Schlagwort-Archive: Hörspiel

Ambrose Bierce – Das Auge des Panthers (Gruselkabinett Folge 157)

In Liebe mit einem Werpanther

USA, 1890: Der Anwalt Jenner Brading ist einigermaßen überrascht, dass Irene Marlowe, die ihn zweifellos liebt, seine Heiratsanträge vehement ablehnt. Indes hat die begehrenswerte junge Frau mit den faszinierenden blauen Augen mehr als einen guten Grund, unverheiratet zu bleiben, wie sie ihm eines Abends in der freien Natur offenbart… (Verlagsinfo)
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Hanns Heinz Ewers – Die Topharbraut (Gruselkabinett Folge 151)

Die Verschwörung der Totengräber

Berlin 1913: Auf Wohnungssuche begegnet der Schriftsteller Dr. Gunther Lutzke dem unauffälligen Fritz Beckers, mit dem er sich fortan in eine Art Wohngemeinschaft begibt. Er ahnt nicht, dass der freundliche Mitbewohner hinter seiner Fassade etwas Grauenvolles verbirgt, das er sich in seinen kühnsten Träumen nicht hätte ausmalen können… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.
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Pratchett, Terry – Wachen! Wachen!

Die Stadtwache von Ankh-Morpork ist sicher eine der glorreichsten Erfindungen Terry Pratchetts für seine Scheibenwelt. Auch wenn sie selbst nicht immer die glorreichste Rolle bei ihren Einsätzen spielt. Dieses Hörspiel, das es seit Herbst 2004 gibt, schildert eines der bekanntesten Abenteuer der Wache: das mit dem Drachen und dem König.

|Der Autor|

Terry Pratchett (Jahrgang 1948) und seine Frau Lynn sind wahrscheinlich die produktivsten Schreiber humoristischer Romane in der englischen Sprache – und das ist mittlerweile ein großer, weltweiter Markt. Obwohl sie bereits Ende der siebziger Jahre Romane schrieben, die noch Science-Fiction-Motive verwendeten, gelang ihnen erst mit der Erfindung der Scheibenwelt (Disc World) allmählich der Durchbruch. Davon sind mittlerweile etwa zwei bis drei Dutzend Bücher erschienen, in 27 Sprachen übersetzt, mehr als 23 Millionen Exemplare wurden verkauft. Nachdem diese für Erwachsene – ha! – konzipiert wurden, erscheinen seit 2001 auch Discworld-Romane für Kinder. Den Anfang machte das wundervolle Buch [„Maurice, der Kater“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=219 („The amazing Maurice and his educated rodents“), worauf „The Wee Free Men“ folgte.

Doch auch andere Welten wurden besucht: ein Kaufhaus, in dem die Wühler und Trucker lebten, und eine Welt, in der „Die Teppichvölker“ leben konnten. Die Wühler-Trilogie „The Bromeliad“ soll zu einem Zeichentrickfilm gemacht werden.

Der Roman „Wachen! Wachen!“ wurde bereits einmal zu einem genialen [Comicbook]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=253 verarbeitet.

_Handlung_

Karotte ist als Waise bei den Zwergen aufgewachsen. Eines Tages ruft ihn ein Brief in die Hauptstadt, nach Ankh-Morpork, um der Stadtwache beizutreten, bei der er sich beworben hat. Schweren Herzens nimmt er als rechtschaffener Zwergenbub von rund 1,90 m Größe Abschied von den einzigen Eltern, die er kennt. Seine wahren Eltern wurde einst überfallen und getötet. Er hat das Ankh-Morpork-Gesetzbuch geerbt, ein Schwert und ein seltsames Muttermal in Form einer Krone.

Doch ach! Die Stadtwache von Ankh-Morpork, sie ist ein demoralisierter Haufen, der sich nicht gerade auf die Durchsetzung von Gesetz und Ordnung spezialisiert hat. Hauptmann Mumm und seine Kollegen Corporal Nobbs und Sergeant Colon bezechen sich angesichts des kargen Lohns, den ihnen ihr Boss, Lord Vetinari, gibt, lieber in der „Geflickten Trommel“, als auf dunklen Gassen ihr Fell zu Markte zu tragen. Selbst das Mitternacht-Ausrufen erfolgt daher dezent und nervenschonend, ganz besonders in jenem verrufenen Viertel, das man „die Schatten“ nennt. Hier wacht die Diebesgilde eifersüchtig über ihre Vorrechte. Das Durchgreifen des neuen Kollegen Karotte gegenüber Sperrstundenbrechern ist ihren heroischen Mitgliedern geradezu peinlich.

Wie soll es dieser Haufen mit dem Geheimbund unzufriedener Bürger aufnehmen, der sich die Monarchie zurückwünscht? Denn die Kapuzenmänner der „Erleuchteten Brüder der dunklen Nacht“, angeführt von ihrem „Obersten Größten Meister“, beschwören zu diesem Zweck mit Hilfe eilig zusammengetragener „magischer Objekte“ und eines gestohlenen Zauberbuches einen Drachen, den der neue König – sicherlich ein strahlender Recke – besiegen soll, um zu beweisen, dass ihm allein der Thron und die Stadtherrschaft gebühren.

Während Hauptmann Mumm noch bei Madame Käsedick, einer Züchterin von Sumpfdrachen, die nötigen „Spezialkenntnisse“ erwirbt, um der neuen Gefahr aus der Luft zu begegnen, wird auch schon der Patrizier Lord Vetinari in den Kerker geworfen und der Luftkrieg gegen die Wache und allerlei Drachenjäger eröffnet. Leider gerät dem besagten Geheimbund das drakonische Ungetüm außer Kontrolle und bringt sämtliche Bürger in Gefahr.

Doch alles wird gut, so hofft die Wache noch. Bis einer der Sumpfdrachen Madame Käsedicks, die demnächst dem Drachen geopfert werden soll, sich sehr merkwürdig benimmt, weil er nämlich sein Verdauungssystem umgebaut hat. Unterdessen unternimmt der Bibliothekar der Unsichtbaren Universität, dem das Buch für die Drachenbeschwörung geklaut wurde, eine kleine Zeitreise …

_Mein Eindruck_

„Wachen! Wachen!“ ist sicherlich eines der spannendsten Abenteuer, die der Autor für seine Discworld erfunden hat. Anders als die Geschichten um TOD oder die Hexen steht hier eine ziemlich einfach gestrickte Truppe im Mittelpunkt des Geschehens. Die unterbezahlten und normalerweise angeheiterten Mitglieder der „Patrouille“ begucken sich die großen Ereignisse, die in ihrer Stadt auf politischer und gesellschaftlicher Ebene stattfinden, sozusagen von unten. Genau wie Bürger wie du und ich.

Und dabei haben sie sogar noch das bessere Los gezogen, wenn man ihr Schicksal mit dem der Großkopfeten vergleicht. Nehmen wir mal Lord Vetinari, den Patrizier. Der neue König wirft ihn als erste Amtshandlung in den Kerker. (Dort dressiert der Patrizier die gebildeten Ratten darauf, ihm beim Dinieren und Frisieren zur Hand zu gehen. Außerdem befindet sich der Riegel seiner Zellentür auf der INNENSEITE.) Wesentlich schlechter scheint es dem Kronrat zu gehen.

Die Ratsmitglieder müssen zu ihrem gelinden Entsetzen feststellen, dass der König eine Mahlzeit des wahren Königs geworden ist: des Drachen. Der neue Herrscher fordert durch sein Sprachrohr, den Sekretär Lupin Wonse, weitere Menschenopfer, sozusagen als mafioses Schutzgeld oder Steuer. Wird das Opfer entrichtet, sieht der neue drakonische Herrscher von Raubzügen unter der Stadtbevölkerung ab. Ganz einfacher Deal, oder? Ach ja, und alles Gold, das die Stadt hergibt, hätte er ebenfalls gerne. Dagegen gibt es doch nichts einzuwenden, ODER? Und so eine kleine Jungfrau einmal im Monat ist doch sicher nicht zu viel verlangt, ODER?

In diesem Kapitel verrät der Autor einen sarkastischen Humor und tiefe Einsichten in politische Machtmechanismen. Und wie bei jedem Machtwechsel gibt es auch hier Kriegsgewinnler, namentlich Treibe-mich-selbst-in-den-Ruin-Schnapper, der geschäftstüchtige Wurst- und Andenkenverkäufer. Und die Revolution der Bürger wird natürlich im Keim erstickt – äh, Pardon, verbrannt.

Ob Madame Käsedick, die liebenswerte Züchterin von Sumpfdrachen und Herbergsmutter für Hauptmann Mumm, eine Jungfrau ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Jedenfalls wird sie eines Morgens von der Ersatzstadtwache abgeführt und in den Palast gebracht. Spätestens jetzt sieht sich Mumm bei seiner Ehre gepackt und ergreift Maßnahmen. Wie diese aussehen, sei hier nicht verraten, doch dass es ein Happyend gibt, ist wohl mehr dem Narrenglück Mumms und seiner wackeren Garde (Colon hat einen Glückspfeil, mit dem er die „Empfindlichkeit“ des Drachen zu treffen gedenkt – so er sie denn findet) zu verdanken als seinen koordinierten Anstrengungen, den Tyrannen zu vertreiben.

Ironischerweise erweist sich die Liebe als stärkere Kraft: nämlich buchstäblich als „Himmelsmacht“. Und wie man in „Shrek 1“ mit größtem Vergnügen festgestellt hat, müssen nicht alle Drachen männlich sein …

_Das Hörspiel, die Inszenierung_

Von dem Schweizer Studio „Bookonear“ habe ich bislang noch nie etwas gehört. Die Produktion, die es mit „Wachen! Wachen!“ vorgelegt hat, ist jedoch in vielerlei Hinsicht professionell zu nennen. Die Sprecher, die bei uns allesamt unbekannt sind, legen eine bühnenreife Darbietung hin. Colon beispielsweise verfügt über eine heisere, raue Stimme, als ob er Kettenraucher wäre. Sein Sprecher hält diese Qualität mühelos durch. Auch der quengelige Verschwörer Verdruss hat mir sehr gut gefallen. Diese Leutchen erinnern mich an die einfachen Bürger in Shakespeares „Sommernachtstraum“.

Aber es gibt auch eindrucksvollere Stimmen. Mehrere Male tritt TOD auf und spricht hörbar in VERSALIEN. Witzig ist dabei, dass derjenige, den er abholt, kaum einen Unterschied in seiner neuen Existenzform gegenüber dem früheren Leben feststellt. Nörgler bleibt Nörgler. Da gibt es einige sehr ironische Momente.

Noch weitaus beeindruckender ist jedoch die Stimme des Drachenkönigs, der von der Decke der Halle des Thronsaals zu seinem Diener Lupin Wonse spricht. Der Drache spricht mit Donnerhall und einer sehr tiefen Stimme, so dass sich kaum etwas Eindrucksvolleres und Furchteinflößenderes vorstellen lässt (es sei denn, man ist kleiner als ein Mensch und hört auch Infraschall).

|3D-Sounds|

Praktisch alle wichtigen Klänge haben mit den diversen Drachen zu tun. So ein angreifender „draco nobilis“ klingt wie ein Sturzkampfbomber, komplett mit Flügelschlagen, Fauchen und Fenstersplittern inklusive Scherbenregen. Es klingt ungefähr wie ein mittlerer Weltuntergang. Natürlich in Stereo!

Dagegen wirkt der Stall, wo Madame Käsedick ihre Exemplare von „draco vulgaris“ hält, wie ein heimeliger Hühnerstall. Mit einer Ausnahme: Ihr kleiner Errol brütet etwas aus – aber was? Nun, im vorletzten Kapitel, beim Showdown, hören wir ganz genau, wie Errol klingt, wenn er seinen neuen Düsenantrieb testet … Ansonsten sind diverse Comic-Sounds zu hören, wie sie etwa einer Kneipenschlägerei wohl anstehen. Die Tonmeister Olift Maurmann und Gavin Maitland haben ganze Arbeit geleistet.

|Die, ähem, Musik|

Und hier scheiden sich die Geister, weil ja bekanntlich die Geschmäcker verschieden sind. Einerseits macht die mittelalterlich instrumentierte Pausenmusik, die die Szenen voneinander trennt, das Hörspiel zu etwas ganz Besonderem in der Audiobook-Landschaft. Andererseits ist sie für unsere Ohren sehr gewöhnungsbedürftig.

Die Musik „wurde nicht extra für dieses Hörspiel komponiert“, verrät das Booklet. „Aber für ungewöhnte Ohren ist sie so schräg, dass sie hervorragend zur Scheibenwelt passt und ich sie einfach verwenden musste“, schreibt der Regisseur Raphael Burri, der auch die Hörspielfassung bearbeitet hat. Er hat die Musik der CD „Tritonus – Alte Volksmusik aus der Schweiz“ von 1991 entnommen (mehr Infos zur Gruppe Tritonus und ihrer Musik gibt’s unter www.tritonus.ch).

Mit Querflöte und Harfe kann man sich ja noch gerne anfreunden. Sie sind für die romantischen Momente der Entspannung (o ja, es gibt sie!) genau richtig. Etwas heftiger wird es dann bei den seltsamen Instrumenten, die direkt aus dem Mittelalter stammen: Drehleier und Hackbrett etwa, vor allem aber die seltsamen Blasinstrumente, die wie ein Mittelding aus Oboe, Fagott und Klarinette klingen und dem Hörer wahrlich durchdringend eins auf die Ohren geben. Also, immer schön auf die Lautstärke achten! Da auch die Harmonielehre des Mitelalters befolgt wird, sind die „Melodeien“, die man zu Gehör bekommt, zusätzlich ungewohnt.

Nach spätestens drei CDs war ich von der Eignung dieser Musik für ein Scheibenwelt-Hörspiel durchaus, wenn auch nicht restlos überzeugt. Eine schräg erfundene Welt braucht eben auch schräg gespielte Musik. Solange man sich keine Überdosis davon reinzieht.

|Das Booklet|

Das Beiheft ist liebevoll gestaltet und einer solcherart von Liebhabern der Scheibenwelt gestalteten Produktion angemessen. Da findet sich ein Lebenslauf des Autors ebenso wie Hintergrundinfos über die Musik (s. o.), die Gestalter und sämtliche Sprecher. Am schönsten aber sind zwei Elemente: die detaillierte Tracklist für jede einzelne CD, von denen jede einen eigenen Titel trägt, z. B. „Draco nobilis“. Und natürlich die knuddeligen Zeichnungen Josh Kirbys, die allesamt der doppelseitigen Tittelillustration entnommen sind. Auch die Cover der einzelnen CDs wie auch die Einsteckplätze der CDs im Karton sind damit geschmückt.

|Abspann|

Am Schluss der letzten CD werden alle Sprechrollen noch einmal mit Zitaten bzw. Klangproben vorgestellt und ihrem Sprecher oder ihrer Sprecherin zugewiesen. Von der Crew sind lediglich die Techniker und der Regisseur genannt.

