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H.P. Lovecraft – Herbert West, der Wieder-Erwecker (Gruselkabinett Folge 150)

Die Rache der Untoten

Arkham 1904: Zwei Studenten der medizinischen Fakultät der Miskatonic University wagen sich trotz eines ausdrücklichen Verbotes an höchst umstrittene Forschungsarbeiten: Sie wollen mit einer Injektion chemischer Flüssigkeiten kürzlich Verstorbene ins Leben zurückholen. Doch die Toten zeigen eine ganz unerwartete Reaktion auf ihre Wiedererweckung… (Verlagsinfo)
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Ambrose Bierce – Das Auge des Panthers (Gruselkabinett Folge 157)

In Liebe mit einem Werpanther

USA, 1890: Der Anwalt Jenner Brading ist einigermaßen überrascht, dass Irene Marlowe, die ihn zweifellos liebt, seine Heiratsanträge vehement ablehnt. Indes hat die begehrenswerte junge Frau mit den faszinierenden blauen Augen mehr als einen guten Grund, unverheiratet zu bleiben, wie sie ihm eines Abends in der freien Natur offenbart… (Verlagsinfo)
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Hanns Heinz Ewers – Die Topharbraut (Gruselkabinett Folge 151)

Die Verschwörung der Totengräber

Berlin 1913: Auf Wohnungssuche begegnet der Schriftsteller Dr. Gunther Lutzke dem unauffälligen Fritz Beckers, mit dem er sich fortan in eine Art Wohngemeinschaft begibt. Er ahnt nicht, dass der freundliche Mitbewohner hinter seiner Fassade etwas Grauenvolles verbirgt, das er sich in seinen kühnsten Träumen nicht hätte ausmalen können… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.
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William Hope Hodgson – Tropischer Schrecken (Gruselkabinett Folge 154)

Monsterkampf auf hoher See

In tropischen Gewässern anno 1899: Ein fehlender Deckel auf einem Fass voller Salzfleisch löst an Bord der Viermast-Bark „Glen Doon“ eine tödliche Kettenreaktion aus, deren Ausmaß die gesamte Besatzung auslöschen könnte… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.
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Raupach, E. B. S. / Gruppe, Marc – Blutbaronin, Die (Gruselkabinett 14)

_Vampirgrusel: Die Baronin saugt – die Damen seufzen_

Gruselkabinett Nr. 14: Burg Csejte um 1600: Baron Ferenc Nádasdy trauert, obwohl er mittlerweile ein zweites Mal verheiratet ist, noch immer seiner toten ersten Frau Elisabeth Báthory nach. Nacht für Nacht sucht er ihr Mausoleum auf und hadert mit seinem Schicksal. Ein Zauber könnte ihm die Geliebte ins Leben zurückbringen. Die weise Magierin warnt jedoch inständig vor diesem unheiligen Werk, denn es könnte Tod und Verderben über die Seinen bringen. Schließlich ist Elisabeth Báthory nicht irgendeine Gräfin. Sie ist als Blutbaronin in die Geschichte eingegangen.

_Der Autor_

Ernst Benjamin Salomo Raupachs (1784-1854) dramatische Blutsaugergeschichte wurde 1823 unter dem Titel „Lasst die Todten ruhen“ veröffentlicht. Erstmals wird dieses Werk aus dem Schatzkästchen der schwarzen Romantik nun in einer Hörspielbearbeitung präsentiert. (Verlagsinfo)

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher

Elisabeth Báthory: Viola Sauer (u. a. dt. Stimme von Charlotte Rampling)
Janos, der Erzähler: Hartmut Neugebauer (Gene Hackman)
Ferenc Nádasdy: Uwe Büschken (Hugh Grant & Matthew Broderick)
Katharina Nádasdy: Arianne Borbach (Catherine Zeta-Jones)
Weise Frau: Inken Sommer (Majel Barrett/“Lwaxana Troi“ in „Star Trek“)
Amme: Ingeborg Lapsien („Miss Drycunt“ in „Der Wixxer“ & „Dorothy Halligan“ in „Alf“)
Kanzler: Jürg Löw
Maria: Tanja Geke (Judy Greer & „Aiden Burn“ in „CSI: New York“)
Jaroslav: Kammerschauspieler Heinz Ostermann

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand im Studio AudioCue, Rotor Musikproduktion, Scenario Studio und bei Kazuya statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

Hörprobe: http://www.titania-medien.de/audio/hoerspiele/

_Handlung_

Trommeln und Posaunen künden von schicksalhaften Vorgängen, die Turmuhr schlägt die Stunde. Jemand rückt eine Grabplatte beiseite und ruft flehend „Elisabeth!“ Klagende Chöre künden vom nahenden Verhängnis …

Man schreibt das Jahr 1600, als die ungarische Gräfin Katharina Nádasdy zum Patenonkel ihres Gatten Ferenc eilt. Janos, der Ich-Erzähler, sieht eine besorgte Mutter von zwei Kindern vor sich, die ihm von einem Schatten erzählt, der sich zwischen sie und ihren Gatten geschoben habe. Der habe auch einen Namen: Elisabeth Báthory. Ferenc‘ erste Frau sei zwar schon lange tot, doch Nacht für Nacht schleiche er sich auf den Friedhof zu ihrer Gruft. Was ist zu tun?

Janos erinnert sich: Elisabeth war eine bezaubernde junge Frau, als Ferenc sie kennenlernte und sich sofort in sie verliebte. Sie heirateten, und die Liebesnächte vergingen wie ein schöner Traum. Als der Traum schwand und sie starb, hielt seine Liebe nicht an, sondern er wandte sich einer neuen Frau zu: Katharina, die Mutter seiner Kinder.

In einer geisterhaften Nacht redet Janos seinem Patensohn ins Gewissen, doch alle Vorhaltungen und Warnungen fruchten nichts. Ferenc will seine Elisabeth zurück. Zu seiner Verwunderung sieht Janos, dass Elisabeths Gesicht in keiner Weise verwest, sondern so schön wie eh und je ist. Auch die weise Alte, an die sich Ferenc wendet, warnt ihn: Die Toten wollen gar nicht zurückkehren! Und er, Ferenc, sei ja auch nicht mehr ganz taufrisch …

Doch Ferenc besteht darauf, seine Elisabeth aus dem Todesschlaf zu erwecken, und droht der Alten sogar mit Kerker, sollte sie ihm nicht seinen Willen tun. Sie sammelt die nötigen Kräuter und vollzieht das Ritual. Eine letzte Warnung: Die Erweckte werde erst wieder mit Ferenc’‘ eigenem Tod ins Grab zurückkehren. Die Magierin träufelt Ferenc‘ Blut auf Elisabeths Mund, die es einsaugt und erschauert. Janos ist angeekelt und geht, deshalb sieht er nicht, wie sich Elisabeth erhebt. Ferenc bringt sie in sein Jagdschloss, das er wieder herrichten lässt. Alle Fenster sind verhangen, denn sie scheut das Licht des Tages.

Der Baron rückt dem Ziel seiner verruchten Träume immer näher. Doch als Elisabeth erfährt, dass er verheiratet ist, fordert sie seine Scheidung von Katharina. Ferenc gehorcht und veranlasst die Scheidung, während er die Kinder behält. Doch Katharina besucht vor ihrer Abreise die Rivalin im Jagdschloss. Sie ist nicht vorbereitet auf Elisabeths neue Kräfte. Die Erweckte bannt sie mit ihrem hypnotischen Blick und zwingt ihr ihren Willen auf. Dann beißt sie in Katharinas Hals, um sich an ihrem Lebenssaft zu laben. Denn nur mit Blut ist die Schönheit zu erhalten, in die sich ihr Geliebter so vernarrt hat.

Mit dem triumphalen Einzug Elisabeths bei Ferenc, der sie als neue Frau vorstellt, beginnt der Anfang vom Ende der Dynastie Nádasdy. Doch da Elisabeth erst mit Ferenc‘ Tod sterben kann, gibt es nichts, was die Zerstörung, die sie im ganzen Land verursacht, aufhalten könnte. Oder doch?

_Mein Eindruck_

Die blutrote Farbe des Titelbildes deutet bereits an, worum es in der Gruselerzählung geht: um Blut, Leidenschaft und natürlich um die Blutsaugerin, die beides verbindet. Die Bezeichnung „Vampyr“ fällt kein einziges Mal, obwohl Lord Byron und John Polidori den Begriff erfunden hatten, als Raupach die Erzählung „Lasst die Todten ruhen“ schrieb – lange vor Bram Stokers Klassiker [„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2957 (1897). Dass Raupach sich auf die volkstümlichen Legenden um die historisch verbürgte Elisabeth/Erzsébet Báthory stützte, nehme ich an und verweise auf die erstklassige Verfilmung dieses Stoffes durch den Polen Walerian Borowczyk (in „Unmoralische Geschichten“, 1973) in dem erstaunlicherweise Paloma Picasso als Elisabeth auftritt.

„Die Blutbaronin“ fasst die Motive des weiblichen Vampirs, der antiken Lamia und der wiederauferstandenen Geliebten zusammen und verschmilzt sie zu einer eindrucksvollen Geschichte über Begierde, die den Tod missachtet und dafür den Preis bezahlen muss. Zunächst ist es nur die Begierde des Barons, sich wieder mit der Ex der Fleischeslust hingeben zu können. Doch schon bald muss er sich ihrer Gier unterwerfen, die nach dem roten Lebenselixier verlangt. Perfiderweise will sie genau mit dieser Sünde schön genug bleiben, um sein Interesse zu erhalten. Folglich sind ihre Opfer auch seine.

Der Haken bei der Sache: Als ihr die Beute ausgeht, bleibt nur noch eine Nahrungsquelle übrig: Ferenc selbst. Damit muss Elisabeth natürlich haushalten, aber wie lange kann das gut gehen? Für ihn jedenfalls gibt es nur einen Ausweg: Die Blutsaugerin, die er wegen ihre hypnotischen Kräfte gar nicht als solche wahrgenommen hat, muss sterben. Aber wie? Die Alte, die Elisabeth aufweckte, muss ihm helfen, sie auch wieder zu bannen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Es soll genügen zu sagen, dass sich ein spannender und höchst dramatischer Zweikampf Mensch gegen Monster entspinnt.

Das unterschwellige Motiv der übergroßen sexuellen Begierde als Sünde wider die Natur inszeniert das Hörspiel in einigen recht drastischen Begegnungen zwischen der Blutbaronin und ihren weiblichen Bediensteten. Katharina, ihre Vorgängerin, bleibt nicht ihr letztes Opfer, sondern es folgen mindestens zwei weitere. Wie in den Vampirfilmen ist bei diesen „bissigen“ Begegnungen die erotische Komponente nicht zu unterdrücken, und das verleiht der Erzählung einen höchst eigenen Charme, der keinen Zuhörer unbeeindruckt lassen dürfte.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Zu diesem Charme trägt in hohem Maße auch die Sprecherin bei. Viola Sauer ist u. a. als die deutsche Stimme von Charlotte Rampling bekannt, und das sollte dem Filmkenner schon einiges sagen. Rampling hat in den letzten Jahren in Mainstream-Psycho-Stücken mitgespielt, aber in den siebziger und achtziger Jahren spielte sie erotische Rollen auf der Femme-fatale-Seite, z. B. in „Der Nachtportier“ von 1973 (Regie: Liliana Cavani).

Man kann es nicht anders sagen: Viola Sauer lässt die Sau raus, wenn sie die Blutbaronin darstellt. Sie ist Verführerin und betörender Vamp: Eine romantische Geige illustriert ihre Wirkung auf Ferenc. Sie ist die herrische Baronin von Burg Csejte und noch viel mehr: ein unirdisches Wesen mit übermenschlichen Kräften und Gelüsten. „Teufelin!“, wettert ihr armer Tropf von einem Gatten (mit der Stimme von Frauenschwarm Hugh Grant), und Trommeln und Posaunen künden Unheil an. Doch die Lady hat ein gutes Gegenargument: „Mörder!“ Denn schließlich hat er ihr seine Kinder ausgeliefert, oder nicht?

Das Finale ist noch spektakulärer. Das liegt nicht nur an ihrem Lachen, Jammern, Flehen, sondern noch viel mehr an seinem eigenen Kampf gegen die Schwäche und Liebe, die er weiterhin für sie hegt. Selbstüberwindung ist für ihn noch härter als die Verdammung der Geliebten in die Hölle. Elisabeth behält das letzte Wort: „Ferenc, lass mich raus!“, klagt sie und lacht ihn gleich wieder aus. Wieder klagt die romantische Geige Elisabeths Leitmotiv. Diese Umsetzung hat wirklich emotionale Wucht.

„Die Blutbaronin“ ist nicht nur Kino für die Ohren, sondern auch noch Hollywoodkino. Denn hier sprechen nicht irgendwelche Sprecher, sondern die deutschen Stimmen bekannter Stars aus der amerikanischen, englischen und französischen Filmgeschichte – siehe oben. Dass diese Profis eine solide Performance abliefern, versteht sich fast von selbst, und ich war entsprechend zufrieden.

Solche geübten und prestigeträchtigen Sprecher und Sprecherinnen einzusetzen, gehört zum Marketing von Marc Gruppe bzw. |Titania Medien|. Hinzu kommen jeweils traditionsreiche Schauergeschichten, die den nötigen emotionalen Rahmen für die Entfaltung solcher Stimmtalente liefern. Zu Anfang waren es eher unbekannte Geschichten wie etwa Launs [„Totenbraut“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 doch mittlerweile wagt sich Marc Gruppe an die Klassiker heran.

Nach den Weihnachtsstandards von Charles Dickens’ „Frohe Weihnachten, Mr. Scrooge“ und Burnetts „kleinem Lord“ nimmt sich der Produzent zentraler Stoffe an. [„Frankenstein“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 macht den Anfang, dann folgt im April 2007 „Dracula“. Wer weiß, wozu Marc Gruppe und sein Team noch fähig sind. Ich bin bereits gespannt.

|Musik und Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Schlüsselszenen sehr dicht und realistisch aufgebaut. Wenn das Käuzchen ruft und die Turmuhr Mitternacht schlägt, weiß der Zuhörer, dass er einem Schauerstück lauscht. Hinzukommt die passende Musik von Chören, Posaunen und Trommeln – fertig ist die Gruselnacht. Doch um die Szene richtig mit Zauber und verbotener Magie zu erfüllen, sind die Götter der Natur anzurufen: Sie machen sich als Sturmwild im Nachtwald lautstark und unheimlich bemerkbar. Diese Geräuschkulisse fällt erst in den Innenszenen und im Finale weg, wenn die Dialoge im Vordergrund stehen.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt, weder von Geräuschen noch von Musik.

_Unterm Strich_

„Die Blutbaronin“ ist eine der gelungensten Produktionen in der inzwischen fest etablierten und angesehenen Reihe „Gruselkabinett“. Dass sie einen bleibenden Eindruck beim Hörer hinterlässt, liegt nicht nur an der starken Vorstellung von Viola Sauer als Titelheldin, sondern auch dem Drehbuch, das auf eine feine Zeichnung der psychologischen Konflikte bei den Opfern der Blutsaugerin setzt und nicht vordergründigen Splatter. Die homo-erotischen Momente, wenn die Baronin ihre hypnotisierten weiblichen Opfer zur Ader lässt, verleihen dem Hörspiel eine spezielle Würze, die man in vielen anderen Hörspielen vergeblich sucht. Am ehesten kommt dafür noch die Genre-Hörspiel-Serie [„Vampira“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2441 in Frage, allerdings auf weniger kunstvollem Niveau.

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Kunstliebhaber mögen von solchen melodramatischen Darstellungen abgestoßen sein, aber die feine Linie zwischen Kunst und Unterhaltung verläuft bekanntlich in einem fließenden Kontinuum, und ich ziehe allemal die Unterhaltung der Kunst vor.

Jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Wer jedoch mit Melodramatik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem nach allen Regeln der Kunst gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen. Die Hörbücher der [„Necroscope“-Reihe]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=779 von Brian Lumley dürften eine ausreichend starke Dosis verabreichen.

|74 Minuten auf 1 CD|
http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Hugo, Victor / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – Glöckner von Notre-Dame, Der (Gruselkabinett 28/29)

_Mitreißendes Drama aus Schicksal und Sozialkampf_

Paris 1466: Die Pest wütet im Umland von Paris. Der junge Geistliche Claude Frollo macht sich auf, seine Eltern zu retten, und kommt zu spät. Ihm fällt die Sorge für seinen Bruder Jean zu, der noch ein Säugling ist. Im Jahr darauf – am Sonntag Quasimodogeniti – wird ein missgestalteter kleiner Junge im Findelkinder-Bettchen vor der Kathedrale von Notre-Dame niedergelegt …

Paris 1482: Quasimodo hat sich durch das Geschehen am Pranger, an den er gestellt wurde, merklich verändert. Dies bleibt seinem Meister, dem düsteren Erzdiakon Claude Frollo, nicht verborgen. Ebenso wenig, dass La Esmeralda neuerdings einen Begleiter an ihrer Seite hat, den Dichter Pierre Gringoire. Aber auch der schneidige junge Hauptmann Phoebus de Châteaupers hat ein Auge auf das schöne Zigeunermädchen geworfen. Das Unheil nimmt seinen Lauf …

_Der Autor_

Victor Hugo (1802-1885) war ein sehr fruchtbarer französischer Schriftsteller. Am bekanntesten wurde sein Roman „Notre-Dame de Paris“, der 1831 erschien und mehrmals als „Der Glöckner von Notre-Dame“ oder „The Hunchback of Notre-Dame“ verfilmt wurde. Eine der besten ist die Verfilmung mit Charles Laughton in der Titelrolle.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Erzähler: Roland Hemmo (Brendan Gleeson, James Gandolfini)
Claude Frollo: Udo Schenk (Ray Liotta, Ralph Fiennes, Gary Oldman, ‚Gríma Schlangenzunge‘)
Jean Frollo du Moulin: Christian Stark (‚Robin‘ in „Batman & Robin“, Justin Whalin)
Quasimodo: Tommy Morgenstern alias Thomas Lührig (‚Son-Goku‘ in „Dragonball-Z“, ‚Butt-Head‘, ‚Charlie Pace‘ in „Lost“, Charles Laughton)
La Esmeralda: Kristine Walther (Hörspieldebüt der Schauspielerin)
Pierre Gringoire: Julien Haggège (Synchronbuch und -regie für „Bubba Ho-tep“)
Phoebus de Châteaupers: Patrick Bach (Sean ‚Sam Gamdschie‘ Austin)
Clopin Trouillefou: Matti Klemm (Robert Gant)
Paquette, Büßernonne: Anita Lochner (Miou-Miou, Isabelle Adjani)
Mildtätige Frau: Eva-Maria Werth
König Louis XI.: Jochen Schröder (James Cromwell, Lionel ‚Max‘ Stander)
Dr. Jaques Coictier: Kaspar Eichel (James ‚Scotty‘ Doohan)
Madame Frollo: Inken Sommer
Richter: Wilfried Herbst (Charles Hawtrey)
Fleur-de-Lys: Ilona Otto (Emily Perkins, Michelle ‚Dawn Summers‘ Trachtenberg in „Buffy“)
Fleurs Mutter: Philine Peters-Arnolds (Joan Cusack, Loretta Devine)
Henker: Bodo Wolf (Christopher Walken, William H. Macy, Robin Williams)
Und andere.

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand in den |Planet Earth Studios| und bei |Kazuya c/o Bionic Beats| statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

Im Jahr 1466 bricht die Pest in den Vororten von Paris aus. Doch als im Kloster der Mönche von Notre-Dame die Nachricht eintrifft, geraten diese nur in Panik und flehen mit Gebeten um ihr Heil. Nicht so Pater Claude Frollo. Der Neunzehnjährige aus dem niederen Adel ist ein kluger Student der Theologie, der Rechte, der Medizin und der freien Künste. Nachdem er all diese Studiengänge erfolgreich abgeschlossen hat, wendet er sich jedoch seltsamerweise der Alchimie und Astrologie zu. Dennoch soll er dereinst ein geistliches Amt bekleiden.

Als er bei seinen Eltern eintrifft, fleht ihn seine todgeweihte Mutter an, sich seines Bruders Jean anzunehmen, der noch ein Baby ist. Durch Berge von Leichen und flehende Erkrankte reitet Claude zurück ins Kloster, wo er, wie versprochen, seinen Bruder aufzieht. Claude wird Kaplan in der Kathedrale Notre-Dame. Am Sonntag, der Quasimodogeniti heißt, wird ein Findelkind in den Abgabestelle der Kirche gefunden. Während die alten Weiber lästern, dass dies nur ein Hexenkind sein könne, so verkrümmt und einäugig, erbarmt sich Claude des Kindes und adoptiert es. Daraufhin erklären ihn die Weiber selbst zum Hexenmeister.

Quasimodo, wie er das Findelkind nennt, ist zwar bucklig und hässlich mit seinem einen Auge, aber keineswegs völlig taub, wie Claude zuerst befürchtet hat. Er lernt durchaus einige Wörter, doch leider beeinträchtigen die Glocken, die er seit seinem 14. Lebensjahr täglich läutet, zusätzlich sein Hörvermögen. Das macht den Buckligen trübsinnig, aber Claude hält trotzdem zu ihm, und für den Krüppel ist Frollo wie ein Vater.

An Dreikönig des Jahres 1482 soll wie stets in Paris der Narrenkönig gekürt und gekrönt werden. Im Justizpalast hat sich neben allerlei Pöbel auch der 16-jährige Student Jean Frollo, der Bruder des Erzdiakons von Paris, eingefunden und treibt seine derben Späße. Nachdem man den Dichter Pierre Gringoire von der Bühne vertrieben hat, krönt man Quasimodo zum Narrenkönig und fährt ihn in einem Eselskarren zur Place de Grêve, dem Richt- und Festplatz von Paris. La Esmeralda, die schöne Zigeunerin, soll vor ihm tanzen.

Pierre Gringoire ist wie verzaubert vom Tanz des Mädchens, und Jean Frollo scheint ihr Freund zu sein. Wie schade. Doch sie behauptet, nur ihre Ziege Gialli zu lieben, und demonstriert, wie klug das Tier ist. Eine Stimme verflucht das gottlose Treiben und nennt Esmeralda eine Hexe und Gotteslästerin. Es ist die Stimme der Büßernonne aus dem Rolandsturm. Der armen Frau wurde einst ihre kleine Tochter entführt, und sie verflucht seitdem alle Menschen, die auch nur im entferntesten wie Zigeuner aussehen.

Als jedoch der Erzdiakon auftritt, ist Schluss mit lustig. Quasimodo fleht seinen „Meister“ um Vergebung an, doch der verjagt ihn von dem bunten Treiben. Jean Frollo klärt seinen neuen Bekannten Pierre Gringoire über seinen merkwürdigen Bruder auf, und Pierre merkt, wie sehr Jean dem Kirchenmann und Alchimisten misstraut. Möglicherweise habe er sogar dem Teufel seine Seele verschrieben, um mehr Macht zu erhalten und den Stein der Weisen zu finden. Wer weiß. Pierre schaudert es.

Nach einem erfrischenden Trunk im Gasthaus sucht Pierre nachts wieder nach Esmeralda. Doch sie bemerkt seine Verfolgung und stellt ihn, mit einem Messer in der Hand. Offenbar ist sie nicht ganz wehrlos. Als er sich vorstellt und seine Harmlosigkeit deutlich wird, lässt sie ihn wieder laufen. Doch da sieht er aus dem Schatten, wie sie gepackt wird – von einem Buckligen. Es ist Quasimodo! Pierre springt ihr zu Hilfe, doch ein zweiter Mann geht dazwischen und bezwingt ihn in einem Kampf.

Als plötzlich der Hauptmann der Wache eintrifft, verschwindet dieser Kapuzenmann, doch Quasimodo wird verhaftet. Esmeralda bezirzt den Hauptmann für seine ritterliche Hilfe und wird in Schutz genommen. Pierre schaut dem Treiben verwirrt zu, während er sich aufrappelt. Wer war dieser Unbekannte, in dessen Auftrag der Glöckner sich die Zigeunerin schnappen wollte? Und zu welchem finsteren Zweck, fragt sich Pierre.

Schon bald wird er die Antworten auf seine Fragen finden, doch freuen kann er sich darüber nicht. Ganz im Gegenteil: Die Lage spitzt sich dramatisch zu.

_Mein Eindruck_

Die Geschichte lässt sich dem Untergenre der Urban Fantasy zuordnen, wobei man es mit der Fantasy nicht zu genau nehmen darf. Dabei geht es um die Beschreibung eines Ortes in einem bestimmten Modus, der diesem Ort eine höhere Bedeutung verleiht und ihn zu einer Ikone macht. Kennzeichnend ist in diesem Roman die zentrale Bedeutung des Ortes der Kathedrale. Sie hat viele Funktionen, nicht nur als Brennpunkt des Geschehens, sondern auch für die Figuren.

|Diakon und Glöckner|

Während die Kathedrale für die Kirche und die Gläubigen in erster Linie ein Gotteshaus zu sein scheint, so ist sie für ihren eigentlichen Herrn, den Erzdiakon Claude Frollo, lediglich die Behausung für sich und sein alchimistisches Labor. Dort geben sich die antireligiösen und weltlichen Mächte die Klinke in die Hand. Ganz oben im Glockenturm weilt sein Schützling und Ziehsohn Quasimodo. Dem buckligen Glöckner ist die Kathedrale nicht nur ein Ort des Schutzes vor der Verfolgung durch die Bürger (sie wollen ihn entweder als Narren krönen oder als Abscheulichkeit verbrennen), sondern auch der Freude – seine Freunde sind die Glocken, denen er Namen gegeben hat.

|Esmeralda|

Dieses Gefüge aus festen Beziehungen gerät ordentlich in Bewegung, als das Schicksal der jungen, schönen Zigeunerin La Esmeralda in der Waagschale liegt. Sie gibt dem bedauernswerten Buckligen als Einzige auf dem Richtplatz Wasser, was ihr seine Dankbarkeit und Liebe einbringt. Dadurch gerät Quasimodo unwissentlich auf Kollisionskurs zu seinem Ziehvater, der ebenfalls ein Auge auf Esmeralda geworfen hat. Doch sein Begehren ist unheilig, unkeusch, und wird von Esmeralda mehrfach zurückgewiesen, als ob Gehorsam sie vor dem Tod retten würde.

|Der König|

Das Schicksal Esmeraldas als Angehörige der Unterschicht und Freundin der Bettlergilde lässt die Konflikte in dieser Ständegesellschaft offen ausbrechen. Wieder wird die Kathedrale zum Brennpunkt, als die rebellischen Bettler vor den Soldaten Asyl in der Kirche suchen, das ihnen auch nach altem Recht gewährt wird. Dieses Recht gedenken Erzdiakon und König, vereint in ihrem alchimistischen, quasi-faustischen Pakt, zu brechen. Sie heben einfach das Asylrecht auf. Das wiederum hat weitere Ausschreitungen zur Folge. Die Insel der Kathedrale wird zum Schlachtfeld, stellvertretend für ganz Paris, der Hauptstadt der Franzosen.

|Entscheidung|

Der Einzige, der sich noch ein wenig dem Kampf entziehen kann, scheint der Glöckner zu sein, doch er beschützt Esmeralda, den begehrten Zankapfel des Erzdiakons und des Pöbels. Kein Wunder also, dass auch Quasimodo im Finale sich für eine Seite entscheiden muss. Aber wie kann er es wagen, die Hand gegen seinen Ziehvater, die Verkörperung der geistlichen Stands mit weltlicher Macht, zu erheben? Offenbar wird ihm ein größeres moralisches Recht gewährt, dies zu tun, und so seine Handlungsweise sanktioniert: Er stürzt seinen Vater in einem rebellischen, wenn nicht sogar revolutionären Akt aus höchster Höhe in die Tiefe.

|Parallelen|

Ein Jahr vor dem Erscheinen des Romans fand in Paris wieder einmal (wie auch 1848) eine kleine Revolution statt. 1830 wurde in der Julirevolution König Charles X. vertrieben und der Bürgerkönig Louis Philippe (1830-48) eingesetzt. 1824 regierte Charles X. mit kirchlicher Macht, was unter anderem zur Rückkehr der Jesuiten führte. Nach einem liberalen Tauwetter 1828 kehrten die reaktionären Kräfte wieder an die Macht zurück, und es kam zum Ausbruch von Aufständen, die zur Vertreibung des Königs führten.

|Kritik|

Victor Hugos Roman lässt ebenfalls ein sehr kritisches Licht auf die kirchlichen Standesvertreter fallen: Frollo tut sich mit dem König zusammen, um Gold herzustellen, aber nicht mit koscheren Mitteln, sondern mit unheiligen, nämlich alchimistischen. Sein Bruder Jean (s. o.) verdächtigt ihn sogar der Geisterbeschwörung. Der Autor zieht klare Parallelen zwischen dem Jahr 1830 und 1482. Diese Ähnlichkeiten waren sicherlich nicht an seine Leser verschwendet, die dies als Kommentar auf das Tagesgeschehen verstanden.

Statt sich aber auf das banale Niveau des Klassenkampfes hinabzubegeben, hebt Hugo den Kampf der Unterprivilegierten (Bettler, Zigeuner usw.) gegen Kirche und König auf eine poetisch wirksamere Ebene von Schicksal und tragischer Liebe. Darin sehe ich wie viele Literaturhistoriker den enormen Einfluss der romantischen Bewegung, die aus Deutschland kommend (Tieck, Brentano, E.T.A. Hoffmann, Uhland usw.) bestimmend auf die junge Generation der französischen Autoren einwirkte. Wie man an der noch heute bestehenden Bekanntheit des Romans ablesen kann, hatte dieser überzeitliche Ansatz eine weitaus größere und nachhaltigere Wirkung als ein Pamphlet zum Klassenkampf.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Dass dieses Hörspiel in der Reihe „Gruselkabinett“ erscheint, mag zunächst ein wenig verwundern. Wo bitteschön ist denn hier der Vampir, der klassische Grusler, versteckt? Aber den konnte man ja auch in „Frankenstein“ vergeblich suchen. Offenbar hat der Macher der Serie, Marcel Gruppe, eine neue Strategie eingeschlagen, um ein größeres Publikum zu erreichen. Nicht mehr nur unmittelbare Schauergeschichten sind nun im Repertoire (siehe etwa „Jagd der Vampire“ von Hambly, Folgen 32/33), sondern zunehmend auch Klassiker, die bislang des Grusels völlig unverdächtig erschienen.

