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Tolstoi, Alexej K. / Gruppe, Marc – Familie des Vampirs, Die (Gruselkabinett 3)

_Vampirsaat: die Epidemie der Gewalt_

1788 in einem Dorf in Serbien: Ein Wintereinbruch hindert Serge d’Urfé an der Fortsetzung seiner Reise. Im Haus des alten Gortscha findet er Schutz vor den Wölfen und Gefallen an der schönen Zdenka. Der Hausherr selbst ist vor Tagen aufgebrochen, um den berüchtigten Vampir und Räuber Alibek zu töten.

Zuvor hatte er seiner Familie eingeschärft, ihn keinesfalls mehr einzulassen, wenn er nach einer festgelegten Frist komme, da er dann selbst zum Vampir geworden sei. Mit Ablauf der Frist begehrt Gortscha Einlass in sein Haus …

_Der Autor_

A. K. Tolstoi (1817-1875) wurde elf Jahre vor seinem bekannteren Namensvetter Leo Tolstoi (1828-1910), dem Autor von „Krieg und Frieden“ geboren. Er ist Angehöriger einer Schriftstellersippe, die u. a. den SF-Autor Alexej Tolstoi (1882-1945) hervorgebracht hat. Zufall oder Notwendigkeit? Er veröffentlichte eine Storysammlung mit dem Titel „Vampires: Stories of the Supernatural“, deren Übersetzung 1969 in den USA erschien. Ein weiterer Abkömmling ist der britische Fantasyautor Nikolai Tolstoi (geboren 1933), der u. a. einen Roman über Merlin veröffentlicht hat.

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Erzähler: Friedrich Schoenfelder (dt. Stimme von Davin Niven, Vincent Price)
Serge d’Urfé: David Nathan (Johnny Depp, Leonardo DiCaprio)
Gortscha: Jürg Löw
Grigori: Peer Augustinski (Robin Williams)
Polina: Daniela Hoffmann (Julia Roberts, Calista „Ally McBeal“ Flockheart)
Zdenka: Arianne Borbach (Catherine Zeta-Jones, Diane Lane)
Pjotr: Jens Hajek
Mutter Oberin: Dagmar von Kurmin
Dorfbewohnerin: Regina Lemnitz (Kathy Bates, Diane Keaton, Whoopi Goldberg)
Isabelle: Manja Doering (Reese Witherspoon, Natalie Portman)
Fürstin: Dagmar von Kurmin
Gäste der Fürstin: Lothar Didjurgis, Heinz Ostermann

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand im Studio AudioCue, Rotor Musikproduktion, Scenario Studio und bei Kazuya statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

Wien 1815. Der Wiener Kongress, der Europa nach den Napoleonischen Kriegen neu ordnete, ist zu Ende und die meisten Teilnehmer reisen wieder nach Hause. Nur ein kleines Häuflein Diplomaten trifft sich im Schloss der Fürstin von Schwarzenberg, um einander mit Geschichten zu unterhalten. Heute Abend ist die Reihe am Marquis Serge d’Urfé, der aus Paris stammt.

Seine Geschichte beginnt im vorrevolutionären Paris des Jahres 1788, wo er die schöne Isabelle de Gramont kennen und lieben lernt. Doch die Leiden der Liebe sind zwar unzähl-, aber doch vorhersehbar, und so bleibt es nicht aus, dass Serge sich als Spielball der Launen seiner Schönen sieht und beschließt, sich ihr zu entziehen. Er lässt sich von der Regierung für eine diplomatische Mission nach Serbien einteilen und gedenkt, am nächsten Tag abzureisen.

Da tritt zu seiner Überraschung Isabelle ein und macht ihm Vorwürfe, er wolle sie im Stich lassen. Sie hat von seiner Mission gehört und weiß, dass auf dem Balkan Gefahren auf ihn warten, von denen ihr Galan nichts ahnt. Serge ist überrascht, als sie ihm ihre Liebe eingesteht und ihn bittet, als Zeichen ihrer Zuneigung ein silbernes Kruzifix anzunehmen. Es soll ihn auf seinen gefahrvollen Wegen beschützen. Er akzeptiert gerne, nicht ahnend, dass es ihm schon bald zweimal das Leben retten wird.

Es ist bereits Winter, als er nach Warschau, Böhmen und Ungarn endlich Serbien erreicht. Am Abend bedrängen ihn zunehmend heulende, hungrige Wölfe, doch zum Glück findet er noch ein kleines Dorf neben einem Kloster, von dessen Bewohnern er Obdach und Schutz erbittet. Eine Alte weist ihn ab, gibt ihm aber den Tipp, er könne mal die Familie des alten Gortscha fragen. Als ihm dort die Tür geöffnet wird, glaubt er seinen Augen nicht zu trauen: Die junge Frau ist das Ebenbild Isabelles und ebenso schön und freundlich. Sie nennt sich Zdenka und bittet ihre Brüder Grigori und Pjotr, dem Fremden Obdach zu gewähren. Obwohl die Brüder aus irgendeinem Grund misstrauisch sind, lenken sie ein. Grigori ist mit Polina verheiratet und hat mit ihr einen kleinen Sohn namens Sascha.

Aber wo ist ihr Vater? Zdenka erzählt Serge, ihr Vater sei auf der Verfolgung des Räubers Alibeg, der nicht nur ein Räuber, sondern auch noch etwas anderes sei. Seine Familie solle genau zehn Tage auf ihn warten, aber keinesfalls länger, und sollte er doch danach zurückkehren, so solle sie ihn nicht mehr als einen der Ihren betrachten. Serge ist verblüfft. Was hat es damit auf sich? Zdenka erklärt, dass Gortscha in diesem Fall dann wahrscheinlich ein Wurdelak sei, ein untoter Wiedergänger.

Ach so, ein Vampir, kapiert Serge und ist höchst amüsiert. Doch Zdenka bleibt todernst. Ein Wurdelak unterscheide sich von den Vampiren insofern, als er nur das Blut seiner Liebsten trinken wolle. Durch den Biss würden sie selbst zu Wurdelaks und ebenfalls ihre Angehörigen beißen wollen. Nur ein Pfahl aus Hagedornholz, durch das Herz getrieben, könne einen Wurdelak töten und die Epidemie stoppen.

Genau zu dem Zeitpunkt, als die Frist endet, schlägt die Kirchenglocke des Klosters zum zwölften Mal: Mitternacht. Da pocht es an der Tür des kleinen Hauses. Grigori bewaffnet sich, Zdenka betet, Pjotr öffnet schließlich die Tür: Es ist der alte Gortscha. Mensch oder Wurdelak? Niemand bittet ihn herein, und er wird wütend, befielt, den Hund zu töten, der ihn nicht mehr erkennt. Zudem sei er verwundet und bedürfe der Pflege. Schließlich geben die Söhne nach und gehorchen, der kleine Sascha bittet Gortscha herein.

Er berichtet, er habe Alibeg getötet, und die Erleichterung ist offensichtlich, doch eine gewisse Beklemmung bleibt. Als der Alte den Kopf des Räubers präsentiert, löst er Entsetzen aus. Dann bringt ihn Zdenka auf sein Zimmer. Doch die anderen beschließen, Wache zu halten. Grigori ist besonders misstrauisch und berichtet, er habe für alle Fälle einen Hagedornpfahl bereitgelegt. Später hört Serge jedoch die beiden Frauen vor seiner Zimmertür sprechen: Polina hat den Pfahl versteckt, weil sie glaubt, Gortscha sei ein Mensch und man dürfe seine Angehörigen nicht mit Pfählen traktieren. Das soll sich als verhängnisvoll erweisen.

In der Nacht glaubt Serge im Traum Gortscha an sein Bett treten zu sehen, doch Serge greift instinktiv zu seinem Kruzifix und vertreibt den ungebetenen Gast, der vor geweihten Gegenständen zurückzuckt. Das Wesen begibt sich ins nächste Zimmer. Dort liegt der kleine Sascha …

_Mein Eindruck_

Wider Erwarten handelt es sich hier nicht um eine gewöhnliche Vampirgeschichte, sondern um eine politische Parabel. Ganz am Schluss, als Serge wieder nach Vollendung seiner Mission aus Serbien und jenem Dorf nach Paris zurückkehrt, hat sich während des Jahres 1789 die Revolution ereignet, und die liebe Isabelle wurde, als Angehörige des verhassten Adels, in den Kerker der Bastille geworfen. Allenthalben muss Serge erschüttert feststellen, dass seine früheren Freunde ebenso in Lebensgefahr schweben wie Isabelle, und er sieht die Schöne erst wieder, als ihr Kopf unter der Guillotine liegt …

Ihm kommt es vor, als hätten sich die Menschen in Paris allesamt in Wurdelaks verwandelt, die auf ihre nächsten Verwandten losgehen und gerade diejenigen töten, die ihnen am liebsten sind. So hat es ihm Zdenka erklärt und genau so hat er es während seines zweiten Besuches in dem Dorf Kisolova erlebt. Das Dorf ist von allen lebenden Menschen verlassen; die letzten Überlebenden kauern sich im Kloster der Nonnen furchtsam zusammen. Es ist die gleiche Atmosphäre der Angst, die er nun in Paris vorfindet. Und er kann keinem einzigen Menschen mehr vertrauen.

Eine schleichende Furcht macht sich in ihm breit, doch sie rührt nicht nur von den Revolutionären und ihren Guillotinen her. Er denkt an Zdenka, der er bei seinem zweiten Besuch seine Liebe gestand. Sie sah blass, aber lebendig aus, als sie ihn im alten Gortscha-Haus besuchte, das er von allen verlassen vorfand. Doch statt der zurückhaltenden, auf Ruf und Moral bedachten jungen Frau seines ersten Besuchs in jener verhängnisvollen Nacht sieht er nun eine hemmungslose und zudringliche Frau vor sich, die ihn unbedingt küssen will. Sie ist selbst zu einem Wurdelak-Vampir geworden und will ihn zu einem der Ihren machen. So hat sich also die Vampirepidemie ausgebreitet, denkt er.

Serge ist der Vampir-Zdenka zwar entkommen, als er nun in Wien von ihr erzählt, doch er denkt an ihre letzten Worte, dass durch das Liebesband, das er zu ihr geknüpft hat, sie für immer an ihn gebunden sei und ihn eines Tages besuchen werde. Das liefert eine hübsche Schlusspointe dieser Geschichte. Doch das Liebesband ist symbolisch und bezeichnet auf der sozialen Ebene den natürlichen Zusammenhalt zwischen den Menschen. Nun ist es pervertiert worden, ein Krankheitskeim, der sich als Epidemie ausbreitet und immer weitere Opfer findet.

Doch wie mit allen Parabeln gibt es auch hier ein kleines Problem. Die Symbole der Romantik, dieses Mal sind es Vampire, können nur bis einem gewissen Punkt reale soziale Phänomene erklären. So muss sich der Hörer selbst zusammenreimen, worin der auf der politisch-sozialen Ebene die Entsprechung zum „Vampirvirus“ bestehen könnte. Darüber lässt sich trefflich spekulieren, und Erklärungen sind wohlfeil.

Ist es die Zügellosigkeit, die bei Missachtung der Gesetze losbricht? Oder ist es die Gewalt an sich, die sogar vor den Gesetzeshütern nicht halt macht und ihre eigene illegitime Herrschaft errichtet? Betrachtet man die Französische Revolution ohne ihre Wurzeln, aber mit Blick auf ihre Folgen, so könnte man zu diesem Eindruck gelangen. In jedem Fall lehnt der Autor mit seiner Parabel – und da befindet er sich in guter Gesellschaft – die Gewaltherrschaft der Revolutionäre ab. Auch Goethe hat sich ja mehrfach mit der Französischen Revolution befasst (in „Novelle“ und „Die natürliche Tochter“) und lehnte sie stets ab.

Der Symbolgehalt tut der Story aber keinen Abbruch, im Gegenteil. Sie funktioniert sowohl als Liebesdrama wie auch als Wiedergänger- und Vampirstory. Es gibt einige Szenen, die sehr bewegend sind, so etwa die Rückkehr des untoten Sascha oder die Rückkehr Serges in das ausgestorbene Dorf Kisolova. Sehr sinnlich wird es dann bei seiner Begegnung mit dem buchstäbliche zum Vamp gewordenen Wurdelak Zdenka, die seiner Geliebten Isabelle so unglaublich ähnlich sieht. Sie ist ihr genaues Negativbild – das Ende aller romantischen Blütenträume.

|Die Sprecher / Die Inszenierung|

Ganz besonders gefiel mir diesmal wieder die weibliche Besetzung. Arianne Borbach klingt ebenso sexy wie ihre synchroniserende Stimme, wenn Catherine Zeta-Jones auftritt. Dies gilt besonders für jene Szene, da Zdenka dem armen Serge auf die Pelle rückt, um ihm den Kuss des Vampirs zu verpassen.

Mindestens ebenso bemerkenswert ist jedoch Daniela Hoffmann in der Rolle der Polina. Polina ist ein reines Gefühlswesen, das nur in den Kategorien von Zu- und Abneigung empfindet. Polina hat ihre erste Krise, als sie Sascha verliert. Sie heult und weint und lacht in einem hysterischen Anfall, der einem Schauder über den Rücken jagt. Noch eine Nummer heftiger ist ihre zweite Krise, als der untote Sascha zurückkehrt und zu seiner Mami will … Hoffmann liefert hier eine wirklich eindrucksvolle Vorstellung.

|Geräusche und Musik|

Die Musik ist wie fast jede andere Filmmusik nach konventionellem Muster gestaltet, und niemand, der auf alte Dracula-Filme steht, wird sich daran stören. Die Musik lenkt die Emotionen auf subtile, aber wirkungsvolle Weise. Anders als bei „Das Amulett der Mumie“ drängt sich die Musik nicht in den Vordergrund, sondern bleibt stets dezent im Hintergrund. Ab und zu hören wir ein verträumtes Glockenspiel und eine Menge von Percussion-Instrumenten.

Einmal wird ein Filter eingesetzt, nämlich in der Szene, als Serge die beiden Frauen in Gortschas Haus belauscht. Solche Filter sind selten im Einsatz zu finden und in späteren Gruselkabinett-Episoden fehlen sie ganz. Der Grund ist einleuchtend: Sie dämpfen das gesprochene Wort derart, dass der Zuhörer den Text nur noch mit Mühe versteht.

_Unterm Strich_

„Die Familie des Vampirs“ ist eine dramatische Bearbeitung eines alten Textes aus dem 19. Jahrhundert. Die Vampirstory an sich ist vollständig zufrieden stellend, indem sie sowohl spannende als auch sinnliche und dramatische Szenen zur Genüge liefert. Doch die symbolische Bedeutungsebene wird erst nach Serges Rückkehr nach Paris deutlich, wo die Revolutionäre gleichsam wie Wurdelaks wüten und sich Gewalt und Furcht wie eine Epidemie ausbreiten. Was sich in der kleinen Familie Gortschas im hintersten Serbien zuträgt, das wiederholt sich in einem riesigen Maßstab nun auf der Weltbühne, so will es Serge erscheinen. Und damit wird auch die politische Aussage der Geschichte deutlich (siehe oben).

Die Sprecher, Geräuschedesigner und der Komponist haben hier hervorragende Arbeit geleistet. Keiner der Teile will sich besonders hervortun, sondern befindet sich im Gleichgewicht mit den anderen Elementen des Werks. Hervorzuheben sind die Leistungen von Daniela Hoffmann und Arianne Borbach, die Polina und Zdenka sprechen. Auch Jürg Löw als der furchteinflößende Gortscha bleibt in Erinnerung. Und ganz am Schluss gibt es noch eine hübsche Pointe, die einen überraschten Schauder erzeugt.

Dieses Hörspiel wurde laut Verlag von der |Dracula Society| mit dem |Nyctalus|-Preis 2005 ausgezeichnet, zudem mit dem Kritiker-Hörspiel-Award in Gold und Publikums-Hörspiel-Award in Silber als „Beste Serienfolge 2004“; aufgenommen in die Bestenliste 2004 von |HörNews.de|.

|69 Minuten auf 1 CD|
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_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Stoker, Bram / Gruppe, Marc – Amulett der Mumie, Das (Gruselkabinett 2)

_Mystisch: Das Juwel der sieben Sterne_

London 1904: Abel Trelawny fällt in seinem mit Pharaonenschätzen bestückten Haus in ein mysteriöses Koma. Seine Tochter Margaret und sein junger Anwalt sind ratlos. Eigenartigerweise hat Trelawny offenbar mit einem solchen Vorfall gerechnet und entsprechende Verfügungen hinterlassen.