_Unterm Strich_

Es hat schon eine Reihe von Scheibenwelt-Hörbüchern gegeben, das erste erschien seinerzeit bei Heyne. „Das Licht der Fantasie“ war – trotz des engagierten Sprechers – so todlangweilig, dass ich es vorzeitig aufgab. Ich wage gar nicht, in die Produktionen neuerer Scheibenweltromane reinzuhören.

|Was Neues in Sachen Discworld-Audio|

„Wachen! Wachen!“ unterscheidet sich von diesen unzulänglichen Ergebnissen jedoch radikal. Meines Wissens handelt es sich hier um das erste deutschsprachige (es mag auch englische geben) Hörspiel zur Discworld überhaupt. Es ist um Lichtjahre unterhaltsamer als jene Lesungen. Es bietet die Action und Dramatik eines herorischen Fantasyfilms mit den ausgebildeten Stimmen und Soundeffekten einer professionellen Bühnenproduktion. Das Einzige, was fehlt, ist die visuelle Darstellung. Die können das Booklet und der Karton der Verpackung nur sehr begrenzt liefern – ist ja klar.

|Finale infernale|

Wer sich auf die einzelne Szene konzentriert, bekommt stets etwas mit auf den Weg, denn jeder Baustein baut auf dem vorherigen auf oder fügt einen Nebenaspekt hinzu. Schlussendlich mündet das komische Drama, das sich „Wachen! Wachen!“ – der Ruf hat jedes Mal je nach Kontext eine andere Bedeutung – nennt, in ein packendes, wenn auch etwas tragikomisches Finale. Dieses kann sich hören lassen. Und beim nächsten Mal freut man sich schon darauf.

|Gute Geldanlage|

Hinsichtlich der Qualität der Produktion würde ich dieses Hörspiel gleich neben die „Taran“-Hörspiele des SWR stellen. Nur habe diese den Nachteil, dass sie mit ca. 110 Minuten wahnsinnig kurz sind. Mit „Wachen! Wachen!“ bekommt der fantasybegeisterte Zuhörer fast dreimal so viel Unterhaltungszeit für sein Geld. Und für Pratchett-Sammler wird dieser Artikel schon in wenigen Jahren eine gute Geldanlage sein.

|Umfang: 321 Minuten auf 5 CDs
Originaltitel: „Guards! Guards!“, 1989
aus dem Englischen übertragen von Andreas Brandhorst 1991|

Mark Brandis – Blindflug zur Schlange (Folge 24)

Unter Weltraumpiraten: Action und Spannung

2133: Mark Brandis ist seit einem halben Jahr außer Dienst, als ihn die Nachricht von der Zerstörung des Patrouillenschiffs unter Grischa Romens Kommando erreicht. Als Zivilist hat Brandis keine Raumfluglizenz mehr. Zusammen mit Pablo Torrente macht er sich inkognito auf den Weg zu den Galapagosinseln. Von dort aus wollen sie versuchen, eine Passage zum Asteroidengürtel zu bekommen – in der Hoffnung, irgendwo in der von Piraten kontrollierten Region den Freund doch noch lebend zu finden … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 12 Jahren.

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Doyle, Arthur Conan / Gruppe, Marc – Sherlock Holmes: Der Fall Milverton / Der Teufelsfuß (Krimi-Klassiker 5)

_Auf Großwildjagd nach Cornwall_

London in den 1880er Jahren: Lady Brackwell steht kurz vor ihrer Hochzeit mit dem Earl of Dovercourt, als sie Opfer einer infamen Erpressung durch Charles Augustus Milverton zu werden droht. Kann es der Meisterdetektiv mit dem Erzschurken aufnehmen?

Im zweiten Fall, „Der Teufelsfuß“, werden Holmes und Dr. Watson mit äußerst mysteriösen Vorgängen in Cornwall konfrontiert, wo Holmes eigentlich in Kur ist. Geht dort wirklich der Teufel um? Pfarrer Roundhay ist überzeugt davon und hat einen Großwildjäger um Beistand gebeten …

_Der Autor_

Sir Arthur Conan Doyle lebte von 1859 bis 1930 und gelangte mit seinen Erzählungen um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu Weltruhm. Dabei begann der Mediziner, der eine eigene Praxis hatte, erst 1882 mit dem Schreiben, um sein Einkommen aufzubessern. Neben mystischen und parapsychologischen Themen griff er 1912 auch die Idee einer verschollenen Region (mit Dinosauriern und Urzeitmenschen) auf, die von der modernen Welt abgeschnitten ist: „The Lost World“ erwies sich als enorm einflussreich und wurde schon 13 Jahre später von einem Trickspezialisten verfilmt. Bereits 1913 ließ Doyle eine Fortsetzung unter dem Titel „The Poison Belt“ (dt. als Im Giftstrom, 1924) folgen.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Sherlock Holmes: Joachim Tennstedt (dt. Stimme von John Malkovich)
Dr. John H. Watson: Detlef Bierstedt (dt. Stimme von George Clooney u. a.)

|In „Der Fall Milverton“:|

Charles Augustus Milverton: Hans-Werner Bussinger (dt. Stimme von Michael Caine)
Madame X (eine Unbekannte): Rita Engelmann (dt. Stimme von Kim Novak)
Inspektor Jones: Christian Rode (dt. Stimme von Sean Connery)

|In „Der Teufelsfuß“:|

Pfarrer Roundhay: Heinz Ostermann
Mortimer Tregennis: David Nathan (dt. Stimme von Johnny Depp, Christian Bale, Leonardo DiCaprio)
Mrs. Porter: Dagmar Altrichter (dt. Stimme von Angela Lansbury)
Dr. Leon Sterndale: Jürg Löw

Die orchestrale Musik stammt von Manuel Rösler, Ko-Produktion, Buch & Regie steuerten Marc Gruppe und Stephan Bosenius bei, Aufnahme und Abmischung erfolgten durch Kazuya @ Bionic Beats.

_Handlung von „Der Fall Milverton“_

Holmes ist angewidert: Charles Augustus Milverton hat sich bei ihm zu Besuch angesagt. Und wer ist diese Person?, möchte der gute Doktor Watson wissen. Der „König der Erpresser“, lautet die erboste Antwort. Milverton kauft Briefe an, die Personen der „feinen Gesellschaft“ kompromittieren. Die Verkäufer sind meist Leute aus deren Haushalt, treulose Dienstboten und dergleichen.

Lady Brackwell steht kurz vor ihrer Hochzeit mit dem Earl of Dovercourt, doch Milverton hat mehrere kompromittierende Briefe der Dame gekauft, die sie in jugendlicher Verliebtheit geschrieben hatte – an einen mittellosen Gutsherrn. Nicht auszudenken, wie peinlich dem Earl die Kenntnis der Briefe wäre, vor allem dann, wenn sie schon bald, wie Milverton droht, in der Zeitung stünden. Der Erpresser fordert von Holmes, der für die Lady vermittelt, schlappe 7000 Pfund Sterling, also ein kleines Vermögen.

Doch Holmes‘ und Watsons Versuch, den Widerling festzuhalten und der Polizei zu übergeben, schlägt leider fehl: Der Kerl ist sogar bewaffnet! Derartigen Affront kann der Meisterdetektiv nicht auf sich sitzen lassen und organisiert einen einfachen aber wirkungsvollen Plan. Er verkleidet sich als agiler Klempner und gewinnt Vertrauen und Zuneigung von Milvertons Hausmädchen. Seine Ankündigung, sich verloben zu wollen, versetzt seinen Freund und Partner in beträchtliches Erstaunen. Kleiner Scherz am Rande, lieber Watson!

Mit den so erhaltenen Informationen kann es Holmes nun ohne größeres Risiko wagen, bei Milverton in Hampstead einzubrechen, dessen Safe zu knacken und die Briefe zu vernichten. Doch Watson will unbedingt mitkommen, um bei dem Coup dabei zu sein. Holmes freut sich schon darauf, in der potenziell auf sie wartenden Gefängniszelle auf so angenehme Gesellschaft hoffen zu dürfen.

Ein nächtliches Abenteuer mit etlichen Überraschungen und einer rasanten Fluchtszene beginnt.

_Handlung von „Der Teufelsfuß“_

Im Frühjahr 1887 fühlt sich Holmes völlig erschöpft und geht auf Anraten seines Arztes und besten Freundes nach Cornwall in Kur. Dort an der Küste soll die Luft ja besonders gut sein. Bei einem ihrer Spaziergänge werden Holmes und Watson von zwei Einheimischen abgefangen: Es sind Pfarrer Roundhay und Mortimer Tregennis, ein Bürger aus der Gegend.

Etwas Furchtbares habe sich ereignet, und ob der berühmte Detektiv wohl so freundlich wäre, bei der Aufklärung des mysteriösen Falles zu helfen? Holmes zögert keine Sekunde und eilt mit den anderen an den Tatort, während diese ihm berichten. Tregennis hat seine Schwester Brenda tot vorgefunden, nachdem er eine Weile hinausgegangen war, und seine Brüder Owen und George haben den Verstand verloren. In der Tat: Als Holmes die verstorbene Brenda ansieht, beschleicht ihn ein leises Grauen. Sie starrt entsetzt drein, als habe sie den Leibhaftigen erblickt.

Holmes analysiert messerscharf den Tatort – eine ungewöhnlich stickige Luft, die die Haushälterin fast das Bewusstsein verlieren ließ – und ein mögliches Motiv: Es gab Streit unter den vier Geschwistern. Doch warum überlebte Mortimer als einziger, und worin besteht die Tötungsmethode?

Die Lage wird komplizierter, als am nächsten Tag Leon Sterndale auftaucht, herbeigerufen vom Pfarrer, seinem guten Freund. Er habe sogar seine Abreise nach Afrika verschoben. Er wollte auf den dunklen Kontinent fahren, um auf Großwildjagd zu gehen. Holmes ist erstaunt, als sich Sterndale nach dem Stand seiner Ermittlungen erkundigt, doch Sterndales Angaben stellen sich alle als korrekt heraus. Dennoch traut ihm Holmes nicht hundertprozentig.

Dass Holmes nichts herausfindet, hat tragische Folgen: Mortimer Tregennis wird tags darauf tot aufgefunden. Wieder fällt Holmes die ungewöhnlich stickige Luft am Tatort auf. Vom Schirm der Lampe kratzt er ein wenig schwarze Substanz ab und verwendet sie, um ein Experiment auszuführen.

Er ahnt nicht, wie verheerend die Folgen dieses Selbstversuchs für ihn und Dr. Watson sind …

_Mein Eindruck_

Die beiden Episoden unterscheiden sich in ihren Erzählmitteln, der Thematik, dem Schauplatz und der verwendeten Ermittlungsmethode.

|“Der Fall Milverton“| präsentiert uns einen staatstragenden Meisterdetektiv (er schützt die Ehre einer Adligen in spe), der sich dennoch nicht scheut, in die Rolle eines einfachen Arbeiters zu schlüpfen, um den Bediensteten des verfolgten Schurken Informationen zu entlocken.

Am Tatort seines nächtlichen Einbruchs wird er sodann richtig kriminell aktiv, muss sich verstecken und wird unwillentlich Zeuge noch weitaus kriminellerer Machenschaften. An Action besteht hier kein Mangel, und mich erfreute vor allem der ironische Humor, den der Autor an den Tag legt.

Das Sahnehäubchen bildet praktisch der abschließende Besuch eines verzweifelten Inspektor Jones‘, der zwei Einbrecher sucht, die in Hampstead einen gewissen Milverton umgebracht haben sollen. Da ist er natürlich bei Holmes genau an der richtigen Adresse – aber anders, als er denkt. Er gibt sogar eine akkurate Beschreibung eines der Gesuchten, die auf Watson passt – und der kommt doch glatt ins Schwitzen!

|“Der Teufelsfuß“| befleißigt sich ganz anderer Methoden und Umstände. Zum einen befinden sich Holmes und Watson weit weg von der Großstadt, und die Beziehungen zwischen ihren zeitweiligen Nachbarn sind leicht durchschaubar. Das Leben verläuft hier meist in geregelten Bahnen, und so erregen der zweifache Mord und der Wahnsinn der zwei Brüder im Hause Tregennis enormes Aufsehen. Trotz aller Beobachtungen usw. kommt Holmes jedoch nicht weiter – bis zum zweiten Mord.

Dass Holmes zunächst keine Ermittlungsergebnisse erlangt, mag ihn dazu verleiten, nach diesem Mord den verhängnisvollen Selbstversuch mit der unbekannten Substanz aus dem Lampenschirm zu unternehmen. Diesmal übernimmt also die Chemie die Rolle, die in der anderen Story dem Einbrechen & Safeknacken zugefallen ist: Sie fördert die Wahrheit ans Licht, jedoch, wie es fast immer der Fall ist, um einen hohen Preis. Erst dann klärt sich der Begriff auf, der der Geschichte ihren Titel verleiht. Wer genau zuhört, wird bemerken, dass laufend von Teufelswerk und teuflischen Dingen die Rede ist, es aber in Wahrheit um einen Menschen geht, der sich wie ein Teufel verhält – und hiervon geht die Spannung aus: Was brachte jemanden dazu, die wunderschöne Brenda Tregennis auf so grauenerregende Weise zu töten?

Ich fand diese Episode beim ersten Anhören weniger prickelnd als die erste, und dass nicht nur Geld, sondern auch eine tragische Liebesbeziehung eine Rolle spielt, hätte ich mir fast denken können. Interessant ist jedoch die Verwendung von zwei Rückblenden, um die Motive des Täters darzulegen. Erst diese Rückblenden steigern die Spannung und führen im eigentlichen Sinne zu einem grauenhaften Höhepunkt: Mortimers Ermordung.

Bei beiden Episoden fällt auf, dass Holmes seine ganz individuelle Auffassung von Gerechtigkeit und Bestrafung hat. Er (ver)urteilt nie nach dem Buchstaben des Gesetzes, sondern folgt seinem „Herzen“, also seinem persönlichen moralischen Empfinden. Das ist recht bemerkenswert bei einem Mann, der sich kühler Logik rühmt.

_Die Inszenierung_

Mir hat, wie gesagt, „Der Fall Milverton“ hervorragend gefallen. Der Konflikt, die Gegenmaßnahmen, die Lösung des „Falles“ – alles ist so einfach, doch elegant inszeniert, dass ich dachte, einer Art Actionkomödie zuzuhören. Dabei kommt es jedoch nie zu Klamauk, wie man das vielleicht von Edgar-Wallace-Filmen aus den Sechzigern kennt.

Nur an einer Stelle fragte ich mich, ob es nicht unplausibel ist, wenn Holmes und Watson sich laut flüsternd unterhalten, während sie sich hinter einem Vorhang vor dem Objekt ihrer Neugier, nämlich Milverton, verstecken. Das erinnerte mich an die guten alten Karl-May-Hörspielplatten (antikes Vinyl!) wie etwa „Der Schatz im Silbersee“. Darin quasseln die heldenhaften Trapper (Sam Hawkins, Hobble-Frank und Tante Droll usw.) und Indianer selbst dann noch wie die Weltmeister, wenn sie sich gerade an den jeweiligen Gegner heranschleichen.