Doch wen es wie schaudert, ist völlig unterschiedlich. Diesmal setzt der Macher auf die mystische Atmosphäre, die ein alchimistisches Labor verbreitet, ebenso auch auf die sinistren, womöglich unheiligen Machenschaften seines Besitzers, der ausgerechnet der Obermacker der Kathedrale ist. Nicht nur ist Claude Frollo vom rechten geistlichen Weg abgekommen – Macht ist ihm wichtiger als Seelsorge -, nein, er versucht auch, eines seiner hilflosesten Schäfchen zu seinem wehrlosen Opfer zu machen, um es ausbeuten zu können: Esmeralda, das Waisenkind, das immer noch seine Mutter sucht. Wie teuflisch ist das denn?

Frollos Sprecher Udo Schenk hat im Peter Jacksons „Herr der Ringe“ auch Gríma Schlangenzunge die teuflisch-hinterlistige Synchronstimme geliehen. Auch hier weiß er seine zwielichtige Erscheinung richtig wirkungsvoll in Szene zu setzen. Lange weiß der Hörer nicht, was er von Frollo halten soll, bis dieser schließlich gegenüber Esmeralda seine wahren Absichten enthüllt: ein Monster in Menschengestalt. Udo Schenks entsprechender Monolog ist ein Höhepunkt an Darstellungskunst in dieser Produktion. Es ist, als würde Gríma Schlangenzunge letzten Endes triumphieren.

Außer dem König und anderen Kumpanen Frollos erscheinen alle Figuren als Frollos Opfer. Dementsprechend sympathisch treten sie auf. Insbesondere Esmeralda und Pierre Gringoire, die für einander bestimmt zu sein scheinen, stehen im Vordergrund. Doch das Schicksal hat anderes mit ihnen vor, und so wird ausgerechnet der bucklige Glöckner zu Esmeralda wichtigstem männlichen Partner. Diese Begegnung ist sehr bewegend und von beiden Sprechern mit einem Maximum an Einsatz und Einfühlungsvermögen dargestellt. Die hohle, an Charles Laughton orientierte Stimme von Tommy Morgenstern als dem Buckligen kontrastiert bezaubert mit Kristine Walthers hoher Esmeralda-Stimme.

Daneben gibt es noch jede Menge Nebenfiguren, von denen mir besonders Jean Frollo, ein schlauer Tunichtgut, und der König der Bettler, Clopin, im Gedächtnis geblieben sind. Es gibt mehrere Mauerschauszenen, bei denen eine Mittelklassefamilie das Geschehen auf dem Richtplatz kommentiert: Der Kontrast zwischen den zwei Ebenen könnte nicht größer sein und wird sauber herausgearbeitet. Das Hörspiel arbeitet ständig mit Gegensätzen, so dass die Figuren plastisch wie einem Film hervortreten.

|Musik und Geräusche|

Es ist klar, dass es sich um einen romantischen Stoff handelt. Schicksal, Tragik, Liebe, Tod spielen bestimmende Rollen. Dementsprechend dramatisch und abwechslungsreich ist auch die Musik komponiert worden. Es handelt sich um Originalmusik, nicht etwa um Kopien aus diversen romantischen Opern. Der Komponist wird allerdings nicht genannt.

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und ist mit klassischem Instrumentarium produziert – keine Synthesizer für klassische Stoffe! Die Musik steuert nicht nur die Emotionen des Publikums auf subtile Weise, sondern bestreitet auch die Pausen zwischen den einzelnen Akten. Dann stimmt sie das Publikum auf die „Tonart“ des nächsten Aktes ein. Heitere Klänge wie etwa ein Tamburin oder helle Glocken wechseln sich mit düsteren Passagen ab, die von Streichern und Chören bestritten werden. Mitunter sind sehr tiefe Bässe zu hören, die Unheil verkünden.

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut. Von Anfang an spielen Glocken eine Rolle, entweder schlagen sie die Stunde oder Quasimodo macht sie zu einem Revolutionslied: Er läutet Sturm. Wer den Glocken folgt, weiß genau, in welcher Lage sich Paris gerade befindet. Natürlich gehören auch Pferde, Ziegen, aber auch Böller und Tanzmusik zur Geräuschkulisse des Hörspiels. Auf dieser Ebene ist das Geschehen am ehesten mit dem aus den Verfilmungen zu identifizieren.

Musik, Geräusche und Stimmen wurden so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin auf dem Schubereinband fand ich wieder einmal sehr passend und suggestiv. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 14 Jahren.

Diesmal sind in einem zusätzlichen Katalog Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:

Nr. 30: J. W. Polidori: Der Vampyr (November)
Nr. 31: Rudyard Kipling: Die Gespenster-Rikscha (November)
Nr. 32 + 33: Barbara Hambly: Die Jagd der Vampire (2 CDs, erscheint im März 2009)
Nr. 34: F.M. Crawford: Die obere Koje (erscheint im April 2009)
Nr. 35: Bram Stoker: Das Schloss des weißen Lindwurms (erscheint im April 2009)
Nr. 36+37: Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray (erscheint im Herbst 2009)

_Unterm Strich_

Ich habe mich gefragt, ob dieses Hörspiel es denn mit all den Verfilmungen, die ich kenne, aufnehmen kann. Es kann, und zwar mit Links. Es gibt einige Szenen, insbesondere die gruseligen, die man in den Hollywood-Bearbeitungen des Stoffes offenbar unterdrückt hat, wohl um die kleinen Kinder nicht zu erschrecken. Doch in dieser Fassung kommt der brutale Charakter des Kirchenfürsten Frollo sehr deutlich zum Ausdruck. Und darüber, welche Art von Gewalt er Esmeralda antun will, gibt es nicht den Schatten eines Zweifels. Sie soll ihm zu Willen sein.

Als Machtmensch agiert Frollo skrupellos auf einer Ebene mit dem König. Beide haben sich offenbar gegen die niederen Stände, die Rechtlosen verschworen. Es kommt, wie es kommen muss: Der Kampf vor, in und auf der Kathedrale als dem Stein gewordenen Symbol von kirchlicher Präsenz, das mehrere Bedeutungen annimmt. Statt eines Ortes der Seelsorge und des Asyls, dessen Türme zu Gott emporragen, ist die Kathedrale zu einem Hort des Bösen verkommen. Im Finale findet ein reinigendes Gewitter der Gewalt statt, das mit einem tiefen Fall des Kirchenfürsten seinen Höhepunkt findet.

|Das Hörspiel|

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Besonders gelungen fand ich die Darstellung des Erzdiakons durch Udo Schenk, aber auch das Duo aus Glöckner und Esmeralda. Mehrere Genreszenen wie etwa auf dem Richtplatz, beim Tanz, in der Kneipe usw. verleihen der Präsentation einen realistischeren Anstrich, dienen aber auch dem Kontrast zwischen banalem Alltag und dramatischem Schicksalskampf. Ich jedenfalls fand das Hörspiel ungeheuer fesselnd.

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Wer jedoch mit Melodramatik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen.

Fazit: ein Volltreffer.

|Basierend auf: Notre-Dame de Paris, 1831
120 Minuten auf 2 CDs
ISBN-13: 978-3-7857-3637-1|
http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Lovecraft, H.P. – Berge des Wahnsinns (Teil 1) (Gruselkabinett 44) (Hörspiel)

_Aufbruch zu verhängnisvollen Antarktis-Expedition_

New England 1930: Der Geologe William Dyer, ein Professor an der Miskatonic University, ist der Kopf einer großangelegten Expedition in die Antarktis. Gemeinsam mit seinem Assistenten Larry Danforth, seiner Kollegin Dr. Leni Lake, deren Assistentin Leslie Carroll, dem Ingenieur Prof. Frank Pabodie, dem Physiker und Meteorologen Prof. Atwood und diversen Hilfskräften bricht Dyer auf, den unwirtlichsten Kontinent der Erde zu erkunden. Ein sehr gefahrvolles Unterfangen, wie sich herausstellt … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.

_Der Autor_

Howard Phillips Lovecraft, 1890-1937, hatte ein Leben voller Rätsel. Zu Lebzeiten wurde er als Schriftsteller völlig verkannt. Erst Jahre nach seinem Tod entwickelte er sich zu einem der größten Horror-Autoren. Unzählige Schriftsteller und Filmemacher haben sich von ihm inspirieren lassen.

Howard Phillips Lovecraft wurde am 20. August 1890 in Providence, Rhode Island geboren. Als Howard acht Jahre alt war, starb sein Vater und Howard wurde von seiner Mutter, seinen zwei Tanten und seinem Großvater großgezogen. Nach dem Tod des Großvaters 1904 musste die Familie wegen finanzieller Schwierigkeiten ihr viktorianisches Heim aufgeben. Lovecrafts Mutter starb am 24. Mai 1921 nach einem Nervenzusammenbruch.

Am 3. März 1924 heiratete Lovecraft die sieben Jahre ältere Sonia Haft Greene und zog nach Brooklyn, New York City. 1929 wurde die Ehe, auch wegen der Nichtakzeptanz Sonias durch Howards Tanten, geschieden. Am 10. März 1937 wurde Lovecraft ins Jane Brown Memorial Krankenhaus eingeliefert, wo er fünf Tage später starb. Am 18. März 1937 wurde er im Familiengrab der Phillips beigesetzt. Nach seinem Tod entwickelte er sich bemerkenswerterweise zu einem der größten Autoren von Horrorgeschichten in den USA und dem Rest der Welt. Sein Stil ist unvergleichlich und fand viele Nachahmer.

Aber Lovecrafts Grauen reicht weit über die biblische Vorstellung von Hölle hinaus: Das Universum selbst ist eine Hölle, die den Menschen, dessen Gott schon lange tot ist, zu verschlingen droht. Auch keine Liebe rettet ihn, denn Frauen kommen in Lovecrafts Geschichten praktisch nur in ihrer biologischen Funktion vor, nicht aber als liebespendende Wesen oder gar als Akteure. Daher ist der (männliche) Mensch völlig schutzlos dem Hass der Großen Alten ausgeliefert, die ihre Welt, die sie einst besaßen, wiederhaben wollen. Das versteht Lovecraft unter „kosmischem Grauen“. Die Welt ist kein gemütlicher Ort – und Einsteins Relativitätstheorie hat sie mit in diesen Zustand versetzt: Newtons Gott ist tot, die Evolution eine blinde Macht, und Erde und Sonne nur Staubkörnchen in einem schwarzen Ozean aus Unendlichkeit. Auf Einstein verweist HPL ausdrücklich in seinem Kurzroman „Der Flüsterer im Dunkeln“.

Kurz und bündig mehr über Lovecraft: http://www.orchesterderschatten.de/autor.htm

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Prof. William Dyer: Reiner Schöne
Larry Danforth: Jan Panczak
Dr. Leni Lake: Bettina Weiß
Leslie Carroll: Annina Braunmiller
Prof. Frank H. Pabodie: Eckart Dux
Prof. Atwood: Alexander Turrek

Das Skript schrieb Marc Gruppe, der mit Stepahn Bosenius auch Regie führte. Die Aufnahme erfolgte in den Planet Earth Studios. Die Illustration ist von Firuz Askin.

_Handlung_

|PROLOG|

Brüllen und Knurren hallen durch die Höhle, in der Larry Danforth dem Monster zu entkommen versucht. Zum Glück erwacht er rechtzeitig, bevor es ihn erwischt. Er will nur noch vergessen, was er allnächtlich in seinen Träumen erlebt – was ihm damals in der Antarktis widerfahren ist …

|Haupthandlung|

Danforth besucht wieder mal übernächtigt seinen Arbeitgeber Professor William Dyer und äußert seine Zweifel. Soll er weiterhin verschweigen, welche Gefahr in der Antarktis auf die Menschheit lauert? Dyer besteht auf Diskretion, denn er mal Danforth aus, dass er wegen des öffentlichen Aufschreis des Unglaubens keinerlei Karriere mehr zu erwarten hätte. Eine weitere Expedition will zur Antarktis aufbrechen – sollte man sie nicht warnen? Auch dies lehnt Dyer ab. Diese Expedition käme sowieso nicht zustande.

Nachdem Danforth gegangen ist, seufzt Dyer schwer. Auch er hat die Last der Erinnerungen an ihre gemeinsame Expedition anno 1930/31 zu tragen. Unwillkürlich schweift sein geistiger Blick zurück zum Januar 1930, als alles begann …

|Dyers Expedition|

Zweck von Dyers Expedition sollen die allerersten Bohrungen im Boden des antarktischen Kontinents sein (der, wie man inzwischen weiß, etliche Überraschungen bereithält). Als Geologe ist Dyer dafür gewappnet, doch die Technik muss jemand anders liefern: Professor Pabodie von den Ingenieuren an der Miskatonic University zu Arkham steuert ein neuartiges, zerlegbares Bohrgerät bei. Außerdem sollen fünf Dornier-Flugzeuge helfen, das Bohrgerät, die Mannschaften, die Schlittenhunde, Ausrüstung und Proviant ins Innere des Kontinents zu transportieren.

Pabodie empfiehlt, den Meteorologen Prof. Atwood mitzunehmen. Kapitän Douglas werden zwei Schiffe kommandieren, um alles ans andere Ende der Welt zu schaffen. Spätestens im September müssen sie in See stechen, um den Sommer auf der Südhalbkugel ausnutzen zu können.

Auf der Seite der Finanzierung kann Dyer seinem Kollegen eine gute Nachricht mitteilen: alles paletti! Die Stiftung von Nathaniel Derby-Pickman übernimmt die Kosten. Unerwartet gibt es von dieser Seite eine unangenehme Überraschung: Dr. Leni Lake ist die Tochter des Stiftungsleiters und besteht darauf, mit ihrer Assistentin Lesli Carroll mitzukommen. Alles Sträuben der alten Herrschaften nützt ihnen nichts – Leni sitzt am längeren Hebel.

|Auf dem Südkontinent|

Über Panama und Samoa führt die Route zum Ross-Schelfeis. Nachdem am 20. Oktober der Polarkreis überschritten worden ist, erreichen die beiden Schiffe sechs Tage später die erste Bucht voller Eisberge – und das Packeis. Im McMurdo-Sund gehen sie vor den furchteinflößenden Vulkanen Mt. Erebus und Terror vor Anker. Larry Danforth vermeint ein sonderbares Pfeifen zu hören, das sich mit dem Wind vermischt, der von den Perry-Bergen herunterbläst. Eine Luftspiegelung gaukelt ihm emporragende Burgen auf diesen steilen Höhen vor. Alle frieren, doch Danforth, der sich in Leslie Carroll verliebt hat, kann wenigstens das Herz der schönen Assistentin wärmen.

Rund vier Wochen später startet Dr. Leni Lake zum ersten Flug ins Landesinnere, um an geeigneter Stelle ein Lager zu errichten. Und damit beginnt das Unheil. Denn Lake, Atwood und ihr Team senden Funksprüche, die immer seltsamer und beängstigender für Danforth werden – er fürchtet bald schon um das Lebens einer Freundin. Erst werden ein neues Hochgebirge und dann ein dreieckiger Fußabdruck entdeckt, der über 30 Zentimeter lang ist. Was noch merkwürdiger ist: Sie sind über 500 Mio. Jahre alt, also präkambrisch! Doch damals gab es noch keinerelei höheres Leben auf der kahlen Erde. Skelettfunde sind wie von einem Werkzeug beschädigt, und Specksteinfunde sind eindeutig bearbeitet worden – alles Zeichen einer Zivilisation …

Der besorgte Dyer gibt Lake und Atwood maximal drei Wochen Zeit, um dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Doch nach der Entdeckung von 14 seltsamen Tonnen in einer Gletscherhöhle und deren Auftauen brechen die Funksprüche Lakes ab – unter Hilfeschreien voll Angst und Schrecken …

_Mein Eindruck_

In dieser ersten Hälfte der Doppelfolge wird alles vorbereitet, um die Bühne für die entscheidenden Akte im zweiten Teil zu öffnen. Dort erfolgen die eigentlichen Entdeckungen im mysteriösen Hochgebirge, das Lake entdeckt hat. Die Änderungen, die der Regisseur und Drehbuchautor Gruppe vorgenommen hat, leuchten sofort ein. Das über Monate hingezogene Geschehen wird auf wenige entscheidende Szenen verdichtet und zu dramatischen Effekten genutzt.

Dabei bilden die beiden Frauen einen reizvollen Kontrast zu der reinen Männerveranstaltung des Originals – und eine Liebesgeschichte zwischen Danforth und Leslie Carrolls liefert eine plausible Erklärung dafür, dass Danforth darauf brennt, Leslie wiederzufinden (möglich lebendig) und den Schrecken zu bannen, der sie ihm entriss. Also muss eine Expedition ins Herzen der Finsternis folgen.

Am Ende des ersten Teils geben unheimliche Funde Rätsel auf. Doch dieses neue Wissen erweist sich als ebenso verhängnisvoll wie das Manipulieren der Funde: Acht intakte Tonnen werden von Lake und Atwood aufgetaut, wodurch ein unbekannter Schrecken wieder zum Leben erweckt wird. Man denkt unwillkürlich an die Tiefen der Minen von Moria, wo ein Schrecken aus der Alten Welt lauert – Morgoths Balrog. Die Schreie des Entsetzens, die aus dem Funkempfänger dringen, lassen nur einen Schluss zu: Die Zurückgebliebenen müssen sowohl das Rätsel lösen als auch dem Schrecken ein Ende bereiten. Aber kann ihnen dies überhaupt gelingen?

Der Hörer bleibt unglaublich gespannt am Ende dieses ersten Teils zurück. Sofort muss die zweite CD eingelegt werden …

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Einige Stimmen bekannter Hollywood-Schauspieler treten hier auf. Insbesondere Reiner Schöne ist aufgrund seines rauen Basses als deutsche Stimme diverser hartgesottener Hollywood-Burschen bekannt geworden, so etwa Willem Dafoe und sogar Darth Vader. Deshalb hat er auch fast die komplette Krimireihe von Rotbuch für den Argon-Verlag einlesen dürfen. Eckart Dux könnte älteren Zuhörern noch aus diversen Western und Fernsehkrimiserien bekannt sein – er hat zahlreichen Westerhelden von Audie Murphy bis James Stewart seine Stimme geliehen.

Jan Panczak ist im Vergleich dazu ein Newcomer im Synchrongeschäft, hat aber auch schon etliche Rollen gesprochen, u.a. für Serien wie „South Park“. Er vertritt mit Larry Danforth den „weichen“ Mann gegenüber zwei härteren, älteren Männerfiguren.

Das gleiche ist bei den Frauenrollen zu beobachten: Bettina Weiß spricht die taffe Leni Lake, während Annina Braunmiller für die sensiblere und jüngere Leslie Carroll zuständig ist. Kein Wunder also, wenn Larry mit Leslie anbandelt statt mit Leni. Alexander Turrek spricht mit Prof. Atwood einen Typ, der irgendwo zwischen Danforth und Dyer liegt – ein Wissenschaftler, aber doch zupackend. Andere Rollen gibt es nicht.

|Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut, meist aber reichen Andeutungen aus. So sorgt das Gebell von Schlittenhunden für eine Vorstellung, dass es hier um ein Lager im Eis gehen könnte. Der ständige heulende Wind verstärkt diesen Eindruck noch. Trittgeräusche im Schnee oder auf Geröll verdeutlichen die unwirtliche Umgebung, in der sich die Figuren bewegen. Ein Gespräch an Bord eines der Schiffe ist selbstverständlich von Wellenrauschen untermalt. Wiederholt sind donnernde Flugzeugmotoren zu hören.

Sehr subtil muss die Klangkulisse im Labyrinth der Alienstadt gehandhabt werden. Es gibt reale Schritte, die aber von den Wänden mit Hall und Echo verstärkt werden. Da kann ein Toningenieur, der nicht aufpasst, leicht Schnitzer erzeugen, die zur Unverständlichkeit des Dialogs oder einer unrealistisch wirkenden Geräuschkulisse führen. Zum Glück geht in dieser Inszenierung alles gut.

Eines fand ich jedoch im Nachhinein merkwürdig. Das Monster, das Danforth und Dyer solchen Schrecken einjagt, scheint mehr aus Schleim, Dunst und Nebel zu bestehen. Wie aber bringt es dann in diesem vormateriellen Zustand Knurren und Grollen hervor? Da wundert sich der Fachmann. Allerdings ist das Knurren etc. aus dramaturgischen Gründen nötig, um die Gefahr zu verdeutlichen. Nebel wird meist wenig bedrohlich (eher verhängnisvoll). Das Gegenteil des Knurrens ist das hallende Pfeifen, das in diesem Hörspiel wohl das Poe-sche „Tekeli-li!“ ersetzen soll.

|Musik|

Die Musik des ungenannten Komponisten setzt auf die standardmäßigen Instrumente wie Piano und Streicher, um die aus diversen Horrorschinken vertrauten Stimmungen zu erzeugen: Beklemmung, unheilvolle Ahnung, blanker Schrecken und dynamische Dramatik. Nur in der Eröffnungsszene mit Pabodie und Dr. Lake kann davon keine Rede sein. Da sind Heiterkeit und Gläserklingen angesagt.

Die heitere Stimmung hält sogar noch an Bord der Schiffe vor, bis die Expedition im ewigen Eis eintrifft. Es gibt sogar eine sehr lustig gestaltete Flugszene, in der dem ach so beinharten Prof. Dyer vom Fliegen schlecht wird (ich glaube, man hört ihn sogar reihern), während die von ihm so unterschätzte Leni Lake wie ein Vöglein lacht, wenn sie sich in die Lüfte erheben darf. Das Lachen wird ihr schon noch vergehen.

Zu Beginn der wissenschaftlichen Arbeiten erklingt ein Intermezzo, das furios und dynamisch die hoffnungsfrohe Arbeit der Expeditionsteilnehmer unterstreicht. Hier kommt der homo mechanicus voll zu seinem Recht. Die Stimmung ändert sich jedoch mit den ersten Funksprüchen von rätselhaften Funden – tiefe Bässe deuten eine Bedrohung an. Die erste Folge endet mit dramatischer Musik. Das Leitmotiv, mit dem die Aliens eingeführt werden, sind Trommeln (wie in Moria) und dissonante Akkorde.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von Titania Medien. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin fand ich wieder einmal sehr passend und suggestiv: Im Hintergrund ist das neuentdeckte Hochgebirge zu sehen.

Firuz Akin ist auch eine Seite Werbung für sein Buch „Illustration“ zu finden, das Mitte Dezember im Heider Verlag erscheinen soll.

In einem zusätzlichen Katalog Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:

Nr. 48: Bram Stoker: Die Squaw (November)
Nr. 49: Frederick Marryat: Der weiße Wolf (November)
Nr. 50: Das Gespenst von Canterville (März 11)
Nr. 51: Arthur Conan Doyle: Die Mumie (März 11)
Nr. 52: Robert E. Howard: Tauben aus der Hölle (April 11)
Nr. 53: William Hope Hodgson: Die Herrenlose (April 11)
Nr. 54 + 55: Alice & Claude Askew: Aylmer Vance – Abenteuer eines Geistersehers (Mai 11)

_Unterm Strich_

„Berge des Wahnsinns“ ist einer der bedeutenden Kurzromane, die Lovecraft am Ende seines Lebens – er starb ein Jahr nach der Veröffentlichung – innerhalb seiner Privatmythologie schrieb. Die Antarktis-Expedition des Geologen Dyer stößt auf eine uralte Stadt, die von einer außerirdischen, vormenschlichen Zivilisation errichtet wurde. Und Andeutungen legen nahe, dass auf dem Meeresgrund noch viele weitere solche Städte auf ihre Entdeckung warten. Ob das für die heutige Menschheit so gut wäre, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. In der Stadt unter dem Eis vertreibt ein unheimlicher Wächter die neugierigen Forscher, und solche könnte es auch in weiteren Ruinen geben. Dyers Assistent Danforth hat den Wächter und dessen Brut gesehen und ist darüber verrückt geworden …

Ähnlich wie in „Schatten aus der Zeit“ und „Der Flüsterer im Dunkeln“ entwirft Lovecraft die Grundzüge seiner Mythologie, wonach erst die Alten Wesen von den Sternen kamen und die Stadt unterm Eis bauten, bevor die Cthulhu-Wesen anlangten und mit ihnen einen Krieg führten, an dessen Ende Wasser und Land zwischen den Rassen aufgeteilt wurden. Überreste beider Zivilisationen sind für Expeditionen wie die Dyers noch aufzuspüren, natürlich nur an sehr verborgenen Orten.

Das Motiv der „Lost Race“, das Lovecraft in nicht weniger als 18 Erzählungen verwendet, war schon 1936 nicht mehr neu und vielfach erprobt worden. Am kommerziell erfolgreichsten waren dabei wohl Edgar Rice Burroughs, der Schöpfer des Tarzan, und Henry Rider Haggard, der mit „König Salomons Minen“, „Allan Quatermain“ und „Sie“ einen sagenhaften Erfolg unter den Spätviktorianern verbuchte.

Ob Edgar Allan Poe mit seinem Romanfragment „Arthur Gordon Pym“ diese Mode schuf, als er seinen Titelhelden in der Antarktis eine unbekannte Zivilisation finden ließ, sei dahingestellt, aber sowohl Jules Verne mit „Eissphinx“ als auch Lovecraft mit „Berge des Wahnsinns“ folgten diesem Vorbild in den eisigen Süden. In letzter Zeit knüpfte auch Michael Marrak mit seinem Roman „Imagon“ erfolgreich an dieses Vorbild an.

|Das Hörspiel|

Der Drehbuchautor hat die Geschichte ganz gehörig entschlackt, verdichtet und modernisiert. Nicht nur fehlt jetzt das meiste Wissenschaftsbrimborium, die elend langen Spekulationen, die ausschweifende Sprache. Nein, auch die Figuren sind nicht mehr so dramatisch angelegt: Danforth wird nicht mehr wahnsinnig, sondern nur noch von Albträumen heimgesucht. Das kann aber auch an seiner verlorenen Liebe Leslie liegen, die hier völlig neu eingeführt wird. Aus Prof. Lake wird die energische Dr. Leni Lake, die viel Ähnlichkeit mit Amelia Earhart und anderen Pionierinnen der Luftfahrt hat. (Ob ihr Vorname Leni Riefenstahl geschuldet ist, sei der Phantasie des Zuhörers überlassen.)

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Auf jeden Fall ist das Hörspiel so geschickt angelegt, dass der Zuhörer am Schluss des ersten Teils nicht umhin kann, sofort die zweite CD einzulegen, um den Hörgenuss fortzusetzen. Well done!

|Audio-CD mit 55 Minuten Spielzeit
Originaltitel: At the Mountains of Madness (1936, gekürzt), (1939, ungekürzt)
ISBN 978-3-7857-4386-7|
[www.titania-medien.de]http://www.titania-medien.de
[www.luebbe-audio.de]http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)
[„Der Glöckner von Notre-Dame“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5399 (Gruselkabinett 28/29)
[„Der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5426 (Gruselkabinett 30)
[„Die Gespenster-Rikscha“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5505 (Gruselkabinett 31)
[„Jagd der Vampire. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5730 (Gruselkabinett 32)
[„Jagd der Vampire. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5752 (Gruselkabinett 33)
[„Jagd der Vampire“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5828 (Gruselkabinett 32+33)
[„Die obere Koje“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5804 (Gruselkabinett 34)
[„Das Schloss des weißen Lindwurms“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5807 (Gruselkabinett 35)
[„Das Bildnis des Dorian Gray (Gruselkabinett 36/37)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5919
[„Die Maske des roten Todes“ (Gruselkabinett 46)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6735
[„Verhext“ (Gruselkabinett 47)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6734

Poe, Edgar Allan – Maske des roten Todes, Die (Gruselkabinett 46) (Hörspiel)

_Poe-Grusel im Kombipack: ein unvergesslicher Maskenball!_

Italien um 1750: Im ganzen Land wütet eine tödliche Seuche, genannt der Rote Tod. Der genusssüchtige Landesfürst Prinz Prospero verschließt die Augen vor den Nöten seiner Untertanen. Er lässt sogar die Zugänge zu seinem größten Landsitz, einer alten Abtei, verbarrikadieren und feiert dort mit Gleichgesinnten ein ausschweifendes Fest nach dem anderen. Für einen Maskenball fehlt ihm indes noch die rechte Idee, um ihn unvergesslich zu machen … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Sciencefiction, Short Story. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Der Erzähler: Hasso Zorn
Roter Tod: Axel Lutter
Prinz Prospero: Ernst Meincke
Erster Minister: Uli Krohm
Zweiter Minister: Viktor Neumann
Dritter Minister: Alexander Turrek
Hopp-Frosch: Sven Plate
Tripetta: Daniela Reidies
Giulietta: Reinhilt Schneider
Kutscher: Peter Reinhardt

Das Skript schrieb Marc Gruppe, der mit Stepahn Bosenius auch Regie führte. Die Aufnahme erfolgte in den Planet Earth Studios. Die Illustration ist von Firuz Askin.

_Handlung_

Um das Jahr 1750 herum wütet der Rote Tod in Europa. Die Symptome sind grausig, denn es dauert nur eine halbe Stunde, bis das Opfer aus allen Poren blutet und elendig verendet. Es ist eine Nacht, in der das Käuzchen schreit und kein Wanderer allein unterwegs sein sollte. Doch die hübsche Tripetta hat sich mit ihrem Gefährten auf den Weg gemacht, um ein besseres Heim zu finden. Da hören sie eine Kutsche, die lärmend und peitschenknallend durch die Nacht rumpelt. Wer mag dies wohl sein und können sie sie wohl mitnehmen?

Es ist Prinz Prospero, der mit seinen drei Ministern lachend und wohlgelaunt vom Besuch eines gewissen Etablissements zurückkehrt. Als er die zwei Gestalten erblickt, lässt er halten. Der Prinz ist offen für alle Arten von Vergnügungen, und wer weiß, was hier wohl auf ihn wartet? Schon die Zwergin bringt ihn zum Kichern, doch erst recht ihr Freund, den er in einem Anfall von Inspiration „Hopp-Frosch“ tauft. Sie behaupten, sie kämen aus einem Zirkus, sie sei eine Tänzerin und er ein Luftakrobat. Als sie berichten, sie wären dem Roten Tod entkommen, tritt kurz Stille ein. Aber das war ja schon heute Morgen, es besteht also keinerlei Gefahr mehr. Sie dürfen mit. Was für ein leckeres Frauenzimmer!

