Schlagwort-Archive: Isaac Asimov

Isaac Asimov – Das Ende der Ewigkeit

Zeitmanipulation im großen Maßstab

Dieser Zeitreiseroman über Kontrolle und Rebellion, Pflicht und Liebe wird von einigen Kritikern als Asimovs bester Science-Fiction-Roman angesehen. Da verwundert es nicht, dass dieses schmale Werk immer wieder neu aufgelegt wird. Meine Ausgabe liegt in der 20. Auflage vor.

Handlung

Der Techniker Andrew Harlan ist Mitglied der „Ewigkeit“, einem exklusiven Kreis von etwas mönchisch lebenden Menschen, die eine Art Kontrollinstanz über die Zeit ausüben. Die „Ewigen“ nehmen bestimmte Eingriffe in den Zeitverlauf vor und schützen durch Manipulationen die Menschheit vor Gefahren. Ihre Aufgabe ist es, die Geschichte möglichst stabil zu halten und besonders größere Kriege zu verhindern. Die „Ewigkeit“ wurde im 27. Jahrhundert gegründet und bezieht die Energie für ihre Aktivitäten aus der Explosion, in der unsere Sonne zur Nova geworden sein wird, also in etwa ein paar Milliarden Jahren. (In diesem Roman geht es um eine große Menge Zeit.)

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Isaac Asimov – Die nackte Sonne (Foundation-Zyklus 5)

Spannende Ermittlung: Als Detektiv unter heißer Sonne

Detective Elijah Baley traut seinen Ohren nicht, als er von seinem neuen Auftrag erfährt: Er soll die Geborgenheit seiner „Stahlhöhle“ New York verlassen und nach Solaria fliegen, einer dünn besiedelten Welt der Spacer. Er wurde angefordert, um einen rätselhaften Mord aufzuklären, der absolut jeder Logik entbehrt.

Auf Solaria bekommt Elijah Angstzustände, sobald er sich unter freiem Himmel sieht, aber sein Partner, den er aus einer früheren Ermittlung kennt, beruhigt ihn: Robot Daneel Olivaw. Doch auch noch auf den zweiten Blick sieht R. Olivaw wie ein Spacer bzw. wie ein Mensch aus. Und das hat alles seinen guten Grund, wie sich herausstellt…

Dies ist der zweite Weltraumkrimi Asimovs, nachdem er mit „The Caves of Steel“ (Die Stahlhöhlen, ungekürzt 1988) einen ziemlichen Erfolg verzeichnen konnte. Und dies ist der Startpunkt für die zahlreichen Roboter-Romane Asimovs, die er schließlich mit den Motiven aus dem Foundation-Zyklus zu seiner eigenen Geschichte der Zukunft vereinigte.
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Isaac Asimov – Die Stahlhöhlen (Foundation-Zyklus 4)

Dynamisches Ermittlerduo: Mit dem Robot in die Unterwelt

3000 Jahre in der Zukunft. Während die „Spacer“ genannten Weltraumsiedler auf ihren dünnbesiedelten Welten leben, die ihre Vorfahren kolonisiert haben, vegetieren die Menschen der alten Erde, zu Millionen zusammengepfercht, in überkuppelten Metropolen: den Stahlhöhlen.

In der Spacer-Kolonie außerhalb New Yorks wird unter rätselhaften Umständen ein Spacer ermordet. Politische Repressalien drohen, und der Polizei-Commissioner Enderby betraut seinen besten Mann Elijah Baley mit der Aufklärung des Mordes. Doch zum ersten Mal in seinem Leben soll Baley mit einem Ermittler der Spacer zusammenarbeiten, ausgerechnet mit einem Roboter: R. Daneel Olivaw. Doch warum zum Kuckuck sieht Olivaw genauso aus wie ein Mensch? Wird er sich auch wie einer verhalten? Und was, wenn nicht?
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Isaac Asimov/Greenberg/Olander (Hrsg.) – Sternenpost. 3. Zustellung

Classic SF: Lysistrata lässt grüßen

Isaac Asimov und seine Mitarbeiter stellen Sternenbriefe und kosmische Tagebücher vor. Dies ist die dritte und letzte Zustellung der Sternenpost. Die Briefeschreiber und Tagebuchverfasser sind bunt gemischt, und es finden sich sogar eine Frau darunter. Unter den sieben Beiträgen dieses 3. Bandes sind unter anderem:

1) „Unerreichbares Geheimnis“ von A.E. van Vogt,
2) „Die Macht“ von Murray Leinster und
3) „Die Einsamen“ von Judith Merril (die auch in Band 1 vertreten ist), und mehr.

