Archiv der Kategorie: Rezensionen

Frederik Pohl – Mensch+. SF-Roman

Der betrogene Marsianer

Die einzige Hoffnung auf ein Überleben des Menschen besteht darin, eine Kolonie auf dem Mars zu errichten, bevor er die Erde vollends vernichtet hat. Doch es zeigt sich: Wenn er auf dem unwirtlichen Nachbarplaneten überleben will, ohne ständig auf Hilfsmittel angewiesen zu sein, muss er auf wesentliche Teile seines Menschseins verzichten und ein anderes Lebewesen werden, ein biotechnisch angepasstes Kunstgeschöpf.

Roger Torraway ist das erste erfolgreiche Produkt des Mensch+-Programms. Man hat ihn seiner Männlichkeit beraubt und ihm ein Set neuer Sinnesorgane eingebaut. Er hat äußerlich nur noch wenig Ähnlichkeit mit einem Menschen, aber innerlich – und das ist sein Dilemma – ist er durch und durch Mensch, vor allem ein normal fühlender Mann geblieben. (Verlagsinfo)
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Fünf Freunde und die große Meuterei (Folge 144)

Die Handlung:

Als die Fünf Freunde an einer Führung durch den Londoner Hafen teilnehmen, reißt sich Timmy los und rennt in einen offenstehenden Container. Die Freunde folgen ihm, denn Timmy scheint etwas gewittert zu haben. Da wird der Container plötzlich geschlossen und verladen. Als es den Fünf Freunden nach Stunden gelingt, die Türen des Containers zu öffnen, befindet sich das Schiff bereits auf hoher See. Und als sie zur Brücke wollen, um dem Kapitän Bescheid zu geben, erwartet sie eine weitere böse Überraschung … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ob das alles so möglich ist, was da im Klappentext steht, ich weiß ja nicht … aber, nehmen wirs mal so hin und hoffen, dass die Freunde wieder vom Schiff runterkommen, bevor das in China oder Australien oder sonstwo angekommen ist.

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Die drei ??? und der weiße Leopard (Folge 212)

Die Handlung:

„Der weiße Leopard“, eine japanische Prunkschale, verschwindet trotz des hochmodernen Alarmsystems. Ein kniffliger Fall für die drei ???, denn auf der Schale liegt ein Fluch der Samurai. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Erwartet und hier ein Kombi-Fall? Zwei zum Preis für einen? Ein Kunstdiebstahl und noch ein Fluch dazu? Und … was sind denn wohl die Auswirkungen des Fluchs? Zehn Jahre eine laufende Nase? Nein … der Tod … gar nicht mehr so lustig.

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Brian Herbert & Kevin J. Anderson – Navigators of DUNE. Book 3 of the Schools of Dune / Die Navigatoren des Wüstenplaneten

Das DUNE-Universum: Kampf der Navigatoren

Über Jahrtausende hat sich die Menschheit im All ausgebreitet und Planeten besiedelt. Nun, da der Krieg gegen die Maschinen gewonnen ist und ein neues Imperium gegründet wurde, hängt die Zukunft der Galaxis von den Navigatoren ab – genmanipulierten Menschen, die mithilfe des Gewürzes vom Wüstenplaneten gewaltige Raumschiffe durchs All manövrieren. (Verlagsinfo)

Hinweis: Diese Rezension beruht auf der englischsprachigen Originalausgabe.

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Volker Pesch – Der letzte Grund. Rostock-Krimi

Psychologischer Krimi aus Rostock

Ein versenktes Schiff, ein verschwundenes Gemälde und Spuren in die Vergangenheit. Das gesunkene Traditionsschiff Sansibar ist eigentlich kein Fall für die Mordkommission, doch unter Deck liegt eine Leiche. Handelt es sich dabei um den vermissten Bootsmann? Während die Leiche noch geborgen wird, beginnt Hauptkommissarin Doro Weskamp die Ermittlungen. Zunächst scheint die geplante Teilnahme des Seglers and der „Hanse Sail“ ein Motiv zu sein. Wollte die jemand verhindern?

Der Autor
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Clive Barker – Das sechste Buch des Blutes. Horror-Erzählungen

Der Tod ist auch nicht mehr, was er mal war

„Mit diesen fünf Erzählungen setzt Clive Barker den Schlussstein zu seiner Anthologie des Grauens. Wieder schafft er eine Gegenwelt, die nur vordergründig aus Zombies, Geistern und Ungeheuern besteht, eine Welt, in der die Grenzen des Vorstellbaren aufgehoben sind und alle verborgenen Ängste, Begierden und Phantasien des Monsters Gestalt annehmen.“ (Verlagsinfo)

1. Das Leben des Todes
2. Wie Schänder bluten
3. Festungsdämmerung
4. Die letzte Illusion
5. Das Buch des Blutes (Postskriptum) Auf der Jerusalem Street

Der Autor

Clive Barker, 1952 in Liverpool geboren, ist der Autor von bislang 18 Büchern, darunter die sechs „Bücher des Blutes“. Sein erstes Buch für Kinder trägt den Titel „The Thief of Always“ (Das Haus der verschwundenen Jahre). Er ist darüber hinaus ein bekannter bildender Künstler, Filmproduzent und -regisseur („Hellraiser 1“) sowie Computerspiel-Designer. Er lebt in Beverly Hills, Kalifornien, mit seinem Lebenspartner, dem Fotografen David Armstrong, und ihrer Tochter Nicole.
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Die drei ??? und der Höllenzug (Escape-Krimi 2)

Die Handlung:

In Pasadena, unweit von Rocky Beach, sorgt der Finstere Verkünder für Aufregung. Was hat der mysteriöse Prophet mit der verfallenen U-Bahn-Station „Paradise Station“ zu tun? Bei ihren Ermitt-lungen stoßen die drei ??? immer wieder auf knifflige Rätsel. Jetzt brauchen sie ihre Fans, um die Codes zu knacken und diesen höllischen Fall zu lösen (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wie man das Buch benutzt und Spaß damit hat

Mit der EXIT-Reihe hat sich der Verlag gut im Bereich der „Escape-Room“-Spiele etabliert und gezeigt, dass das Prinzip auch außerhalb verriegelter Räume ehemailger Bürogebäude funktioniert. Und da dies bereits der zweite ESCAPE-Krimi der ??? ist, vermute ich mal, dass der erste nicht nur bei mir gut angekommen ist.

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Die drei ??? – Der Goldene Salamander

Die Handlung:

Are you ready to rumble? Eine Wrestling-Show macht Station in Rocky Beach und die drei ??? lassen sich das Spektakel natürlich nicht entgehen. Doch kurz vor dem großen Showkampf gerät Der Goldene Salamander, der Star der Truppe, unter Verdacht: Er soll eine Bank überfallen haben. Können Justus, Peter und Bob seine Unschuld beweisen? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wenn ich mir den Klappentext so anschaue: Wie kommts, dass die drei ??? so von der Unschuld des Show-Ringers überzeugt sind? Gabs da vorher schon mal Kontakte oder wirkt er einfach so glaubhauft? Und, wie kommen sie wohl zu dem Auftrag? Nach einem klassischen Vorwort von A.H., das die Fans der ersten Stunden kennen gehts endlich ins Abenteuer.

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Die drei ??? Kids – 24 Tage eingeschneit (Adventskalender 2021)

Die Handlung:

Wegen defekter Gasleitungen wird ganz Rocky Beach in ein abgelegenes Skidorf evakuiert. Doch die weiße Idylle trügt. Die drei ??? Kids ermitteln zwischen Rodelbahn, Schneemann und Piste.

Krimi- und Rätselspaß, mit weihnachtlichen Rezepten, lustigen Gedichten und vielen weiteren Überraschungen → Extra: Stickerbogen (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

24 Tage lang eingescheit zu sein, stelle ich mir extrem langweilig vor. Wie wohl die Kids das überstehen?

Die Frage können sie sich später stellen, denn erst mal gibts Wichtigeres. Ein Gasleck nämlich. Das betrifft offenbar alle Leitungen in ganz Rocky Beach. Und wie praktisch, dass „relativ“ in der Nähe ein komplettes Dorf in Rocky-Beach-Größe in den Bergen verlassen dasteht. Und wie praktisch, dass der Besitzer/Verwalter des Dorfs nix dagegen hat, dass die Bewohner des Küstenstädtchens hier einfallen und so lange bleiben, bis daheim alles repariert ist.

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McGowan, Kathleen – Magdalena-Evangelium, Das

_Bibelrevision reloaded: Pilatus war ein Ehrenmann!_

Wer war Maria Magdalena, die angebliche Sünderin? Diese Frage stellt sich Maureen Paschal, eine junge amerikanische Journalistin, die sich offenbar durch nichts erschüttern lässt. Bis zu dem Tag, als ihr eine verschleierte Frau erscheint und sie über den Abgrund der Zeit hinweg um Hilfe bittet. In ihrer Faszination rührt Maureen an ein altes Geheimnis. Ein Vermächtnis, für das tausende Menschen gestorben sind. Und getötet haben. Das Vermächtnis ist ein in den Pyrenäen verborgener, einzigartiger Schatz. Und nur eine ganz besondere Person kann ihn heben. Ist Maureen die Verheißene?