Über die Stimme des „Sean Connery“ – Christian Rode – wunderte ich mich ebenfalls. Sie klingt hier überhaupt nicht nach dem alten distinguierten Gentleman, als den man Connery in den letzten Jahren gesehen hat, und noch nicht einmal nach dem jungen Connery der frühen Bond-Filme.

In „Der Teufelsfuß“ bestehen keinerlei in akustischer Hinsicht heiklen Situationen, wohl aber eine hohe Gefährdung von Leib und Leben für Holmes und Watson. Wie das ausgeht, soll hier nicht verraten werden. Die Szenen spielen sich meist in Innenräumen ab. Vermittelt „Milverton“ den Eindruck einer Actionkomödie, so erscheint mir „Teufelsfuß“ eher wie ein kleines Drama, das sich über lange Zeit hin entwickelt hat und nun, in Holmes‘ Beisein, seinen tragischen Höhepunkt findet. Entsprechend ernst ist der Ausdruck der Darstellung auf allen Seiten. Dies ist der Punkt, an dem Jürg Löw als Dr. Leon Sterndale glänzt.

Auch dem Zyniker Holmes vergeht der Humor ziemlich schnell. Gäbe es irgendeine Art von Humor, so klänge er wohl wie das wahnsinnige Gelächter der beiden Brüder Brenda Tregennis‘. Die fahren johlend und kichernd in einer Kutsche an Holmes und Watson vorbei, schon auf dem Weg in die Irrenanstalt.

|Musik und Geräusche|

Schüsse fallen! Oh ja, doch bekanntlich gibt es Schüsse und Schüsse, genauso wie Revolver, Gewehre und Pistolen. Allerdings sind wir hier nicht bei Sergio Leone und reiten nicht durch die Prärie bei Flagstone in „Spiel mir das Lied vom Tod“. Demzufolge sind in Londoner Interieurs geradezu zivilisiert klingende Pistolenschüsse zu erwarten. Das ist auch der Fall, allerdings kommen sie wohl eher aus einer Pistole mit Platzpatronen als aus einer echten 9mm Beretta. Jedenfalls kommen Aficcionados von dreidimensionalen Soundwundern hier kaum auf ihre Kosten.

Brave Hausmannskost stellen die zahlreichen kleinen Hintergrundgeräusche dar: Türen quietschen, die hölzernen Bodendielen knarren, Teetassen klirren und hin und wieder zündet Holmes das Streichholz für eine neue Pfeife an (ein erstaunlich cooler Sound). Möwengekreisch und Meeresrauschen empfangen uns in Cornwall, aber auch auffallend viele Singvögel. Doch wie schade, dass man giftige Dämpfe nicht soundtechnisch darstellen kann.

Das ist vielmehr Aufgabe der Musik – und beileibe keine einfache. Der Verlauf des riskanten Selbstversuchs, den Holmes und Watson unternehmen, fordert den Einfallsreichtum eines Komponisten, gilt es doch unsichtbare Dinge wie Ängste und Wahnvorstellungen zu vermitteln, ja, sogar Todesangst. Manuel Rösler setzt als Einleitung zunächst Streicher ein, doch sobald die Albträume beginnen, werden sie durch elektronisch erzeugte Töne in sehr tiefer Lage abgelöst. Das Ergebnis kann sich hören lassen, und nur wer eiskalt ist, wird nicht davon berührt werden.

Dieser Moment wird übrigens später in der zweiten Rückblende wiederholt, und so ist der Hörer in der Lage, sich den Horror vorzustellen, den Mortimer in den letzten Augenblicken seines Lebens erlebt haben muss. Da sind die Schreie kaum nötig, die sich seiner Kehle entringen. David Nathan macht das recht realistisch, ohne jedoch zu übertreiben.

_Unterm Strich_

Mutet „Der Fall Milverton“ wie eine humorvoll inszenierte Actionkomödie an, so haben wir es bei „Der Teufelsfuß“ quasi mit einem kleinen Drama zu tun – alles Weitere siehe oben. Wieder einmal treffen Welten aufeinander: In „Milverton“ sind es die feine Gesellschaft und ihre weniger feinen Bediensteten sowie deren krimineller Nutznießer. In „Teufelsfuß“ muss sich Holmes mit einem Tötungsmittel aus exotischen Gefilden herumschlagen, ähnlich wie schon in „Das gefleckte Band“. Merke: je ausgefallener das Mordinstrument, desto kniffliger der Fall – und umso größer Holmes‘ Ruhm nach dessen Lösung. „Teufelsfuß“ bietet auch zwei echte Horrormomente (siehe oben).

Wer Gefahr läuft, auf der Jagd nach neuen Sherlock-Storys zu verhungern, kann gerne zu diesen wenig bekannten Erzählungen greifen. Der wahre Holmes ist das noch nicht, sondern eher ein – oder besser gesagt: zwei – Appetithäppchen. Dennoch kann das Hörbuch Vergnügen bereiten, wenn man sich auf einer kurzen Fahrt von 75 Minuten Dauer befindet.

Für den bescheidenen Preis von acht Euronen erhält man immerhin keinen Aufguss einer uralten Radiosendung von anno dunnemals, sondern neue Hörspiele mit aktuellen Sprechern, die etwas von ihrem Handwerk verstehen. Und selbst Zwölfjährige sollten den Text ohne Mühe verstehen und begreifen können. Schließlich stellt Watson stets die richtigen Fragen …

|75 Minuten auf 1 CD
Empfohlen ab 12 Jahren|

Taylor, Stephen B. / Lueg, Lars Peter – Gruselmärchen mit Alptraumgarantie

_Der wahre Horror der Brüder Grimm_

Sechs „Gruselmärchen“ trägt der junge Schriftsteller seinem Gastgeber vor, und sie erzählen von den Entbehrungen, denen unsere Vorfahren in Zeiten des Hungers, der Armut und des Krieges ausgesetzt waren. Hier treten auf: Engel, Teufel, Ungetüme, Menschenfresser, Untote und – wie könnte es anders sein? – der TOD.

_Die Autoren_

Als Autoren führt das Booklet lediglich Stephen B. Taylor und Lars Peter Lueg auf. Doch werden wenigstens die Brüder Grimm als Inspirationsquelle genannt. Aber das erweist sich als trügerisch, denn die beiden Brüder, die die bekannten „Kinder- und Hausmärchen“ im Jahr 1812 veröffentlichten, griffen ja ihrerseits auf die mündliche Überlieferung zurück, die sie auf ihrer Suche nach „unverfälscht deutschem“ Märchen- und Sagengut sammelten. Und diese Erzähler sind in den seltensten Fällen festzustellen.

_Der Sprecher_: Stéphane Bittoun; den „Gastgeber“ spricht der bekannte Hörbuchproduzent Lars Peter Lueg. Die Musik steuerte die Band Mountain Birds bei. Ein Booklet enthält einen kleinen Einführungstext sowie diverse Kinderzeichnungen mit gruseligen Motiven (siehe auch das Titelbild). Die Gesamtspielzeit der zwei CDs beträgt immerhin 131:52 Minuten, also über zwei Stunden.

_Die Rahmenhandlung_

Ein junger Schriftsteller bleibt eines Nachts während eines Unwetters mit dem Auto liegen. Er findet Zuflucht in dem Haus eines netten kultivierten Mannes, der in dieser Gewitternacht keinen Schlaf finden kann. Aus Dankbarkeit für das warme (und trockene) Plätzchen am Kamin liest ihm der junge Autor aus seinem neuesten Manuskript vor. Die Märchen, die er darin zusammengetragen hat, hörte noch nie ein Mensch zuvor. Doch ahnt der junge Autor nicht, wer sein Gastgeber in Wahrheit ist …

_Die „Gruselmärchen“_

|Eine Nacht auf dem See|

Der alte Fischer fährt um Mitternacht noch einmal auf den See hinaus. Nach einer Weile fällt ihm auf, dass es vollkommen still ist. Er staunt nicht schlecht, als mehrere große Fische in sein Boot hüpfen, als flöhen sie in Panik vor etwas. Bekanntlich ist Schrecken ansteckend, und so rudert der Fischer flugs zurück zum Ufer. Keinen Augenblick zu spät, denn hinter sich kann er im Mondlicht einen monströsen Schatten erkennen, der ihm folgt.

An einem Nagel verletzt er sich, doch stolpernd kann er sich zur nahen Fischerhütte retten. Im Schein der Laterne erblickt er ein Ungetüm, das sich über den Blutfleck auf dem Gras beugt und den Lebenssaft aufleckt. Sofort verriegelt der Fischer Tür und Fensterläden, doch zu spät – das Ungetüm hat ihn erspäht und rüttelt schon bald mit Macht an den Barrieren. Er flieht aus dem anderen Fenster und in den nahen Wald.

Während seine Hütte niederbrennt – die Laterne setzte mit ihrem Öl das Holz in Brand – gerät er auf die Landstraße, wo er das Licht eines Fuhrgespanns erblickt. Dass der Bauer mit seinen Ochsen noch so spät unterwegs ist, stört unseren Fischer nicht, denn er ist froh, den „Wegelagerern“, wie behauptet, entronnen zu sein. Der Fuhrmann fragt ihn nur, ob er vielleicht seinen Bruder gesehen habe, denn ihrer beider Mutter mache sich allmählich Sorgen um dessen Verbleib.

Da stoppt der Fuhrmann sein Gespann, denn auf der Straße vor ihnen liegt ein Mann am Boden. Als unser Fischer den Zustand der Leiche erkennt, kommen ihm erste Zweifel, ob dieses nächtliche Abenteuer für ihn gut ausgehen wird …

|Der Trank|

Eine Prinzessin im heiratsfähigen Alter, die von der perfekten Liebe träumt, hat schon viele Freier abgewiesen. Sie hauen meist sogar freiwillig ab, denn die Bedingung, die sie stellt, ist abschreckend: Der Ehemann soll ihr im Falle ihres Todes in die Gruft folgen. Das hält einen Prinz nicht ab, um sie zu freien, und so wird schon bald Hochzeit gefeiert.

Der Prinz ist jedoch nicht dumm und besorgt sich bei einem Alchemisten in der Stadt ein Elixier, mit dem sich Tote wiedererwecken lassen. Der Haken bei der Sache: Das Elixier fördert das wahre Wesen des Toten zutage. Doch Jahre vergehen, ohne dass sich der Prinz darum zu sorgen braucht. Als aber die Pprinzessin einer Krankheit zum Opfer fällt, wird auch der Prinz mit ihr in eine vorbereitete Zelle im Weinkeller eingemauert.

Der weise König hat zwei Wachen davor aufstellen lassen. Ihnen fällt fast die Lanze aus der Hand, als sie einen Tag und eine Nacht später lautes Rufen und Klopfen aus der Gruft vernehmen. Sie befreien Prinz und Prinzessin, welche wundersamerweise immer noch – oder schon wieder ? – quicklebendig sind. Darüber ist der König zunächst sehr froh, doch seine Freude verwandelt sich in Entsetzen, als er einen Tag später mit dem Prinzen ins Gemach seiner Tochter tritt: Der Mönch, der der Genesenden Beistand leistete, liegt zerfleischt in seinem Blut, doch von der Tochter findet sich keine Spur.

Wochen später kommen dem Prinzen die ersten Berichte zu Ohren, dass eine Hexe im Wald Kinder hole und sie fresse. Seine schlimmsten Befürchtungen sollen sich bestätigen …

|Gevatter Tod|

Ein armer Mann ist mit einem wahren Kinderreichtum gesegnet: Zwölf Kinder hat ihm sein Weib schon geboren, doch er hat seinen Job verloren und der Winter steht vor der Tür. Wie soll er die Brut nur ernähren? Die Geburt eines dreizehnten Kindes, eines Sohnes, lässt ihn vom Glauben an Gott abfallen, und Wochen später raubt er das Kindchen heimlich aus der Wiege und bringt es zum alten Friedhof, der schon längst aufgegeben worden ist.

Gerade als er dem Söhnchen, das ihn beständig anschaut, den Dolch auf die Brust setzt, meint er eine Stimme zu hören, die ihm Einhalt gebietet. Doch er vertreibt den Engel des Herrn, der um die Seele des Kleinen bittet. Als eine weitere Stimme von weitaus finsterer Natur um das Kind bittet, weiß der gute Mann auch den Versucher aus der Hölle zu vertreiben. Allerdings hat er vor Schreck seinen Dolch fallen lassen, der sein Kind im Gesicht verletzt hat. Sofort blutet die Wunde heftig.

Da ertönt eine dritte Stimme, und ihrem Klang kann sich der Mann nicht verschließen. Er blickt in das Gesicht des Wesens, das von einer Kapuze nur halb verdeckt ist: Es ist ein junger Mann, allerdings mit einer Narbe im Gesicht. Da willigt der Vater ein, dem TOD seinen Sohn zu überlassen, welcher ihn mit Vergessen seiner Tat besänftigt. Nur in unruhigen Träumen ahnt er, dass er seine eigene Nemesis geschaffen hat …

|Frisches Fleisch|

Es war einmal ein fahrender Händler, der neben Töpfen und Pfannen auch diverse Giftstoffe unters Volk zu bringen wusste. Es ist tiefer Winter, als er sein Fuhrwerk durch den Wald lenkt. Der Pfeil eines Wegelagerers tötet sein Pferd und ein weiterer verwundet den Händler, der unter seinem Pferd begraben wird, so dass eine Flucht unmöglich ist …

Wenig später taucht der Wegelagerer in der Verkleidung als wohlhabender Händler auf einem Bauernhof auf. Die tüchtige Bauerstochter namens Maria begrüßt den Neuankömmling freundlich und bittet ihn ins Haus. Dort macht er sich mit Klatsch aus der Stadt beliebt, doch er kann den Stallknecht nicht täuschen, der sein Gesicht noch aus der Dorfschenke kennt. Als der Knecht ihn heimlich zu erpressen versucht, wird er Opfer eines unglücklichen Sturzes von der Treppe.

Nach dem Begräbnis des armen Knechtes wundert sich der Wegelagerer beim Leichenschmaus, wie es diese armen Bauern geschafft haben, in so kurzer Zeit so viel Fleisch aufzutischen. Vorsichtshalber schaut er im Sarg nach, der ihm eh schon auffallend leicht vorkam. Tatsächlich ist die letzte Ruhestätte leer, und ein schrecklicher Verdacht beschleicht den Wegelagerer. Doch für eine Flucht ist es bereits zu spät.

|Bruder Lukas|

Lukas ging zu den Soldaten, um seinem Landesfürsten zu dienen, wunder was träumend, wie tapfer er sich gegen den Feind schlagen würde. In der ersten Schlacht starrt er entsetzt auf das Gemetzel, das unter seinen Kameraden angerichtet wird. Er fleht zu Gott, dass dieser Irrsinn enden möge, und anscheinend wird sein Gebet erhört: Obwohl die Pfeile dicht fallen wie Hagel, verfehlen sie ihn doch allesamt, und er kann unversehrt vom Schlachtfeld taumeln. Der Anblick eines Ritters in schwarzer Rüstung jagt ihm Grauen ein.