Der Prinz hat – welch ein Genie – schon wieder einen Einfall: Er will dem anrückenden Roten Tod entkommen, in dem er sich und seine Gefolgsleute in der Festung der alten Abtei einschließt. Nur Geladene dürfen bei ihm bleiben, der Rest – nun ja. Und Hopp-Frosch wird sein Hofnarr, verstanden? Wenn sie nicht ausgesperrt werden, müssen Trippetta und ihr Freund wohl gute Miene zum bösen Spiel machen. Auch wenn die Ungerechtigkeit und Demütigung zum Himmel schreit.

Die neue Kurtisane des Prinzen ruft wenige Tage später die zwei Freunde zu ihrem Herrn. Er plant ein Fest, das anders als alle anderen sein soll, ein Maskenball, und dafür fordert er von seinem Hofnarren Einfälle. Na, wird’s bald! Wie alle wissen, bekommt Wein Hopp-Frosch nicht, doch er wird solange abgefüllt, bis die Ideen nur so aus ihm heraussprudeln.

Der Akrobat stellt sich sieben Zimmer vor, jeweils durch Türen abgetrennt und jedes von anderer Farbe. Zu jeder vollen Stunde dürfen die Gäste ins nächste Zimmer wechseln, doch die volle Stunde solle von einer riesigen Pendeluhr geschlagen werden. Das letzte Zimmer jedoch, das erst um Mitternacht betreten werden dürfe, soll schwarz gestrichen sein und nur ein rotes Fenster dürfe es erleuchten, um alle Gäste in blutrotes Licht zu tauchen. Dann sollten alle wie vom Prinzen vorgesehen ihre Masken abnehmen. Bravo, bravo! Welch ein Einfall, lobt der Prinz und lässt die beiden Zirkusleute alles in die Wege leiten. In einer Woche steigt die Fete!

Mit den drei Ministern hat Hopp-Frosch jedoch einen ganz anderen Plan. Sie sollen auf dem Maskenball nicht wie gewöhnliche Sterbliche auftreten, sondern sich als Orang-Utans verkleiden. So sollen sie die Gäste erschrecken, als wären sie aus ihren Käfigen ausgebrochen. Allerdings müssten die Kostüme von ganz besonderer Beschaffenheit sein, um ihren Auftritt unvergesslich werden zu lassen ….

Am Vorabend des Festes beraten sich Tripetta und Hopp-Frosch wieder einmal auf den Zinnen. Tripetta ist bang zumute und hat Zweifel an ihrem Plan, doch er ist rachelüstern. Da bemerken sie einen Unbekannten, der sie belauscht. Er bittet sie, keine Angst zu haben. Er sei ihnen dankbar für den Auftritt auf dem Fest, den sie ihm ermöglicht hätten. Als sie ihn anzweifeln, versichert er ihnen: „Ich spaße nie!“ Und weg ist er.

Der Abend ist gekommen, der Maskenball kann beginnen. Und ja, es werden wie vom Prinzen verlangt jede Menge Überraschungen geboten werden …

_Mein Eindruck_

Schon als ich die beiden Erzählungen Poes zum ersten Mal las, kamen sie mir einzeln ein klein wenig dürftig vor. Das lag daran, dass jede nur, Poes Literaturtheorie gemäß, eine einzige Idee ausspielte. Dabei passen „Die Maske des Roten Todes“ (masque bedeutet auch „Maskenball) und „Hopp-Frosch“ ausgezeichnet zusammen. In Kombination präsentieren sie vor dem Hintergrund einer einzigen Epoche eine doppelte Sensation, so dass der Gehalt dieser Inszenierung weitaus dichter und reichhaltiger erscheint. Es ist, als hätte diese Geschichte nur auf ihr Erscheinen gewartet.

Wie jeder Kenner weiß, ereilt die drei Minister schon bald ihr allzu feuriges Schicksal. Doch während sie kreischen, halten die adeligen und vergnügungssüchtigen Gäste ihr Herumhampeln für einen Teil der Attraktion. Nur die Kurtisane des Prinzen erfüllt ein Gefühl der Beklommenheit, so als stimme etwas nicht. Diese Befürchtung soll sich auf schrecklichste Weise erfüllen.

Denn schon Poe hat in seinen Vorlagen eine Kombination aus Moritat, schwarzer Romantik und Sozialkritik formuliert. Ein Herrscher, der seine Untertanen ihrem Schicksal überlässt und sich derweil dem Vergnügen widmet, hat in Poes Augen jede Legitimation verloren. Die Minister sind in dieser Haltung der Selbst- und Vergnügungssucht seine Komplizen und verdienen ein Schicksal, das keinen Deut besser ist.

Doch der Tod lässt sich vielleicht aufschieben und aussperren, doch man kann ihn nicht um seine Opfer betrügen. Schlag Mitternacht schlägt also den Anwesenden im schwarzroten Zimmer das letzte Stündlein. Und in dieser Stunde, da die Masken fallen, entpuppt sich nur der Totenschädel des roten Todes von beängstigender Authentizität, während alle anderen nur die Maske des schönen Scheins tragen. Und so ist ihr Schicksal besiegelt. Nun zeigt sich, wer in Wahrheit herrscht. Nur zwei Gestalten entkommen der alten Abtei: Die Rechtschaffenen.

Das Stück ist schon bei Poe eine Moritat über Verantwortung der Herrschaft und die Bürde der Schuld, wenn die Beherrschten im Stich gelassen werden. Doch man kann die Vorlage auch anders lesen: Sie erinnert fatal an den Holocaust während des Zweiten Weltkriegs und die neutrale Haltung des Vatikans. Sie wurde bereits von Rolf Hochhuth in seinem Stück „Der Stellvertreter“ angeprangert (und später sehr gut verfilmt).

Hochhuth stellt die Frage, ob sich Kirchenvertreter in ihren „alten Abtei“ einschließen und die Augen vor dem Schicksal der Juden verschließen dürfen. Der Rote Tod als metaphorische Vorwegnahme des Holocaust also. Die Frage von Schuld und Sühne stellt sich von alleine. Poe antwortet kategorisch: Die Schuldigen müssen sich ihrem Urteil stellen. Und für sie kann es nur eines geben.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Stimmen der Sprecher sind je nach ihrem Geschlecht, ihrem Alter und ihrer jeweiligen Rolle optimal ausgewählt. Der Prinz ist natürlich der Obermacker, und Ernst Meincke spricht ihn mit entsprechend befehlsgewohnter Autorität und Überheblichkeit. Die Minister hingegen sind namenlos und folglich sind sonderlich unterscheidbar. Meistens lassen sie bloß lüstern oder gehässig, es sei denn sie schreien wie am Spieß.

Ihnen steht der Rote Tod gegenüber, recht unheimlich gesprochen von Axel Lutter, aber natürlich auch die Zirkusleute Tripetta und Hopp-Frosch. Daniela Reidies spricht die Tänzerin recht furchtsam und zweifelnd, doch Hopp-Frosch macht eine erstaunliche Entwicklung durch, vom zurückhaltenden Akrobaten zum rachelüsternen Vernichtungsmeister. Sven Plate lässt diese Verwandlung plausibel werden.

Zwischen diesen beiden Parteien steht jedoch Giulietta, die Kurtisane Prosperos. Reinhilt Schneider spricht die Hofdame zunächst mit entsprechender Hinterlist, doch je mehr sich das Maskenfest seinem blutigen Ende nähert mehr Angst muss die Figur an den Tag legen. Einen vernünftigen Grund gibt es dafür natürlich nicht, und so bleibt die Erklärung dieses Wandels rein den Gefühlen überlassen. Die Sprecher stellt dieses entscheidende Element recht angemessen, aber nicht mit vollster Überzeugung dar. Daneben zählt das Booklet noch eine Unzahl von Sprechern auf, die die Gäste akustisch verkörpern.

|Geräusche|

Die Geräusche sind recht genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Horrorfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut, meist aber reichen Andeutungen aus. So steht etwa das Wiehern von Pferden, Hufgetrappel und das Peitscheknallen für eine Kutsche, der Schrei eines Käuzchens für den Nachtwald, das Wellenrauschen das Meer am Fuße der Abtei usw.

In meinem Handlungsabriss habe ich eine Szene ausgelassen: den Besuch in einem Dorf, das dem roten Tod zum Opfer gefallen ist. Es ist, als würden die Kutschenpassagiere von Zombies angegriffen: Man kann sich das Röcheln und Lechzen nach Rettung wohl gut vorstellen, aber auch die erschrockene Fluchtreaktion der Fahrgäste.

In der alten Abtei herrscht eine ganz eigenartige Geräuschkulisse. Zwei Elemente seien besonders hervorgehoben, die neben dem üblichen Gelächter und Gläserklingen zum Tragen kommen. Das Erste ist ein unerklärliches und unerklärtes tiefes Quietschen, wie es entsteht, wenn ein großer Metallkörper an einem anderen reibt. Das Zweite ist das zischende Rauschen eines sehr großen Uhrpendels: Wuuusch! Dieses spezielle Pendel ist zwar längst nicht so groß wie jenes titelgebende in „Grube und Pendel“, aber doch von einer unheimlichen Regelmäßigkeit und Lautstärke. Den tiefen Glockenschlag kann man sich leicht hinzudenken, der dann besonders unheilvoll Schlag Mitternacht erdröhnt, und ein kalter Hauch fährt wieder einmal über die Gäste hinweg …

Eine besonders dynamische Szene ist hingegen der Auftritt der „Orang-Utans“. Die verkleideten drei Minister sind aneinandergekettet, was zu einem fortwährenden Kettengeklirr führt. Und sobald ihre Kostüme in Brand gesetzt sind, sorgt ein knisterndes Feuerchen für zusätzliche akustische Reize. Hinzukommt das panische Kreischen der Opfer.

|Musik|

Gleich zu Anfang stimmt die Musik den Zuhörer auf ein bedrohliches und unheimliches Drama ein. Mehrere Intermezzi wissen diese düstere Grundstimmung aufzulockern, und die Tanzmusik des Maskenballs weiß die Vergnügungen, denen die Gäste nachgehen, wohl anzudeuten. All dies kann natürlich das grausige Ende des Dramas nicht aufhalten. Den Ausklang bilden die klagende Kantilene einer Sängerin, eine Violine und eine Harfe – ein sanft schreitendes Adagio, das in der Ewigkeit verklingt.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von Titania Medien. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin fand ich wieder einmal sehr passend und suggestiv.

Firuz Akin hat auch eine Seite Werbung für sein Buch „Illustration“ bekommen, das Mitte Dezember im Heider Verlag erscheinen soll.

Diesmal sind in einem zusätzlichen Katalog Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:

Nr. 48: Bram Stoker: Die Squaw (November)
Nr. 49: Frederick Marryat: Der weiße Wolf (November)
Nr. 50: Das Gespenst von Canterville (März 11)
Nr. 51: Arthur Conan Doyle: Die Mumie (März 11)
Nr. 52: Robert E. Howard: Tauben aus der Hölle (April 11)
Nr. 53: William Hope Hodgson: Die Herrenlose (April 11)
Nr. 54 + 55: Alice & Claude Askew: Aylmer Vance – Abenteuer eines Geistersehers (Mai 11)

_Unterm Strich_

Regisseur Marc Gruppe hat in seinem Drehbuch die beiden Poe-Erzählungen „Die Maske des roten Todes“ und „Hopp-Frosch“ miteinander verbunden. Die thematische Verbindung legt nahe, dass man die beiden Storys verknüpft, und doch findet dies meines Wissens erstmals in diesem Hörspiel statt. Die wirkungsvolle Inszenierung verhilft der Aussage zu einer Eindringlichkeit, die nicht auf taube Ohren stoßen dürfte. Der Aussage nämlich, dass es sich nicht auszahlt, die Not der Untertanen zu ignorieren und zu glauben, dem Tod ein Schnippchen schlagen zu können. In sozialkritischer Weise erinnert das Stück deshalb ein wenig an „Final Destination“.

|Das Hörspiel|

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Diesmal sind der Grusel des Maskenballabschlusses und die Dynamik des Racheaktes an den Ministern zu einer wirkungsvollen Mischung kombiniert, die keinen Hörer kalt lassen dürfte.

|Audio-CD mit 65 Minuten Spieldauer
Originaltitel: The Masque of the Red Death; Hop Frog, 1845/46
ISBN-13: 978-3785743898|
[www.titania-medien.de]http://www.titania-medien.de
[www.luebbe-audio.de]http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)
[„Der Glöckner von Notre-Dame“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5399 (Gruselkabinett 28/29)
[„Der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5426 (Gruselkabinett 30)
[„Die Gespenster-Rikscha“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5505 (Gruselkabinett 31)
[„Jagd der Vampire. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5730 (Gruselkabinett 32)
[„Jagd der Vampire. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5752 (Gruselkabinett 33)
[„Jagd der Vampire“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5828 (Gruselkabinett 32+33)
[„Die obere Koje“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5804 (Gruselkabinett 34)
[„Das Schloss des weißen Lindwurms“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5807 (Gruselkabinett 35)
[„Das Bildnis des Dorian Gray (Gruselkabinett 36/37)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5919
[„Die Maske des roten Todes“ (Gruselkabinett 46)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6735
[„Verhext“ (Gruselkabinett 47)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6734

Apel, Johann August – Die Bilder der Ahnen (Gruselkabinett 23)

_Spannend & romantisch: Detektive in der Ahnengalerie_

Süddeutschland 1811. Graf Ferdinand von Panner weilt zu Besuch auf dem Schloss der Familie seines Schulfreundes. Eine düstere Legende verdunkelt zeitweise das Gemüt der dort Wohnenden. Was hat es auf sich mit der gefürchteten Geistererscheinung eines unheimlichen Ritters, die nachts an das Lager der männlichen Nachkommen tritt? Ferdinands Neugier ist geweckt, denn ein tragisches Geheimnis harrt seiner Enthüllung …

_Der Autor_

Johann August Apel (1771-1816) ist ein Autor aus der Zeit der schwarzen Romantik. Unter anderem schrieb er die Vorlage zu Carl Maria von Webers berühmter Fantasy-Oper [„Der Freischütz“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Ferdinand von Panner: Dennis Schmidt-Foß (u. a. dt. Stimme von Freddie Prinze jr. und Scott Speedman)
Emilie von Wartburg: Melanie Hinze (Jennifer Love Hewitt, Holly Marie Combs)
Baron von Hainthal: Lutz Riedel (Timothy Dalton, Richard Gere)
Ritter Dietmar von Wartburg: Bert Stevens (Moderator & Sprecher)
Pfarrer: Wilfried Herbst (Rowan Atkinson, ‚Morty Seinfeld‘)
Frau Pfarrer: Dagmar Biener (Goldie Hawn, Miou-Miou)
Graf Wartburg: Klaus-Dieter Klebsch (Alec Baldwin, Gabriel Byrne)
Gräfin Panner: Marianne Gross (Anjelica Huston, Cher)
Baronin von Hainthal: Viola Sauer (Michelle Forbes, Charlotte Rampling)
Allwill von Wartburg: Daniel Werner
Klotilde von Hainthal: Cathlen Gawlich (Jaime King)
Philipp von Wartburg: Aljoscha Fritzsche (Malcolm David Kelley in „Lost“)
Felix von Wartburg: Albert Werner
Postillion: Jochen Schröder (James Cromwell, Lionel ‚Max‘ Stander in „Hart aber herzlich“)
Bertha von Hainthal: Monica Bielenstein (Emma Thompson, Cybill Shepherd)
Juliane von Panner: Anja Stadlober (Paris Hilton)
Mönch Tutilo von St. Gallen: Kammerschauspieler Heinz Ostermann

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand bei Rotor Musikproduktion und bei Kazuya statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

Im Jahr 1811 ist Ferdinand von Panner nach Studienjahren im Ausland in sein Elternhaus zurückgekehrt. Da Vater und Schwester gestorben sind, ist er nun das Oberhaupt der Familie. Seine Mutter hat ihm klargemacht, dass es seine Pflicht sei, für einen Stammhalter zu sorgen und eine Frau zu heiraten, aber nicht irgendeine, sondern es müsse Klotilde von Hainthal sein. An diesem Abend fährt er nun zur Residenz, wo sich Klotilde beim Karneval aufhalten soll.

Als Ferdinand in einem Gasthaus einkehren will, vernimmt er Musik aus einem hübschen Haus. Neugierig geht er darauf zu und wird sogleich hereingebeten. Der Pfarrer gibt hier a) eine musikalische Gesellschaft und b) einen Gespenstertee. Einen Gespenstertee? Der Pfarrer erklärt ihm, dass es sich um eine kleine Runde handle, in der Gespenstergeschichten erzählt würden. In dem düsteren Zimmer fällt Ferdinand sofort eine schöne junge Blondine auf. Sie ist die Erste, die eine Geschichte zum Besten geben muss …

|Die Geschichte der Blondine|

Ihre Freundin Juliane lebte auf ihrem Schloss auf dem Lande. Jeden Abend musste das junge Mädchen in einem Saal speisen, in dem die Bilder der Ahnen hingen, und diese Momente empfand sie stets als unheimlich und furchteinflößend. Ein Bild erregte ihr besonderes Grauen, denn so lebendig erschien ihr das Bild der abgebildeten Frau, dass sie sie mit Blicken zu durchbohren schien. Nach zwei Jahren Aufenthalt auf dem Schloss wird Juliane endlich Braut. Am Tag vor der Trauung führt sie ihren Verlobten durch die Zimmer. Als sie im Speisesaal das bewusste Bild erblickt, schreit Juliane auf und will fliehen. Doch in diesem Moment fällt das riesige Porträt von der Wand und begräbt sie unter sich.

Ein weibliches Mitglied der Teegesellschaft bestätigt die Geschichte. Sie habe tatsächlich stattgefunden. Und wenn Ferdinand reden würde, dann könnte er ihr verraten, dass es sich bei Juliane um seine eigene Schwester handelt. Er erwähnt auch nicht, dass er seine eigene Geschichte selbst erlebt hat, sondern tut so – mit einem Versprecher hie und da -, als hätte sie ein Freund namens Ferdinand erlebt.

|Ferdinands Geschichte|

Der junge Student Ferdinand kehrt mit seinem Freund Allwill von der Uni zurück in dessen Elternhaus, ein Schloss auf dem Lande. Dort wird Ferdinand als Allwills Freund herzlichst empfangen. Besonders Emilie hat ihn in ihr Herz geschlossen, und bis zum Ende des Sommers haben sie einander versprochen. Im Schloss befindet sich ein Saal mit Familienporträts, unter denen Ferdinand eines besonders auffällt. Nicht nur, weil es einen furchteinflößenden Ritter zeigt, sondern weil es direkt in die Wand eingelassen ist. Emilie sagt, dies sei Dietmar, der Stammvater des Geschlechts. Ihr Bruder Allwill vermutet ein tragisches Familiengeheimnis hinter der Entstehung des Bildes. Da hat er nur zu sehr Recht.

In der Nacht hört der ruhelos wandelnde Ferdinand klagende Rufe aus dem Bildersaal. „Weh euch! Sie sollen verschont werden! Erlösung! Ruhe!“ Aus dem Ritterbild blicken ihn glühende Augen an, bis die Gestalt vor seinen Augen verschwindet. Die Turmuhr schlägt Mitternacht. Als Ferdinand aus dem Fenster schaut, sieht er im Mondschein die Gestalt des Ritters, der vom alten Turm am Ende der Lindenallee auf das neue Schloss zuschreitet. Ferdinand ignorierend, geht der Geist durch den Bildersaal weiter zu den Schlafgemächern, und Ferdinand bekommt es nun mit der Angst zu tun. Er beobachtet, wie der Geist die beiden jüngeren Söhne des Grafen, Felix und Philipp, küsst und sodann verschwindet. Da keine Gefahr mehr besteht, geht nun auch Ferdinand schlafen.

Am nächsten Morgen darf Ferdinand nur unter vier Augen mit dem Grafen von seinem Erlebnis berichten. Offenbar ist es nicht das erste Mal, dass sich der Geist so gezeigt hat. Aber was bedeutet es? Der Graf lässt Ferdinand schwören, niemandem etwas davon zu erzählen, außerdem sei das Unglück sowieso unabwendbar. Kaum ist Ferdinand abgereist, hört er wenig später, dass Felix, Philipp und sogar der Graf selbst gestorben seien. Doch Ferdinand sieht Emilie nicht wieder.

|Erkenntnisse|

Kaum hat Ferdinand seine Geschichte beendet, geht die Blondine aufgewühlt aus dem Zimmer. Offenbar ist sie recht betroffen von den Neuigkeiten. Ein Teilnehmer der Gesellschaft entlarvt Ferdinands Identität, die dieser sogleich entschuldigend gesteht. Da sagt ihm dieser Teilnehmer, dass Emilie von Wartburg ihn immer noch suche, weil sie nun, nachdem auch ihr Bruder Allwill starb, die Alleinerbin ist. Und noch mehr: Das furchtbare Familiengeheimnis der Wartburgs betreffe auch ihn selbst und die Panners!

Damit ihn nicht das gleiche Schicksal ereilt wie die Wartburgs, muss Ferdinand schnellstens herausbekommen, was es mit dem Porträt des Ritters und dem damit verbundenen Geheimnis auf sich hat.

_Mein Eindruck_

Dies ist noch nicht einmal der ganze 1. Akt der ungewöhnlich langen Handlung. Es folgen noch zwei weitere Akte und natürlich ein Epilog. Ob die Geschichte für Ferdinand und seine Herzensdame Emilie gut ausgeht, soll hier nicht verraten werden, um die Spannung nicht zu verderben.

Wie schon aus dem Inhaltsabriss deutlich geworden sein dürfte, spielt die ganze Story zwischen drei Adelsgeschlechtern, die sich nun nicht nur in einer existenzbedrohenden Krise befinden, sondern auch noch erkennen und bewältigen müssen, dass ein Fluch sie seit nicht weniger als neun Jahrhunderten heimsucht. Damals fing die ganze Geschichte mit – wie zu erwarten – einer Missetat des Ritters Dietmar von Wartburg an. Er diente seinerzeit unter Kaiser Otto dem Großen (936-973), insbesondere bei der Eroberung Oberitaliens (Lombardei).

Die ganze Geschichte entfaltet daher mit ihrem Fortschreiten eine zunehmende geschichtliche Tiefe. Für den nicht mit der deutschen Geschichte vertrauten Hörer könnte es ein wenig verwirrend sein, von irgendwelchen Grafen zu erfahren, die um die Gunst des Kaisers ringen, weil es um die Hand einer wertvollen Frau (wie könnte es anders sein?) geht. Jeder will sein eigenes Adelsgeschlecht mit der Lady gründen – und geht dabei sogar über Leichen. Bei der Lady handelt es sich übrigens um jene Dame, deren gewichtiges Porträt die arme Juliane von Panner erschlug.

In mehreren Rückblenden führt uns das Hörspiel in jene durchaus interessante und dramatische Epoche vor fast elfhundert Jahren. Und ich zumindest fühlte mich aufgrund des Auftretens des Mönches Tutilo von St. Gallen (diese Klosterkirche hat eine wunderbare und prächtige Bibliothek) stark an Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ erinnert. Aber der Umstand, dass ein einfacher Mönch einen Ritter mit einem Sühnefluch belegen kann, der alle männlichen Nachgeborenen – bis auf jeweils einen – das Leben kostet, kam mir als Strafe Gottes ziemlich überzogen vor.

|Die neue Zeit|

Wie auch immer: „Der Fluch der bösen Tat“ wirkt durch die Jahrhunderte fort. Weil immer nur der letzte männliche Nachkomme auf dem Sterbebett seines Vorfahren unter dem Siegel der Verschwiegenheit davon erfährt, kann der Fluch auch ungebrochen fortwirken. Nun aber, so suggeriert der Autor, bricht eine neue Zeit an. Kein Wunder, denn um 1811, als die Handlung spielt, hat das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, das einst Otto zu Größe führte, aufgehört zu existieren. Napoleons Truppen haben ihm den Garaus gemacht, ihr Befehlshaber, der Kaiser, mit dem Code Napoleon ein neues bürgerliches Gesetzbuch in allen eroberten Ländern zum Standard gemacht. Höchste Zeit also, alte Zöpfe abzuschneiden.

|Detektivarbeit|

Doch bevor Ferdinand seine Emilie vor den Altar führen kann, sind noch etliche Hindernisse zu bewältigen. In der Manier von [„Sakrileg“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1897 sind alte Dokumente zu lesen, die Aufschluss über die Vergangenheit geben und Aufschluss erteilen über den Fluch und wie man ihn beenden kann. Wie kann man dem alten Rittergespenst die letzte Ruhe verschaffen und jene Erlösung, nach der es ihn verzweifelt verlangt? Das ist schon fast Detektivarbeit und macht den langen dritten Akt doch noch relativ spannend. Wäre Ferdinand Sherlock Holmes, so müsste jeden Moment der Hund der Baskervilles auftauchen. Wie so viele Stücke der deutschen (und anderssprachigen) Romantik lässt sich auch „Die Bilder der Ahnen“ als ein Aufruf zur Erneuerung lesen.

_Die Inszenierung_

|Sprecher|

Unter den Sprechern wie unter den Rollen sind diesmal alle Genrationen vertreten, von den Kindern bis zu den Senioren. Zwar sollte die Figur der Ferdinand von Panner, der ja auch der Ich-Erzähler ist, stets im Mittelpunkt stehen, doch das ist im dritten Akt eher die Ausnahme. Die Ermittlungsarbeit der drei Familien Wartburg, Panner und Hainthal ist vielmehr echtes Teamwork und erfordert die Mitarbeit auch der Senioren.

Besonders bezaubernd fand ich die Stimme der „Emilie“, die Melanie Hinze gehört, der deutschen Stimmbandvertretung von Jennifer Love Hewitt (die Hauptdarstellerin in „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“). Besonders beeindruckt war ich hingegen von Bert Stevens, der den verfluchten Ritter Dietmar spricht. Stevens legt in seine Darstellung so viel emotionale Bewegung, dass man nicht anders kann, als sich in seine Lage zu versetzen und mit ihm zu fühlen. Ein würdiger Beichtvater ist ihm Mönch Tutilo, den Heinz Ostermann spricht.

Als enttäuschenden Totalausfall empfand ich jedoch die Stimme der Juliane, die Anja Stadlober zuzuordnen ist, welche normalerweise Paris Hilton synchronisiert. Mag sein, dass Frau Stadlober die Schwester von Schauspielerass Robert Stadlober ist, aber deswegen muss sie noch lange wie ein Roboter vom Blatt ablesen. Stimmliche Darstellungskunst ist etwas anderes. (Ich hoffe, ich verwechsle sie nicht mit einer anderen Sprecherin; wäre dem so, würde ich mich entschuldigen.)

|Musik und Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem Spielfilm aus dem schauerlichen Genre erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut. Die zwitschernden Vöglein des Tages werden daher stets mit Nachtgeräuschen wie etwa der Mitternacht schlagenden Turmuhr, dem kühlen Wind und manchmal sogar Donner kontrastiert. Die Story bietet Gelegenheit für den Einsatz von Halleffekten, so etwa in der Ahnengalerie und im Gewölbe unter dem alten Turm. Die Sprengung dieses alten Turms konnte sich der Tonmeister natürlich nicht entgehen lassen: Eine mordsmäßige Explosion erschüttert die Lautsprecherboxen des Zuhörers! Zum Glück nur in akustischer Hinsicht …

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und ist mit klassischen Instrumentarium produziert – keine Synthesizer für klassische Stoffe! Die Musik steuert nicht nur die Emotionen des Publikums auf subtile Weise, sondern bestreitet auch die Pausen zwischen den einzelnen Akten. Dann stimmt sie das Publikum auf die „Tonart“ des nächsten Aktes ein. Zwischen drei Akten lässt sich das Hörspiel Zeit, das Intermezzo etwas auszudehnen. Beginnt der nächste Akt, so ist das unschwer an einer anderen Tonart und einem anderen Tempo zu erkennen. Der erste Akt beginnt wie der zweite mit einer frisch-fröhlichen, dynamischen Weise, die schon fast volksmusikhafte Züge trägt.

Mehrmals konnte ich feststellen, dass die Hintergrundmusik auf dezente Weise erst Mozarts „Kleine Nachtmusik“ und dann, eine Weile später, das Wiegenlied „Guten Abend, gute Nacht“ zitiert. Solche Zitate hört man nicht allzu häufig in Originalhörspielen, aber weil sie sich im Hintergrund halten (und womöglich nur wenigen Hörern auffallen), seien sie hier ausdrücklich willkommen geheißen.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin fand ich wieder einmal recht passend. Ich bin aber nicht sicher, ob die Ritter des 10. Jahrhunderts schon Rüstungen trugen, die man im 13. und 14. Jahrhundert zu fertigen pflegte. Aber da ich diesbezüglich keine Experte wie John Howe bin, ist mir dies einerlei. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 14 Jahren.

Diesmal sind in einem zusätzlichen Katalog Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:

Nr. 24 und 25 wird von H. P. Lovecrafts „Der Fall des Charles Dexter Ward“ bestritten (2 CDs).
Nr. 26: Theophile Gaultier: „Die Liebe der Toten“
Nr. 27: Robert Louis Stevenson: „Der Leichendieb“ (nach historischen Tatsachen)

_Unterm Strich_

Der Aufbau der Geschichte ist zwar ein wenig komplex, aber das ist auch von einer Geschichte, in der ein Familienfluch die Hauptrolle spielt, zu erwarten. Man denke nur an die Holmes-Geschichte [„Der Hund der Baskervilles“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1896 und erkennt sofort, dass irgendwie mehrere Rückblenden folgen müssen. Der vorliegende Autor bedient sich des Kniffs der beim Tee erzählten „Gespenstergeschichte“, die damals wohl noch recht en vogue gewesen sein dürfte, was aber heute nur noch belächelt werden kann. (Geschichten erzählt uns heute nur noch das Fernsehen oder die Oma – schade, nicht?)

Bemerkenswert ist an dieser Familiengeschichte, dass sie praktisch das gesamte Heilige Römische Reich Deutscher Nation umspannt, das immerhin mehr als 1000 Jahre existierte (bis 1806). Das bietet Gelegenheit, diesem untergegangenen Reich einen Nachruf hinterherzuschicken und zugleich auszudrücken, dass es höchste Zeit ist, mit diesen alten Zöpfen – in Gestalt des Familienfluches – aufzuräumen. Nur dann habe die neue Zeit – in Gestalt der vom Fluch erlösten Emilie und Ferdinand, aber auch des alten Ritters – eine Chance, Neues und Besseres aufzubauen, auch in Form einer neuen Idealen verschriebenen Familie. Romantik muss also nicht immer rückwärtsgewandt sein.

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Besonders im dritten Akt hatte ich Mühe, die Fülle der gelieferten neuen Informationen zu erfassen.