Es scheint ein unheimlicher Zusammenhang mit Tera, einer magiekundigen Pharaonin, zu bestehen. Teras Mumien-Sarkophag hatte Trelawny just in dem Augenblick entdeckt, als seine Frau während der Geburt Margarets in London starb …

_Der Autor_

Bram Stoker ist der Künstlername des irischen Schriftstellers und Theatermanagers Abraham Stoker (1847-1912), dessen wichtigste Karriere mit der des damals berühmten Theaterschauspielers Henry Irving verbunden war, der von 1838 bis 1905 lebte. Stoker begann schon 1872 mit dem Veröffentlichen seiner Erzählungen, was 1897 in der Publikation des Horrorklassikers „Dracula“ gipfelte, der aber 1901 kräftig revidiert wurde. Stoker schrieb noch ein paar weitere unheimliche Romane („The Lair of the White Worm“ wurde erst 1986 vollständig veröffentlicht und prompt verfilmt) und etliche Erzählungen.

|Bram Stoker bei Buchwurm.info|:

[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16 – 19)
[„Das Schloss der Schlange“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2987
[„Draculas Gast“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1086
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=622 (Hörspiel 2004)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=210 (Buch)

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Malcom Ross, Anwalt: Herbert Schäfer
Abel Trelawny, Archäologe: Christian Rode (Christopher Plummer, Michael Caine, Telly „Kojak“ Savalas)
Margaret, seine Tochter: Janina Sachau (Max-Ophüls-Preisträgerin)
Mrs. Grant, seine Haushälterin: Dagmar von Kurmin
Dr. Eugene Corbeck, Archäologe: Jürg Löw
Dr. Winchester: Lothar Didjurgis
Sgt. Daw: Jens Hajek
Schwester Kennedy: Regina Lemnitz (dt. Stimme von Kathy Bates & Whoopi Goldberg)

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand im Studio AudioCue, Rotor Musikproduktion, Scenario Studio und bei Kazuya statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

Der Archäologe Abel Trelawney hat sich in sein Arbeitszimmer zurückgezogen und möchte nicht mehr gestört werden, denn ein wichtiger Zeitpunkt nähert sich. Auch das Katzenvieh seiner Tochter Margaret darf sein Heiligtum auf keinen Fall betreten, das mit allen möglichen Raritäten aus dem alten Ägypten vollgestopft ist. Im Zentrum steht der riesige Sarkophag der Königin Tera, inklusive ihrer Mumie. Daneben ist der kleinere Sarkophag eines Tieres aufgestellt, das Tera vielleicht als Schutzgeist im Jenseits betrachtet hat, als sie sich bestatten ließ.

Sobald die Haushälterin Mrs. Grant den Raum verlassen hat, steigt ein merkwürdiger Geruch aus dem Sarkophag auf und eine Stimme ruft Trelawney zu, ihr endlich das Amulett zu geben, damit sie wiederauferstehen kann. „Vollziehe das Ritual“, befiehlt die Stimme. Dann ertönt ein Fauchen, ein Klirren – schließlich Stille …

Der Anwalt Malcolm Ross öffnet morgens um drei Uhr verschlafen seine Wohnungstür, denn das Klopfen will einfach nicht aufhören. Mrs. Grant, die er gut kennt, gibt ihm einen Brief von Margaret Trelawney: Es ist ein Hilferuf! Ross eilt sofort zum Haus des Archäologen, denn für Margaret hat er sehr viel übrig, um nicht zu sagen: Liebe. Margaret ist froh über sein Kommen und duzt ihn verstohlen ebenfalls. Offenbar erwidert sie seine Zuneigung.

Mr. Trelawney liegt in einem Koma, und der herbeigerufene Arzt Dr. Winchester ist sehr besorgt. Diese Kratzspuren am Handgelenk des Patienten hätten zum Verbluten führen können. Daran ist ein Armband befestigt, an dem wiederum ein Schlüssel hängt. Und wie kam es, dass der schwere Körper vom Schreibtisch zum Tresor an der Wand geschleift werden konnte, zu dem der Schlüssel passt? Sergeant Daw von Scotland Daw steht ebenfalls vor einem Rätsel. Die präsentierten Lösungsansätze erscheinen allesamt absurd. Da bringt Mrs. Grant einen Brief Trelawneys, welcher genaue und strenge Anweisungen enthält. Man müsse seinen Körper streng bewachen.

Malcom Ross erklärt sich natürlich gerne bereit, die erste Nachtwache neben dem Patienten zu verbringen und hofft auf Margarets charmante Gesellschaft. Seine Hoffnung wird enttäuscht, als eine Krankenschwester ihren Platz einnimmt, damit die junge Frau schlafen kann. Die Nacht vergeht ereignislos, bis auf die Tatsache, dass die Krankenschwester ebenfalls ins Koma fällt und Ross nur durch die Tatsache vor dem gleichen Schicksal gerettet wird, dass er sich ein Sauerstoffgerät gekauft hat, um wachzubleiben. Margaret ist außer sich: Nennt man das vielleicht aufpassen?! Trelawney wurde ein zweites Mal verwundet und zum Tresor geschleppt. Was mag darin verborgen sein?

Daw, Winchester und Ross wird die Sache allmählich unheimlich. Und ihnen scheint, es gebe nur einen Mensch, der Gelegenheit hatte, die Tat erneut zu begehen: Margaret. Sie wohnt erst seit kurzem im Haus, seit sie das Internat verlassen hat. Ihre Mutter starb bei ihrer Geburt, just als ihr Vater gerade in Ägypten das Grab der Königin Tera entdeckte. Als ob sie ahnte, dass man über sie spricht, tritt die Genannte auch schon ein. Hat sie einen sechsten Sinn entwickelt? Und was haben die Trancezustände zu bedeuten, in die sie immer häufiger verfällt?

Den Schlüssel zum Rätsel scheint endlich die Ankunft von Dr. Eugene Corbeck zu liefern. Er ist sehr aufgeregt, denn ihm wurde etwas Wertvolles gestohlen, das Trelawney unbedingt zum 31. Juli – also heute – haben wollte. Als er den komatösen Kollegen sieht, ist Corbeck erschüttert und beginnt zu erzählen. Daw will wissen, was ihm geraubt wurde. Es waren sieben Leuchten aus dem Grab Teras, und Trelawney braucht sie für das Ritual, mit dem er Tera wieder zum Leben erwecken will. Seine Zuhörer sind nicht nur befremdet, sondern erschüttert. Eine Mumie zum Leben erwecken – geht das überhaupt?

Und ob, antwortet Corbeck, denn Tera war keine gewöhnliche Pharaonin. Weil ihr Vater fürchtete, sie werden einem Putsch der Priester zum Opfer fallen, ließ er sie in schwarzer Magie ausbilden, in der sie sich als Meisterin erwies. Und die Art und Weise, wie sie ihren Tod herbeiführte, lässt durchaus die Hoffnung zu, dass sie mit Hilfe des korrekt ausgeführten Rituals zum Leben erwacht. Allerdings war Tera von den Priestern mit einem Fluch belegt worden. Sie nannten sie „die Namenlose“ …

Da tritt Mrs. Grant ein. Sie hat sieben Leuchten gefunden! Und die Krankenschwester meldet, Trelawny sei wie durch ein Wunder erwacht. Nun kann das Ritual wie geplant stattfinden. Die Frage ist nur: In welcher Gestalt wird die Königin wiederauferstehen? Und wie wird sich der Fluch auswirken, der auf ihr liegt und schon mehrere Opfer gefordert hat?

_Mein Eindruck_

Das alte Ägypten ist seit den Filmen um „Die Mumie“ – das Remake eines Klassikers der Dreißigerjahre – wieder sehr beliebt geworden, und der ägyptischen Altertümerverwaltung unter Dr. Hawass ist die neu erwachte Begeisterung für Pharaonen und Pyramiden sicher nicht unrecht, spült sie doch Scharen von zahlungskräftigen Touristen ins Land, die helfen, ihre Kassen zu füllen.

Dass der Kern der altägyptischen Religion nicht nur mit Jenseitsverehrung, sondern auch mit Magie zu tun haben könnte, ist jedoch wohl eine Erfindung westlicher Schriftsteller. Sie schreiben vom „Fluch des Pharao“, der Howard Carter und seine nächste Umgebung heimgesucht habe, zur Strafe dafür, dass er das Grab Pharao Tutenchamuns entdeckt und geplündert habe.

Bram Stoker, der Schöpfer des Grafen Dracula, suchte natürlich für seine Erzählungen weitere fruchtbare Felder, die er beackern konnte, und stieß mit dem alten Ägypten auf eine sprudelnde Quelle. Auch wenn seine Story meines Wissens noch nicht verfilmt worden ist, so hält die Figur der Tera eine Fülle von faszinierenden Archetypen bereit: Die mächtige, junge und schöne Frau ist quasi untot und sucht – wie der Gott Osiris – die Auferstehung. Ihre Magie wirkt über die Jahrhunderte hinweg auf das Leben eines Mannes ein, der sich zu ihrem Diener erklärt: Abel Trelawny.

In diesem mystischen Kontext ist die Idee nicht absurd, dass es zu einer Art Seelenwanderung gekommen sein könnte. Madame Blavatsky von der Theosophischen Gesellschaft, die mit ihrem Mystizismus den Geister- und Elfenglauben der Viktorianer förderte, hätte sich jedenfalls sehr über Stokers Idee gefreut. Stoker veröffentlichte die Erzählung „The Jewel of Seven Stars“ anno 1907, ein paar Jahre nach seinem fulminanten Erfolg mit „Dracula“.

Die Seelenwanderung ist deshalb wichtig, weil zwei Elemente zusammenkommen müssen, damit die mumifizierte, in Trelawnys Sarkophag liegende Königin zum Leben erwachen kann. Erstens muss das Ritual korrekt ausgeführt werden, wobei das titelgebende Siebengestirn eine wesentliche Rolle spielt. Und zweitens muss das Amulett auf die Mumie gelegt werden, das als Schlüssel und Kompass für die Seele Teras dient. Diese Seele kehrt also von den Sternen zurück. Doch in welcher Gestalt soll sie sich materialisieren, wenn doch der Körper der Königin danach sofort zu Staub zerfallen würde? Mehr darf nicht verraten werden.

Das Hörspiel ist mit seinen Rückblenden dramaturgisch recht geschickt aufgebaut. Ich liebe gerade die klassische Entdeckerszene, als Corbeck und Trelawny Teras Gruft betreten – das könnte direkt aus einem Indiana-Jones-Film stammen. Natürlich mangelt es auch nicht an Geheimtüren und tödlichen Fallen. Während Trelawny beschließt, den Willen der Magierkönigin zu vollstrecken, liest Corbeck die Geschichte von Teras schrecklichem Schicksal vor. Wir wissen gleich, dass das Verhängnis naht – und vielleicht sogar schon zugeschlagen hat. Denn Mrs. Trelawny starb nicht zufällig im Kindbett …

Das Hörspiel steigert die Spannung zu einem Finale, das sich in puncto Action nicht zu verstecken braucht. Man muss es vielleicht mehrmals hören, um alles mitzubekommen, was dabei vorgeht. Ein langer qualvoller Schrei ist zu hören, doch von wem stammt er?

|Die Sprecher / Die Inszenierung|

Diesmal hat mir besonders Janina Sachau als Margaret gefallen. Sie muss nämlich sehr wandlungsfähig sein. Zunächst erscheint Margaret als unschuldige junge Frau, die kein Wässerchen trüben könnte, weshalb Ross sie ja liebt. Doch warum lauscht sie an Türen und klagt ihn lautstark an, er habe seine Pflicht vernachlässigt? Außerdem verfällt sie in rätselhafte Trancen, in denen sie – mit verzerrter Stimme – Sätze über Dinge äußert, von denen die bewusste Margaret keine Ahnung haben dürfte. Die Margaret, die wir im Epilog kennen lernen, hat nur noch wenig mit jener im Prolog gemein. Sie ist selbstsicher und scheint sogar zu wissen, was die Zukunft bringt.

Sachau wird von einer Riege erprobter Bühnenschauspieler flankiert, die das Drama zum Leben zu erwecken wissen. Wie so häufig in |Titania|-Hörspielen sind Christian Rode, Dagmar von Kurmin, Lothar Didjurgis (der Inspektor in „Das indische Tuch“) und Regina Lemnitz mit von der Partie. Lemnitz ist uns als Stimmbandvertretung von Kathy Bates bestens vertraut.

|Geräusche und Musik|

Die Musik ist wie fast jede andere Filmmusik nach konventionellem Muster gestaltet, und niemand, der auf alte Dracula-Filme steht, wird sich daran stören. Die Musik lenkt die Emotionen auf wirkungsvolle Weise, aber von Subtilität kann diesmal leider keine Rede sein. Nach dem Prolog, der dem armen Trelawny fast das Leben kostet, dröhnt das klassische Orchester gar bombastisch aus den Lautsprecherboxen.

Vielleicht lag es ja daran, dass ich diesmal lauter als sonst aufgedreht hatte, aber dieser Bombast war einfach zu viel. Auch die Übergänge zu den beiden Rückblenden sind durch Musik begleitet, die von Posaunen dominiert wird. Chöre werden eingesetzt und in der Gruftszene sogar eine Solosängerin. Man hat offenkundig keine Kosten und Mühen gescheut, aber das Ergebnis ist einfach zu viel des Guten.

Recht interessant ist diesmal der Einsatz von Filtern, um die Stimmen zu verzerren. Meist betrifft dies die Sprecherinnen, vor allem die Figur der Margaret. Verfällt sie in Trance, wird ihre Stimme undeutlicher und mit Hall unterlegt, so dass ihre Worte einen mystischen Beiklang erhalten. Die Stimme Teras klingt ähnlich, aber noch einen Tick geisterhafter. Recht witzig fand ich die „Katzenviecher“, von denen es möglicherweise zwei gibt: Silvio, Margarets Kater, und die Katze, die Tera aus der Vergangenheit mitgebracht hat … Da wird gehörig gefaucht und geschnurrt.

_Unterm Strich_

Auch dieses Hörspiel aus der renommierten und preisgekrönten „Gruselkabinett“-Reihe kann mit einer relativ spannenden Storyline aufwarten. Interessanter ist aber wohl noch die altägyptischen Szene, die jeden an den ersten Indiana-Jones-Film erinnern dürfte. Natürlich ist das Beschwörungsritual, das Trelawny ausführen soll, eine Inspiration für die entsprechenden Szenen in „Die Mumie 1 und 2“ gewesen, und Zauberlehrling Harry Schotter hat sicher auch seinen Teil davon abbekommen.

Allerdings gibt es ein Konzept hinter der Handlung, das uns nicht ohne weiteres geläufig ist: die Seelenwanderung eines Astralleibes. Dies ist die Bedingung, damit sowohl das Überdauern als auch die Wiederauferstehung der ollen Pharaonenhexe funktionieren können. Für den Archäologen Trelawny scheint dieses ungewohnte Konzept jedoch täglich Brot zu sein – vielleicht weil er mit den altägyptischen Göttern per Du ist und das Totenbuch in- und auswendig kennt. Für mich trifft das jedenfalls nicht zu. Und deshalb brauchte ich auch wenig Zeit, um zu kapieren, was Trelawny und Corbeck im Einzelnen genau vorhaben. Die Ergebnisse des Rituals erschienen mir deshalb umso erstaunlicher.

Diesmal gebührt die Palme für die herausragende Sprechrolle Janina Sachau, denn sie muss ihre Margaret auf vielfältige und nicht leicht zu durchschauende Weise darstellen. Schade, dass ihre gute Performance von der Bombast-Musik derart überdeckt wird, dass man sich nur mit Mühe an sie erinnert. Weniger wäre diesmal mehr gewesen.

|78 Minuten auf 1 CD|
http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Arthur Machen – Der gewaltige Gott Pan (Gruselkabinett Folge 144)

Verbotene Experimente: Das Rätsel der Panstochter

Mr. Clarke willigt ein, als Zeuge einem gewagten Experiment seines Freundes Dr. Raymond beizuwohnen, welches eine leichte Gehirn-Operation beinhaltet und der siebzehnjährigen Probandin Mary so Zugang zu geistigen Dimensionen eröffnen soll, in denen der gewaltige antike Gott Pan herrscht… (Verlagsinfo)
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William Hope Hodgson – Die Herrenlose (Gruselkabinett 53)

Schrecken und Grauen im Indischen Ozean

Auf hoher See anno 1900: Nach einem schweren Sturm entdeckt die Besatzung des Schiffes Bheopte ein umhertreibendes, herrenloses Wrack. Im Sonnenuntergang beschließen sie, dort an Bord nach dem Rechten zu sehen. Ein – wie sie erkennen müssen – lebensgefährliches Unterfangen … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14. Jahren.