In einer niedergebrannten Hütte an einem See findet Lukas endlich Rast und Ruhe. Am nächsten Morgen taucht ein Junge auf, dem er erzählt, er wolle Prediger bei den Dominikanern werden, war doch sein Gebet auf wundersame Weise erhört worden. Vielleicht könnte er unter den Menschen noch viel Gutes tun. Als der schwarze Ritter erscheint, bringt die Furcht Lukas dazu, ihn fortzuschicken.

Doch weder der Ritter noch Lukas‘ Zustand erweisen sich als das, was sie zu sein scheinen. Er zeigt sich als Engel des Herrn und behauptet, Lukas sei bereits tot. Was für ein Unsinn, denkt Lukas. Doch da vernimmt er eine Grauen erregende Stimme hinter sich: „Nun gehörst du mir!“

|Furcht|

Diesmal berichtet der Autor eines Tagebuchs, wie er als Halbwaise zufrieden auf einem Bauernhof aufwuchs, bis er in einer nebligen Herbstnacht eine Stimme vernahm: „Ich fürchte nichts.“ Die Stimme behauptet, seinem unbekannten Bruder zu gehören. Er sei unter dem Holzstapel an der Scheune von seinem Vater eingesperrt worden. Ob sein Bruder wohl bitte die Tür öffnen könne? So blöd ist sein Bruder denn doch nicht, sondern öffnet nur eine enge Luftklappe. In dem Schacht dahinter sind zwei „brennende Augen“ zu erkennen. Ihn schaudert es.

Durch seine Unvorsichtigkeit konnte der Insasse des Verlieses jedoch den Holzstapel umkippen und entkommen. In dem bestialisch stinkenden Verlies findet unser Berichterstatter nicht weniger als sechs Leichen. Sie tragen allesamt einen Strick um den Hals: Gehängte!

Als er aus dem Verlies emporkriecht, ist es auf dem Bauernhof auffallend still. Wo ist sein Vater, damit er ihn vor seinem Bruder warnen kann? Denn dieser würde doch sicher Rache an seinem Vater üben wollen, oder? In der Schlachtkammer erkennt er, dass sein Bruder bereits zugeschlagen hat. Er ahnt noch nichts vom traurigen Schicksal, dass sein Bruder für ihn selbst bereithält …

_Mein Eindruck_

Wer dachte, er hätte schon alles gelesen, was die Brüder Grimm Anfang des 19. Jahrhundert gesammelt haben, wird eines Besseren belehrt, wenn er die vorliegenden „Grüselmärchen“ zu hören bekommt. Diesmal winkt dem Fischer jedoch nich nicht das Glück eines fetten Fangs mit drei freien Wünschen („Der Fischer un sine Fru“), sondern die Entdeckung einer ganzen Familie von „Ungetümen“ erweist sich als Ursache seines vorzeitigen Ablebens. Anklänge an die Ungeheuer im „Beowulf“-Epos sind unverkennbar, doch weit und breit ist hier kein Recke zu entdecken, der Grendel und seine Mutter erschlägt.

Ebenso schwarzen Humor legt auch die Geschichte um das wundersame Elixier an den Tag. Klingt die Handlung zunächst ähnlich wie das letzte Drittel von Shakespeares „Romeo und Julia“, in dem ja ein Scheintod künstlich herbeigeführt wird, so schlägt die Angelegenheit nach Wiedererweckung der Lady definitiv in finsterste Gefilde der Horror-Fantasy um: Oh ja, von menschenfressenden Hexen, die im Wald unschuldigen Kindern auflauern, meinen wir schon etwas gehört zu haben („Hänsel und Gretel“). Aber noch nie in so brutaler Eindeutigkeit. Und was noch schlimmer ist: Es gibt offenbar kein Ende des Schreckens, denn der Held versagt.

Dass kein gottgegebenes Schicksal ist, sondern vielmehr ein „Geschenk“ des Teufels sein kann, belegt die Geschichte „Gevatter Tod“. Diese Titelfigur mag ja auch gern in GROSSBUCHSTABEN sprechen, bloß hört man das relativ schlecht. Ungewöhnlich ist vielmehr das Konzept, dass jeder Mensch seinen „persönlichen Tod“ hat und – unter gewissen Bedingungen – sogar dessen Gesicht sehen kann. Und dieser Tod hat auch keinen trockenen Humor wie Pratchetts Sensenmann, sondern bietet sogar seine Hilfe an, wo Engel und Dämonen abgewiesen werden. Neu ist mir auch, dass der Tod Vergessen spenden kann (was keineswegs abwegig erscheint).

Da aber das hier ausnahmsweise einmal das genretypische Prinzip gilt, dass keine Untat unbestraft bleiben soll, muss selbst der bedauernswerte arme Mann büßen. Als der verlorene 13. Sohn zurückkehrt, artet seine Rachemaßnahme jedoch in ein Grand-Guignol-Theaterstück von makabrem Geschmack aus – als wär’s ein Stück von Clive Barker (der Grand Guignol als eine seiner Inspirationen nennt). Die Pointe kann man sich fast denken, kommt dann aber doch wie ein Tiefschlag. So viel Unglück auf einmal – darf das sein?

Dass der Tunichtgut seine gerechte Strafe erhält, indem er unter die Kannibalen gerät, ist ja – im Vergleich dazu – schon fast wieder eine aufbauende moralische Botschaft. Stephen King und Clive Barker lassen grüßen: Der Körper ist letzten Endes der soziale Kriegsschauplatz, den das Verbrechen hervorruft.

„Bruder Lukas“ bedient sich des gleichen erzählerischen „conceits“ wie der bekannte Gruselschocker „The Others“. Das Leben der Toten unterscheidet sich im Grunde keineswegs von dem der Lebenden, nur sind seine grundlegenden Bedingungen ein klein wenig anders. Doch unser Dominikanermönchlein in spe hat leider ein kleinen fatalen Fehler: Er hat sein Gottvertrauen doch ein ganz klein wenig eingebüßt und verkennt die Gestalt des schwarzen Ritters. Für ihn ist dieser nicht etwa ein Sendbotte Gottes, sondern einer aus der Hölle. Schwärzeste Ironie ist es daher, dass er durch seinen Irrtum eben dieser Hölle anheimfällt.

Die letzte Geschichte ist offensicht die ehrgeizigste und folglich auch die längste der Sammlung. Dennoch – oder deshalb? – hatte ich meine Mühe damit. Die erste Hälfte spielt, wie oben skizziert, auf dem Bauernhof des Erzählers, eines jungen Burschen. Für die vermeintliche Ermordung seines Vaters wird er (evtl. durch Anschwärzen herbeigeführt) verhaftet und in den Kerker geworfen.

Nein, falsch, dies ist nicht der Kerker, wie er erwartet hat, sondern seltsamerweise das Irrenhaus. Doch die Situation ähnelt sehr jener, in der sich sein Bruder im Verlies befand, als er unfreiwillig sechs Gehängten Gesellschaft leisten durfte. Nach einem halben Jahr im Irrenhaus-Verlies versteht unser Berichterstatter endlich, warum sein Bruder keine Furcht kannte, wie er behauptete: Furchtlosigkeit sieht genauso aus und fühlt sich wohl genauso an wie ein anderer Geisteszustand: Wahnsinn …

Die Spiegelstruktur der Story ist nicht auf Anhieb zu entdecken, sondern erst nach zwei- oder dreimaligem Anhören. Es fällt auf, dass der Schluss nur scheinbar offen ist, sondern aufgrund der reflexiven Umkehrung lediglich der Beginn eines weiteren Zyklus von Vergeltung unter Brüdern. Diese kreisförmige Struktur ist bereits bei „Gevatter Tod“ zu beobachten. Merke: Richtig schlimmes Unglück wie etwa Armut oder Wahnsinn haben keine Ende, sondern besteht in nicht beendbaren Schrecken, deren Kreislauf stets erneut Opfer fordert.

Den Schluss der Rahmenhandlung kann ich nicht kommentieren, ohne die Pointe zu verraten und lasse es daher lieber bleiben. Aber man geht sicher nicht fehl in der Annahme, dass es mit unserem jungen hoffnungsvollen Schriftsteller, aus dessen Feder all diese Geschichten flossen, kein gutes Ende nehmen wird. Fehlt eigentlich nur, dass sein Gastgeber eine Augenklappe und einen schwarzen Umhang trägt.

|Die Sprecher|

Den Erzähler Stéphane Bittoun kenne ich zwar nicht, aber an seinem Vortrag gibt es nichts auszusetzen. An Stellen, an denen diese Stilmittel angebracht sind, bedient er sich einer (künstlich?) tiefen Stimme, dann auch wiederum einer derangierten, „durchgeknallten“ Stimme, schließlich eines unheimlichen Flüsterns. Bittouns Kollege Lars Peter Lueg erweist sich als weit weniger sprachgewandt, und es scheint mir eine gute Sache zu sein, dass er sich zurückhält. Sein Part in der Rahmenhandlung ist auf wenige Sätze begrenzt.

Hin und wieder erklingt am Ende einer Story Babygeschrei oder ein hämisches Kichern (wie von einer Hexe), dann auch wieder Schreie. Obwohl es sich um Stimmen handelt, so stammen sie doch nicht vom Sprecher, sondern kommen vom Band. Sie sind eher der Kategorie „Soundeffekte“ zuzuordnen.

|Geräusche und Musik|

Es handelt sich nicht um ein Hörspiel, jedenfalls nicht im landläufigen Sinne, sondern um eine inszenierte Lesung. Dies ist am besten an der Rahmenhandlung festzustellen: Donnergrollen deutet ein Gewitter an, eine tickende Uhr macht sich durchweg im Hintergrund ebenso bemerkbar wie ein leise knisterndes Kaminfeuer.

In den Storys selbst wird weitgehend auf solche dekorativen Geräusche verzichtet, denn sie würden mit der Musik interferieren, die das hauptsächliche Mittel darstellt, um die Emotionen des Hörers zu stimulieren und zu steuern. Wenn’s richtig unheimlich werden soll, geht eben nichts über einen tief rumpelnden Bass. Die Instrumentierung ist nicht klassisch, verzichtet also weitgehend auf Streicher und Bläser, sondern ist modern, setzt also die Keyboards mit entsprechenden Effekten ein.

_Unterm Strich_

So hat man sich die Grimmschen Haus- und Kindermärchen sicher noch nicht vorgestellt. Engel, Teufel, Ungetüme, Menschenfresser, Untote, Wahnsinnige, Gehängte, Hexen und obendrein der Tod himself feiern ein schwarzhumoriges Stelldichein in diesen sieben Storys plus einer Rahmenhandlung von ähnlich makabrer Qualität. Durchweg ist jedoch ein relativ hohes Niveau im überraschungsreichen Verlauf der Story wie auch in den auftretenden Kalamitäten für die Opfer der diversen Schrecken festzustellen.

Obwohl die Figuren märchentypisch überhaupt nicht charakterisiert werden (allenfalls Bruder Lukas ein wenig), kann sich der Gruselfreund dennoch an den Schrecken (= terror) erfreuen, die nicht nur in der Story selbst auftauchen, sondern allzuoft auch am Grauen (= horror) nach deren Ende. Hier hat jemand den Unterschied zwischen terror und horror kapiert und dementsprechend erzählt.

Die Inszenierung verrät keinen allzu hohen Aufwand seitens der Produktion: Samples wie Donnern, Babygeschrei oder Kichern kommen wohl vom Band, und auch die Musik ist nicht die einfallsreichste. Aber dies macht der Sprecher Stéphane Bittoun wieder durch seinen genau auf den Inhalt abgestimmten Vortrag wett. Dafür, dass es sich um Lars Peter Luegs „Erstlingswerk“ handelt, ist das Hörbuch doch eine gelungene Sache, die sich der Gruselfreund mal zu Gemüte führen sollte. Nicht nur aufgrund der Grimmschen Quellen.

http://www.lpl.de

M. R. James – Das unheimliche Puppenhaus (Gruselkabinett Folge 145)

Mordzeugen wider Willen

Als Mr. Dillet, ein Sammler von Antiquitäten, im Gebraucht-Waren-Laden des Ehepaars Chittenden ein viktorianisches Puppenhaus entdeckt, ist er sich sicher, dass er es haben muss. Er ahnt nicht, dass es nun mit dem Nachtschlaf für ihn und seine Frau erst einmal aus und vorbei sein wird und die Chittendens im Grunde froh sind, das unheimliche Puppenhaus losgeworden zu sein… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt sein Hörspiel ab 14 Jahren.
M. R. James – Das unheimliche Puppenhaus (Gruselkabinett Folge 145) weiterlesen

Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – Lebendig begraben (POE #8)

„Lebendig begraben“ ist der achte Teil der Edgar-Allan-Poe-Reihe von |LübbeAudio|, die unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör bringt.

Ulrich Pleitgen hat auch an den ersten vier Hörbüchern der Serie mitgewirkt:

– [Die Grube und das Pendel]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=744
– [Die schwarze Katze]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=755
– [Der Untergang des Hauses Usher]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=761
– [Die Maske des Roten Todes]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=773

Die vier neuen Folgen der POE-Reihe sind:

#5: [Sturz in den Mahlstrom]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=860
#6: [Der Goldkäfer]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=867
#7: [Die Morde in der Rue Morgue]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=870
#8: Lebendig begraben

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan der Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten. Seine Literaturtheorie nahm den New Criticism vorweg.

Er stellt meines Erachtens eine Brücke zwischen dem 18. Jahrhundert und den englischen Romantikern (sowie E.T.A. Hoffmann) und einer neuen Rolle von Prosa und Lyrik dar, wobei besonders seine Theorie der Shortstory („unity of effect“) immensen Einfluss auf Autoren in Amerika, Großbritannien und Frankreich hatte. Ohne ihn sind Autoren wie Hawthorne, Twain, H. P. Lovecraft, H. G. Wells und Jules Verne, ja sogar Stephen King und Co. schwer vorstellbar. Insofern hat er den Kurs der Literaturentwicklung des Abendlands maßgeblich verändert.

_Der Sprecher_

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und verschiedene weitere Figuren.

_Die Sprecherin_

Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem Bambi und der Goldenen Kamera ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und andere Figuren.

_Vorgeschichte_

Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile wieder entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?

Schon sieben Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Albträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe von Albträumen – über „Die Morde in der Rue Morgue“ – nicht verschont.

_Handlung_

Zehn Tage sind seit der Ankunft in New Orleans vergangen. Leonie Goron und „Edgar Allan Poe“ logieren noch in ihrer kleinen Pension. Leonie wird hier immer noch wegen ihrer Verpflichtung in der Stadt festgehalten, den Sarg ihrer Freundin Lucy Monahan, den sie mitgebracht haben, der Familie zurückzugeben. Das ist schon klar. Aber dies gilt nicht für Mr. Poe. Sein Grund zu bleiben ist Leonie selbst: Er hat sich in sie verliebt.

Wieder einmal sind sie zusammen zum Hafenkontor gegangen, um sich zu erkundigen, ob jemand nach dem Sarg gefragt habe. Wieder einmal haben sie eine negative Auskunft erhalten. Auch der Adressat „Tempelten“ habe sich nicht gemeldet. Möglicherweise habe er noch nicht vom Untergang der „Demeter 2“ erfahren, die den Sarg über den Atlantik transportieren sollte. Es gibt noch keine Transatlantikkabel für Telegramme, geschweige denn fürs Telefon.