_Die Autorin_

Kathleen McGowan, geboren in Hollywood, Kalifornien, wurde bereits als Teenager für ihre journalistischen Arbeiten ausgezeichnet. Mit 21 Jahren ging sie als Reporterin nach Nordirland. In den folgenden Jahren bereiste sie Europa und den Nahen Osten und studierte die Mythologie und Folklore der Alten Welt. Nach ihrer Rückkehr in die USA arbeitete sie für die „Irish News and Entertainment“ und später für die Walt Disney Corporation. Über ihre Reisen drehte sie – wie ihre Figur Tamara Wisdom – eine Dokumentarreihe. Sie ist mit dem irischen Folksänger Peter McGowan verheiratet und lebt mit ihrer Familie in Los Angeles.

_Die Sprecherin_

Ursprünglich sollte Franziska Pigulla als Sprecherin vorlesen. (So steht’s in der Programmvorschau für den Herbst 2006.) Sie sprang jedoch ab und Eva Mattes für sie ein. Mattes, Jahrgang 1954, steht seit 1965 vor der Kamera, seit 30 Jahren auf der Bühne. Vor allem die enge Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder prägte ihre Karriere. Für ihre Leistungen wurde sie mit dem Filmband in Gold, dem Bayerischen Filmpreis sowie der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichnet. Ihre erste Filmrolle spielte sie als Zehnjährige in »Dr. med. Hiob Prätorius«, 1970 folgte die erste Hauptrolle im Antikriegsfilm »o.k.«. Weitere wichtige Filme sind u.a. »Woyzeck« (1979, W. Herzog), »Céleste« (1981), »Das Versprechen« (1994) und »Schrei der Liebe« (1997). Seit 2001 spielt sie die Tatort-Kommissarin Klara Blum.

Sie liest eine von Dr. Arno Hoven gekürzte Romanfassung. Regie im Live-Live Studio, Berlin, führte Kerstin Kaiser, die Aufnahme erfolgte durch Horst-Günter Hank, der zusammen mit Dennis Kassel auch die Musik lieferte. Die Produktion oblag Marc Sieper.

_Handlung_

PROLOG. Man schreibt das Jahr des Herrn 72, und im Süden Galliens macht sich eine alte Frau daran, ihre Erinnerungen an die gute Zeit niederzuschreiben, als sie noch mit ihrem Mann Isa in Galiläa lebte. Doch inzwischen sind die meisten der Auserwählten, die Jeschua, dem Nazarener, nachfolgten, tot. Ihr Isa starb auf Golgatha, Petrus und Paulus wurden nach Rom verschleppt. Schon seit 40 Jahren, seit ihrer Flucht aus Jerusalem, lebt die alte Frau in dieser Höhle in den Pyrenäen. Sie wartet auf ihre Tochter Sara Tamar, denn ihre beiden Söhne sind schon längst fort, um ihrer eigenen Wege zu gehen. Nachdem sie sich entschieden hat, ob sie in Aramäisch, Isas Sprache, oder Griechisch formulieren soll, beginnt die alte Frau zu schreiben, von Judas, dem treuesten der zwölf Apostel, von Petros und all den anderen. Es ist „Das Buch der Jünger“. Danach wird sie das „Buch der dunklen Zeit“ beginnen.

PROLOG 2. Im Marseille des Jahres 1997 blickt Roger Bernard Gélis dem Tod ins Auge. Der Hüter eines Schatzes und Hirte einer geheimen Gemeinde aus dem südfranzösischen Languedoc findet ein grausames Ende. Männer, die sich „die Gerechten“ nennen, schlagen ihm den Kopf ab und rufen „Necate omnes – tötet sie alle!“ Genau wie ihre Ordensbrüder vor fast 800 Jahren in Bézieres, als sie die Katharer vernichteten.

|Haupthandlung.|

Im Herbst des gleichen Jahres wandelt Maureen Paschal, eine junge amerikanische Journalistin aus Louisiana, in Jerusalem an den Stationen des Kreuzweges, der Via Dolorosa, entlang. Doch an der achten Station verirrt sie sich (hier wandte sich Jesus an die Frauen) und fragt einen einheimischen Händler, der gerade seinen Antiquitätenladen öffnet, nach dem rechten Weg. Mahmud tut sogar noch mehr: Er schenkt ihr einen uralten Ring, der Maureen wie angegossen passt. Auf dem Ring sind neun kleine Kreise eingraviert.

Zurück auf der Via Dolorosa, wird ihr jedoch schwindelig und sie setzt sich auf eine Bank. Eine Art Verschiebung ihrer Wahrnehmung findet statt, so dass sie glaubt, das, was sie nun sieht, sei eine Vision: Sie erblickt eine rothaarige Frau mit haselnussbraunem Haar, die aus dem Mob des Kreuzweges wie eine Königin herausragt, doch ihr Gesicht ist von Schmerz verzerrt: „Du musst mir helfen!“ ruft sie. An ihrer Seite laufen zwei ihrer Kinder, das dritte wartet bereits in ihrem Schoß.

Maureen erwacht mit einem Ruck. Wer war die schöne Frau? Und warum folgte sie Jesus auf seinem letzten Gang, nach Golgatha, der Schädelstätte?

In der Grabeskirche zieht ein kleiner Mann Maureen beiseite, um ihr ein Bild an der Wand zu zeigen. Dies sei Maria Magdalena, sagt er, und genau wie sie, Maureen, trage sie den Ring mit den neun Kreisen. Maureen ist verwirrt und vertraut sich ihrem Cousin Peter Healey an, einem Jesuitenpater, den sie in Irland kennen gelernt hat. Seit ihr Vater sich das Leben genommen hat, ist Peter ihr größter Beschützer in dieser gewalttätigen Welt.

Als ihre Visionen nicht enden, sondern wiederkehren, muss sie sich mit diesem seltsamen Schicksal auseinander setzen. Sie schreibt über Maria Magdalena ein Buch, das zu einem Bestseller wird: „HERstory“ (statt „HIStory“). Darin enthüllt sie die Geschichtsfälschungen um die negativsten Frauengestalten, darunter Jeanne d’Arc und Maria Magdalena, die „reuige Sünderin“. Doch Magdalena (von hebräisch migdal eda: der Turm der Herde) wurde von einem Papst diffamiert, um seine politischen Ziele zu fördern. Wer war sie in Wirklichkeit? So wie Jeschua, der Nazarener, aus dem Hause König Davids stammte, so war auch sie eine Prinzessin – sie kam aus dem Hause des Königs Saul. Sie waren miteinander verlobt, doch etwas Schlimmes muss geschehen sein …

Unterdessen findet ihr Buch seinen Weg auch nach Südfrankreich. Dort entgeht den scharfen Augen von Beranger Sinclair und Roland Gélis, dem Sohn des anno 1997 Ermordeten, nicht, dass die Amerikanerin auf dem Foto einen heiligen Ring trägt. Es ist das Erkennungsmerkmal der Nachfolgerin Maria Magdalenas, von der Sinclair seine eigene Abstammung herleitet. Ist also Maureen Paschal die verheißene Hirtin des Schatzes, den die echte Maria Magdalena in den Bergen des Languedoc versteckt hat: ihr eigenes Evangelium und dasjenige, das Jesus selbst schrieb? Er beschließt, sie für die Sommersonnenwende 2006 nach Paris und auf seinen Stammsitz im Languedoc einzuladen.

„Necate omnes!“ lautet der Schlachtruf und das Motto des „Ordens der Gerechten“, der Johanniter, geschworene Feinde der Diener jener „Hure“, die als Maria Magdalena bekannt wurde. Schon einmal zogen sie im 13. Jahrhundert gegen die Hurenjünger, die Katharer, und metzelten sie in Hekatomben nieder. Doch nun reckt die alte Schlange wieder ihr Haupt empor. Diese Maureen Paschal trägt den verfluchten Ring der Metze!

John Simon Cromwell, das derzeitige Oberhaupt der „Gerechten“, sendet zwei Kundschafter aus, um die Chancen zu erkunden, wie die neue Verschwörung im Keim zu ersticken sei. Doch wenn die Amerikanerin ihn zum „Buch der Liebe“, dem Jesus-Evangelium, führen kann, umso besser. Danach ist sie nutzlos. Das Buch möge verbrannt werden, zusammen mit ihr …

_Mein Eindruck_

Die Frauen schlagen zurück, und wer könnte es ihnen verübeln. Dan Browns Bestseller [„Sakrileg“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1897 öffnete alle Schleusen für die Magdalena-Jünger, die fest davon überzeugt sind, dass Maria Magdalena nicht nur die rechtmäßig angetraute Gattin Jeschuas war, sondern obendrein auch die erste unter den zwölf Aposteln. Im Neuen Testament gehört sie zu den Frauen, die Jeschuas Leichnam nach seinem Kreuzestod ins Grab legten und salbten.

Was liegt näher als anzunehmen, dass sie selbst über jene kritischen Ereignisse in Jerusalem schrieb, als Pilatus seine Hände in Unschuld wusch, als er den nazarenischen Prediger den rachedurstigen Hohepriestern um Kaiphas und Jonathan Hannas übergab? Folglich schrieb sie das Evangelium nach Magdalena. Und bei McGowan hat es zwei Bücher: „Das Buch der großen Zeit“ (Das Buch der Jünger) und „Das Buch der dunklen Zeit“. Hier rückt die Autorin die titelgebende Frau an den Platz zurück, der ihr nach ihrer Meinung gebührt: als rechtmäßige Verwalterin von Jesu geistigem Erbe.

