalb sonst hätten die Huren ausgerechnet auf der Straße ihrem Gewerbe nachgehen müssen? Ihre Notlage war eine direkte Folge der sozialwirtschaftlichen Ungerechtigkeit in der Verteilung des Wohlstands. Umso makabrer deshalb die Vorstellung, dass ein Mitglied der vermögendsten Klasse, des Königshauses, die Morde begangen habe.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Die Hauptfigur ist natürlich der Titelgeber himself. Joachim Tennstedt verleiht Sherlock Holmes eine flexible Janusköpfigkeit. Die erste Seite bekommen wir zu sehen, wenn Holmes recht abweisend zu Mrs. Hudson, der treuen Seele des Haushalts, ist. Das hält sie aber nicht davon ab, die Vorhänge aufzureißen und frische Luft in die Detektivsgruft zu lassen.

Die andere Seite Holmes‘ ist die des energischen Ermittlers, der sich auch verkleidet. Die Dritte ist die des freundlichen Verführers und Gentleman – sie bekommen wir erst in späteren Folgen zu Gesicht, insbesondere im Tussaud-Fall. Wie bei John Malkovich können wir uns auf einen Facettenreichtum an Darstellungsformen freuen.

Die Figur des Dr. Watson ist in vielen Verfilmungen misrepräsentiert worden. Neben Basil Rathbone und Peter Cushing musste er den vetrottelten Stichwortgeber mimen. Er war der selbstgefällige Körper neben dem rastlosen, aber kranken Geist des Detektivs. Nicht so in dieser neuen Serie.

Detlef Bierstedts Stimme ist uns von George Clooney vertraut, daher kann er mit einer gewissen geliehenen Autorität auftreten, ganz besonders in allen medizinischen Belangen. Dennoch kommt er häufig über die Rolle des Stichwortgebers nicht hinaus. Holmes hat stets die Initiative. In Folge 3 wird er sogar als Aktenträger missbraucht. Doch auch Watson verfügt über einen Revolver und die Kenntnisse, diesen zu gebrauchen, besonders aus seiner Zeit in Afghanistan.

Regina Lemnitz als Mrs. Hudson zeigt sich stets hilfreich, mal energisch, mal als fühlende Seele, etwa dann, als sie um Dr. Watson bangt, der in Whitechapel wohnt. Außerdem ist sie das moralische Zentrum jeder Folge. Alles, was Holmes & Watson tun, müssen sie nicht nur gegenüber Inspektor rechtfertigen, sondern vor allem vor ihrer Haushälterin. Sie würde sie sonst hochkant hinauswerfen.

|Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut. Statt der aus dem GRUSELKABINETT vertrauten Andeutungen greift der Toningenieur diesmal tief in die Trickkiste, um Splattereffekte zu erzeugen, die einem den Magen umdrehen, ganz besonders beim grausigen Ende Mary Jane Kellys. Zarte Gemüter seien davor gewarnt.

Natürlich gibt es eine Fülle anderer Geräusche, so etwa immer wieder das typisch englische Teetrinken inklusive Tassenklirren und Teegluckern. Diesen heimeligen Klängen stehen knallharte Geräusche wie ratternde oder donnernde Kutschen gegenüber, auch mal ein Schuss hie und da. Höhepunkt dieser Folge ist in puncto Akustik vielleicht die Kneipenszene mit dem Gesang Mary Janes. Hier brilliert Polonca Olszak. Alle Geräusche werden von der Musik ergänzt, um ein Stimmungsbild zu erzeugen, so auch hier: Klaviergeklimper ergänzt den Gesang, das Gläserklirren und das Stimmengewirr.

|Musik|

Die Musik entspricht der eines Scores für ein klassischen Spielfilm, also nicht zwangsläufig für einen Horrorstreifen. Klassische Instrumente wie Violine, Cello und Kontrabass werden manchmal von elektronisch erzeugten Effekten ergänzt. Schnelle Musik deutet Dynamik und Dringlichkeit an, langsame Musik entspannt und immer wieder endet eine Szene in einem dramatischen Crescendo.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Das Booklet|

Im Booklet sind die Titel des GRUSELKABINETTS verzeichnet sowie Werbung für Firu Askin zu finden. Die letzte Seite zählt sämtliche Mitwirkenden auf. Ein zweites Booklet listet sämtliche Titel von Titania Medien auf, und zwar auch alle Neuerscheinungen bis Mai 2012.

Hinweise auf die nächsten Hörspiele:

Nr. 58: Lovecraft: Pickmans Modell (November 2011)
Nr. 59: Edith Nesbit: Das violette Automobil (November 2011)
Nr. 60: Robert E. Howard: Der Grabhügel (ab März 2012)
Nr. 61: Arthur Conan Doyle: Der Ring des Thot (ab März)
Nr. 62: Nathaniel Hawthorne: Rappaccinis Tochter (April)
Nr. 63: Robert E. Howard: Besessen (April)
Nr. 64: Francis Marion Crawford: Der schreiende Schädel (Mai)
Nr. 65: Mary Elizabeth Braddon: Gesellschafterin gesucht (Mai)

_Unterm Strich_

Diese erste Folge der neuen Reihe „Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs“ ist zwar mit 85 Minuten (woanders sind abweichende Angaben zu lesen) überlang geraten, aber das liegt vor allem an der ambitionierten Präsentation, die akribisch auf Detailtreue achtet. Insbesondere das erste Drittel leidet darunter. Das macht aber nichts, denn sobald Holmes wieder mit seinem besten Kumpel vereint ist, kann die Jagd auf Jack the Ripper richtig losgehen.

Zarte Gemüter seien vor grausigen Szenen mit Splattereffekten gewarnt, insbesondere im Finale, als Mary Jane Kelly das Opfer wird. Diese Mordszene ist besonders deswegen emotional aufwühlend, weil wir zuvor der lebenslustigen Sängerin unsere – und die von Holmes & Watson – Sympathien geschenkt haben.

|Das Hörspiel|

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und bekannte Stimmen von Synchronsprechern und Theaterschauspielern einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Die Sprecherriege für diese neue Reihe ist höchst kompetent zu nennen, handelt es sich doch um die deutschen Stimmen von Hollywoodstars wie John Malkovich, George Clooney und Kathy Bates.

Audio CD mit 75 Min. Spieldauer
ISBN 978-3-7857-4524-3
www.titania-medien.de

Sherlock Holmes – Spuk im Pfarrhaus (Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs 2)

Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs:

Folge 1: „Im Schatten des Rippers“
Folge 2: „Spuk im Pfarrhaus“
Folge 3: „Das entwendete Fallbeil“
Folge 4: „Der Engel von Hampstead“ (07.04.2012)

Grusel in der Idylle: Poltergeister gegen den Pfarrer

Sherlock Holmes – Spuk im Pfarrhaus (Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs 2) weiterlesen

Per McGraup – Der Hexenfluch (Gruselkabinett Folge 21)

Fluch oder nicht Fluch, das ist die Frage

Rhode Island, USA, 1962.

Der Rachedurst des Geistes der auf dem Scheiterhaufen verbrannten Hexe Katrina van Kampen ist auch nahezu dreihundert Jahre später noch nicht gestillt. In einer schaurigen Halloween-Nacht sehen sich die beiden letzten Nachkommen des damaligen Hexenjägers, zwei pensionierte Lehrerinnen, im beschaulichen Städtchen Newport einer tödlichen Gefahr gegenüber …

Der Autor

Über den Autor Per McGraup liefert auch sas Booklet keine Angaben. Aber es könnte sich um ein Pseudonym von Marc Gruppe handeln. McGraup ist demnach ein Anagramm.

Per McGraup – Der Hexenfluch (Gruselkabinett Folge 21) weiterlesen

Doyle, Arthur Conan / Gruppe, Marc – Sherlock Holmes: Der Fall Milverton / Der Teufelsfuß (Krimi-Klassiker 5)

_Auf Großwildjagd nach Cornwall_

London in den 1880er Jahren: Lady Brackwell steht kurz vor ihrer Hochzeit mit dem Earl of Dovercourt, als sie Opfer einer infamen Erpressung durch Charles Augustus Milverton zu werden droht. Kann es der Meisterdetektiv mit dem Erzschurken aufnehmen?

Im zweiten Fall, „Der Teufelsfuß“, werden Holmes und Dr. Watson mit äußerst mysteriösen Vorgängen in Cornwall konfrontiert, wo Holmes eigentlich in Kur ist. Geht dort wirklich der Teufel um? Pfarrer Roundhay ist überzeugt davon und hat einen Großwildjäger um Beistand gebeten …

_Der Autor_

Sir Arthur Conan Doyle lebte von 1859 bis 1930 und gelangte mit seinen Erzählungen um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu Weltruhm. Dabei begann der Mediziner, der eine eigene Praxis hatte, erst 1882 mit dem Schreiben, um sein Einkommen aufzubessern. Neben mystischen und parapsychologischen Themen griff er 1912 auch die Idee einer verschollenen Region (mit Dinosauriern und Urzeitmenschen) auf, die von der modernen Welt abgeschnitten ist: „The Lost World“ erwies sich als enorm einflussreich und wurde schon 13 Jahre später von einem Trickspezialisten verfilmt. Bereits 1913 ließ Doyle eine Fortsetzung unter dem Titel „The Poison Belt“ (dt. als Im Giftstrom, 1924) folgen.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Sherlock Holmes: Joachim Tennstedt (dt. Stimme von John Malkovich)
Dr. John H. Watson: Detlef Bierstedt (dt. Stimme von George Clooney u. a.)

|In „Der Fall Milverton“:|

Charles Augustus Milverton: Hans-Werner Bussinger (dt. Stimme von Michael Caine)
Madame X (eine Unbekannte): Rita Engelmann (dt. Stimme von Kim Novak)
Inspektor Jones: Christian Rode (dt. Stimme von Sean Connery)

|In „Der Teufelsfuß“:|

Pfarrer Roundhay: Heinz Ostermann
Mortimer Tregennis: David Nathan (dt. Stimme von Johnny Depp, Christian Bale, Leonardo DiCaprio)
Mrs. Porter: Dagmar Altrichter (dt. Stimme von Angela Lansbury)
Dr. Leon Sterndale: Jürg Löw

Die orchestrale Musik stammt von Manuel Rösler, Ko-Produktion, Buch & Regie steuerten Marc Gruppe und Stephan Bosenius bei, Aufnahme und Abmischung erfolgten durch Kazuya @ Bionic Beats.

_Handlung von „Der Fall Milverton“_

Holmes ist angewidert: Charles Augustus Milverton hat sich bei ihm zu Besuch angesagt. Und wer ist diese Person?, möchte der gute Doktor Watson wissen. Der „König der Erpresser“, lautet die erboste Antwort. Milverton kauft Briefe an, die Personen der „feinen Gesellschaft“ kompromittieren. Die Verkäufer sind meist Leute aus deren Haushalt, treulose Dienstboten und dergleichen.

Lady Brackwell steht kurz vor ihrer Hochzeit mit dem Earl of Dovercourt, doch Milverton hat mehrere kompromittierende Briefe der Dame gekauft, die sie in jugendlicher Verliebtheit geschrieben hatte – an einen mittellosen Gutsherrn. Nicht auszudenken, wie peinlich dem Earl die Kenntnis der Briefe wäre, vor allem dann, wenn sie schon bald, wie Milverton droht, in der Zeitung stünden. Der Erpresser fordert von Holmes, der für die Lady vermittelt, schlappe 7000 Pfund Sterling, also ein kleines Vermögen.