Wie erstaunt sind Leonie und Poe, als sie vor dem Hafenkontor auf Poes Psychiater Dr. Templeton stoßen! Poe glaubte ihn noch immer oben an der nördlichen Ostküste – und nun ist er hier im tiefsten Süden, den die Vereinigten Staaten den Franzosen 1805 abgekauft haben (zusammen mit dem ganzen Mittelwesten, ein riesiges Territorium, das die Franzosen „Louisiana“ nannten).

Templeton hat hier in der Nähe ein Landhaus, auf das er sie einlädt. Im Café erkundigt sich der Doktor nach Poes Träumen. Diese betrachtet er als eine Art Schlüssel zu Poes Erinnerung an seine wahre Identität. Poe erwähnt den Sarg als Grund ihres Bleibens, erwähnt aber auch die diversen Mordanschläge, verschweigt aber die letzten Worte des sterbenden Israel Hands von der „Independence“. Leonie erwähnt einen Mr. Tempelten als Adressaten des Sarges – ob es sich wohl um Dr. Templeton handeln könnte? Der Doktor verspricht, in seinem Familienarchiv nachzusehen, ob sein Familienname jemals so geschrieben wurde. Ob sie nicht mitkommen wollten?

Gesagt, getan. Mit Neugier bemerkt Poe, der gegenüber Templeton sowohl misstrauisch als auch eifersüchtig geworden ist, dass auf dessen Kutschenladefläche eine große, längliche Kiste transportiert wird. Ob darin wohl ein Sarg Platz finden könnte? Ohne Zweifel.

Das ausgedehnte Anwesen Dr. Templetons unterscheidet sich drastisch vom französisch-legeren Stil Louisianas. Das Herrenhaus ähnelt eher einer englischen Burg im gotischen Stil à la „Haus Usher“, inklusive Teich, und im Garten steht ein Mausoleum inklusive Familiengruft. Doch das Schloss an dessen Tür ist neu. Das erklärt Templeton bei seiner Führung mit dem Aberglauben des Südens. Was meint er bloß?, fragen sich seine Gäste.

Als die Tür der Gruft von alleine zufällt, erklärt er ihnen, dass er durchaus Angst habe, einmal lebendig begraben zu werden und aus diesem Grund dagegen Vorkehrungen getroffen habe. Erstens gebe es eine Klingel in der Gruft, die im Haupthaus Alarm schlägt. Dort befindet sich dann der Schlüssel zur Gruft. Zweitens habe er einen Geheimgang anlegen lassen, der die Gruft mit dem Haus verbinde. Er befinde sich hinter einer der Steinplatten, die das Mausoleum komplett auskleiden. Es ist kalt wie am Nordpol in den dunklen Mauern.

In den folgenden Tagen fallen den Gästen mehrere Ungereimtheiten auf, die in ihnen das Gefühl drohender Gefahr wecken. Erstens gibt es keinerlei Bedienstete, wohl aber Wache haltende Bluthunde auf dem Gelände. Zweitens entdecken sie in jener Kiste einen Sarg, der aber schon bald wieder verschwunden ist. Sie konnten nicht feststellen, ob es sich um Lucys Sarg handelt. Drittens stellt sich heraus, dass Templeton sie bezüglich verliehener Dokumente des Familienarchivs angelogen hat.

Und viertens stößt Poe zu guter Letzt im Arbeitszimmer seines häufig abwesenden Gastgebers auf einen Umschlag mit Schlüsseln und zwei Fotografien. Das eine Porträt zeigt eine gewisse Lucy Monahan (die mittlerweile sehr tot ist), das andere – ihn selbst! Der Name darunter lautet: „Jimmy Farrell“. Ist dies sein wahrer Name und Lucy seine Schwester?

Der Blitz der Erkenntnis streckt den labilen Poe augenblicklich nieder. Als er erwacht, findet er sich in einer verschlossenen Sargkammer wieder. Es ist stockdunkel, stickig und äußerst kalt. Er ist lebendig begraben und die Luft geht ihm aus …

_Mein Eindruck_

Ich bin etwas geteilter Meinung über diese Episode, die beileibe nicht die letzte der POE-Serie sein kann. Da muss noch einiges nachkommen. Zum Glück gibt es noch einige der besten Poe-Erzählungen zu verarbeiten, so etwa alle, in denen Frauen als Hauptfiguren vorkommen. Ich freue mich schon auf die berühmteste dieser Gestalten, die Lady Ligeia. (Siehe dazu auch meine Rezension über: Poe: [„Faszination des Grauens“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=554 .)

Warum geteilt? Die Rahmenhandlung erfährt in Episode 8 endlich eine entscheidende Wendung: Poe findet heraus, wer er wirklich ist: Jimmy Farrell. Und er hat eine nahe Verwandte, möglicherweise sogar eine Gattin: Lucy Monahan. Doch dieser Gewinn wird bitter bezahlt: Seine neue Liebe Leonie Goron ist verschwunden. Und mit ihr der zwielichtige Dr. Templeton, der wahrscheinliche Drahtzieher aller seltsamen Geschehnisse, die Poe widerfahren sind. Wer weiß, was er mit ihr anstellt?!

Man sieht: Dieser Teil der Episode folgt der klassische Krimistruktur: Es wird ermittelt, was das Zeug hält, bis sich der Gastgeber als Hauptverdächtiger herausstellt. Doch wessen ist er schuldig? Das genau herauszubekommen, ist Poes Aufgabe am Schluss der Episode.

|Die Realität als Albtraum|

Die Träume, die sich bislang regelmäßig als eine Binnenhandlung betrachten ließen, sind diesmal verschwunden. Vielmehr hat sich die Realität in einen Albtraum verwandelt. Doch die Dauer dieser Szene ist ungleich kürzer im Vergleich zum Umfang dessen, was bislang als Rahmenhandlung angesehen werden konnte.

Die Szene in der Gruft wurde wieder einmal inspiriert von einer Erzählung Poes. Sie ist als „Die Scheintoten“ (besonders S. 322) in „Poe: Faszination des Grauens“ abgedruckt. Bei der Vorlage könnte es sich um „The premature burial“ von 1844 handeln. Dieses Original liegt mir nicht vor, so dass ich das nicht genau sagen kann. Auf jeden Fall kann es sich nicht um „Der Fall Valdemar“ (The facts in the case of Valdemar) handeln. Denn dort geht es um die Aufschiebung der Folgen des Todes mittels Magnetismus. (Man sehe sich beispielsweise die Verfilmung von Roger Corman mit dem unvergleichlichen Vincent Price in der Hauptrolle an.)

Die Vorkehrungen, die Templeton gegen den Fall des Lebendigbegrabenwerdens trifft, ähneln jenen, die der Ich-Erzähler in „Die Scheintoten“ vornimmt: die Alarmklingel, der Hebel, der die Türen öffnet und anderes mehr. Und wie diesem Erzähler nützen sie dem, der schließlich wirklich lebendig begraben wird, im Ernstfall herzlich wenig. Eine typische Poe’sche Ironie.

Diese Szene hat dennoch ihre eigentümliche Wirkung auf den Zuhörer. Denn bevor der lebendig begrabene Mr. Poe überhaupt an Wege denken kann, sich zu befreien, muss er erst einmal seine Panikattacken bewältigen, die ihn mit zügelloser Emotion daran hindern, überhaupt einen Gedanken zu fassen und sich an das zu erinnern, was sein Möchtegern-Kerkermeister über Fluchtwege gesagt hat. Die Szene hat mir gefallen, weil sie sowohl gruselig als auch recht spannend ist. Abgebrühte Zeitgenossen werden sie lediglich langweilig finden und sich vermutlich fragen, was das Ganze überhaupt soll.

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

|Mr. Poe alias Jimmy Farrell|

Pleitgen spielt die Hauptfigur, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. In dieser Folge spielt die Entdeckung seiner Vergangenheit und Identität eine größere Rolle als irgendwelche Träume. Eine andere Figur kommt daher nicht vor. Aber die stimmliche Darstellung von Poes misslicher Lage in der Sargkammer fordert den Sprecher bis an die Grenzen seiner Ausdrucksmöglichkeiten: Anfängliche Panik wechselt ab mit Beruhigung und anschließendem Denken, nur um um erneut von einer Panikattacke hinweggefegt zu werden.

|Miss Leonie Goron|

Iris Berben bietet Pleitgens melancholischem und nachdenklichem Poe einen lebhaften Widerpart mit ihrer Leonie Goron. Und wie der grüblerische Poe sogar selbst merkt, zeichnet sich Leonie durch ungewöhnlichen Scharfsinn und eine kluge Feinfühligkeit aus. Sie hat erheblichen Anteil an Poes Rettung in der Rahmenhandlung von Episode 5 („Mahlstrom“). Spätestens ab „Der Goldkäfer“ wirkt sie wie eine kluge Freundin, die durch ruhige Überlegung und kluge, verständnisvolle Fragen bald zu seiner unverzichtbaren Ratgeberin wird. Leider sind diese Qualitäten diesmal fast gar nicht gefragt, so dass ihre Figur in dieser Episode unverdient blass erscheint.

_Sound und Musik_

Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt. Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet. Bis auf die Eingangsszene sind aber diesmal alle Szenen in Interieurs eingerichtet, so dass Sound eine untergeordnete Rolle spielt. Immerhin sind Effekte wie etwa Hall – für eine Art von innerem Monolog – und ein sehr tiefes Bassgrummeln festzustellen, das Gefahr anzeigt. In der Sargkammer erklingt Poes Stimme verzerrt, als dränge sie aus einer Tonne.

Die Musik erhält daher eine umso wichtigere Bedeutung: Sie hat die Aufgabe, die emotionale Lage der zwei Hauptfiguren und ihres jeweiligen Ambientes darzustellen. Diese rein untermalende Aufgabe ist auf den ersten Blick leichter zu bewerkstelligen als die Gestaltung ganzer Szenen, doch wenn es sich um actionarme Szenen wie diesmal handelt, zählt jede Note, jede Tonlage.

Die serientypische Erkennungsmelodie erklingt in zahlreichen Variationen und wird von unterschiedlichsten Instrumenten angestimmt. Als Templeton erwähnt, er spiele – wie einst Roderick Usher – Geige, erklingt das Poe-Motiv erneut, allerdings gespielt auf einer Kirchenorgel. Und genau so eine Orgel spielte Usher in der entsprechenden Hörspiel-Episode. Danach wird das Motiv auf einer Harfe wiederholt, um die Wirkung romantischer zu gestalten.

Klassische Streicher eines Quartetts und des Filmorchesters Berlin, die Potsdamer Kantorei sowie Solisten auf Violine und Singender Säge (Christhard Zimpel) – sie alle wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen.

|Der Song|

In der neuen Serie hat Lübbe den Abschlusssong, den zunächst Heinz Rudolf Kunze beisteuerte, ausgetauscht durch den englischsprachigen Song „I’ve foreseen this day“ der bekannten Popgruppe Orange Blue (Länge: ca. 4:30). Da die Lyrics nicht beigefügt sind, muss man sehr genau hinhören, um etwas zu verstehen. Aber es scheint um „Perlenaugen“ zu gehen.

_Unterm Strich_

Der eine oder andere Hörer dürfte wie ich schon einige Zeit – spätestens seit den Anschlägen in Episode 5 – Dr. Templeton im Verdacht gehabt haben, für zwielichtige Machenschaften rund um Mr. Poe verantwortlich zu sein. Doch wer weiß, wie tief seine Verstrickungen mit dem Schicksal von Poes Familie wirklich reichen? Ist er auch für den Selbstmord der armen Lucy Monahan verantwortlich? Vielleicht sogar für den Untergang des Schiffes, auf dem sich Leonie Goron befand. Es bleiben noch viele Rätsel zu lösen …

Und viele weitere Erzählungen von Edgar Allan Poe zu verarbeiten. Schließlich hat der Mann rund 15 Jahre lang Erzählungen publiziert. Und nur die wenigsten davon sind allgemein bekannt. Wir können also darauf hoffen, dass im nächsten Herbst wieder eine Staffel hervorragend gemachter Hörspiele veröffentlicht wird.

Die Episode „Lebendig begraben“ verfügt kaum über Action-Elemente und nur eine gruselige Szene. Für Unterhaltung ist also nur wenig gesorgt. Dennoch ist sie innerhalb der Serie eine der wichtigeren, weil sie innerhalb der bisherigen Rahmenhandlung eine entscheidende Wendung herbeiführt: Poe findet seine – wahrscheinlich – wahre Identität heraus, gleichzeitig verliert er seine neue Seelengefährtin Leonie. Der Zwiespalt dürfte Stoff für weitere Albträume liefern. Wir freuen uns schon darauf.

Wie ich in den Abschnitten über Sprecher, Sprecherin, Sound und Musik ausgeführt habe, kann die Episode zwar künstlerisch voll überzeugen, dramaturgisch jedoch nicht mit den vorhergehenden Hörspielen mithalten. Dennoch bietet sie den Reiz eines Kriminalhörspiels: Leonie und Poe ermitteln gegen ihren Gastgeber, mit durchaus handfesten Ergebnissen und einem drastischen Resultat: Poe wird lebendig begraben.

Fazit: Kann man hören, muss man aber nicht.

|Umfang: 66 Minuten auf 1 CD|

Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – Morde in der Rue Morgue, Die (POE #7)

„Die Morde in der Rue Morgue“ ist der siebte Teil der Edgar-Allan-Poe-Reihe von |LübbeAudio|, die unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör bringt.

Ulrich Pleitgen hat auch in den ersten vier Hörbüchern der Serie mitgewirkt:

– [Die Grube und das Pendel]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=744
– [Die schwarze Katze]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=755
– [Der Untergang des Hauses Usher]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=761
– [Die Maske des Roten Todes]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=773

Die vier neuen Folgen der POE-Reihe sind:

#5: [Sturz in den Mahlstrom]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=860
#6: [Der Goldkäfer]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=867
#7: Die Morde in der Rue Morgue
#8: Lebendig begraben

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49) gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten. Seine Literaturtheorie nahm den New Criticism vorweg.

Er stellt meines Erachtens eine Brücke zwischen dem 18. Jahrhundert und den englischen Romantikern (sowie E.T.A. Hoffmann) und einer neuen Rolle von Prosa und Lyrik dar, wobei besonders seine Theorie der Shortstory („unity of effect“) immensen Einfluss auf Autoren in Amerika, Großbritannien und Frankreich hatte. Ohne sind Autoren wie Hawthorne, Twain, H. P. Lovecraft, H. G. Wells und Jules Verne, ja sogar Stephen King und Co. schwer vorstellbar. Insofern hat er den Kurs der Literaturentwicklung des Abendlands maßgeblich verändert.