So wie sich Dan Brown auf den Bestseller „Der Heilige Gral und seine Erben“ stützte, so kann auch McGowan auf Quellenforschung zurückgreifen. Manche dieser Quellen hat der |Lübbe|-Verlag bereits veröffentlicht, andere Bücher sollen noch folgen. Diese Bücher braucht man aber nicht zu kennen, denn viele der relevanten Theorien und Erkenntnisse werden bereits im vorliegenden Roman dargelegt und erörtert. Das ist die Stärke, aber auch die Schwäche des Buches.

|Drei Ebenen|

Das Werk hat mindestens drei Ebenen. Da war einmal die oben skizzierte äußere Handlung, die Maureen Paschal von A nach B und noch viel weiter führt. Dieser Weg gleicht einem spirituellen Pilgerweg. Sie weiß es zwar nicht, doch der Weg – und das ist wörtlich gemeint – soll sie zur Entdeckung des Magdalena-Evangeliums in der Nähe von Arc führen.

Alle Diskussionen, Zweifel, Verwicklungen, Erörterungen und Offenbarungen, die Maureens Weg begleiten, lassen sich als zweite, als eine Meta-Ebene zusammenfassen. Sie dient dazu, Maureen als die Verheißene in ein konfliktreiches soziales und spirituelles Umfeld einzubetten. Schließlich passiert es einer Frau nicht jeden Tag, zur Hohepriesterin einer Jahrtausende alten Sekte gekürt zu werden.

Die Ebene Nummer drei finde ich persönlich am interessantesten: Sie wird durch das Magdalena-Evangelium selbst gebildet. Der Jesuit Peter Healey, Maureens Cousin, hat die beiden von ihr gefundenen Schriftrollen in nächtelanger harter Arbeit aus dem Griechischen übersetzt und sie einem erstaunten und erschütterten Publikum vorgetragen. Endlich wird die zentrale Rolle, die Magdalena spielte, sichtbar. Und über das, was sie über Jeschuas letzte Tage berichtet, herrscht fortan nicht der geringste Zweifel.

Ihre Behauptung, Judas Ischariot sei der treueste Apostel gewesen, als er Jeschua „verriet“, wird nun endlich verständlich. Noch erstaunlicher sind ihre Mitteilungen über die Hintergründe der Verschwörung der Hohepriester und der Johannes-Anhänger, um Jeschua ans Kreuz zu bringen. Statthalter Pontius Pilatus, dessen Frau Claudia Procula, eine bekehrte Christin, für Jeschua eintrat, wird zu einer historischen Gestalt von tragischer Größe. Egal, was er gewählt hätte – Freilassung Jeschuas oder seine Kreuzigung –, er wäre so oder so durch die Intrige Herodes Antipas’ gegen ihn zugrunde gegangen.

|Jeschua der Nazarener|

Was mir jedoch Bauchschmerzen bereitet, ist die Lichtgestalt, zu der Jeschua der Nazarener stilisiert wird. Schon klar: Er befand sich in einem spirituellen Wettstreit mit Johannes dem Täufer, dem „Lehrer der Gerechtigkeit“, und ist so als politische Figur erkennbar, doch leider behielten seine Gegner, die Essener des Johannes und die Hohepriester um Kaiphas, die Oberhand. Und da die Sieger immer die Geschichte nach ihrem Standpunkt schreiben, wurde sein Bildnis in ihren Schriften verfälscht. Da Johannes ein richtiggehender Frauenfeind war, lag seinen Anhängern auch viel daran, die Rolle der Frauen in der Nazarener-Bewegung Jeschuas zu diffamieren und in Misskredit zu bringen. So wurde aus Magdalena die „reuige Sünderin“, als die sie überall porträtiert wurde, und aus Salome, der Tochter des Herodes, ein „sündige Dirne“, die mit einem „Tanz der sieben Schleier“ (der von Magdalena legitimiert wird) lüstern ihren Vater bezirzte. Reiner Humbug!

Jeschua ist für mich zu schön, um wahr zu sein: Er die Lichtgestalt, zu der Magdalena, seine Frau nach dem Tode ihres ersten Gatten Johannes, aufblickt, und die sie wiederholt verklärt. Seine Lehre ist im Gegensatz zu der von Johannes eine der Liebe, Vergebung und Güte. Als Beleg dienen seine Heilungen, die er selbst bei den Besatzern, den Römern, vornahm. Ein besonders bewegendes Beispiel ist seine Heilung der Tochter des Hohepriesters Jairus von dem todesähnlichen Schlaf, in den sie gefallen war. Jeschuas Schicksal auf der Schädelstätte Golgatha ist natürlich an Dramatik nicht zu überbieten. Taschentücher bereithalten!

In der Gegenwart des Jahres 2006 ist die Reaktion auf die abweichlerischen Mitteilungen der Magdalena geteilt, wie man sich leicht denken kann. Und es erhöht die Spannung ganz beträchtlich, als Peter Healey eines Morgens sang- und klanglos mit den heiligen Schriftrollen verschwindet, um sie nach Paris zu seinen geheimen Auftraggebern zu bringen …

_Die Sprecherin_

Eva Mattes trägt die Geschichte mit angemessener Ausdrucksweise vor, doch etwas Merkwürdiges fiel mir auf: Dadurch, dass sie die arme Maureen, die von allen herumgeschubst und nur von einem Häuflein Aufrechter unterstützt wird, mit einer naiven Unschuldsstimme ausstattete, tritt Maureens hauptsächliche und recht bescheidene Rolle als Stichwortgeberin deutlich zutage. Will heißen: Sie spielt die Rolle des ahnungslosen Unschuldslammes, eine Novizin, die nun – stellvertretend für die Leserin bzw. Hörerin – in die höheren und ein wenig düsteren Mysterien um ihre Namenspatronin eingeführt wird. Ihre stets männlichen Mentoren (Tamara Wisdom hintergeht ja Maureen) reagieren prompt auf ihre vielen Stichwörter und beantworten alle ihre Fragen mit stets freundlicher Bereitwilligkeit. Offenbar wollen sie alle etwas von ihr – was könnte es wohl sein, fragt sich die Leserin bzw. Hörerin.

Zu den Enthüllungen der Mysterien, die zu den höheren Weihen führen, gehören im Text zahlreiche Zitate aus den beiden Büchern des Magdalena-Evangeliums. Alle diese Zitate sind mit einem leichten Halleffekt unterlegt, so dass sie leicht vom restlichen Text zu unterscheiden sind. Der Eindruck einer nicht nur stimmlichen, sondern auch zeitlichen Tiefe finde ich passend.

_Unterm Strich_

Wer Dan Browns „Sakrileg“ und den Schmöker „Die Erben des Heiligen Grals“ gelesen hat, wird sich in „Das Magdalena-Evangelium“ wie zu Hause fühlen. Sogar die Rosenlinie taucht hier wieder auf, führt durch die Pariser Kirche St. Sulpice (jetzt ein Wallfahrtsort amerikanischer Touristen, die den Da-Vinci-Code entschlüsseln wollen) und kreuzt – wer hätte das gedacht? – stracks durch das Dorf Arc, wo das Evangelium darauf wartet, entdeckt zu werden. Es verwundert nicht, dass die Rosenlinie nicht so bezeichnet, sondern – du ahnst es kaum – „Magdalenen-Linie“ genannt wird.

Weil die Autorin alle diese Ort so genau beschreibt, entsteht der Eindruck, dass sie sie alle persönlich besucht hat. Dass dies nicht unbedingt den Tatsachen entspricht, zeigt ein winziges, aber verräterisches Detail. Sie lässt Maureen die Alarmanlage ihres schlossähnlichen Domizils Château des Pommes Bleues deaktivieren. Da Maureen mit Magdalena den 22. März als Geburtstag teilt, kommt ihr als erstes dieses Datum in den Sinn. Sie schreibt es als Amerikanerin zuerst mit dem Monat und dann erst mit dem Tag, also: 322. Nur dass derjenige, der diese Alarmanlage einrichtete, höchstwahrscheinlich kein Ami war, sondern entweder Franzose oder Brite und das Datum folglich 223 geschrieben hätte. Hier überträgt die Autorin ihre eigene Kultur und hofft, dass die Franzosen schon so weit amerikanisiert sind, dass die Übertragung hinhaut. Jeder Franzose dürfte sich entrüstet abwenden. Bei den Briten bin ich mir inzwischen nicht mehr so sicher …

|Die Seelenreise der Pilgerin|

Der Mangel an äußerer Handlung und Action ist der wahren Natur des Buches geschuldet: Es handelt sich im Grunde um ein uraltes Genre, dem der spirituellen Entwicklung eines Pilgers. Dies konnte beispielsweise ein reuiger Sünder sein wie in John Bunyans „The Pilgrim’s Progress from this World, to that Which is to Come“ bzw. „Die Pilgerreise“, der 1678 erschien und sofort ein Bestseller wurde. Allerdings ist dieses Buch eine Seelenallegorie und für uns ziemlich unerträglich geschrieben. Was aber bestimmend übrig blieb, sind die vielen Erläuterungen, Belehrungen und sogar Verführungen. Auch physische Auseinandersetzungen kommen vor, genau wie bei McGowan.