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Isaac Asimov/Greenberg/Olander (Hrsg.) – Sternenpost. 1. Zustellung

Eine Sternenoper und viele tückische Briefe

Isaac Asimov und seine Mitarbeiter stellen Sternenbriefe und kosmische Tagebücher vor. Dies ist die erste Zustellung der Sternenpost. Die Briefeschreiber und Tagebuchverfasser sind bunt gemischt, und es finden sich sogar etliche Frauen darunter. Unter den 13 Beiträgen dieses 1. Bandes sind unter anderem:

1) „Nur eine Mutter“ von Judith Merril;
2) „Computer streiten nicht“ von Gordon R. Dickson und
3) „Brief an einen Phönix“ von Fredric Brown.
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Friedel Wahren (Hg.) – Isaac Asimov’s Science Fiction 52. Folge

Das Gesetz des Wandels: Von Mafs, Kindern und Künstlern

Dieser 52. IASFM-Auswahlband bietet drei Geschichten über Kinder im weitesten Sinne sowie über Kunst und Imagination. Den neun angloamerikanischen Erzählungen hat die Herausgeberin eine von einer deutschen Autorin beigefügt. Das ist Tradition in der deutschen Ausgabe von Asimov’s Science Fiction Magazin.

Hier findet man:

– Die Story von zwei Astronautinnen auf dem Jupitermond Io, die eine bemerkenswerte Entdeckung machen.
– Die Story vom überfluteten Los Angeles, wo durch Mutation angepasste Kinder nach Liebe suchen.
– Die Story von der Welt, in der Zweigeschlechtlichkeit die Norm ist, was für Monosex-Musliminnen Probleme bedeutet.
– Die Story vom Blutrache übenden Mädchen in Nordirland, die das gesetz der Serie bricht.
– Die Story vom klug gemachten Schimpansen, der in freier Wildbahn keine Artgenossen mehr findet.
Und fünf weitere Geschichten.
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Friedel Wahren (Hrsg.) – Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin 26. Folge

Classic SF: Vom Gottesexperiment zu Gottes abgesandtem Alien

Dieser Auswahlband aus dem Jahr 1985 enthält Erzählungen von Gene Wolfe, Lucius Shepard, Nancy Kress und Michael Bishop sowie von dem deutschen Autor Hans Bach.

Hier findet man unter anderem:

1) Die Story von dem Globetrotter, der sich absichtlich den lebensfeindlichsten Erdenwinkel zum Ruhesitz wählt;
2) Die Story von dem Mord anlässlich einer Raumkreuzfahrt, bei dem Mörder und Opfer im dunkeln bleiben;
3) Die Story von dem absurden Experiment, bei dem mittels Sex und Trance unerhörte Energien freigesetzt werden;
4) Die Story von dem rätselhaften Alien von Alpha Centauri: ein neuer Heiland, der Antichrist oder nur ein abgeschobener Revoluzzer;
5) Die Story von den Wanderern auf fremden Welten, die allen Widrigkeiten trotzen – und an sich selbst scheitern.
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Friedel Wahren (Hg.) – Isaac Asimovs Science Fiction Magazin, 30. Folge

Erlesene Vielfalt klassischer SF-Erzählungen

Dieser Auswahlband aus dem Jahr 1987 enthält Erzählungen von Isaac Asimov, Orson Scott Card, Lucius Shepard, Rudy Rucker & Bruce Sterling, Walter Jon Williams, Mary Jane Engh sowie von dem deutschen Autor Reinhard Köhrer.

Hier findet man unter anderem:

1) Die Story von dem Roboter, der die Gabe des Träumens besitzt und für dieses Verbrechen gnadenlose Strafe erleidet;
2) Die Story von der galaktischen Söldnerin, deren private Mordmaschine ein tödliches Eigenleben entwickelt;
3) Die Story von der Revolutionärin, die in die Vergangenheit reist, um dem Schicksal ihres Landes auf die Sprünge zu helfen;
4) Die Story von den russischen Beatniks, die die Eroberung des Weltraums auf ihre Weise fördern.
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Isaac Asimov/Charles Waugh/Martin Greenberg (Hrsg.) – Drachenwelten