Seine Originalstory „The murders in the Rue Morgue“ lässt sich wie folgt zusammenfassen:

Zwei grausige Morde haben in der Rue Morgue stattgefunden, doch die Polizei ist ziemlich ratlos. Sie können sich nicht vorstellen, wer als Täter in Frage kommt, noch wie es dem Täter überhaupt gelang, zum jeweiligen Tatort zu gelangen. Doch Auguste Dupin hält sich an die Gesetze der Logik, wie etwa an „Occams Rasiermesser“: „Wenn man alles, was nicht in Frage kommt, hat ausschließen können, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch aussehen mag.“ Folglich war der Mörder kein Mensch … – Der Rest ist eine ziemlich spannende Mörderjagd.

_Der Sprecher_

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und andere Figuren.

_Die Sprecherin_

Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem |Bambi| und der |Goldenen Kamera| ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und andere Figuren.

_Vorgeschichte_

Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile wieder entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?

Schon sechs Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Albträumen. Nach dem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führen soll. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten …

_Handlung_

Endlich an Land! Möwen kreischen und Glocken bimmeln, um Leonie und den Fremden, der sich Edgar Allan Poe nennt, in New Orleans zu begrüßen. Er und seine Lebensretterin haben noch nicht herausgefunden, warum jemand ihn umbringen will, doch er will sich darüber keine Sorgen machen. Er erinnert sich jedoch, dass sein Psychiater Dr. Templeton dagegen war, dass er abreiste. Leonie prophezeit ihm, dass die Vergangenheit ihn einholen werde – wie ein Affe, den man nicht loswird und der einem ständig hinterherläuft.

Etwa so wie der Affe, der bei der Minstrel Show auf einer der Straßen Possen reißt und Passanten anbettelt, während ein Tamburin- und ein Knochenspieler, Mr. Tambo und Brother Bones, Musik machen. Leonie und Poe finden in einer billigen Pension am Hafen Quartier, unweit der Leichenhalle, der Morgue. Sie checken als Ehepaar ein, ihre Zimmer sind durch eine Tür miteinander verbunden. Poe döst in der Hitze ein und sein Geist kreiert wieder mal Phantasmen und einen bemerkenswert zusammenhängenden Traum …

(Übergang zur Binnenhandlung)

Die Szene wechselt nach Paris, wo ein gewisser Auguste Dupin, seines Zeichens Privatdetektiv, lebt. Doch der spielt erst ganz am Schluss eine Rolle. Man muss ihn jedoch kennen, denn er entscheidet mit seinen Erkenntnissen über das grausige Geschehen über das weitere Schicksal der Hauptfigur.

Dabei handelt es sich um einen Malteser Seemann, der auf einer Insel Schiffbruch erlitten hat und sich nun Ben Gunn nennt, nach der berühmten Figur aus Robert Louis Stevensons Roman „Die Schatzinsel“. Ein junger Orang-Utan hat sich ihm auf Borneo angeschlossen, und den nimmt er nach seiner Rettung auf einem Walfänger mit. Der Affe eignet sich Kunststücke an, so etwa ahmt er hervorragend das Bartschneiden mit Hilfe eines scharfen Rasiermessers nach.

Als Ben in Paris eintrifft, ist er kein armer Schlucker, sondern im Grunde ein reicher Mann: Er hat einen Schatz auf seiner Insel gefunden und einen kleinen Teil davon mitgebracht, hauptsächlich Gold in einem Beutel. Ben, der sonst eigentlich ein umgänglicher Bursche ist, sperrt den Affen ein, wenn er ausgeht, und prügelt und peitscht ihn, wenn das Tier unartig war. Dazu wird Ben leider mehrmals Anlass haben …

Eine lebhafte Hafenszene, mit Möwengekreisch, Glockengebimmel, Hufgetrappel, Hundegebell. Ben bemerkt zwei Bürgersfrauen, die ratlos das Hafenbüro suchen. Sie scheinen Mutter und Tochter zu sein. Ein Fass rollt auf sie zu und wirft die Tochter ins Hafenbecken. Wird sie ertrinken?! Ben zögert nicht, ihr nachzuspringen und sie aus dem Wasser zu retten. Doch sie ist bewusstlos, und er bittet einen vorüberhastenden Arzt, ihm zu helfen. Die Wiederbelebung ist erfolgreich, und Ben belohnt den seltsamerweise nur widerwillig Hilfe leistenden Dottore mit einem Geldstück. Die Mutter lädt Ben zum Tee ein.

Bevor sich Ben zur Rue Morgue begibt, wo Madame L’Espanaye und ihre Tochter wohnen, sperrt er seinen Affen ein. Während Ben sich zur jungen Dame sehr hingezogen fühlt, verbietet die sittenstrenge Mutter jeglichen unschicklichen Kontakt, besonders nachdem er zugegeben hat, einen Affen zu haben. Dieser Ausdruck ist insofern komisch, als er auch bedeutet, etwas zu viel über den Durst getrunken zu haben. Ben lässt sich zu einem Wortspiel hinreißen, in dem Muscheln und Perlen vorkommen. Eine vorwitzige Anspielung, die sofort von Madame niedergebügelt wird.

Nach seiner Rückkehr findet Ben sein Zimmer verwüstet vor, der Affe wurde freigelassen. Ständig hat er nun das Gefühl, von einem Schatten verfolgt zu werden. Für den Affenkäfig kauft er sich nun einen schweren Eisenriegel. Ob das hilft?

Am Abend trifft er zufällig Mademoiselle L’Espanaye wieder, die sich beim Hafenmeister nach einem Schiff namens „Dimitri“ erkundigt. Wie sie dem ihr sympathisch gewordenen Ben anvertraut, wartet sie auf einen Sarg, den die „Dimitri“ aus Osteuropa bringen sollte. Er enthalte ihre Verwandte Lucienne L’Espanaye, doch auch einige Erbstücke wie etwa Perlen, die ein kleines, aber dringend benötigtes Vermögen wert seien. Doch der Hafenmeister hat gerade Meldung erhalten, dass die „Dimitri“ in der Biskaya gesunken sei. Mademoiselle (wie erfahren nie ihren Namen) L’Espanaye ist untröstlich, und der hoffnungsvolle Ben darf sie nach Hause bringen und Zukunftspläne schmieden.

Wieder fühlt er sich verfolgt. Wohl mit Recht, denn in ihrer Wohnung sieht auch Mademoiselle ein Gesicht am Fenster, das aber gleich wieder verschwindet. Als er in seine eigene Wohnung zurückkehrt, erfährt er vom Besuch eines Arztes. Das Zimmer ist verwüstet, der Affe übt im Bad das Rasieren. Als Ben es einzufangen versucht, entkommt das Tier mitsamt dem scharfen Rasiermesser. Ihre Verfolgung führt sie zu einem gewissen Haus in der Rue Morgue …

_Mein Eindruck_

Wie ein kurzer Vergleich dieser Handlung mit der Originalstory zeigt, dreht es sich nun keineswegs um spannende Ermittlungen, sondern um eine romantische Liebesgeschichte, die in einer Bluttat grausig endet. Auch die Täter sind etwas anders verteilt, und die Motive sowieso. Insgesamt ist der neue Entwurf nicht ohne Reiz, denn er spricht nicht, wie Dupins rationale Logik, so sehr die Vernunft an, sondern vielmehr auch die Emotionen des Hörers.

Die Wirkung dringt ungleich tiefer als Poes Finale. Ich musste feststellen, dass die Bluttat, unterstrichen von einer enervierenden Musik, mich den Atem anhalten ließ. Soeben hat man sich noch (mit Bens Augen sehend) in die liebevolle und vom Schicksal gebeutelte Mademoiselle L’Espanaye verliebt, da wird ihr auch schon das Schlimmste angetan – von ihrer Mutter, der liebenswerten Schreckschraube, ganz zu schweigen.

Man kann daher durchaus Bens emotionales Chaos, seine Benommenheit nachvollziehen, als nach Hause zurückkehrt und anderntags einem gewissen Auguste Dupin gegenübersteht, der ihm die Leviten liest. Dieser Plot ist ein Meisterstück an subtiler Lenkung der Emotionen des Zuhörers. Dafür wird allerdings die Plausibilität des Geschehens vernachlässigt. Ein gestrengerer Kritiker könnte den gesamten Plot „wegen Irrationalität“ in die Tonne treten.

Nun könnte man sich natürlich – ob der Verlagseinordnung als Horrorhörspiel – zynisch fragen, was denn, bitte schön, an einem simplen Doppelmord so horrormäßig sei. Das Blut an den Wänden, auf der Straße? Na schön, vielleicht könnte es sich dabei um Horror handeln. Auch spannende Ermittlungen gibt es hier nicht zu besichtigen und voyeuristisch zu begleiten, in der Hoffnung, das Böse zur Strecke zu bringen. Ganz im Gegenteil: Diesmal ist es der vermeintlich Gute, der sich unversehens in eine Gräueltat verwickelt sieht. Können wir dem Universum noch trauen? Oder müssen wir hinter diesen Vorgängen – wie Ben Gunn – das Wirken eines finsteren Verfolgers vermuten, quasi eine (Welt-)Verschwörung?

Und schon wieder taucht ein Arzt auf …

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

|Mr. Poe alias Ben Gunn|

Pleitgen spielt die Hauptfigur, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. In dieser Folge spielt die Liebe für seine beiden Figuren eine zentrale Rolle: Poe findet größten Gefallen an Leonie, und dass sie als Ehepaar einchecken, gibt ihm Anlass zu schönsten Hoffnungen. Mademoiselle L’Espanaye ist noch ein ganzes Stück jünger, aber dafür noch schnuckeliger, ein wahres Goldstück – oder, besser noch, eine Perle. Ihr schreckliches Ende trifft Ben umso härter. Pleitgen legt größtes Gefühl in seine Stimme, um den chaotischen Gemütszustand Bens auszudrücken. In solchen Szenen stellt er sein ganzes Können unter Beweis.

|Miss Leonie Goron alias Mademoiselle L’Espanaye|

Iris Berben bietet Pleitgens melancholischem und nachdenklichem Poe einen lebhaften Widerpart mit ihrer Leonie Goron. Und wie der grüblerische Poe sogar selbst merkt, zeichnet sich Leonie durch ungewöhnlichen Scharfsinn und eine kluge Feinfühligkeit aus. Sie hat erheblichen Anteil an Poes Rettung in der Rahmenhandlung von Episode 5 („Mahlstrom“). Spätestens ab „Der Goldkäfer“ wirkt sie wie eine kluge Freundin, die durch ruhige Überlegung und kluge, verständnisvolle Fragen bald zu seiner unverzichtbaren Ratgeberin wird. Sie kann aber auch im richtigen Moment zuschlagen.

Mademoiselle L’Espanaye ist eine naive, weil streng behütete junge Dame. Wie gesagt: ein schnuckeliges Goldstück, das ein klein wenig an Amélie erinnert. Sie interessiert sich für Affen und – aufgepasst! – sie weiß um das Geheimnis von Muscheln und Perlen. Diese doppelthematische Symbolsprache zieht sich durch das gesamte Hörspiel in Binnen- und Rahmenhandlung. Die Autoren versuchen uns etwas damit zu sagen. Jeder Hörer muss es für sich selbst entschlüsseln.

|Auguste Dupin|

Besonders verblüfft hat mich das Auftreten von Auguste Dupin. Da seine Rolle von Manfred Lehmann gesprochen wird, erklingt auf einmal die (deutsche) Stimme von Gerard Depardieu. Das ist insofern sehr passend, als Depardieu in dem Detektiv-Horror-Fantasy-Thriller „Vidocq“ die titelgebende Rolle eines Meisterdetektivs gespielt hat. Es ist lediglich bedauerlich, dass „Dupin“ nicht die Gelegenheit ergreift, Ben zu erklären, wie er auf die Lösung des Falles gekommen ist. Dafür müssen wir dann wieder das Original von Poe lesen (siehe oben).

|Sound und Musik|

Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt. Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet: siehe meine Beschreibung oben. Hier kann sich der Hörer einfühlen. Hier wünsche ich mir die dreidimensionale Empfindung, die Dolby Surround vermittelt. Vielleicht wird es einmal alle acht POE-Hörspiele auf einer DVD in Dolby Surround (DD 5.1) oder DTS geben – das wäre mein bescheidener Traum.

Die Musik bildet die perfekte Ergänzung: Klassische Streicher eines Quartetts und des Filmorchesters Berlin, die Potsdamer Kantorei, Vokalisen der Sängerin Gaby Bultmann – sie alle wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen.

Ganz besonders eindrucksvoll fand ich die Szenen in Paris. Denn hier kommen noch ein charakteristisches Akkordeon (Klaus Staab) und eine Klarinette (Tim Weiland) hinzu. Während das Akkordeon – o là là! – romantische Gefühle weckt, ist die Klarinette für unheilvolle Untertöne zuständig. Auf dem Höhepunkt in der Rue Morgue erklingt eine chaotische Kakophonie, die perfekt zum blutigen Geschehen passt und geeignet ist, den Zuhörer entsprechend zu erschrecken. Das ist ganz schön makaber.

|Der Song|

In der neuen Serie hat Lübbe den Abschlusssong, den zunächst Heinz Rudolf Kunze beisteuerte, ausgetauscht durch den englischsprachigen Song „I’ve foreseen this day“ der bekannten Popgruppe Orange Blue (Länge: ca. 4:30). Da die Lyrics nicht beigefügt sind, muss man sehr genau hinhören, um etwas zu verstehen. Aber es scheint um „Perlenaugen“ zu gehen. Passt perfekt zum Perlenmotiv der Binnenhandlung.

_Unterm Strich_

Der Hörer sollte sich diesmal zufrieden geben und nicht die üblichen zwei oder drei Höhepunkte verlangen: Er bekommt nämlich diesmal nur ein Finale. Doch dieses ist so schön und geschickt aufgebaut, dass seine dramatische Wirkung umso nachhaltiger sein dürfte. Ich jedenfalls war ein wenig (ein ganz klein wenig) erschüttert.

Auch den üblichen Wahnsinn sucht man vergebens. Zunächst jedenfalls. Keine spinnerten Schatzsucher trampeln durch die Botanik; kein Mahlstrom lockt mit dem sicheren Tod in den Irrsinn. Allenfalls der Liebe süßer Wahn lockt unseren Helden durch Pariser Gassen. Der Tod offenbart sich in schrecklicher Zufälligkeit und sicher nicht, um irgendjemandes Nerven zu schonen.

Sprecher, Musiker, Toningenieure – ihre Leistung muss ich wieder einmal lobend hervorheben. Wie leicht könnte ein so emotionales Geschehen übertrieben, unecht oder gar abgeschmackt wirken. Hier ist vielmehr Subtilität gefragt, ohne die Lebhaftigkeit der Figuren zu verdecken. Dies gelingt den beiden zentralen Sprechern Pleitgen und Berben hervorragend.

|Ausblick|

Wieder ist ein kleines Puzzlestückchen enthüllt worden, das einen Hinweis auf den Drahtzieher der Anschläge auf Herr „Poe“ liefert. Ärzte allenthalben – sie spielen eine zwielichtige Rolle sowohl in Poes Träumen als auch in seiner Realität. Und sicherlich hat das eine mit dem anderen zu tun. Wir können außerdem nicht hundertprozentig sicher sein, dass nicht auch Leonie Goron etwas im Schilde führt oder in den Plänen eines Arztes eine Rolle spielt.

|Originaltitel: The murders in the Rue Morgue
66 Minuten auf 1 CD|

Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – Goldkäfer, Der (POE #6)

„Der Goldkäfer“ ist der sechste Teil der Edgar-Allan-Poe-Reihe von |LübbeAudio|, die unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör bringt.