John Bunyan mischt Heils-, Kirchen- und Seelengeschichte. Und wenn das Magdalena-Evangelium mit seinen Offenbarungen nicht das Heil der Christenheit – insbesondere ihres weiblichen Teils – verheißt, was dann? Magdalena wertet zahlreiche Geschichtsverfälschungen auf, genau wie Maureen es in „HERstory“ tut. Das Evangelium nach Magdalena lässt sich nur noch durch das Evangelium nach Jesus toppen. Es wird als „Das Buch der Liebe“ erwähnt. Vermutlich handelt es sich um den größten Schatz der Magdalenen-Jünger bzw. der Katharer, die es 1244 vor den Papsttruppen in Sicherheit bringen konnten – so die Legende.

|Fortsetzung folgt|

Dem Leser bzw. Hörer schwant es schon: „Das Magdalena-Evangelium“ ist nur der erste Band eines Zyklus. Der O-Titel stützt diese Befürchtung: „The Expected One“ ist lediglich „Book I of the Magdalene Line“. Das dicke Ende kommt also noch.

|Ob’s gefällt?|

Ich selbst kann mit mystisch-historischen Reiseberichten à la John Bunyan wenig anfangen, nicht so sehr wegen der beliebig herbeizitierten Beweise für Magdalenas und Maureens Rolle, als vielmehr wegen der fehlenden äußeren Aktion. Entwicklung findet in erster Linie im inneren Raum statt, und für Verräter und Spione kann das schon mal ins Auge gehen (Tamara und ihr Lover Derek). Aber das Château des Pommes Bleues zu einem Camelot des neuen Glaubens hochzustilisieren, finde ich schlicht lächerlich.

Letzten Endes entscheidet über das Buch nicht etwa der literarische Geschmack, sondern der Glaube der Leserin. Will sie diesen Schmarren akzeptieren oder nicht, ist keine Frage ihrer Vernunft, sondern ihrer mystischen Gläubigkeit. Dass Maureen in Graf Sinclair, diesem Gralsritter der Magdalena, nicht nur einen geistig-spirituellen Führer, sondern auch einen Liebhaber findet, dürfte romantische Frauenherzen schmachtend schmelzen lassen – und die Kasse der Autorin ins Nonstop-Klingeln versetzen.

|Originaltitel: The Expected One. Book I of the Magdalene Line, 2006
Aus dem US-Englischen übersetzt von Rainer Schumacher & Barbara Först
463 Minuten auf 6 CDs|
http://www.luebbe-audio.de

John Sinclair – Die Teufelsuhr (Folge 45)

Kreisch! Die Großvateruhr ist des Teufels!

Um 1908 beerdigen die Männer des Dorfes Miltonbury drei Kinder und einen Mann in ungeweihter Erde unter eine Eiche, die hinter einem Herrenhaus liegt. Die Zeit deckte den Mantel des Vergessens über den seltsamen Vorgang. Bald weiß niemand mehr von der Lage der Gräber, doch die Familie des Bürgermeisters wahrt das Geheimnis ihrer Existenz. 2008: Hundert Jahre später zeigt sich, dass der Fluch auf dem herrenhaus, dem die Dörfler nur munkelten, existiert und seine ersten blutigen Opfer fordert – die Kinder und der Mann kehren zurück, gerufen von einer Teufelsuhr im Haus…

Die Story erschien erstmals als Band 155 der Bastei-Romanserie.

_Der Autor_

Der unter dem Pseudonym „Jason Dark“ arbeitende deutsche Autor Helmut Rellergerd ist der Schöpfer des Geisterjägers John Sinclair. Am 13. Juli 1973 – also vor 32 Jahren – eröffnete der Roman „Die Nacht des Hexers“ die neue Romanheft-Gruselserie „Gespenster-Krimi“ aus dem Hause Bastei. Inzwischen sind über 1700 John-Sinclair-Romane erschienen, die Gesamtauflage der Serie beträgt laut Verlag über 250 Millionen Exemplare.

_Die Inszenierung_

Frank Glaubrecht spricht den Geisterjäger himself und ist die deutsche Stimme von Al Pacino, Christopher Walken, Kevin Kostner, Jeremy Irons, Pierce Brosnan und vielen mehr.
Jane Collins: Franziska Pigulla, die deutsche Stimme von Gillian „Scully“ Anderson
Suko: Martin May
Nadine Berger: Elisabeth Günther (Liv Tyler)
Don Mitchell: Dietmar Wunder (Cuba Gooding jr., Adam Sandler, Daniel Graig)
Marion Mitchell: Manja Doering (Reese Witherspoon, Natalie Portman)
Patrick Kiboran: Ernst August Schepmann
Mr. Crawford: Philipp Schepmann
Pfarrer: Hans-Jürgen Wolf (Chazz Palminteri, Hugo ‚Agent Smith‘ Weaving)
George Wood: Lutz Mackensy (Al Pacino, Christopher Lloyd)
Mr. Scott: Wolfgang Ziffer (‚Johnny 5‘, C-3PO)
Harry Kiboran: Helmut Krauss (Marlon Brando, James Earl Jones)
Rick Holloway: Udo Schenk (Ray Liotta, Ralph Fiennes, Gary Oldman, Kevin Bacon …)

Und viele weitere, u. a. für die Kinderstimmen.

Der Produzent ist Oliver Döring, Jahrgang 1969, der seit 1992 ein gefragter Allrounder in der Medienbranche ist. „Als Autor, Regisseur und Produzent der John-Sinclair-Hörspiele hat er neue Maßstäbe in der Audio-Unterhaltung gesetzt und ‚Breitwandkino für den Kopf‘ geschaffen“, behauptet der Verlag. Immerhin: Dörings preisgekröntes Sinclair-Spezial-Hörspiel [„Der Anfang“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1818 hielt sich nach Verlagsangaben wochenlang in den deutschen Charts.

Buch und Regie: Oliver Döring
Regieassistenz: Patrick Simon
Hörspielmusik: Christian Hagitte, Simon Bertling, Florian Göbels
Tontechnik: Arne Denneler
Produktion: Alex Stelkens (|WortArt|) und Marc Sieper (|Lübbe Audio|)

_Handlung_

Anno 1908 beklagen die führenden Bürger der walisischen Stadt Miltonbury das Verschwinden dreier Kinder: Shelley Tucker, Phil Russell und nun auch Josh Whitaker. Es gehe bereits das Gerücht um, der Teufel treibe sein Unwesen, erfährt Lehrer Crawford vom Pfarrer, und dass ein Fluch auf der Stadt liege. Der Pfarrer verweist auf das verdächtige Fernbleiben von Rick Holloway beim Gottesdienst. Holloway ist der Verwalter jenes abgelegenen Herrenhauses, das einem Geschäftsmann in London gehört und direkt an den Klippen der Küste liegt. Die Männer, die der Pfarrer zusammengerufen hat, beschließen, dem Haus einen Besuch abzustatten.

In einem Gewitter brechen sie in das Haus ein, denn Holloway ist offenbar in seiner eigenen Hütte. In der Eingangshalle stoßen sie auf wertvolle Kunstobjekte, doch dann entdecken sie eine Tür, die zu einer Kellertreppe führt. An der Wand des Kellers stehen drei Särge, aus denen Modergeruch emporsteigt. Crawford bringt den Mut auf, einen der Särge zu öffnen …

|Hundert Jahre später.|

Vier Gräber befinden sich unter der Eiche unweit des Herrenhauses, drei für die Kinder und eines für Rick Holloway, den George Wood seinerzeit erschoss. Sie sind in ungeweihter, unheiliger Erde bestattet, und nun ist es an der Zeit, dass der Fluch, der auf ihnen liegt, sich erfüllt.

Nadine Berger will sich hier mit Don Mitchell verloben, der das Haus geerbt hat, und hat ihren alten Freund John Sinclair von Scotland Yard eingeladen, mit ihr zu feiern. Auf der Fahrt hilft er Marion Matchell, Dons Schwester, aus dem Straßengraben, in dem sie wegen überhöhter Geschwindigkeit gelandet ist. Sie ist offenbar dem Kiffen und Koksen nicht abgeneigt. Der Empfang ist herzlich, doch Nadine ist nervös. Etwas hat sie erschreckt, merkt Sinclair, und befragt sie. Sie hat Angst vor einem bestimmten Zimmer im Obergeschoss. Dort spuke es, denn sie höre unsichtbare Kinder lachen.

Der Bürgermeister erzählt Sinclair gerade von den drei toten Kindern und Rick Holloway, als ein markerschütternder Schrei die festliche Gesellschaft irritiert. Sinclair erblickt die blutüberströmte Marion, neben ihr ein erstickt gurgelnder junger Mann, offenbar ihr Galan. Sinclair eilt sofort zum Ort dieser Szene im Obergeschoss, kann aber nur noch den Tod des Mannes feststellen. Er bringt die völlig hysterische Marion wieder zur Besinnung und versucht von ihr zu erfahren, was geschehen ist. Sie hat eine kleine Gestalt mit einer Kapuze gesehen, die mit einem Messer auf Freddie einstach. Dessen Blut befindet sich auf Marions Kleidern. Aber wo ist das Kind jetzt? Verschwunden.

Nadine Berger zeigt Sinclair die bemerkenswerte Standuhr, die im Mordzimmer steht und deren Ticken ihr neulich so auf die Nerven ging. Ihr Verlobter Don meint, es handle sich um ein sehr altes Erbstück. Als Sinclair sein geweihtes Kreuz daran hält, reagiert die Uhr funkensprühend: Sie ist offenbar schwarzmagisch aufgeladen. Sinclair will nur seinen Werkzeugkoffer mit magischen Objekten aus dem Auto holen, als er unter der Eiche einen Schatten erblickt – ein lachendes Kind. Ein Schlag trifft ihn von hinten, und er fällt in Bewusstlosigkeit.