Der Autor

William Hope Hodgson – Die Herrenlose (Gruselkabinett 53) weiterlesen

Howard, Robert E. – Tauben aus der Hölle (Gruselkabinett 52) (Hörspiel)

_Rache für Gettysburg? Voodoo-Horror in den Südstaaten_

Amerika 1935: Griswell und John, zwei Freunde, bereisen gemeinsam die Südstaaten der USA. Sie entdecken ein verlassenes Herrenhaus am Rande eines Sumpfgebietes und beschließen, dort die Nacht zu verbringen. Wie sich herausstellt, eine Entscheidung mit fatalen Folgen … (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Der Texaner Robert E(rvin) Howard (1906-36) ist am besten bekannt als Schöpfer der Figur des mächtigen Kriegers Conan. Der Brieffreund von Howard Philips Lovecraft schuf aber in der Zeit der Großen Depression noch viele weitere Gestalten, allesamt Abenteurer und Outlaws, so etwa Bran Mak Morn, Solomon Kane (ein Pirat des 16. Jahrhunderts) und King Kull. Seine rund 160 Erzählungen für „Weird Tales“, die er ab 1925 veröffentlichte, umfassen neben Western, Piratengeschichten und dergleichen auch exzellente, vielfach abgedruckte Horrorgeschichten.

Durch seine Handhabung verschiedener Motive und Themen beeinflusste er die heroische Fantasy, insbesondere die Variante der Sword & Sorcery, im restlichen 20. Jahrhundert. Obwohl er weder Sword & Sorcery noch Heroic Fantasy erfand, etablierte er doch den diffusen Hintergrund eines Schauplatzes, der zwischen dem legendären Irland, prähistorischen Reichen wie Atlantis (bei Conan Hyperborea usw.) und dem alten Norwegen oszilliert. Von den nordischen Sagen (Islands Eddas) stammt möglicherweise der Fatalismus sowie die Verachtung für krankhaft wirkende Zivilisationen, die seine einzelgängerischen Helden an den Tag legen.

Jede Menge Zauberei schwingt in den Erzählungen mit, gewirkt von meist boshaften, egoistischen Magiern und Hexern beiderlei Geschlechts, denen der HELD sich entgegenstellen muss, um zu überleben. Hervorragende Kampffähigkeiten helfen ihm dabei, doch er gewährt selten Gnade. Er ist, wie gesagt, ein fatalistischer Einzelgänger, obwohl er Gefährten, die es verdienen, treu sein kann. Gegenüber Frauen ist der Barbarenkrieger oft rauh und zupackend, doch stets ohne Bösartigkeit.

Howards Artikel in der „Encyclopedia of Fantasy“, aus dem ich zitiert habe, umfasst nicht weniger als 4,5 Spalten, was für einen Unterhaltungsschriftsteller, der nur zwölf Jahre lang schrieb, erstaunlich viel ist. Der Grund für diese Länge ist die Aufzählung der ungeheuer vielen CONAN-Romane und -Erzählungen, die in Howards Nachfolge geschrieben wurden, sowie die Aufzählung von Howards anderen Werken, die der Artikel sonst nicht abdeckt. Herausgeber wie Lin Carter und L. Sprague de Camp ergänzten und veränderten Howards nachgelassene Manuskripte (genau wie viele von HPLs Manuskripten), sodass der Sammler aufpassen muss.

Der mittlerweile wohlhabende Autor erschoss sich im Alter von 30 Jahren, kurz vor Fertigstellung eines Romans. Die englische Wikipedia bietet zu REH einen umfassenden Artikel.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Sprecher und ihre Rollen:

Tim Schwarzmaier: Griswell
Michael Schwarzmaier: Sheriff Buckner
Friedrich Georg Beckhaus: Old Jacob Blount
Katharina Schwarzmaier: Elizabeth Blassenville
Caroline Schwarzmaier: Celia Blassenville
Patrick Roche: John Branner
Marie Bierstedt: Joan
Matti Klemm: Cuffey
Eckart Dux: Ladenbesitzer

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand in den Planet Earth Studios und im Fluxx Studio statt und wurde bei Kazuya abgemischt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

|Prolog|

Eine junge Sklavin fleht bei ihrer Herrin um Erbarmen, doch die befiehlt ihrem Sklavenaufseher, die junge Frau zu entkleiden. Dann beginnt sie, die Peitsche selbst zu schwingen. Schreie der Ausgepeitschten und das hämische Lachen der Herrin erfüllen die Nacht …

|Haupthandlung|

Die beiden Schulfreunde Griswell, der Erzähler, und John sind nach ihrem Schulabschluss von Neu-England aus in den Süden gefahren und in diesem verlassenen Herrenhaus gelandet. Hier gibt es wenigstens kostenloses Logis, doch die Unterkunft ist Griswell ganz schön unheimlich. Das Haus habe eine Aura des Bösen, findet er, doch John lacht nur. Morgen geht’s zum Mississippi und dann ist New Orleans nicht mehr, klar? Er geht wieder schlafen.

Als der Mond aufgeht, entdeckt Griswell zahllose Spinnweben im Raum. Er erinnert sich an die Tauben, die bei ihrer Annäherung aus dem Haus aufgeflogen sind, und an die Geräusche des Sumpfes, der das Herrenhaus ringsum umgibt. Die Strahlen der Abendsonne tauchten das Gebäude in Blutrot, als wäre es der Eingang zur Hölle.

|Schlafwandler|

Ein fieses Lachen weckt Griswell, und er merkt, dass sich John nach einem seltsamen Pfiff erhebt. John sieht aus, als wäre er in Trance und geht die große Treppe hinauf in den ersten Stock. Er ist unansprechbar, stellt Griswell fest, als er ihm folgt. Da ertönt ein gellender Schrei, und John bleibt stehen. Da merkt Griswell, dass etwas auf ihn herabtropft: Blut. In Johns Kopf steckt ein Beil, doch er geht mit starrem Blick auf seinen Freund zu, um ihn damit zu töten. Griswell stürzt sich durch das nächste Fenster, um zu entkommen. Doch im Auto zischen ihn Schlangen an, und ringsum hört er zu seinem Entsetzen ein wildes Knurren.

|Der Reiter|

Da hört er das Wiehern eines Pferdes – ein Reiter! Er ruft ihn um Hilfe an, und der Reiter nähert sich. Wie sich herausstellt, handelt es sich um einen Sheriff. Er schießt dreimal, und das unheimliche Knurren verstummt. Griswell ist erleichtert und erzählt, er habe im Herrenhaus ein gelbes Gesicht gesehen, etwas Böses, und dann, was mit John passiert sei. „Hirngespinste!“, urteilt der Sheriff.

Dies sei Blessingville Manor und er Sheriff Buckner, auf dem Rückweg von einem Gefangenentransport. Als Griswell weiter erzählt, wird Buckner jedoch hellhörig und will der Geschichte auf den Grund gehen. Zusammen finden sie den toten John, doch von einem anderen Bewohner ist nichts zu entdecken.

|Verdächtig|

Buckner zieht den naheliegenden Schluss und erklärt Griswell als dringend tatverdächtig zu seinem Gefangenen. Der protestiert, dass er doch gar nicht blutverschmiert sei, obwohl doch John von Blut nur so bedeckt sei. Und dann ist da noch das zerbrochene Fenster, durch das er sprang, und die Fußspuren im ersten Stock. Er zeigt sie dem Sheriff. Tatsächlich: Eine Fußspur von nackten weiblichen Füßen. Als sie eine unheimliche Stimme hören, eilen sie hinab. Dort warten sie auf den Sonnenaufgang. Als sie wieder nachschauen, ist die Fußspur verschwunden – und der einzige Beweis für Griswells Unschuld auch.

Auf dem Weg zum Staatsanwalt biegt Buckner, der nun den Wagen der Jungs fährt, um Johns Leiche zu transportieren, in den Sumpf ab. Er will zum hundert Jahre alten Jacob Blount, der sich noch genau an die grausigen Vorgänge auf Blessingville Manor erinnern und so Griswells Geschichte belegen kann. Als sie endlich Jacob Blounts Furcht überwunden haben, erfahren sie eine unglaubliche Geschichte …

_Mein Eindruck_

Im alten Südstaaten-Herrenhaus herrschte einst die Familie der Blessingvilles, die ursprünglich von den Antillen kamen. Die Herrin Celia herrschte im Haus, nachdem die Familie durch den Bürgerkrieg ihr Vermögen verloren hatte, und sie nahm vier Nichten bei sich auf. Die Mulattensklavin Joan, die Celia mitbrachten, war ihre Kammerzofe und kannte sich ebenso mit Voodoozauber aus wie Jacob Blount.

Nach der Auspeitschung durch Miss Celia bereitete Joan ihre Rache an der grausamen Herrin vor. Sie umgarnte Jacob, und da er ein Schamane war, gab er ihr einen speziellen Trank, der einen Menschen in einem weiblichen Zombie, einen Zuwembie, verwandeln konnte. Dieser Zuwembie haust immer noch im Herrenhaus, doch um wen handelt es sich?

Der Sheriff weiß, dass damals drei der Nichten Miss Celias spurlos verschwanden, denn die vierte, Elizabeth, entkam dem Grauen und wandte sich hilfesuchend an den Krämer der Stadt, in der Sheriff Buckner Vorgänger das Gesetz vertrat. Der Krämer gab ihr Geld, um nach Kalifornien zu ziehen. Sie zahlte es zurück.

Aus ihrem Tagebuch, das Griswell und Buckner finden, geht hervor, dass sich eine grauenerregende Entwicklung anbahnte, bevor Elizabeth fliehen konnte. Allerdings wurden die drei Nichten bei einer Haussuchung nie gefunden. Miss Celia aber auch nicht. Griswell und Buckner begeben sich erneut ins Herrenhaus. Dort findet Showdown mit dem Rachegeist statt.

|Nord gegen Süd|

„Tauben aus der Hölle“ ist eine sehr wirkungsvoll erzählte Horrorstory, in der Voodoo eine tragende Rolle spielt. Die titelgebenden Tauben sind ein altes Symbol für Seelen der Verdammten. Ich musste sofort an Stephen Kings Roman „Stark – The Dark Half“ denken, in der schwarze Vögel die Rolle des Seelenboten spielen. Dieses Szenario wirkt durchaus europäisch, denn das Herrenhaus hat Ähnlichkeit mit einer Adelsburg, in der noch einige Leichen im Keller ihrer Entdeckung harren.

Offensichtlich ist dies aber auch eine amerikanische Erzählung, denn hier treffen die Nord- und die Südstaaten aufeinander, ein Culture Clash sondergleichen. Die beiden Schulabgänger kommen aus dem von Rationalität geprägten Neu-England, die alte Geschichte jedoch beginnt schon auf den Antillen, woher der Voodoo-Glaube stammt (wo es ihn bis heute auf Haiti gibt). Im Voodoo und in einer Rachegeschichte sucht man vergeblich nach Vernunft und Rationalität.

|Der totale Krieg|

Diese Rache ist aber auch eine, die der Süden am Norden vollzieht, der die Südstaaten, wie es in der Story heißt, nicht nur besiegt, sondern auch ausgeplündert, vergewaltigt und neidergebrannt hat. Der Amerikanische Bürgerkrieg, dessen Beginn sich dieses Jahr zum 150. Mal jährt, war der erste moderne Krieg insofern, als er ein totaler Krieg war, der sich auch gegen die Zivilbevölkerung richtete.

General Shermans berüchtigter „Marsch des Todes“, der ihn 1844 ein halbes Jahr lang von Tennessee bis nach Savannah an der Küste von Georgia führte, läutete die Niederlage der Konföderierten ein, indem dabei weite Landstriche verwüstet wurden – die Kornkammer des Südens. Und er war es, der Atlanta niederbrennen ließ.

|Schwelender Konflikt|

Doch von der Romantik und Dramatik aus Margaret Mitchells Bestseller „Vom Winde verweht“ ist in Howards Erzählung rein gar nichts zu spüren. Er ist die Schattenseite des Südens nach der Niederlage, die hier zum Ausdruck kommt. Erstmal wird hier angedeutet, dass es möglicherweise Joans Recht war, sich an ihrer weißen Herrin zu rächen – eine heikle Aussage, die im Amerika der 30er Jahre sicher nicht von vielen gern gelesen wurde. Wohl aber las damals wohl so mancher Leser gerne Sadomaso-Szenen.

Dass der Spuk nach Jahrzehnten immer noch nicht beendet ist, belegt in den Augen des Autors offenbar, dass der alte Konflikt zwischen Schwarz und Weiß, Süden und Norden noch längst nicht beigelegt ist. Was Griswell und Buckner ausrichten können, ist nur eine vorläufige Lösung, keine endgültige.

|Die Sprecher/Die Inszenierung|

Die Sprecher sind verteilt auf die Gegenwart und die Vergangenheit. Interessanterweise gibt es in der Gegenwart drei Männerfiguren, während in der Vergangenheit drei Frauenfiguren eine namentlich bezeichnete Rolle spielen – plus ein Mann, der auch in der Gegenwart eine Rolle spielt: eben Jacob Blount.

Diese Symmetrie setzt sich in der Charakterisierung fort: Zwei halbwegs vernünftige Männer, nämlich Griswell und Buckner, stehen zwei wahnsinnigen Geistern gegenüber – deren weibliche Identität sich leicht erraten lässt. Die Verbindung bildet der alte Jacob Blount, ein Voodoo-Schamane mit einer sehr unheimlichen Dimension. Friedrich beckhaus spielt den alten Mann mit wunderbarem Raunen und Grummeln, sodass wir uns in die Vergangenheit versetzt fühlen – und in eine andere Dimension von Spiritualität.

Der eigentliche Erzähler der Rahmenhandlung ist der junge Griswell, gesprochen von Tim Schwarzmaier, der seine Sache sehr gut macht. Es spielen noch drei weitere Schwarzmaiers mit, was man auch nicht oft in einer Besetzungsliste sieht. Aber die Sache funktioniert dank einer professionellen Regie sehr gut. Die Sprecherinnen von Celia und Elizabeth Blassenville haben nicht wirklich viel zu sagen.

Ein recht interessantes Stilmittel ist die Überblendung zwischen Griswells Worten, der Elizabeths Tagebuch vorliest, und Elizabeth selbst, die seine Worte fortführt – eine akustische Rückblende, die jedem Hörer einleuchten dürfte.

|Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut, meist aber reichen Andeutungen aus. Die Geräuschkulisse ist wie ein Bühnenbild aufgebaut. Den Szenenhintergrund bildet zu Anfang der Sumpf: Frösche, Vögel, Käuzchen sind zu hören. Drinnen deuten gedämpfte Schritte Bewegungen der Figuren an.

Schreie und Keuchen und Glasklirren folgen, bis Griswell wieder hinaus in den Sumpf muss, wo er auf den Reiter stößt. Schüsse – Sheriff Buckner schießt für sein Leben gern, wie mir scheint. Noch zweimal betritt Griswell mit Buckner das Herrenhaus, und beide Male sind die Geräusche ebenso unheimlich wie beim ersten Mal. Mehr Schüsse, mehr Schreie. Es kann nicht dramatisch genug sein!

Den Kontrapunkt zu diesen Szenen bilden das fiese Lachen des Geistes sowie die Erzählung des alten Voodoo-Priesters Jacob. Man hört im Hintergrund ein Knistern wie von Kaminfeuer. Aber das stört seine faszinierende Geschichte nicht. Auch diese Szene endet mit einem Aufschrei und dem obligatorischen Schuss. Diese Drastik war mir dann doch ein wenig zu klischeehaft und vorhersehbar.

|Musik|

Die Musik entspricht der eines Scores für ein klassisches Horrormovie. Klassische Instrumente wie Violine, Cello und Kontrabass werden von einem elegisch seufzenden Piano ergänzt. Den Kontrast bildet die idyllische Eingangsszene der beiden Schulabgänger: Romantische Weisen werden von Vogelgezwitscher ergänzt.

Dass diese Stimmung nicht von Dauer ist, dürfte bei einer Horrorstory klar sein, und schon bald schlägt die Stimmung in Beklemmung und dann Grauen um. So steuert die Musik recht wirkungsvoll die Gefühlslage des Hörers.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von Titania Medien. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin fand ich diesmal passend und stimmungsvoll. Firuz Akin macht auch Werbung für sein Buch „Illustration“, das Mitte Dezember im Heider Verlag erscheinen soll.