Doch Holmes‘ und Watsons Versuch, den Widerling festzuhalten und der Polizei zu übergeben, schlägt leider fehl: Der Kerl ist sogar bewaffnet! Derartigen Affront kann der Meisterdetektiv nicht auf sich sitzen lassen und organisiert einen einfachen aber wirkungsvollen Plan. Er verkleidet sich als agiler Klempner und gewinnt Vertrauen und Zuneigung von Milvertons Hausmädchen. Seine Ankündigung, sich verloben zu wollen, versetzt seinen Freund und Partner in beträchtliches Erstaunen. Kleiner Scherz am Rande, lieber Watson!

Mit den so erhaltenen Informationen kann es Holmes nun ohne größeres Risiko wagen, bei Milverton in Hampstead einzubrechen, dessen Safe zu knacken und die Briefe zu vernichten. Doch Watson will unbedingt mitkommen, um bei dem Coup dabei zu sein. Holmes freut sich schon darauf, in der potenziell auf sie wartenden Gefängniszelle auf so angenehme Gesellschaft hoffen zu dürfen.

Ein nächtliches Abenteuer mit etlichen Überraschungen und einer rasanten Fluchtszene beginnt.

_Handlung von „Der Teufelsfuß“_

Im Frühjahr 1887 fühlt sich Holmes völlig erschöpft und geht auf Anraten seines Arztes und besten Freundes nach Cornwall in Kur. Dort an der Küste soll die Luft ja besonders gut sein. Bei einem ihrer Spaziergänge werden Holmes und Watson von zwei Einheimischen abgefangen: Es sind Pfarrer Roundhay und Mortimer Tregennis, ein Bürger aus der Gegend.

Etwas Furchtbares habe sich ereignet, und ob der berühmte Detektiv wohl so freundlich wäre, bei der Aufklärung des mysteriösen Falles zu helfen? Holmes zögert keine Sekunde und eilt mit den anderen an den Tatort, während diese ihm berichten. Tregennis hat seine Schwester Brenda tot vorgefunden, nachdem er eine Weile hinausgegangen war, und seine Brüder Owen und George haben den Verstand verloren. In der Tat: Als Holmes die verstorbene Brenda ansieht, beschleicht ihn ein leises Grauen. Sie starrt entsetzt drein, als habe sie den Leibhaftigen erblickt.

Holmes analysiert messerscharf den Tatort – eine ungewöhnlich stickige Luft, die die Haushälterin fast das Bewusstsein verlieren ließ – und ein mögliches Motiv: Es gab Streit unter den vier Geschwistern. Doch warum überlebte Mortimer als einziger, und worin besteht die Tötungsmethode?

Die Lage wird komplizierter, als am nächsten Tag Leon Sterndale auftaucht, herbeigerufen vom Pfarrer, seinem guten Freund. Er habe sogar seine Abreise nach Afrika verschoben. Er wollte auf den dunklen Kontinent fahren, um auf Großwildjagd zu gehen. Holmes ist erstaunt, als sich Sterndale nach dem Stand seiner Ermittlungen erkundigt, doch Sterndales Angaben stellen sich alle als korrekt heraus. Dennoch traut ihm Holmes nicht hundertprozentig.

Dass Holmes nichts herausfindet, hat tragische Folgen: Mortimer Tregennis wird tags darauf tot aufgefunden. Wieder fällt Holmes die ungewöhnlich stickige Luft am Tatort auf. Vom Schirm der Lampe kratzt er ein wenig schwarze Substanz ab und verwendet sie, um ein Experiment auszuführen.

Er ahnt nicht, wie verheerend die Folgen dieses Selbstversuchs für ihn und Dr. Watson sind …

_Mein Eindruck_

Die beiden Episoden unterscheiden sich in ihren Erzählmitteln, der Thematik, dem Schauplatz und der verwendeten Ermittlungsmethode.

|“Der Fall Milverton“| präsentiert uns einen staatstragenden Meisterdetektiv (er schützt die Ehre einer Adligen in spe), der sich dennoch nicht scheut, in die Rolle eines einfachen Arbeiters zu schlüpfen, um den Bediensteten des verfolgten Schurken Informationen zu entlocken.

Am Tatort seines nächtlichen Einbruchs wird er sodann richtig kriminell aktiv, muss sich verstecken und wird unwillentlich Zeuge noch weitaus kriminellerer Machenschaften. An Action besteht hier kein Mangel, und mich erfreute vor allem der ironische Humor, den der Autor an den Tag legt.

Das Sahnehäubchen bildet praktisch der abschließende Besuch eines verzweifelten Inspektor Jones‘, der zwei Einbrecher sucht, die in Hampstead einen gewissen Milverton umgebracht haben sollen. Da ist er natürlich bei Holmes genau an der richtigen Adresse – aber anders, als er denkt. Er gibt sogar eine akkurate Beschreibung eines der Gesuchten, die auf Watson passt – und der kommt doch glatt ins Schwitzen!

|“Der Teufelsfuß“| befleißigt sich ganz anderer Methoden und Umstände. Zum einen befinden sich Holmes und Watson weit weg von der Großstadt, und die Beziehungen zwischen ihren zeitweiligen Nachbarn sind leicht durchschaubar. Das Leben verläuft hier meist in geregelten Bahnen, und so erregen der zweifache Mord und der Wahnsinn der zwei Brüder im Hause Tregennis enormes Aufsehen. Trotz aller Beobachtungen usw. kommt Holmes jedoch nicht weiter – bis zum zweiten Mord.

Dass Holmes zunächst keine Ermittlungsergebnisse erlangt, mag ihn dazu verleiten, nach diesem Mord den verhängnisvollen Selbstversuch mit der unbekannten Substanz aus dem Lampenschirm zu unternehmen. Diesmal übernimmt also die Chemie die Rolle, die in der anderen Story dem Einbrechen & Safeknacken zugefallen ist: Sie fördert die Wahrheit ans Licht, jedoch, wie es fast immer der Fall ist, um einen hohen Preis. Erst dann klärt sich der Begriff auf, der der Geschichte ihren Titel verleiht. Wer genau zuhört, wird bemerken, dass laufend von Teufelswerk und teuflischen Dingen die Rede ist, es aber in Wahrheit um einen Menschen geht, der sich wie ein Teufel verhält – und hiervon geht die Spannung aus: Was brachte jemanden dazu, die wunderschöne Brenda Tregennis auf so grauenerregende Weise zu töten?

Ich fand diese Episode beim ersten Anhören weniger prickelnd als die erste, und dass nicht nur Geld, sondern auch eine tragische Liebesbeziehung eine Rolle spielt, hätte ich mir fast denken können. Interessant ist jedoch die Verwendung von zwei Rückblenden, um die Motive des Täters darzulegen. Erst diese Rückblenden steigern die Spannung und führen im eigentlichen Sinne zu einem grauenhaften Höhepunkt: Mortimers Ermordung.

Bei beiden Episoden fällt auf, dass Holmes seine ganz individuelle Auffassung von Gerechtigkeit und Bestrafung hat. Er (ver)urteilt nie nach dem Buchstaben des Gesetzes, sondern folgt seinem „Herzen“, also seinem persönlichen moralischen Empfinden. Das ist recht bemerkenswert bei einem Mann, der sich kühler Logik rühmt.

_Die Inszenierung_

Mir hat, wie gesagt, „Der Fall Milverton“ hervorragend gefallen. Der Konflikt, die Gegenmaßnahmen, die Lösung des „Falles“ – alles ist so einfach, doch elegant inszeniert, dass ich dachte, einer Art Actionkomödie zuzuhören. Dabei kommt es jedoch nie zu Klamauk, wie man das vielleicht von Edgar-Wallace-Filmen aus den Sechzigern kennt.

Nur an einer Stelle fragte ich mich, ob es nicht unplausibel ist, wenn Holmes und Watson sich laut flüsternd unterhalten, während sie sich hinter einem Vorhang vor dem Objekt ihrer Neugier, nämlich Milverton, verstecken. Das erinnerte mich an die guten alten Karl-May-Hörspielplatten (antikes Vinyl!) wie etwa „Der Schatz im Silbersee“. Darin quasseln die heldenhaften Trapper (Sam Hawkins, Hobble-Frank und Tante Droll usw.) und Indianer selbst dann noch wie die Weltmeister, wenn sie sich gerade an den jeweiligen Gegner heranschleichen.

Über die Stimme des „Sean Connery“ – Christian Rode – wunderte ich mich ebenfalls. Sie klingt hier überhaupt nicht nach dem alten distinguierten Gentleman, als den man Connery in den letzten Jahren gesehen hat, und noch nicht einmal nach dem jungen Connery der frühen Bond-Filme.

In „Der Teufelsfuß“ bestehen keinerlei in akustischer Hinsicht heiklen Situationen, wohl aber eine hohe Gefährdung von Leib und Leben für Holmes und Watson. Wie das ausgeht, soll hier nicht verraten werden. Die Szenen spielen sich meist in Innenräumen ab. Vermittelt „Milverton“ den Eindruck einer Actionkomödie, so erscheint mir „Teufelsfuß“ eher wie ein kleines Drama, das sich über lange Zeit hin entwickelt hat und nun, in Holmes‘ Beisein, seinen tragischen Höhepunkt findet. Entsprechend ernst ist der Ausdruck der Darstellung auf allen Seiten. Dies ist der Punkt, an dem Jürg Löw als Dr. Leon Sterndale glänzt.

Auch dem Zyniker Holmes vergeht der Humor ziemlich schnell. Gäbe es irgendeine Art von Humor, so klänge er wohl wie das wahnsinnige Gelächter der beiden Brüder Brenda Tregennis‘. Die fahren johlend und kichernd in einer Kutsche an Holmes und Watson vorbei, schon auf dem Weg in die Irrenanstalt.

|Musik und Geräusche|

Schüsse fallen! Oh ja, doch bekanntlich gibt es Schüsse und Schüsse, genauso wie Revolver, Gewehre und Pistolen. Allerdings sind wir hier nicht bei Sergio Leone und reiten nicht durch die Prärie bei Flagstone in „Spiel mir das Lied vom Tod“. Demzufolge sind in Londoner Interieurs geradezu zivilisiert klingende Pistolenschüsse zu erwarten. Das ist auch der Fall, allerdings kommen sie wohl eher aus einer Pistole mit Platzpatronen als aus einer echten 9mm Beretta. Jedenfalls kommen Aficcionados von dreidimensionalen Soundwundern hier kaum auf ihre Kosten.

Brave Hausmannskost stellen die zahlreichen kleinen Hintergrundgeräusche dar: Türen quietschen, die hölzernen Bodendielen knarren, Teetassen klirren und hin und wieder zündet Holmes das Streichholz für eine neue Pfeife an (ein erstaunlich cooler Sound). Möwengekreisch und Meeresrauschen empfangen uns in Cornwall, aber auch auffallend viele Singvögel. Doch wie schade, dass man giftige Dämpfe nicht soundtechnisch darstellen kann.

Das ist vielmehr Aufgabe der Musik – und beileibe keine einfache. Der Verlauf des riskanten Selbstversuchs, den Holmes und Watson unternehmen, fordert den Einfallsreichtum eines Komponisten, gilt es doch unsichtbare Dinge wie Ängste und Wahnvorstellungen zu vermitteln, ja, sogar Todesangst. Manuel Rösler setzt als Einleitung zunächst Streicher ein, doch sobald die Albträume beginnen, werden sie durch elektronisch erzeugte Töne in sehr tiefer Lage abgelöst. Das Ergebnis kann sich hören lassen, und nur wer eiskalt ist, wird nicht davon berührt werden.

Dieser Moment wird übrigens später in der zweiten Rückblende wiederholt, und so ist der Hörer in der Lage, sich den Horror vorzustellen, den Mortimer in den letzten Augenblicken seines Lebens erlebt haben muss. Da sind die Schreie kaum nötig, die sich seiner Kehle entringen. David Nathan macht das recht realistisch, ohne jedoch zu übertreiben.