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Wer jedoch mit Melodramatik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen.

|75 Minuten auf 1 CD|
http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Heine, Heinrich / Gruppe, Marc – fliegende Holländer, Der (Gruselkabinett 22)

_Kongeniale Umsetzung der romantischen Legende_

Mit einer Hörspielversion des fliegenden Holländers findet nun auch der Themenkreis rund um die Geister auf hoher See Einlass in das Gruselkabinett. Schauriges Seemannsgarn vom Feinsten – nach Motiven von Heinrich Heine und einer wahren Begebenheit.

Bis in alle Ewigkeit verflucht, muss das Geisterschiff des fliegenden Holländers die Weltmeere auf der Suche nach der ersehnten Erlösung der Mannschaft durchstreifen. Unheil droht demjenigen, der dem rot glühenden Dreimaster in stürmischer Nacht begegnet. Verderben hingegen wird dem zuteil, der sich mit dem verfluchten Kapitän des Seglers einlässt …

_Der Autor_

Heinrich Heine (1797-1856) ist wohl einer bekanntesten deutschen Dichter. Leider musste er in unruhigen Zeiten ins Pariser Exil gehen, wo er mit deutschen Revolutionären wie Ludwig Börne an der Änderung der reaktionären deutschen Verhältnisse arbeitete. 1834 erschien sein Buch „Die Memoiren des Herrn von Schnabelewopski“ und darin findet sich die Legende vom Fliegenden Holländer wiedergegeben. Dass der Holländer – sowohl der Kapitän als auch sein Schiff – „fliegt“, ist wohl nicht wörtlich zu verstehen. Vielmehr ist mit „fliegen“ fliehen gemeint, und zwar sowohl vor den Menschen, die ihn meiden, als auch vor dem Fluch, mit dem ihn Gott belegt hat.

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

John Neale Dalton, Tutor: Wolfgang Condrus (u. a. dt. Stimme von Ed Harris und Sam Neill)
Der Holländer: David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale)
Donald Mackenzie: Roland Hemmo (Brendan Gleeson, Brian Cox, Colm Meaney)
Katharina Mackenzie: Dascha Lehmann (Katie Holmes, Jennifer Love Hewitt)
Großmutter Mackenzie: Barbara Adolph (Rosemary Harris, Nina Foch, Vanessa Redgrave)
Kapitän von Mackenzie: Uli Krohm (Omar Sharif in „Monsieur Ibrahim …“, Ghassan ‚Saladin‘ Massoud in „Königreich der Himmel“)
Prinz Albert Victor: Simon Jäger (Matt Damon, Josh Hartnett, Heath Ledger)
Junger Albert Victor: Nicolas Artajo (Jamie Bell)
Wachhabender Offizier: Tommy Morgenstern (Dominic Monaghan in „Lost“, ‚Butt-Head‘)
Ausguck der „Inconstant“: Thomas-Nero Wolff (Hugh ‚Wolverine‘ Jackman, Woody Harrelson)
Steuermann des Holländers: Kammerschauspieler Heinz Ostermann

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand bei |Rotor Musikproduktion| und bei |Kazuya| statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

PROLOG. Zirka 17. Jahrhundert. Sturm am Kap der Guten Hoffnung. Ein Segler trotzt der schäumenden See jedoch. Als der Steuermann vorsichtshalber die Segel reffen will, befiehlt ihm der Kapitän wütend, er solle das Schiff dennoch durch die tobenden Urgewalten lenken, und koste es seines, des Kapitäns Leben. Er fordert sogar Gott heraus, es ihm zu verwehren. Ein Krachen, ein Schrei …

September 1888. John Neale Dalton besucht mit seinem Schüler und Schützling, der Kgl. Hoheit Prinz Albert Victor, die Oper. Es handelt sich um Richard Wagners „Der Fliegende Holländer“. Beide erinnern sich noch gut an ihr gemeinsames Erlebnis mit eben jenem Geisterschiff …

Es ist der 11. Juni 1881, als die „Inconstant“ mit Kurs aufs australische Melbourne dem Geisterschiff begegnet. Prinz Albert Victor ist ein 17-jähriger Kadett an Bord des Schiffes, das ihn ausbildet, und Dalton ist auch hier sein Tutor. Der Ausguck ruft am Morgen plötzlich: „Schiff ahoi! Ein Dreimaster!“ Der Segler hat zerfetzte Segel und glüht in einem unheimlichen Rot, doch an Bord ist keine Menschenseele zu sehen. So schnell, wie es aufgetaucht ist, so schnell ist das Schiff auch wieder verschwunden. Dem wachhabenden Offizier ist gar nicht wohl bei der Sache, denn er fürchtet den Fluch, der denjenigen trifft, der des Geisterschiffs ansichtig wird.

Mr. Dalton erzählt dem Prinzen, was er selbst über das Schiff weiß. Es ist die Geschichte des Kaufmanns Donald Mackenzie aus Schottland, der eines Tages vor etwa hundert Jahren in einer Bucht, wo er vor dem Sturm Zuflucht suchte, das Schiff des Holländers in Augenschein nahm – persönlich! Denn mit dem Fluch, der seit Jahrhunderten auf dem Holländer liegt, verhält es sich so, dass er zwar dazu verdammt ist, bis zum Jüngsten Tag die Weltmeere zu durchsegeln, aber durch die Liebe einer treuen Frau erlöst werden kann. Und dazu erhält er alle sieben Jahre Gelegenheit, an Land zu gehen.

Als Donald Mackenzie trotz der Proteste seines Kapitäns an Bord des Holländerschiffes geht, begegnet ihm dessen Kapitän durchaus freundlich, wenn auch von der Crew nichts zu sehen ist. Der Mann zeigt ihm riesige Diamanten, die augenblicklich das Interesse, wenn nicht sogar die Gier im Kaufmann wecken. Der Holländer bietet ihm ein Tauschgeschäft an: Diamanten gegen Mackenzies Tochter Katharina. Der Mann ist einverstanden. Zusammen segeln sie nach Schottland.

Zu ihrem Entsetzen sehnt sich Katharina geradezu danach, den Mann, den sie von einem verblichenen Gemälde kennt, von seinem Fluch zu erlösen. Und als Katharina dann auch noch das Original zu diesem Bild erblickt, stutzt sie zwar ob der verblüffenden Ähnlichkeit, doch willigt sie freudig in den Antrag des Holländers ein, seine treu liebende Frau zu werden.

Jedoch der Mann ist merkwürdig zurückhaltend in seinen Kontakten zu ihr, so dass sie einen unruhigen Albtraum erlebt. Am Morgen ihres Hochzeitstages ist sie jedoch bereit, mit ihm vor den Altar zu treten. Da bringt ihre Großmutter einen Brief vom Hafen, der Unheil verheißt …

_Mein Eindruck_

Man kann sich durchaus fragen, woher Heinrich Heine, der bekanntlich 1856 in Paris starb, vom Tod des Prinzen Albert Victor im Jahr 1892 – war der Fluch des Holländers schuld? – wissen konnte, aber das wäre nun wirklich Beckmesserei. Wie auch immer: Heine schrieb 1834 über den Fliegenden Holländer. Vanderdecken erzählt dabei von einer Theateraufführung in Amsterdam, bei welcher der Teufel Vanderdecken zu einem Pakt zwingt und zu einem ewigen Segeln auf den Meeren verflucht, es sei denn, er werde durch die Liebe einer treuen Frau erlöst.

Heine bezog sich auf einen Artikel aus dem Jahr 1821, doch die erste Erwähnung des fliegenden Holländers findet sich laut „Encyclopedia of Fantasy“ in Anmerkungen von Sir Walter Scott aus dem Jahr 1813. Die Sage ist also relativ jung, verglichen mit anderen. (Ungefähr zur gleichen Zeit entstand auch der romantische Mythos vom Vampir.) Schon neun Jahr nach Heines Erzählung veröffentlichte Richard Wagner seine Oper (1843), die im Hörspiel zweimal zu hören ist. Wagner, der sich auf Heine beruft, lieferte die definitive Version der Legende, die bis heute recht häufig verarbeitet wurde.

Das Hörspiel verknüpft die Legende mit staatstragenden Personen aus der viktorianischen Ära und natürlich mit der Oper. Aber der Kern der Story dreht sich um Mackenzie und seine Tochter, die um ein Haar den verfluchten Holländer (und seine ebenso unglückliche Crew) erlöst hätte. Ein Abenteuer zur See mündet in eine tragisch endende Liebesgeschichte – könnte es etwas Romantischeres geben?

Doch was wird aus dem Fluch, der denjenigen trifft, der den Holländer erblickt? Hier findet der Hörer das Spannungselement, das bis zum Schluss aufrechterhalten wird. Ich habe die durchdachte Erzählstruktur bewundert, die dem Hörspiel trotz der Komplexität der Geschichten eine elegante Kompaktheit verleiht, die in sich ruht. Diesem kompletten Ganzen lässt sich nichts mehr hinzufügen, ohne seine Ausbalanciertheit zu stören. Klasse.

_Die Inszenierung_

Die akustische Umsetzung hat mich ebenfalls zu überzeugen gewusst. Schon der Prolog stimmt den Hörer voll auf die harte Umgebung des Meeres ein, denn wenn ein Sturm am Kap tobt, dann hat der Mensch gefälligst klein beizugeben. Das tut der Kapitän jedoch nicht, sondern er fordert vielmehr Gott heraus, ihn zu strafen bis zum Jüngsten Tag.

Diese Vorgeschichte wird durch die Erzählung von Oma Mackenzie nahtlos ergänzt. Von einem Teufelspakt ist hier keinerlei Rede, sondern nur vom Fluch, der auf dem Holländer liegt und allen, die ihn erblicken. Die Großmutter berichtet auch – mit Vanessa Redgraves kultivierter Stimme -, dass die verdammte Crew des Holländers bei Begegnungen mit anderen Schiffen versucht, diesen Briefe an ihre Angehörigen mitzugeben. Nur dass diese Angehörigen natürlich schon längst unter der Erde liegen …

Dass der Fluch des Holländers auch auf diejenigen fällt, die ihm begegnen, ist wahrscheinlich Einbildung, legen Mackenzie und Dalton nahe. Aber Dalton zweifelt ein wenig an dieser vernünftigen Erklärung. Warum sonst stürzte der Ausguck der „Inconstant“ aus seinem Krähennest aufs Deck – und verfehlte dabei die Kgl. Hoheit Albert Victor nur um Haaresbreite?! Auch dies gehört natürlich zu einem gruseligen Stück wie diesem, denn es trägt nicht wenig zur Spannung bei.

Geradezu entzückt war ich von David Nathans feinfühliger Darstellung der zentralen Figur. Sein Holländer ist wahrlich ein Verdammter, zwar ein Gentleman statt eines groben Klotzes, welcher der Menschheit entfremdet ist, aber gerade deshalb umso geeigneter als Ehemann für die liebliche Katharina. Warum also klappt es mit den beiden nicht, fragt sich der Hörer zu Recht, doch ich werde es hier nicht verraten. Der Holländer wird also weiterhin die Meere als ein Ahasveros des Wassers heimsuchen.

|Musik und Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und wirklichkeitsgetreu aufgebaut. Auf hoher See herrschen stets die Geräusche des Meeres und der Küste vor, so etwa Wind bzw. Sturm, Wellenrauschen und immer wieder Möwenschreie. An Deck der Schiffe halten sich diese Geräusche aber im Hintergrund, um die Dialoge nicht zu verdecken. Szenen im Innern von Gebäuden gibt es kaum, außer in der Oper und im Hause Mackenzie. Dort fehlen Nebengeräusche fast gänzlich, denn entweder steht die Musik der Oper oder der Dialog der Mackenzies im Vordergrund.

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und ist mit klassischen Instrumentarium produziert – keine Synthesizer für klassische Stoffe! Die Musik steuert nicht nur die Emotionen des Publikums auf subtile Weise, sondern bestreitet auch die Pausen zwischen den einzelnen Akten. Dann stimmt sie das Publikum auf die „Tonart“ des nächsten Aktes ein.

Nach einem furiosen Auftakt im Sturm am Kap leitet eine längere Musikpassage zum Geschehen des Jahres 1888 über und der Erzählung Mr. Daltons. Beeindruckend ist die Ouvertüre zur Oper von Wagner wiedergegeben – großes Lob an das Orchester! Leider wird es nicht in den Credits genannt. Die Ouvertüre wie auch die andere Passagen geben vollständig die Stimmung aus Verdammnis, Sehnsucht und Liebesversprechen wieder, das sowohl tragisch als auch romantisch gefärbt ist.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin fand ich wieder einmal sehr passend und suggestiv. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 14 Jahren.

Diesmal sind in einem zusätzlichen Katalog Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:

Nr. 24 und 25 wird von H. P. Lovecrafts „Der Fall des Charles Dexter Ward“ bestritten (2 CDs).
Nr. 26: Theophile Gaultier: „Die Liebe der Toten“
Nr. 27: Robert Louis Stevenson: „Der Leichendieb“ (nach historischen Tatsachen)

_Unterm Strich_

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Der Aufbau der Geschichte ist zwar ein wenig komplex, aber sobald man aufgehört hat, sich über die zweite Rückblende zu wundern, findet man sicherlich Gefallen an dem tragisch-romantischen Kern der Handlung. Schließlich handelt es sich um eine Legende, die einen Fluch beinhaltet, und was wäre ein Fluch ohne seine Bewahrheitung? Durch diese Frage wird doch noch ein erhebliches Maß an Spannung erzeugt, die bis zum Schluss anhält.

Dass die Geschichte zwar unter Engländern spielt, aber zu einem großen Teil den deutschen Künstlern Heine und Wagner zuzuschreiben ist, hat mich sehr gefreut. Zwar sind Apel, Laun usw. ebenfalls deutschsprachige Autoren, aber längst nicht von einem solchen Rang wie Heine und Wagner.

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermittelt das richtige Kino-Feeling. Wer jedoch mit Melodramatik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Koste greifen. Die Hörbücher der „Necroscope“-Reihe von Brian Lumley dürften eine ausreichend starke Dosis verabreichen.

|60 Minuten auf 1 CD|
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http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Dumas, Alexandre / Gruppe, Marc – Werwolf, Der (Gruselkabinett 20)

_Wolfsgeheul und die Überlistung des Teufels_

Frankreich 1779

Der Holzschuhmacher Thibaut wünscht sich nichts sehnlicher, als ein reicher Edelmann zu sein. In einer stürmischen Winternacht rettet er einem großen Wolf, der vom Wolfsjägermeister Baron Jean de Vez und seinen Schergen gehetzt wurde, das Leben. Thibaut staunt nicht schlecht, als das gewaltige Tier sich in seiner Hütte urplötzlich in einen Menschen verwandelt und ihm ein verlockendes Angebot macht …

_Der Autor_

Alexandre Dumas père lebte von 1802 bis 1870. Zusammen mit diversen Koautoren schuf er buchstäblich Hunderte von Werken, darunter „Die drei Musketiere“ (1844) und „Der Graf von Monte-Christo“ (1846). Die vorliegende Werwolfgeschichte ist eine Verarbeitung seines Romans „Le Meneur des loups“ aus dem Jahr 1857 (übersetzt 1904 als „The Wolf-Leader“).

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Thibaut: Thomas-Nero Wolff (u. a. dt. Stimme von Hugh ‚Wolverine‘ Jackman)
Agnelette: Uschi Hugo (Tara Reid, Julie ‚Darla‘ Benz in „Buffy“ & „Angel“)
Baron Jean de Vez: Marco Kröger (Liev Schreiber, Vin Diesel)
Abbé Fortier: Roland Hemmo (Brendan Gleeson)
Nepomuk Magloire: Wilfried Herbst (‚Morty Seinfeld‘)
Der große Wolf: Lutz Riedel (Timothy Dalton, Richard Gere)
Jäger Marcotte: Tommy Morgenstern (Dominic Monaghan in „Lost“)
Madame Polet: Tanja Geke (Maggie Gyllenhaal, Judy Greer, Tamara Taylor in „Lost“)
Susanne Magloire: Cathlen Gawlich (Jaime King, Amy ‚Fred‘ Acker in „Angel“)
Jäger Engoulevent: Uwe Büschken (Hugh Grant, Matthew Broderick)
Vetter Landry: Nicola Devico Mamone (Diego Luna)
Sergeant: Jochen Schröder (James Cromwell, Lionel ‚Max‘ Stander in „Hart aber herzlich“)

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand bei Rotor Musikproduktion und bei Kazuya statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

Im Jahr 1780 erhält der Abbé Fortier des Klosters von Vollaires-Cotteret in einer Gewitternacht ungewöhnlichen Besuch. Es ist sein ehemaliger Schüler Thibaut, und Abt Fortier freut sich über das Wiedersehen. Er fordert den jungen Mann auf, seine nassen Kleider auszuziehen, damit sie am Kaminfeuer trocknen können, doch zu seiner Verwunderung lehnt Thibaut ab: Er wollte seine Schande nicht sichtbar werden lassen, sagt er. Welche Schande? Thibaut will beichten, was im letzten Jahr geschehen ist und um Vergebung seiner Sünden bitten.

Ein Jahr zuvor lebte Thibaut im Wald und fristete sein Leben als Holzschuhschnitzer, obwohl er doch eine gute Ausbildung im Kloster genossen hatte. Weil ihn die Ständeordnung keinen besseren Beruf ergreifen lässt, hegt er einen Groll gegen die besseren Herrschaften, besonders aber gegen den Baron Jean de Vez. Diesem gehört nämlich der Wald, in dem Thibaut lebt, und er nutzt sein Jagdvorrecht weidlich aus.

Der Baron triezt Thibaut einmal zu oft, doch als sich Thibaut rächen will und bei einem Jagdfrevel erwischt wird, lässt ihn der Baron auspeitschen. In seiner Not ruft Thibaut den Teufel an, doch statt dessen ist es das Mädchen Agnelette (= Lämmchen), das beim Baron um Thibauts Leben fleht. Als Preis für dessen Leben verlangt der Baron einen Kuss von dem Mädchen, das allein mit seiner Großmutter im Wald lebt. Agnelette kann sich nicht weigern, denn Barone sind Herren über Leben und Tod, doch eine Einladung aufs Schloss lehnt sie ab. Nachdem die Jäger fortgeritten sind, schwört Thibaut Rache, doch Agnelette ermahnt ihn, vom Pfad des Guten nicht abzuweichen. Er schwört, sie zu heiraten und bekommt zum Abschied einen Kuss, aber er hält sich nicht an sein Wort.

Als er heimkehrt, steht der Hirsch, den er jagte, in seinem Stall. Geradezu ein Geschenk Gottes, denkt Thibaut, doch da humpelt ein großer schwarzer Wolf verletzt in seine Hütte, der sich zu verwandeln beginnt: ein Werwolf! Der Mann, der erscheint und von Thibaut Wasser bekommt, behauptet, er habe ihm den Hirsch geschickt. Er soll ihn freilassen, damit der Hirsch die Hunde des Barons von der Spur des Werwolfs ablenke. Thibaut verlangt einen Preis für sein Entgegenkommen. Der Werwolf behauptet, er können Wünsche in Erfüllung gehen lassen, die anderen Schaden zufügen. Es sei nur ein kleiner Preis, dass für jeden erfüllten Wunsch ein Haar an Thibauts Körper wachsen werde, also was sei schon dabei? (Natürlich ist ein Haken dabei.) Thibaut sieht die Gelegenheit zur Rache gekommen und tauscht mit dem Mann die Ringe, um den Pakt zu besiegeln. Der Mann verwandelt sich zurück in einen Wolf, und Thibaut lässt den Hirsch frei. Beide Tiere verschwinden im Wald.

Nun beginnt für Thibaut eine herrliche Zeit, denn in der Tat geht alles in Erfüllung, was er anderen an Unglück und Schaden wünscht. Agnelette jedoch erkennt, dass er sich mit schwarzer Magie eingelassen hat, und scheut seine Nähe. Er wünscht sich daher, die reiche Müllerin Poulet zu heiraten, doch zu seinem Erstaunen verschmäht sie ihn und nennt ihn sogar einen Werwolf. Na, wenigstens hat er jetzt die Gesellschaft der Wölfe, die ihm aufs Wort gehorchen und ihm Wildbret erjagen, das er an die Gastwirte der Umgegend gewinnträchtig verkauft. Unterdessen wachsen die Haare an seinem Körper munter weiter …

Neu ausstaffiert, wagt sich Thibaut auf ein ländliches Fest, wo es nicht lange dauert, bis er einen wohlhabenden Narren und dessen Gattin kennenlernt. Nepomuk Magloire hat in der Tat eine entzückende Frau, doch zu seiner Erbitterung muss Thibaut feststellen, dass sie nachts, wenn ihr Alter seinen Rausch ausschläft, einen Lover empfängt. Er beschließt, den beiden das Vergnügen zu versalzen, um selbst bei Madame zum Zug zu kommen. Doch die Sache endet völlig anders als erwartet und bedeutet den Anfang vom Ende für Thibaut.

_Mein Eindruck_

Der Produzent Marc Gruppe scheint eine Vorliebe für Teufelspakte zu haben. Auch [„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 schildert eine solche verhängnisvolle Verwicklung. Thibaut lässt sich mit Satan ein, der in keiner anderen Gestalt als dem großen Werwolf auftritt. Der Leser weiß genau, dass sich Thibaut ebenfalls endgültig in ein solch böses Wesen verwandeln wird, sobald er seinen letzten Wunsch getan hat und sein Körper vollständig von Fell bedeckt ist. (Was uns dann doch die Frage stellen lässt, wie der Abt ihn dann erkennen konnte.)

Doch bis es so weit ist, muss Thibaut eine Menge über sich selbst und die Menschen lernen. Immer wieder scheitern seine Pläne vor dem Erreichen des endgültigen Ziels, und allmählich sollte er sich eigentlich fragen, ob er nicht etwas falsch macht. Spätestens dann, als die geliebte Agnelette, die Verkörperung von Güte und Unschuld, statt seiner den Jägermeister des Barons heiratet. Mehrfach redet sie ihm ins Gewissen, doch sein Rachedurst ist stärker. Schließlich wünscht er sogar den Tod von Agnelettes Gatten, doch dadurch verliert er nur sie selbst, die an einer schweren Krankheit stirbt.

Doch wie lässt sich der Teufel überlisten, fragt sich Thibaut kurz vor der Erfüllung der List, die der Werwolf alias Teufel angewandt hat, also kurz bevor er sich selbst in einen Werwolf, einen auf ewig verdammten Untoten, verwandelt. Gut möglich, dass er als Werwolf den Befehlen des Teufels Folge leisten muss. Um dieses üble Schicksal zu vermeiden, ist er zu seinem alten Lehrer gekommen. Thibaut hat noch einen Wunsch frei, bevor alles aus ist, um seine Seele zu retten und noch etwas für Agnelettes Seelenheil zu bewirken. Doch worin dieser Wunsch besteht, soll hier nicht verraten werden.

Die Geschichte ist gar nicht so einfach gestrickt, wie man es vielleicht von einem Sujet für einen Groschenroman erwarten würde. Im Gegenteil ist lange Zeit nicht klar, wo die Sympathie des Autors liegt: Hält er es nun mit dem künftigen Werwolf oder will er den Leser vor dessen unglückseligem Schicksal warnen? Wie sich herausstellt, ist beides der Fall: die Warnung wie auch die finale Rettung des gefallenen Menschen. Dass hier nicht schwarzweiß gemalt und die Hauptfigur gleich von vornherein verdammt wird, fand ich sehr positiv. Die hinausgezögerte Entscheidung über Thibauts Schicksal, die erst ganz am Schluss deutlich wird, trägt auch erheblich zur Spannung der Geschichte bei. Ich könnte mir gut vorstellen, sie noch zwei- oder dreimal erneut zu goutieren.

Ungewöhnlich fand ich auch die zahlreichen Anspielungen auf die sexuelle Attraktivität der Damen in dieser Geschichte. Da sind Agnelette, auf die der Baron scharf ist, sodann die Müllerin Poulet und schließlich Madame Magloire, welche sogar vor Thibauts Augen ihren Lover empfängt. Offensichtlich wusste der Autor sein zumeist männliches Publikum mit den geeigneten Zutaten zu unterhalten. Dass das Publikum männlich war, belegen auch die grausamen Szenen, in denen der Baron Thibaut auspeitschen lässt. So etwas wird heutzutage als ziemlich brutal empfunden, doch vor 150 Jahren dachte man sich wohl nichts dabei.

_Die Inszenierung_

Dies ist nicht nur Kino für die Ohren, sondern auch noch Hollywoodkino. Denn hier sprechen nicht irgendwelche Sprecher, sondern die deutschen Stimmen bekannter Stars der Filmgeschichte – siehe oben. Dass diese Profis eine solide Performance abliefern, versteht sich fast von selbst, und der Hörer kann entsprechend zufrieden sein. Insbesondere Lutz Riedel als Der große Wolf hat mich vollständig überzeugt. Den Teufel nimmt man ihm ohne weiteres ab. Riedel liest ja auch Lumleys „Necroscope“-Reihe.

Die Stimmen von Hugh ‚Wolverine‘ Jackman, Neve Campbell, Rowan Atkinson, Vin Diesel, Donald Sutherland, Richard Gere und viele weitere belegen nicht nur die hohe Qualität dieser Sprecherriege, sondern auch, welchen Aufwand das Studio und die Produzenten treiben, um eine wirklich gelungene Hörspielproduktion zu erzielen. Das Ergebnis kann sich in jeder Hinsicht hören lassen und braucht sich nicht hinter Mammutproduktionen wie „Frankenstein“ oder [„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 zu verstecken, die |Titania Medien| ebenfalls in diesem Jahr stemmte.

Solche geübten und prestigeträchtigen Sprecher und Sprecherinnen einzusetzen, gehört zum Marketing von Marc Gruppe bzw. |Titania Medien|. Hinzu kommen jeweils traditionsreiche Schauergeschichten, die den nötigen emotionalen Rahmen für die Entfaltung solcher Stimmtalente liefern. Zu Anfang waren es eher unbekannte Geschichten wie etwa Launs [„Totenbraut“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 doch mittlerweile wagt sich Marc Gruppe an die Klassiker (s. o.) heran.

|Musik und Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Schlüsselszenen sehr dicht und realistisch aufgebaut. Man kann sich die Szenen im finsteren Wald, über dem ein Gewitter hängt, gut ausmalen, ebenso das Auftauchen der Großen Wolfs. Allerdings ging mir das ständige Geheul der Wölfe nach einer Weile doch ziemlich auf den Geist. Es war schon geradezu vorauszusehen, wann der Donner rollt und der Wolf heult.

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und ist mit klassischen Instrumentarium produziert – keine Synthesizer für klassische Stoffe! Die Musik steuert nicht nur die Emotionen des Publikums auf subtile Weise, sondern bestreitet auch die Pausen zwischen den einzelnen Akten. Dann stimmt sie das Publikum auf die „Tonart“ des nächsten Aktes ein.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin fand ich wieder einmal sehr passend. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 14 Jahren.

_Unterm Strich_

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Die Geschichte ist komplex, denn es geht nicht einfach um die Erfüllung eines Teufelspaktes, sondern vielmehr letzten Endes auch um die Vermeidung der letzten, teuflischen Konsequenz aus diesem Pakt. Die Prolog- und Epilogszenen bilden eine dramaturgische Klammer und zugleich einen Spannungsbogen. Der Hörer fragt sich, was denn am Schluss noch kommen könnte, damit sich Thibaut vor der Verdammnis retten kann. Worin sein letzter Wunsch besteht, soll hier jedoch nicht verraten werden. Selber hören!

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Wer jedoch mit Melodramatik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen. Die Hörbücher der „Necroscope“-Reihe von Brian Lumley dürften eine ausreichend starke Dosis verabreichen.

|78 Minuten auf 1 CD|
http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Shelley, Mary / Gruppe, Marc – Frankenstein. Teil 2 von 2 (Gruselkabinett 13)

_Frankenstein: der zweite Sündenfall_

Unterhalb des Montblanc 1815: Die Suche nach Vergeltung für das Leid, das über seine Familie kam, treibt Victor Frankenstein ins Hochgebirge. Schöpfer und Geschöpf treffen erstmals wieder aufeinander. Frankenstein wird sich allmählich der erdrückenden Verantwortung bewusst, die er durch seinen unüberlegten Schöpfungsakt auf sich genommen hat. Sein Geschöpf verspricht, ihn und die Seinen zukünftig unter einer einzigen schrecklichen Bedingung zu verschonen …

Vom Verlag wird das Hörbuch empfohlen für Hörer ab 14 Jahren.

_Die Autorin_

Mary Wollstonecraft Shelley (1797-1851) war 19 Jahre alt, als sie das Manuskript zu ihrem berühmtesten Roman „Frankenstein“ schrieb. Sie war die Tochter eines Philosophen und einer Feministin, welche bei ihrer Geburt starb. Mit 17 brannte sie mit dem Dichter Percy B. Shelley (1792-1822) durch, dessen Frau Selbstmord beging, und heiratete ihn.

1816 verbrachte das Paar den Sommer mit Lord Byron und dessen Leibarzt Dr. John Polidori am Genfer See in der Villa Diodati. Nach dem Vorlesen deutscher Geistergeschichten schlug jemand vor, selbst Geistergeschichten zu schreiben. Daraus entstand „Frankenstein“, doch Byrons Geschichte „Der Vampyr“ wurde erst 1819 von Polidori vollendet (siehe dazu meine [Rezension]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=525 zum Hörspiel von |Ripper Records|). Mary verwässerte ihren 1818 veröffentlichten Roman durch das Polieren in der Fassung von 1831.