Diesmal sind in einem zusätzlichen Katalog Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:

Nr. 54 + 55: Alice & Claude Askew: „Aylmer Vance – Abenteuer eines Geistersehers“ (Mai 11)

Nr. 56 + 57: dito: „Neue Abenteuer eines Geistersehers“ (September 2011)
Nr. 58: Lovecraft: „Pickmans Modell“ (November 2011)
Nr. 59: Edith Nesbit: „Das violette Automobil“ (November 2011)

Auf einem Einleger wird Werbung für den Online-Shop Pop.de gemacht, der neben dem Gruselkabinett „über 12.000 andere Hörspiele und Hörbücher zu günstigen Preisen“ anbietet.

_Unterm Strich_

Die Erzählung konfrontierte den Nordstaatenleser mit einem sehr unheimlichen, irrationalen Süden der USA, der sich für den verlorenen Bürgerkrieg auf seine Weise an nichtsahnenden Besuchern aus dem Norden rächt. Auch der heutige Hörer kann sich der Wirkung des Geistes nicht entziehen, gerade so, wie jeder Besucher des Spukhauses unweigerlich in dessen Bann gezogen wird, als sei er hypnotisiert. Diese Wirkung auf die Figuren der Story verleiht dem Showdown einen pikanten Twist.

Der Rachegeist wiederum ist das Produkt einer Voodoo-Magie, die von den Antillen stammt – von dort stammt ursprünglich das Geschlecht derer von Blassingville. Eine völlig andere Art von Spiritualität, nämlich die von Westafrika, konfrontiert den christlichen Besucher. Wer wird den Konflikt überstehen? Griswell und Buckner betätigen sich als Ghostbusters.

Mit Bleikugeln gegen einen Geist vorzugehen, will mir aber nicht recht effektiv vorkommen. Aber alles andere hätte wohl einen Exorzismus erfordert. Und das wäre dann für amerikanische Verhältnisse viel zu europäisch und katholisch gewirkt.

|Das Hörbuch|

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und bekannte Stimmen von Synchronsprechern und Theaterschauspielern einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen.

Wie gewohnt, ist die akustische Inszenierung abwechslungsreich und fein auf die jeweilige Szene abgestimmt. Aber diesmal setzt die Regie ein wenig zu viel und zu stereotyp das Motiv von „Schrei plus Schuss“ ein – es sollte eigentlich umgekehrt sein, oder? Und so kommt der Eindruck auf, dass hier entschieden zuviel geballert wird. Den Autor hätt’s allerdings gefreut, denn der Texaner Howard liebte es, sich im Cowboy-Outfit samt zweier silberner Revolver zu zeigen.

|Audio-CD mit 72 Minuten Spielzeit
Erstmals in Buchform 1963 in „The Dark Man“
ISBN-13: 978-3-7857-4476-5|
[www.titania-medien.de]http://www.titania-medien.de
[www.luebbe-audio.de]http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| bei |Buchwurm.info|:_
[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
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[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
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[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)
[„Der Glöckner von Notre-Dame“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5399 (Gruselkabinett 28/29)
[„Der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5426 (Gruselkabinett 30)
[„Die Gespenster-Rikscha“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5505 (Gruselkabinett 31)
[„Jagd der Vampire. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5730 (Gruselkabinett 32)
[„Jagd der Vampire. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5752 (Gruselkabinett 33)
[„Jagd der Vampire“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5828 (Gruselkabinett 32+33)
[„Die obere Koje“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5804 (Gruselkabinett 34)
[„Das Schloss des weißen Lindwurms“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5807 (Gruselkabinett 35)
[„Das Bildnis des Dorian Gray (Gruselkabinett 36/37)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5919
[„Berge des Wahnsinns (Teil 1)“ (Gruselkabinett 44) (Hörspiel)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6736
[„Berge des Wahnsinns (Teil 2)“ (Gruselkabinett 45) (Hörspiel)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6737
[„Die Maske des roten Todes“ (Gruselkabinett 46)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6735
[„Verhext“ (Gruselkabinett 47)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6734
[„Die Maske des roten Todes“ (Gruselkabinett 46)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6735
[„Die Squaw“ (Gruselkabinett 48)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6774

Poe, Edgar Allan / Gruppe, Marc – Untergang des Hauses Usher, Der (Gruselkabinett 11)

_Gruselklassiker kinoreif inszeniert_

In der Umgebung von Baltimore 1845: Philipp Belfield reist, durch einen Brief seines Jugendfreundes Roderick alarmiert, auf den abgelegenen, inmitten von Sumpfland errichteten Stammsitz der Familie Usher. Ein drohendes Unheil scheint über dem alten Gemäuer zu schweben, denn Roderick Usher, der letzte Spross der alten Familie, ist von einer seltsamen Krankheit gezeichnet …

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_ (Verlagsinfos)

Das Hörspiel wurde inszeniert mit: Oliver Feld (u. a. dt. Stimme von Ben Affleck), Tobias Kluckert (Colin Farrell), Claudia Urbschat-Mingues (Angelina Jolie) und Kaspar Eichel (Fred Astaire).

Oliver Feld spricht „Philip Belfield“

Bereits im Alter von 14 Jahren sammelte Oliver Feld erste Synchronerfahrungen in „Kampfstern Galaktika – Das Ende einer Odyssee“. Nach seiner Schauspielausbildung an der Fritz-Kirchhoff-Schule führten Oliver Feld Engagements an verschiedene Berliner Bühnen, so an die Tribüne, das KAMA- und das Hansa-Theater, sowie an das Theater am Kurfürstendamm. Im TV konnte man den Schauspieler u. a. in der Krimi-Reihe „Tatort“, den Serien „Praxis Bülowbogen“, „Helicops“ oder „Unser Charly“ sehen.

Als Synchronsprecher leiht Oliver Feld seine Stimme u. a. seit zehn Jahren ‚Dr. John Carter‘ in „Emergency Room“, der Titelrolle der Sitcom „Seinfeld“, ‚Nigel‘ in „Crossing Jordan“, ‚Wesley‘ in „Buffy“ und „Angel“, ‚Dutch‘ in „Shield“, ‚Emmett‘ in „Queer as Folk“ (hier auch Buch und Regie). Er synchronisierte zudem u. a. Ben Affleck in „Der Außenseiter“ und Adrien Brody in „Summer of Sam“.

Tobias Kluckert spricht „Roderick Usher“

Im Bereich Synchron leiht der Schauspieler Tobias Kluckert u. a. Joaquin Phoenix als ‚Johnny Cash‘ in dem Film „Walk the Line“ seine Stimme. Er sprach aber auch Colin Farrell in „The New World“, 50 Cent in „Get rich or die tryin“, Patrick Swayze in „Waking up in Reno“, Tyrese Gibson in „Der Flug des Phoenix”, „Vier Brüder”, „2 Fast 2 Furious“, Adam Baldwin in „Serenity“ und der „Firefly“-TV-Serie, Eric Balfour in „O. C. California“, Brian Krause als ‚Leo‘ in „Charmed“, Michael Vartan in „Alias – Die Agentin“ u. v. a.

Claudia Urbschat-Mingues spricht „Madeline Usher“

Nach ihrem Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover spielte Claudia Urbschat-Mingues an verschiedenen Theatern, u. a. an der Neuen Bühne Senftenberg und am Metropol Theater Berlin. Im Bereich TV und Film wirkte sie an diversen Kurz- und Fernsehfilmen mit und war in Episodenrollen in den Serien „Die Wache“ und „Verbotene Liebe“ zu sehen.

Claudia Urbschat-Mingues ist die dt. Stimme von Angelina Jolie z. B. in „Alexander“, außerdem von Lily Taylor in „Das Geisterschloss“, Jennifer Garner in „Elektra“, Denise Richards in „James Bond – Die Welt ist nicht genug“, Mira Sorvino in „The Replacement Killers“, Rachel Weisz in „Sunshine – Ein Hauch von Sonnenschein“, Vanessa Williams in „Dance with me“ u. v. a.

Kaspar Eichel spricht „Briggs“

Der gebürtige Berliner Kaspar Eichel war nach seiner Schauspielausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch u. a. am Theater Senftenberg, dem Theater am Kurfürstendamm, dem Berliner Kriminaltheater und dem Deutschen Theater in Berlin zu sehen. Im Fernsehen trat er in vielfältigen Rollen verschiedenster Serien hervor, u. a. in „Tatort“, „Polizeiruf 110“, „Alarm für Cobra 11“, „Der Hauptmann von Köpenick“, „Der letzte Zeuge“, „Im Namen des Gesetzes“. Im Bereich Synchron leiht Kaspar Eichel seine Stimme Fred Astaire in „Flammendes Inferno“, James Doohan als ‚Scotty‘ in den neuen Szenen der DVD-Veröffentlichung der „Star Trek“-Filme, Jon Voight in „Zoolander“, Ron Rifkin als ‚Arvin Sloane‘ in „Alias – Die Agentin“ u. v. a.

_Handlung_

Philip Belfield ist einer Einladung seines Jugendfreundes Roderick Usher gefolgt und nähert sich dem düsteren Gebäude, durch dessen Fassade sich ein feiner Riss zieht. Der Herrensitz ist von einem Sumpf und einem schwarzen See umgeben und nur über einen Dammweg zu erreichen. Die schwermütige Gegend verheißt nichts Gutes, aber noch ist Philip guter Dinge.

Der einzige Diener, Briggs, weiß seltsamerweise nichts von Ushers Einladung, lässt Philip aber trotzdem ein. Die Halle des Herrensitzes ist still und dunkel, nicht einmal eine Uhr tickt, und von Usher ist nichts zu sehen. Da taucht eine schöne junge Frau auf: Es ist Lady Madeline, die Zwillingsschwester Rodericks. Sie erkennt Philip zunächst nicht, denn es ist bereits 15 Jahre her, dass er ein enger Freund der Familie Usher war. Sie hofft, er werde sie wegbringen aus diesem „Haus des Todes“, in dem die Zeit nicht so vergehe, wie man es gewohnt sei. Sie warnt ihn vor Lügen und der Krankheit ihres Bruders. Dann bringt Briggs Philip nach oben …

Das Gemütsleiden Roderick Ushers, des Letzten seines Geschlechts, hat seine Sinne unglaublich verfeinert, so dass jede Sinneswahrnehmung für ihn Marter bedeutet. Daher sind alle Vorgänge zugezogen, jeder Laut ist gedämpft, und es brennt keine einzige Kerze. Erst nach einer Weile, als sich seine Augen angepasst haben, erkennt Philip in der Düsternis Rodericks ausgemergeltes Gesicht und erschrickt. Der eigentliche erst 30 Jahre alte Mann sieht aus wie der Tod. Er sagt, er freue sich aufs Sterben wie auf eine Erlösung. Aber er warnt Philip vor dem Wahnsinn seiner Schwester Madeline.

Lady Madeline taucht nachts in Philips Zimmer und führt ihn in den Keller, um ihm etwas zu zeigen: Es sind die Katakomben des Herrensitzes. In einem riesigen Saal sieht man in Nischen in den Wänden Hunderte von Särgen liegen – Generationen von Ushers. Die Gruft liegt unterhalb der Oberfläche des Sees, der gegen ihre Mauern drückt. In zwei der Nischen stehen bereits die Särge für Madeline und Roderick bereit. Philip findet dies höchst makaber.

Das ist aber noch gar nichts. Madeline vertraut ihm an, dass alle Ushers in direkter Linie von ihren Vorfahren abstammen und dies allein durch Inzucht. Auch sie selbst hätte ihren Bruder heiraten und mit ihm Kinder haben sollen. Kein Wunder, dass sich manche Ushers im Sumpf oder im See selbst töteten, als durch Inzucht weitere Missgeburten in die Welt zu setzen. Wenn es nach Madeline geht, so soll die Linie mit ihr und Roderick aussterben. Als Roderick plötzlich erscheint, fällt Madeline in Ohnmacht. Er trägt sie nach oben.

Tage vergehen. An einem Regentag teilt Roderick seinem Jugendfreund mit, dass Madeline gestorben sei. Ohne geistlichen Beistand wird die Schönheit im vorbereiteten Sarg bestattet. Roderick ruft die Toten an, sie wohlgesinnt aufzunehmen und zu beschützen, hat es aber auf einmal sehr eilig, den Sargdeckel zu schließen. „Fort von hier! Schnell!“

Was Philip so seltsam vorkam, enthüllt sich schon bald als wohlbegründet. Als ein Sturm heraufzieht und ein irisierendes Licht über dem See liegt, bemächtigt sich Philips eine panische Beklemmung. Durch Vorlesen eines Ritterromans versucht er, diese Stimmung zu vertreiben, doch vergeblich. Auf einmal zerreißt ein grässlicher Schrei die Todesstille im Gebäude: „Roderick, ich lebe, lass mich nicht allein!“ …

_Mein Eindruck_

Die Gothic-Autoren hatten eine Vorliebe für alte Geschlechter und uralte Gebäude. Das fing schon mit dem ersten Roman an: „Die Burg von Otranto“ von Hugh Walpole aus dem Jahr 1764 trägt das Motiv sogar in seinem Titel. Doch Edgar Allan Poe war der erste Schriftsteller, der diese Vorliebe in einen direkten kausalen Zusammenhang mit den Menschen setzte. Das ‚Haus‘ Usher meint sowohl das Geschlecht der Ushers als auch ihren Stammsitz als Gebäude. Geht das eine unter, so auch das andere.

Als Roderick und Madeline sterben, beginnt auch das Gebäude zu wanken, denn wahrscheinlich bricht der See nun in die Katakomben ein. Philip sucht schleunigst das Weite, als er sieht, dass sich der Riss, der sich, wie er beim Kommen sah, durch die Fassade zieht, rasend schnell verbreitet. Mit knapper Not entkommt er über den Dammweg, als das ganze verfaulte ‚Haus‘ in die Tiefen des schwarzen Sees versinkt.

|Der Fluch|

Die Frage ist jedoch, warum die beiden letzten Angehörigen des Geschlechtes von Usher sterben müssen. Dies ist die zentrale Frage, die jeder Leser oder Hörer für sich beantworten muss. Beide fühlen die Last der vielen Generationen, die sie jeden Tag durch einen einfachen Besuch der Gruft direkt vor sich sehen können. Madeline erzählt, dass Bruder und Schwester von Kindesbeinen mit dem Tod vertraut gewesen seien. Der Tod hatte nichts Schreckliches für sie, daran kann es also nicht gelegen haben.

Es kann auch nicht der Fluch sein, den sie sich durch Generationen der Inzucht vielleicht zugezogen haben. Denn sie selbst haben den Inzest nie begangen, wenn man ihnen glauben darf, obwohl beide einander wertschätzen. Ihr Erbe ist auf Seiten Madelines eine zunehmende Hinfälligkeit – ein häufiges Motiv bei Poe – sowie wiederkehrender Starrkrampf und seitens Rodericks eine übersteigerte Verfeinerung aller Sinne. Diese „Familienkrankheit“ führte dazu, dass er sich praktisch lebendig begraben hat, um nicht mehr leiden zu müssen. Lebensfreude bedeutet für ihn Todesqualen. In einem sehr realen Sinn ist das Haus also ein gigantischer Sarg.

Deshalb ist es nur eine Konsequenz aus seinem Wahn, diese Disposition in die Tat umzusetzen: Er bestattet Madeline nach einem ihrer Katalepsieanfälle in ihrem für sie vorbereiteten Sarg. Doch Roderick kann mit seinem superfeinen Gehör genau ihren äußerst langsam gehenden Atem hören. Dennoch schließt er den Sargdeckel und wartet, bis seine Schwester wieder erwacht …

|Leitmotive|

Zur Erbsünde des Inzests kommt also das Verbrechen der fahrlässigen Tötung hinzu. „Diese Familie muss aufhören zu existieren“, bekräftigt er immer wieder. Er ähnelt dem Ritter Everett in dem Roman, den Philipp vorliest. Der Ritter muss einen Drachen vor einem goldenen Palast erschlagen, wohl um eine Jungfrau zu retten. Der Drache, das sind die Generationen von Ahnen, und der goldene Palast ist die Erlösung durch den Tod – oder die Unschuld, die mit der Buße einhergeht. Wer die Jungfrau ist, dürfte klar sein: Madeline. Nur dass diese, als sie an Rodericks Türschwelle erscheint, wie eine Furie erscheint, die mehr Ähnlichkeit mit einem Drachen hat. Aber das sind nur Äußerlichkeiten. Als die beiden Geschwister aufeinander treffen, bedeutet das den Tod für beide.