Als er daraus wieder erwacht, merkt er, dass ihn die Gestalt eines gespenstischen Mannes zu den Klippen schleift, um ihn auf die Felsen hinabzuschleudern …

_Mein Eindruck_

Diese Folge der umfangreichen Serie ist so etwas wie ein Solitär. Hier treten weder Dämonen noch Teufelstöchter noch irgendwelche Angehörigen der Mord-Liga (erst wieder in Folge 46) auf. Vielmehr könnte die Folge ohne größere Änderungen an praktisch jeder Stelle der Reihe stehen. Es handelt sich um eine klassische Horrorgeschichte, die den erprobten ungeschriebenen Gesetzen des Genres gehorcht. Meinen Respekt für den Autor.

Zunächst wird der Grundstein für den Fluch der Vergangenheit gelegt. Warum der Fluch ausgerechnet hundert Jahre braucht, bis er wirksam wird, wird natürlich mit keiner Silbe begründet. Solche haarspalterische Logik liegt dem Horror fern. Jedenfalls befördern die braven Bürger Miltonburys den vom Teufel besessenen Übeltäter vom Leben zum Tode und sorgen für vier Begräbnisse in unheiliger Erde.

Das ist wichtig, denn gemäß dem Volksglauben können die Seelen nun nicht dorthin gehen, wohin sie eigentlich gehören. Sie schmoren sozusagen in der Vorhölle bzw. im Fegefeuer und sind entsprechend mies drauf, als sie wieder zurückkehren können. Dass auch die drei unschuldigen Opfer Rick Holloways kein astreines Begräbnis erhalten, liegt ebenfalls an Holloway: Er hat den Pfarrer erschossen. Manchmal kommt eben zum fehlenden Glück auch noch das Pech hinzu (um mal einen deutschen Fußballer zu zitieren).

Das Böse lauert immer und überall, diesmal in der Großvateruhr, deren Herkunft als Erbstück nicht erklärt wird. Darin wohnt jedoch der Teufel. Na ja, er könnte überall wohnen, sogar in einem Schuhlöffel, warum also nicht in einer simplen Standuhr? Sie hat zudem den Vorzug, um Mitternacht zu schlagen und die Dämonen loszulassen, die die braven Bürger von Miltonbury in Angst und Schrecken versetzen. Natürlich glaubt außerhalb Miltonburys niemand, der noch bei Trost ist, an solchen Unsinn. Das belegt Don Mitchell, ein Zweifler par excellence, wie ihn sich der Teufel nur wünschen kann.

Selbstredend lauert das Böse nur darauf, dass eine Sünde begangen wird, um sich der armen Seele des sündigen Tropfes bemächtigen zu können. Schon mit der Ankunft der zügel- und hemmungslosen Marion Mitchell – sie versucht ausgerechnet den Cop John Sinclair zum Koksen zu verführen – schwant dem Hörer Übles, und es dauert denn auch nicht lange, bis der Sünden-Fall eintritt, ein Schrei ertönt und das erste Blut fließt. Den armen Freddie hat’s diesmal erwischt. Kein Wunder, dass Marion der Verstand flöten geht und sie reif für die Klapse ist.

Doch wie vertreibt man einen Teufel aus seinem angestammten Domizil, zumal, wenn er vier Helferdämonen hat, die ihm zuarbeiten? Es kommt also endlich zum ersehnten Showdown. Mehr soll nicht verraten werden, außer dass sowohl Rick Holloway als auch die drei Horrorkinder sich als sehr untot erweisen und nur mit Mühe an ihren endgültigen Bestimmungsort geschickt werden können. Wie es das Genre verlangt, wurde der Fluch beendet und die Ursache des Übels beseitigt.

The spoils to the victor – der Lohn des Kampfes winkt dem Sieger. Und John Sinclair bekommt das Mädchen. Sie heißt Nadine Berger. Bemerkenswerterweise scheint er auf Entzug zu sein, was sein Liebesleben angeht (Jane liegt im Krankenhaus), und so akzeptiert er dankbar, was sie ihm anzubieten hat (womöglich die Äpfelchen des Paradieses).

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Die Macher der „Geisterjäger“-Hörspiele suchen ihren Vorteil im zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb der Hörbuchproduktionen offensichtlich darin, dass sie dem Zuhörer nicht nur spannende Gruselunterhaltung bieten, sondern ihm dabei auch noch das Gefühl geben, in einem Film voller Hollywoodstars zu sitzen. Allerdings darf sich niemand auf vergangenen Lorbeeren ausruhen: bloßes Namedropping zieht nicht, und So-tun-als-ob ebenfalls nicht.

Die Sprecher, die vom Starruhm der synchronisierten Vorbilder zehren, müssen selbst ebenfalls ihre erworbenen Sprechfähigkeiten in die Waagschale werfen. Zum Glück erledigen Pigulla (diesmal aus dem Off), Kerzel, Glaubrecht und Co. dies in hervorragender und glaubwürdiger Weise. Statt gewisse Anfänger zu engagieren, die mangels Erfahrung bei den zahlreichen emotionalen Szenen unter- oder übertreiben könnten, beruht der Erfolg dieser Hörspielreihe ganz wesentlich darauf, dass hier zumeist langjährige Profis mit schlafwandlerischer Sicherheit ihre Sätze vorzutragen wissen.

Übertriebene Ausdrucksweisen heben die Figuren in den Bereich von Games- und Comicfiguren. Das kann bei jugendlichen Hörern ein Vorteil sein. Die Figuren schreien wütend, fauchen hasserfüllt oder lachen hämisch. Diesmal sind die Lacher allerdings eher auf Seiten Rick Holloways, und die Opfer wälzen sich unter Kreischen und Gurgeln von der Bühne. Auftritt John Sinclair als spiritus rector und Inkarnation von Güte und Vernunft. Allerdings hängt er schon bald am Rande einer Klippe – Mitbibbern ist angesagt!

|Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem halbwegs realistischen Genre-Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Schlüsselszenen recht stimmungsvoll aufgebaut. Diesmal herrschen die Geräusche vor, die man im Umfeld von Herrenhäusern zu hören erwartet, sei es drinnen oder draußen: erst Gelächter, dann Gekreisch, und hin und wieder eine tickende Uhr – memento mori. Die Geräuschkulisse ist erstaunlich realistisch, wirkt aber nie überladen, sondern stets erscheinen die Geräusche als notwendig. Ein Markenzeichen der Serie sind Schüsse und Funkdurchsagen. Von beidem gibt es stets jede Menge.

|Musik|

Die Musik gibt ziemlich genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und leitet in den kurzen Pausen bzw. Übergängen gleich zur nächsten Szene über. Sie wurde von einem Orchester eingespielt, und so entsteht der Eindruck, die Begleitmusik zu einem alten Hollywood- oder British-Horror-Movie zu hören. Stets gibt sie sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und ist mit einem klassischem Instrumentarium produziert. Mit einer einzigen Ausnahme: Die Titelmelodie der Serie erschallt in einem hämmernden Rock-Rhythmus aus den Lautsprecherboxen. Sehr sympathisch.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil Angaben über die zahlreichen Sprecher und die Macher. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 16 Jahren.

_Unterm Strich_

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis. Dabei kommt aber die Action nie zu kurz, auch nicht die Romantik. Nadine Berger wendet sich furchterfüllt an den Retter John Sinclair, der die bösen Dämonen vertreiben wird, oder etwa nicht?

Die Polizei ist dein Freund und Helfer, und zwar auch im Bereich des Übernatürlichen. Das hat den Vorzug, nicht immer logisch sein müssen. Warum erfüllt sich der Fluch erst nach exakt hundert Jahren? Warum sitzt der Teufel in einer Standuhr? Warum tragen die Kinder mit den Messern – sie erinnern an [„Wenn die Gondeln Trauer tragen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4438 – die Ziegenfratze, die Satan nur auf uralten Darstellungen präsentiert? Warum können nur die Erzengel Beistand leisten, nicht aber simple Projektilwaffen – weil die Angreifer untot sind. Wenigstens eine Antwort kenne ich.

Darf ich mir jetzt auf die Schulter klopfen? Man darf eine Horrorserie, die sich selbst nicht ganz ernst nimmt, auch nicht als ernst gemeint beurteilen, sonst wäre man entweder ein Beckmesser oder ein Narr. Ich hoffe, weder das eine noch das andere zu sein.

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Die Action kommt niemals zu kurz, was die Game-Freunde doch einigermaßen zufriedenstellen sollte.

55 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3370-7
http://www.sinclairhoerspiele.de
http://www.luebbe-audio.de
http://www.wortart.de

Clive Barker – Das fünfte Buch des Blutes. Horror-Erzählungen

Das Grauen irdischer Götter

Im „Fünften Buch des Blutes“ treten irdische Götter auf, die Verkörperungen von Ideen und Prinzipien sind, wie etwa dem der Sünde. Mit seinen sechs „Büchern des Blutes“ hat der britische Superstar des Horrors, Clive Barker, moderne Klassiker des Unheimlichen geschaffen. Am besten bekannt bei uns ist er für seine „Hellraiser“-Filme. Einige der Erzählungen aus den „Büchern des Blutes“ wurden ebenfalls verfilmt.

Die in diesem Band enthaltenen Erzählungen sind:

1. Das Verbotene
2. Die Madonna
3. Babels Kinder
4. Leibhaftig

Der Autor
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Clive Barker – Das vierte Buch des Blutes. Horror-Erzählungen

Der Aufstand der Hände

Mit seinen sechs „Büchern des Blutes“ hat der britische Shootingstar des Horrors, Clive Barker, moderne Klassiker des Unheimlichen geschaffen. Am besten bekannt ist er bei uns für seine „Hellraiser“-Filme. Die im Virten Buch des Blutes veröffentlichte Erzählung „Das Leibregime“ wurde ebenfalls verfilmt.