Mary W. Shelley schrieb neben mehreren Erzählungen auch den Roman „The Last Man“ (1826), in dem eine Epidemie die Menschheit dezimiert. Als die Amerikaner England übernehmen, bleibt nach den Auseinandersetzungen ein letzter Mann übrig (der viel Ähnlichkeit mit Percy Shelley hat), der jedoch mit seinem Boot aufs offene Meer hinaussegelt. Dieses Motiv eines letzten weltlichen Überlebenden hat ebenfalls viele Autoren inspiriert.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Robert Walton: Norman Matt (Jonathan Rhys-Meyers, „Seraph“ in „Matrix“)
Kapitän: Heinz Ostermann
Steuermann: Andreas Mannkopff (John Candy)
Victor Frankenstein: Peter Flechtner (Ben Affleck, „Riley“ in „Buffy“)
Alphonse Frankenstein: Christian Rode (Christopher Plummer, Michael Caine, „Spock“ in „Star Trek“)
Caroline Frankenstein: Rita Engelmann („Dr. Beverly Crusher“ in „Star Trek“)
Elisabeth Lavenza: Melanie Pukaß (Helena Bonham Carter, Halle Berry)
William Frankenstein: Lucas Mertens
Justine Moritz: Petra Barthel (Uma Thurman, Nicole Kidman)
Henry Clerval: Nicola Devico Mamone (Jake Gyllenhall)
Das Geschöpf: Klaus-Dieter Klebsch (Alec Baldwin, Gabriel Byrne)
Blinder: Jürgen Thormann (Michael Caine, Max von Sydow)
Felix: Marius Clarén (Tobey Maguire)
Agatha: Luise Helm (Scarlett Johansson)

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand im Studio AudioCue, Rotor Musikproduktion, Scenario Studio und bei Kazuya statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

Die Geschichte setzt am 5. August 1816 an Bord eines Forschungsschiffes ein, das sich ins Eismeer vorwagt. Es gehört dem Forscher Robert Walton, 28, doch natürlich wird es vom Kapitän und seinem Steuermann gesegelt. Da das Schiff im Treibeis steckt, können alle drei verfolgen, wie ein Riese mit einem Hundeschlitten vorüberrast, als wären ihm die Höllenhunde auf den Fersen. Am nächsten Tag taucht ein zweiter Mann auf, doch er treibt auf einer Eisscholle. Walton besteht darauf, ihn an Bord zu holen. Er stellt sich als Dr. Victor Frankenstein vor und gibt an, den Riesen vom Vortag, diesen „Dämon“, zu verfolgen. Als er erfährt, was Walton vorhat, warnt er ihn eindringlich vor zu viel Wissensdurst und erzählt ihm als Beleg für seine Warnung seine dramatische Lebensgeschichte. Diese macht den Löwenanteil der Geschichte aus.

|Frankensteins Erzählung, Teil 2|

Nach seinem Nervenfieber muss Victor erst in der Obhut seines Freundes Henry Clerval genesen, bevor er die weite Reise nach Genf antreten kann. Nach elf Monaten erst trifft er im Herbst 1814 dort ein. Sein Vater ist inzwischen herzkrank, denn die Ermordung seines Sohnes William hat ihn schwer getroffen und Elisabeth Lavenza, seine Adoptivtochter, pflegt ihn liebevoll.

Kaum ist Victor nach Hause zurückgekehrt, gibt es eine neue Überraschung: Seine Quasi-Kusine Justine ist als Mörderin Williams angeklagt worden und hat sogar gestanden! Viktor sieht sich als Urheber dieser Katastrophen, denn offenbar hat sein Geschöpf seine Finger in diesem Unglück. Doch als er es auf dem Gletscher des Montblanc stellt, erzählt es ihm erst einmal, was mit ihm passiert ist.

Vertrieben von seinem angeekelten Schöpfer, schlug es sich in Ingolstadt und dessen Umgebung durch. In einer Scheune fand es Zuflucht, las drei Bücher, die es gefunden hatte – und Victor Frankensteins persönliches Tagebuch! Als es dort einer nahbei lebenden Familie zusah, merkte es, was ihm vorenthalten wurde. Es betätigte sich als guter Geist der Familie und eines Tages, als die Jungen fort sind, besucht es den Alten, der blind ist. Weil er das Geschöpf nicht sehen kann, kommt es ihm ganz normal vor, und erstmals fühlt sich das Geschöpf als menschliches Wesen anerkannt. Doch die Rückkehr der Jungen wird zur Katastrophe: Es wird vertrieben. Da beschloss es, zu seinem Schöpfer zurückzukehren.

Nun verlangt es von ihm eine Wiederholung des Verbrechens Frankensteins. Es will nicht mehr alleine sein und verlangt eine Gefährtin. Dann werde es Frankenstein in Ruhe lassen und mit ihr weit fort zurückgezogen leben. Doch falls nicht, werde er seinen Schöpfer und dessen ganze Familie auslöschen.

Viktor Frankenstein hat die Wahl: Sein Verbrechen zu wiederholen oder alles zu verlieren, was ihm lieb und teuer ist, allen voran Elisabeth. Doch Victor zerstört sein beinahe vollendetes Werk und pfeift auf die Drohungen der Kreatur. Er heiratet Elisabeth und trifft Vorkehrungen, die Kreatur zu töten, sollte sie sich blicken lassen. Doch es ist bereits später, als er denkt. Ein Schrei gellt aus dem Schlafzimmer der Braut …

_Mein Eindruck_

Meinen Ausführungen und Eindrücken, die ich zum 1. Teil formulierte, habe ich im Grunde nur wenig hinzuzufügen. Alles andere könnte als Zeilenschinderei aufgefasst werden. Daher wird dies ein ziemlich kurzer Abschnitt. Wer mehr wissen will, lese bitte die [Rezension zum 1. Teil.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960

So mancher Hörer könnte sich fragen, mit welcher Absicht Victor Frankenstein in der Rahmengeschichte seinem Retter Walton von seinem gescheiterten Leben erzählt. Am Schluss wird deutlich, was er im Sinn hat. Er warnt den jungen Arktisforscher vor allzu großer Neugier, denn das Vordringen in unbekannte Regionen des Wissens – hier wörtlich zu verstehen – berge zu große Gefahren. Denn der Forscher habe nicht nur für sich selbst die Verantwortung zu tragen, sondern auch für seine Angehörigen, Schutzbefohlenen und Freunde. Und dies nicht nur direkt durch sein Tun und Lassen, sondern auch indirekt durch das, was aus seiner Arbeit entstehe. Bei Victor ist es sein Geschöpf. Es tötete alle Menschen, die Victor etwas bedeuteten, und nun ist es Victor Aufgabe, es aus der Welt zu schaffen. Dieser Erfolg gelingt ihm allerdings nicht.

Nun ist es an Robert Walton, Victors Warnung und Lehre zu akzeptieren oder abzulehnen. Die Entscheidung ist, genau wie Victor sagte, eine über Leben und Tod. Denn wenn Walton weitersegeln lässt, dann wird sein Schiff garantiert ein Opfer des Packeises und einfach wie eine Nussschale zerquetscht. Kapitän und Steuermann warnen ihn eindringlich vor dieser Gefahr. Walton willigt ein umzukehren.

Doch vor der Rückkehr in die Zivilisation übergibt er Frankensteins Leichnam dessen Geschöpf, das schon darauf wartet, um ihn zu bestatten. Mir gehen die letzten Worte des Geschöpfes nicht mehr aus dem Sinn: „Auch ich habe eine Seele! Einst war sie unschuldig und voller Hoffnung.“ Genau wie die eines jeden Kindes …

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Dies ist nicht nur Kino für die Ohren, sondern auch noch Hollywoodkino. Denn hier sprechen nicht irgendwelche Sprecher, sondern die deutschen Stimmen bekannter Stars aus der amerikanischen, englischen und französischen Filmgeschichte. Dass diese Profis eine solide Performance abliefern, versteht sich fast von selbst, und der Hörer kann entsprechend zufrieden sein.

Solche geübten und prestigeträchtigen Sprecher und Sprecherinnen einzusetzen, gehört zum Marketing von Marc Gruppe bzw. |Titania Medien|. Hinzu kommen jeweils traditionsreiche Schauergeschichten, die den nötigen emotionalen Rahmen für die Entfaltung solcher Stimmtalente liefern. Zu Anfang waren es eher unbekannte Geschichte wie etwa Launs „Totenbraut“, doch mittlerweile wagt sich Marc Gruppe an die Klassiker heran. Nach den Weihnachtsstandards von Charles Dickens’ Scrooge und Burnetts „kleinem Lord“ nimmt sich der Produzent zentraler Stoffe an. „Frankenstein“ macht den Anfang, dann folgt im April 2007 „Dracula“.

Dramaturgische Schwächen gibt es in diesem zweiten Teilen eigentlich nicht, wenn man davon absieht, dass es meist doch recht ruhig zugeht. Aber die Ruhe täuscht: Drei der Figuren finden hier einen vorzeitigen Tod, und bekanntlich geht es Victor selbst auch nicht so gut. Mit ihm kehrt die Rahmenhandlung zurück und findet ein mehr oder weniger befriedigendes Ende. Anders als in vielen Verfilmungen ist es nicht das „Monster“, das hier den Tod findet, sondern sein Schöpfer.

|Musik und Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, allerdings ist die Geräuschkulisse im zweiten Teil eine ganz andere als im ersten Teil. Auf dem Gletscher, wo Victor sein Geschöpf trifft, pfeift ein eisiger Wind um Eis und Höhle, und am Schluss herrscht ebenfalls wieder Kälte. Dazwischen nur wenige Momente der Unbeschwertheit, nämlich an Victor Hochzeitsabend. Recht eindrucksvoll gestaltet ist Victors Besuch bei der unschuldig verurteilten Jugendfreundin Justine Moritz: Das Wasser tropft von den Wänden ihrer Kerkerzelle, und ihre Stimme hallt von den kahlen Wänden wider. Am nächsten Morgen erleben wir ihre Hinrichtung durch das Henkersbeil nur indirekt mit: in der klassischen Mauerschau der antiken Bühnenstücke.

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder. So ist etwa die Auferstehungsszene höchst dramatisch inszeniert, so dass sie an die beekannten B-Movies der dreißiger, als der erste „Frankenstein“-Film entstand, und sechziger Jahre erinnert, als Roger Corman die Stoffe Edgar Allan Poes so trefflich in Szene zu setzen wusste. Musik, Geräusche und Stimmen wurden so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher.

_Unterm Strich_

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Lesern, die sich nie für das Original des „Frankenstein“ interessiert haben, könnten hier endlich einen Zugang finden, der sie unterhält statt sie schulmeisterlich zu langweilen. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 14 Jahren.

|Originaltitel: Frankenstein or The Modern Prometheus, 1818
75 Minuten auf 1 CD|
http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Shelley, Mary / Gruppe, Marc – Frankenstein. Teil 1 von 2 (Gruselkabinett 12)

_Eindrucksvoll: Schauerroman mit Hollywoodstimmen_

Ingolstadt 1811: Dem jungen Studenten Victor Frankenstein genügen die Erkenntnisse der herkömmlichen Wissenschaft nicht mehr. Er wagt sich an vermessene Forschungen über das Geheimnis der Schöpfung. Aus Leichenteilen flickt er in seinem Laboratorium ein Geschöpf von beträchtlicher Größe und abstoßender Hässlichkeit zusammen. In einer düsteren Novembernacht gelingt es Frankenstein schließlich, dem Wesen Leben einzuhauchen …

Vom Verlag wird das Hörbuch empfohlen für Hörer ab 14 Jahren.

_Die Autorin_

Mary Wollstonecraft Shelley (1797-1851) war 19 Jahre alt, als sie das Manuskript zu ihrem berühmtesten Roman „Frankenstein“ schrieb. Sie war die Tochter eines Philosophen und einer Feministin, welche bei ihrer Geburt starb. Mit 17 brannte sie mit dem Dichter Percy B. Shelley (1792-1822) durch, dessen Frau Selbstmord beging, und heiratete ihn.

1816 verbrachte das Paar den Sommer mit Lord Byron und dessen Leibarzt Dr. John Polidori am Genfer See in der Villa Diodati. Nach dem Vorlesen deutscher Geistergeschichten schlug jemand vor, selbst Geistergeschichten zu schreiben. Daraus entstand „Frankenstein“, doch Byrons Geschichte „Der Vampyr“ wurde erst 1819 von Polidori vollendet (siehe dazu meine [Rezension]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=525 zum Hörspiel von |Ripper Records|). Mary verwässerte ihren 1818 veröffentlichten Roman durch das Polieren in der Fassung von 1831.

Mary W. Shelley schrieb neben mehreren Erzählungen auch den Roman „The Last Man“ (1826), in dem eine Epidemie die Menschheit dezimiert. Als die Amerikaner England übernehmen, bleibt nach den Auseinandersetzungen ein letzter Mann übrig (der viel Ähnlichkeit mit Percy Shelley hat), der jedoch mit seinem Boot aufs offene Meer hinaussegelt. Dieses Motiv eines letzten weltlichen Überlebenden hat ebenfalls viele Autoren inspiriert.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Chronist: Jochen Schröder (dt. Stimme von James Cromwell, „John Walton, Sr.“)
Mary Shelley: Monica Bielenstein (Emma Thompson, Diane Keaton)
Robert Walton: Norman Matt (Jonathan Rhys-Meyers, „Seraph“ in „Matrix“)
Kapitän: Heinz Ostermann
Steuermann: Andreas Mannkopff (John Candy)
Victor Frankenstein: Peter Flechtner (Ben Affleck, „Riley“ in „Buffy“)
Alphonse Frankenstein: Christian Rode (Christopher Plummer, Michael Caine, „Spock“ in „Star Trek“)
Caroline Frankenstein: Rita Engelmann („Dr. Beverly Crusher“ in „Star Trek“)
Elisabeth Lavenza: Melanie Pukaß (Helena Bonham Carter, Halle Berry)
William Frankenstein: Lucas Mertens
Justine Moritz: Petra Barthel (Uma Thurman, Nicole Kidman)
Henry Clerval: Nicola Devico Mamone (Jake Gyllenhall)
Das Geschöpf: Klaus-Dieter Klebsch (Alec Baldwin, Gabriel Byrne)
Prof. Waldmann: Hartmut Neugebauer (Gene Hackman)
Prof. Krempe: Lutz Mackensy (Al Pacino, Christopher Lloyd, David Caruso)
Totengräber: Tobias Kluckert („Michael Vaughn“ in „Alias“)
Zimmerwirtin: Ingeborg Lapsien („Dorothy Halligan“ in „Alf“)

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand im Studio AudioCue, Rotor Musikproduktion, Scenario Studio und bei Kazuya statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

Wie die Romanvorlage ist auch das Hörspiel relativ verschachtelt und der Hörer sollte aufpassen, auf welcher Ebene er sich gerade befindet.

Erst einmal macht uns ein Erzähler klar, dass wir uns im Jahr 1816 befinden, dasjenige, welches keine Sommer hatte: Die Aschewolken eines Vulkanausbruchs verdüsterten weltweit die Atmosphäre, und es regnete offenbar ständig. Auch über der Villa Diodati am Genfer See, wo sich eine Gruppe Engländer eingefunden hat. Eigentlich sind nur Lord Byron und Percy Shelley Dichter, aber nach der Lektüre deutscher Schauergeschichten will man etwas Besseres produzieren. Mary Shelley beginnt das Manuskript von „Frankenstein“. Davon erzählt sie selbst.

Die Geschichte beginnt am 5. August 1816 an Bord eines Forschungsschiffes, das sich ins Eismeer vorwagt. Es gehört dem Forscher Robert Walton, 28, doch natürlich wird es vom Kapitän und seinem Steuermann gesegelt. Da das Schiff im Treibeis steckt, können ale drei verfolgen, wie ein Riese mit einem Hundeschlitten vorüberrast, als wären ihm die Höllenhunde auf den Fersen. Am nächsten Tag taucht ein zweiter Mann auf, doch er treibt auf einer Eisscholle. Walton besteht darauf, ihn an Bord zu holen. Er stellt sich als Victor Frankenstein vor und gibt an, den Riesen vom Vortag, diesen „Dämon“, zu verfolgen. Als er erfährt, was Walton vorhat, warnt er ihn eindringlich vor zu viel Wissensdurst und erzählt ihm als Beleg für seine Warnung seine dramatische Lebensgeschichte. Diese macht den Löwenanteil der Geschichte aus.

|Frankensteins Erzählung|

Er wurde in Genf geboren, als Sohn des Anwalts Alphonse Frankenstein. Seine Frau Caroline adoptierte, als Victor fünf war, ein Mädchen namens Elisabeth von einer italienischen Familie. Die beiden Kinder betrachten sich bald als Cousin und Kusine. Als Victor sieben ist, wird William geboren, und mit Justine Moritz, der Tochter einer Bediensteten, wird der Haushalt komplett. Henri Clerval ist Victors bester Freund, doch ein Schöngeist, der lieber dichtet, als Experimente anzustellen, wie Victor es gerne tut. Angeregt durch die Lektüre von Alchimisten und Isaac Newton, beschließt Victor, in den Naturwissenschaften unsterblichen Ruhm zu erringen, ja, sogar den Tod zu überwinden.

Bei einem Gewitter in den nahen Bergen bewundert Victor die ungeheure Energie, die im Blitzstrahl steckt. Wie wäre es, diese Vernichtungs- in Schöpfungskraft umzuwandeln und neues Leben zu schaffen? Das wäre Frevel und eine Sünde, sagt Elisabeth und Henri gibt den Fall Prometheus‘ zu bedenken: Der Titan erschuf nach der Sage Menschen und brachte ihnen das Feuer, wurde dafür aber von Zeus grausam bestraft. Victor wischt die Warnung beiseite. Auf ihren Sterbebett verspricht er seiner Mutter, ein großer Wissenschaftler zu werden und nach seinem Studium Elisabeth zu heiraten. Beides wird wahr, auf eine gewisse Weise.

An der Uni Ingolstadt begeistert Victor die Art, wie Prof. Waldmann die Alchimisten verteidigt, und Waldmann ist vom Eifer des Studenten sehr angetan. Victor darf Waldmanns Labor benutzen und erfindet bald eigene Apparate, die durchaus Anklang finden. Doch er richtet sich auf dem Dachboden ein eigenes Labor ein, und was er dort treibt, treibt den Professor auf die Palme: Totes zum Leben erwecken?! Was für ein Frevel! Und obwohl es Victor vor seinen Augen gelingt, ein fünf Tage totes Ferkel wiederzubeleben, flieht Waldmann unter Drohungen von dannen. Er werde Frankenstein der Universität verweisen lassen.

Es ist ein Leichtes, sich Leichen und Leichenteile zu verschaffen, denn Victor sei beleibe nicht der erste, der das will, sagt der Totengräber. Über den Preis könne man sich doch einigen, oder? Und ob: In kurzer Zeit setzt Victor einen Riesen aus Leichenteilen zusammen. Mit der Elektrizität eines Blitzes erweckt er ihn zum Leben. Die Kreatur flößt Frankenstein jedoch sowohl Ekel als auch Furcht ein, und so wirft er das unschuldige Geschöpf hinaus auf die Straße. Doch der Riese hat von Victors Zimmerwirtin den Namen „Frankenstein“ vernommen und sich gut gemerkt.

Victor erleidet einen Nervenzusammenbruch, als ihm die Bedeutung seines Tuns klar wird. Erst muss er genesen, und dann an der Seite Henris darauf warten, dass die Straßen frei werden. Als es Herbst 1815 ist, will er nach Hause reisen, als ihn eine Hiobsbotschaft erreicht: Sein Bruder William wurde heimtückisch ermordet! Und kaum ist Victor in Genf angekommen, erblickt er am Tatort eine riesige Gestalt, die davoneilt. Ist es seine Kreatur, die nun zu seiner Nemesis geworden ist?

_Mein Eindruck_

„Frankenstein“ war beileibe nicht der erste Schauerroman der englischen Romantik. Diese Gothic Novels begannen schon 1764 mit „The Castle of Otranto“ von einem Horace Walpole und „The Mysteries of Udolpho“ von Ann Radcliffe. William Beckford schickte 20 Jahre später seinen „Vathek“ (1786) ins Orientalische, und William Godwin (ja, Mary Shelleys Vater) verlagerte die Schrecken in seinem „Caleb Williams“ (1794) ins Psychologische.

Die Requisiten wurden aufeinandergestapelt, die Klischees des Schreckens häuften sich, bis M. G. Lewis in seinem „Der Mönch“ (1795) ein wahres Lagerhaus des Schreckens vorführte, dem E.T.A. Hoffmanns „Die Elixiere des Teufels“ kaum nachstand. Nach „Frankenstein“ (1818) und Maturins „Melmoth der Wanderer“ (1820) klang der „gotische“ Roman aus, und schon 1818 spottete Jane Austen mit ihrer Roman „Northanger Abbey“ aufs Ätzendste über diese überlebte Modeerscheinung und ihre verstiegenen Auswüchse.

„Frankenstein“ hat zwar im Original auch viele Sentimentalitäten und die Erzählweise ist dem Briefroman des frühen 19. Jahrhunderts geschuldet, doch Mary Shelley geht darin viel weiter in Richtung Wissenschaft als alle ihre Vorgänger. Dieser Aspekt macht sie für SF-Kritiker und –Autoren wie Brian W. Aldiss („Der Milliarden-Jahre-Traum“) zur Urgroßmutter der europäischen Science-Fiction. Mit der Technik des Galvanisierens, die schon zuvor in Italien Froschschenkel zum Zucken brachte, gelingt Frankenstein die Schaffung neuen Lebens. Allerdings nicht aus DNS wie heute, sondern damals aus Leichenteilen.

Shelleys Roman ist weit mehr als das literarische Heben des moralischen Zeigefingers mit der Botschaft: „Du sollst dir nicht die Macht eines Gottes anmaßen!“ Das bekommt der arme Victor zwar immer wieder zu hören (von Elisabeth, von Henry, von Prof. Waldmann), und letzten Endes hört er sogar auf die Warner, aber darauf kommt es nicht an. Das wirklich Neue an Shelleys Roman ist das Geschöpf, das keineswegs die triebgesteuerte Dumpfbacke wie in James Whales Film von 1933 ist. Das Geschöpf, das nie einen Namen erhält, hat John Miltons Versepos „Das verlorene Paradies“ ebenso gelesen wie Goethes „Die Leiden des jungen Werther“. Es betrachtet sich daher wie Lucifer (= „Lichtbringer“) als einen gefallenen Engel, der verdammt wurde, als einen neuen Adam, der von einem Gott geschaffen wurde, der ihn verstieß, als einen einsamen Unglücklichen, dem eine Gefährtin fehlt, so wie Lotte ihrem Werther fehlt.

Das sind alles keine Trivialitäten, sondern spiegeln allgemein menschliche Bedingungen wider. Alles, was das Geschöpf sich wünscht und worauf es ein Naturrecht hat, ist die Liebe seines Schöpfers. Jenes vermessenen Prometheus, der von seiner Gesellschaft für seinen so genannten „Frevel“ mit Verstoßung bestraft worden ist. Das wirkliche Perfide ist aber, dass nicht Victor für seinen „Frevel“ leidet, sondern jene Menschen, die ihm das Liebste auf Erden sind. Wo er keine Liebe geben konnte, wird sie ihm nun genommen, auf dass er erkenne, was Liebe bedeutet.

Dass das Geschöpf ihn durchaus liebt, zeigt sich am Schluss der Rahmenhandlung. Der hässliche Riese nimmt die Leiche Frankensteins von Robert Walton in Empfang, damit er sie am Nordpol auf einem Scheiterhaufen verbrennen könne. Wo sein Schöpfer moralisch und menschlich versagte, dan besteht es die Prüfung. Es scheint von beiden der bessere Mensch zu sein. Die Ironie dabei: Es hat einige Menschen auf dem Gewissen. Schuldig und zugleich unschuldig zu sein, dieser Widerspruch konfrontiert den heutigen Menschen als Beherrscher der Erde mit seiner eigenen Verantwortung gegenüber der Natur. Sei diese nun ohne ihn geschaffen oder künstlich.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Dies ist nicht nur Kino für die Ohren, sondern auch noch Hollywoodkino. Denn hier sprechen nicht irgendwelche Sprecher, sondern die deutschen Stimmen bekannter Stars aus der amerikanischen, englischen und französischen Filmgeschichte. Dass diese Profis eine solide Performance abliefern, versteht sich fast von selbst, und der Hörer kann entsprechend zufrieden sein.

Solche geübten und prestigeträchtigen Sprecher und Sprecherinnen einzusetzen, gehört zum Marketing von Marc Gruppe bzw. |Titania Medien|. Hinzu kommen jeweils traditionsreiche Schauergeschichten, die den nötigen emotionalen Rahmen für die Entfaltung solcher Stimmtalente liefern. Zu Anfang waren es eher unbekannte Geschichte wie etwa Launs „Totenbraut“, doch mittlerweile wagt sich Marc Gruppe an die Klassiker heran. Nach den Weihnachtsstandards von Charles Dickens’ Scrooge und Burnetts „kleinem Lord“ nimmt sich der Produzent zentraler Stoffe an. „Frankenstein“ macht den Anfang, dann folgt im April 2007 „Dracula“.

Die notwendigen Kürzungen des Stoffes machen auch vor der psychologischen Motivation mancher Figuren nicht halt. So fiel mir deutlich auf, dass sich Victor nur aufgrund von Henrys Besuch und Vorhaltungen von einem triumphierenden Experimentator à la Prometheus in ein schuldbewusstes Häuflein Elend verwandelt, das flugs einem Nervenfieber zum Opfer fällt. Das wirkt keineswegs glaubwürdig, auch nicht, wenn Victor etwas von Dämonen und Frevel fantasiert. Aber es ist dramaturgisch notwendig, um zu erklären, warum er erst knapp ein Jahr später nach Genf heimkehrt. Dann beginnt der zweite Teil dieses Hörspiels.

|Musik und Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde. Da klappern die Hufe der Kutschpferde, und im Labor blubbern die Glaskolben eines chemischen Experiments vor sich hin. Der Höhepunkt ist jedoch stets der Donnerschlag, der jenen Blitzen folgt, die Victors Wahnwitz inspirieren, einen toten Menschen zum Leben erwecken zu wollen. Und es ist natürlich solch ein Blitz, der der Kreatur Leben einhaucht. (Ein Starkstromelektriker würde sich sicherlich mit Grausen abwenden.) Das Geschöpf heucht, ächzt und stöhnt denn auch sehr realistisch, und die Spannung steigt, ob es wohl eine Art Bewusstsein erlangen wird.

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder. So ist etwa diese Auferstehungsszene höchst dramatisch inszeniert, so dass sie an die beekannten B-Movies der Dreißiger, als der erste „Frankenstein“-Film entstand, und sechziger Jahre erinnert, als Roger Corman die Stoffe Edgar Allan Poes so trefflich in Szene zu setzen wusste. Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher.

_Unterm Strich_

Mehrmals erinnerte mich dieses Hörspiel an jene wundervoll schaerlich.fantasiereichen Frankenstein-Filme der Londoner Hammer Studios, in denen Peter Cushing den skrupellosen Experimentator mimte. Die gleichen Geräusche aus dessen Labor finden sich auch hier: Es knistert, blubbert und brizzelt wie in einer vollautomatisierten Hexenküche, der allfällige Donnerschlag beim Blitzstrahl setzt dem Ganzen die Krone auf.

Dem akustischen Drama entspricht das menschliche, wie ich oben ausgeführt habe. Dieser erste Teil endet mit dem vollbrachten Frevel und der Vorahnung kommenden Unheils. Der zweite Teil übertrifft dann sämtliche Befürchtungen, doch liefert er auch die Rechtfertigung des „Monstrums“, das Frankenstein geschaffen hat. Alles wird zu einem tragischen Ende gebracht, und die mitunter verschachtelt erscheinende Erzählung wieder zu einer Einheit.

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Allerdings gab es an einer Stelle einen unglaubwürdigen, weil allzu raschen Wandel der Hauptfigur vom Prometheus zum schuldbewussten Verbrecher. Hier ist die Kürzung etwas zu weit gegangen, finde ich. Dennoch ist der Hörer gespannt auf die Fortsetzung im zweiten Teil.

|Originaltitel: Frankenstein or The Modern Prometheus, 1818
55 Minuten auf 1 CD|
http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Laun, Friedrich / Gruppe, Marc – Totenbraut, Die (Gruselkabinett 7)

_Mehr Schein als Sein: Drama des Treulosen_

1810 auf Burg Globoda: Der Duca di Marino wirbt um Libussa, die schöne Tochter der Contessa Globoda. Er behauptet, sich in Paris in sie verliebt zu haben. Überrascht erfährt er, dass Libussa ihr Heim seit einem Jahr nicht mehr verlassen hat. Die Erwähnung eines Muttermals, das er auf dem Nacken der Fremden in Paris sah, verweist zudem auf die Zwillingsschwester der Braut. Diese ruht jedoch seit sechs Monaten in der Familiengruft … (Verlagsinfo) Gemäß dem Motto der Geschichte „überwinden Liebe und Hass die Schranken des Todes“. Das lässt nichts Gutes ahnen.

_Der Autor_

Friedrich Laun (d. i. Friedrich August Schulze) lebte von 1770-1849. Seine Memoiren erschienen im Jahr 1837. Besonderen Dank schuldet ihm die deutsche Operngeschichte für sein mit Johann A. Apel geschriebenes „Gespensterbuch“ (420 Seiten, 1991; ISBN 3746600774) aus dem Jahr 1810, denn darin findet sich die Inspiration für Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“ (ca. 1820). Apel und Laun dienten wiederum die „Unterredungen von dem Reiche der Geister zwischen Andrenio und Pneumatophilo“, 1730 in Leipzig erschienen, als Hauptquelle. Daher rührt wohl auch der ausgeprägte italienische Hintergrund der Erzählung „Die Totenbraut“.

_Die Sprecher & Macher_

Der besondere Reiz der Phantastikreihe bei Titania Medien liegt darin, dass hier vor allem Sprecher zum Einsatz kommen, die wir mit bekannten Hollywoodstimmen verbinden. So kennen wir beispielsweise Friedhelm Ptok lediglich als die Stimme von Senator Palpatine in „Star Wars“, also von dessen Darsteller Ian McDiarmid.

Marchese di Mantua: Friedhelm Ptok (s. o.)
Contessa Globoda: Monica Bielenstein (dt. Stimme von Emma Thompson)
Comtesse Libussa: Janina Sachau (Max-Ophüls-Preisträgerin)
Duca di Marino & Filippo (in Rückblende): Matthias Deutelmoser (dt. Stimme von Orlando Bloom)
Filippos Vater: Christian Rode (Sean Connery)
Klara: Evelyn Maron (Ornella Muti)
Priester: David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale u.v.a.)

Das Skript für das Hörspiel stammt wie in der ganzen Reihe von Marc Gruppe. Zusammen mit Stephan Bosenius führte er auch Regie und produzierte das Hörbuch. Der gute Sound stammt von AudioCue & Kazuya und wurde von Kazuya c/o Bionic Beats abgemischt.

_Handlung_

Der Marchese di Mantua, unser Gewährsmann, besucht die Burg seines Freundes, des Grafen Viktor Globoda. Der Sommer ist heiß, die Kutschfahrt mühselig, und daher ist er froh, als der weitgereiste Diplomat endlich in der Burg anlangt und freundlich empfangen wird. Doch zu seinem Kummer ist sein Freund vor einem halben Jahr gestorben, und zwar nicht allein, sondern erst als eine seiner zwei Töchter, Hildegarde, nach einer Krankheit ebenfalls das Zeitliche gesegnet hatte. Doch der herzliche Empfang durch die Contessa und der Anblick der hübschen Libussa, Hildegardes Zwillingsschwester, entschädigen den Marchese für die traurigen Nachrichten.