Das Motiv des Scheintodes und des Lebendig-begraben-werdens kommt unzählige Male bei Poe vor. Das gilt auch für das Motiv der Rückkehr aus dem Reich der Toten. Aber selten wurden beide Motive so stilistisch glänzend und dramaturgisch wirkungsvoll miteinander verbunden wie in dieser klassischen Erzählung. Es ist auch ein Plädoyer für die Befreiung von der Last der Generationen, zumal von inzestuösen Generationen. Darin deckt sich die Aussage der Story mit der Ideologie Amerikas: Befreiung von den Altlasten Europas mit seinen Monarchien und dekadenten Herrscherhäusern (Poe lebte selbst als Junge an einer englischen Privatschule!) und Aufbruch in eine neue Welt, wo ein neues Eden aufgebaut werden kann. Deshalb muss Philip, der anfangs frohgemute Außenstehende, unbedingt entkommen statt in den Untergang mitgerissen zu werden.

|Zum fehlenden Gedicht|

In dieser Hörspielfassung ist das sechsstrophige Gedicht „Das verwunschene Schloss“ (im Original „The Haunted Palace“) nicht enthalten. Es bildet innerhalb der Erzählung eine Erweiterung der Bedeutungsebenen. Der Palast steht im Land des Königs „Gedanke“ und ist zunächst wunderschön. Doch in Gestalt der Sorge erobert „wildes Volk“ den Herrschersitz und alle Schönheit und Pracht schwindet, um bizarren Anblicken Platz zu machen. Aus einem freundlichen Lächeln wird so wahnhaftes Lachen.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Zunächst sind es die Sprecher, die über den Text den Hörer darüber aufklären, was geschieht. Dies gelingt den geübten Schauspielern ausgezeichnet, insbesondere Tobias Kluckert porträtiert Roderick Usher unnachahmlich gut. Auch „Lady Madeline“ schlägt den Zuhörer in ihren Bann, was besonders gut in der Szene in den Katakomben gelingt.

|Die Musik|

All dies würde aber nur halb so gut wirken, wenn es nicht auch die Musik und die Geräusche gäbe. Jeder, der schon einmal Alan Parsons‘ Platte [„Tales of Mystery and Imagination“]http://www.powermetal.de/review/review-11727.html gehört hat, erinnert sich sofort an die unheimlichen Klänge, die auf der zweiten Seite der Platte erklingen und die das eigentliche Grauen heraufbeschwören: die Wiederkehr der Totgeglaubten aus der Gruft. Die Ähnlichkeit der Hörspielmusik mit dem Vorbild Alan Parsons ist unverkennbar und beginnt bereits mit dem Intro, von der Hintergrundmusik ganz zu schweigen. Aber es kommen auch eigene Piano- und Oboekompositionen hinzu. Sehr schön ist der Sopran im Klagegesang für Lady Madeline.

Es wäre interessant zu erfahren, wer sich diesen tollen Score für das Hörspiel hat einfallen lassen und wer das Orchester war, das ihn eingespielt hat. Das Booklet verrät nur, dass die Aufnahme durch das Studio |AudioCue| erfolgte.

|Die Geräusche|

Die Geräusche sind ebenfalls sehr wichtig, denn sie verbürgen dem Zuhörer die Authentizität des Geschehens, so als befände man sich in einem Film. Deshalb hören wir also am Anfang das Hufgetrappel und Wiehern von Philips Pferd, das Quaken der Frösche im Sumpf und das Heulen und Stöhnen des Windes. Während draußen der See rauscht, herrscht jedoch im Schlossinneren Todesstille – bis auf einen seltsamen Laut: Nach etwas Hinhören stellt es sich als Herzschlag heraus …

Zu dieser unheimlichen Atmosphäre trägt auch das wiederkehrende Hauchen bei, das von einem Geist stammen könnte. Wir hören es erstmals in der Gruft, wenn die beiden Figuren von den Särgen der Usher-Ahnen umgeben sind. Es gibt noch weitere, nur unterschwellig wahrgenommene Geräusche, so etwa das unaufhörliche Seufzen des Windes, das Glucksen des Sees an den Mauern der Gruft und natürlich der Herzschlag. Als der Sturm heraufzieht, ist ein sehr tiefer Bass zu vernehmen, der Bedrohung verkündet. Den Höhepunkt bildet das Finale, in dem der Tonmeister sämtliche Register zieht, um maximale Wirkung zu erreichen.

_Unterm Strich_

Mir hat das Hörspiel sehr gut gefallen. In seiner Storyline unterscheidet es sich beträchtlich vom Hörspiel, das Lübbe Audio in seiner POE-Serie vorgelegt hat, und der Kenner findet hier eine vorlagengetreuere Fassung. Obwohl man als Poe-Fan schon weiß, wie die Geschichte ausgeht, erzielt die Inszenierung immer noch den gewünschten Effekt, nämlich zwei zentrale Gruselszenen – die erste in der Gruft, die zweite im Finale.

Es mag so manchem Neuling bizarr und surreal anmuten, wenn einer der Beteiligten im Finale aus einer Rittergeschichte zu zitieren beginnt, während das Verhängnis naht. Doch das ist ja die Crux der letzten beiden Ushers: Die Last der heroisch verklärten Vergangenheit, wie sie im Ritterepos noch hochgehalten und kolportiert wird, ist zu einem genetischen Fluch geworden, dessen Opfer sie nun – ziemlich willig sogar – werden.

Dass Roderick noch ein bisschen nachgeholfen hat, kann man nur verstehen, wenn man bedenkt, dass er eh schon seit langem lebendig begraben ist, sich aber keinesfalls von seiner innig – wenn auch hoffentlich keusch – geliebten Schwester trennen will. Mit der Ankunft des Zeugen in Gestalt von Philip ahnt Madeline bereits, was auf sie zukommt und versucht dem Zeugen klar zu machen, worin der Fluch und das Vermächtnis der Ushers besteht.

Am Schluss wird die ganze Story stark gerafft, denn in der Vorlage nimmt der Schwulst für das Empfinden des heutigen Lesers bzw. Hörers doch recht überhand. Diese Raffung auf das Notwendigste bedeutet für den Hörer, dass er ganz genau zuhören muss, was passiert und gesagt wird. Aber eine CD bietet ja die Gelegenheit, diese Szene immer wieder zu hören.

Es lohnt sich ja auch schon von der tollen Inszenierung her. Während die Musik mich an die Interpretation von Alan Parsons erinnert hat, so versuchen die Sprecher doch eine eigenständige, aber rollengerechte Interpretation ihrer Figuren. Das gelingt ihnen ausgezeichnet. Übrigens ist Lady Madeline in der Story gar nicht so prominent, sondern bleibt viel im Hintergrund, alldieweil sie ja sterbenskrank ist. (Der Arzt wurde ebenfalls gestrichen.) Man sieht also im Vergleich mit anderen Verarbeitungen dieses klassischen Stoffes, dass die |Titania|-Fassung den Hörer nicht überfordert und die Rolle der Frau im Stück den heutigen Erwartungen anpasst. Madeline bildet mit Roderick ein dynamisches Duo. Das habe ich in Poes Vorlage so überhaupt nicht gefunden, aber es wirkt sich in dem vorliegenden Hörspiel dramaturgisch vorteilhaft aus.

|Originaltitel: The Fall of the House of Usher, 1845
60 Minuten auf 1 CD|
http://www.titania-medien.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)
[„Der Glöckner von Notre-Dame“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5399 (Gruselkabinett 28/29)
[„Der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5426 (Gruselkabinett 30)
[„Die Gespenster-Rikscha“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5505 (Gruselkabinett 31)
[„Jagd der Vampire. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5730 (Gruselkabinett 32)
[„Jagd der Vampire. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5752 (Gruselkabinett 33)
[„Die obere Koje“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5804 (Gruselkabinett 34)

Doyle, Arthur Conan – Im Zeichen der Vier

_Unterhaltsamer Nostalgie-Krimi in zeitgenössischer Übersetzung_

Vier Jahre nach dem rätselhaften Verschwinden ihres Vaters hat Mary Morstan von einem Unbekannten ein Geschenk erhalten: eine sehr große, prächtige Perle. Jahr für Jahr hat sich das wiederholt. Doch nun, im Jahr 1888, ist sie aufgefordert worden, sich noch am selben Abend mit dem unbekannten Spender zu treffen. Sie bittet Sherlock Holmes um Hilfe. Holmes und Dr. Watson begleiten sie zum Rendezvous mit dem Unbekannten. Damit beginnt die Suche nach dem riesigen, fluchbeladenen Agra-Schatz. Eine Suche, die mit einer nächtlichen Verfolgungsjagd auf der Themse ihren gefährlichen Höhepunkt erreicht. (abgewandelte Verlagsinfo)

Dies ist der zweite Teil der Gesamtausgabe der Sherlock-Holmes-Serie, die Prof. Volker Beuhaus bei |Delta Music| herausgibt. Auf dem Titel ist als Autor ein gewisser „C. Doyle“ angegeben, nicht Arthur Conan Doyle. Das spricht nicht gerade für editorische Sorgfalt.

_Der Autor_

Sir Arthur Conan Doyle lebte von 1859 bis 1930 und gelangte mit seinen Erzählungen um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu Weltruhm. Dabei begann der Mediziner, der eine eigene Praxis hatte, erst 1882 mit dem Schreiben, um sein Einkommen aufzubessern. Neben mystischen und parapsychologischen Themen griff er 1912 auch die Idee einer verschollenen Region (mit Dinosauriern und Urzeitmenschen) auf, die von der modernen Welt abgeschnitten ist: [„The Lost World“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1780 erwies sich als enorm einflussreich und wurde schon 13 Jahre später von einem Trickspezialisten verfilmt. Schon 1913 ließ Doyle eine Fortsetzung unter dem Titel „The Poison Belt“ (dt. als „Im Giftstrom“, 1924) folgen.

_Der Sprecher_

Der Schauspieler Peter Lieck hatte an verschiedenen Theaterbühnen Deutschlands Engagements. Seit vielen Jahren ist er für den Rundfunk tätig: mit Romanlesungen, Gedichten, Hörspielen wie etwa Goethes „Dichtung und Wahrheit“, Flauberts „Erziehung des Herzens“ und Romanen von Saul Bellow. Er tritt in Köln auf der Bühne auf, macht noch szenische Lesungen von Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“. Auf der Rückseite des Hörbuchalbums ist sein Foto abgedruckt.

Zu Regie und Tonmeister liefert das Hörbuch keine Angaben.

_Handlung_

Die Chronologie der Ereignisse wird in der berühmten Erzählung bzw. im Hörbuch ziemlich verschachtelt und häppchenweise vorgelegt. Daher versuche ich, ein wenig Licht in diesen Dschungel zu bringen, ohne das Meiste zu verraten.

Es waren einmal zwei dicke Freunde, die als Gefängnisaufseher auf den anglo-indischen Andamanen-Inseln arbeiteten: Sholto und Morstan. Durch glückliche Umstände gelangten sie in den Besitz eines großen Schatzes, den sie sich brüderlich teilen wollten. Doch es kam alles ganz anders …

Am 18. April 1882 kehrt Bartholomew Sholto vom Studium in sein Elternhaus Pondycherry Lodge in der Nähe von London zurück. Sein Zwillingsbruder Thaddeus ist froh, ihn wiederzusehen, denn in letzter Zeit leidet ihr Vater an einem beunruhigenden Verfolgungswahn. Er hat zwei Preisboxer als Leibwächter eingestellt, nachdem er Eindringlinge am Fenster gesehen habe. Insbesondere Einbeinige lasse er verfolgen. Da bringt der Butler einen Brief aus Indien, der Major Sholto in Angst und Schrecken versetzt: Eine Gruppe, die sich „Das Zeichen der Vier“ nennt, hat darin gedroht, sich das, was er geraubt habe, zurückzuholen und ihn für seinen Verrat zu bestrafen. Er erleidet einen Schwächeanfall, flüstert noch ein paar letzte Worte von einem „Schatz“ und einer Mary Morstan – und gibt den Löffel ab.

1888, sechs Jahre später.

Eben jene Mary Morstan besucht Sherlock Holmes und Dr. John Watson, einen jungen mittellosen Militärarzt, in Holmes‘ Büro in London, Baker Street 221B. Holmes hat sich mal wieder eine seiner, wie Watson sagen würde, „entsetzlichen“ Kokainspritzen gesetzt und ist folglich bester Laune. Diese hebt sich noch viel mehr angesichts des wunderschönen Geschöpfes, das durch seine Tür tritt. Denn im Gegensatz zu manchen Darstellungen in gewissen Filmen ist Holmes kein Griesgram, sondern ein weltzugewandter Genießer, dem nichts lieber ist als eine Herausforderung seiner formidablen geisten Fähigkeiten. Nach Zeiten mentalen Hungers bietet Mary Morstan ihm nun eine leckere Geistes-Mahlzeit: ein Rätsel!

Die Ärmste schlägt sich seit dem Verschwinden ihres Vaters im Jahre 1878 als Gesellschafterin bei Mrs. Cecil Forrester durch, doch seit 1882 erhält sie von einem unbekannten Gönner alljährlich eine wunderschöne Perle geschickt, so dass sich ihr Lebensstandard ein wenig gehoben hat.

Watson und Holmes, die ihre daraus gefertigte Halskette in Augenschein nehmen dürfen, sind völlig von den Socken: edelste Ware, no doubt! Aber deswegen ist Miss Mary nicht hier. Sie hat eine Einladung zu einem geheimen Treffen erhalten. Sie dürfe zwei Freunde, aber keinerlei Polizeibeamte mitbringen. Ob die beiden Herren wohl so nett wären?

Und ob sie wären! Vorsichtshalber nimmt Holmes aber seinen zuverlässigen Revolver mit. Ein Kutscher sammelt sie am Treffpunkt auf und fährt sie in die schlechteren Viertel Süd-Londons. Als ein Inder sie in das Haus einlässt, staunen alle Bauklötze: ein veritabler Palast wie aus dem Orient. Wem gehört die noble Hütte? Es ist Thaddeus Sholto und er hat eine lange Geschichte zu erzählen.

Doch als sie in Pondicherry Lodge eintreffen, um Mary den ihr rechtmäßig zustehenden Schatz zu zeigen, kommen sie zu spät. Jemand ist ihnen zuvorgekommen, was dem armen Bartholomew gar nicht gut bekommen ist: In seinem Hals steckt ein Dorn mit einem tödlichen Gift …

Doch wie konnte der Täter in einen komplett abgeschlossenen Raum eindringen und – vor allem – wieder entkommen? Holmes stellt sich endlich das ersehnte Rätsel: ein klassisches |locked room mystery|!

_Mein Eindruck_

Natürlich ist es von diesem bis zur Ergreifung der Täter noch ein weiter Weg. Und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass sich auch das Anhören der restlichen Handlung lohnt. Die Gehörgänge kommen voll auf ihre Kosten – siehe meine Abschnitte „Musik“ und „Geräusche“. Endlich erfahren wir am Schluss auch, wie alles begann, irgendwo am anderen Ende des Empires, als ein unvorsichtiger Kaufmann seinem Kollegen etwas von einem Schatz zuflüsterte.

Natürlich ist eine Schatzjagd immer ein netter Aufhänger für eine flotte Story, und umso mehr für das viktorianische Publikum, das das angesehene „Strand Magazine“ las, in dem Doyle seine Storys veröffentlichen konnte. Abenteuer, Gefahr, ein waschechter Kannibale – beim Jupiter! Es gibt genügend Unterhaltsames in der Story, um einen Roman daraus zu spinnen.

Doch Doyle lässt auch eine gewisse Kritik an den erschreckenden Zuständen auf den Gefängnisinseln eben dieses British Empires einfließen. Die Schlussrede des Täters ist voller Anklagen, die offenbar allesamt gerechtfertigt sind. Er stellt sich natürlich selbst als Opfer hin, aber es war sicher nicht ungewöhnlich, dass britische Aufseher wie Sholto und Morstan den ihnen ausgelieferten Häftlingen sämtliche Habseligkeiten abnahmen, die sie besaßen. Und dazu gehörte eben auch die Information über den Schatz in der Stadt Agra, wo das Tadsch Mahal steht.

Die Gier nach dem Gold ist das ausschlaggebende Thema hinter der ganzen Schatzsuche. Und bevor die Truhe geöffnet wird, fragt sich vielleicht der eine oder andere Zuhörer, ob der Schatz nicht besser drin bleiben sollte als noch mehr Menschen ins Unglück zu stürzen, beispielsweise die liebliche Miss Morstan …

_Der Sprecher_

Man merkt es dem Sprecher Peter Lieck deutlich an, dass er sowohl Bühnen- als auch Rundfunkerfahrung hat: Er spricht sehr deutlich, macht Pausen zwischen und in den Sätzen, so dass Bedeutungseinheiten klar hervorgehoben werden. Über weniger wichtigen Text wie etwa einen Zeitungsartikel fliegt er schnell hinweg, eben genau so, wie man den Text selber lesen würde.

