Schlagwort-Archive: Ullstein

John Fowles – Mantissa

Amüsant: Der Schriftsteller im Clinch mit seiner Muse

Ein Mann erwacht unversehens in einem Krankhausbett. Nacheinander bekommt er Besuch von einer Gruppe weiblicher Gestalten, allen voran die strenge Dr. A. Delfie. Erst im Verlaufe der geschliffenen Dialoge à la Menippus stellt sich heraus, dass unser „Held“ ein Schriftsteller ist und mit den Musen (https://de.wikipedia.org/wiki/Muse_(Mythologie)) seiner Schaffenskraft ringt, insbesondere mit Erato (https://de.wikipedia.org/wiki/Erato).

Der Autor

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Wilson Tucker – Die Unheilbaren

Ein Blitzkrieg verheert den Osten der USA. Der halbe Kontinent ist verwüstet, die Bevölkerung verseucht. Da kein Gegenmittel bekannt ist, werden die wenigen Überlebenden mit Waffengewalt ferngehalten. Im Osten herrschen Hunger und Tod. Ein Ex-Soldat versucht die Grenze zu durchbrechen … – Diese scheinbar typische „Doomsday“-Science-Fiction aus der Ära des Kalten Krieges überrascht durch eine differenzierte Weltsicht. Der Angreifer wird nie enthüllt; Autor Tucker konzentriert sich auf den Überlebenskampf der Opfer, die von ihren eigenen Mitbürgern ausgegrenzt werden, bis sie hoffentlich bald gestorben sind: keine Lektüre für Trump-eltiere. Wilson Tucker – Die Unheilbaren weiterlesen

Ed McBain – Acht schwarze Pferde (87. Polizeirevier 38)

Zum vierten Mal fordert ein genialer Verbrecher das 87. Polizeirevier zu einem ‚Ratespiel‘ heraus, an dessen Ende ein ganz großes Ding steht. Der Wettlauf beginnt, und am Laufbahnrand bleiben Leichen zurück … – Der 38. Roman der Serie um das 87. Revier bringt den mysteriösen, psychopathischen, unterhaltsamen „Tauben“ zurück. Dabei wird deutlich, dass zum ‚Spiel‘ auch Mord gehört, was der Story einen ernsten Unterton verleiht; auch aufgrund der (inzwischen reizvoll veralteten) Detailschilderung der Polizeiarbeit ist dies ein lesenswerter Krimi. Ed McBain – Acht schwarze Pferde (87. Polizeirevier 38) weiterlesen

Ed McBain – Totes Ohr am Telefon (87. Polizeirevier 27)

Auch die Kriminellen der Großstadt Isola erleben Frühlingsgefühle, weshalb die Polizisten des 87. Reviers gut beschäftigt sind. Ausgerechnet jetzt meldet sich „der Taube“, ein ebenso genialer wie psychopathischer Verbrecher, der einen neuen Coup ankündigt, um die Polizei herauszufordern … – Der 27. Roman der Serie um das 87. Revier gewinnt durch den dritten Auftritt des charismatischen „Tauben“ an Schwung, bietet aber auch sonst alltägliche und bizarre Übeltaten, die vom eingespielten Team des besagten Reviers unterhaltsam gelöst werden: wie üblich ein Lektüre-Vergnügen. Ed McBain – Totes Ohr am Telefon (87. Polizeirevier 27) weiterlesen

Per Mertesacker – Weltmeister ohne Talent: Mein Leben, meine Karriere

Worum gehts?

Per Mertesacker – der blonde, lange Schlacks, oder wie man ihn in England liebevoll nennt – „Big Fucking German“. Nicht nur aufgrund seiner für den Fußball nicht optimalen Körpergröße von 1,99 Meter sticht er aus der breiten Masse heraus. Darüber hinaus ist er für seine faire Spielweise und sein taktisches Verständnis bekannt.

„Weltmeister ohne Talent“ ist die packende Autobiografie eines sympathischen Mannes, dessen Karriere ganz klein begann und groß geendet ist. Er beschreibt zahlreiche emotionale Momente wie seine Wechsel zu den unterschiedlichen Vereinen, mehrere verpasste Titel bei großen Turnieren und als Höhepunkt den Gewinn der Weltmeisterschaft in Brasilien.

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Jo Nesbø – Durst

Worum gehts?

Eine neue Mordserie versetzt die Bewohner Oslos in Angst und Schrecken. Ein Serienkiller findet seine Opfer über die Dating-App Tinder. Die Ermittler der Mordkommission suchen vergeblich nach dem entscheidenden Hinweis, der zum Täter führt und dem Grauen ein Ende setzt – vergeblich.

Wer könnte das Team besser unterstützen als die Serientäter-Koryphäe Harry Hole. Leider ist dieser aus seiner aktiven Amtszeit als Ermittler bereits vor einiger Zeit ausgeschieden. Doch sein ehemaliger Chef Mikael Bellmann setzt alles daran, ihn für die Aufklärung dieses Falles zurückzugewinnen und zwingt ihn mit allen Mitteln in die Ermittlung.