Die Contessa vertraut ihm an, sie wolle Libussa möglichst bald verheiraten. Doch das Mädchen wolle nicht weg, sondern huldige vielmehr einem seltsamen Totenkult, genau wie ihr Vater. Da erklingen Schreie aus der Burgkapelle: Der so genannte „Burgkaplan“ geht um und liest angeblich Totenmessen. Ein weiteres Gespenst aus alten Zeiten macht die Gemäuer unsicher: die „Totenbraut“, die im 15. Jahrhundert gegenüber einem Geliebten treulos war und dafür auf ewig büßen muss.

Am nächsten Tag macht der junge Duca di Marino, der aus Venedig angereist ist, den Damen seine Aufwartung, alldieweil er um Libussas Hand anzuhalten gedenkt. Seine Ankunft wirft weitere Fragen auf. Am Burgtor begrüßte ihn die Stimme eines Unsichtbaren mit den Worten „Frederico di Marino, wilkommen!“ Und der Marchese, der den Duca gut kennt, wundert sich, dass dieser auf Freiersfüßen wandelt, schließlich habe er sich noch vor kurzem mit einer gewissen Apollonia verlobt, oder nicht? Der Duca bekniet den Marchese, darüber absolutes Stillschweigen zu wahren, und aus Freundschaft lässt sich der Marchese breitschlagen. Das soll er später bitter bereuen.

Der Merkwürdigkeiten sind es noch nicht genug. Die Contessa und Libussa würden die Werbung des Duca allzu gerne annehmen, gäbe es da nicht eine winzige Unstimmigkeit. In einer Pariser Gemäldegalerie habe er sich in eine Schöne verliebt, auf deren Nacken er ein markantes Muttermal gesehen habe. Er beschreibt es, und es stellt sich heraus, dass er Hildegarde beschreibt – doch die ist ja schon ein halbes Jahr tot. Oder?

Es wird Nacht, und ein Sturm bricht los. Genau das richtige Wetter, um in der Familiengruft mal nachzusehen, ob sich die Toten noch in ihrem zugewiesenen Sarg befinden – und nicht etwa als Burgkaplan oder Totenbraut verkleidet umherwandeln. Der Marchese muss selbstverständlich die Contessa auf dieser gruseligen Expedition in die Gruft beschützen. Los geht’s!

_Mein Eindruck_

Meine Inhaltsangabe mag den Eindruck vermitteln, hier handle es sich um eine 08/15-Gespensterstory aus der zweiten Reihe, doch weit gefehlt: Der Autor hat viel mehr drauf, als berühmte Vorbilder abzukupfern. Zunächst einmal treten „Burgkaplan“ und „Totenbraut“ gar nicht als Problem auf. Wie denn auch? Schließlich geht es ja um das Schicksal der Familie Globoda, und dieses befindet sich wegen Libussas Verlobung mit dem Duca gerade an einem Wendepunkt.

Das Problem ist natürlich die Untreue des Duca, die ja schon der Marchese bemerkt hat. Und da die „Totenbraut“ ebenfalls ein Problem mit der Treue hatte, ist dies das Generalthema der Geschichte. Doch zu welchem Ende wird die Sünde des Duca führen? Das ist die spannende Frage, und bevor wir die Antwort erhalten, muss der Marchese eine Warnung aussprechen. Da er aber Stillschweigen gelobt hat, muss er den indirekten Weg gehen: Er erzählt den Damen Globoda und dem Duca eine reichlich unheimliche Story über das Schicksal eines gewissen Filippo aus Venedig (von dort stammt auch der Duca), der seiner Clara untreu wird. Sie jedoch weiß sich zu rächen. Natürlich genau dann, wenn sie am meisten Schaden anrichten kann.

Die Geschichte in der Geschichte verfehlt ihre warnende Wirkung leider völlig. Der Duca und Libussa verloben sich trotz der offensichtlichen Warnung, die Nacht der Hochzeit ist da, alles feiert – da ereignen sich höchst merkwürdige Dinge, die zu registrieren dem Marchese zunächst schwer fällt, vielleicht wegen seines Alters. Doch dies könnte dem aufgewecktesten Christenmenschen passieren: Die Geister der Vergangenheit sehen nämlich genauso aus wie echte Menschen …

Dementsprechend aufmerksam heißt es auch für den Zuhörer aufzupassen, was denn gerade passiert, aus welchem Grund und mit welcher Hauptfigur. Der Marchese ist zwar unser Chronist, aber das heißt ja nicht, dass er die Ereignisse ins Rollen bringt. Wird es gelingen, einen weiteren Fall von Untreue zu verhindern? Das ist die Frage. Nicht jeden Zeitgenossen interessiert die Frage brennend – zu irrelevant scheint sie zu sein. Doch wenn man bedenkt, dass die meisten Verbrechen, die aus Leidenschaft begangen werden, gerade darauf zurückzuführen sind, könnte das Interesse ein wenig größer sein, ganz besonders seitens der Damen.

|Die Sprecher|

Statt gewisse Anfänger zu engagieren, die mangels Erfahrung bei den zahlreichen emotionalen Szenen unter- oder übertreiben könnten, beruht der Erfolg dieser Hörspielreihe ganz wesentlich darauf, dass hier zumeist langjährige Profis mit schlafwandlerischer Sicherheit ihre Sätze vorzutragen wissen. Sie machen ihren Job in hervorragender und glaubwürdiger Weise.

Ich sage aber nicht ohne Grund „zumeist“. Denn Matthias Deutelmoser, die deutsche Synchronstimme von Orlando Bloom, ist ja nicht gerade ein alter Hase im Audio-Geschäft, auch wenn er sicherlich schon ein paar Jahre (seit ca. 1999) mit größtem Erfolg Bloom synchronisiert. Nun will Deutelmosers relativ sanfte Stimme nicht so recht zum Bild des treulosen Frauenhelden passen, aber das ist natürlich ein völlig subjektiver Eindruck. Vielleicht sind ja Don Juans mit tiefen Bassstimmen inzwischen absolut mega-out. Man kann ja offenbar auch als geschlechtsloser Elf zum Sexsymbol werden, wie die Premierenparaden in Wellington, Neuseeland, gezeigt haben. (Das ist nachzulesen bei Andy Serkis und bei Sean Astin in ihren jeweiligen biografischen Büchern, über die ich meine Meinung kundgetan habe.)

|Geräusche: Was die Kiste hergibt|

Der Tonmeister hat alles, aber wirklich alles getan, um dem Geschehen den Eindruck von Realismus zu verleihen: Wir hören sogar die Kleider rascheln, wenn sich Gräfin Globoda durch die Räume ihrer Burg bewegt. Von den Schritten und Atemzügen der anderen ganz zu schweigen. Türen quietschen, ja sogar die Bodendielen in dem alten Gemäuer. Dann das Gewitter: Donner mit Hall, Wind mit Zischen und allem, was dazu gehört.

Vor diesem echten Hintergrund erst wirken die Gespenster von Burgkaplan und Totenbraut so wider- und unnatürlich, dass die entsetzte Reaktion der Beobachter darauf glaubwürdig erscheint. Doch als die Gespenster sich am Schluss über Duca di Marino hermachen, verdeckt die realistische Geräuschkulisse mehr, als dass sie enthüllt. Der Zuhörer darf sich dadurch nicht täuschen lassen: Diesen Gespenstern ist es blutiger Ernst.

|Musik: hart am Klischee vorbei|

Was die sinfonisch angelegte Musik angeht, so hält sie sich meist zurück, aber es gibt ein paar Stellen, an denen sie wirklich dick aufgetragen wird. Diese Stellen lassen sich leicht daran erkennen, dass ein sehr bekanntes Motiv aus der „Peer Gynt Suite“ von Edvard Grieg angestimmt wird: „Solveigs Lied“. Solveig ist die Freundin von Peer Gynt. Natürlich geht es um Treue und das unmögliche Einhalten derselben, das ist ja das Generalthema des Stücks.

Leider ist „Solveigs Lied“ geradezu ein Schlager der klassischen Musik, der auf sämtlichen Samplern an Beruhigungs-, Wellness- und Einschlafmusik nicht fehlen darf. Daher ist dieses Stück mittlerweile zu einem Klischee geworden, dessen Benutzung dem Stück nicht besonders gut ansteht, weil der Hörer meinen könnte, hier werde nur etwas behauptet, was gar nicht zutrifft. Ob diese Wirkung eintritt, ist abhängig von der Bekanntheit des Motivs beim Hörer. Handelt es sich um einen Jugendlichen, ist es eher unwahrscheinlich (aber keineswegs unmöglich), dass er „Solveigs Lied“ als Ohrwurm der Klassik kennt. Da kann man dem „Komponisten“ bzw. Tonmeister nur die Daumen drücken.

_Unterm Strich_

Das Hörspiel bietet wie ein Gruselfilm eine sich steigernde Abfolge horrormäßiger Szenen. Dabei kann es mitunter recht handgreiflich zugehen, was die Action angeht. Daher ist die Produktion von ihren Machern erst ab 14 Jahren empfohlen. Das kann ich bei „Die Totenbraut“ überhaupt nicht nachvollziehen. Denn die Handlung zieht sich eine ganze Weile hin, ohne dass irgendetwas passiert, was nach Action aussieht. Auch in der eingeschobenen Warnungsstory des Marchese kommt keine Gewalt vor. Diese ist ausschließlich dem gruseligen Finale vorbehalten.

Man sieht also, dass diese Folge des „Grusel-Kabinetts“ vor allem von Stimmung und Atmosphäre lebt, von unheimlichen, widernatürlichen Mysterien, die sich in ihrer Wirkung zu hoher Spannung addieren mögen, doch erst ganz am Schluss eine (Er-)Lösung finden. Erst dann kann sich der Hörer entspannt zurücksinken lassen.

Über den Einsatz des Sprechers Deutelmoser und des musikalischen Solveig-Motivs habe ich mich bereits skeptisch ausgelassen. Das Thema der Treulosigkeit reißt auch nicht unbedingt vom Hocker. Alles in allem passt das Stück zwar in die Audio-Reihe, bildet aber nicht unbedingt ein Highlight oder gar Schmuckstück. Das träfe eher auf die Produktion [„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 nach Edward Bulwer-Lytton zu, die völlig anders aufgezogen ist.

|Über 68 Minuten auf 1 CD|

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Bulwer-Lytton, Edward / Gruppe, Marc – verfluchte Haus, Das (Gruselkabinett 6)

_Schaurig-romantisches Geister-Hörspiel_

London, 1865: Daniel Douglas ist vom Wunsch besessen, einmal eine Nacht in einem Spukhaus zu verbringen. Durch seinen Freund Timothy Collins erfährt er von einem wohl mehr als geeigneten Objekt: In dem offenbar verfluchten Haus in der Oxford Street hat es Timothy nur wenige Tage ausgehalten.

Seit Jahren blieb dort kein Mieter länger als ein paar Tage. Doch der zynische Geisterjäger Daniel glaubt nicht an Gespenster und beschließt, dennoch die Nacht dort zu verbringen, begleitet nur von seinem unerschrockenen Diener Edward und seinem Terrier Mermaid.

Zusammen kommen sie einer Tragödie und einem doppelten Verbrechen auf die Spur, was ihr Nervenkostüm bis zum Äußersten strapaziert, wenn nicht sogar überfordert …

_Der Autor_

Edward George Bulwer-Lytton, 1803-73, war ein adliger Londoner, dessen politische Karriere ihn ins House of Lords brachte., das parlamentarische Oberhaus. Als Autor wurde er vor allem durch das verfilmte „Die letzten Tage von Pompeji“ (1834) bekannt. Aber er verfasste auch einige interessante SF-Romane, darunter die reaktionäre Utopie „The Coming Race“ (1879, dt. als „Geschlecht der Zukunft“, bei |dtv|) und „The Haunted and the Haunters“ (1905).

_Die Sprecher & Macher_

Der besondere Reiz der Schauerromantikreihe bei [Titania Medien]http://www.titania-medien.de/ liegt darin, dass hier vor allem Sprecher zum Einsatz kommen, die wir mit bekannten Hollywoodstimmen verbinden. So tritt beispielsweise Claus Wilcke auf, dessen Stimme bei uns Alain Delon und Omar Sharif synchronisiert. Er selbst trat in der 70er-Detektiv-Reihe „Percy Stuart“ auf, die ich immer recht witzig fand, weil die Sprüche der Hauptfigur so cool waren.

William Jacobs, Vermieter: Claus Wilcke (s. o.)
Daniel Douglas: Patrick Winczewski (Hugh Grant)
Timothy Collins: Torsten Michaelis (diverse Stimmen, darunter Wesley Snipes)
Marian Wilcox: Dagmar Altrichter (Elizabeth Taylor)
Florence: Evelyn Maron (Ornella Muti)
Und sechs weitere Sprecher.

Das Skript für das Hörspiel stammt wie in der ganzen Reihe von Marc Gruppe. Zusammen mit Stephan Bosenius führte er auch Regie und produzierte das Hörbuch. Der gute Sound stammt von AudioCue & Kazuya und wurde von Kazuya c/o Bionic Beats abgemischt.

_Handlung_

Als der Ich-Erzähler Daniel Douglas seinen Freund Timothy Collins im Klub besucht, erschrickt er über dessen abgezehrtes Aussehen. Der Gute ist offenbar völlig mit den Nerven fertig. Die Rede kommt auf das Londoner Modethema Esoterik und Spuk. Oh, Tim weiß ganz genau, dass es Häuser gibt, in denen es spukt: Er war selbst in einem und sieht deshalb so fertig aus. Er hatte es vor sechs Wochen mit seiner Frau gemietet und hielt es dort nur drei Tage aus. Daniel, der Geisterjäger, ist trotz Timothys ernster Warnung sofort interessiert, in dem „verfluchten Haus“ in der Oxford Street seine Standfestigkeit auf die Probe zu stellen.

Er bietet dem derzeitigen Verwalter William Jacobs an, das Haus zu „untersuchen“. Dafür verlangt Jacobs kein Geld, denn Daniel täte ihm einen Gefallen, könnte er den Spuk dort aufklären, wenn nicht sogar vertreiben. Die vorherige Hausverwalterin Mrs. Wilcox ist leider keine Hilfe, denn sie verstarb drei Wochen zuvor. Schon 35 Jahre besteht der Spuk, Jacobs selbst hielt es dort nur drei Stunden aus.

Das wird ja immer besser! Tatendurstig zieht Daniel mit seinem unerschrockenen Diener Edward und seinem Terrierweibchen Mermaid ein. Es dauert nicht lange, und trotz des prasselnden Kaminfeuers laufen den Besuchern kalte Schauer über den Rücken. Ein Luftzug, Schritte, ein kindliches Flehen: „Helft mir!“ Der Hund führt zur richtigen Tür im Keller. Sie öffnet sich zu einem rundum von hohen Mauern umgebenen Hinterhof. Daniel sieht, wie Fußabdrücke auf ihn zukommen, ihn passieren und im Nichts verschwinden. Im Wohnzimmer huscht ein Gespenst vorbei, das mit Frauenstimme „Elliott!“ ruft.

Soso: ein Junge namens Elliott und eine Frau – vielleicht Mrs. Wilcox selig? Hinauf geht’s in jenes ominöse Zimmer, von dem ihm Timothy erzählt hat. Und in der Tat ist es dort am grausigsten. Der Raum ist eiskalt, mal verschlossen, mal nicht, das Zimmer liegt direkt über dem Hinterhof, und die Stimmen von Elliott und Mrs. Wilcox sind zu hören. Etwas Schreckliches hat sich hier zugetragen. Unterm Dachboden entdeckt er endlich Mrs. Wilcox’ Mansardenzimmer und findet dort zwei alte Briefe.

Das hätte er aber bleiben lassen sollen, denn ein dritter Unsichtbarer von gewalttätiger Natur will die Briefe unbedingt zurückhaben und versetzt Daniel mit seiner eiskalten Hand in Angst und Schrecken. Doch er widersteht dem ersten Angriff und gelangt so in den Besitz der Kenntnis über eines der grausamen Verbrechen, deren Geheimnis im verfluchten Haus gehütet wird.

Dies ist erst der Anfang, und bevor der Spuk vorüber ist, muss Daniel mit Edward noch so manche Probe bestehen. Denn auf dem Haus lastet seit seiner Erbauung vor 80 Jahren ein Fluch – und somit auf allen seinen Bewohnern, ob lebendig oder tot …

_Mein Eindruck_

Die Erzählung ist spannend wie eine Detektivgeschichte, in der die Wahrheit ebenfalls erst durch hartnäckige Ermittlungen ans Tageslicht befördert werden muss. Und doch folgt sie auch den Gesetzen der Horrorgeschichte, in der in der Regel ein uralter Fluch aufgehoben werden muss, um die Welt von einem alten Übel zu befreien, das immer neue Opfer fordert.

Am interessantesten ist dabei stets die Figur des Geisterjägers, der die Aufgabe hat oder übernimmt, die Welt zu erlösen. Mit welchen Überzeugungen und Mitteln wird er (oder seltener sie) ans Werk gehen? Wird er auf die höheren Mächte des Guten vertrauen? Oder vermag er ganz aus eigener Rationalität heraus den Kampf mit dem Bösen aufzunehmen? Braucht er dazu nicht ebenfalls irgendeine Art von Glauben, an den er sich klammern kann? Genauso wie sich die Zeiten ändern, so auch die Geisterjäger. Durch sie als Stellvertreter stellt der Autor die eigene Zeit auf den Prüfstand: Wird sie dem Bösen standhalten und es vielleicht sogar beseitigen?

Zweifel sind von vornherein bei Daniel Douglas angebracht. Zu selbstsicher erscheint uns seine zynische Manier. Und da er die Geschichte seiner Heldentaten selbst erzählt, können wir seinem Bericht vielleicht nicht einmal trauen. Wenigstens heißt der Autor nicht Henry James, denn sonst hätten wir es von vornherein mit einem „unzuverlässigen Chronisten“ zu tun.

Doch Daniel können wir trauen, selbst wenn er in seinem Bericht schließlich doch gesteht, tatsächlich Angst gehabt zu haben. Schließlich besteht er ja auch nicht aus Eis, wenn er auch ein hartgesottener Zyniker zu sein scheint. Seine Neugier und das Mitgefühl mit dem Jungen Elliott bringt ihn dazu, nach dem Schlüssel zu suchen, wie er den Geist des armen Jungen erlösen kann. Das ist aber nur die erste Phase. Wie Dante, so muss auch Daniel in den untersten Kreis der Hölle, um den Fluch aufzuheben. Solch einen Geisterjäger loben wir uns, auch wenn wir mit Indiana Jones viel mehr Spaß hätten.

Immer wieder gelingt es dem Autor, eine konkrete Szene aufzubauen und wie einen Film ablaufen zu lassen. Das mutet uns recht modern an und ist vielleicht auf den Einfluss des immens erfolgreichen Charles Dickens zurückzuführen, dem es ja auch immer gelang, in seinen Zeitungsromanen den Leser durch emotionale Szenen zu fesseln. (Vielleicht liegt es aber am dramaturgischen Geschick von Marc Gruppe.) Die Kette der Szenen dient dazu, die Geheimnisse des verfluchten Hauses zu lüften, bis in einem packenden Finale der Urheber des Fluches, den wir aus dem Prolog kennen, dorthin zurückgeschickt wird, wo er hingehört.

|Die Sprecher|

Die Macher dieser Hörspiele suchen ihren Vorteil im zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb der Hörbuchproduktionen offensichtlich darin, dass sie dem Zuhörer nicht nur spannende Gruselunterhaltung bieten, sondern ihm dabei auch noch das Gefühl geben, in einem Film voller Hollywoodstars zu sitzen. Allerdings darf sich niemand auf vergangenen Lorbeeren ausruhen: bloßes Namedropping zieht nicht, und So-tun-als-ob ebenfalls nicht.

Die Sprecher, die vom Starruhm der synchronisierten Vorbilder zehren, müssen selbst ebenfalls ihre erworbenen Sprechfähigkeiten in die Waagschale werfen. Zum Glück machen sie dies in hervorragender und glaubwürdiger Weise. Statt gewisse Anfänger zu engagieren, die mangels Erfahrung bei den zahlreichen emotionalen Szenen unter- oder übertreiben könnten, beruht der Erfolg dieser Hörspielreihe ganz wesentlich darauf, dass hier zumeist langjährige Profis mit schlafwandlerischer Sicherheit ihre Sätze vorzutragen wissen. (Wir wissen allerdings nicht, welche Pannen ihnen dabei unterlaufen sind. Fest steht aber, dass keine Pannen oder Fehler zu hören sind.)

|Musik und Geräusche|

Schauerromantik lebt von den entsprechenden Emotionen, die von ausgefallenen Szenen, die über die übliche Realität hinausweisen, hervorgerufen werden. Es ist die Qualität dieser Emotionen, die unser Erleben, unsere „Unterhaltung“ ausmacht. Während die Geräusche für einen gewissen Realismus in der Präsentation der Handlung sorgen, ist es hingegen die filmische Musik, die die Emotionen direkt steuert.

Das Hörspiel hebt sich von der Konkurrenz darin ab, dass sich die Musik ziemlich zurückhält. Das bedeutet, dass es keine längeren Pausenfüller gibt, in denen bombastische Klänge so tun, als gäbe es etwas Aufregendes zu bewundern. Fehlanzeige. Gut so. Aber auch bei hochdramatischen Szenen wie etwa dem Angriff des Unsichtbaren auf unseren Helden, tritt die Musik nicht unbedingt in den Vordergrund, denn das würde auch stören. Wie man sieht, ist auch der Einsatz von Musik eine Frage der Dosierung. Dieses Hörspiel bietet genau die richtige Dosis.

_Unterm Strich_

„Das verfluchte Haus“ bietet eine Geschichte, die sich ausgezeichnet für diese Hörspiel-Reihe eignet – zumindest in der von Marc Gruppe redigierten Fassung. Die Originalerzählung, die mir leider nicht bekannt ist, könnte ganz anders aussehen. Der Geisterjäger jedenfalls mutet uns ziemlich modern an: unerschrocken, rational, zynisch, dann aber wieder mit einem sympathischen Eifer, wenn es um das Seelenheil des Geisterjungen geht. Dabei hat er aber wenig mit dem jugendlichen Übermut eines (jungen!) Indiana Jones gemeinsam, sondern wandelt vielmehr in den Fußstapfen eines Sherlock Holmes – obwohl dieser, als die Story entstand, noch gar nicht erfunden worden war.

Das Hörspiel bietet wie ein Gruselfilm eine sich steigernde Abfolge horrormäßiger Szenen. Dabei kann es mitunter recht handgreiflich zugehen, was die Action angeht. Daher ist die Produktion von ihren Machern erst ab 14 Jahren empfohlen. Für die Game-Junkies dürfte das wenig abschreckend erscheinen. Sie sind meist schon an eine härtere Dosis Gewalt gewöhnt.

|1 CD, ca. 63 Minuten|

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Stevenson, Robert Louis / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – Leichendieb, Der (Gruselkabinett 27)

_Unheimlich: Jede Menge Leichen im Keller_

Edinburgh 1829: Der Handel mit Leichen für anatomische Forschungszwecke ist in England im frühen 19. Jahrhundert ein blühendes und grausiges Gewerbe. Aber sind es wirklich ausschließlich auf den Friedhöfen ausgegrabene Leichen? Oder handeln korrupte Leichendiebe am Ende auch mit nur zu diesem speziellen Zweck zum Tode gebrachten Körpern …?

_Der Autor_

Die Geschichte von Robert Louis Stevenson (1850-1894), dem unsterblichen Autor des Abenteuerromans „Die Schatzinsel“ und Erfinder von [„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 beruht auf Tatsachen. Die erwähnten Namen gab es wirklich. Ich habe selbst auf einer Touristenführung in Edinburgh die Geschichte von den Leichendieben – den „body snatchers“ – erzählt bekommen.

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Fettes: Michael Pan (Martin Short, Brent ‚Data‘ Spiner)
Dr. Macfarlane: Torsten Michaelis (Wesley Snipes)
Prof. Knox: Hans-Werner Bussinger (Michael Ironside, Jon Voight)
Skinner: Andreas Mannkopff (John Candy)
Jane Galbraith: Melanie Hinze (Jennifer Love Hewitt in „Ghost Whisperer“, Morena Baccarin)
Gray: Wilfried Herbst (Rowan Atkinson in „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“)
Robert: David Turba (Shia LeBeouf, Zac Efron in „Hairspray“)
Dick, Wirt: Ernst Meincke (Patrick Stewart)
Alfred, Totengräber: Frank Schaff (Ethan Hawke, Joseph Fiennes)

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand in den |Planet Earth Studios| und bei |Kazuya c/o Bionic Beats| statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

|PROLOG.| Im sonst so freundlichen Debenham des Jahres 1849 weht zurzeit ein stürmischer, kalter Winterwind. Doch drinnen in der Kneipe |The George| sitzen die Gäste gemütlich bei einem Gläschen Rum. Robert, der Kleine (unser erster Erzähler), und Alfred, der Totengräber, sitzen mit Dick, dem Wirt, beisammen, um der schaurigen Geschichte zu lauschen, die der etwa vierzig Jahre alte Fettes erzählt.

Sie nennen ihn alle den „Doktor“, denn er scheint medizinische Vorkenntnisse zu haben. Und als ein gewisser Dr. Macfarlane nach einem verunglückten Mann in den Zimmern des Gasthauses schaut, regt sich der sonst so phlegmatische und melancholische Fettes unglaublich über diesen Dr. Macfarlane auf. Um seine Aufregung und seinen Hass auf diesen Mediziner zu erklären, erzählt ihnen Fettes die Geschichte vom Leichendieb.

|Edinburgh 1829.|

Fettes ist ein Medizinstudent im zweiten Jahr, als er in einer netten Kneipe Edinburghs Dr. Macfarlane kennenlernt, der schon einen Abschluss hat und der Assistent des berühmten Anatomieprofessors Knox ist. Macfarlane bietet ihm einen Job bei Knox an. Fettes ist ehrgeizig, intelligent und will es weit bringen, daher sagt er, dass er zu allem bereit sei.

Wie sich herausstellt, kann er sofort anfangen, bekommt einen guten Lohn, muss aber ein paar Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. So etwa muss er Nachtdienst versehen und in einem Zimmer über dem Seziersaal logieren. Der Job besteht einfach darin, Leichen an einer Seitentür in Empfang zu nehmen, in ein Buch einzutragen und den Lieferanten auszuzahlen. Das findet Fettes ungewöhnlich, denn laut Gesetz dürfen ausschließlich Hingerichtete als Leichen zu Anatomiezwecken herangezogen werden. Doch Knox‘ Leichen sind etwas völlig anderes. Knox sagt, sie kämen von allen möglichen, ähem, „Fundorten“. Deshalb werden die Händler, die sie liefern, mit stattlichen 20 Pfund bezahlt. Fettes schwört Verschwiegenheit.

Von seinem ersten Lohn feiert Fettes ordentlich mit den „Ladys“ der Stadt, und die hübsche Jane Galbraith wird seine Favoritin. Um sich interessant zu machen, erzählt er ihr von seinem Schlüsselbund, der ihm Zutritt zum Seziersaal der Uni verschaffe. Jane hat damit kein Problem: Wäre dieser Seziersaal nicht ein guter Ort, um sich Fettes‘ hartnäckigen Problems in seiner Hose anzunehmen?

Der Leichenhändler, der am häufigsten an der Seitentür pocht, ist Skinner, etwa um die 50, und mit einer fiesen Lache ausgestattet. Er raubt die Leichen, die er anbringt, zuvor aus, und bei Frauen schneidet er sogar das Haar ab, um es an Perückenmacher zu verscherbeln. So auch bei der Frauenleiche, die er im kalten November anschleppt. Zu seinem Entsetzen stellt Fettes fest, dass es seine käufliche Freundin Jane ist, mit der noch am Abend zuvor zusammen war.

Fettes wendet sich an Macfarlane. Dem ist klar, dass Jane erdrosselt wurde. Nun ja, nicht gerade ein spektakulärer Sonderfall. Mit massiven Drohungen bringt er Fettes dazu, die Klappe zu halten. Doch in seinen Träumen sucht ihn Jane immer noch heim.

Weil Fettes Skinner verschreckt hat, verdonnert Professor Knox seine beiden Assistenten dazu, selbst eine frische Leiche zu besorgen. In Glencorse sei eine 60 Jahre alte Bauersfrau bestattet worden. Sie sollen sie aus dem frischen Grab holen, bevor ihnen andere Leichenlieferanten zuvorkommen, also dalli!

Doch dieser Auftrag stellt sich als eine Mission des Grauens heraus. Denn auch Macfarlane hat eine Nemesis, die ihm und Fettes nun einiges Ungemach bereitet …

_Mein Eindruck_

Robert Louis Stevenson griff in seinen Erzählungen und Romanen mehrfach das tatsächliche Leben in seiner Heimatstadt Edinburgh und ihrer Highland-Umgebung auf. Einmal berichtete er vom Doppelleben eines Bürgers namens Brodie, der ein Vorbild für den ehrbaren Dr. Jekyll und den anarchischen Mr. Hyde lieferte.

Auch die Leichenräuber gab es wirklich. Da die Anatomie der medizinischen Fakultät zu Lehrzwecken ständig frische Leichen benötigte, gingen die ursprünglichen Gasthausbetreiber Burke & Co. (sie werden im Text erwähnt) dazu über, nicht mehr auf das Ableben ihrer gesundheitlich angeschlagenen Gäste zu warten, sondern ihnen aktive „Sterbehilfe“ zu leisten. Als auch dies den Bedarf der Ärzte nicht mehr decken konnte oder weil Burke & Co. zu gierig wurden, mussten zunehmend auch Prostituierte und Landstreicher etc. dran glauben, ein grausiges Vorbild für Jack the Ripper (1888). Wie im Text erwähnt, wurde Burke wegen 17 Morden zum Tode durch den Strang verurteilt – und landete prompt im Seziersaal.

Wie Fettes im Epilog anmerkt, wurde wegen dieser Unsitten im Jahr 1832 das Gesetz geändert. Es trocknete die Einnahmequelle der Leichenräuber aus. Denn die Angehörigen beliebiger Verstorbener durften nun die Leiche der Medizin vermachen, wodurch der Nachschub endlich auf legale Weise gesichert war.