Dies ist aber nur die eine Seite seiner Kunst. Natürlich sind auch die zahlreich auftretenden Figuren auf eine Weise zu charakterisieren, dass sie der Hörer unterscheiden kann, und zwar jederzeit. Das geht am besten anhand ihrer Stimmhöhe und Sprechweise. Dr. Watson, der Ich-Erzähler, nimmt die Stelle des zweifelnden gesunden Menschenverstandes gegenüber Holmes ein, welcher ein getriebener Junkie der Vernunftarbeit zu sein scheint. Watson, der Gemütsmensch, entwickelt aufgrund seiner Menschlichkeit rasch Beschützergefühle für die liebliche und furchtsam und sanft sprechende Mary Marston.

Während diese beiden Männer einen solides Fundament der zweigeteilten Erkenntnis – reiner Geist (Holmes) und verständiges Gefühl (Watson) – bilden, so stehen ihnen durchweg relativ labile Figuren gegenüber. Da wäre zum einen natürlich der arme Thaddäus Sholto, dessen Bruder sich erhängt. Sholto wird mit einer recht hohen Stimme gesprochen und befleißigt sich einer fast schon greinenden Sprechweise, so wie eben ein alter, hilf- und ratloser Mann angesichts schrecklicher Ereignisse zu sprechen geneigt ist.

Sholtos genaues Gegenteil, aber ebenso wenig verlässlich, ist der brave Scotland-Yard-Inspektor Ethelney Jones. Er kommt brummig und kurzatmig daher, wischt alle anderen Meinungen kurzerhand beiseite und führt sich ganz allgemein auf wie der Elefant im Porzellanladen. Erst als ihm der ratzfatz festgenommene Th. Sholto ein hieb- und stichfestes Alibi vorlegen kann, kommt Jones ins Schwimmen und Schwitzen. Er bittet ein wenig kleinlaut und verlegen den „beratenden“ Detektiv Holmes um Mithilfe in diesem „überaus kniffligen“ Fall. Man kann ihn sich lebhaft als kauzigen Eigenbrötler vorstellen.

Natürlich gibt es nicht nur hilflose Frauen und unausgeglichene Männer, sondern auch robuste Kerle von echtem Schrot und Korn in dieser Geschichte. Da wäre zunächst McMurdo, der Hausdiener von B. Sholto, der zunächst niemandem Einlass gewähren will, doch beim Anblick von Sherlock Holmes sofort auftaut: Er hat Holmes beim Boxen kennen gelernt!

Zudem ist auch der Besitzer des formidablen Spürhundes Toby, ein gewisser Taxidermist namens Sherman, ebenfalls ein Bursche aus dem Volk, der weiß, was ein abgerichteter Hund anrichten kann. Auch hier wirkt der Name „Sherlock Holmes“ ein Wunder. Ganz anders hingegen Jonathan Small. Obwohl ein Mann aus dem Volk und ein rechter Kerl, ist mit ihm nicht gut Kirschen essen: Er ist der Drahtzieher der Attacken „im Zeichen der Vier“. Seine Stimme ist ebenfalls männlich tief, doch seine Ausdrucksweise lässt sehr an Kultiviertheit zu wünschen übrig.

_Unterm Strich_

„Das Zeichen der Vier“ ist eine recht gelungene Umsetzung der klassischen Holmes-Erzählung. Die Story ist, wie nicht anders zu erwarten, einigermaßen spannend, witzig und bis zum Schluss straff inszeniert. Aber es gibt doch einige Längen, die darauf zurückzuführen sind, dass diese Fassung den ungekürzten Text bietet. Und dies auch noch in der Erstübersetzung aus dem 19. Jahrhundert!

Hinzu kommen ein Schuss Romantik (Watson & Morstan – ob das wohl klappt?) und eine Menge erfrischende Ironie an den richtigen Stellen. Holmes‘ Auftritt in Verkleidung, die sowohl Dr. Watson als auch Inspektor Jones täuscht, ist sicher ein Highlight der verblüffenden Effekte, und humorvolle Szenen halten das Zwerchfell auf Trab.

Aber um ehrlich zu sein, hat mir bislang die dramatisch-humorvolle Hörspiel-Inszenierung von |Titania Medien| am besten von allen Hörbuch-Ausgaben dieser Erzählung gefallen.

|300 Minuten auf 4 CDs|

Wilde, Oscar / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – Bildnis des Dorian Gray, Das (Gruselkabinett 36/37)

_Kunst oder Leben: schaurig-schöne Parabel_

Teil 1: London in den 1890er Jahren: Basil Hallward, ein talentierter Maler, verliebt sich in den jungen Dorian Gray und will seine faszinierende Jugend und Schönheit in einem Porträt festhalten. Dorian, durch den Anblick seiner selbst hingerissen, äußert den kühnen Wunsch, dass er nie altern, sondern das Bild dieses Schicksal auf sich nehmen solle. Dafür wäre er sogar bereit, seine Seele zu opfern …

Teil 2: Dorian Gray gibt sich, verführt durch den charismatischen Lord Henry Wotton, ganz den sinnlichen Gelüsten eines zügellosen Lebens hin und fällt in einen Strudel der Leidenschaften. Doch weder die Zeit noch die Exzesse hinterlassen Spuren auf seinem jugendlichen Gesicht. Einzig sein Porträt verändert sich auf eigentümliche Weise. Doch wer es zu Gesicht bekommt, ist des Todes … (abgewandelte Verlagsinfo)

Die Doppelfolge läuft im |Gruselkabinett| unter den Nummern 36 und 37.

_Der Autor_

Oscar Wilde, 1854 bis 1900, war ein anglo-irischer Schriftsteller, Dichter und Dramatiker, der zunächst Märchen und Gedichte schrieb, bevor er sich dem Drama zuwandte. 1891, kurz nach Veröffentlichung des „Dorian Gray“, verfasste er seine bekannten und noch heute gespielten Gesellschaftskomödien, so etwa „Lady Windermere’s Fan“ (doppeldeutig) und „The Importance of Being Earnest“ (ebenfalls doppeldeutig). Seine Liebe zu dem jungen Sinclair brachte ihm jedoch Unglück, denn die Marquess of Queensberry verklagte ihn des „unzüchtigen Auftretens als Somdomit“ (sic!), und er wurde wegen „groben Verstoßes gegen die guten Sitten“ (gross indecency) zu Zuchthaus verurteilt. Im Zuchthaus von Reading verfasste er sein letztes Werk: „The Ballad of Reading Gaol“. Diese bedauerliche Beendigung einer brillanten Schriftstellerkarriere ist einzigartig in den Annalen der britischen Kunst.

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Erzähler: Hasso Zorn (David Kelly)
Dorian Gray: David Turba (Shia LaBeouf, Zac Efron)
Basil Hallward: Axel Malzacher (Tom Hollander, Cary Elwes)
Lord Henry Wotton: Tom Vogt (Rupert Everett, Aaron Eckhart, Laurence Fishburne, Clive Owen, Jonathan Frakes …)
Lord George Fermor, Henrys Onkel: Engelbert von Nordhausen (dt. Stimme von Samuel L. Jackson)
Lady Agatha: Regina Lemnitz (dt. Stimme von Kathy Bates)
Lady Brandon: Melanie Pukaß (dt. Stimme von Halle Berry, Helena Bonham Carter)
Lady Narborough: Cathlen Gawlich (Jennie Garth, Jaime King)
Hzgn. von Harley: Marianne Lutz (Lily Tomlin, Geneviève Bujold, Geraldine Chaplin)
Mr. Erskine: Lutz Mackensy (Christopher Lloyd, Rowan Atkinson, Al Pacino)
Lady Victoria Wotton: Ulrike Möckel (Meg Ryan, Geena Davis, Marcia Gay Harden)
Mr. Isaacs, Theaterdirektor: Andreas Mannkopff (John Candy, Tim Curry)
Mrs. Vane: Dagmar von Kurmin
Sybil Vane: Kristine Walther
James Vane: Dennis Schmidt-Foß (Chris Evans, Freddie Prinze jr. und Scott Speedman)
Parker, Butler: Bodo Wolf (Christopher Walken, William H. Macy, Tobin ‚Jigsaw‘ Bell)

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand in den |Planet Earth Studios| statt und wurde bei |Kazuya| abgemischt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

Im Juni 189x stellt der englische Maler Basil Hallward das Porträt des jungen Dorian Gray fertig. Lord Henry Wotton lobt den Maler und regt eine Ausstellung an. Doch Hallward ist strikt dagegen, denn in dem Bild „stecke zu viel von ihm selbst“. Hallward hat offenbar Angst, der Zyniker und Poseur Wotton könnte seinen geliebten Adonis verderben, von dem er ihm nicht einmal den Namen verrät. Vor zwei Monaten lernte Hallward den Jungen bei einer Gesellschaft Lady Brandons kennen, die Grays Mutter gekannt hatte. Lady Agatha, eine Wohltäterin, hat Gray zum Klavierspielerin in den Elendsvierteln von East End und Whitechapel engagiert.

Während der ersten Begegnung Wottons mit Dorian Gray erklärt der Gentleman ihm seine Philosophie: Da die Unterdrückung des Genießens krank mache, sei es am gesündesten, seine Gelüste und Leidenschaften auszuleben. Dadurch werde man von ihnen geheilt. Jugend und Schönheit, die Dorian Gray offensichtlich im Übermaß zu eigen sind, seien vergänglich. „Leben Sie jetzt, Gray! Die Welt wird Ihnen zu Füßen liegen.“ Diese Worte fallen auf offene Ohren.

Als Hallward das Bild vor Dorian enthüllt, ist Wotton begeistert, doch Dorian zittert vor Furcht um seine Jugend und Schönheit. Dieses Bild wird im Gegensatz zu ihm nie altern. Er gäbe sogar seine Seele dafür, wäre es umgekehrt! Bei der ersten Falte wolle er sich umbringen. Er ist eifersüchtig auf das Porträt. Hallward ahnt, wer an dieser Reaktion schuld ist, und klagt Wotton an. Er macht sogar Anstalten, das Bild zu zerstören. Doch das will Dorian auch nicht, und Hallward übereignet es ihm. Wotton nennt beide töricht und fragt: „Welcher ist der echte Dorian Gray – der Mensch oder das Bild?“ Er lädt Dorian ins Theater, und der willigt freudig ein. Hallward bleibt traurig zurück.

Von seinem Onkel Fermor erfährt Wotton die Vorgeschichte und Herkunft Dorian Grays. Als Enkel von Lord Kelso und Sohn von Lady Devereaux, deren Mann auf Betreiben Kelsos im Duell getötet wurde, ist Gray steinreich. Seine unglückliche Mutter starb ein Jahr später, so dass er auch noch eine Vollwaise ist. Sobald Dorian volljährig ist, kann er ein unermessliches Erbe antreten. Jetzt weiß Wotton, wer seine Schulden bezahlen wird, und beschließt, den Jungen zu beherrschen.

Doch selbst er wird von Dorians Verliebtheit überrascht. Dorian gesteht ihm, die junge Schauspielerin Sybil Vane zu lieben, die an einem kleinen Wandertheater so wunderbar die Julia spielt. Er nennt sie „engelsgleich“, sie rühre ihn zu Tränen. Wotton ist angeödet, denn er hatte schon viele Schauspielerinnen. Unterdessen besucht Dorian das Theater weiterhin, um Sybil anzuhimmeln. Der Theaterdirektor bietet ihm mehrmals an, Dorian zu ihr zu führen, und nach einer Weile gibt der junge Mann nach. Auch Sybil ist sehr angetan von ihm und nennt ihn ihren Märchenprinzen. Er beschließt, sie aus diesem unsicheren Leben herauszuholen.

Die Vanes haben eigene Pläne. Sie haben das Geld für das Reiseticket für Sybils Bruder James zusammengekratzt, der nach Australien auswandern will. Die Mutter warnt vor der Untreue der Männer, denn ihre Kinder sind unehelich aufgewachsen. Sybil schwört zwar auf Dorians lautere Absichten, doch James ist nicht so naiv. Er schwört, den Mann umzubringen, der seine Schwester ins Unglück stürzt. Dann reist er ab. Kurz darauf macht Dorian ihr einen Heiratsantrag.

Um zu beweisen, was für eine wunderbare Frau und Schauspielerin Sybil ist, lädt Dorian Wotton und Hallward ins Theater ein. Zu Dorians Entsetzen spielt Sybil furchtbar schlecht, und das ausgerechnet als Julia in der Balkonszene. Seine Freunde wenden sich mit Grausen. Hinterher stellt er Sybil zur Rede. Sie verteidigt sich, dass die echte Liebe, die er ihr erwiesen habe, ihr die Schattenbilder der Shakespeare-Stücke wertlos haben erscheinen lassen, und deshalb habe sie absichtlich schlecht gespielt. Dorian akzeptiert dies nicht und beendet die Beziehung, was die ungläubige Sybil bestürzt. Sie tötet sich mit Gift, fast genau wie ihre Theaterfigur Julia.

Als Dorian nichts ahnend nach Hause kommt, betrachtet er das Porträt, das inzwischen mit einem schönen Rahmen versehen bei ihm in der Wohnung hängt. Es erscheint ihm verändert. Da ist ein Zug von Grausamkeit um seine Mundwinkel. Dorian staunt und erinnert sich an seine eigenen Worte in Hallwards Atelier. Das Bild drückt tatsächlich aus, was ihm widerfährt, und offenbart seine Seele.

Am nächsten Morgen bereut er seine Worte zu Sybil und schreibt ihr einen Versöhnungsbrief. Doch der wird nie abgeschickt, denn zuvor erscheint sein Mentor Lord Harry Wotton mit der schrecklichen Nachricht, die bereits in allen Zeitungen stehe: Sybil hat sich vergiftet. Zum Glück hat niemand seinen Schützling bei der Dame gesehen. Dorian geht mit Wotton in die Oper, denn offensichtlich lässt sich jetzt nichts mehr für die Verblichene unternehmen, ohne sich selbst zu kompromittieren. Er ahnt, dass das Bild mehr weiß als er selbst. Soll es doch die Zeche für alle seine Exzesse und Missetaten zahlen, die er noch begehen will!

Das Bild ist wohl versteckt in einem abgelegenen und abgeschlossenen Zimmer seines Hauses, zu dem nur er den Schlüssel hat. Keiner darf sehen, wie sehr es sich verändert, während die Jahre vergehen. Und er will kein weiteres Bild von sich, versteht sich. Im Verlauf von 20 Jahren nimmt das Gesicht im Bild das Aussehen einer grauenvollen Fratze an, während er selbst zum Erstaunen und der Verwunderung seiner Bekannten nicht altert. Zunehmend reagiert man mit Misstrauen auf ihn und meidet seine Gegenwart. Dagegen nimmt er eben mehr Opium.

Am Tag vor seinem 38. Geburtstag besucht ihn sein alter Freund Basil Hallward, der kurz vor der Abreise nach Paris steht. Die Koffer sind schon am Bahnhof, nun will er noch kurz bei Dorian vorbeischauen. Ob wohl ein Blick auf sein Bild möglich wäre? Hallward weiß, wie man Dorian gegenübersteht, den er geliebt hat. Dorian ist unerwartet großzügig und gewährt Basil Zutritt zum Haus, will ihm sogar das Bild zeigen. Angst packt Hallward, aber die Neugier ist stärker. Zusammen steigen sie die schmale Treppe zum alten Schulzimmer hinauf, in dem das Bild hängt. Es soll Hallwards letzter Gang werden …

_Mein Eindruck_

Oscar Wilde entfachte mit seinem ersten Roman, den er 1890/91 veröffentlichte, Proteststürme unter seinen Zeitgenossen. Er verletzte nämlich den prüden viktorianischen Moralkodex mit voller Absicht, indem er ihn durch einen narzisstischen Ästhetizismus ersetzte: Die Kunst soll nicht mehr das Leben imitieren, sondern sich selbst genüge sein. (Hier folgte er den Lehren Walter Paters und der französischen Symbolisten.)

|Sinnenlust, Liebesfrust|

Damit nicht genug, zeigte er als Helden seines Romans einen Bisexuellen, der sich, wie sich zeigt, mit allerlei Männern und zweifelhaften Frauenzimmern vergnügt – nur nicht mit Basil Hallward, seinem Porträtisten. Vielmehr lässt Dorian Gray, angeleitet von seinem Mentor und einem französischen Roman „die Sau raus“. Dieser Roman ist höchstwahrscheinlich ein Buch des Autor Joris-Karl Huysmans namens „A rebours“ (1884; dt. „Gegen den Strich“). Huysmans („Tief unten“) wurde zwar später katholischer Klosterbruder, doch in „A rebours“ zeigt er einen Lebemann, der alle Genüsse auskostet, um, wie Lord Wotton sagt, durch die Sinne die Seele von ihren vergeblichen Wünschen zu heilen.