_Unterm Strich_

Mutet „Der Fall Milverton“ wie eine humorvoll inszenierte Actionkomödie an, so haben wir es bei „Der Teufelsfuß“ quasi mit einem kleinen Drama zu tun – alles Weitere siehe oben. Wieder einmal treffen Welten aufeinander: In „Milverton“ sind es die feine Gesellschaft und ihre weniger feinen Bediensteten sowie deren krimineller Nutznießer. In „Teufelsfuß“ muss sich Holmes mit einem Tötungsmittel aus exotischen Gefilden herumschlagen, ähnlich wie schon in „Das gefleckte Band“. Merke: je ausgefallener das Mordinstrument, desto kniffliger der Fall – und umso größer Holmes‘ Ruhm nach dessen Lösung. „Teufelsfuß“ bietet auch zwei echte Horrormomente (siehe oben).

Wer Gefahr läuft, auf der Jagd nach neuen Sherlock-Storys zu verhungern, kann gerne zu diesen wenig bekannten Erzählungen greifen. Der wahre Holmes ist das noch nicht, sondern eher ein – oder besser gesagt: zwei – Appetithäppchen. Dennoch kann das Hörbuch Vergnügen bereiten, wenn man sich auf einer kurzen Fahrt von 75 Minuten Dauer befindet.

Für den bescheidenen Preis von acht Euronen erhält man immerhin keinen Aufguss einer uralten Radiosendung von anno dunnemals, sondern neue Hörspiele mit aktuellen Sprechern, die etwas von ihrem Handwerk verstehen. Und selbst Zwölfjährige sollten den Text ohne Mühe verstehen und begreifen können. Schließlich stellt Watson stets die richtigen Fragen …

|75 Minuten auf 1 CD
Empfohlen ab 12 Jahren|

Montgomery, L. M. / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – Anne in Four Winds – Ein neues Zuhause (Folge 17) (Hörspiel)

_Abschied von der Heimat, Aufbruch ins neue Ehe-Leben_

Anne Shirley steckt mitten in den Vorbereitungen für ihre romantische Hochzeit mit Gilbert Blythe im Obstgarten von Green Gables. Es wird der letzte Sommer für die beiden in ihrem Heimatdorf Avonlea sein, denn der Umzug nach Four Winds steht an. Dort wird Gilbert die Landarzt-Praxis seines Onkels übernehmen …

_Die Autorin_

Lucy Maud Montgomery (1874-1942) war eine kanadische Schriftstellerin, die besonders durch ihre Jugendbücher um Anne Shirley bekannt wurde: „Anne of Green Gables“ und sechs Fortsetzungen.

Das Manuskript wurde zunächst von mehreren Verlagen abgelehnt, bevor es Montgomery gelang, es zu platzieren. 1908 war sie bereits 34 Jahre alt. Das Buch wurde zu einem Theaterstück verarbeitet, mehrmals verfilmt und in mehr als 40 Sprachen übersetzt.

Die 1. Staffel: |Anne auf Green Gables|

Folge 1: [Die Ankunft]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4827
Folge 2: [Verwandte Seelen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4852
Folge 3: [Jede Menge Missgeschicke]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4911
Folge 4: Ein Abschied und ein Anfang

Die 2. Staffel: |Anne auf Avonlea|

Folge 5: [Die neue Lehrerin]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5783
Folge 6: [Ein rabenschwarzer Tag und seine Folgen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5806
Folge 7: [Eine weitere verwandte Seele]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5832
Folge 8: Das letzte Jahr als Dorfschullehrerin

Die 3. Staffel: |Anne in Kingsport| (Frühjahr 2009)

Folge 9: Auf dem Redmond College
Folge 10: Erste Erfolge als Schriftstellerin
Folge 11: Die jungen Damen aus Pattys Haus
Folge 12: Viele glückliche Paare

Die 4. Staffel: |Anne in Windy Poplars| (Herbst 2009)

Folge 13: [Die neue Rektorin]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6084
Folge 14: [Ein harter Brocken]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6085
Folge 15: [Das zweite Jahr in Summerside]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6110
Folge 16: Abschied von Summerside]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6111

Die 5. Staffel: |Anne in Four Winds| (Frühjahr 2010)

Folge 17: [Ein neues Zuhause]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7113
Folge 18: [In guten wie in schlechten Zeiten]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7114
Folge 19: [Verwirrung der Gefühle]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7115
Folge 20: [Ein neuer Anfang]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7116

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Erzähler: Lutz Mackensy (Rowan Atkinson, Christopher Lloyd, Al Pacino)
Anne Shirley: Marie Bierstedt (Kirsten Dunst, Kate Beckinsale)
Dr. Gilbert Blythe: Simon Jäger (Josh Hartnett)
Diana Wright: Uschi Hugo (Neve Campbell)
Marilla Cuthbert: Dagmar von Kurmin
Rachel Lynde: Regina Lemnitz (Kathy Bates, Whoopi Goldberg)
Dora Keith: Maria Hinze
Jane Inglis: Cathlen Gawlich:
Paul Irving: David Turba
Dr. David Blythe: Engelbert von Nordhausen (Samuel L. Jackson)
Captain Jim Boyd: Hasso Zorn
Cornelia Bryant: Ulrike Möckel
Fraulein vom Amt: Evelyn Maron
Und viele andere.

Regie führten Stephan Bosenius und Marc Gruppe, der auch das „Drehbuch“ schrieb. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

Gilbert soll die Praxis seines Großonkels in Four Winds Harbor übernehmen. Das ist etwa 60 Meilen von Green Gables und Avonlea entfernt. Nun hat Annes Leben und Arbeiten in Summerside ein Ende, denn sie wird ja Gilbert heiraten und mit ihm in das gemeinsame Haus ziehen. Hoffentlich wird es ein schönes Heim für ihr erstes Kind werden.

In Avonlea trifft Anne mit ihren Lieben alle nötigen Vorbereitungen für die Hochzeit. Es gilt Erinnerungen hervorzukramen und wegzuräumen; dabei erfährt sie, dass Marilla Cuthbert, ihre Adoptivmutter, einst Gilberts Vater einen Korb gab. Na, so was! Als Gilbert eintrifft, berichtet er ihr, dass er ein Häuschen gefunden und von der Kirche gemietet habe. Sie würden den Leuchtturmwärter Kapitän Jim Boyd zum Nachbarn bekommen, einen passionierten Geschichtenerzähler. Genau das, was Anne braucht.

Als Paul Irving eintrifft, spricht sie mit ihm über Literatur. Ihr einstiger Lieblingsschüler ist inzwischen ein anerkannter Autor und hat seinen ersten Roman veröffentlicht. Er fordert sie auf, endlich nach all den Erzählungen auch mal etwas Längeres zu verfassen. Sie zweifelt an ihren Fähigkeiten, doch der Kontakt zu Paul wird sich noch als wichtig erweisen.

Pfarrer Allen, ein alter Bekannter, traut die beiden Brautleute im Obstgarten von Green Gables. Obwohl Rachel Lynde diesen Ort für eine Trauung natürlich „skan-da-lös“ findet. Nach der anschließenden Feier bringt Marillas Adoptivsohn Davy, der mal Green Gables übernehmen soll, die Brautleute zum Bahnhof.

Als sie vor ihrem neuen Zuhause eintreffen, mustert Anne das weiß gestrichene Haus erst einmal kritisch und ignoriert die ihrerseits kritisch dreinblickende Nachbarin im grünen Haus daneben. Onkel Dave lacht, als Gilbert seine Frau über die Schwelle trägt, bevor sie es sich beim Essen gemütlich machen.

Am nächsten Tag machen sie die Bekanntschaft der neuen Nachbarn. Kapitän Jim erzählt die erste seiner vielen Geschichten, und Nachbarin Cornelia Bryant erweist sich als männerhassende Presbyterianerin, die aber ein Herz für frisch zugezogene Ehefrauen hat. Schon bald ist sie Annes wichtigste Verbündete.

_Mein Eindruck_

Ein Abschied und ein Neuanfang – das ist die Grundstruktur dieser ersten Folge der letzten ANNE-Staffel. Schon in die Hochzeit mit Gilbert mischen sich erste melancholische Zwischentöne, da gleich danach der Abschied von Annes Lieben bevorsteht. Es gibt allerdings ein paar Merkwürdigkeiten.

So fällt beispielsweise kein Wort über künftigen Kindersegen. Und bemerkenswerterweise erfahren wir von Gilberts Abschiedsschmerz rein gar nichts. Und dass eine Ehefrau selbstverständlich ihrem Gatten in dessen von ihm ausgewähltes Domizil folgt, wird auch nicht infrage gestellt. Die Frau hat sich gefälligst ins gemachte Nest zu setzen.

In Four Winds Harbor lebt Anne wieder – wie schon in Avonlea – an der Küste, und die Wechselfälle des Wetters spielen für die Handlung eine gewisse Rolle. Drei Tage Regen, und schon kommen die Gäste wesentlich seltener.

Schon in dieser ersten Folge lernen wir zwei wichtige neue Nachbarn kennen, nämlich Kapitän Jim Boyd, den wir bis zu seinem Ableben in Folge 4 innig ins Herz schließen, und die quirlige Cornelia Bryant, die in jedem Mann einen – zumindest potentiellen – Feind erblickt. Ihre Paranoia sorgt auch später für jede Menge Heiterkeit – und schließlich für eine handfeste Überraschung.

Dieses Bild ist nun recht statisch, deshalb ist es gut, dass in der nächsten Folge eine neue Bekanntschaft hinzukommt: Leslie Moore ist eine schöne junge Frau, die jedoch mit einem unter Amnesie leidenden, schwachsinnigen Mann geschlagen ist – völlig zu Unrecht, wie sich noch herausstellt!

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Hauptrolle der Anne Shirley wird von Marie Bierstedt, der deutschen Stimme von Kirsten Dunst und vielen anderen jungen Schauspielerinnen, mit Enthusiasmus und Einfühlungsvermögen gesprochen. Obwohl Bierstedt wesentlich älter ist als die zwanzigjährige Heldin, klingt ihre Stimme doch ziemlich jugendlich. Manchmal darf sie aber auch ein wenig langsamer und überlegter sprechen, besonders mit „verwandten Seelen“.

Unter den weiteren weiblichen Sprecherinnen ragen die der Marilla Cuthbert (Dagmar von Kurmin) und der Rachel Lynde (Regina Lemnitz) heraus, die Anne regelmäßig im Sommer und zu Weihnachten besucht. Regina Lemnitz ist die Inkarnation der Plaudertasche und der wandelnden Gerüchteküche. Und sie ist natürlich die beste Freundin von Marilla Cuthbert, die die Witwe in ihr Haus aufgenommen hat. Die beiden älteren Sprecherinnen sprechen die Rollen der beifälligen bzw. kritischen Mentorin ausgezeichnet.

Captain Jim Boyd wird von Hasso Zorn gesprochen. Dessen Stimme passt derart perfekt zu dieser wichtigen Figur der Geschichte, als wäre Käptn Jim extra für ihn erfunden worden. Ulrike Möckel muss hingegen mit der renitenten Cornelia Bryant einen völlig anderen Charakter darstellen. Es fällt uns nicht leicht, die misandrine Nachbarin zu mögen, obwohl sie doch zu Annes besten Freundinnen zählt.

|Geräusche|

Die Geräusche im Hintergrund sorgen für die Illusion einer zeitgenössischen Kulisse für das Jahr 1885, doch sind sie so sparsam und gezielt eingesetzt, dass sie einerseits den Dialog nicht beeinträchtigen, andererseits den Hörer nicht durch ein Übermaß verwirren. Deshalb erklingen Geräusche in der Regel stets nacheinander. Um die Epoche zu verdeutlichen, ist kein einziges Auto zu hören, sondern nur eine Kutschen.