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Eric Frank Russell – Gedanken-Vampire

Jenseits der Barriere der Wahrnehmung

„Irgendjemand, irgendetwas hat es auf die Wissenschaftler der Erde abgesehen. Sie müssen sterben, weil sie einer unheimlichen Bedrohung auf die Spur gekommen sind: den Gedanken-Vampiren… “ (Verlagsinfo) Doch Bill Graham, ein Regierungsagent, kommt den Zusammenhängen auf die Spur und entdeckt die Barriere der Wahrnehmung, hinter der sich die Aliens verbergen. Nun macht er sich an die Arbeit, ein Kampfmittel gegen die Schmarotzer zu finden, die sich den Geist der Menschen untertan machen…
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Jo Nesbø – Der Auftrag (Blood on Snow 1)


Serienkiller-Serie mit schiefem Preis-Leistungsverhältnis

Olav lebt das einsame Leben eines Killers. Als Killer ist es nicht unbedingt leicht, anderen Menschen nahezukommen. Doc jetzt hat Olav die Frau seiner Träume getroffen. Zwei Probleme stellen sich: Sie ist die Frau seines Chefs. Und Olav wurde gerade beauftragt, sie zu töten. (Verlagsinfo)
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Carter Brown – Insel des Todes (Danny Boyd 14)

Detektiv Danny Boyle sucht auf einer abgelegenen Insel den Mörder einer Frau und gerät in die Gruppe der Verdächtigen, die sich rasch recht handfest des lästigen Schnüfflers zu entledigen suchen … – Dieses rasante Krimigarn aus der Feder eines Hochleistungs-Zeilenschinders bietet Sex & Crime pur ohne den Hauch von Anspruch, ist eingebettet in einen simplen, routiniert entwickelten Plot und unterhaltsam vor allem als nostalgisch-entlarvende Rückschau in eine Zeit, als die Männer noch hart und die Frauen willig waren …
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Jo Nesbø (Nesboe)- Rotkehlchen (Harry Hole 3)

Ein alter Mann will sich für längst vergessenes Unrecht rächen und den norwegischen Kronprinz ermorden. Ihm kommt ein psychisch derangierter Polizeibeamter auf die Spur, die tief in die Vergangenheit und die aktuelle Neonazi-Szene des Landes führt … Eindrucksvoller Krimi mit dem skandinavisch üblichen sozialkritischen Touch, aber ohne Wallander-Tristesse, sondern spannend und mit trockenem Witz erzählt.
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Jennifer McMahon – Winter People. Wer die Toten weckt

In einer abgelegenen Region Neuenglands kehren die Toten zurück, wenn man sie ruft. Leider haben sie sich sehr verändert, weshalb die Wiedersehensfreude rasch Entsetzen und Mord weicht … – Auf zwei Zeitebenen (1908 und Gegenwart) spinnt die Autorin ein erfreulich klassisches Gruselgarn, das mit modernen Schauerlichkeiten durchwebt ist und stimmungsdämpfende Seifenoper-Elemente auf ein erträgliches Maß dämpft: leicht überdurchschnittliche Phantastik.
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James Ellroy – Hollywood, Nachtstücke

Fünf Kurzgeschichten und eine Novelle bilden Bausteine einer halb imaginären Chronik der Stadt Los Angeles in den anderthalb Jahrzehnten nach dem II. Weltkrieg. Sie wurden von einem Autor verfasst, der von dieser Stadt gleichermaßen fasziniert wie abgestoßen ist, was die durchweg spannenden aber düsteren Storys manchmal sogar ein wenig zu deutlich prägt. Lokalkolorit und ein gut recherchiertes historisches (aber nie sklavisch beachtetes) Umfeld komplettieren das schwermütige „Noir“-Vergnügen.
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James Ellroy – Crime Wave. Auf der Nachtseite von L. A.

Elf „True-Crime“-Storys, Kurzgeschichten und Autobiografisches aus der Feder von James Ellroy. Die Beiträge erschienen ursprünglich in einem US-Magazin und beschäftigen sich mit der fiktiven und tatsächlichen Geschichte der Filmstadt Los Angeles, wobei Ellroy sich auf die kriminellen Aspekte konzentriert, zu denen er, ein ehemaliger Verbrecher, selbst Substanzielles beizutragen weiß: interessant und intensiv, zumal die Leidenschaft des Verfassers sich jederzeit mitteilt.
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Ed McBain – Puppe [87. Polizeirevier 20]

Als Polizist Steve Carella im Alleingang einen Frauenmörder festnehmen will, gerät er in eine Falle. Von den Kollegen für tot gehalten, pokert er gefangen verzweifelt um sein Leben, solange seine Kerkermeister zaudern ihn umzubringen … – Der 20. Roman um das 87. Polizeirevier ist ein spannendes Psycho-Drama auf zwei Ebenen: Kann Carella die unberechenbaren Peiniger auf Abstand halten? Werden die Kollegen seine Fährte aufnehmen und ihn retten? Das Ergebnis ist geradliniges, schnelles, kurzweiliges Krimi-Handwerk.
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Ed McBain – Polizisten leben gefährlich

