Raumschiff Promet – Aufbruch – Episode 1: Geboren in der Dunkelheit

Die Handlung:

Die Schwarzen Raumer ziehen durch das Weltall. Sie kennen offenbar nur ein Ziel: Vernichtung! Dem Außerirdischen Arn Borul gelingt die Flucht von seinem Heimatplaneten Moran, er landet auf Terra. Dort steckt die Raumfahrt noch in den Kinderschuhen. Doch gemeinsam mit Borul schaffen die Terraner das Unmögliche. Der neuentwickelte Forschungsraumer Promet startet unter dem Kommando von Peet Orell ins All. Das große Abenteuer beginnt. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Eine neue Sciencefiction-Hörspielserie? Cool, davon gibts ja auf dem deutschen Markt derzeit nicht allzu viele und qualitativ hochwertiger Nachschub ist da bei den Hörfreunden immer gern genommen. Wem „Raumschiff Promet“ irgendwie bekannt vorkommt und gerade die klassische Schriftzuggestaltung auf dem Cover auffällt, der hat sich nicht getäuscht. Das Raumschiff Promet flog tatsächlich schon mal als Heftromanserie zwischen den Jahren 1972 und 1974 durchs All. Damals gabs 20 Abenteuer und danach war auch schon wieder Schluss. Später folgten Umbenennung, Gerichtsprozesseinleitungen, Verlagswechsel und so weiter … aber totzukriegen war der Forschungsraumer offenbar nie. Und auch jetzt hält der Verlag große Stücke auf die Grundidee, sonst würde er nicht den Schritt zum Hörspiel wagen. Vertont werden hier aber nicht die alten Abenteuer, sondern die neuen, im BLITZ-Verlag zweimonatlich erscheinenden Geschichten der nach eigenen, vollmundigen Angabe „kultigsten Science-Fiction-Serie“. Und so gehts mit viel Pathos im Titel zu einem AUFBRUCH in ein neues Hörzeitalter … und zwar nicht weniger vollmundig „als filmreife Hörspielinszenierung“.

Die beginnt mit einem Angriff aus dem All, einer planetaren Großverwüstung und einem ziemlich nervig brüllenden Diktator-Wissenschaftler, der ja alles schon vorhergesehen hatte. Nur leider teilt er leider weder mit den Anwesenden noch mit dem Hörer, wer da angegriffen hat und warum, wieso gerade er das alles gewusst hat und warum er zum Zeitpunkt des Angriffs überhaupt noch da war. Dann wirds depressiv mit überzogen pathetischer Trauermusik im Hintergrund und der Hörer wird minutenlang Zeuge eines Selbstmords. Na wenn das kein Hörspaß „ab 10 Jahren“ ist …

Dass wir einen der eigentlichen Protagonisten der Reihe lange, lange nicht zu hören bekommen, obwohl er häufiger angesprochen wird, liegt einfach daran, dass es nur einen Sprecher für diese Rolle gibt … egal wie alt Arn Borul zum Zeitpunkt der Geschehnisse gerade ist. Und Tom Jacobs klingt halt nicht wie ein 12-Jähriger. Aber auch nicht wie ein 17-Jähriger, als der er zum ersten Mal hörbar wird. Die Stimme passt nicht zu einem Jugendlichen, auch nicht, wenn er sie wie hier verstellt. Nächster Zeitsprung. Nun ist Arn 21 und Tom Jacobs verstellt seine Stimme nicht mehr … klingt aber immer noch zu alt für die Rolle. Als er dann 33 ist, hat er die Stimmfarbe von Tom Jacobs eingeholt.

Interessanterweise ist das auch fast die Minutenzahl, die wir recht nutzlos auf dem Planeten Moran verbringen, bevor es endlich mit Arn ins All geht. Zu diesem Zeitpunkt fühlt sich die ganze Geschichte schon lange wie eine ungekürzte Lesung an und nicht wie ein „filmreifes“ Hörspiel. Einzig die Musikuntermalung könnte aus einem Heldenepos-Kinostreifen stammen und wirkt daher für diese Produktion an manchen Stellen so überzogen, dass sie fast nervt. Und auch die dramatische „Spannungsmusik“ passt so gar nicht zu einem Hörspiel, sondern ist in einem Film wesentlich besser aufgehoben … auch wenns hier um Kopfkino geht.

Vorgeschichte ist ja prima, aber die hier hätte um viele Minuten gestrafft und für den Hörer spannender gestaltet oder aber vom Sprecher in wenigen Sätzen erzählt werden können. Lustigerweise gibts für die Terraner gar keine Vorgeschichte, die nehmen uns direkt mit ins All. Übrigens hören wir das Wort PROMET zu diesem Zeitpunkt auch das erste Mal und erfahren, was gerade auf der Erde passiert, zumindest für Peet Orell. Kurz und knapp, sodass wir das Setting kennen … das reicht dem Casual-Hörer voll und ganz aus, schließlich gingen sicher die meisten auch davon aus, dass es eigentlich in dieser Hörstunde mit dem Raumschiff auf Erkundungstour ins All geht. Die Enttäuschung wird langsam größer.