Drachenzauber: magisch, romantisch, witzig

Altmeister Isaac Asimov war nicht nur ein produktiver Autor von Krimis, Sachbüchern und Science-Fiction-Romanen, sondern auch ein ausgezeichneter und fleißiger Herausgeber von Anthologien. Dies belegt unter anderem das hohe Niveau der Story-Sammlung in „Drachenwelten“. Als mythologische Wesen tauchen Drachen vorwiegend in Fantasygeschichten auf, sind aber auch in der Science-Fiction nicht ganz unbekannt, etwa bei Jack Vance und Alexander Besher. Bestes Beispiel ist die hier aufgenommene Story von Gregory Benford.
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Isaac Asimov (Hg.): Das Forschungsteam. Die Hugo-Gernsback-Preisträger 1955-1961

Klassische SF-Erzählungen aus den Fünfzigern

Seit 1955 wird in den USA der Hugo-Gernsback Award an die besten Romane und Erzählungen des Jahres vergeben. Der Preis ist benannt nach dem in Luxemburg gebürtigen Schriftsteller und Herausgeber , der 1926 das erste speziell der Science Fiction gewidmete Magazin herausgab: „Amazing Stories“.

Der beste Roman, die beste Novelle, die beste Erzählung und die beste Kurzgeschichte werden bei den alljährlich stattfindenden World SF Conventions, Treffen von Autoren, Verlegern und Lesern aus aller Welt, durch Abstimmung ermittelt.

Isaac Asimov (s. u.) hat in diesem Band die neun preisgekrönten Texte zusammengestellt, die 1955 in Cleveland, 1956 in New York City, 1958 in Los Angeles, 1959 in Detroit, 1960 in Pittsburgh und 1961 in Seattle (1957 wurden in London keine Preise vergeben) als die besten Veröffentlichungen des Jahres gekürt wurden. Sie gehören heute allesamt zu Klassikern des Genres. So auch die Titelgeschichte von Murray Leinster aus dem Jahr 1956. (Abgewandelte Verlagsinfo)

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Isaac Asimov – Meine Freunde, die Roboter

Der künstliche Mensch mit einem Gewissen

In diesem Band liegen sämtliche Roboter-Erzählungen gesammelt vor, die noch heute verfilmt werden, z. B. mit Will Smith in der Hauptrolle. In der fünften Geschichte „Liar!“ formulierte Asimov die ersten drei Gesetze der Robotik, die noch heute die Grundprinzipien des Baus von Robotern darstellen. In Japan werden Roboter inzwischen als Kindermädchen eingesetzt.

Später ergänzte er die drei Gesetze um das nullte Gesetz, das nicht nur Einzelmenschen, sondern auch die Menschheit als Ganzes schützen soll (ob das immer gelingt, steht auf einem anderen Blatt). Asimovs Robotergeschichte sind ein wichtiger Beitrag, den die Sciencefiction zum Thema Künstliche Intelligenz geleistet.

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Isaac Asimov, Martin Greenberg – Die besten Stories von 1941

_Das tödliche Licht der Sterne_

Isaac Asimov war erst 21 Jahre alt, als er das schreckliche Kriegsjahr 1941 erleben musste. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor wurde er wie viele andere führende SF-Autoren eingezogen. Anders als Heinlein, der in Philadelphia malochen musste, durfte Asimov eine ruhige Kugel schieben und kam deshalb noch dazu, ein paar Geschichten zu schreiben und an den Herausgeber John W. Campbell von „Astounding Stories“ zu liefern, Deshalb ist er in diesem, seinem eigenen Auswahlband zweimal vertreten, Heinlein aber überhaupt nicht.

Jede Erzählung wird mit einer Anmerkung von Greenberg zum Autor und seinem Werk eingeleitet. Asimov steuert lediglich eine persönliche Anekdote bei, wie er den Autor kennen gelernt hat – oder auch nicht.

_Die Herausgeber_

Isaac Asimov, geboren 1920 in Russland, wuchs in New York City auf, studierte Biochemie und machte seinen Doktor. Deshalb nennen seine Fans ihn neckisch den „guten Doktor“. Viel bekannter wurde er jedoch im Bereich der Literatur. Schon früh schloss er sich dem Zirkel der „Futurians“ an, zu denen auch der SF-Autor Frederik Pohl gehörte. Seine erste Story will Asimov, der sehr viel über sich veröffentlicht hat, jedoch an den bekanntesten SF-Herausgeber verkauft haben: an John W. Campbell. Dessen SF-Magazin „Astounding Stories“, später „Analog“, setzte Maßstäbe in der Qualität und den Honoraren für gute SF-Storys. Unter seiner Ägide schrieb Asimov nicht nur seine bekannten Robotergeschichten, sondern auch seine bekannteste SF-Trilogie: „Foundation“. Neben SF schrieb Asimov, der an die 300 Bücher veröffentlichte, auch jede Menge Sachbücher, wurde Herausgeber eines SF-Magazins und von zahllosen SF-Anthologien.