Ulrich Pleitgen hatte auch auf den ersten vier Hörbüchern der Serie die Hauptrolle inne:
– [Die Grube und das Pendel]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=744
– [Die schwarze Katze]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=755
– [Der Untergang des Hauses Usher]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=761
– [Die Maske des Roten Todes]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=773

Die vier neuen Folgen der POE-Reihe sind:
#5: [Sturz in den Mahlstrom]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=860
#6: Der Goldkäfer
#7: Die Morde in der Rue Morgue
#8: Lebendig begraben

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan der Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen, wohin er 1830 zurückkehrte, um diese dann ein Jahr später endgültig zu verlassen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern. 1836 heiratete er seine damals dreizehnjährige Cousine Virginia Clemm.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten. Seine Literaturtheorie nahm den New Criticism vorweg.

Er stellt meines Erachtens eine Brücke zwischen dem 18. Jahrhundert und den englischen Romantikern (sowie E.T.A. Hoffmann) und einer neuen Rolle von Prosa und Lyrik dar, wobei besonders seine Theorie der Shortstory („unity of effect“) immensen Einfluss auf Autoren in Amerika, Großbritannien und Frankreich hatte. Ohne ihn sind Autoren wie Hawthorne, Twain, H. P. Lovecraft, H. G. Wells und Jules Verne, ja sogar Stephen King und Co. schwer vorstellbar. Insofern hat er den Kurs der Literaturentwicklung des Abendlands maßgeblich verändert.

_Der Sprecher_

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und verschiedene weitere Figuren.

_Die Sprecherin_

Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem |Bambi| und der |Goldenen Kamera| ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und verschiedene weitere Figuren.

_Vorgeschichte_

Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile wieder entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?

Schon fünf Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Albträumen. Nach dem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führen soll. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Schau an!

_Handlung_

Einen Tag von New Orleans entfernt kreuzt die „Independence“, auf der sich der Mann, der sich Edgar Allan Poe nennt, befindet, in einer Flaute. Schon ist das Wasser knapp und der Ausguck hält nach einer Insel Ausschau, auf der sich vielleicht eine Quelle befindet.

Zu dieser Zeit erfährt Leonie Goron viel über Poes Leben und was er durchgemacht hat. Sie fragt ihn daher: „Glauben Sie an diese Träume?“ Will heißen: Sind seine Albträume Prophezeiungen, Botschaften seines Unterbewussten? Ein ziemlich moderner Gedanke. Wenig später nimmt Poe auch ihren Körper erstmals als attraktiv wahr …

Die Rahmenhandlung kommt etwas voran. Der Sarg, den Leonie von Europa aus begleitet, ist an einen gewissen Tempelten adressiert, abgeschickt vom Bruder der im Sarg Bestatteten, einer gewissen Lucy Monahan. Poe stutzt: Handelt es sich bei diesem Tempelten um seinen Dr. Templeton? Die Schreibweise weicht jedenfalls ab.

Er fragt sich auch: Wenn diese Lucy Monahan die beste Freundin von Leonie war, warum weiß Leonie dann so wenig über Lucys Familie? Lucy lebte nicht in Paris wie Leonie, sondern in einer Landschaft namens Bukowina, nachdem sie sich von ihrer Familie getrennt hatte. Als Lucy ihre Freundin per Brief zu sich rief, hatte sie nicht mehr lange zu leben. Als Leonie bei ihr eintraf, hatte sie Selbstmord begangen. Der Rest ist bekannt: Leonie begleitete ihren Sarg auf dem untergegangenen Schiff, der „Demeter 2“, über den Atlantik – bis Poe auf der „Independence“ beide an Bord nahm.

„Land!“ An Steuerbord wird eine Insel gesichtet. Kapitän Hardy (Jürgen Wolters) meint, es handle sich wohl um die Sullivans-Insel, einem „merkwürdigen Stück Land“, das nach den zahlreichen Myrtensträuchern durftet, die darauf gedeihen. Poe kommt der Name irgendwie vertraut vor. Als er sich ausruht, schläft er ein und träumt.

(Übergang zur Binnenhandlung)

Er schlüpft in die Rolle eines Mr. Simpson, eines schon etwas betagten Herrn mit nicht gerade allerbester Konstitution, der sich als Archäologe betätigt. Gerade wartet er auf Sullivan’s Island, einer Flussinsel (!) auf die Ankunft eines jungen Fräuleins, das ihn zu sich in ihre Hütte bestellt hat.

Diese intelligente junge Frau namens Lucy Legrand (bei Poe ist es ein William) ist ein höchst quirliges Frauenzimmer, auch wenn ihr Alleinleben irgendwie anstößig wirkt – jedenfalls in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nachdem sie sich wegen einer missbilligten Liebschaft mit ihrem Vater überworfen hatte, war sie vor zwei Jahren aus dem Elternhaus aus- und auf die Insel gezogen, wo sie sich nun offenbar mit amateurhaften Forschungen in der Pflanzen- und Insektenwelt die Zeit vertreibt.

Mr. Simpson soll ein außergewöhnliches Insekt begutachten: einen Goldkäfer. Er liegt schwer in der Hand und krabbelt noch. Auch einen Papierfetzen hat sie am Fluss gefunden, aber weil nichts draufsteht, wirft sie ihn zum Feuer, um ihn später zu verbrennen. (Bei Poe trägt der Käfer die Zeichnung eines Totenschädels. Der Diener Jupiter, den auch Lucy hat, ist abergläubisch und ahnt Schlimmes.)

Der Arzt des Städtchens, wo Simpson lebt, weiß von Legenden, in denen die Rede vom Geist eines Piraten ist, der einen unermesslichen Schatz an dieser Küste bewache. Als Simpson ihn wegen einer Erkältung konsultiert, erzählt er ihm auch von Lucys Hirngespinsten und dem Goldkäfer. Wenig später ruft sie ihn zum Fluss: Er soll auf eine Expedition mitfahren. Simpson staunt nicht schlecht: Spaten, Fernglas, Sense – und natürlich Jupiter. Was soll das bedeuten?

Aufgeregt erzählt ihm Lucy, dass der Papierfetzen mit einer Geheimschrift bedeckt sei: Es handelt sich um eine Schatzkarte. Dreimal darf er raten, welchen Schatz sie nun heben wolle!

Der brave Mister Simpson ist nun ebenso sicher wie der Diener Jupiter, dass die arme Miss Lucy komplett den Verstand verloren hat. Er soll sich irren. Doch er ahnt nicht, welch grausames Ende sein Abenteuer mit ihr nehmen wird.

_Mein Eindruck_

Ein Sack voll glücklicher Zufälle kommt der guten Lucy also zu Hilfe. Ich bin aber nicht sicher, ob es in Poes Original wesentlich logischer zugeht. Immerhin gelingt es jedes Mal, die kodierte und in unsichtbarer Tinte geschriebene (Zitronensaft?) Schatzkarte zu entschlüsseln. Die Schwierigkeiten beim Aufspüren der richtigen Grabungsstelle sind eine andere Sache, und daran ist vor allem der Diener Jupiter schuld …

Die Hörspielfassung ist selbstverständlich viel romantischer und konfliktreicher aufgezogen, als es Poes Original jemals war. Der Autor bekam seinen Wettbewerbsgewinn vor allem für die trickreiche Entschlüsselung der Schatzkarte, die noch heute als Lehrmaterial für angehende Kryptographen dienen könnte. Dieser Prozess gibt aber in dramaturgischer Hinsicht überhaupt nichts her und wurde deshalb gestrichen. Man erfährt aber, dass Lucy Erkundigungen bei einem alten Einsiedler unweit der Stadt eingezogen hat und so auf die richtige Lösung gekommen ist: Der Teufelssitz über der kleinen, abgeschiedenen Bucht muss der Ort sein, den das X markiert. Und dort wartet der unheilvoll aufragende Baum mit dem Totenschädel – siehe das Titelbild …

Diese Binnenhandlung führt zu einem recht unerwarteten Actionhöhepunkt, der für Mr. Simpson bzw. unseren träumenden Mr. Poe recht unangenehm endet. Aber der Hörer bekommt noch mehr geliefert: Auch die Rahmenhandlung verfügt über einen Höhepunkt, der es an Dramatik und Action durchaus mit der Goldkäfer-Story aufnehmen kann: Poe und Leonie erkunden das Eiland und stoßen auf einen riesigen Baum auf einer Lichtung, der fatal an den Baum auf dem Teufelssitz erinnert. „Glauben Sie an Träume, Miss Goron?“, fragt er daher ahnungsvoll.

Mr. Poe fällt auf, wie stark sich die beiden Handlungen ähneln: Die Lucy im Traum trug nämlich das gleiche Gesicht wie Miss Goron. Und auf beiden Ebenen spielte ein gewisser Doktor eine unheilvolle Rolle. Dies veranlasst mich zu dem Verdacht, dass in Poes Geist alle Ärzte eine sinistre Qualität angenommen haben, seitdem er in Dr. Templetons Behandlung gewesen ist. Und Poe tut vielleicht sogar gut daran, Ärzten zu misstrauen. Jemand will ihm ans Leben, doch wer steckt dahinter?

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

|Mr. Poe alias Simpson|

Pleitgen spielt die Hauptfigur, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. In dieser Folge ist von Poes frohgemuter Stimmung nichts mehr übrig geblieben. Die beiden Anschläge haben ihn ebenso ins Grübeln gebracht wie der Traum vom „Sturz in den Mahlstrom“.

Deshalb bildet der joviale Mr. Simpson einen Ausgleich mit seinem menschenfreundlichen, aber leider zu vertrauensseligen Gemüt, durch das er Miss Lucy in schwere Bedrängnis bringt.

|Miss Leonie Goron alias Lucy Legrand|

Iris Berben bietet Pleitgens melancholischem und nachdenklichem Poe einen lebhaften Widerpart mit ihrer Leonie Goron. Und wie Poe sogar selbst merkt, zeichnet sich Leonie durch ungewöhnlichen Scharfsinn aus. Sie hat erheblichen Anteil an Poes Rettung in der Rahmenhandlung von Episode 5. In „Der Goldkäfer“ wirkt sie wie eine kluge Freundin, die durch ruhige Überlegung und kluge, verständnisvolle Fragen bald zu seiner unverzichtbaren Ratgeberin wird.

Auch in der Rolle der wesentlich jüngeren Lucy Legrand, in der ich sie fast nicht wieder erkannt hätte, verleiht Iris Berben der Szene den gewissen Pfiff: Sie sorgt für Action in der Binnenhandlung und setzt ihre Intelligenz für ein ansonsten wahnwitziges Unternehmen ein: die Hebung eines Piratenschatzes.

|Israel Hands|

Der bekannte Schauspieler Benno Fürmann wird im Booklet als Sprecher eines gewissen „Israel Hands“ aufgeführt. Bei dieser Figur, deren Namen in Episode 5 und 6 nicht genannt wird, könnte es sich um den Matrosen handeln, der immer wieder lautstark in „Mahlstrom“ zu hören ist („Ein Sarg an Bord – das bringt Unheil“) und dann in „Der Goldkäfer“ einen recht wirkungsvollen Auftritt hat. Mehr darf nicht verraten werden.

|Jupiter|

Auch die Rolle des Dieners Jupiters darf nicht verschwiegen werden. Jupiter ist wichtig, weil er erstens Unheil ahnt, denn das Ausbuddeln von Skeletten und Schätzen ist seiner Ansicht nach bestimmt kein gottgefälliges Treiben. Und zweitens sorgt er mit seinem Fehler des Verwechselns von links und rechts für eine Erhöhung bzw. Verzögerung der Spannung bei der Schatzsuche.

Thomas B. Hoffmann gestaltet die Stimme und Ausdrucksweise Jupiters auf so lebhafte und glaubwürdige Weise, dass man kaum glauben würde, er sei nicht mit einer dunklen Haut auf die Welt gekommen. Seine Rolle des gottesfürchtigen Dieners, der lieber Reißaus nehmen würde als nach Knochen zu buddeln, trägt so auch stark zum komischen Aspekt der Schatzsuche bei und beleuchtet die verschrobene Natur dieses Unterfangens.

|Sound und Musik|

Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt. Besonders auffällig ist dies während der beiden Höhepunkte: Der soundmäßige Hintergrund stimmt einfach von A bis Z. Und wer genau aufpasst, kann sogar die Schritte von Leonie an Bord der „Independence“ erlauschen.

Die Musik bildet die perfekte Ergänzung: Klassische Streicher eines Quartetts und des Filmorchesters Berlin, die Potsdamer Kantorei, Vokalisen der Sängerin Gaby Bultmann – sie alle wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Ganz besonders eindrucksvoll gelingt dies auf dem Höhepunkt der Schatzsucher-Szene und dem anschließenden Überfall.

|Der Song|

In der neuen Serie hat |Lübbe| den Abschlusssong, den zunächst Heinz Rudolf Kunze beisteuerte, ausgetauscht durch den englischsprachigen Song „I’ve foreseen this day“ der bekannten Popgruppe Orange Blue (Länge: ca. 4:30). Da die Lyrics nicht beigefügt sind, muss man sehr genau hinhören, um etwas zu verstehen. Aber es scheint um „Perlenaugen“ zu gehen. O yeah, baby.

_Unterm Strich_

„Der Goldkäfer“ ist sozusagen Grusel für die ganze Familie – äh, ab 12. Schließlich können Jüngere wohl kaum etwas den Skeletten, Totenschädeln und mysteriösen Käfern abgewinnen, die in der Binnenhandlung das Dekor für eine abenteuerliche Schatzsuche bilden. Auch die Rahmenhandlung geht nicht ohne blutige Action zu Ende, und das sollte man vielleicht nicht unbedingt den Kleinen zumuten. Andererseits bekommen Splatterfreunde, für die nicht genug Lebenssaft spritzen kann, wenn es „guter“ Horror sein soll, hier fast nichts geboten, das ihren Blutdurst stillen könnte.

Wie schon „Sturz in den Mahlstrom“ ist „Der Goldkäfer“ in meinen Ohren eine sehr gute Hörspiel-Produktion, die auch sehr verwöhnte Ansprüche erfüllen kann. Die Sprecher, die Musiker, der Tonmeister – ihre Leistungen wirken hervorragend zusammen, um für eine Stunde ein perfektes Gruselerlebnis zu bescheren. Und das zu einem sehr annehmbaren Preis.

Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – Sturz in den Mahlstrom (POE #5)

„Sturz in den Mahlstrom“ ist der fünfte Teil der Edgar-Allan-Poe-Reihe von |LübbeAudio|, die unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör bringt.