Stattdessen gibts Anlehnungen aln Altbekanntes: Der Waise, der von seinem untergehenden Planeten fortgeschickt wird: SUPERMAN. Das Alien-Raumschiff, das auf der Rückseite des Mondes havariert: PERRY RHODAN. Der Besucher selbst: Atlan aus der PERRY-RHODAN-Serie. Wird RAUMSCHIFF PROMET am Ende ein PERRY RHODAN NEO NEO?

Interessant fand ich auch, dass Peets Vater extrem gelassen, gar müde genervt klingt, als sein Sohn ihm per Funk erzählt, dass er gerade einen Außerirdischen aufgesammelt hat und zu ihm bringen wird. Ob die Menschheit zu diesem Zeitpunkt schon mal Kontakt zu anderen Lebewesen aus dem All gehabt hat, das erzählt uns der Autor nicht. Vielleicht war dem ja so und die Aliens waren extrem langweilig und uninteressant, wer weiß … Womöglich ist das ja auch der Grund, warum keine Regierung über den Besucher informiert wird, sondern alles auf Privatgelände stattfindet … die hätten wohl eher kein Interesse. Erst ein Nebensatz eines Nebendarstellers lässt vermuten, dass dies der erste Weltraumbesucher ist, der hier begrüßt wird … offiziell zumindest.

Und bevor überhaupt ansatzweise mit dem Teil begonnen wird, mit dem der Käufer nach dem Lesen des Klappentextes eigentlich seit Beginn dieser Hörstunde rechnet, ist Schluss. Na ja … nicht ganz … es gibt noch einen Track mit CAPTAIN-FUTURE-Gedächtnismusik, bei dessen Hören klar wird, dass wir im Hintergrund vorhin keine echte Frau haben singen hören, sondern ein Sample.

Das Hörerlebnis:

Das stellt sich recht schnell als inszenierte Lesung dar und nicht als Hörspiel, as we know it. Der Erzähler, der eher ein Sprecher ist, hat einen ähnlich hohen Wortanteil wie bei einer Lesung, macht zwar einen ordentlichen Job, aber lässt im Kopf des Hörers sofort und nachhaltig das Bild eines in einer abgeschlossenen Kabine im Halbdunkel stehenden Mannes entstehen, der sein Skript vorliest. Sehr ruhig, wenige Emotionen und vor allem das Schauspiel vor dem Mikro fehlt hier meist, um ihm seinen Vortrag abzukaufen. Ein bemühter Vorleser, kein fesselnder Erzähler, zumal er auch jeden Satz im gleichen Tempo vorliest und dabei dann auch die gleiche Sprachmelodie an den Tag legt. Ab und zu wird er dabei von den anderen Sprechern aus dem Booklet unterbrochen, aber nie sehr lang.

Beim Hörfan werden hier Erinnerungen an die neuen CAPTAIN-FUTURE-Abenteuer wach, die allerdings aus gutem Grund nicht als Hörspiel ausgewiesen sind, denn dafür lagen keine Lizenzen vor. Stattdessen gabs viel vom Erzähler, ein paar Geräusche und ein paar zusätzliche Sprecher mit Musikuntermalung.

Tom Jacobs hat als Arn Borul den umgekehrten Oliver-Rohrbeck-Effekt, der als Justus bei den „Drei ???“ und als deutsche Synchronstimme diverser Hollywoodschauspieler überragend lebendig und glaubhaft klingt, als Hörbuchsprecher aber nur bei Dialogen auftrumpfen kann. Bei Jacobs ist es genau andersrum. Bei Lesungen klingen seine Szenenbeschreibungen wie erlebt … leider klingen hier seine Dialoge wie lebendig erzählte Szenen und nicht wie Zwiegespräche. „Lebendig abgelesen“ ist das Endergebnis und klingt nicht, als wäre er der Charakter selbst. Auch, weil er seine Worte extrem deutlich und klinisch ausspricht, worunter die Lebendigkeit zusätzlich leidet. Alles prima für einen Hörbuchsprecher, unvorteilhaft, wenns um echte Figuren und deren Emotionen geht.

Sascha Rotermund als Terraner Peet Orell habe ich seine Rolle schon eher abgenommen. Auch die anderen Sprecher machen einen guten Job, obwohl sie hin und wieder vom Skript Schriftsprache in den Mund gelegt bekommen, was sich dann immer ein wenig seltsam hölzern und unnatürlich anhört. Aber auch die Dialoge rund um Peet Orell sind beim Aufeinandertreffen mit dem hilflosen Raumer von Arn Borul so theatralisch übertrieben, dass man die Ohren rollen könnte.