1. Das Leibregime
2. Das nichtmenschliche Stadium
3. Das Zeitalter der Begierde
4. Offenbarungen
5. Erscheine Satan!

Der Autor

Clive Barker, 1952 in Liverpool geboren, ist der Autor von bislang 18 Büchern, darunter die sechs „Bücher des Blutes“. Sein erstes Buch für Kinder trägt den Titel „The Thief of Always“ (Das Haus der verschwundenen Jahre). Er ist darüber hinaus ein bekannter bildender Künstler, Filmproduzent und -regisseur („Hellraiser 1“) sowie Computerspiel-Designer. Er lebt in Beverly Hills, Kalifornien, mit seinem Lebenspartner, dem Fotografen David Armstrong, und ihrer Tochter Nicole.
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Norman Bridwell – Clifford. Der große, rote Hund

Was erwartet man eigentlich von einem Hund? Treu sollte der beste Freund des Menschen sein. Man sollte mit ihm spielen können; also die Fähigkeit zu apportieren wäre nicht schlecht. Und wäre er dazu noch lieb und freundlich, könnte man sicher auch über ein paar unschöne Angewohnheiten wie das Hinterherrennen von Autos oder Jagen von Katzen hinwegsehen.

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Gerda Maria Pum und Stefanie Jeschke – Pups, die Maus

Irgendwann kommt jedes Kind in das Alter, in dem es sich für Ausscheidungen interessiert. Bei Kaka, Pipi und Pupsen geraten Eltern nicht selten in Erklärungsnot oder wissen nicht, wie sie das Thema ansprechend und kindgerecht verpacken sollen. Bilderbücher sind dann eine gute Hilfe, um sich damit auseinanderzusetzen. In „Pups, die Maus“ macht eine kleine Maus, welche Süßigkeiten schlecht verträgt und davon Blähungen bekommt, ihrem Namen alle Ehre und pupst sich durch eine gereimte Geschichte von Gerda Maria Pum und Stephanie Jeschke.

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Kobi Yamada – Was macht man mit einer Idee?

„Eines Tages hatte ich eine Idee.“ – So beginnt das mit dem Independend Publisher Book Award und dem New York Times Best Selling Award ausgezeichnete Buch des US- amerikanischen Schriftstellers Kobi Yamada, um wenige Sätze später die wichtige Frage zu stellen: „Was macht man mit einer Idee?“ Auf 40 Seiten werden nun die möglichen Antworten durchgespielt: Zuerst wird die Idee im Geheimen gehalten, auch aus Angst davor ausgelacht zu werden. Dann wird sie konkreter und den Anderen präsentiert, doch von ihnen nicht verstanden und deshalb zwischenzeitlich auch von dem Kind, das die Idee hatte, abgelehnt. Aber sie lässt es nicht los und schließlich wachsen Idee und Kind zusammen, wachsen miteinander und verändern die Welt.

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Martin Ebbertz – Das Krokodil, das kommt aus Kiel

Onkel Theo ist zurück! Mit 22 neuen Geschichten macht Martin Ebbertz‘ zeitgenössischer Münchhausen 2021 da weiter, wo er zwei Jahren zuvor mit dem ersten Buch „Ein Esel ist ein Zebra ohne Streifen“ aufgehört hat. Auf 100 Seiten erzählt der Lügenonkel in „Das Krokodil, das kommt aus Kiel“ wieder fast wahre, von Maria Lechner mit verschmitzten Figuren illustrierte Geschichten über Tiere, Pflanzen und Alltagsgegenstände.

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Robert A. Heinlein – Fremder in einer fremden Welt (ungekürzte Fassung)

In diesem Roman wird die Geschichte von Valentine Michael Smith erzählt, einem Menschen, der von Marsianern auf dem Mars aufgezogen wurde und nun als junger Mann zur Erde zurückkehrt. Es wird erzählt, wie er die zunächst fremde irdische Kultur erlebt – und wie er sie verändert.

Robert Anson Heinlein ist einer der bekanntesten Science Fiction-Autoren, und „Stranger in a Strange Land“ ist sein bekanntestes Buch, das auf dem Uni-Campus der sechziger Jahre Kultstatus erlangte. Als es 1961 erschien, brachte der Verlag allerdings nur eine gekürzte – man könnte auch sagen: zensierte – Version auf den Markt. Auf Wunsch der Verleger wurde der Roman zunächst in einer um ein Viertel gekürzten Version (dt. Titel Ein Mann in einer fremden Welt) veröffentlicht, in der unter anderem auch „anstößige“, also Sexszenen, gestrichen worden waren. Die restaurierte Fassung, die Bastei-Lübbe 1996 vorlegte, wurde erst 1991 veröffentlicht, zwei Jahre nach Heinleins Tod und betreut von seiner Witwe Virginia. „Der Titel des Romans ist dem Buch Exodus des Alten Testaments entnommen.“ (Wikipedia)

Der Autor
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Philip Ardagh – Schlechte Nachrichten (Eddie Dickens 3)

Diese Geschichte ist der dritte und damit leider schon letzte Teil der Eddie-Dickens-Trilogie, die in „Schlimmes Ende“ ihren schlimmen Anfang nahm und in [„Furcht erregende Darbietungen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=367 so grässlich fortgesetzt wurde. Klarer Fall: Wir sollten uns auf das Schlimmste gefasst machen!

Das drei CDs umfassende Hörbuch dauert 215 Minuten, also etwa dreieinhalb Stunden.

Der Autor

Der Ire Philip Ardagh ist über zwei Meter groß und trägt einen buschigen Bart (und ähnelt damit dem Sprecher Harry Rowohlt in frappierender Weise) – wie sein Foto belegt (das sich auf der fabelhaften und unterhaltsamen [Homepage]http://www.philipardagh.com/ des Autors finden lässt). Außerdem hat er mehr als 60 Kinderbücher geschrieben, für Kinder jeden Alters und unter verschiedenen Pseudonymen. „Allerdings keines, das nur annähernd so wäre wie ‚Schlimmes Ende‘ „, verrät der Verlag. Ardagh lebt mit seiner Frau und zwei Katzen in einem Küstenort in England. Er arbeitete als Werbetexter, als Krankenhausputzkraft, als Bibliothekar und als Vorleser für Blinde, bevor er aus dem Schreiben einen Fulltime-Job machte. Im Booklet ist ein Porträt zu sehen.

Der Sprecher

Auch dieses Buch wurde wieder von Harry Rowohlt übersetzt, und er ist auch der Sprecher des ungekürzten Hörbuchs. Rowohlt lebt in Hamburg, ist Übersetzer, Autor, Rezitator, Zeit-Kolumnist und Gelegenheits-Schauspieler in der „Lindenstraße“. Er hat weit über hundert Bücher aus dem Englischen ins Deutsche übertragen. Die Liste der ihm verliehenen Preise würde den Rahmen sprengen. Seine Lesung von „Pu der Bär“ gehört zu den erfolgreichsten Hörbuchproduktionen der letzten Jahre.

Handlung

Eddie Dickens soll nach Amerika segeln. Ja, schön, aber warum ausgerechnet Eddie und wozu überhaupt?

Um dies verständlich zu machen, sind natürlich längere Erklärungen notwendig. Eddies Mutter hat eine Artilleriegranate über ihren Gartenzaun geworfen. So etwas tut man nicht alle Tage, nicht ungestraft und schon gar nicht ohne entsprechende Folgen. Die Explosion der Granate tötet einen friedlich unter Rhabarberblättern schlummernden Ex-Soldaten des Wahnsinnigen Onkels Jack (W.O.J.), verteilt seine Bestandteile über den Garten, streckt Mutter Dickens nieder und wirft Vater Dickens aus dem Baum, so dass er fürs Erste nur noch liegenderweise arbeiten kann. Letztere sind also reiseunfähig.

Dass W.O.J. und die Noch Wahnsinnigere Tante (N.W.T.) Maude ebenfalls nicht als Reisende infrage kommen, dürfte wohl einleuchten. Man kann sie einfach nicht auf die Menschheit loslassen. Man engagiert also eine Gesellschafterin, die Eddie auf der Schiffspassage begleiten soll. Lady Constance Bustle spricht zwar schönstes Oxford-Englisch, doch eines an ihr ist merkwürdig: Alle ihre früheren Arbeitgeber sind eines mehr oder weniger unnatürlichen Todes gestorben. Natürlich hat sie deren Erbschaften gerne angenommen und das Testament in keinem Fall angefochten. Ein Frauenzimmer in Zeiten Königin Viktorias muss sehen, wo es bleibt. Außerdem sei sie farbenblind. Welch ein entsetzliches Schicksal.

Der Zweck der Reise ist weniger zwielichtig. Der W.O.J. hatte zwei Brüder, Percy und George. Während Percys Nase stets in einem – und zwar immer demselben – Buch gesteckt hatte, begab sich George auf in die Neue Welt und gründete eine Zeitung, die nur die Wahrheit verkündete: Sie hieß „Schlechte Nachrichten“. In letzter Zeit sind die Rechenschaftsberichte der Betreiber vor Ort ausgeblieben, und als Einziger der Familie Dickens kann sich Eddie nach Amerika begeben, um herauszufinden, ob es Unregelmäßigkeiten gegeben hat. Schließlich wollen W.O. Jack und sein Bruder, Eddies Vater, wissen, wo ihr Geld geblieben ist. Sie könnten es jetzt, nachdem ihr Zuhause „Schlimmes Ende“ abgebrannt ist, gut gebrauchen.