Ulrich Pleitgen hat auch die ersten vier Hörbücher der Serie vorgelesen:
– [Die Grube und das Pendel]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=744
– [Die schwarze Katze]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=755
– [Der Untergang des Hauses Usher]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=761
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Die vier neuen Folgen der POE-Reihe sind:
#5: Sturz in den Mahlstrom
#6: Der Goldkäfer
#7: Die Morde in der Rue Morgue
#8: Lebendig begraben

|Der Autor|

Edgar Allan Poe (gestorben 1849) gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Er gab verschiedene Zeitschriften heraus, veröffentlichte aber nur wenige eigene Werke in Buchform, sondern sah seine Geschichten und Gedichte lieber in Zeitschriften gedruckt. Er starb im Alkoholdelirium. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas.

|Der Sprecher|

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Fremden, der sich „Edgar Allan Poe“ nennt.

|Die Sprecherin|

Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem Bambi und der Goldenen Kamera ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron.

_Vorgeschichte_

Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und nach zehn Wochen entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?

Schon vier Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Albträumen. Nach dem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise.

_Handlung_

Mit dem Segelschiff „Independence“ begibt sich der Fremde, der sich den Namen Edgar Allan Poe zugelegt hat, auf eine Seereise nach New Orleans. Von dort will er weiter in den Fernen Osten. Der Segler und sein Kapitän Hardy scheinen in Ordnung zu sein, doch kurz vor dem Auslaufen sieht Poe, wie ein Fremder einem der Matrosen etwas übergibt.

Das Schiff ist noch nicht lange auf See, als ein schwerer Belegblock auf Poe herabstürzt und ihn nur um Haaresbreite verfehlt. Das Seil daran ist jedoch nicht durchschnitten, und so macht sich Poe keine Sorgen deswegen. Ein Sturm ist im Anzug, sagt Käptn Hardy mit knorriger Stimme (Jürgen Wolters). Und eines der Opfer dieser stürmischen Gegend wird wenig später gesichtet.

Poe rudert zwecks Erkundung des Schiffswracks mit der Mannschaft hinüber. Das Erste, was man entdeckt, ist ein Sarg an Deck. „Das bringt Unglück“, dürfte ja wohl klar sein. Obwohl der Bootsmann sich zum Verlassen des sinkenden Wracks anschickt, sucht Poe noch achtern in den Kajüten – und wird fündig: Eine weibliche Gestalt in langem weißem Gewand erscheint wie ein Gespenst und fragt ihn: „Wo bin ich?“

Das Boot ist weg, das Schiff sinkt. Poe und die Lady springen ins Meer und finden sich später neben dem ominösen Sarg treiben. Nachdem die „Independence“ sie aufgefischt hat, stellt sie sich als Leonie Goron (mit französischer Aussprache) vor. Sie fragt ihn, ob er an Zufälle glaube. In der folgenden Nacht schiebt Poe ebenfalls Wache, weil der Sturm erwartet wird. Nach seiner Ablösung verschwindet der andere Matrose spurlos. Vielleicht sollte er sich spätestens jetzt Sorgen machen.

Der Sturm bricht unvermittelt los, und Poe und Leonie müssen unter Deck. Hier hat Poe wieder mal einen seiner typischen Albträume. (Es ist die Handlung von Poes titelgebender Story.)

An der norwegischen Küste wird der Fisch zwischen den küstennahen Inseln knapp, so dass zweien der der letzten unabhängigen Fischer, den Brüdern Per und Tore, nur noch die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub bleibt: Sie verkaufen entweder ihr Boot und verdingen sich als Matrosen beim reichsten Fischer Lars Hansen – oder sie blicken dem Tod ins Auge und versuchen ihr Glück bei den Äußeren Inseln. Doch dort lauert in der Meerenge ein Verderben bringender Mahlstrom auf Fischer, die nicht rechtzeitig zurückfahren. Ganze Dreimaster habe er schon verschlungen, erzählt das Seemannsgarn in der Hafenkneipe.

Doch Per wettet, er sei ein besserer Fischer als Lars Hansen. Dessen höhnisches Gelächter bringt ihn auf die Palme. Er setzt sein Boot ein, doch Lars muss ihm die Erlaubnis geben, um die Hand seiner Schwester Susanne anhalten zu dürfen, wenn Per gewinnt. (Ist doch immer eine Frau im Spiel, nicht?) Listig gibt Susanne ihm eine Taschenuhr mit, so dass er den Tidenwechsel besser einschätzen kann.

Doch der Chronometer erweist sich als ebenso trügerisch wie das Meer über dem Mahlstrom. Zu spät bemerken Per und Tore, wie es sich verändert und schließlich zu einem riesigen Trichter öffnet. Ihr schlimmster Albtraum scheint in Erfüllung zu gehen, da erkennt Per den Weg zur Rettung. Tore hält ihn für völlig durchgeknallt. Kein Wunder: Wer würde im Angesicht des sicheren Todes schon sein Schiff verlassen?

_Mein Eindruck_

Während die Binnenhandlung, die im Albtraum erzählt wird, ziemlich genau Poes genialer Horror-Story „Descent into the Maelstrom“ folgt, verarbeitet die Rahmenhandlung in freier und kreativer Weise Motive aus Poes Story „The oblong Box“ („Die längliche Kiste“). Darin befindet sich ebenfalls ein Sarg an Bord eines Segelschiffes, das unseren Erzähler von A nach B bringen soll. Jeder Matrose, der einen Schuss Pulver wert ist, weiß natürlich, dass ein Sarg an Bord Unglück magnetisch anzieht. Und denen von der „Independence“ geht es genauso. Recht haben sie, wie die folgenden Geschehnisse belegen. Offenbar zweimal entgeht Mr. Poe einem Anschlag auf sein Leben. Wer steckt dahinter? Die zweite Frage lautet natürlich: Warum besteht Leonie Goron so hartnäckig darauf, den Sarg an Bord zu nehmen, statt ihn der See zu übergeben?

Die zentrale Erzählung, „Der Sturz in den Mahlstrom“, gehört zu den wirkungsvollsten Meisterwerken der Horrorliteratur. Ähnlich wie „Grube und Pendel“ gerät die Hauptfigur durch Furcht und Schrecken in einen seelischen Zustand, der ihm eine „gleichgültige Neugier“ erlaubt. In diesem Zustand quasi außer sich, bemerkt er wie ein vernünftig denkender Mensch ein Phänomen, das er normalerweise nie wahrgenommen hätte: Massereiche Gegenstände erreichen den zerstörerischen Grund des riesigen Strudels schneller als kleine, leichtere. Dieser Beobachtung lässt er sogar die richtige Handlungsweise folgen, so wahnwitzig und selbstmörderisch sie auch erscheinen mag. Kein Wunder, dass ihn sein Bruder für verrückt hält, widerspricht dies doch dem so genannten „gesunden Menschenverstand“. Und wir dürfen annehmen, dass Per nun die Hand der süßen Susanne sicher ist.

|Die Sprecher / Die Inszenierung|

Pleitgen spielt die Hauptfigur, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. Als das Schiff ausläuft, das ihn zu neuen Ufern bringen soll, klingt er richtig frohgemut – genau wie die Musik, die sich machtvoll zu einem vorwärts drängenden Thema aufschwingt.

Während der Binnenhandlung spricht er auch Per, der den Mahlstrom erforscht. Ihn begleitet als Tore, Pers Bruder, Manfred Lehmann, der verdächtig wie die deutsche Stimme von Nick Nolte klingt. Auch der bekannte Schauspieler Benno Fürmann wird im Booklet als Sprecher eines gewissen „Israel Hands“ aufgeführt. Diese Figur konnte ich aber nicht entdecken. Kommt vielleicht noch.

Iris Berben bietet Pleitgens melancholischem Poe einen lebhaften Widerpart mit ihrer Leonie Goron. Und wie Poe sogar selbst merkt, zeichnet sich Leonie durch ungewöhnlichen Scharfsinn aus. Der wird wohl noch benötigt … Auch in der Rolle als Susanne Hansen, in der ich sie fast nicht wiedererkannt hätte, verleiht Berben der Szene den gewissen Pfiff: Sie ist das listige Frauenzimmer, hinter dem Per her ist, das aber offenbar auch eigene Pläne verfolgt.

|Sound und Musik|

Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt: wenn der Stürm wütet, wenn die Möwen kreischen, wenn Poe und Leonie halbtot im Meer treiben, im Regen, das Knarren der Takelage und vieles mehr. Der Hörer kommt sich vor wie der blinde Passagier auf einer abenteuerreichen Seereise, wie einst [Arthur Gordon Pym.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=781

Die Musik bildet die perfekte Ergänzung: Klassische Streicher eines Quartetts und des Filmorchesters Berlin, die Potsdamer Kantorei, Vokalisen der Sängerin Gaby Bultmann – sie alle wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Ganz besonders eindrucksvoll gelingt dies auf dem Höhepunkt der Mahlstrom-Sequenz, als die Musik die Katastrophe geradezu beängstigend spürbar macht.

|Der Song|

In der neuen Serie hat |Lübbe| den Abschlusssong, den zunächst Heinz Rudolf Kunze beisteuerte, ausgetauscht durch den englischsprachigen Song „I’ve foreseen this day“ der bekannten Popgruppe |Orange Blue| (Länge: ca. 4:30). Da die Lyrics nicht beigefügt sind, muss man sehr genau hinhören, um etwas zu verstehen. Aber es scheint um „Perlenaugen“ zu gehen. O yeah, baby.

_Unterm Strich_

Mit diesem Hörbuch beginnt eine neue Staffel von POE-Hörspielen bei |Lübbe|. Waren die ersten vier Hörspiele schon ob ihrer hervorragenden Produktionsqualität mit dem |Deutschen Phantastik Preis| 2004 ausgezeichnet worden, so legt |Lübbe| diesmal noch einen drauf. War die erste Staffel vom Charakter eines Kammerspiels gekennzeichnet, so weitet sich nun die Bühne zu Breitwandfilm-Cinemascope-Dimensionen. Sound, „Film“-Musik, Sprecher, Schnitt, Erzählstruktur – alle tragen zu einem hörbaren Kinoerlebnis bei.

Der Ausflug in Phantasieregionen dauert nur rund eine Stunde, aber das ist völlig in Ordnung – die Erzählstruktur trägt nur zwei bis drei Höhepunkte und ist am Ende offen. Will heißen: Hier muss offenbar noch einiges nachfolgen. Bin schon sehr gespannt.

|Umfang: 68 Minuten auf 1 CD|

Rudyard Kipling – Das Zeichen der Bestie (Gruselkabinett Folge 142)

Unheimliches Indien: Bestrafung und Erlösung eines Frevlers

Indien, Jahreswechsel 1889/1890: Fleete, der sich wenig um Indien und die Inder schert, betrinkt sich in Begleitung seiner beiden Freunde am Silvester-Abend und schändet in einem Tempel das Standbild des Affengottes Hanuman. ((https://de.wikipedia.org/wiki/Hanuman)) Das hätte er besser nicht getan… (Verlagsinfo).
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Sherlock Holmes – Das unheimliche Pfarrhaus (Folge 36)

Spukszenen in Cornwall: ein spannender Holmes-Fall

Eigentlich wollten Holmes und Watson in dem idyllischen Städtchen St. Porodoc an der Küste von Cornwall nur ein wenig Urlaub machen. Als der Meisterdetektiv jedoch Kenntnis von unheimlichen Ereignissen im Pfarrhaus von Saint Porodoc bekommt, wird seine Neugier dadurch mehr als geweckt… (erweiterte Verlagsinfo)
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Philip Roth – Der menschliche Makel (Hörspiel)

Große Literatur, klug und bewegend umgesetzt

Die inzwischen erfolgte Verfilmung des Romans von Philip Roth wird von der Kritik hoch gelobt. Auch die Hörspielfassung des Romans vermittelt die Tragik und Komik des Falles Coleman Silk: Ein Literaturprofessor wird des Rassismus angeklagt und verliert Job, Gattin und Kinder. Parallelen zum Fall des US-Präsidenten Bill Clinton werden sichtbar, als Silk eine Affäre mit einer Putzfrau anfängt und dafür ebenfalls an den Pranger gestellt wird.

„Der menschliche Makel“ ist Band der „Amerikanischen Trilogie“. Band 1 ist „Amerikanisches Idyll“, Band 2 „Mein Mann, der Kommunist“.

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Arthur Conan Doyle – Silberblesse (Sherlock Holmes 23)

Das Rätsel der verschwundenen Edelmähre

Das Rennpferd Silberblesse verschwindet unter mysteriösen Umständen in einer Nacht- und Nebelaktion – und das ausgerechnet vor einem wichtigen Rennen! Zurück bleiben ein betäubter Stattbursche und der tote Trainer im Moor. Wird es Sherlock Holmes gelingen, das hoch dotierte Tier bis zum Rennen wiederzufinden…? (Verlagsinfo)

Dieser Fall ist Nr. 13 auf der Liste der liebsten Holmes-Geschichten, die der Autor aufstellte. Das bedeutet: Diese Story landet unter den 56 veröffentlichten Storys ganz weit vorne.

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 12 Jahren.

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Arthur Conan Doyle – Die fünf Orangenkerne (Sherlock Holmes 17)

Der Fluch des Hauses Openshaw: Sherlock Holmes wird nachlässig

An einem verregneten Abend sucht der junge John Openshaw den Rat des Meisterdetektivs in der Baker Street 221b. In seiner Familie ereignen sich seit einigen Jahren mysteriöse Todesfälle, die stets mit der Zusendung von fünf Orangenkernen angekündigt werden… (Verlagsinfo)

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Nathaniel Hawthorne – Das Haus der sieben Giebel (Gruselkabinett 93)

Der Geist am Cembalo: Ein Engel in der Hölle

Neuengland, um das Jahr 1850: Auf der Familie Pyncheon scheint seit der Erbauung ihres Familiensitzes, dem Haus der sieben Giebel, ein Fluch zu lasten, der mit dem plötzlichen Tod seines Erbauers Colonel Pyncheon im 17. Jahrhundert seinen Anfang genommen hat… (abgewandelte Verlagsinfo)

Nathaniel Hawthorne – Das Haus der sieben Giebel (Gruselkabinett 93) weiterlesen

Carlo Collodi – Pinocchio

Lehrreiche Abenteuer eines hölzernen Straßenjungen

Wer kennt ihn nicht, den von Tischlermeister Geppetto aus einem Stück Holz geschaffenen kleinen Taugenichts Pinocchio, der sich in den Kopf gesetzt hat, ein richtiger Junge zu werden! An der liebevoll produzierten neuen Hörspiel-Version von Titania Medien werden kleine und große Hörer ihre helle Freude haben. (Verlagsinfo)

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Sherlock Holmes – Eine Frage der Identität (Folge 14)

Die Verdopplung des Erbschleichers

Die verzweifelte Mary Sutherland wendet sich Hilfe suchend an Sherlock Holmes, denn ihr ist auf dem Weg zur kirchlichen Trauung ihr Bräutigam abhanden gekommen! Bisher konnte sie keine Spur von ihm finden. Nun hofft sie, dass ihr der Meisterdetektiv weiterhelfen kann… (Verlagsinfo)

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