Von der Natur aus betrachtet haben wir es in dieser Folge mit zwei grundverschiedenen Landschaften zu tun: Da ist zum einen das idyllische Avonlea, wo die Vöglein sich hörbar die gute Luft reinpfeifen und ein sanftes Lüftchen weht – wenn nicht gerade eine Krähe spottet.

An der Küste jedoch sind die Sitten rauer: Der Wind weht ständig, ihm eifern die Wellen an der Küste nach, und die Möwen haben ständig was zu meckern. Heißen ja auch alle Emma, wie der Dichter sagt. Nur gut, dass in Jims Kamin stets ein wärmendes Feuerchen prasselt.

Die Figuren äußern selbstverständlich jede Menge Arten von Gefühlsäußerungen, angefangen vom Schluchzen übers Lachen, Rufen und Keuchen. Auf diese Weise erwachen die Dialoge zu intensivem, emotionalem Leben – also genau das, was die ANNE-Hörspiele ausmacht.

|Musik|

Die Musik ist ebenfalls ziemlich romantisch, voller Streichinstrumente, Harfen und Pianos. Das Klavier wird meist für melancholische Passagen eingesetzt, und diese sind ebenso wichtig wie die heiteren. Der kontrastreiche Wechsel zwischen Heiterkeit, Drama, Rührung und Melancholie sorgt für die emotionale Faszination beim Zuhörer.

Die Musik steuert die Emotionen und untermalt die wichtigsten Szenen, kommt aber nicht ständig im Hintergrund vor. Besonders fiel mir die Variation von Heiterkeit und Rührung, von Verträumtheit und Aufbruchsstimmung auf.

Als Intro erklingt die Erkennungsmelodie der Serie: In einem flotten Upbeat-Tempo lassen Streicher, Holzbläser und ein Glockenspiel Romantik, Heiterkeit und Humor anklingen. Alle diese Elemente sind wichtige Faktoren für den Erfolg des Buches gewesen. Warum sollten sie also ausgerechnet im Hörspiel fehlen?

_Unterm Strich_

Diesmal nehmen wir von den bekannten Figuren Abschied, und was böte sich dazu besser an als Annes Hochzeit mit Gilbert? Ein Neuanfang muss gemacht werden, um dem neuen Lebensabschnitt zu entsprechen. Dieser Wechsel findet nicht nur im Wechsel der Landschaften statt, sondern auch im Kennenlernen der neuen Nachbarn.

Nach wie vor sind tiefe Gefühle das Pfund, mit dem die Inszenierung wuchert. Doch es gibt in der Vorlage – oder im „Drehbuch“ – merkwürdige Auslassungen. So fällt etwa kein Sterbenswörtchen über Annes und Gilberts Familienplanung, über Gilberts Sicht auf die Veränderung. Und schließlich verschwendet niemand auch nur einen Gedanken darauf, warum eine Ehefrau für ihre Familie ihren Rektorenberuf aufgeben sollte, um in ein fremdes Haus in einer fremden Gegend zu ziehen.

|Das Hörbuch|

Man merkt dem Hörspiel die Mühe und Liebe an, die darauf verwendet wurden. Besonderes Vergnügen hat mir die akustische Umsetzung des Buches bereitet. Hörbaren Spaß haben die Sprecher an ihren Rollen, und insbesondere die Hauptfigur ist von Marie Bierstedt ausgezeichnet gestaltet. Sie schluchzt, lacht und quasselt, das man sich wundern muss, woher diese Vielseitigkeit stammt. In den „Spider-Man“-Filmen ist Kirsten Dunst nie so vielseitig. Bierstedts Anne muss sich nicht nur durch Höhen und Tiefen des Herzens lavieren, sondern auch noch weiterentwickeln.

In dieser letzten Staffel kommen drei bemerkenswerte Figuren hinzu: der ausgezeichnet gesprochene Kapitän Jim Boyd, die Männerfeindin Cornelia Bryant und schließlich die schöne Quasi-Witwe Leslie Moore, die zu Annes und Gilberts neuem „Projekt“ wird.

|1 Audio-CD mit 72 Minuten Spielzeit
ISBN-13: 978-3-7857-4271-6|
[www.titania-medien.de]http://www.titania-medien.de
[www.luebbe-audio.de]http://www.luebbe-audio.de

M. R. James – Das unheimliche Puppenhaus (Gruselkabinett Folge 145)

Mordzeugen wider Willen

Als Mr. Dillet, ein Sammler von Antiquitäten, im Gebraucht-Waren-Laden des Ehepaars Chittenden ein viktorianisches Puppenhaus entdeckt, ist er sich sicher, dass er es haben muss. Er ahnt nicht, dass es nun mit dem Nachtschlaf für ihn und seine Frau erst einmal aus und vorbei sein wird und die Chittendens im Grunde froh sind, das unheimliche Puppenhaus losgeworden zu sein… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt sein Hörspiel ab 14 Jahren.
M. R. James – Das unheimliche Puppenhaus (Gruselkabinett Folge 145) weiterlesen

Julian Osgood Field – Der Judas-Kuss (Gruselkabinett 141)

Des Furchtlosen Ende und Markierung

Im Jahr 1900 erfährt der englische Colonel Richard Ulick Verner Rowan, genannt „Hippy“ Rowan, während seines Aufenthalts im Palast des türkischen Millionärs Djavil Pascha von einer außergewöhnlichen Vampir-Legende aus Moldawien… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.
Julian Osgood Field – Der Judas-Kuss (Gruselkabinett 141) weiterlesen

Arthur Conan Doyle & Herman Cyril McNeile – Der verschwundene Kutscher (Die geheimen Fälle des Sherlock Holmes Folge 37)

Bombige Zeiten in Dorset

Der Duke of Dorset sucht den Rat des Meisterdetektivs, denn sein Leib-Kutscher ist auf seltsame Art und Weise verschwunden. Dies ist besonders unpassend, da der Duke einen hohen aristokratischen gast aus Russland erwartet… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 12 Jahren.

Die Serie wurde mit dem „Blauen Karfunkel“ der Deutschen Sherlock Holmes-Gesellschaft ausgezeichnet.
Arthur Conan Doyle & Herman Cyril McNeile – Der verschwundene Kutscher (Die geheimen Fälle des Sherlock Holmes Folge 37) weiterlesen

Montgomery, Lucy Maud / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – Anne in Windy Poplars. Folge 15: Das zweite Jahr in Summerside

_Heiter bis wolkig: Todesfälle und Bekehrungen_

Kanada Ende des 19. Jahrhunderts. (Fortsetzung von „Anne in Kingsport“)

Folge 13: Anne Shirley tritt ihre Rektorinnen-Stelle an der Summerside Highschool an. Schnell muss sie erkennen, dass sie in dem beschaulichen Städtchen keineswegs erwünscht ist. Bereits die Suche nach einer Unterkunft gestaltet sich schwierig, denn der alles beherrschende Pringle-Clan hat sich gegen die Neue verschworen …

Folge 14: Die unverheiratete Pauline Gibson fristet ein trauriges Dasein, denn sie betreut seit vielen Jahren ihre im Rollstuhl sitzende Mutter, die eine äußerst übellaunige Person ist. In einem Anflug von Mitleid ermöglicht Anne der Tochter den Besuch einer Familienfeier, indem sie für einen ganzen Tag die Sorge für die grantige Mrs. Gibson übernimmt …

Folge 15: Anne gibt nicht auf, ihrer biestige Kollegin Katherine Brooke die Freundschaft anzutragen. Vor allem will sie hinter das Geheimnis kommen, warum sich die Lehrerin allen gegenüber so unfreundlich verhält. Ein Aufenthalt auf Green Gables könnte helfen, diesem Ziel näher zu kommen …

Pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum gibt es die Abenteuer des sympathischen Waisenmädchens Anne Shirley als Hörspiel-Serie, geeignet für die ganze Familie, gesprochen von den deutschen Stimmen vieler Hollywood-Stars.

_Die Autorin_

Lucy Maud Montgomery (1874-1942) war eine kanadische Schriftstellerin, die besonders durch ihre Jugendbücher um Anne Shirley bekannt wurde: „Anne of Green Gables“ und sechs Fortsetzungen.

Das Manuskript wurde zunächst von mehreren Verlagen abgelehnt, bevor es Montgomery gelang, es zu platzieren. 1908 war sie bereits 34 Jahre alt. Das Buch wurde zu einem Theaterstück verarbeitet, mehrmals verfilmt und in mehr als 40 Sprachen übersetzt.

Die erste Staffel: Anne auf Green Gables

Folge 1: [Die Ankunft]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4827
Folge 2: [Verwandte Seelen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4852
Folge 3: [Jede Menge Missgeschicke]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4911
Folge 4: Ein Abschied und ein Anfang

Die zweite Staffel: Anne auf Avonlea

Folge 5: [Die neue Lehrerin]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5783
Folge 6: [Ein rabenschwarzer Tag und seine Folgen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5806
Folge 7: [Eine weitere verwandte Seele]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5832
Folge 8: Das letzte Jahr als Dorfschullehrerin

Die 3. Staffel: Anne in Kingsport (Frühjahr 2009)

Folge 9: Auf dem Redmond College
Folge 10: Erste Erfolge als Schriftstellerin
Folge 11: Die jungen Damen aus Pattys Haus
Folge 12: Viele glückliche Paare

Die 4. Staffel: Anne in Windy Poplars (Herbst 2009)

Folge 13: [Die neue Rektorin]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6084
Folge 14: [Ein harter Brocken]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6085
Folge 15: Das zweite Jahr in Summerside
Folge 16: Abschied von Summerside

Die 5. Staffel („Anne in Four Winds“) erscheint im Frühjahr 2010.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Erzähler: Lutz Mackensy (Rowan Atkinson, Christopher Lloyd, Al Pacino)
Anne Shirley: Marie Bierstedt (Kirsten Dunst, Kate Beckinsale)
Gilbert Blythe: Simon Jäger (Josh Hartnett, Heath Ledger)
Und viele andere.

Regie führten Stephan Bosenius und Marc Gruppe, der auch das „Drehbuch“ schrieb. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

Nach den Sommerferien scheint sich in Summerside nichts verändert zu haben. Elizabeth Grayson wartet wie immer sehnsüchtig darauf, dass Anne sie zu einem Spaziergang abholt, und Katherine Brooke ist kratzbürstig wie eh und je. Anne nimmt sich vor, diese harte Nuss schon bald zu knacken. Deshalb schlägt sie eine Spendensammelaktion für Katherines Lieblingsprojekt, das Schultheater, vor. Doch Katherine ist nicht dazu bereit, „betteln zu gehen“, wie sie sagt. Deshalb bittet Anne den Schüler Louis Allen, ihr zu helfen. Der Junge ist hellauf begeistert, denn bei der Gelegenheit kann er gleich alte Höfe knipsen, um damit an einem Fotowettbewerb teilzunehmen, bei dem es stolze 25 Dollar zu gewinnen gibt.

|Bettler!|

Doch fast überall wird den „Bettlern“ die Tür gewiesen. Als sie schließlich noch einen allerletzten Versuch starten, zu dem Anne Louis überredet, haben sie kaum noch einen Funken Hoffnung. Doch ausgerechnet hier soll sich alles ändern. Trotz des heruntergekommenen Aussehens des pittoresken Hauses macht Louis ein Foto – klick! Da kommt ein Junge aus der Tür und stellt sich als Teddy Armstrong vor. Seit er seine Mutter vor fünf Jahren verloren habe, meide sein Vater James den Kontakt zu Menschen, aber Teddy nenne er „seinen kleinen Kameraden“. Anne und Louis sind gerührt. Als der Junge ihnen eine Apfeltasche zum Teilen gibt, die sein Vater gebacken habe, freuen sie sich.