Übrigens ist in den biobliografischen Daten auch Martin H. Greenberg als Herausgeber ausgewiesen. Er gibt wahrscheinlich noch heute Anthologien zu einfallsreichen Themen heraus.

_Die Erzählungen_

1) _Eric Frank Russell: Mechanische Mäuse_ (Mechanical mice)

Dan Burman hat ein Problem: Er hat eine Maschine erfunden und weiß nicht, was sie tut. Der Entwurf wurde ihm quasi eingegeben, indem er sich mit einem selbsterfundenen „Psychophon“ auf eine Geistreise in die Zukunft begab. Jetzt hat er den Salat. Die Maschine tut nichts. Er klagt sein Leid dem Reporter Bill, der erst einmal kein Wort glaubt, doch nach einer eigenen Geistreise ins 31. Jahrhundert kommt ihm die Sache plausibler vor.

Die Maschine sieht etwas unheimlich aus: wie ein umgedrehter Sarg mit photoelektrischen Zellen. Plötzlich klickt und surrt sie, öffnet einen Klappe, schnappt sich zwei Chronometer und schließt sich wieder. Hitze entwickelt sich, dann folgt Stille. Es ist Mitternacht, und Burman und Bill begeben sich zur Ruhe. Doch im Labor und auf den Straßen beginnt eine unheimliche Betriebssamkeit.

Streifenpolizist Burke bemerkt in dieser Nacht zwei tote Katzen. Deren durchgeschnittene Kehlen sprechen gegen die Annahme, dass sie Opfer von todesmutigen Ratten geworden sind. Noch ominöser ist der Anblick der fast leergeräumten Auslage des Juwelierladens, den Burke bewacht wie seinen Augapfel. In der unteren Ecke des Schaufensters entdeckt er ein fünf Zentimeter großes Loch, und in der Auslage fehlen ausschließlich Uhren. Die Diamantringe ließ der Dieb seltsamerweise unbeachtet.

Als auf Burkes Alarm hin seine Kollegen mitsamt dem Juwelier eintreffen, können sie sich den Raub nicht erklären. Doch auf einmal macht sich die Uhr an Maleys Handgelenk selbständig und flitzt durch das Loch im Schaufenster nach draußen. Was zum Teufel geht hier vor?

|Mein Eindruck|

Wer kennt nicht die herrliche STAR-TREK-Episode „Trouble with Tribbles“? Darin vermehren sich putzige kleine Alienviecher derart explosionsartig, dass es auf den Korridoren der „Enterprise“ kein Durchkommen mehr gibt. Und vor allem lenken sie die Besatzung durch ihr allgegenwärtiges Auftauchen von deren Aufgaben ab. Sie haben etwas von einem Bienenschwarm.

Ähnliches geschieht in „Mechanische Mäuse“. Der Titel verrät schon das halbe Geheimnis, was ich nicht so witzig finde. Dan Burman, der etwas linkische Erfinder, hat aus der Zukunft eine Von-Neumann-Maschine mitgebracht (bzw. das entsprechende Konzept). Deren Kennzeichen ist es, dass sie Abbilder von sich selbst herstellt. (Dazu gibt es von John Sladek eine herrliche Romansatire.)

Die Abbilder sind wie im Bienenschwarm differenziert nach Königin, Drohne und Arbeiter / Soldaten, um unterschiedliche Aufgaben erfüllen zu können. Doch das Baumaterial besorgt sich diese Robotermutter verhängnisvollerweise aus den Uhren, Autos und Weckern der Umgebung. Das führt für Dan Burman zu einigem Ungemach, was sich aber umso lustiger liest.

Selbstredend will er dem Unglück, das die Maschine über seine Mitbürger bringt, ein Ende bereiten und greift die Maschine an. Sie verteidigt sich einfallsreich. Und als es ihm schließlich gelungen ist, muss er feststellen, dass sie das oberste Gebot jeglichen Lebens als allererstes befolgt hat: Sie hat sich fortgepflanzt und eine Kopie ihrer selbst hergestellt … Tick-tick!