In einer US-amerikanischen Großstadt eröffnet ein Mörder die Jagd auf Polizeibeamte, die er aus dem Hinterhalt niederschießt. Unter großem Druck auch der Medien versuchen die Kollegen, den Täter dingfest zu machen, bevor der nächste Cop zu Boden geht … – Schon der erste von insgesamt 55 Romanen um das 87. Revier bietet knappe, spannende, dabei gefühlsduselfreie aber keineswegs emotionslose Krimi-Unterhaltung und verdeutlicht, wieso die ein halbes Jahrhundert fortgesetzte Serie so erfolgreich war: ein moderner Klassiker.
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Atiq Rahimi – Heimatballade

Die Handlung:

1973 gerät das Leben des elfjährigen Atiq Rahimi aus den Fugen: Sein Vater, Richter am Obersten Gerichtshof in Kabul, wird nach einem Staatsstreich ohne Angabe von Gründen verhaftet. Als man ihn endlich freilässt, geht er ins Exil nach Indien, wohin ihm der Sohn folgt. Ein Kulturschock ebenso wie eine willkommene Weitung des eigenen Horizonts für den muslimisch erzogenen Jungen, der plötzlich mit einer anderen Zivilisation konfrontiert ist. Einige Jahre später verschlägt es Atiq Rahimi nach Frankreich, wo er seitdem lebt. Dreißig Jahre nach seiner Flucht aus Afghanistan schreibt Rahimi erstmals über sein Exil und sein Verhältnis zu Heimat und Muttersprache. Entstanden ist dieses poetische Journal intime, das den intellektuellen Kosmos des Goncourt – Preisträgers nachzeichnet. ( Klappentext )

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Nele Neuhaus – Im Wald


Worum gehts?

Im Wald des idyllischen Örtchens Ruppertshain gerät mitten in der Nacht ein Wohnwagen in Flammen. Das Ermittlerteam vom K11 Pia Sander und Oliver von Bodenstein ermitteln in dieser Sache zunächst wegen Brandstiftung. Doch als aus den Trümmern eine Leiche geborgen wird, lautet die Ermittlungsakte „Mord“.

Nur wenige Stunden später, wird in einem nahegelegenen Hospiz eine kranke Frau erdrosselt und auch der ortsansässige Pfarrer wird einem brutalen Mörder zum Opfer. Die Ermittlungen führen das Duo von Bodenstein und Sander ins Jahre 1972 zurück, als Olivers bester Freund Artur spurlos verschwunden ist. Bis heute fehlt jede Spur des damals Elfjährigen, da der Fall nie aufgeklärt werden konnte.

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Henry Carlisle – In den Fängen des Meeres

Carlisle Fänge des Meeres Cover kleinAnno 1820 steht der junge Kapitän George Pollard vor einer glänzenden Karriere als Walfänger. Doch ein wütender Pottwal versenkt sein Schiff. Ohne Wasser und Lebensmittel beginnen die Überlebenden einander zu fressen. Nach der Rettung bleibt Pollard gezeichnet, er gilt als Unglück bringender „Jonas“ … – Eindrucksvolle Roman-Biografie gänzlich abseits der üblichen Kanonen-&-Klabautermann-Klischees der maritimen Unterhaltungsliteratur.
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John Dickson Carr – Mord am Netz

Carr Mord am Netz Cover 1969 kleinAuf einem rundum umzäunten Tennisplatz wird der reiche Frank Dorrance umgebracht. Verdächtig sind seine ehemalige Braut und sein Rivale Jim Rowland, die beide ihre Unschuld beteuern. Die Polizei ist anderer Meinung, erst Dr. Gideon Fell enthüllt einen teuflisch genialen Mordplan … – Der 11. Roman der Fell-Serie bietet klassische Krimi-Kost vom Feinsten: Der Plot ist herrlich verwickelt, die Lösung absurd aber logisch, und die Figuren erfüllen jedes altmodische Rätsel-Krimi-Klischee.
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Ed McBain – Das Unschuldslamm

McBain Unschuldslamm Cover 1984 kleinRoger, ein einfacher Mann vom Lande, hat in der großen Stadt etwas falsch gemacht und möchte gern beichten, aber stets kommt ihm etwas dazwischen, und dann steigt in ihm schon wieder diese schreckliche Wut auf … – Der 19. Roman um das 87. Polizeirevier kommt fast völlig ohne die bewährten Figuren aus, sondern erzählt die Geschichte eines Mannes mit einem Geheimnis, das sich einfach nicht lüften lassen will. Schrecken, Spannung und Humor gehen eine bemerkenswert gelungene Mischung ein und heben diesen Roman noch über das Niveau der ohnehin großartigen Cop-Thriller McBains.
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