Fortan können Dorian Gray Menschen wie die Schauspielerin Sybil Vane nicht mehr als Quelle der Freude, sondern nur als Vermittler von schönen Eindrücken und Genüssen dienen. Als Sybil diese Rolle verweigert, weil sie „etwas Besseres als Schattenbilder“ gefunden hat, nämlich Liebe, tobt er und lässt sie sofort fallen. Er will ja gar nicht Echtheit, sondern nur Show, solange es seine Sinne kitzelt. Da beißt sich die Katze des Ästhetizismus in den Schwanz.

|Das Bildnis|

Das zeigt sich, wie Wilde klugerweise symbolisch darstellt, am Schicksal des Bildnisses. Zu Beginn imitiert dieses Kunst-Werk noch das Leben, wie es in Jugend und Schönheit vor dem Künstler Basil Hallward steht. Doch als Dorian seine Seele quasi dem Teufel verkauft, verhält sich, anders als sonst, dieses Kunst-Werk wie das Leben. Diesen Betrug darf niemand mitbekommen, damit Dorians Betrug in der echten Gesellschaft fortbestehen kann. Dorian ist ein Falschmünzer des schönen Scheins.

Der Betrug kann allerdings nicht ewig weitergehen, denn ein Menschenleben ist nun mal endlich, im Gegensatz zur Kunst, die potenziell unsterblich ist – getreu dem Barockmotto „ars longa, vita brevis“. Als Dorians Nemesis für Sybils Freitod in Gestalt ihres Bruders auftaucht, will Dorian moralische Umkehr leisten, in der Hoffnung, so auch das Abbild seiner Untaten und Sünden verschönern zu können. (Was nur einem Protestanten einfallen kann, der weder Beichte noch Absolution kennt.) Dass diese Hoffnung enttäuscht wird, führt Dorians rasches Ende herbei. Erst dann kommen körperliche Wahrheit und künstlerische Wahrheit wieder zu ihrem Recht, allerdings auf ziemlich schaurige Weise.

_Die Inszenierung_

Der erste Teil des Doppelhörspiels führt den Hörer zu zwei Höhepunkten. Der positive Höhepunkt ist die Liebesgeschichte mit Sybil Vane, die schrecklich endet. Der zweite Höhepunkt sieht die Rückkehr von Dorians erstem Gönner Basil Hallward, doch der Besuch endet tödlich. Am Schluss bangt man, welche Schrecken dieser zum Wüstling gewordene Narziss noch bereithalten könnte. Ich dachte sofort an die „Gefährlichen Liebschaften“, wo Valmont, Dorians Gegenstück, die Unschuld verdirbt und den Verteidiger der Tugend tötet.

Der zweite Teil sieht erst einmal die Erpressung eines alten „Freundes“, um Hallwards Leiche fachgerecht zu entsorgen. Zu den Begegnungen mit seiner Vergangenheit gehören weitere Ex-Lover und Huren, doch entscheidend ist der Auftritt von James Vane, der seine Schwester rächen will. Nur durch einen ironischen Zufall gelingt ihm dies nicht: Er lässt Dorian laufen, weil dieser Jüngling ja unmöglich der fast 40 Jahre alte Wüstling sein kann, den James sucht! Das gibt Dorian Anlass zur inneren Umkehr, besonders nach James‘ Tod.

Er sagt sich von seinem Verführer und Mentor Lord Wotton los, der inzwischen ein alter Knacker ist, von seiner Frau verlassen wurde und nun einem nicht ganz einsamen Lebensabend entgegensieht: Er will den jungen Lord Poole verführen. Dorian geht sogar so weit, ihn zu bitten, Poole das teuflische Buch nicht zu schenken. Die Hoffnung, seine Selbstbesserung im Bildnis wiederfinden, wird auf grausame Weise zerschlagen … Die Diener fragen sich, wie die entstellte Leiche eines alten Mannes eigentlich in dieses sonst abgeschlossene Zimmer gelangt sein kann. Wahrlich ein (ironisches) Mysterium.

|Die Sprecher|

Die Hauptrolle spricht mit David Turba ein bekannter Synchronsprecher, der als Stimmbandvertretung von Zac Efron hervorgetreten ist. Turba spricht seinen Part erst zaghaft-schüchtern, was ja Dorians Jugend (20) angemessen ist, dann jedoch mit zunehmendem Selbstbewusstsein, je mehr Dorian zum gewissenlosen Wüstling wird. Erst am Schluss, nach diversen Todesfällen und einem eigenhändigen Mord, kehrt sich diese Selbstsicherheit in ihr Gegenteil um: Verunsicherung. Dem folgt der pure Horror.

Tom Vogt spielt Dorians Mentor mit der tiefen, autoritären Stimme eines väterlichen Verführers. Sein Part ist definitiv der fieseste. Basil Hallward, glaubhaft gesprochen von Axel Malzacher, ist eine tragische Figur: Seine Liebe wird alsbald enttäuscht, und selbst als Entsagender entgeht er nicht einem denkbar unverdienten Schicksal. James Vanewird von Dennis Schmidt-Foß gesprochen, der seine Stimme bereits den jungen Schauspielern Chris Evans, Freddie Prinze jr. und Scott Speedman lieh.

Von den Frauenparts bleibt einem am ehesten noch zwei Damen im Sinn: erstens Lady Agatha, die von der bekannten Stimme Regina Lemnitz‘ gesprochen wird, die wir als die von Kathy Bates wiedererkennen. Zweitens ist dies die Figur der Sybil Vane, die allerdings von der mir unbekannten Kristine Walther gesprochen wird. Sie weiß aber nichtsdestotrotz ihren Part der Julia in Shakespeares Romanze mal gefühlvoll, mal erbarmenswert schlecht zu sprechen. Dieser Unterschied entscheidet ja über Dorians Ge- oder Missfallen an ihr. Dorian liebt ja ihre Rolle, nicht die Aktrice, ein folgenreicher Irrtum.

|Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut, meist aber reichen Andeutungen aus. Knarrende Türen deuten einen Durchgang an und das Rumpeln einer Droschke eine entsprechende Fahrt von A nach B. Gewundert habe ich mich darüber, wie es kommt, dass sämtliche Türen in Dorians neuem Haus so schlecht geölt sind, dass sie vernehmlich knarren und ächzen.

|Musik|

Als erstes fiel mir an der Musik die wundervoll gespielten Chopin-Passagen auf. Sie dienen stets dazu, Dorian Gray als Klavierspieler und somit Künstler darzustellen und zu legitimieren. Die Ironie dabei ist, dass er zunächst auf Wohltätigkeitsveranstaltungen seiner Tante Lady Agatha auftritt, später aber nur noch für sich und enge Freunde spielt. Das markiert seine Abwendung vom Wohl der Allgemeinheit hin zum Privatvergnügen.

Zugleich wird das Piano aber noch für ein weiteres Motiv eingesetzt. Es ist ein leises Tröpfeln von Tönen, das ich in den letzten |Gruselkabinett|-Hörspielen und |Lübbe|-Hörbüchern des Öfteren bemerkt habe. Das Tröpfeln ergibt noch keine Melodie, sondern ist eine Vorstufe. Es erzeugt so eine emotionale Spannung, die aufgelöst werden will. Manchmal ist das Piano mit einer Flöte kombiniert.

Dies sind die stillen Passagen der Einkehr zwischen Passagen voll Ungestüm und Dynamik. Dann ist das ganze Orchester gefragt, um beispielsweise romantische Liebe, Verzweiflung, Trauer oder kommendes Unheil zu signalisieren. Eine Sonderrolle spielt die Musik in der Theateraufführung von „Romeo und Julia“. Sie ist dann eine Musik der zweiten Ebene, eine Darstellung (Theater) in einer Darstellung (Hörspiel). Entsprechend funktional klingt die Musik dann auch.

Musik, Geräusche und Stimmen wurden so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin fand ich wieder einmal sehr passend und suggestiv.

_Unterm Strich_

Im Nachhinein bin ich etwas erstaunt, dass es sich |Titania Medien| erlaubt hat, diesen Stoff auf zwei Folgen von insgesamt nicht weniger also 152 Minuten auszuwalzen. Andererseits ist mir keine Aufnahme bekannt, die jemals dem Original gerecht geworden wäre. Obwohl ich das Original schon als Jugendlicher gelesen habe (wer hätte das nicht?), ließ ich mich deshalb gerne noch von einigen neu anmutenden Szenen überraschen, sei es der Freitod Sybils oder der Mord an Basil Hallward.

Die Geschichte schildert auf ihre symbolisch verschlüsselte Weise den Betrug an der Natur durch eine Lebensanschauung, die auf Befriedigung von Sinneslust ausgerichtet ist. Das mag freilich unchristlich erscheinen, doch wenn dabei niemand zu Schaden kommt, ist es auch heute erlaubt. Das ändert sich, als erst Sybil, dann Basil und schließlich mehrere Freunde und Widersacher Dorians sterben. Die moralische Schuld zeigt sich wie auf einem grafischen Bankkonto (was man in der Computerei ein „Dashboard“ nennt) anhand des sich schaurig verändernden Bildnisses, das Dorians Seele widerspiegelt.

Das Wechselspiel von Kunst und Leben wird hier vom Autor sinnfällig illustriert und mit dem Handlungsverlauf kommentiert. Es stimmt nicht, dass Oscar Wilde keinerlei Moral kannte. Er hatte nur eine, die weiter entwickelt war als die der Mehrheit seiner Landsleute und Zeitgenossen. Er lebte mehr nach französischer Lebensart und Denkweise, folgerichtig las er französische Romane wie „A rebours“, und dort verbrachte er auch seine letzten Jahre. Auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise fand er unweit des Grabes von Jim Morrison seine letzte Ruhe, der ja bekanntlich ebenfalls ein Freigeist war.

|Das Hörspiel|

Das Team von |Titania Medien| hat sich mal wieder ins Zeug gelegt, um ein stimmungsvolles Hörspiel zu inszenieren, das zugleich schaurig-schön wie ein Schauerstück der Schwarzen Romantik ist. Besonders David Turba als Dorian und Tom Vogt als Lord Wotton gefielen mir. Die Nebenfiguren stimmen ebenfalls und überzeugen durch Kompetenz. Den Erzähler hätte man fast weglassen können, denn er tritt meist als Stimme der „richtigen“ Moral auf.

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Augen- bzw. Ohrenmerk sollte man auf das ungewöhnlich eingesetzte Piano richten und auf die wundervoll gespielten Stücke von Chopin.

|Basierend auf: The picture of Dorian Gray, 1891
ca. 152 Minuten auf 2 CDs
ISBN-13 der Doppel-CD-Ausgabe: 978-3-7857-4142-9|
http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)
[„Der Glöckner von Notre-Dame“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5399 (Gruselkabinett 28/29)
[„Der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5426 (Gruselkabinett 30)
[„Die Gespenster-Rikscha“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5505 (Gruselkabinett 31)
[„Jagd der Vampire. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5730 (Gruselkabinett 32)
[„Jagd der Vampire. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5752 (Gruselkabinett 33)
[„Jagd der Vampire“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5828 (Gruselkabinett 32+33)
[„Die obere Koje“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5804 (Gruselkabinett 34)
[„Das Schloss des weißen Lindwurms“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5807 (Gruselkabinett 35)

James, M. R. – Der Eschenbaum (Gruselkabinett 71) (Hörspiel)

Die Weltenesche im Vorgarten

Ost-England im Jahre 1690: Zu seinem grenzenlosen Missfallen muss Sir Matthew Fell im Park seines Anwesens Castringham Hall in Suffolk in den Vollmondnächten immer wieder eine unheimliche Frau aus dem Dorf beobachten, die sich an einem gewaltigen Eschenbaum zu schaffen macht. Wie er nur zu gut weiß, steht die Frau im Ruf, eine mächtige und sehr gefährliche Hexe zu sein… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.

Der Autor

Montague Rhodes James (1862-1936) war ein englischer Altertumsforscher und Autor von Geistergeschichten. Außerdem war er Provost von Cambridge University und Eton College. Der Öffentlichkeit bekannt wurde James ab 1894 durch seine Geistergeschichten, wobei er sich auf zahlreichen Reisen auf dem europäischen Kontinent Anregungen holte. Seine profunden historischen Kenntnisse, die er in seine Erzählungen einfließen ließ, geben diesen einen Anstrich von Authentizität.

James bediente sich häufig der Elemente von „klassischen“ Geistergeschichten und perfektioniert diese: Der Schauplatz ist oft eine ländliche Gegend, Kleinstadt oder eine ehrenwerte Universität mit einem verschrobenen Gelehrten als Protagonisten. Die Entdeckung eines alten Buches oder einer anderen Antiquität beschwört das Unheil oder eine dunkle Bedrohung herauf. Dabei wird das Böse eher angedeutet und der Vorstellung des Lesers überlassen, wogegen die Charaktere und der Schauplatz detailliert beschrieben werden. (Quelle: Wikipedia)

Die Sprecher/Die Inszenierung

Die Rollen und ihre Sprecher:

Erzähler: Hasso Zorn
Sir Matthew Fell: Frank-Otto Schenk
Vicar Crome: Hans-Jürgen Dittberner
Mrs. Mothersole: Katarina Tomaschewsky
Sir Richard Fell: Sebastian Schulz
William Crome: Martin Kautz
Mrs. Chiddock: Sonja Deutsch
Bischof von Kilmore: Lutz Mackensy
Hexenjäger: Peter Weis
Totengräber: Ronald Nitschke
Diener: Louis Friedemann Thiele
Gärtner: Filipe Pirl

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand im Titania Medien Studio und in den Planet Earth Studios statt und wurde bei Kazuya abgemischt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

Handlung

Ein Vollmond bescheint im März des Jahres 1690 Schloss Castringham Hall, in dem Sir Matthew Fell residiert. Er und Vikar Crome begeben sich nach einer Unterredung zum Tor. Sie sind sich einig darüber, dass das hiesige Hexenunwesen nachdrücklich bekämpft werden muss. Da ertönt ein tiefes Geräusch von der vor dem Schloss emporragenden, uralten Esche, und ein kalter Hauch zaust das Haar der beiden Herren. Sie trennen sich, mit frischen Plänen im Kopf.

Fell ist der stellvertretende Sheriff der Gemeinde Castringham, die in der Grafschaft Suffolk liegt. Er geht gerade zu bett, als er ein Flüstern von der Esche vernimmt: „Adams erste Braut, komm herauf zu mir.“ Fell weiß genau wie Crome, dass Adams erste Braut Lilith war und Eva erst später kam. Die verstoßene Lilith jedoch gilt als Königin der Dämonen. Aufgeregt eilt deshalb Fell zur Tür, um der Frau, die da geflüstert hat, nachzugehen und sie zur Rede zu stellen. Zu Pferde und mit Begleitern verstärkt fordert er vor dem Haus von Mrs Mothersole, die als Hexe gilt.

Mothersole bestreitet, bei Fell gewesen zu sein. Sie habe geschlafen. Er nennt sie dennoch eine Teufelin und droht ihr mit dem Hexenjäger, dem Wichtfinder General. Obwohl sie aufschreit und sich gegen die zupackenden Schergen wehrt, lässt Fell sie in den Kerker werfen. Beim Prozess des Hexenjägers klagt Fell sie an, den Eschenbaum erklommen zu haben, um Äste zu okkulten Zwecken abzuschneiden. Alles Protestieren hilft der Angeklagten nichts – der Witchfinder General verurteilt sie zum Tod durch den Strang.

Der Fluch

Der Kirchplatz vor Bury Saint Edmunds ist verregnet. Dennoch hat sich viel Volk eingefunden, um den Tod der Hexe mitzuverfolgen. Die ist ungebrochen und prophezeit: „Es werde Gäste nach Castringham Hall kommen.“ Der empörte Sir Fell wird nur durch ihren gebrochenen Hals wieder besänftigt.

Im Mai desselben Jahres lässt Sir Fell das Fenster offen, um sich vom Blätterrauschen der Esche in den Schlaf der Gerechten wiegen zu lassen. Stattdessen vernimmt er die tiefe Stimme von Mrs. Mothersole, die er doch sterben gesehen hat. Ein seltsam teuflisches Kichern, ein Glockenschlag – am nächsten Morgen finden die Diener den Hausherrn tot vor, das Gesicht blau angelaufen.

Das zweite Glied

45 Jahre später lässt der Erbe Richard das Grab der Hexe öffnen. Es ist leer. Neun Jahre später lässt sich der unverzagte und durchaus der Aufklärung anhängende Sir Richard Fell ein ruhigeres Zimmer geben. Das Einzige, das seinen exklusiven Wünschen genügt, ist das Sterbezimmer Sir Matthews. Es wurde seit jenem Todestag nicht mehr benutzt und riecht entsprechend.