Auf geht’s! (Endlich, nach zwei Dritteln des Buches!)

Die Bahn bringt Eddie in Begleitung seines W.O. Jack und der Lady Bustle nach Bad Schlammingen, wo auf dem Fluss schon der Segler „Riesenross“ auf ihn wartet. Ein Ruderboot unter dem Kommando eines gewissen „Jolly Roger“ bringt sie an Bord. Eddie entdeckt bald, dass es noch einen dritten Passagier gibt. Öha, es ist der Sträfling Protz, den Eddie in Teil 2, „Furcht erregende Darbietungen“, ins Gefängnis gebracht hatte.

Nach der Abfahrt der „Riesenross“ meldet der W.O. Jack auf der Polizeiwache von Bad Schlammingen, dass er seine Frau, die N.W.T. Maude, vermisse. Der Kriminalinspektor schließt aus Jacks Angaben messerscharf, dass sie sich wohl in Eddies Überseekoffer versteckt habe und sich nun ebenfalls auf der „Riesenross“ befinde. Ob dieses Trio wohl je lebendig in Amerika ankommen wird?

Mein Eindruck

Bangen und Zweifel sind durchaus angebracht, denn schließlich fahren ja auch eine vielfache Mörderin und ein entflohener Sträfling mit. Es grenzte an ein Wunder, sollte sich dieser Schlamassel zu einem Happyend entwickeln. Mit Verlaub gesagt: Es |ist| ein Wunder.

Der Autor wendet sich in seinem Buch bzw. Hörbuch natürlich an Kinder, empfohlen ist ein Alter ab zehn Jahren. So alt dürfte nun wohl auch Eddie sein, der Held, dem unsere ganze Sympathie zu gelten hat, denn schließlich hat er es wahrhaftig nicht leicht in einer Welt voller Geisteskranker und Mörder. Und wenn Erwachsene ausnahmsweise einmal weder wahnsinnig noch mörderisch daherkommen, dann sind sie, wie Eddies Eltern oder der Captain der „Riesenross“, garantiert so unterbelichtet und naiv, dass sie den Schurken im Stück nichts entgegenzusetzen haben. Bleibt also nur Eddie übrig, um den Tag zu retten. Ist ja klar: Er ist der Held dieses Stückes, und von ihm hängt es ab, ob das Buch bzw. die Geschichte zu einem glücklichen Ende findet oder nicht. Nicht, dass es ihm irgendjemand danken würde.

Philip Ardagh ist mit keinem anderen Autor, den ich kenne, zu verwechseln. (Oh ja, man kann ihn mit allen möglichen vergleichen, wie etwa Eoin Colfer, aber das bringt nichts.) Keinem gelingen derart skurrile Gestalten und unglaublich verwickelte Situationen (wie jene mit der Granate). Und keiner geht derart gnadenlos mit seiner Hauptfigur um. Dennoch entwickelt die Geschichte von „Schlechte Nachrichten“ wider Erwarten eine Spannung, die von innen heraus kommt, als sich die uns bereits ausführlich vorgestellten Figuren in Machenschaften von großer krimineller Energie verwickelt sehen.

Zu den Eigenarten des Autors gehört eine weitere Marotte: Immer wieder verwendet er kulturelle und sprachliche Rätsel. So kommen einige Details über Schiffstypen der viktorianischen Ära zur Sprache, deren Erklärung lehrreich sein kann. Sprachliche Rätsel sind häufiger. Abgefahrene viktorianische Ausdrücke wie „revivifizieren“ (vulgo: wiederbeleben, im Sinne von „die Lebensgeister wieder erwecken“) oder auch seemännische Ausdrücke wie „krängen“ (vulgo: schwanken, schlingern) werden allsogleich vom Sprecher/Übersetzer erklärt.

Und überhaupt: Wo kommt der Mondschein her, wenn der Mond weder ein inwendiges Feuer besitzt noch einen Satz Batterien? Merke: Der Schein des Mondes stammt von der Sonne. Darauf muss man erstmal kommen. Wie man sieht, lernt man in einem Ardagh-Buch immer etwas dazu.

Der Sprecher

Harry Rowohlt macht als Sprecher einen phantastisch guten Job. Er verleiht jeder Hauptfigur ihre eigene Ausdrucksweise. So ist Mrs. Dickens die verhuschte, zurückhaltende viktorianische Dame („seen but never heard“), während die Wahnsinnige Tante Maud ihr „brutalstmögliches“ Gegenteil darstellt: Ihr schnarrendes Gebrüll jagt einem immer wieder den Schreck in die Glieder. Dennoch ist ihr Mann, der W.O. Jack, völlig in sie verknallt.

Klein-Eddie klingt wie die Stimme der Vernunft, der gegenüber der Wahnsinnige Onkel Jack und die Noch Wahnsinnigere Tante Maude – nun, was wohl? – verkörpern. Ihnen gegenüber ist Lady Bustles verfeinertes Upper-Class-Englisch der reinste Wohlklang. Wie doch Stimmen täuschen können! In ihr verbirgt sich das schwarze Herz einer Mörderin.

Hier bringt Rowohlt sein in jahrelanger Übersetzungsarbeit erworbenes und verfeinertes Sprachgefühl ein: Es gibt keine falschen Noten in sprachlicher Hinsicht und schon gar nicht in intonatorischer Hinsicht. Allenfalls über die Betonung des einen oder anderen Satzes könnte man sich streiten. Nicht jedoch bei den VERSALIEN: Man hört förmlich die Großbuchstaben. Ein weiteres Schmankerl ist zu hören, wenn zwei Stimmen gleichzeitig erklingen. Hat sich der Sprecher verdoppelt? Mitnichten, er hat sie nur zeitversetzt aufgenommen und übereinandergelegt.

Einen kleinen Scherz genehmigt man sich schließlich mit Erlaubnis des Autors, als „die Stimme seiner Lektorin“ ertönt. Dabei handelt es sich keineswegs um eine Kastratenversion von Harry Rowohlt, sondern um eine echte Frau, möglicherweise um Wanda Osten, die Regisseurin und Tontechnikerin des Hörbuchs.

Apropos Tontechnik: Die Aufnahmequalität ist vom Feinsten. Denn die Lautstärke des Vortrags schwankt ständig, und einmal klopft der Sprecher sogar an das Mikrofon, um einen entsprechenden Laut zu simulieren. All dies auf höchster Qualitätsebene abzufangen, verlangt schon einige Nerven. Die Technik sei hier ausdrücklich gelobt.

Das Booklet

Es kann nicht unterbleiben, das Booklet zu beschreiben. Im Vergleich zu den beiden früheren CDs der Eddie-Dickens-Reihe scheint man sich diesmal viel mehr Mühe bei der grafischen Gestaltung gegeben zu haben. Es enthält sechs Originalillustrationen des unnachahmlichen David Roberts und vermittelt somit eine gute Vorstellung von der grafischen Pracht des Buches.

Nicht genug damit, sind auch die Oberseiten der Discs mit Illustrationen bedruckt (bei den Unterseiten wäre das wohl ein wenig zu viel des Guten gewesen). Sie zu beschreiben, wäre wirklich müßig und würde dem Interessenten die Vorfreude verderben. Muss man einfach selber gesehen haben.

Unterm Strich

Wie schon in den zwei Vorgängern dauert es auch in „Schlechte Nachrichten“ erst einmal eine ganze Weile, bis Eddie – und mit ihm der Hörer – weiß, wo’s langgeht und was Sache ist. Siehe meine obigen ersten Fragen. Nach Bewältigung diverser Startschwierigkeiten „geht’s dann los“ – und gleich rein ins Abenteuer, in dem sich unser Held als ebensolcher entpuppt und bewährt.

Die spiralförmige Erzählbewegung, die Ardaghs Markenzeichen geworden ist, mag ja nun nichts jedermanns Sache sein, ist aber unbedingt notwendig, um den Figuren Leben einzuhauchen. Auch wenn sie dabei noch so unwahrscheinlich erscheinen – den Kinder gefällt es bestimmt. Denn idealisierte Helden wie einen gewissen Harry Schotter gibt es schon viel zu viele.

Harry Rowohlts Übertragung ins Deutsche und sein kongenialer Vortrag macht das Hörbuch zum Erlebnis. Allerdings bietet die Erzählung so viele merkenswerte Einzelheiten, dass sich eine mehrfach eingelegte Pause dringend empfiehlt. Es sei denn, man macht sich wie ich laufend Notizen, um nicht den Überblick zu verlieren. (Wer hätte beispielsweise gedacht, dass die Farbenblindheit Lady Bustles noch einmal wichtig werden könnte, hm, wer? Na, also.)