Rebecca Dew weiß alles über den Armstrong-Hof und setzt Anne ins Bild. Als Louis drei Wochen später die Fotos von Teddy auf Windy Poplars den Witwen und Rebecca zeigt, finden diese, dass Teddy Armstrong Louis Allen ziemlich ähnlich sehe. Aber Louis wurde doch in New Brunswick geboren! Na und, genau wie James Armstrong …

|Familienähnlichkeit|

Als Anne und Louis den Armstrong-Hof wieder besuchen, um dieses Rätsel aufzuklären, erwarten sie, Teddy wiederzusehen, doch stattdessen öffnet ihnen sein Vater James. Teddy sei eine Woche zuvor an einer Lungenentzündung gestorben, sagt er. Anne und Louis sind erschüttert. Louis gibt ihm das Foto, das er seinerzeit von Teddy und seinem Hund machte, und James ist für dieses Erinnerungsstück sehr dankbar.

Dann zeigt ihm Louis ein Foto, das ihn selbst im Alter von sieben Jahren zeigt – die Ähnlichkeit mit Teddy ist unverkennbar. Louis‘ Mutter hieß Mary Gardiner und ist die Halbschwester von Mr. Armstrong, und somit ist Louis sein Neffe! Er lädt den Jungen ein, bei ihm einzuziehen. Anne ist sehr froh für den Jungen, der nun nicht mehr für seinen Unterhalt schon vor der Schule schuften muss, sondern sich auf seine Ausbildung konzentrieren kann.

|Eine Bekehrung|

Nun gilt es, die harte Nuss Katherine Brooke zu knacken. Anne besucht ihre Stellvertreterin in deren Zimmer, das in einer sehr schäbigen Gegend der Stadt liegt. Darüber wundert sich Anne, denn schließlich bekommt Katherine ja ein Gehalt gezahlt. Ihre Verwunderung wird noch gesteigert, als sie Katherines Hauswirtin begegnet, die ihr schlimme Dinge von ihrer Kollegin erzählt: wie abweisend, eigenbrötlerisch und kratzbürstig sie sei. Neulich habe Katherine um die Erlaubnis gebeten, einen Hund halten zu dürfen, und diese Erlaubnis habe die vergraulte Vermieterin verweigert. Anne gelingt es, ihre Meinung dazu zu ändern. Dann lädt sie Katherine für die Weihnachtsferien nach Green Gables ein. Sie muss all ihre Überredungskunst aufbieten, bis Katherine endlich einwilligt.

Na, das kann ja heiter, denkt sich Anne, als sie mit Katherine den Zug nach Bright River besteigt, und Katherine vorschlägt, lieber zu schweigen als dummes Zeug zu reden. Davy, einer der Zwillinge, die in Green Gables aufgenommen wurden, holt sie am Bahnhof ab. Anne staunt, wie stark er gewachsen ist, und quasselt in einem fort, weil sie sich so freut, ihre Heimat wiederzusehen. Katherine Brooke ist befremdet über die herzliche Art und Weise, wie sie selbst, eine völlige Fremde, von Marilla Cuthbert und Rachel Lynde aufgenommen wird. So etwas ist sie von zu Hause nicht gewöhnt.

Und als sie mit Anne die Gegend per Ski erkundet und die Schönheit der Natur genossen hat, fließt ihr das Herz über und sie beginnt endlich zu erzählen, was mit ihr los ist …

_Mein Eindruck_

Gingen mir die vorherigen Episoden um Elizabeth Grayson und Sophie Sinclair schon ziemlich zu Herzen, so stellt diese Folge das bisher Geschilderte an Rührseligkeit noch in den Schatten. Dass der Tod Teddy Armstrongs durch die Entdeckung aufgewogen wird, dass Louis Allen Mr. Armstrongs Neffe ist, belegt in den Augen der Autorin wohl, dass die Hand des Schicksals – auch „Gott“ genannt – stets nimmt und gibt, aber unterm Strich alles ausgewogen sei. Darüber haben Optimisten und Pessimisten seit Anbeginn der Zeit gestritten, und ich werde nicht auch noch damit anfangen. Dass Waisenkinder ein neues Zuhause finden, ist von Anfang ein Thema der Anne-Serie: Anne wurde als Waisenkind nur durch eine Verwechslung in Green Gables aufgenommen.

Ein weiterer Glaubensgrundsatz der Autorin wird in der zweiten Episode dieser Folge auf die Probe gestellt: Dass nämlich in jedem Menschen ein guter Kern steckt, der sich nach Liebe und Zuneigung sehnt wie eine Blume nach dem Sonnenlicht. Aber bei Katherine Brooke muss Anne Shirley ziemlich lange und hartnäckig die Schale knacken und nach diesem weichen Kern bohren, bis endlich Katherine von sich aus bereit ist, aus ihrem Schneckenhaus hervorzukommen (sie ist vermutlich Sternbild Krebs) und Anne ihr Herz auszuschütten.

Weil Anne zudem glaubt, dass kein Mensch verloren ist, solange er selbst nicht die Hoffnung verloren hat, hilft sie Katherine, ihren Traum zu verwirklichen, eine Ausbildung als Fremdsprachensekretärin zu erhalten und danach in das Land ihrer Sehnsucht zu reisen: in den Orient (von dem sich Ende des 19. Jahrhundert die Bewohner des Okzidents Wunderdinge erzählten, wie man an Karl Mays Reiseerzählungen über Kara Ben Nemsi leicht ablesen kann).

Harte Aufgaben liegen noch vor Anne, so etwa das Aufspüren des Rabenvaters von Elizabeth Grayson und die Verteidigung des Glücks von Sophie Sinclair gegen ihren grantigen Vater, der einiges gegen Sophies ungenehmigte Hochzeit einzuwenden hat.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Die Hauptrolle der Anne Shirley wird von Marie Bierstedt, der deutschen Stimme von Kirsten Dunst und vielen anderen jungen Schauspielerinnen, mit Enthusiasmus und Einfühlungsvermögen gesprochen. Obwohl Bierstedt wesentlich älter ist als die zwanzigjährige Heldin, klingt ihre Stimme doch ziemlich jugendlich. Manchmal darf sie aber auch ein wenig langsamer und überlegter sprechen, besonders mit „verwandten Seelen“.

Unter den weiteren weiblichen Sprecherinnen ragen die der Marilla Cuthbert (Dagmar von Kurmin) und der Rachel Lynde (Regina Lemnitz) heraus, die Anne regelmäßig im Sommer und zu Weihnachten besucht. Regina Lemnitz ist die Inkarnation der Plaudertasche und der wandelnden Gerüchteküche. Außerdem scheint ihre Rachel Lynde Vorsitzende des Dorfverschönerungsvereins zu sein und hat entsprechend viele Sorgen um die Ohren. Und sie ist natürlich die beste Freundin von Marilla Cuthbert, die die Witwe in ihr Haus aufgenommen hat.

|Geräusche|

Die Geräusche im Hintergrund sorgen für die Illusion einer zeitgenössischen Kulisse für das Jahr 1882, doch sind sie so sparsam und gezielt eingesetzt, dass sie einerseits den Dialog nicht beeinträchtigen, andererseits den Hörer nicht durch ein Übermaß verwirren. Deshalb erklingen Geräusche in der Regel stets nacheinander. Um die Epoche zu verdeutlichen, ist kein einziges Auto zu hören, sondern nur diverse Kutschen und Karren.

|Musik|

Die Musik ist ebenfalls ziemlich romantisch, voller Streichinstrumente, Harfen und Pianos. Das Klavier wird meist für melancholische Passagen eingesetzt, und diese sind ebenso wichtig wie die heiteren. Der kontrastreiche Wechsel zwischen Heiterkeit, Drama, Rührung und Melancholie sorgt für die emotionale Faszination beim Zuhörer. Die Musik steuert die Emotionen und untermalt die wichtigsten Szenen, kommt aber nicht ständig im Hintergrund vor. Besonders fiel mir die Variation von Heiterkeit und Rührung, von Verträumtheit und Aufbruchsstimmung auf.

Als Intro erklingt die Erkennungsmelodie der Serie: In einem flotten Upbeat-Tempo lassen Streicher, Holzbläser und ein Glockenspiel Romantik, Heiterkeit und Humor anklingen. Alle diese Elemente sind wichtige Faktoren für den Erfolg des Buches gewesen. Warum sollten sie also ausgerechnet im Hörspiel fehlen?

_Unterm Strich_

Per aspera ad astra – durch die Härten des Lebens zu den Sternen, so lautet auch hier wieder das Motto, das die beiden Episoden dieser Folge verbindet. Die Glaubensgrundsätze Anne Shirleys scheinen sich immer wieder zu bewahrheiten, auch wenn zuweilen etwas nachgeholfen werden muss. Nicht jeder hat eine so privilegierte Stellung wie die Rektorin der Schule, denken die Leute, doch sie setzt sich für Schüler und Gefährten ein, die das Glück im Leben nötiger haben als sie.

Denn sie hat ihr eigenes Glück ja bereits gefunden: Sie ist mit Gilbert Blythe verlobt. Mich hat – wie so manchen Hörer – verwundert, dass sie nicht sofort mit ihm zusammenzieht, um eine Familie zu gründen. Konservative Köpfe hätten so etwas sicher auch von Anne in ihrer Zeit erwartet. Doch Anne ist eben auch eine Frau einer neuen Zeit: Frauen dürfen und sollen Ende des 19. Jahrhunderts selbst arbeiten, bevor sie eine Familie gründen und dem Gatten das Zepter in die Hand geben (was sich noch herausstellen muss).

|Selbstbestimmung der Frau |

Das bedeutet, dass eine Frau ein selbstbestimmtes Selbstwertgefühl aufbauen darf, das ihr hilft, später in der Ehe – unweigerlich die Bestimmung jeder „ehrbaren“ damaligen Frau – eine eigene Position vertreten zu können, etwa in der Frage der Erziehungsweise ihrer Kinder. Außerdem erkennt sich die selbständige Frau als soziales Wesen, das Aufgaben in einer größeren Gemeinschaft als einer Familie über- und wahrnehmen kann. Wozu als Heimchen am Herd versauern, wenn man doch auch in der Gemeinde eine wichtige Rolle spielen kann? (Das erinnert uns daran, dass Anne es war, die den Dorfverschönerungsverein von Avonlea bzw. Bright River ins Leben rief.)