Der Enkel des Vikars Crome, William Crome, warnt ihn vergebens. William hat den Bericht seines Großvaters gefunden. Die Beschreibung von Matthew Fells Leiche ist wahrlich grauenerregend. Die Leichenwäscherinnen verbrannten sich an ihr die Hände. Williams Sorge wächst, als er Fells Bibel von 1659 als Orakel benutzt. Er schaut auf die Esche, in die ein Blitz einen tiefen Spalt geschlagen hat. Wer weiß, was an dessen Grund lauert? Er kommt ihm alles andere als geheuer vor.

Richard dekretiert, dass der Baum am übernächsten Tag umgehauen werde, wenn der Bischof von Irland zu Besuch kommt. Diese Nacht verbringt Sir Richard unruhig, denn die Eschenzweige kratzen am Fenster. Missgelaunt geht er zu Bett. Bald darauf hört er ein seltsam spöttisches Keckern und die Stimme einer Frau …

Mein Eindruck

Der Autor stammte selbst aus Suffolk, jener südöstlich gelegenen britischen Grafschaft, die in seinen Geistererzählungen häufig als Schauplatz dient. In vielen Fällen stellt der äußerst gelehrte Autor, der in Cambridge und Eton arbeitete und für die Königin schrieb, die Institutionen der jeweiligen Epoche den Kräften älterer, aber mächtigerer und daher immer noch wirksamer Zeiten gegenüber. „Der Eschenbaum“ ist ein ausgezeichnetes Beispiel für diesen Konflikt, der die Zivilisation infrage stellt.

Hexerei

Hier bekommen es in zwei verschiedenen Epochen jeweils zwei Spitzen der Gesellschaft von Suffolk mit solchen Kräften zu tun. Matthew Fell ist der Gesetzeshüter und Vicar Crome der kirchliche Vorsteher des Dorfes. Folglich verfügen sie über große moralische und gesetzliche Autorität. Das erlaubt es ihnen, mir nichts, dir nichts eine Frau aus dem Dorf festzunehmen und verurteilen zu lassen, bloß weil sie glauben, sie sei eine Hexe. Und Hexenjäger gab es im England des 17. Jahrhunderts wirklich. Es gibt sogar einen Spielfilm über sie.

Aufgeklärt

Nun sollte man meinen, dass die Nachkommen Sir Fells 54 Jahre später nicht mehr an Hexen glauben, denn mittlerweile hat die Aufklärung auch England erreicht und sogar das entlegene Suffolk. Doch ironischerweise ist es genau diese Aufgeklärtheit, die Sir Richard zum Verhängnis wird. Hexen? Wer glaubt denn noch an Hexen?!

Wir erwarten, dass er weiß, dass sich der Fluch, dem sein Vater zum Opfer fiel, sich an ihm ebenfalls erfüllen werde. Doch noch nicht einmal die gruseligen Details, die ihm der neue Vicar unterbreitet und die den Fluch furchterregend machen, bringen Richard von seiner Haltung ab. Den vermaledeiten Baum fällen zu lassen, ordnet er mehr aus Bequemlichkeit an, nach dem Motto: Man kann ja nie wissen, wozu es mal gut ist. Das wird er bald bereuen.

Die dunkle Macht

Welche Macht ist es also, die sowohl abergläubischen Hexenjägern als auch aufgeklärten Geistern zum Verhängnis werden kann, fragt sich der Hörer. Es sieht ja ganz so aus, als könne man dieser Macht so oder so nicht entkommen, es sei denn, man lässt sie in Ruhe. Stets meldet sich die Stimme einer Frau aus dem Eschenbaum, und eine Frau ist es auch, die Mathhew Fell noch auf dem Galgen, auf den er sie geschickt hat, verflucht. Offenbar sind die beiden Geschlechter in einen uralten Konflikt verstrickt. Ein Hinweis auf Lilith, die erste Frau Adams, macht uns bewusst, dass dieser Konflikt schon von Anbeginn der biblischen Zeiten, also seit ca. 6600 v.Chr., andauert. (Die Alten glaubten ja noch an die Bibel, und sei es nur um der Fiktion willen.) Aber woher rührt er?

Liliths Brut

Der Tod von Matthew Fell und von Richard Fell, so vorhersehbar, der Zweite auch sein mag, lässt den Hörer doch gespannt auf die Lösung des Rätsels warten. Dieses Geheimnis soll beim Fällen des vermaledeiten Baums gelüftet werden. Es gibt schlimme Vorzeichen, die den vom Blitzeinschlag geöffneten Spalt betreffen: Es erwischt erst eine Katze, dann den Gärtner, dann beginnt das Pandämonium, dessen Flammen den Baum verschlingen. Erst ganz am Schluss findet man den ersten handfesten Beweis, was aus der Hexe Mothersole geworden ist …

Symbolik

Der Eschenbaum ist ein mächtiges Symbol für die Macht der Weiblichkeit in der Gemeinschaft. Sie bildet den Konterpart zur männlich definierten christlichen Kirche. Dort wird Mrs Mothersole, die Vertreterin weiblicher Macht geopfert. Die Esche ist auch ein Symbol von Leben und Wachstums, sie ist nichts Gemachtes oder Erbautes. Sie verändert sich fortwährend und nimmt andere Gestalt an, etwa in Fingern statt Zweigen. Sie ist folglich auch eine spirituelle Kraft, die außerhalb des Wirkungskreises der Religion steht. Womöglich vertritt sie eine viel ältere Religion, nämlich jene Mutterreligion, die von den patriarchalen Kulturen, die aus Mittelasien einwanderten (Achaier, Dorer usw.), bekämpft und vertrieben wurde. Man lese dazu „Die Weiße Göttin“ von Ranke-Graves.

Dass die Esche nichts Böses ist, will den männlichen Herrschern des Weltlichen nicht in den Kopf. Sie müssen unbedingt das Primat haben und dulden keine „Hexen“, also Frauen mit eigenen, geheimen Kenntnissen. „Weise Frauen“ sind aber nur die eine Seite der Macht in der Esche, die andere sind „Dämonen“. So erscheinen diese Geister zumindest jenen Christen, die beim Ende des Baumes zugegen sind. „Dämonen“ jedoch sind nur eine Deutung für alles, was das sogenannte Böse oder Fremde verkörpert und daher Furcht verbreitet. Ob dagegen wohl Beten hilft?

Frauenstimme, Niemands Stimme

Es ist bemerkenswert, dass in der Geschichte nur eine einzige Frau vor dem Fluch der Esche warnt, nämlich Sir Richards Haushälterin. Wie nicht anders zu erwarten, werden alle ihre Warnungen in den Wind geschlagen. Sie sollte wirklich besser auf ihren guten Ruf in der Gemeinde achten, bevor es ihr wie Mrs Mothersole ergeht. Die Unterdrückung der Frau dauert schließlich bis heute an. Ob aus dem Schuldgefühl Adams gegenüber Lilith, wie es Bibelfeste tun mögen, heraus oder aus Furcht vor der weiblichen Macht des Erschaffens, sei dahingestellt. Der Name „Mrs. Mothersole“ spricht Bände. Er bedeutet „die Seele der Mutter“ (in alter Schreibweise).

Die Sprecher/Die Inszenierung

Wir haben es bei den Figuren mit zwei Generationen zu tun, daher muss ihnen auch das Sprecherensemble entsprechen. Der alte Sir Fell, der alte Vicar Crome und die Haushälterin Mrs. Chiddock gehören der alten Generation an. Sie machen ihre Sache ausgezeichnet und wirken keineswegs senil oder träge, ganz im Gegenteil.

Zur jungen Generation gehören Sir Richard Fell, der junge William Crome und der Bischof von Irland (in einem Mini-Auftritt). Doch welcher Generation gehört Mrs. Mothersole an, die im ersten Akt ein frühes Ende am Galgen nimmt? Katarina Tomaschewsky verleiht ihr eine Altstimme mittleren Alters, was sie zwischen die beiden Generationen stellt. Dass die Leiche von Mrs. Mothersole nicht in ihrem Grab liegt, deutet ebenfalls auf eine überzeitliche Existenz hin. Sie wird noch ein drittes Mal auftauchen, aber auf welche Weise, darf hier nicht verraten werden.

Geräusche

Die Geräusche sind die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut, meist aber reichen Andeutungen aus. Diese Andeutungen sollte man angesichts ihrer häufigen Wiederholung beachten. Regelmäßig läutet die Glocke der Kirche von Castringham, stets rauschen die Blätter der Esche und immer wieder sind in der Esche seltsame Laute und zu vernehmen. Eichhörnchen? Aber welche der dämonischen Art, nehme ich an.

Mit Geräuschen und Musik baut das Hörspiel eine dichte Atmosphäre auf, die den Hörer gespannt auf die Lösung des Rätsels warten lässt. Vollmondnächte haben ihre eigene Stimmung, ebenso Blitz und Donner über einem Galgen. Diesen Outdoor-Geräuschkulissen steht die heimeligere des Herrenhauses derer von Fell gegenüber. Da klappert Geschirr, da quietschen Türen, und Diener klopfen sorgenvoll an unheimlich stille Schlafzimmertüren.

Im zweiten Akt im Sir Richard findet eine faszinierende |Überblendung| statt. Sie transportiert uns aus dem Jahr 1744 zurück ins Jahr 1690, als säßen wir in einer Zeitmaschine. Wir sehen, was Vicar Crome sieht, wenn er den Leichnam seines Freundes Matthew Fell ansieht: entsetzliche Dinge. Der Vikar nutzt dessen Bibel aus dem Jahr 1659, um ein Orakel zu lesen. Es verheißt nichts Gutes. Nach der Rückkehr in die „Gegenwart“ des Jahres 1744 tut es Cromes Enkel gleich und liest ein Orakel aus ebendieser Bibel (Papierseiten rascheln). William Cromes Sorge nimmt zu, die Spannung steigt. Doch was hat der Eschenbaum damit zu tun?

Katzenfreunde seien gewarnt: Qualvollere Schreie aus Feliden-Kehlen hat man selten vernommen …

Musik

Die Musik entspricht der eines Scores für ein klassisches Horrormovie, übertreibt es aber nicht durch übermäßige Dramatik. Vielmehr finden die Einsätze der Musik stets nur ganz gezielt dort statt, wo sie auch wirklich gebraucht wird. Wenn Suffolk beschrieben wird, erklingen tiefe und hohe Flöten, die nostalgische Romantik vermitteln. Wenn die Esche dem jeweiligen Herrn von Castringham Hall Unheil bringt, sind neben dem Blätterrauschen auch diverse Sounds und ein Chor zu hören. Dies wiederholt sich am Ende des zweiten Aktes, verstärkt durch eine Vielfalt von Geräuschen.

Das Ende des Baumes geht einher mit einer Sinfonie von unheimlichen Geräuschen, zahlreichen Schreien, Fauchen, Geheul und vielem mehr. Danach spielen ein Dudelsack und eine Flöte eine klagende Melodie, doch den Ausklang bildet eine unheimliche Musik, die den Hörer daran erinnert, dass es noch viele ähnliche Bäume auf der Welt gibt. Man denke nur an die Donareiche, die der Mönch Bonifatius anno 723 fällte, um die heidnischen Chatten (Hessen) zu bekehren (vgl. dazu http://de.wikipedia.org/wiki/Donareiche ).

Musik, Geräusche und Stimmen wurden so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

Das Booklet

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von Titania Medien. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher.

Im Booklet finden sich Verweise auf die kommenden Hörspiele aufgeführt:

Nr. 72: R. L. Stevenson: Markheim (03/12)
Nr. 73: A. Conan Doyle: Das Grauen im Blue-John-Stollen (03/12)
Nr. 74: E. Nesbit: Die Macht der Dunkelheit (04/12)
Nr. 75: Mary Fortune: Weiß (04/12)
Nr. 76: Bram Stoker: Das Teufelsloch (05/12)
Nr. 77: R. E. Howard: Das Feuer von Asshurbanipal (05/12)

Unterm Strich

In den drei Akten des Hörspiels erleben wir die dreimalige Auseinandersetzung mit dem Eschenbaum, der die uralte Macht des weiblichen Prinzips verkörpert. Vergeblich nehmen es Hexenjäger, Vikare und andere Verteidiger der Christenheit mit dem Baum auf. Eine der Dorffrauen wird stellvertretend für die Esche als Hexe verurteilt und hingerichtet.

Die Ironie ist unübersehbar, dass der Fluch der Hexe nicht nur den Deputy Sheriff Mathhew Fell trifft, sondern auch seinen Sohn Richard, obwohl der die Existenz von Hexen und Flüchen aus Gründen der Vernunft rundweg ablehnt. So kann es nicht ausbleiben, dass sich der Fluch auch an ihm erfüllt.

Doch was hat es nun mit der Magie der Esche wirklich auf sich? M.R. James war gebildet genug, um alles über die Weltenesche Yggdrasil zu wissen. Dieser nimmt nicht nur für die Götter eine ganz besondere Stellung, sondern daraus entstanden auch die Menschen: Ask, der erste Mensch, und aus Ask und Embla, seiner Frau, der Rest der Menschheit. (Siehe dazu: http://de.wikipedia.org/wiki/Yggdrasil ). Auch die weisen Frauen, die drei Nornen, saßen zu Füßen der Weltenesche.

Dass die Esche eng mit Fruchtbarkeit und Wachstum verbunden ist, aber im Gegensatz zum Christentum steht, scheint der Autor mit seiner Geschichte auszusagen. Das gekürzte Hörspiel lässt keine weiteren Deutungen zu, die in den Bereich der Religion vorstoßen könnten. (Odin hing tagelang an Yggdrasil, ähnlich wie Jesus am Kreuz, und beide erlebten eine Wiederauferstehung.)

Auf jeden Fall gibt diese bekannte Erzählung einen spannenden und unheimlichen Stoff für dieses stimmungsvolle Hörspiel ab. Die drei Akte steigern sich in Dramatik bis zu einem erstaunlichen Pandämonium, das man so von einem wohlanständigen Viktorianer, der für die Bibliothek der Queen schrieb, nicht gerade erwarten würde.

Das Hörspiel

Die Sprecher, die Vielzahl der Geräusche und die angemessene, zurückhaltende Musik bilden eine gelungene Einheit, um den Hörer zu unterhalten. Was mir allerdings im dritten Akt, der das Ende des Baumes schildert, fehlt, ist eine zentrale Perspektive durch eine wichtige Figur. Vikar Crome wäre dafür geeignet gewesen, oder noch besser die alte Mrs. Chiddock (die allerdings wohl beizeiten in Ohnmacht gefallen wäre).

Stattdessen nehmen wir die Szene durch eine Art Panoramablick wahr. Dadurch fehlt es an einer Identifikationsfigur, an deren Gefühlen wir Anteil nehmen könnten. Stattdessen fährt. Die „Kamera“ quasi zurück, und der Erzähler versorgt uns reportermäßig mit den Details des Geschehens. So werden wir mit einer emotionalen Distanz informiert, die uns zurück in unsere Realität entlässt.

Audio-CD mit 58 Minuten Spieldauer
http://www.titania-medien.de
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Das |Gruselkabinett| bei |Buchwurm.info|:

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
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[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
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[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
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[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
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[„Die Maske des roten Todes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6735 (Gruselkabinett 46)
[„Verhext“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6734 (Gruselkabinett 47)
[„Die Squaw“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6774 (Gruselkabinett 48)
[„Tauben aus der Hölle“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7050 (Gruselkabinett 52)
[„Abenteuer eines Geistersehers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7119 (Teil 1) (Gruselkabinett 54)
[„Abenteuer eines Geistersehers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7120 (Teil 2) (Gruselkabinett 55)
[„Aylmer Vance – Neue Abenteuer eines Geistersehers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7643 (Teil 1) (Gruselkabinett 56)
[„Aylmer Vance – Neue Abenteuer eines Geistersehers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7644 (Teil 2) (Gruselkabinett 57)
[„Pickmans Modell“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7524 (Gruselkabinett 58)
[„Das violette Auto“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7510 (Gruselkabinett 59)
[„Der Grabhügel“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7801 (Gruselkabinett 60)
[„Der Ring des Thot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7802 (Gruselkabinett 61)
[„Rappaccinis Tochter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7832 (Gruselkabinett 62)
[„Besessen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7833 (Gruselkabinett 62)
[„Der Schatten über Insmouth – Teil 1“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8136 (Gruselkabinett 66)
[„Der Schatten über Insmouth – Teil 2“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8137 (Gruselkabinett 67)
[„Die Legende von Sleepy Hollow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8168 (Gruselkabinett 68)
[„Stimme in der Nacht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8167 (Gruselkabinett 69)
[„Schwarze Krallen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8227 (Gruselkabinett 70)