Und endlich: Es gibt eine Altersempfehlung vom Verlag! Man lernt! Ein Lichtblick am umwölkten PISA-Horizont.

https://www.luebbe.de/luebbe-audio/hoerbuecher/alle-hoerbuecher/id_3429433

Colfer, Eoin – Artemis Fowl III – Der Geheimcode (Lesung)

Dieser Roman ist der mittlerweile dritte in der Serie um den 13 Jahre jungen Meisterverbrecher Artemis Fowl, der ständig mit der Welt der Unterirdischen im Clinch liegt. Dieses Buch wurde nominiert für den |Deutschen Bücherpreis 2004|.

|Der Autor|

Aus dem Booklet: |“Bis zu seinem Welterfolg mit ‚Artemis Fowl‘ arbeitete Eoin [ausgesprochen: ouen] Colfer als Lehrer. Er hat mehrere Jahre in Saudi-Arabien, Tunesien und Italien unterrichtet. Seine früheren Bücher für junge Leser standen in Irland, England und den USA an der Spitze der Bestsellerlisten. Colfer lebt mit Frau und Sohn im irischen Wexford und widmet sich gegenwärtig ganz dem Schreiben.“| Kein Wunder, dass die nächsten Artemis-Bände schon fertig und ebenfalls als Hörbuch zu haben sind!

|Der Sprecher|

Rufus Beck, geboren 1957, spielte im Ensemble und als Gast auf deutschsprachigen Bühnen, wurde durch Sönke Wortmanns Film „Der bewegte Mann“ populär und gilt seit seinen einmaligen Interpretationen aller Harry-Potter-Romane als einer der besten, engagiertesten Hörbuchsprecher („-leser“ kann man wohl nicht mehr sagen).

Musik und Geräusche gibt es keine. Die Hörfassung ist leicht gekürzt worden.

_Handlung_

Immer darum bemüht, das Vermögen des Fowl-Klans zu mehren, trifft sich Artemis Fowl in London mit dem amerikanischen Unternehmer John Spiro in einem Restaurant dessen Wahl. Beide Seiten sind mit ihren Bodyguards gekommen: Spiro mit Arno Blunt und Artemis mit Butler. Beide Seiten sind gut vorbereitet. Aber auf was?

Artemis hat etwas ganz Besonderes anzubieten: den C-Cube, wobei C für Control steht. Es handelt sich um einen kombinierten Minicomputer plus Handy plus Scanner, drahtlos und mit Spracheingabe. Von der erstaunlichen Miniaturisierung mal abgesehen, ist der würfelförmige und leicht tragbare C-Cube in der Lage, sowohl Satelliten anzuzapfen als auch jeden Geheimcode zu knacken. Spiro lässt sich dies gerne demonstrieren. Das Wunderding knackt den 512-Bit-Code seines Handys im Handumdrehen (dieser Code ist viermal stärker als die aktuelle Bit-Stärke für SSL-geschützte Übertragungen im Internet). Kein Wunder: Es ist aus Material der Elfen-ZUP hergestellt worden.

Spiro ist beeindruckt und will das Zauberding sofort haben. Er ist selbst Elektronikhersteller mit Schwerpunkt Kommunikation. Mit dem C-Cube könnte er seinem schärfsten Konkurrenten |Phonetix| den Garaus machen: Er braucht nur deren Forschungsergebnisse auszuspionieren.

Leider verweigert Artemis die Transaktion. Vielmehr läuft sein Deal ganz anders. Er bringt den C-Cube |nicht| auf den Markt, ruiniert Spiro nicht und bekommt dafür eine Tonne Gold für sein nettes Entgegenkommen. Spiros Deal sieht auch anders aus: Er schnappt sich den C-Cube, lässt Fowls Leibwächter Butler abknallen und verschwindet – aber nur, weil er Artemis plötzlich nicht mehr sieht.

Butler hat gerade noch Zeit, eine Schallbombe zu zünden und alle Gegner außer Gefecht zu setzen, bevor er den Löffel abgibt. Geistesgegenwärtig steckt Artemis seinen Freund ins Gefrierfach der Restaurantküche und mietet sofort ein Fach im Kryogenik-Institut von Dr. Constance Lane an. Dann erst ruft er die Unterirdischen zu Hilfe, allen voran Holly Short von der Zentralen Untergrund-Polizei (ZUP), damit sie Butler wiederbelebt.

In Haven City, der Stadt der Unterirdischen, fällt der Strom aus und sämtliche Schotts zur Außenwelt schließen sich automatisch. Nicht nur Elfen-Cop Holly Short ist beunruhigt. Ihr Vorgesetzter Root und sein Techniker, der Zentaur Foaly, sind es noch viel mehr. Eine fremde Macht versucht offensichtlich, Haven City anzugreifen. Wer ist es und was will er?

_Mein Eindruck_

So beginnt ein rasantes Abenteuer, das starke Ähnlichkeit mit einer |Mission Impossible| hat. Denn natürlich müssen Artemis Fowl und die Unterirdischen den C-Cube wiederbeschaffen. Er ist eine Bedrohung für die ganze Welt, die obere wie die untere.

Der Höhepunkt der Action ist die minutiös geschilderte Einbruchsaktion in Spiros extrem gut gesichertes Hochhaus, in dessen extrem gut gesichertem Tresorraum der C-Cube nun ruht. Mir fiel auf, dass dabei technische Einzelheiten in Hülle und Fülle erwähnt werden, so dass kein Jugendlicher unter etwa 15 Jahren damit zurechtkommen dürfte: Die oberirdische Technik ist auf dem modernsten Stand, aber die unterirdische ist noch wesentlich weiter – genau wie der C-Cube. Fans von „Mission: Impossible“ und SWAT-Team-Filmen kommen hier jedenfalls voll auf ihre Kosten.

Nicht so toll, geradezu langweilig und nervend fand ich dann die dramaturgischen Aufräumarbeiten, nachdem Spiro – nach einigen Tricks – endlich besiegt ist. Denn nun geht es Artemis Fowl selbst an den Kragen. Die Unterirdischen haben endgültig genug von seinen Eskapaden auf ihre Kosten – und löschen sein Gedächtnis. Das klingt schlimmer als es ist, aber der Auszug aus Artemis‘ Tagebuch, das den Epilog bildet, ist doch recht putzig anzuhören. Wie er sich über bestimmte Dinge und Beinahe-Erinnerungen wundert. Jedenfalls ist er bereit für neue Abenteuer, soviel steht fest.

Im zweiten Abenteuer haben die Leser viele bemerkenswerte und sonderbare Figuren lieb gewonnen, so etwa den Zwerg Mulch Diggums, der nun für die Mafia arbeiten soll, und Artemis‘ wehrhaften Butler namens Butler (eigentlich Domovoi). Neu im Team ist nun Butlers junge Schwester Juliet: Sie ist eine wahre Kampfmaschine, und als Artemis sie zu Hilfe ruft, befindet sie sich gerade in einem karg ausgestatteten japanischen Trainingslager, wo sie ihre Kampfsporttechnik vervollkommnet. Sie wird sich noch als sehr nützlich erweisen.

Natürlich hat auch der Gegner neue Figuren aufzuweisen. Doch wie üblich umgibt sich der unumschränkte Herrscher – Spiro – wieder mal nur mit hirnamputierten Muskelprotzen, so dass sie für die Angreifer von der ZUP keine ernst zu nehmenden Hindernisse darstellen. Spiro verlässt sich lieber auf die Technik, aber auch in dieser Hinsicht haben die Unterirdischen bekanntlich die Nase vorn.

Nach Bezügen zur realen Gegenwart möchte ich lieber nicht suchen, denn die alten ideologischen Fronten existieren nicht mehr – jedenfalls nicht im Maße wie während des Kalten Krieges. Die eigentlichen Kriege finden zunehmend zwischen multinationalen Konzernen statt.

|Der Sprecher|

Rufus Beck schafft es wieder, jeder Figur ihre individuelle Stimme zu verleihen. Dabei scheint er mühelos tiefste Tiefen und höchste Höhen zu erreichen, selbst astreine Dialekte wie Berlinerisch sind ihm nicht fremd. So fällt es leicht, die einzelnen Figuren auseinanderzuhalten, selbst wenn man sich ihre Namen nicht merken können sollte. Und diese Charakterisierung trägt wesentlich dazu bei, aus dem Roman ein Hörspiel mit verteilten Rollen zu machen, das an Dramatik nichts zu wünschen übrig lässt. Wenn nur die Story nicht entgleisen würde.

_Unterm Strich_

Der Aufbau des neuesten Fowl-Abenteuers ähnelt auffallend dem des vorhergehenden. Doch gilt es diesmal nicht, irgendwelche Aufständischen unschädlich zu machen, sondern à la James Bond einen größenwahnsinnigen Unternehmer, der die Welt zu beherrschen droht – mit Elfen-Technik, wohlgemerkt. Und das finden die Elfen gar nicht witzig. Sie schlagen ihn mit ihren eigenen Waffen, die teils recht magisch daherkommen. Für Fowl-Fans ist wohl wichtiger, dass Fowls bester Freund, sein Leibwächter Butler, stirbt – zumindest vorübergehend.

Insgesamt ist das Abenteuer wesentlich technischer ausgerichtet als etwa die Abenteuer von Fowls größtem Konkurrenten: Harry Potter. Dort herrschen Elemente aus Fantasy und Mystik (Basilisk, Phönix usw.) vor. Und bei Fowl fehlt eine Hierarchie der Gesellschaft vollständig: keine Magier, die Fowl sagen, was er zu tun hat. Aber auch kein Erzfeind, gegen den er sich profilieren könnte. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis der erste Artemis-Fowl-Film in unsere Kinos kommt.

Das Hörbuch ist sehr actionreich und flott erzählt. Allerdings sollte man sich davon, wie ich merkte, nicht allzu viel auf einmal zu Gemüte führen: Ein Sättigungseffekt tritt schon nach zwei bis drei CDs ein. Eine Pause hilft, das Gehörte zu verarbeiten. Und Rufus Beck zuzuhören, kann schon ein wenig anstrengend sein.

|Umfang: 386 Minuten auf 5 CDs|

Homepage der Serie: http://www.artemis-fowl.de/