Eine wichtige Sache fehlt Frauen allerdings noch: das allgemeine Wahlrecht. Es ist erstaunlich, wie lange manche Frauen auf dieses Menschenrecht warten mussten. Nicht etwa nur bis 1918, wie in Großbritannien für 30-jährige Frauen der Fall (die restlichen englische Frauen mussten zehn Jahre länger warten), oder bis 1919 in Deutschland, sondern in Frankreich sogar bis nach dem II. Weltkrieg, wie ich neulich gelesen habe. Vielleicht hätten sie wie die Engländerin Emmeline Pankhurst (1858-1928) Bomben legen sollen.

|Das Hörspiel|

Man merkt dem Hörspiel die Mühe und Liebe an, die darauf verwendet wurden. Besonderes Vergnügen hat mir die akustische Umsetzung des Buches bereitet. Hörbaren Spaß haben die Sprecher an ihren Rollen, und insbesondere die Hauptfigur ist von Marie Bierstedt ausgezeichnet gestaltet. Sie schluchzt, lacht, schmollt, flüstert und quasselt, das man sich wundern muss, woher diese Vielseitigkeit stammt. In den Spider-Man-Filmen ist Kirsten Dunst nie so vielseitig. Bierstedts Anne muss sich nicht nur durch Höhen und Tiefen des Herzens lavieren, sondern auch noch weiterentwickeln.

|59 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-4140-5|
http://www.titania-medien.de
http://www.wellenreiter.la
http://www.luebbe-audio.de

Robert E. Howard – Der Grabhügel (Gruselkabinett Folge 60)

Vampir-Horror in Texas: Der Fluch der Alten Welt

West-Texas 1936: Der Farmer Steve Brill beschließt, den auf seinem Land befindlichen Grabhügel gegen den ausdrücklichen Rat seines Nachbarn Juan Lopez zu öffnen. Angeblich soll es eine unheimliche Bewandtnis mit dem merkwürdigen Erdhaufen haben. Der Farmer jedoch glaubt nicht an Geister, Flüche und Dämonen und rammt daher beherzt den Spaten in den Boden … (Verlagsinfo)
Robert E. Howard – Der Grabhügel (Gruselkabinett Folge 60) weiterlesen

Hans Christian Andersen – Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern (Titania Special 12)

Das seltsame Schicksal der Spielzeuge

An einem eiskalten Silvesterabend versucht ein kleines Mädchen verzweifelt, Schwefelhölzer zu verkaufen, aber niemand kauft ihm etwas ab. Um sich in der schneereichen Nacht etwas zu wärmen, entzündet es ein Schwefelholz nach dem anderen, denn dadurch erscheint ihm jedes Mal die verstorbene Großmutter und erzählt ihm Märchen vom Schneemann, dem standhaften Zinnsoldaten und dem Tannenbaum… (Verlagsinfo)

Der Autor

Hans Christian Andersen – Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern (Titania Special 12) weiterlesen

Montgomery, Lucy Maud / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – Anne in Windy Poplars. Folge 14: Ein harter Brocken

_Schauermärchen und andere alte Hüte_

Kanada Ende des 19. Jahrhunderts. (Fortsetzung von „Anne in Kingsport“)

Folge 13: Anne Shirley tritt ihre Rektorinnen-Stelle an der Summerside Highschool an. Schnell muss sie erkennen, dass sie in dem beschaulichen Städtchen keineswegs erwünscht ist. Bereits die Suche nach einer Unterkunft gestaltet sich schwierig, denn der alles beherrschende Pringle-Clan hat sich gegen die Neue verschworen …

Folge 14: Die unverheiratete Pauline Gibson fristet ein trauriges Dasein, denn sie betreut seit vielen Jahren ihre im Rollstuhl sitzende Mutter, die eine äußerst übellaunige Person ist. In einem Anflug von Mitleid ermöglicht Anne der Tochter den Besuch einer Familienfeier, indem sie für einen ganzen Tag die Sorge für die grantige Mrs. Gibson übernimmt …

Pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum gibt es die Abenteuer des sympathischen Waisenmädchens Anne Shirley als Hörspiel-Serie, geeignet für die ganze Familie, gesprochen von den deutschen Stimmen vieler Hollywood-Stars.

_Die Autorin_

Lucy Maud Montgomery (1874-1942) war eine kanadische Schriftstellerin, die besonders durch ihre Jugendbücher um Anne Shirley bekannt wurde: „Anne of Green Gables“ und sechs Fortsetzungen.

Das Manuskript wurde zunächst von mehreren Verlagen abgelehnt, bevor es Montgomery gelang, es zu platzieren. 1908 war sie bereits 34 Jahre alt. Das Buch wurde zu einem Theaterstück verarbeitet, mehrmals verfilmt und in mehr als 40 Sprachen übersetzt.

Die erste Staffel: Anne auf Green Gables

Folge 1: [Die Ankunft]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4827
Folge 2: [Verwandte Seelen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4852
Folge 3: [Jede Menge Missgeschicke]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4911
Folge 4: Ein Abschied und ein Anfang

Die zweite Staffel: Anne auf Avonlea

Folge 5: [Die neue Lehrerin]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5783
Folge 6: [Ein rabenschwarzer Tag und seine Folgen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5806
Folge 7: [Eine weitere verwandte Seele]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5832
Folge 8: Das letzte Jahr als Dorfschullehrerin

Die 3. Staffel: Anne in Kingsport (Frühjahr 2009)

Folge 9: Auf dem Redmond College
Folge 10: Erste Erfolge als Schriftstellerin
Folge 11: Die jungen Damen aus Pattys Haus
Folge 12: Viele glückliche Paare

Die 4. Staffel: Anne in Windy Poplars (Herbst 2009)

Folge 13: [Die neue Rektorin]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6084
Folge 14: Ein harter Brocken
Folge 15: Das zweite Jahr in Summerside
Folge 16: Abschied von Summerside

Die 5. Staffel („Anne in Four Winds“) erscheint im Frühjahr 2010.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Erzähler: Lutz Mackensy (Rowan Atkinson, Christopher Lloyd, Al Pacino)
Anne Shirley: Marie Bierstedt (Kirsten Dunst, Kate Beckinsale)
Und andere.

Regie führten Stephan Bosenius und Marc Gruppe, der auch das „Drehbuch“ schrieb. Die Illustration stammt von Firuz Akin.

_Handlung_

Nachdem sie in den Weihnachtsferien ihren Verlobten Gilbert und ihre Lieben auf Green Gables wiedergesehen hat, kehrt Anne nach Windy Poplars zurück. Sie schweigt eisern auf Fragen, wie es ihr nur gelang, die Pringles zu bezwingen. Da fällt ihr ein, dass Mrs. Campbell im Nachbarhaus ja mit den Pringles verwandt ist. Sie versucht ihr Glück und erreicht, dass Elizabeth Grayson, deren Urenkelin, mit ihr zum Hafen spazieren gehen darf. Das Mädchen zeigt auf die vorgelagerte Insel Flying Cloud, die einem reichen Bostoner gehört, wo aber alle ihre Phantasien spielen. Anne verspricht ihr im Sommer eine Bootstour zur Insel.

Im Februar hat Anne erstmals das zweifelhafte Vergnügen, Sophie Sinclairs Vater Cyrus kennenzulernen. Ihr Kollege George McKay möchte nämlich um die Hand von Sophies Schwester Esmé anhalten. Doch Cyrus Sinclair ist solch ein bockiger Schmollkopf, dass George seine Felle davonschwimmen sieht. Anne muss helfen! Bei einem Abendessen von denkwürdiger Unangenehmheit greift sie deshalb zu einer List und bricht so das Eis. Georges Antrag wird akzeptiert. Anne schafft es auch, dass Elizabeth sie in Windy Poplars besuchen darf.

Im April besucht Anne die alte Mrs. Gibson, deren Tochter Pauline trotz ihrer 45 Jahre immer noch unverheiratet ist. Diese Tatsache ist ein Affront für Annes Weltanschauung, dass jedes menschliche Wesen einen Gefährten braucht. Tatsächlich ist Paulines Mutter ein wahrer Hausdrache, der es raffiniert versteht, durch Wecken eines schlechten Gewissens ein Regime des Pychoterrors auszuüben. Als Pauline den Wunsch äußert, die Silberhochzeit einer Freundin zu besuchen, deren Brautjungfer sie einst war, stellt sich die Alte sofort dagegen. Nur Annes Angebot, für Pauline einen Tag lang einzuspringen, kann das arme Kind loseisen. Dies wird ein denkwürdiger Tag für Anne und besonders für Mrs. Gibson …

Überraschend erhält Anne eine Einladung von den beiden Oberhäuptern des Pringle-Clans. Maplehurst ist ein stattliches, geradezu schlossartiges Anwesen, das deren Vater Abraham erbaute. Doch von den beiden Schwestern ist nur Sarah, die Anne vor Weihnachten in Windy Poplars besuchte, zugegen. Sie zeigt ihr das „Schloss“. Schon wenig später rieselt es Anne schaudernd den Rücken hinunter, als Sarah erzählt, dass auf dem Haus ein Fluch liege und seit dem Tag seiner Einweihung Menschen ihr Leben darin gelassen hätten. Auch Gespenster gingen hier um, erzählt Sarah genüsslich.

Als Anne das Zimmer von Tante Arabella zugewiesen bekommt – man lässt sie nicht weg -, freut sie sich zu früh auf eine geruhsame Nacht. Tante Arabella habe sich im Wandschrank erhängt, berichtet Sarah, und gehe seitdem um. Na, das kann ja heiter werden, denkt Anne und bereitet sich auf eine unruhige Nacht vor …

_Mein Eindruck_

Wieder werden hier spätere Episoden vorbereitet. Der Handlungsstrang um Elizabeth Grayson wird weitergeführt, und es wird für das kleine Mädchen zunehmend besser. Doch der eigentliche Höhepunkt bleibt hier aus. Kenner ahnen aber, dass für Elizabeth nur ein Happyend infrage kommt. Ebenso für George McKay, der es mit dem Vater seiner Angebeteten aufnehmen muss. Auch Anne ist Cyrus Sinclair ein Dorn im Auge. Obwohl sie die erste Runde im Clinch mit ihm gewinnt, heißt das nicht, dass er klein beigibt. In Folge 16 bildet er noch einmal eine ganze harte Nuss.

Zentrale Sequenz dieser Folge ist Annes Aufenthalt bei Mrs. Gibson, den ich allerdings überhaupt nicht lustig fand. Wahrscheinlich muss man viel Nachsicht für den alten Drachen mitbringen, um Mrs. Gibsons Tyrannei auch Anne gegenüber ertragen zu können. Wenigstens hat Anne bei Pauline Gibson Erfolg auf der ganzen Linie, denn die hat nicht nur einen wunderschönen Tag verbracht, sondern ist Anne auch ewig dafür dankbar.

Die Autorin hat sicherlich ihren Nathaniel Hawthorne aus dem Effeff gekannt, so etwa „Das Haus mit den siebel Giebeln“ oder „Rappacinis Tochter“, Schauererzählungen der unheimlichen Art. Dass Neuengland dafür geradezu prädestiniert ist, zeigten nach Hawthorne auch Poe und Lovecraft sowie deren Brüder im Geiste (die Literaturhistoriker kennen bemerkenswert wenig Schwestern im Geiste).

Wie sonst hätte sie auf die Idee verfallen können, aus Maplehurst ein Spukschloss machen zu wollen? Aber wenn man die Idee hinter jeglicher Art von Schauerliteratur seit deren Erfindung im Jahr 1764 kennt, dann erscheint diese Gruselepisode durchaus folgerichtig. Sarah Pringle spricht von einem Fluch, der auf dem Anwesen und der Familie liege. Wenn man weiß, was ihr Onkel Myron angestellt hat (siehe Folge 13), dann kommt uns dieser Fluch ziemlich verdient vor. Denn ansonsten werden hier keinerlei Gründe genannt, woher der Fluch rühren sollte. Der Zimmermann, der das Haus baute, mag den Fluch ausgesprochen haben, doch aus welchem Grund, erfahren wir nicht.

Durch die massive Häufung der aufgezählten Todesfälle versucht Sarah Pringle vermutlich so etwas wie Supergrusel in Anne zu erzeugen, doch wir kringeln uns bereits vor Lachen, ebenso wie später die Tanten auf Windy Poplars. Aus dem Grusel wird im Handumdrehen eine Parodie auf alle Schauermärchen, und das ist der Sinn und Zwecke dieser Szene. Anne schläft denn auch friedlich im Bettchen eines Gespenstes. Die Ablehnung der Faszination von Gruselgeschichten ist die Absage der Autorin an alle Auswüchse der Schauerromantik, wie sie seit Bram Stokers Superseller „Dracula“ wieder auflebte.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Die Hauptrolle der Anne Shirley wird von Marie Bierstedt, der deutschen Stimme von Kirsten Dunst und vielen anderen jungen Schauspielerinnen, mit Enthusiasmus und Einfühlungsvermögen gesprochen. Obwohl Bierstedt wesentlich älter ist als die zwanzigjährige Heldin, klingt ihre Stimme doch ziemlich jugendlich. Manchmal darf sie aber auch ein wenig langsamer und überlegter sprechen, besonders mit „verwandten Seelen“.