Die Sprecher und ihre Rollen:

Erzähler: Florian Seigerschmidt
Peet Orell: Sascha Rotermund
Jörn Callaghan: Constantin von Jascheroff
Vivien Raid: Corinna Dorenkamp
Harry T. Orell: Peter Gröger
Arn Borul: Tom Jacobs
Pare Mint: Thorsten Schneider
Dr. Hellbrook: Johannes Fischer-Barnicol
Ele Veek: Danial Montya
Gol Zsal: David Riedel
Assistenzarzt: Markus Pfeiffer
Thosro Ghinu: Bert Stevens
Tran Krot: Dirk Hardegen
Lirta: Magdalena Schmitz
Brinda Nagk: Brigitte Carlsen

sowie Oliver Baumann, Wolfgang Rüter, Udo Schenk, Bernd Vollbrecht, Markus Winter, Eugen Schachtner, Danny Elle, Isabella Grothe und Andreas Sparberg

Technik-Credits:

Buchvorlage: Christian Montilon (erschienen im BLITZ-Verlag)
Hörbuchbearbeitung, zusätzliche Texte, Dialogbuch und Regie: Markus Winter
Tontechnik, Mix und Sounddesign: Oliver Baumann
Sprachaufnahmen: WinterZeit Studios, Remscheid – 2day Productions Berlin – Michael Krüger, Hamburg
Mastering: Michael Schwabe, monoposto
Musik: Michael Donner, Manuela Trutte, WinterZeit
Coverillustration, Bookletillustration: R. S. Lonati (BLITZ-Verlag)
Fotos: Private Archive der Sprecher, WinterZeit
(c) und Redaktion der Buchverlage: Jörg Kaegelmann, BLITZ-Verlag

Die Ausstattung:

Die mit dem Covermotiv bedruckte CD steckt in einem Jewel-Case. Das Booklet ist vollgestopft mit Infos. So vielen, dass der verwendete Schriftgrad grenzwertig klein gewählt wurde. Da ist es dann ein wenig unvorteilhaft, gelbe Schrift auf einem fleckigen Weltraumhintergrund abzudrucken … das macht das Lesen noch ein wenig schwerer.

Wer aber gute Augen hat, der findet hier ein Vorwort vom und Infos über den Autor, den einige sicher aus der PERRY-RHODAN-Serie kennen, einige auch als Autor der „Drei ???“. Dann gibts noch ein Interview mit dem Regisseur zu lesen, Fotos und Infos zu sechs der Sprecher dieses Hörspiels (wenn man die Fotos übrigens auf ein Drittel der Größe reduziert hätte, dann hätte man auch den Schriftgrad erhöhen können … ja, ich weiß … hätte, hätte, Fahrradkette …). Zusätzlich werden noch die Sprecher und ihre Rollen aufgeführt sowie die Technik-Credits und reichlich Verlagswerbung in eigener Sache gemacht.

Mein Fazit:

Neue Hörspielserien haben es nie leicht … besonders nicht, wenn sie sich im Vorfeld schon selbst damit rühmen, die „kultigste“ Serie zu sein und eine „filmreife Hörspielinszenierung“ abliefern zu wollen. Beides schafft dieser Teil nicht … um Längen nicht, außer der Verlag zielt auf B-Movie-Freunde ab, dann passts perfekt. Der Wortanteil des Erzählers ähnelt einer inszenierten Lesung, die Musik ist theatralisch überzogen und die Sprecher bekommen oftmals Schriftsprache in den Mund gelegt, sodass die Dialoge seltsam künstlich wirken. Zufall oder Absicht? Und für „Kult“ bräuchten wir etwas zum Hassen oder Lieben, einen Helden oder einen Bösewicht …

Der Klappentext erzählt von Dingen, die hier gar nicht stattfinden, denn das „große Abenteuer“ erleben wir hier nicht. Erst am Ende trifft der Moraner unfreiwillig auf der Erde ein und in dem Moment, als es interessant werden könnte … ist Schluss … „Fortsetzung folgt“.

Und was es mit der PROMET auf sich hat, habe ich auch nicht verstanden. Laut Klappentext ist es ein Forschungsraumer … laut Hörspiel eine Raumyacht, die Peet von seinem Vater geschenkt bekommen hat. Eine lange Vorgeschichte auf der einen Seite … gar keine auf der anderen … dann gibts einen Knall und dann ist Ende. Wirklich befriedigend ist das nicht für den Hörer. Hier greifen wohl nur die treuen Fans der Romanserie zum nächsten Teil. Und 10-Jährige sind von diesem Hörerlebnis entweder verwirrt, gelangweilt, überfordert oder alles zusammen.

1 Audio-CD
Spieldauer: 59:48 Min.
Tracks: 22
Vom Verlag empfohlen ab 10 Jahren
ISBN-13: 978-3943732801

www.winterzeitstudios.de

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