Doch das Gesetz hilft unserem bedauernswerten Antihelden Fettes in keiner Weise. In den schlaflosen Nächten suchen ihn Albträume von Jane Galbraith und jener entsetzlichen letzten Mission nach Glencorse heim. Und darin erklingt stets das unheimliche und gehässige Lachen von Macfarlanes Erpresser namens Gray. Welche Rolle dieser Gray in Macfarlanes Vorleben gespielt haben muss, lässt sich unschwer rekonstruieren. Die beiden müssen Komplizen beim Leichenraub gewesen sein. Diese Mitwisserschaft ist es, die Macfarlane zum Opfer für Grays Erpressung macht. Natürlich landet auch Gray früher oder später auf Macfarlanes Seziertisch. Doch das ist leider nicht sein Ende.

Auf dem Rückweg von Glencorse nach Edinburgh ist es also nicht genug, eine frische Leiche in der Kutsche spazierenzufahren, sondern Macfarlane und Fettes erleben eine grausige Geistererscheinung. Der Geist, so würde ich es deuten, personifiziert ihr schlechtes Gewissen dafür, dass sie ihr moralisches Empfinden völlig unterdrückt haben. Die ganze Geschichte dreht sich letzten Endes darum, dass sich Fettes für sein Gewissen und gegen die skrupellosen Machenschaften in der damaligen Medizin entschieden hat, mithin also für Armut statt Reichtum. Dafür wird er von Robert, Dick und Alfred mit einer Lokalrunde belohnt.

_Die Inszenierung_

|Atmosphäre & Sprecher|

Es gibt drei Stimmungsebenen in diesem Hörspiel. Die erste ist die von Pro- und Epilog und hat ihren Schauplatz im Gasthaus |The George|. Die Stimmung ist relativ freundlich, doch bei Fettes kippt sie in Furcht und Verzweiflung um, die sich auf seine Erlebnisse in Edinburgh bezieht. Die Stimmen der Sprecher sind ziemlich normal, doch die von Michael Pan als Fettes ragt bei weitem heraus. Pan ist sehr eindrucksvoll, nicht nur in seinem intensiven Ausdruck, sondern auch aufgrund seiner Flexibilität.

Denn im heiteren Teil der Edinburgh-Backstory gibt er den Fettes als ganz normal vergnügungssüchtigen und etwas zu ehrgeizigen Studenten. Fettes ist den Freuden geistiger Getränke ebenso wenig abgeneigt wie denen fleischlicher Gelüste. Dieser freundlichen Tageszeit Edinburghs steht die düstere, weil kriminelle Nachtseite von Fettes‘ Geschäften mit Leichen gegenüber. Pocht einmal ein Leichenhändler wie Skinner (wörtlich: der Häuter oder Abdecker) an die Seitentür, so klingt es, als würde das Verhängnis persönlich Einlass begehren.

Zu dieser düsteren Seite kommt in der Exkursion nach Glencourse noch das unheimliche und groteske Element hinzu. Hat die Handlung schon zunehmend Fahrt aufgenommen und an Dramatik gewonnen, so überschlagen sich nun die Ereignisse, bis die Kutsche sozusagen aus der Kurve fliegt. Erst im Epilog beruhigt sich die Stimmung wieder – siehe oben.

Prof. Knox wird von Hans-Werner Bussinger mit dessen üblicher Autorität des Älteren und Mächtigeren dargestellt, und dass Fettes klein beigibt, erscheint plausibel. Trotz seiner Gewissensbisse will er es doch in seinem Studium noch weit bringen. Nur Skinner kann ihm hinsichtlich Alter und Grausamkeit das Wasser reichen. Andreas Mannkopff spielt ihn mit Gusto als |dirty old man|, der noch Mackie Messer in den Schatten stellen würde.

Macfarlane, gesprochen von Torsten Michaelis, hingegen ist nicht nur ein gewissenloser Karrierist, sondern zudem ein intelligenter Fallensteller und Erfinder von Ausreden. Er schreckt vor massiven Drohungen nicht zurück. Wir erleben Macfarlane nur einmal kleinlaut, und zwar dann, als Gray sich über ihn lustig macht und ihn demütigt. Man kann sich lebhaft vorstellen, welche Lust es Wilfried Herbst bereitet haben muss, die Sau rauszulassen und den |imp of the perverse|, den Dämon der Perversion und Schadenfreude, zu spielen! Sein fieses Lachen verfolgt die armen Leichenräuber noch bis in ihre Träume. Man kann dies aber auch als übertrieben ansehen. Jedenfalls ist Herbsts Darstellung hart an der Grenze des Erträglichen – und jenseits des guten Geschmacks sowieso.

Melanie Hinze spricht als Jane Galbraith die einzige weibliche Rolle des Stücks. Sie ist die deutsche Stimmbandvertretung von Jennifer Love Hewitt, die in „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ eine der Hauptrollen spielte. Ihre Stimme ist nicht die einer abgetakelten Hure, die auf dem letzten, ähem, Loch pfeift, sondern eher die einer guten Freundin, wie sie sich jeder junge Mann wie Fettes wünschen würde.

|Musik und Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut. Besonders der Prolog und die Exkursion auf den Friedhof von Glencorse sind so dicht und effektreich inszeniert, dass es für jeden Gruselfreund eine Freude sein dürfte. Unheimlich gut fand ich auch das Pochen an der Seitentür. Durch das Unterlegen mit Hall klingt es wie das Nahen des Schicksals, das bei Fettes Einlass begehrt.

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und ist mit klassischem Instrumentarium produziert – keine Synthesizer für klassische Stoffe! Allenfalls ein paar Soundeffekte verursachen dem Hörer Gänsehaut. Die Musik steuert nicht nur die Emotionen des Publikums auf subtile Weise, sondern bestreitet auch die Pausen zwischen den einzelnen Akten. Dann stimmt sie das Publikum auf die „Tonart“ des nächsten Aktes ein.

Die heiteren Szenen aus Edinburgh sind mit fröhlichen Stimmen und Gelächter ebenso unterlegt wie mit dem Spiel einer fröhlichen Jahrmarktsmusik. Sie erinnert an eine Spieluhr, die eine romantische Melodie erklingen lässt. Die Hintergrundmusik entspricht dem 19. Jahrhundert, wirkte aber manchmal unpassend und irrelevant, als habe sie nichts mit der Handlung zu tun. Hin und wieder konterkariert ein düsterer oder dramatischer Akkord den heiteren Anschein. Die Musik kann im letzten Akt der Binnenhandlung richtig loslegen, mit Tempo und Dramatik.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin auf dem Schubereinband fand ich wieder einmal sehr passend und suggestiv. Allerdings frage ich mich, ob die Schaufel des linken Gräbers nicht gleich das Bein des rechten Gräbers treffen wird. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 14 Jahren.

Diesmal sind in einem zusätzlichen Katalog Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:

Nr. 26: Theophile Gaultier: Die liebende Tote.
Nr. 27: Robert Louis Stevenson: Der Leichendieb (nach historischen Tatsachen).
Nr. 28 + 29: Victor Hugo: Der Glöckner von Notre-Dame (2 CDs, Herbst 2008)
Nr. 30: J. W. Polidori: Der Vampyr
Nr. 31: Rudyard Kipling: Die Gespenster-Rikscha
Nr. 32 + 33: Die Jagd der Vampire (2 CDs, ohne Autorenangabe)

_Unterm Strich_

Viele gute Schauererzählungen sind eine Kombination aus Mystik, Grusel und Verbrechen, so etwa „Das Phantom der Oper“ oder [„Der Fall Charles Dexter Ward“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 Am langweiligsten sind diejenigen, die nur aus Verbrechen bestehen und daher den Schauer des Entsetzens nicht ins Metaphysische steigern. Stevensons Erzählung gelingt es, sowohl das Verbrechen anschaulich zu schildern und zu begründen, als auch die metaphysische Dimension einzubauen. Diese ist lediglich eine Manifestation der Psychologie der Protagonisten, insbesondere die ihres schlechten Gewissens. Der Geist von Gray wird nie rational erklärt – wozu auch? Es ist doch jedem Hörer klar, dass den Leichendieben die Stunde ebenso schlägt wie das Gewissen.

Die drei Abschnitte des Hörspiels sind räumlich und zeitlich klar voneinander getrennt, so dass keine Verwirrung aufkommen kann, was nun wohin gehört. Das Personal sorgt für gehörig Abwechslung, aber auch für die Kontinuität, die nötig ist, um das Verhalten von Fettes und Macfarlane zu erklären. Bis zum Schluss bleibt es ziemlich spannend, wie ihr Ausflug nach Glencorse ausgeht. Denn es muss die Erklärung folgen, warum Fettes noch 20 Jahre nach den von ihm geschilderten Ereignissen Albträume hat. Und warum Macfarlane immer noch so schlecht angesehen ist, dass er sich gleich nach dieser Nacht in Debenham aus dem Staub macht.

|Das Hörspiel|

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Besonders gelungen fand ich einige Soundeffekte wie etwa das unheimliche Pochen an der Tür zum Seziersaal, aber auch die heitere-romantische Musik zum Auftakt des Edinburgh-Teils. Herausragende Sprecher sind Andreas Mannkopff als Skinner und Wilfried Herbst als der durchgeknallte Mr. Gray. Deren Darstellung ist aber schon hart an der Grenze zur Karikatur und vielleicht nicht jedermanns Geschmack (von gutem Geschmack ganz zu schweigen).

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Wer jedoch mit Melodramatik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen.

Fazit: Wieder ein Volltreffer von |Titania Medien|.

|Originaltitel: The Body Snatcher, 1884
Aus dem Englischen übersetzt von Harry Rowohlt
68 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3579-4|
http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Gautier, Théophile / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – liebende Tote, Die (Gruselkabinett 26)

_1000 Küsse: Die Erotik der Vampirin_

Südfrankreich 1848: Der junge Mönch Romuald wird des Nachts an das Lager einer Sterbenden gerufen. Zwar kommt er zu spät, um ihr noch die letzte Ölung spenden zu können, jedoch willigt er ein, wenigstens die Totenwache zu halten.

Allein in dem prunkvollen Schlafgemach, erkennt Romuald in der Toten die Kurtisane Clarinonde wieder, deren Schönheit ihm seit dem Tag seiner Priesterweihe ein Jahr zuvor nicht mehr aus dem Sinn geht. Da schlägt die Tote die Augen auf …

_Der Autor_

Der französische Schriftsteller Théophile Gautier (1811-1872) war eine der führenden Figuren in der französischen Romantik. Das Motto, das er verfocht und umsetzte, lautete „L’art pour l’art“ – Kunst um der Kunst willen. Der Übergang von der Realität zur schwelgerischen Fantasie war bei ihm häufig fließend, so etwa in „Mademoiselle de Maupin“ (1835) und in barocken historischen Novellen wie „Une nuit de Cléopatre“ (1838) sowie „Le roi Candaule“ (1844).

Die Kleopatra-Geschichtensammlung umfasst auch „La morte amoureuse“ (1836), in der eine „femme fatale“ auftritt, die sich als weiblicher Vampir entpuppt. Auch die Motive des Zeitrutsches (z. B. nach Pompeji) und der Identitätstausches („Avatar“, 1857) verwendete Gautier für seine Romanzen, und in „Jettatura“ lässt er einen Mann unter den Einfluss eines Bannes mit dem titelgebenden bösen Blick geraten. Auch Mumien faszinierten ihn, wie die Story „Der Fuß der Mumie“ (1840) und „Le roman de la Momie“ (1858) belegen.

Für die Tänzerin Carola Grisi (1819-1899) schrieb er das Libretto zum Ballett „Giselle“, doch er heiratete ihre Schwester Ernesta, mit der er die Tochter Judith hatte. Judith (1845-1917) wiederum schrieb ebenfalls mehrere extravagante orientalische Romanzen.

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Alter Romuald: Kaspar Eichel (dt. Stimme von Robert Redford)
Bruder Mathieu: David Turba (Zac Efron)
Junger Romuald: Julien Haggège (Colin Hanks)
Clarimonde: Sabine Arnhold (u. a. Sandrine Bonnaire)
Abbé Serapion: Christian Rode (u. a. Christopher Lee)
Margheritone, Clarimondes Diener: Torsten Michaelis (Wesley Snipes)
Barbara, Haushälterin: Cornelia Meinhardt (Sally Field)
Bruder Vincent: Frank Schaff

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand in den |Planet Earth Studios| und bei |Kazuya c/o Bionic Beats| statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

Südfrankreich. Der junge Mönch Mathieu fragt seinen älteren Ordensbruder Romuald um Rat in Liebesangelegenheiten, denn er ist verliebt. Zu seinem Erstaunen erweist sich Romuald als Experte in solchen Dingen, die einem Mönch eigentlich aufgrund seines Keuschheitsgelübdes verboten sind. Romuald erzählt, es habe mal eine Zeit in seinem Leben gegeben, als er nicht lange nach der Priesterweihe zu einem ausschweifenden Leben gefunden habe.

Alles beginnt am Osterfest 1847, als er in der großen Kathedrale zum Priester geweiht wird. Unversehens erblickt er auf einer Balustrade die schönste Frau, die er je gesehen hat, und verliebt sich unsterblich in sie: blond, grüne Augen, rote Lippen, schneeweißer Teint – so erscheint sie ihm wie ein Engel, und die Liebe schlägt ein wie der Blitz. Sie hält zahlreiche Versprechen für ihn bereit: Schönheit, Jugend, das wahre Leben und natürlich Liebe. Doch er legt das Priestergelübde trotzdem ab und enttäuscht damit ihre Hoffnung. Mit Bedauern verschwindet sie aus seinem Leben.

Der schwarzhäutige Diener der Schönen übergibt Romuald eine Adresse und eine Landkarte: „Clarimonde im Palais Concini“. Doch sein neuer Stand verbietet ihm, der Einladung der Schönen zu folgen, geschweige denn, sie zu suchen. Sein Beichtvater Abbé Serapion warnt Romuald eindringlich vor den Fallstricken des Teufels und fleischlicher Gelüste. Schon am nächsten Tag soll Romuald sich auf den Weg machen, um eine kleine Landpfarrei von seinem verstorbenen Vorgänger zu übernehmen.

Auf dem Weg dorthin zeigt ihm Abbé Serapion das Palais Concini. Abscheuliche Dinge seien dort geschehen, man habe dort Orgien abgehalten. Sollte die schöne Clarimonde etwa eine Kurtisane sein? Nach drei Tagen Reise per Esel gelangt er in sein Dorf und richtet sich mit der Haushälterin Barbara ein.

Ein Jahr vergeht, bis der schwarze Diener Clarimondes ihn mitten in der Nacht dringend zu Hilfe ruft. Die Herrin liege im Sterben. Romuald, der immer noch in Clarimonde verliebt ist, reitet sofort mit. Als sie im Palais anlangen, erfahren sie, dass die Herrin bereits tot sein. Der Diener bittet Romuald, die Totenwache bei der Verstorbenen zu halten, worin dieser natürlich mit Freuden einwilligt.

Das Schlafgemach der Herrin ist ein Traum aus Tausendundeiner Nacht, und sie selbst in ihrem Negligée ein Traum aus Romualds sehnsuchtsvollen Nächten. Als er ihr blondes Haar streichelt und um sie weint, gesteht er ihr seine unendliche Liebe, die er sogar über Gott und Glaube stellt. Donner grollt ob dieses Frevels. Kaum hat er ihre kalten Lippen geküsst, seufzt sie auf und erhebt sich. Sie öffnet die Augen und umarmt ihn. Er sei nun ihr Anverlobter für immer und ewig. Kaum hat sie dies gesagt, sinkt sie wie tot darnieder. Romuald schwinden die Sinne …

Fünf Tage später erwacht er in seinem Pfarrhaus. Der Abbé Serapion warnt ihn erneut eindringlich vor der Kurtisane Clarimonde, von der Gerüchte umgehen, wonach jeder ihrer Liebhaber vorzeitig gestorben sei. Ja, sie selbst sei nach einer langen Orgie gestorben, doch habe sie nicht nur ein Leben gehabt, sondern mehrere. Warum sonst wohl sei ihr Grabstein über hundert Jahre alt und völlig verwittert?

Doch Romuald schlägt Serapions Warnungen in den Wind. Schon in der folgenden Nacht bewegt sich der Vorhang vor seinem Bett und eine weibliche Silhouette wird vor blutrotem Hintergrund sichtbar: Clarimonde!

_Mein Eindruck_

Die Erzählung ist ein typisches Produkt der schwarzen Romantik, in welcher der Traum von Sublimation der irdischen Sehnsüchte nicht mehr zu einem spirituellen Leben in mönchischer Keusch- und Zurückgezogenheit führt, sondern zu dessen dunkler Seite. Die spirituellen Wesen, die den Geist bevölkern, treten nun als weibliche Vampire, Dämonen, Doppel- und Wiedergänger auf.

Sie überschreiten zwar die Grenzen, die dem Menschen durch Leben und Tod gesetzt sind, aber dafür verlangen sie einen Preis: entweder die Seele oder Blut. Oder beides, wie im Falle von Clarimonde, die sich Romualds Seele schon frühzeitig bemächtigt, denn er hilft kräftig und willig dabei mit. Der Preis für die Überschreitung, den sein Körper dann entrichten muss, besteht in Blut, das sie ihm in Venedig, wohin sie im Traumleben geflohen sind, aussaugt.

Das Bemerkenswerte an Romualds Erleben besteht darin, dass er sowohl die Existenz in der Landpfarrei als auch das Zusammensein als galanter Kavalier an Clarimondes Seite als Traum empfindet. Er könnte nicht sagen, welcher der beiden Träume nun der „wahre“ oder „wirkliche“ sei. Solche Definitionen haben für ihn keine Bedeutung mehr.

Erst als Abbé Serapion wieder in sein Leben tritt und Romuald mit der Nase auf die grässlichen und abstoßenden Fakten der Wirklichkeit hinstößt, erkennt Romuald seine Fehlgeleitetheit. Doch seine Seele gehört weiterhin der Angebeteten, auch wenn diese nie wieder zurückkehren kann. Und in seinen Erinnerungen, so gesteht er dem jungen, von Liebe gequälten Bruder Mathieu, kann er Clarimonde immer noch besuchen.

Selten wurde in der schwarzen Romantik das weibliche Prinzip mit den hellen, positiven Seiten des Lebens so eindeutig identifiziert, die dunkle Seite der Existenz aber mit der christlichen bzw. katholischen Glaubensausübung unter Männern. Clarimonde, die |femme fatale|, steht für Jugend, Schönheit und Sinnenfreude, vor allem aber für Liebe und Hingabe. Zu gerne würde sich Romuald auch seinem Gott so hingeben, doch die Ordensregeln, verkörpert durch den Abt Serapion, sind streng und verbieten ihm selbst diese Freude. Das ist natürlich eine poetische Überspitzung, denn wie jeder weiß, hatten auch katholische Priester Kinder, die sie allerdings nicht anerkennen durften.

Was Gautier erreichen wollte, ist eine Öffnung des männlichen Geistes und seiner sozialen und psychologischen Konventionen, um ab 1835 die Grenzen des Erlebens und Handelns zu erweitern. Gautier gehörte der Generation an, die nicht an den Umwälzungen des Napoleonischen Zeitalters und des Wiederaufbaus teilgenommen hatte, sondern nun dessen Früchte ernten konnte. Die Existenz war halbwegs gesichert, die Kolonien schwemmten Reichtümer und exotische Kultur ins Mutterland. Da konnte sich ein junger Mann gerne den verfeinerten Künsten zuwenden und davon schwärmen, die Grenzen, die noch für die strengen Nachkriegseltern (Serapion) gegolten hatten, zu überschreiten, um so auch ein wenig Ruhm zu ernten. Dies war aber nur in der Großstadt möglich, denn auf dem Lande herrschte uneingeschränkt die Bigotterie mit allen kirchlichen und sozialen Normen.

Dadurch lässt sich ein weiterer Kontrast aufzeigen: der zwischen einfachem Land und mondäner Verfeinerung, ja, fast schon Dekadenz. Um dies zu erleben, entführt Clarimonde, die Kurtisane, ihren neuen Geliebten flugs nach Venedig. Dort lernt er eine andere Tradition kennen, eine, die sich als morbide erweist. Clarimondes Krankheit entpuppt sich als Vampirismus, die ultimative Krankheit, die sowohl geistigen als auch körperlichen Ursprungs ist. (Herkömmliche Krankheiten greifen meist nur den Körper an, was aber nicht für die Syphilis gilt, siehe Nietzsche.) Vampirismus lässt sich aber auch als metaphorische Umschreibung für Sex deuten, insbesondere für außerehelichen und käuflichen Sex.

In dem Ping-Pong-Spiel zwischen irdischer Liebe für die Kurtisane und spiritueller Selbstdisziplin, verkörpert durch Serapion (dessen Vorbild ein griechischer Eremit war, vgl. E.T.A. Hoffmanns Serapionsbrüder), obsiegt die kirchliche Seite, aber nicht etwa aus Romualds eigener Fähigkeit, sich am Riemen zu reißen, sondern weil er vor sich selbst gerettet wird. Serapion erscheint hier als elterlicher Stellvertreter Gottes. Die Geschichte hätte ja auch mit jämmerlichem Siechtum des Vampiropfers ausgehen können, oder gar mit dessen Umwandlung zu einem weiteren Vampir, wie es zurzeit Tradition ist.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

In der Romantik war alles übersteigert, nicht zuletzt auch die Charaktere. So muss auch Clarimonde die ultimative sündhafte Versucherin spielen. Sabine Arnhold, die deutsche Stimme von Sandrine Bonnaire, spricht sie mit einer unschuldigen Verlockung in der Stimme, die voller guter Versprechen ist. Von Bedrohung ist darin nichts spürbar. Interessant ist das Stilmittel, sie auch flüsternd in Romualds Kopf sprechen zu lassen. Ihre Stimme zittert merklich, als er sie zunächst zurückweist. Ein teuflisches Wesen würde anders reagieren, nämlich verärgert.

Berückender kann man die Verführerin kaum zeichnen. Ihre Wirkung wird noch verstärkt in den Szenen, als sie mit Romuald zusammen ist. Selten habe derart viele Küsse der Leidenschaft zu hören bekommen! Tiefe Seufzer seitens der Geliebten und schmachtende Liebesschwüre seitens Romualds sind an der Tagesordnung. Flüstern und Hall werden massiv eingesetzt, um die Passion der beiden Hauptfiguren intensiver zu gestalten.

Wie sich Romuald darstellt, lässt sich leicht vorstellen: Er besteht aus zwei verschiedenen Personen, nämlich dem leidenden Pfarrer, der entsagen soll, und dem Liebenden, der verruchte Erfüllung findet, gegen alle Warnungen und Widerstände. Was zunächst ein seelischer Kampf ist, entwickelt sich zu einem körperlichen weiter, als sich die Kurtisane als Blutsauger erweist.

Serapion ist der gestrenge Übervater und Mentor für Romuald, den Tunichtgut, der vom rechten Weg abkommt. Serapion zeigt keinerlei Zweifel, sondern vielmehr Liebe für seinen missratenen Jungpfarrer. Das erinnert an Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“, in dem William von Baskerville seinen jungen Novizen Adson von Melk führt und zuweilen zurechtweist.

Am Schluss begeht aber auch Serapion ein Verbrechen: Grabschändung. Gar unheimlich ist die Szene, in welcher der Alte den Sarg der Kurtisane öffnet und das Leichentuch zurückschlägt. Seine Weihwasserspritzer zeigen eine verblüffende Wirkung. Das ist aber noch nicht das Ende von Clarimondes Geist.

|Musik und Geräusche|

Dass die Musik die romantischen Stimmungsschwankungen ebenso getreulich umsetzt, dürfte klar sein. Es beginnt mit der Glocke des Klosters, in dessen Garten sich Romuald und Mathieu unterhalten. Ein Choral von Mönchen begleitet ihr Zwiegespräch im Hintergrund und erscheint wieder ganz am Schluss. Die mönchisch-klerikale Atmosphäre beherrscht also den Rahmen der ganzen Exkursion ins verbotene Terrain der Sinnlichkeit.

Die Konfrontation zwischen feierlicher klerikaler Atmosphäre und verlockender Erotik und Liebe findet schon im zweiten Akt, bei Romualds Gelöbnis, statt. Die Dialektik der Konfrontation wird weiter durchdekliniert, bis am Schluss Serapion und klerikale Welt die Oberhand behalten. Doch die romantischen Abenteuer des jungen Romuald, die mich an E.T.A. Hoffmanns [„Elixiere des Teufels“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=519 erinnerten, erfordern eine andere Art von musikalischer Untermalung: eine zauberisch lockende Flöte betört Romuald in den Nächten, und die Reisen zu oder mit der Geliebten sind stets von dynamischer Musik voller Leidenschaft gekennzeichnet. Sie enden regelmäßig in einem Crescendo.

Die Geräusche klingen zwar realistisch, aber der Eindruck täuscht. Die Tiere der Nacht, wie etwa Krähen, Eulen, Grillen, evozieren eine träumerische und ahnungsvolle Stimmung. Die Tierstimmen sind sorgfältig sorgfältig ausgewählt und angeordnet. Das Gleiche gilt für die anderen Geräusche wie wildes Pferdewiehern und Hufgetrappel: Leidenschaft. Es erscheint nur folgerichtig, dass die Seufzer und Küsse ebenfalls auf dieser animalischen Ebene angesiedelt sind. Sie soll ja mit der geistigen Ebene des Kirchenlebens kontrastieren. Der allgegenwärtige Donner verdeutlicht den Konflikt mit den moralischen Normen – es ist, als würde Jupiter zürnen. Er erscheint regelmäßig als Serapion.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher.

Die Illustration von Firuz Akin auf dem Titelbild fand ich wieder einmal sehr passend und suggestiv. Sie macht die erotische Ausstrahlung im Kontrast zum mönchischen Habitus sehr deutlich. Man beachte Clarimondes rotlackierte Fußnägel. Dieser Geist hat zumindest einen Sinn für Stil und das richtige Make-up für den Anlass.

Diesmal sind in einem zusätzlichen Katalog Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:

Nr. 26: Théophile Gautier: Die liebende Tote.
Nr. 27: Robert Louis Stevenson: Der Leichendieb (nach historischen Tatsachen).
Nr. 28 + 29: Victor Hugo: Der Glöckner von Notre-Dame (2 CDs, Herbst 2008)
Nr. 30: J. W. Polidori: Der Vampyr
Nr. 31: Rudyard Kipling: Die Gespenster-Rikscha
Nr. 32 + 33: Die Jagd der Vampire (2 CDs, ohne Autorenangabe)

_Unterm Strich_

Gautiers Erzählung ist die romantische Eskapismusphantasie schlechthin. Der Ausbruch aus den sozialen Konventionen, hier verkörpert durch die Mönchsexistenz im Kloster und auf dem Lande, in die Gefilde erotischer Ausschweifungen gelingt nur um den Preis seelischer und körperlicher Opfer. Konservativ ist der Autor insofern, als sein Held von Mutter bzw. Vater Kirche gerettet und zurück in den Schoß der Gesellschaft geholt wird.

Ein netter Trick ist jedoch die gleichzeitige Infragestellung der Rettung: Denn Romuald vermag nicht mehr zwischen seinen zwei „Traum“-Existenzebenen zu unterscheiden. War vielleicht am Ende seine Mönchsexistenz der „wirkliche“ Traum? Für Gautiers Kunstphilosophie ist dies einerlei: Im Rahmen von „L’art pour l’art“ ist eben alles Kunst und somit erlaubt.

Für seine Leser war Romualds Ausflug zur erotischen Clarimonde-Welt sicher ein aufreizendes Abenteuer. Gautier wiederholte solche Fantasien denn auch viele Male. Heute werden solche Fantasien millionenfach angeboten, gegen entsprechende Gebühr, versteht sich. Aber nichts geht über das Original.

|Das Hörspiel|

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Mir war die Umsetzung an vielen Stellen zu romantisch, denn da wird geseufzt und geschmachtet, dass es schon wieder peinlich wird, von den leidenschaftlichen Küsse gar nicht zu reden. Aber wer weiß? Vielleicht ist das Publikum wieder empfänglich für das Original, nachdem es lange Zeit mit den abgedroschenen Klischees der Epigonen vorliebnehmen musste?

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Wer jedoch mit Melodramatik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen.

|Originaltitel: La morte amoureuse, 1836
57 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3578-7|
http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de
http://www.spv.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Tolstoi, Alexej K. / Gruppe, Marc – Familie des Vampirs, Die (Gruselkabinett 3)

_Vampirsaat: die Epidemie der Gewalt_

1788 in einem Dorf in Serbien: Ein Wintereinbruch hindert Serge d’Urfé an der Fortsetzung seiner Reise. Im Haus des alten Gortscha findet er Schutz vor den Wölfen und Gefallen an der schönen Zdenka. Der Hausherr selbst ist vor Tagen aufgebrochen, um den berüchtigten Vampir und Räuber Alibek zu töten.

Zuvor hatte er seiner Familie eingeschärft, ihn keinesfalls mehr einzulassen, wenn er nach einer festgelegten Frist komme, da er dann selbst zum Vampir geworden sei. Mit Ablauf der Frist begehrt Gortscha Einlass in sein Haus …

_Der Autor_

A. K. Tolstoi (1817-1875) wurde elf Jahre vor seinem bekannteren Namensvetter Leo Tolstoi (1828-1910), dem Autor von „Krieg und Frieden“ geboren. Er ist Angehöriger einer Schriftstellersippe, die u. a. den SF-Autor Alexej Tolstoi (1882-1945) hervorgebracht hat. Zufall oder Notwendigkeit? Er veröffentlichte eine Storysammlung mit dem Titel „Vampires: Stories of the Supernatural“, deren Übersetzung 1969 in den USA erschien. Ein weiterer Abkömmling ist der britische Fantasyautor Nikolai Tolstoi (geboren 1933), der u. a. einen Roman über Merlin veröffentlicht hat.