Unter den weiteren weiblichen Sprecherinnen ragen die der Marilla Cuthbert (Dagmar von Kurmin) und der Rachel Lynde (Regina Lemnitz) heraus, die Anne regelmäßig im Sommer und zu Weihnachten besucht. Regina Lemnitz ist die Inkarnation der Plaudertasche und der wandelnden Gerüchteküche. Außerdem scheint ihre Rachel Lynde Vorsitzende des Dorfverschönerungsvereins zu sein und hat entsprechend viele Sorgen um die Ohren. Und sie ist natürlich die beste Freundin von Marilla Cuthbert, die die Witwe in ihr Haus aufgenommen hat.

|Geräusche|

Die Geräusche im Hintergrund sorgen für die Illusion einer zeitgenössischen Kulisse für das Jahr 1882, doch sind sie so sparsam und gezielt eingesetzt, dass sie einerseits den Dialog nicht beeinträchtigen, andererseits den Hörer nicht durch ein Übermaß verwirren. Deshalb erklingen Geräusche in der Regel stets nacheinander. Um die Epoche zu verdeutlichen, ist natürlich kein einziges Auto zu hören, sondern nur diverse Kutschen und Karren.

|Musik|

Die Musik ist ebenfalls ziemlich romantisch, voller Streichinstrumente, Harfen und Pianos. Das Klavier wird meist für melancholische Passagen eingesetzt, und diese sind ebenso wichtig wie die heiteren. Der kontrastreiche Wechsel zwischen Heiterkeit, Drama, Rührung und Melancholie sorgt für die emotionale Faszination beim Zuhörer. Die Musik steuert die Emotionen und untermalt die wichtigsten Szenen, kommt aber nicht ständig im Hintergrund vor. Besonders fiel mir die Variation von Heiterkeit und Rührung, von Verträumtheit und Aufbruchsstimmung auf.

Als Intro erklingt die Erkennungsmelodie der Serie: In einem flotten Upbeat-Tempo lassen Streicher, Holzbläser und ein Glockenspiel Romantik, Heiterkeit und Humor anklingen. Alle diese Elemente sind wichtige Faktoren für den Erfolg des Buches gewesen. Warum sollten sie also ausgerechnet im Hörspiel fehlen?

_Unterm Strich_

Zentrale Sequenz dieser Folge ist Annes Aufenthalt bei Mrs. Gibson, den ich allerdings überhaupt nicht lustig fand. Wahrscheinlich muss man viel Nachsicht für den alten Drachen mitbringen, um Mrs. Gibsons Tyrannei auch Anne gegenüber ertragen zu können. Viel lustiger fand ich die zweite längere Sequenz, die in Annes Besuch auf dem „Spukschloss“ der Pringles besteht. Hier zieht die Autorin den Hochmut des neuenglischen „Hochadels“ durch den Kakao: Die haben alle ihre Leichen im Keller, und was für viele, scheint sie zu sagen. Durch die Parodierung von Hawthornes Schauromantik kritisiert die Autorin auch modische Gruselstorys. So etwas könnten wir heute wieder gut gebrauchen.

|Das Hörspiel|

Man merkt dem Hörspiel die Mühe und Liebe an, die darauf verwendet wurden. Besonderes Vergnügen hat mir die akustische Umsetzung des Buches bereitet. Hörbaren Spaß haben die Sprecher an ihren Rollen, und insbesondere die Hauptfigur ist von Marie Bierstedt ausgezeichnet gestaltet. Sie schluchzt, lacht, schmollt, flüstert und quasselt, dass man sich wundern muss, woher diese Vielseitigkeit stammt. In den Spider-Man-Filmen ist Kirsten Dunst nie so vielseitig. Bierstedts Anne muss sich nicht nur durch Höhen und Tiefen des Herzens lavieren, sondern auch noch weiterentwickeln.

|67 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-4139-9|
http://www.titania-medien.de
http://www.wellenreiter.la
http://www.luebbe-audio.de

Bassewitz, Gerdt von / Gruppe, Marc – Peterchens Mondfahrt

_Magisches Hörspiel: Märchenhafte Mondfahrt_

Der tapsige Maikäfer Sumsemann gehört zu einer schwer vom Schicksal geplagten Sippe, die vor Generationen ihr sechstes Beinchen eingebüßt hat. Unterstützt durch die Geschwister Anneliese und Peterchen, denen er in einer magischen Vollmondnacht flugs das Fliegen beibringt, will er es nun todesmutig vom Mond zurückholen. Ein großes Abenteuer im nächtlichen Himmel steht den dreien bevor. Denn sie treffen auf den Sandmann, die Nachtfee und ihre Freunde und schließlich auf den bösen Mondmann … (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Gerdt von Bassewitz, der Autor von „Peterchens Mondfahrt“ (1878 – 1923), schrieb viele Dramen, die zu seinen Lebzeiten auch aufgeführt wurden. Trotzdem blieb die Person Gerdt Bernhard von Bassewitz-Hohenluckow unbekannt. Als Sohn eines preußischen Beamten, aus mecklenburgischem Uradel stammend, war er Leutnant der preußischen Landwehr, Schauspieler, Direktionsassistent am Kölner Stadttheater und zuletzt freier Schriftsteller in Berlin. Seine dramatischen Arbeiten waren bald vergessen, erfolgreich war und blieb dagegen sein Kinderbuch „Peterchens Mondfahrt“, das seit seinem Erscheinen Kinderherzen zu erfreuen und zu fesseln vermag. (Quelle: Projekt Gutenberg)

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher und ihre Rollen:|

Joachim Pukaß: Erzähler
Albert Werner: Peterchen
Marie Hinze: Anneliese
Axel Malzacher: Herr Sumsemann
Engelbert von Nordhausen: Sandmann
Peter Reinhardt: Der große Bär
Tobias Nath: Morgenstern
Melanie Hinze: Abendstern
Katja Nottke: Nachtfee
Uli Krohm: Donnermann
Philine Peters-Arnolds: Windliese
Monica Bielenstein: Blitzhexe
Uwe Büschken: Regenfritz
Jürgen Thormann: Eismax
Astrid Bless: Sonne
Hasso Zorn: Mondmann
Sternkinder: Emily Hinze, Lene Bierstedt, Vincent Fantino, Amanda Seidenstücker.
Und der Sternkinder-Chor.

Regie führte Marc Gruppe.

_Handlung_

Die Kapitel des Originals tragen folgende Überschriften:

Die Geschichte der Sumsemanns
In der Kinderstube
Der Flug nach der Sternenwiese
Die Sternenwiese
Die Schlittenfahrt auf der Milchstraße
Das Schloss der Nachtfee
Die Ankunft der Kinder im Schloss der Nachtfee
Der Ritt auf dem großen Bären
Die Weihnachtswiese
Das Osternest
Die Mondkanone
Der Kampf mit dem Mondmann
Das Beinchen
Wieder daheim

Um das Jahr 1900 herum versuchen Peterchen und seine Schwester Anneliese zu schlafen, doch ein Käfer ist in ihr Schlafzimmer geflogen. Sein Brummen stört sie, und Anneliese vertreibt ihn. Als der Mond aufgeht, träumt sie, der Käfer sei noch da und werde, wie der Mond, immer größer. Weil das Fenster zu ist, kann er nicht hinaus und fällt auf den Rücken. Sein Ächzen und Stöhnen weckt die Kinder. Doch sie beruhigen den ängstlichen Käfer, der sich bald als Sumsemann vorstellt. Sobald sie ihn umgedreht haben, erzählt er ihnen die Geschichte, warum die Sumsemänner ihr sechstes Bein verloren haben.

Das sechste Bein befindet sich auf dem Mond, seit vor 500 Jahren ein Vorfahr durch den Sommerwald flog. Als er ein Nickerchen hielt, kam ein Mann mit einer Axt und fällte seinen Schlafbaum – und hieb dabei sein sechstes Beinchen ab. Darob wurde der Großvater ohnmächtig. Er erwachte im Licht der Nachtfee, die ihm sagte, dass der Holzdieb zur Strafe für seinen Frevel auf den höchsten Mondberg verbannt worden sei. Weil der Großvater über sein verlorenes Bein jammerte, versprach sie ihm, dass dereinst ein Nachfahre das Beinchen zurückbekäme, sollte es ihm gelingen, zwei gute Kinder zu finden, die nie ein Tier gequält hätten und mutig genug wären, die Reise zum Mond anzutreten. Bislang ist es den Sumsemännern nicht gelungen, zwei solche Kinder zu finden.

Anneliese und Peterchen versprechen, dem Sumsemann zu helfen. Sobald er mit Jubeln fertig ist, fällt ihm ein, dass sie sofort los müssen, um bis vor Sonnenaufgang wieder zurück sein zu können. Und ihren Einwand, dass sie nicht fliegen können, zerstreut er mit einem Zauberspruch. Als sie alle unisono den Zauberspruch singen, fliegen sie los, zunächst zur Sternwiese.

|Sternwiese|

Auf der Sternwiese unterrichtet der Sandmann die Sternkinder, so dass sie lernen, „Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen“ zu singen. Er bringt ihnen bei, die Beobachter und Beschützer der Menschenkinder zu sein. Was sie beobachten, wird in das Goldene Buch geschrieben, das der Sandmann verwaltet: das Sündenregister. Dieses holt der Nikolaus einmal im Jahr ab, um entscheiden zu können, welches Kind er belohnen und welches er (oder in manchen Gegenden Knecht Ruprecht) mit seiner Rute bestrafen soll. Und zur Abendstunde muss der Sandmann den Kindern der Welt Zauberschlafsand in die Augen streuen, damit sie einschlafen und träumen können. Doch diesmal haben die Sternkinder das Sandsäckchen stibitzt und versteckt …

Durch sein Fernrohr erspäht der Sandmann drei Flugobjekte: Es sind ein Sumsemann und zwei Menschenkinder. Unerhört! Alle verstecken sich, bis die Sternkinder die Neuankömmlinge überraschen können. Dann erst zeigt sich der gestrenge Sandmann, der dem armen Sumsemann einen gehörigen Schrecken einjagt, als er ihm mit einer Sternrakete droht. Der Sumsemann erklärt denn auch eilig sein Anliegen und sein Vorhaben. Der Sandmann kennt das Schicksal der armen Sumsemänner, aber auch die Bedingungen für die Aufhebung des Banns, der auf ihnen liegt. Erfüllen die zwei Kinder diese Bedingungen, hm?

|Das Schloss der Nachtfee|

Nach bestandener Prüfung freuen sich die Kinder und ihr Freund, doch der Sandmann mahnt, dass sie einen Plan brauchen, um gegen den Mondmann bestehen zu können. Hoffentlich hat die Nachtfee eine gute Idee dafür, da sie sehr mächtig ist und über die Naturgeister gebietet. Der Sandmann kommt mit einem Säckchen Traumstaub mit und begleitet sie im Schlitten, der vom Großen Bären gezogen wird.

In ihrem Palast flankieren der Abend- und der Morgenstern die Nachtfee auf ihrem Thron. Die Glocke schlägt bereits Mitternacht: Zeit für die Audienz. Zuerst trifft der Donnermann mit lautem Getöse ein. Den beiden Sternen wird fast schlecht ob des Krachs. Und dann kommt auch noch Sturm auf: Die Windliese ist da. Die Blitzhexe verbreitet zu allem Überfluss noch Schwefelgestank, der die Nachtfee zum Husten bringt. Als der Regenfritz und sein Kollege, der coole Eismax, eintreffen, wird es merklich kühler, doch die Sonne wärmt alle zum Glück wieder auf. Alle freuen sich auf das Himmelsfest, doch ein Gast fehlt noch: der Sandmann!