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Erzähler: Friedrich Schoenfelder (dt. Stimme von Davin Niven, Vincent Price)
Serge d’Urfé: David Nathan (Johnny Depp, Leonardo DiCaprio)
Gortscha: Jürg Löw
Grigori: Peer Augustinski (Robin Williams)
Polina: Daniela Hoffmann (Julia Roberts, Calista „Ally McBeal“ Flockheart)
Zdenka: Arianne Borbach (Catherine Zeta-Jones, Diane Lane)
Pjotr: Jens Hajek
Mutter Oberin: Dagmar von Kurmin
Dorfbewohnerin: Regina Lemnitz (Kathy Bates, Diane Keaton, Whoopi Goldberg)
Isabelle: Manja Doering (Reese Witherspoon, Natalie Portman)
Fürstin: Dagmar von Kurmin
Gäste der Fürstin: Lothar Didjurgis, Heinz Ostermann

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand im Studio AudioCue, Rotor Musikproduktion, Scenario Studio und bei Kazuya statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

Wien 1815. Der Wiener Kongress, der Europa nach den Napoleonischen Kriegen neu ordnete, ist zu Ende und die meisten Teilnehmer reisen wieder nach Hause. Nur ein kleines Häuflein Diplomaten trifft sich im Schloss der Fürstin von Schwarzenberg, um einander mit Geschichten zu unterhalten. Heute Abend ist die Reihe am Marquis Serge d’Urfé, der aus Paris stammt.

Seine Geschichte beginnt im vorrevolutionären Paris des Jahres 1788, wo er die schöne Isabelle de Gramont kennen und lieben lernt. Doch die Leiden der Liebe sind zwar unzähl-, aber doch vorhersehbar, und so bleibt es nicht aus, dass Serge sich als Spielball der Launen seiner Schönen sieht und beschließt, sich ihr zu entziehen. Er lässt sich von der Regierung für eine diplomatische Mission nach Serbien einteilen und gedenkt, am nächsten Tag abzureisen.

Da tritt zu seiner Überraschung Isabelle ein und macht ihm Vorwürfe, er wolle sie im Stich lassen. Sie hat von seiner Mission gehört und weiß, dass auf dem Balkan Gefahren auf ihn warten, von denen ihr Galan nichts ahnt. Serge ist überrascht, als sie ihm ihre Liebe eingesteht und ihn bittet, als Zeichen ihrer Zuneigung ein silbernes Kruzifix anzunehmen. Es soll ihn auf seinen gefahrvollen Wegen beschützen. Er akzeptiert gerne, nicht ahnend, dass es ihm schon bald zweimal das Leben retten wird.

Es ist bereits Winter, als er nach Warschau, Böhmen und Ungarn endlich Serbien erreicht. Am Abend bedrängen ihn zunehmend heulende, hungrige Wölfe, doch zum Glück findet er noch ein kleines Dorf neben einem Kloster, von dessen Bewohnern er Obdach und Schutz erbittet. Eine Alte weist ihn ab, gibt ihm aber den Tipp, er könne mal die Familie des alten Gortscha fragen. Als ihm dort die Tür geöffnet wird, glaubt er seinen Augen nicht zu trauen: Die junge Frau ist das Ebenbild Isabelles und ebenso schön und freundlich. Sie nennt sich Zdenka und bittet ihre Brüder Grigori und Pjotr, dem Fremden Obdach zu gewähren. Obwohl die Brüder aus irgendeinem Grund misstrauisch sind, lenken sie ein. Grigori ist mit Polina verheiratet und hat mit ihr einen kleinen Sohn namens Sascha.

Aber wo ist ihr Vater? Zdenka erzählt Serge, ihr Vater sei auf der Verfolgung des Räubers Alibeg, der nicht nur ein Räuber, sondern auch noch etwas anderes sei. Seine Familie solle genau zehn Tage auf ihn warten, aber keinesfalls länger, und sollte er doch danach zurückkehren, so solle sie ihn nicht mehr als einen der Ihren betrachten. Serge ist verblüfft. Was hat es damit auf sich? Zdenka erklärt, dass Gortscha in diesem Fall dann wahrscheinlich ein Wurdelak sei, ein untoter Wiedergänger.

Ach so, ein Vampir, kapiert Serge und ist höchst amüsiert. Doch Zdenka bleibt todernst. Ein Wurdelak unterscheide sich von den Vampiren insofern, als er nur das Blut seiner Liebsten trinken wolle. Durch den Biss würden sie selbst zu Wurdelaks und ebenfalls ihre Angehörigen beißen wollen. Nur ein Pfahl aus Hagedornholz, durch das Herz getrieben, könne einen Wurdelak töten und die Epidemie stoppen.

Genau zu dem Zeitpunkt, als die Frist endet, schlägt die Kirchenglocke des Klosters zum zwölften Mal: Mitternacht. Da pocht es an der Tür des kleinen Hauses. Grigori bewaffnet sich, Zdenka betet, Pjotr öffnet schließlich die Tür: Es ist der alte Gortscha. Mensch oder Wurdelak? Niemand bittet ihn herein, und er wird wütend, befielt, den Hund zu töten, der ihn nicht mehr erkennt. Zudem sei er verwundet und bedürfe der Pflege. Schließlich geben die Söhne nach und gehorchen, der kleine Sascha bittet Gortscha herein.

Er berichtet, er habe Alibeg getötet, und die Erleichterung ist offensichtlich, doch eine gewisse Beklemmung bleibt. Als der Alte den Kopf des Räubers präsentiert, löst er Entsetzen aus. Dann bringt ihn Zdenka auf sein Zimmer. Doch die anderen beschließen, Wache zu halten. Grigori ist besonders misstrauisch und berichtet, er habe für alle Fälle einen Hagedornpfahl bereitgelegt. Später hört Serge jedoch die beiden Frauen vor seiner Zimmertür sprechen: Polina hat den Pfahl versteckt, weil sie glaubt, Gortscha sei ein Mensch und man dürfe seine Angehörigen nicht mit Pfählen traktieren. Das soll sich als verhängnisvoll erweisen.

In der Nacht glaubt Serge im Traum Gortscha an sein Bett treten zu sehen, doch Serge greift instinktiv zu seinem Kruzifix und vertreibt den ungebetenen Gast, der vor geweihten Gegenständen zurückzuckt. Das Wesen begibt sich ins nächste Zimmer. Dort liegt der kleine Sascha …

_Mein Eindruck_

Wider Erwarten handelt es sich hier nicht um eine gewöhnliche Vampirgeschichte, sondern um eine politische Parabel. Ganz am Schluss, als Serge wieder nach Vollendung seiner Mission aus Serbien und jenem Dorf nach Paris zurückkehrt, hat sich während des Jahres 1789 die Revolution ereignet, und die liebe Isabelle wurde, als Angehörige des verhassten Adels, in den Kerker der Bastille geworfen. Allenthalben muss Serge erschüttert feststellen, dass seine früheren Freunde ebenso in Lebensgefahr schweben wie Isabelle, und er sieht die Schöne erst wieder, als ihr Kopf unter der Guillotine liegt …

Ihm kommt es vor, als hätten sich die Menschen in Paris allesamt in Wurdelaks verwandelt, die auf ihre nächsten Verwandten losgehen und gerade diejenigen töten, die ihnen am liebsten sind. So hat es ihm Zdenka erklärt und genau so hat er es während seines zweiten Besuches in dem Dorf Kisolova erlebt. Das Dorf ist von allen lebenden Menschen verlassen; die letzten Überlebenden kauern sich im Kloster der Nonnen furchtsam zusammen. Es ist die gleiche Atmosphäre der Angst, die er nun in Paris vorfindet. Und er kann keinem einzigen Menschen mehr vertrauen.

Eine schleichende Furcht macht sich in ihm breit, doch sie rührt nicht nur von den Revolutionären und ihren Guillotinen her. Er denkt an Zdenka, der er bei seinem zweiten Besuch seine Liebe gestand. Sie sah blass, aber lebendig aus, als sie ihn im alten Gortscha-Haus besuchte, das er von allen verlassen vorfand. Doch statt der zurückhaltenden, auf Ruf und Moral bedachten jungen Frau seines ersten Besuchs in jener verhängnisvollen Nacht sieht er nun eine hemmungslose und zudringliche Frau vor sich, die ihn unbedingt küssen will. Sie ist selbst zu einem Wurdelak-Vampir geworden und will ihn zu einem der Ihren machen. So hat sich also die Vampirepidemie ausgebreitet, denkt er.

Serge ist der Vampir-Zdenka zwar entkommen, als er nun in Wien von ihr erzählt, doch er denkt an ihre letzten Worte, dass durch das Liebesband, das er zu ihr geknüpft hat, sie für immer an ihn gebunden sei und ihn eines Tages besuchen werde. Das liefert eine hübsche Schlusspointe dieser Geschichte. Doch das Liebesband ist symbolisch und bezeichnet auf der sozialen Ebene den natürlichen Zusammenhalt zwischen den Menschen. Nun ist es pervertiert worden, ein Krankheitskeim, der sich als Epidemie ausbreitet und immer weitere Opfer findet.

Doch wie mit allen Parabeln gibt es auch hier ein kleines Problem. Die Symbole der Romantik, dieses Mal sind es Vampire, können nur bis einem gewissen Punkt reale soziale Phänomene erklären. So muss sich der Hörer selbst zusammenreimen, worin der auf der politisch-sozialen Ebene die Entsprechung zum „Vampirvirus“ bestehen könnte. Darüber lässt sich trefflich spekulieren, und Erklärungen sind wohlfeil.

Ist es die Zügellosigkeit, die bei Missachtung der Gesetze losbricht? Oder ist es die Gewalt an sich, die sogar vor den Gesetzeshütern nicht halt macht und ihre eigene illegitime Herrschaft errichtet? Betrachtet man die Französische Revolution ohne ihre Wurzeln, aber mit Blick auf ihre Folgen, so könnte man zu diesem Eindruck gelangen. In jedem Fall lehnt der Autor mit seiner Parabel – und da befindet er sich in guter Gesellschaft – die Gewaltherrschaft der Revolutionäre ab. Auch Goethe hat sich ja mehrfach mit der Französischen Revolution befasst (in „Novelle“ und „Die natürliche Tochter“) und lehnte sie stets ab.

Der Symbolgehalt tut der Story aber keinen Abbruch, im Gegenteil. Sie funktioniert sowohl als Liebesdrama wie auch als Wiedergänger- und Vampirstory. Es gibt einige Szenen, die sehr bewegend sind, so etwa die Rückkehr des untoten Sascha oder die Rückkehr Serges in das ausgestorbene Dorf Kisolova. Sehr sinnlich wird es dann bei seiner Begegnung mit dem buchstäbliche zum Vamp gewordenen Wurdelak Zdenka, die seiner Geliebten Isabelle so unglaublich ähnlich sieht. Sie ist ihr genaues Negativbild – das Ende aller romantischen Blütenträume.

|Die Sprecher / Die Inszenierung|

Ganz besonders gefiel mir diesmal wieder die weibliche Besetzung. Arianne Borbach klingt ebenso sexy wie ihre synchroniserende Stimme, wenn Catherine Zeta-Jones auftritt. Dies gilt besonders für jene Szene, da Zdenka dem armen Serge auf die Pelle rückt, um ihm den Kuss des Vampirs zu verpassen.

Mindestens ebenso bemerkenswert ist jedoch Daniela Hoffmann in der Rolle der Polina. Polina ist ein reines Gefühlswesen, das nur in den Kategorien von Zu- und Abneigung empfindet. Polina hat ihre erste Krise, als sie Sascha verliert. Sie heult und weint und lacht in einem hysterischen Anfall, der einem Schauder über den Rücken jagt. Noch eine Nummer heftiger ist ihre zweite Krise, als der untote Sascha zurückkehrt und zu seiner Mami will … Hoffmann liefert hier eine wirklich eindrucksvolle Vorstellung.

|Geräusche und Musik|

Die Musik ist wie fast jede andere Filmmusik nach konventionellem Muster gestaltet, und niemand, der auf alte Dracula-Filme steht, wird sich daran stören. Die Musik lenkt die Emotionen auf subtile, aber wirkungsvolle Weise. Anders als bei „Das Amulett der Mumie“ drängt sich die Musik nicht in den Vordergrund, sondern bleibt stets dezent im Hintergrund. Ab und zu hören wir ein verträumtes Glockenspiel und eine Menge von Percussion-Instrumenten.

Einmal wird ein Filter eingesetzt, nämlich in der Szene, als Serge die beiden Frauen in Gortschas Haus belauscht. Solche Filter sind selten im Einsatz zu finden und in späteren Gruselkabinett-Episoden fehlen sie ganz. Der Grund ist einleuchtend: Sie dämpfen das gesprochene Wort derart, dass der Zuhörer den Text nur noch mit Mühe versteht.

_Unterm Strich_

„Die Familie des Vampirs“ ist eine dramatische Bearbeitung eines alten Textes aus dem 19. Jahrhundert. Die Vampirstory an sich ist vollständig zufrieden stellend, indem sie sowohl spannende als auch sinnliche und dramatische Szenen zur Genüge liefert. Doch die symbolische Bedeutungsebene wird erst nach Serges Rückkehr nach Paris deutlich, wo die Revolutionäre gleichsam wie Wurdelaks wüten und sich Gewalt und Furcht wie eine Epidemie ausbreiten. Was sich in der kleinen Familie Gortschas im hintersten Serbien zuträgt, das wiederholt sich in einem riesigen Maßstab nun auf der Weltbühne, so will es Serge erscheinen. Und damit wird auch die politische Aussage der Geschichte deutlich (siehe oben).

Die Sprecher, Geräuschedesigner und der Komponist haben hier hervorragende Arbeit geleistet. Keiner der Teile will sich besonders hervortun, sondern befindet sich im Gleichgewicht mit den anderen Elementen des Werks. Hervorzuheben sind die Leistungen von Daniela Hoffmann und Arianne Borbach, die Polina und Zdenka sprechen. Auch Jürg Löw als der furchteinflößende Gortscha bleibt in Erinnerung. Und ganz am Schluss gibt es noch eine hübsche Pointe, die einen überraschten Schauder erzeugt.

Dieses Hörspiel wurde laut Verlag von der |Dracula Society| mit dem |Nyctalus|-Preis 2005 ausgezeichnet, zudem mit dem Kritiker-Hörspiel-Award in Gold und Publikums-Hörspiel-Award in Silber als „Beste Serienfolge 2004“; aufgenommen in die Bestenliste 2004 von |HörNews.de|.

|69 Minuten auf 1 CD|
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_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Stoker, Bram / Gruppe, Marc – Amulett der Mumie, Das (Gruselkabinett 2)

_Mystisch: Das Juwel der sieben Sterne_

London 1904: Abel Trelawny fällt in seinem mit Pharaonenschätzen bestückten Haus in ein mysteriöses Koma. Seine Tochter Margaret und sein junger Anwalt sind ratlos. Eigenartigerweise hat Trelawny offenbar mit einem solchen Vorfall gerechnet und entsprechende Verfügungen hinterlassen.

Es scheint ein unheimlicher Zusammenhang mit Tera, einer magiekundigen Pharaonin, zu bestehen. Teras Mumien-Sarkophag hatte Trelawny just in dem Augenblick entdeckt, als seine Frau während der Geburt Margarets in London starb …

_Der Autor_

Bram Stoker ist der Künstlername des irischen Schriftstellers und Theatermanagers Abraham Stoker (1847-1912), dessen wichtigste Karriere mit der des damals berühmten Theaterschauspielers Henry Irving verbunden war, der von 1838 bis 1905 lebte. Stoker begann schon 1872 mit dem Veröffentlichen seiner Erzählungen, was 1897 in der Publikation des Horrorklassikers „Dracula“ gipfelte, der aber 1901 kräftig revidiert wurde. Stoker schrieb noch ein paar weitere unheimliche Romane („The Lair of the White Worm“ wurde erst 1986 vollständig veröffentlicht und prompt verfilmt) und etliche Erzählungen.

|Bram Stoker bei Buchwurm.info|:

[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16 – 19)
[„Das Schloss der Schlange“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2987
[„Draculas Gast“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1086
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=622 (Hörspiel 2004)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=210 (Buch)

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Malcom Ross, Anwalt: Herbert Schäfer
Abel Trelawny, Archäologe: Christian Rode (Christopher Plummer, Michael Caine, Telly „Kojak“ Savalas)
Margaret, seine Tochter: Janina Sachau (Max-Ophüls-Preisträgerin)
Mrs. Grant, seine Haushälterin: Dagmar von Kurmin
Dr. Eugene Corbeck, Archäologe: Jürg Löw
Dr. Winchester: Lothar Didjurgis
Sgt. Daw: Jens Hajek
Schwester Kennedy: Regina Lemnitz (dt. Stimme von Kathy Bates & Whoopi Goldberg)

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand im Studio AudioCue, Rotor Musikproduktion, Scenario Studio und bei Kazuya statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

Der Archäologe Abel Trelawney hat sich in sein Arbeitszimmer zurückgezogen und möchte nicht mehr gestört werden, denn ein wichtiger Zeitpunkt nähert sich. Auch das Katzenvieh seiner Tochter Margaret darf sein Heiligtum auf keinen Fall betreten, das mit allen möglichen Raritäten aus dem alten Ägypten vollgestopft ist. Im Zentrum steht der riesige Sarkophag der Königin Tera, inklusive ihrer Mumie. Daneben ist der kleinere Sarkophag eines Tieres aufgestellt, das Tera vielleicht als Schutzgeist im Jenseits betrachtet hat, als sie sich bestatten ließ.

Sobald die Haushälterin Mrs. Grant den Raum verlassen hat, steigt ein merkwürdiger Geruch aus dem Sarkophag auf und eine Stimme ruft Trelawney zu, ihr endlich das Amulett zu geben, damit sie wiederauferstehen kann. „Vollziehe das Ritual“, befiehlt die Stimme. Dann ertönt ein Fauchen, ein Klirren – schließlich Stille …

Der Anwalt Malcolm Ross öffnet morgens um drei Uhr verschlafen seine Wohnungstür, denn das Klopfen will einfach nicht aufhören. Mrs. Grant, die er gut kennt, gibt ihm einen Brief von Margaret Trelawney: Es ist ein Hilferuf! Ross eilt sofort zum Haus des Archäologen, denn für Margaret hat er sehr viel übrig, um nicht zu sagen: Liebe. Margaret ist froh über sein Kommen und duzt ihn verstohlen ebenfalls. Offenbar erwidert sie seine Zuneigung.

Mr. Trelawney liegt in einem Koma, und der herbeigerufene Arzt Dr. Winchester ist sehr besorgt. Diese Kratzspuren am Handgelenk des Patienten hätten zum Verbluten führen können. Daran ist ein Armband befestigt, an dem wiederum ein Schlüssel hängt. Und wie kam es, dass der schwere Körper vom Schreibtisch zum Tresor an der Wand geschleift werden konnte, zu dem der Schlüssel passt? Sergeant Daw von Scotland Daw steht ebenfalls vor einem Rätsel. Die präsentierten Lösungsansätze erscheinen allesamt absurd. Da bringt Mrs. Grant einen Brief Trelawneys, welcher genaue und strenge Anweisungen enthält. Man müsse seinen Körper streng bewachen.

Malcom Ross erklärt sich natürlich gerne bereit, die erste Nachtwache neben dem Patienten zu verbringen und hofft auf Margarets charmante Gesellschaft. Seine Hoffnung wird enttäuscht, als eine Krankenschwester ihren Platz einnimmt, damit die junge Frau schlafen kann. Die Nacht vergeht ereignislos, bis auf die Tatsache, dass die Krankenschwester ebenfalls ins Koma fällt und Ross nur durch die Tatsache vor dem gleichen Schicksal gerettet wird, dass er sich ein Sauerstoffgerät gekauft hat, um wachzubleiben. Margaret ist außer sich: Nennt man das vielleicht aufpassen?! Trelawney wurde ein zweites Mal verwundet und zum Tresor geschleppt. Was mag darin verborgen sein?

Daw, Winchester und Ross wird die Sache allmählich unheimlich. Und ihnen scheint, es gebe nur einen Mensch, der Gelegenheit hatte, die Tat erneut zu begehen: Margaret. Sie wohnt erst seit kurzem im Haus, seit sie das Internat verlassen hat. Ihre Mutter starb bei ihrer Geburt, just als ihr Vater gerade in Ägypten das Grab der Königin Tera entdeckte. Als ob sie ahnte, dass man über sie spricht, tritt die Genannte auch schon ein. Hat sie einen sechsten Sinn entwickelt? Und was haben die Trancezustände zu bedeuten, in die sie immer häufiger verfällt?

Den Schlüssel zum Rätsel scheint endlich die Ankunft von Dr. Eugene Corbeck zu liefern. Er ist sehr aufgeregt, denn ihm wurde etwas Wertvolles gestohlen, das Trelawney unbedingt zum 31. Juli – also heute – haben wollte. Als er den komatösen Kollegen sieht, ist Corbeck erschüttert und beginnt zu erzählen. Daw will wissen, was ihm geraubt wurde. Es waren sieben Leuchten aus dem Grab Teras, und Trelawney braucht sie für das Ritual, mit dem er Tera wieder zum Leben erwecken will. Seine Zuhörer sind nicht nur befremdet, sondern erschüttert. Eine Mumie zum Leben erwecken – geht das überhaupt?

Und ob, antwortet Corbeck, denn Tera war keine gewöhnliche Pharaonin. Weil ihr Vater fürchtete, sie werden einem Putsch der Priester zum Opfer fallen, ließ er sie in schwarzer Magie ausbilden, in der sie sich als Meisterin erwies. Und die Art und Weise, wie sie ihren Tod herbeiführte, lässt durchaus die Hoffnung zu, dass sie mit Hilfe des korrekt ausgeführten Rituals zum Leben erwacht. Allerdings war Tera von den Priestern mit einem Fluch belegt worden. Sie nannten sie „die Namenlose“ …

Da tritt Mrs. Grant ein. Sie hat sieben Leuchten gefunden! Und die Krankenschwester meldet, Trelawny sei wie durch ein Wunder erwacht. Nun kann das Ritual wie geplant stattfinden. Die Frage ist nur: In welcher Gestalt wird die Königin wiederauferstehen? Und wie wird sich der Fluch auswirken, der auf ihr liegt und schon mehrere Opfer gefordert hat?

_Mein Eindruck_

Das alte Ägypten ist seit den Filmen um „Die Mumie“ – das Remake eines Klassikers der Dreißigerjahre – wieder sehr beliebt geworden, und der ägyptischen Altertümerverwaltung unter Dr. Hawass ist die neu erwachte Begeisterung für Pharaonen und Pyramiden sicher nicht unrecht, spült sie doch Scharen von zahlungskräftigen Touristen ins Land, die helfen, ihre Kassen zu füllen.

Dass der Kern der altägyptischen Religion nicht nur mit Jenseitsverehrung, sondern auch mit Magie zu tun haben könnte, ist jedoch wohl eine Erfindung westlicher Schriftsteller. Sie schreiben vom „Fluch des Pharao“, der Howard Carter und seine nächste Umgebung heimgesucht habe, zur Strafe dafür, dass er das Grab Pharao Tutenchamuns entdeckt und geplündert habe.

Bram Stoker, der Schöpfer des Grafen Dracula, suchte natürlich für seine Erzählungen weitere fruchtbare Felder, die er beackern konnte, und stieß mit dem alten Ägypten auf eine sprudelnde Quelle. Auch wenn seine Story meines Wissens noch nicht verfilmt worden ist, so hält die Figur der Tera eine Fülle von faszinierenden Archetypen bereit: Die mächtige, junge und schöne Frau ist quasi untot und sucht – wie der Gott Osiris – die Auferstehung. Ihre Magie wirkt über die Jahrhunderte hinweg auf das Leben eines Mannes ein, der sich zu ihrem Diener erklärt: Abel Trelawny.

In diesem mystischen Kontext ist die Idee nicht absurd, dass es zu einer Art Seelenwanderung gekommen sein könnte. Madame Blavatsky von der Theosophischen Gesellschaft, die mit ihrem Mystizismus den Geister- und Elfenglauben der Viktorianer förderte, hätte sich jedenfalls sehr über Stokers Idee gefreut. Stoker veröffentlichte die Erzählung „The Jewel of Seven Stars“ anno 1907, ein paar Jahre nach seinem fulminanten Erfolg mit „Dracula“.

Die Seelenwanderung ist deshalb wichtig, weil zwei Elemente zusammenkommen müssen, damit die mumifizierte, in Trelawnys Sarkophag liegende Königin zum Leben erwachen kann. Erstens muss das Ritual korrekt ausgeführt werden, wobei das titelgebende Siebengestirn eine wesentliche Rolle spielt. Und zweitens muss das Amulett auf die Mumie gelegt werden, das als Schlüssel und Kompass für die Seele Teras dient. Diese Seele kehrt also von den Sternen zurück. Doch in welcher Gestalt soll sie sich materialisieren, wenn doch der Körper der Königin danach sofort zu Staub zerfallen würde? Mehr darf nicht verraten werden.

Das Hörspiel ist mit seinen Rückblenden dramaturgisch recht geschickt aufgebaut. Ich liebe gerade die klassische Entdeckerszene, als Corbeck und Trelawny Teras Gruft betreten – das könnte direkt aus einem Indiana-Jones-Film stammen. Natürlich mangelt es auch nicht an Geheimtüren und tödlichen Fallen. Während Trelawny beschließt, den Willen der Magierkönigin zu vollstrecken, liest Corbeck die Geschichte von Teras schrecklichem Schicksal vor. Wir wissen gleich, dass das Verhängnis naht – und vielleicht sogar schon zugeschlagen hat. Denn Mrs. Trelawny starb nicht zufällig im Kindbett …

Das Hörspiel steigert die Spannung zu einem Finale, das sich in puncto Action nicht zu verstecken braucht. Man muss es vielleicht mehrmals hören, um alles mitzubekommen, was dabei vorgeht. Ein langer qualvoller Schrei ist zu hören, doch von wem stammt er?

|Die Sprecher / Die Inszenierung|

Diesmal hat mir besonders Janina Sachau als Margaret gefallen. Sie muss nämlich sehr wandlungsfähig sein. Zunächst erscheint Margaret als unschuldige junge Frau, die kein Wässerchen trüben könnte, weshalb Ross sie ja liebt. Doch warum lauscht sie an Türen und klagt ihn lautstark an, er habe seine Pflicht vernachlässigt? Außerdem verfällt sie in rätselhafte Trancen, in denen sie – mit verzerrter Stimme – Sätze über Dinge äußert, von denen die bewusste Margaret keine Ahnung haben dürfte. Die Margaret, die wir im Epilog kennen lernen, hat nur noch wenig mit jener im Prolog gemein. Sie ist selbstsicher und scheint sogar zu wissen, was die Zukunft bringt.

Sachau wird von einer Riege erprobter Bühnenschauspieler flankiert, die das Drama zum Leben zu erwecken wissen. Wie so häufig in |Titania|-Hörspielen sind Christian Rode, Dagmar von Kurmin, Lothar Didjurgis (der Inspektor in „Das indische Tuch“) und Regina Lemnitz mit von der Partie. Lemnitz ist uns als Stimmbandvertretung von Kathy Bates bestens vertraut.

|Geräusche und Musik|

Die Musik ist wie fast jede andere Filmmusik nach konventionellem Muster gestaltet, und niemand, der auf alte Dracula-Filme steht, wird sich daran stören. Die Musik lenkt die Emotionen auf wirkungsvolle Weise, aber von Subtilität kann diesmal leider keine Rede sein. Nach dem Prolog, der dem armen Trelawny fast das Leben kostet, dröhnt das klassische Orchester gar bombastisch aus den Lautsprecherboxen.

Vielleicht lag es ja daran, dass ich diesmal lauter als sonst aufgedreht hatte, aber dieser Bombast war einfach zu viel. Auch die Übergänge zu den beiden Rückblenden sind durch Musik begleitet, die von Posaunen dominiert wird. Chöre werden eingesetzt und in der Gruftszene sogar eine Solosängerin. Man hat offenkundig keine Kosten und Mühen gescheut, aber das Ergebnis ist einfach zu viel des Guten.

Recht interessant ist diesmal der Einsatz von Filtern, um die Stimmen zu verzerren. Meist betrifft dies die Sprecherinnen, vor allem die Figur der Margaret. Verfällt sie in Trance, wird ihre Stimme undeutlicher und mit Hall unterlegt, so dass ihre Worte einen mystischen Beiklang erhalten. Die Stimme Teras klingt ähnlich, aber noch einen Tick geisterhafter. Recht witzig fand ich die „Katzenviecher“, von denen es möglicherweise zwei gibt: Silvio, Margarets Kater, und die Katze, die Tera aus der Vergangenheit mitgebracht hat … Da wird gehörig gefaucht und geschnurrt.

_Unterm Strich_

Auch dieses Hörspiel aus der renommierten und preisgekrönten „Gruselkabinett“-Reihe kann mit einer relativ spannenden Storyline aufwarten. Interessanter ist aber wohl noch die altägyptischen Szene, die jeden an den ersten Indiana-Jones-Film erinnern dürfte. Natürlich ist das Beschwörungsritual, das Trelawny ausführen soll, eine Inspiration für die entsprechenden Szenen in „Die Mumie 1 und 2“ gewesen, und Zauberlehrling Harry Schotter hat sicher auch seinen Teil davon abbekommen.

Allerdings gibt es ein Konzept hinter der Handlung, das uns nicht ohne weiteres geläufig ist: die Seelenwanderung eines Astralleibes. Dies ist die Bedingung, damit sowohl das Überdauern als auch die Wiederauferstehung der ollen Pharaonenhexe funktionieren können. Für den Archäologen Trelawny scheint dieses ungewohnte Konzept jedoch täglich Brot zu sein – vielleicht weil er mit den altägyptischen Göttern per Du ist und das Totenbuch in- und auswendig kennt. Für mich trifft das jedenfalls nicht zu. Und deshalb brauchte ich auch wenig Zeit, um zu kapieren, was Trelawny und Corbeck im Einzelnen genau vorhaben. Die Ergebnisse des Rituals erschienen mir deshalb umso erstaunlicher.

Diesmal gebührt die Palme für die herausragende Sprechrolle Janina Sachau, denn sie muss ihre Margaret auf vielfältige und nicht leicht zu durchschauende Weise darstellen. Schade, dass ihre gute Performance von der Bombast-Musik derart überdeckt wird, dass man sich nur mit Mühe an sie erinnert. Weniger wäre diesmal mehr gewesen.

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_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
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[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
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[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Arthur Machen – Der gewaltige Gott Pan (Gruselkabinett Folge 144)

Verbotene Experimente: Das Rätsel der Panstochter

Mr. Clarke willigt ein, als Zeuge einem gewagten Experiment seines Freundes Dr. Raymond beizuwohnen, welches eine leichte Gehirn-Operation beinhaltet und der siebzehnjährigen Probandin Mary so Zugang zu geistigen Dimensionen eröffnen soll, in denen der gewaltige antike Gott Pan herrscht… (Verlagsinfo)
Arthur Machen – Der gewaltige Gott Pan (Gruselkabinett Folge 144) weiterlesen