Sie wollen ihn gerade wecken, als er auch schon auf seinem Schlitten eintrifft – mit drei weiteren Gästen. Alle stellen einander vor, und der Sandmann erklärt Sumsemanns Anliegen. Die Nachtfee bittet die Naturgeister um Beistand im Kampf gegen den bösen Mondmann, denn heute sei die Nacht, um den schrecklichen Fluch, der auf den Sumsemännern liegt, endlich aufzuheben. Die Naturgeister erklären ihre Bereitschaft zu helfen, und der Abendstern holt die große Mondkanone hervor: Mit diesem einzigen Mittel, den Erdtrabanten zu erreichen, werden die Kinder auf den Mond geschossen!

|Der Kampf mit dem Mondmann|

Sie landen in einer Kraterlandschaft, die ebenso unheimlich ist wie der Holzfäller. Auf der Suche nach dem sechsten Bein des Sumsemann sehen sie es an einem Baum hängen. Doch es befindet sich zu hoch oben und steckt in einer Astgabel fest. Als der Mondmann auftaucht, fällt Sumsemann mal wieder vor Angst in Ohnmacht. Die Kinder verhandeln mit dem Holzfäller, doch er stellt sich als Betrüger, Lügner und obendrein als Dieb heraus: Er klaut Annelieses Teddybär! Aber das Beinchen gibt er nicht her.

Da rufen die zwei Kinder die Naturgeister herbei, denn der Mondmann hat es nicht besser verdient. Doch die Naturgeister können nichts gegen den Herrscher des Mondes ausrichten, und die Sonne macht ihn zornig. Da fällt den Kindern eine wunderbare List ein – wozu haben sie denn ein Säckchen Traumsand dabei?

_Mein Eindruck_

Die Geschichte illustriert wieder einmal, dass auch große Heldentaten gelingen können, wenn man überhaupt kein Held ist. Herr Sumsemann ist im Gegenteil der ängstlichste Held der Fantasygeschichte, denn er fällt schon beim geringsten Anzeichen einer Gefahr oder Drohung in Ohnmacht. Die Kinder brauchen jedoch schon ein wenig Mut, um ihm zu helfen. Was sie aber vor allem brauchen, ist der Beistand der Nachtfee und der Naturgeister. Als auch dies nichts gegen den Mondmann fruchtet, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ihren Verstand zu benutzen. War ja auch höchste Zeit!

Was das Märchenstück so lange überdauern lässt, während alle anderen Werke des Autors vergessen sind, dürfte wohl das Personal der Geschichte sein. Den Sandmann kennen wir Deutschen immer noch, denn zumindest in Ostdeutschland kam das Sandmännchen allabendlich in die Stube der TV-Zuschauer, und im Westen konnte man es noch vor ein bis zwei Generationen ebenfalls sehen. Dass der Nikolaus die Guten belohnt und die nicht so Braven bestraft, ist auch heute noch weitverbreiteter Glaube, auch wenn der Ami-Import Santa Claus offenbar nur die Aufgabe hat, Geschenke zu verteilen und sonst nichts. Saures scheint es ausschließlich zu Halloween zu geben. Das war früher mal anders, und in einer Gegend wie Posen in Polen tritt bis heute auch Knecht Ruprecht auf.

Die Verkörperungen der Naturgeister sind einzigartig. Wer hätte schon vom Regenfritz, dem Eismax und der Windliese gehört? Die Blitzhexe hingegen entspringt altem keltischem Glauben, der sich in Lord Dunsanys wundervoller irischer Fantasy „Die Königstochter aus Elfenland“ (1924) wiederfindet. Dort sammelt die Blitzhexe auf der einsamen Heide nach einem Gewitter die Donnerkeile, um sie für ihre Zauber zu verwenden. Der Held Alveric lässt aus dem Himmelseisen (= Meteoreisen) ein Zauberschwert schmieden. Und von Zeus, dem Donnerer, konnten schon die alten Griechen ein Lied singen.

Recht interessant in diesem Pantheon ist auch der Mondmann. Wer hätte schon je davon gehört, dass sich der Mann im Mond als Waldfrevler und Umweltsünder betätigt? Er hat zwar auch in Tolkiens Kindermärchen [„Roverandom“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1418 (1927-1998) keinen besonders guten Ruf, aber hier stellt er sich zudem als Lügner, Betrüger und sogar als Dieb vor. Zum Glück zeigt er sich aber als empfänglich für den Traumstaub des Sandmanns und lässt sich so überwältigen. Es geht doch nichts über einen guten, wirkungsvollen Traum.

Dass die Sumsemänner unter einem Fluch leiden, ist ein klassisches Fantasymotiv: Etwas ist falsch in der Welt und muss wieder berichtigt werden, damit das Gute siegt. Dazu braucht man üblicherweise Helden. Leider ist Sumsemann der denkbar Ungeeignetste für diese Herkulesaufgabe, und so findet die Geschichte ihren Ausgangspunkt bei zwei guten Menschenkindern. Womit mal wieder bewiesen wäre, dass es sich lohnt, gut zu sein, wenn dadurch die Welt geheilt werden kann. Leider ist mit dem Gutsein so eine Sache: Nur die Klügsten erkennen, was gut ist, und nur die Mutigsten wagen, für das Gute zu kämpfen. Aber wozu gibt es denn Gefährten? Es müssen ja nicht gleich neun sein wie in Tolkiens [„Herr der Ringe“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5487 – ein halbes Dutzend Naturgeister reichen vielleicht schon.

|Das Booklet|

Das Beiheft ist ein einfacher, vierseitiger Einleger, auf dessen Außenseiter das Titelbild und die Credits abgedruckt sind, und dessen Innenseiten Werbung für die komplette 20-teilige [Anne-Hörspielreihe]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6084 machen. Dies wird im Frühjahr 2010 mit „Anne in Four Winds“ abgeschlossen. Wer das Titelbild, das Firuz Akin malte, ganz genau anschaut, der wird entdecken, dass der Maikäfer Sumsemann, der es sich Herrn Sandmanns Schoß bequem gemacht hat, tatsächlich nur fünf Beine aufweist.

_Die Inszenierung_

Da es sich um eine recht dramatische Handlung dreht, deklamieren fast alle Sprecher entsprechend wie auf einer Theaterbühne. Das gilt besonders für die „Erwachsenen“, also sämtliche Naturgeister. Sie lachen auch mal irre, wie etwa die Blitzhexe, oder drohen böse, wie etwa der Sandmann. Der Eismax hingegen ist recht leutselig und scheint ein netter Kerl zu sein. Die anderen, wie etwa der Donnermax oder die Sturmliese, spielen sich regelrecht auf. Kein Wunder, dass die Nachtfee und ihre zwei Begleitsterne nicht sonderlich angetan von ihnen sind. Die Erwachsenen kommentieren einander also selbst. Das ist wichtig für ihre Bewertung.

Dieses theatralische Auftreten steht in Kontrast zu den Sprechweisen der Kinder, Sternkinder und Sumsemann. Der Maikäfer ist zwar auch ein „Erwachsener“, aber so ängstlich, dass er schon wieder kindlich erscheint. Und die Sternkinder haben die Lizenz, sich entsprechend kindlich zu benehmen, indem sie beispielsweise den Staubsack des Sandmanns verstecken und ständig kichern.

Lieder und Gedichte und Reime spielen eine wichtige Rolle im Text. So verhilft etwa erst ein Zauberspruch den beiden Kindern zum Fliegen. Auch die Naturgeister reimen hin und wieder, so etwa die Blitzhexe. Auf diese Weise betonen sie ihre Nähe zum alten Naturglauben, der sich noch versteckt in den Urfassungen – also nicht in der verwässerten und zensierten Kinderbüchern des 19. Jahrhunderts – der [Grimmschen Märchen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3456 findet. Die Walpurgisnacht ist ein blasser Abglanz von diesem alten Naturgeisterglauben, und Goethe konnte sie noch für seinen „Faust“ verarbeiten (obwohl sie in manchen Ausgaben unterdrückt wird).

|Geräusche|

Dass die Naturgeister sich hauptsächlich durch die Geräusche der Naturerscheinungen bemerkbar machen müssen, versteht sich von selbst. Deshalb grollt der Donner, krachen die Blitze, braust der Sturm, plätschert der Regen und heult der Eiswind des Eismax. Sie tun dies nicht bloß einmal, um ihren Auftritt eindrucksvoll zu gestalten, sondern noch ein zweites Mal, um den Mondmann zu beeindrucken (mit dem bekannten Nulleffekt). Manche Naturgeister wie die Sonne kann jedoch nur die Musik evozieren. Glocken verraten dem jungen Hörer, dass die Zeit wie im Fluge vergeht und schließlich knapp wird.

|Musik|

Die Musik ist neben den Geräuschen und Dialogen das dritte unentbehrliche Element, um das Stück zum Leben zu erwecken. Denn wie sonst könnte man die Sonne, den Sandmann und all die dramatischen Situationen verdeutlichen, wenn nicht durch entsprechende musikalische Untermalung? Die Sonne geht mit majestätischen Kadenzen auf, Bläser kommentieren das aufbrausende Wesen des Donnermanns.

Romantische Rhythmen malen die verzauberte Atmosphäre des magischen Palastes der Nachtfee, und ein Tänzchen hin und wieder verdeutlicht, dass es Grund zum Fröhlichsein gibt. Das Intro und den Ausklang bestreiten ebenfalls Musikstücke, die heitere und romantische Melodien erklingen lassen.

Die Musik entführt den jungen Zuhörer – man kann das Stück bereits ab vier oder fünf Jahren empfehlen – in eine magische Welt.

_Unterm Strich_

Wie ein Vergleich mit den Kapiteln der Urfassung ergibt, fehlen dieser Vertonung der Bühnenfassung drei Kapitel: Der Ritt auf dem großen Bären; Die Weihnachtswiese; Das Osternest. Das macht aber nichts, denn diese Kapitel tragen wenig zur spannenden Handlung bei, die auf dem Mond endlich ihr Finale erreichen soll. Bestimmt sind alle kleinen Zuhörer schon darauf gespannt, ob es den Kindern gelingt, der Geschichte eine Wendung zum Guten zu geben. Es ist eine Geschichte über die Hilfe von Freunden, um einen Missstand zu beheben, der hier als Fluch präsentiert wird. Ein Mangel wird behoben und ein Unrecht beendet.

|Das Hörspiel|

Einem Erwachsenen wäre die Darbietung der Dialoge und der meisten Figuren wohl zu theatralisch und übertrieben. Jedenfalls hat dies nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Das soll es aber auch gar nicht, sondern den Kindern eine Fantasy von Anfang bis Ende bieten. Es ist von vornherein nicht sicher, ob die Geschichte nicht bloß von Peterchen und Anneliese geträumt wird. Der Schluss dieser Fassung zeigt die Kinder als Gäste beim großen Himmelsfest, wo man sie hochleben lässt. Der Traum hat also kein Ende, wie das so oft vorkommt. Vielleicht wurde hier aber auch einfach gekürzt.

Die Geräuschkulisse ist ebenso eindrucksvoll wie die musikalische Untermalung vieler Szenen. In den Pausen signalisiert die Musik einen Übergang zu einer anderen Szene, und am Anfang und Ende rahmt die Musik die Geschichte entsprechend ein. Dabei beeinträchtigen Geräusche und Musik aber nie die Dialoge, die dadurch stets verständlich bleiben.

Ich selbst fand das Hörspiel zwar sehr gelungen, aber am Stück unheimlich lang geraten. Es hätte sich angeboten, das Stück auf zwei Hälften zu verteilen. Nach der Szene im Palast der Nachtfee hätte man dann natürlich eine Zäsur gehabt und die zweite Hälfte mit dem Finale länger machen müssen. Allerdings zöge eine Verteilung auf zwei CDs auch einen höheren Preis nach sich, und dies wollte der Hersteller offenbar nicht riskieren. Wir wünschen uns daher eine Special Extended Version mit dem Director’s Cut!

|86 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-4145-0|
http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de