2) _Robert Arthur: Das Ende der Entwicklung_ (Evolution’s end)

Im Jahre 12.000 hat sich die Menschheit in die Sklaven und die Herren aufgespalten. Beide leben unter der Erde in Tunneln. Die Herren haben nämlich vor zehntausend Jahren ein doppelt so großes Gehirn als normal entwickelt und die Schädelwände sind so dünn geworden, dass sie die Hitze der Sonne nicht mehr vom Gehirn abhalten.

Der Herr Dmu Dran hat heimlich ein höchst illegales Experiment gestartet. Er hat zwei Sklaven erlaubt, intelligenter und stärker als erlaubt zu werden. Adem, der muskelbepackte Mann, und Ayveh, seine ihn im Geheimen liebende schön Frau, sollen nun jedoch getrennt werden, damit Ayveh den verhassten Ekno heiratet. Wenn Aydem diesem Befehl der Herren zuwiderhandelt, landet er in der Feuerkammer.

Doch Dmu Dran zeigt den beiden Auserwählten, dass das Ende der evolutionären Entwicklung gekommen ist. Entweder gelingt es ihm, die Gehirnkapazität der Herren nochmals zu erhöhen, ohne dass die Opfer seines anderen Experiments verrückt werden, oder er wird Aydem und Ayveh an die Erdoberfläche, nach Aiden, entkommen lassen, wo sie einen Neuanfang wagen können, um zu den Sternen zu streben. Es kommt zu einer Krise in den Tunneln der Herren …

|Mein Eindruck|

Wie schon 1938 John W. Campbell in „Abenddämmerung“, machte sich eine Reihe von SF-Autoren Gedanken darüber, was Darwins und Thomas Huxleys Evolutionstheorien für die Menschen bedeutet. Die negative Utopie in H. G. Wells‘ einflussreichem Roman [„Die Zeitmaschine“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3578 half ihnen dabei, und oft wandten sie diese Theorie auf den Genesis-Mythos der Bibel an. Der zweite Autor in diesem Band, der dies tat, ist Alfred Bester mit „Adam und keine Eva“ – siehe dort.

Gegen Besters Story nimmt Arthurs Erzählung sich brav und antiquiert aus, einem Erzählduktus des 19. Jahrhunderts verhaftet statt der modernen Ära, die mit Campbell angebrochen war. Arthurs Konzeption von Aydem und Ayveh, unschwer als Adam und Eva zu erkennen, ist plump und ohne Psychologie, so dass jeder Zwölfjährige sie kapieren konnte.

Auch die Dialoge sind im Grunde keine, sondern vor allem Monologe des „Herrn“ Dmu Dran. Mit seinem riesigen Schädel, seinen vorquellenden Augen, dem fehlenden Hals und der dünnen Pfeifstimme erinnert er stark an die karikaturhaften Marsianer in Tim Burtons bekannter Filmsatire. Dmu Dran doziert über die Evolution und darüber, wie die herrschenden Raubtiere Säbelzahntiger und Dinosaurer Opfer ihrer eigenen Überentwicklung wurden – das gleiche Schicksal sieht er für die „Herren“ voraus. Daher seine zwei Experimente: Entweder werden „Herren“ zu Göttern, oder sie werden durch die Sklaven abgelöst, die einen Neuanfang wagen sollen.

In den 1930er Jahren hatte viele andere Leute konkrete Vorstellungen davon, wie die Zukunft des Menschen aussehen sollte. Eine davon war der Faschismus, eine andere der Stalinismus. Beide zeitigten verheerende Folgen, wie man weiß. Ob der Autor einen Neuanfang nach einem Atomkrieg begrüßt hätte, wage ich jedoch zu bezweifeln.

3) _Theodore Sturgeon: Der Gott des Mikrokosmos_ (The microcosmic god)

Kidder ist ein großartiger Erfinder, und was immer er erfindet, das vermehrt seinen Reichtum. Diesen hat er in der Bank von Mr. Conant angelegt, welche immer reicher wird. Begierig wartet Conant auf die nächste Erfindung Kidders. Doch Kidder hat sich auf eine einsame Insel vor der Küste Neu-Englands zurückgezogen und frönt dort seinen Forschungen. Um schneller erfinden zu können, hat er die Evolution künstlich herbeigeführt und winzige menschliche Wesen, die Neoteriker, erzeugt, die für ihn Entdeckungen machen, beispielsweise superhartes Aluminium, einen Impfstoff gegen Schnupfen und dergleichen mehr.

Inzwischen ist Conant zum zweitmächtigsten Mann der Welt geworden, nach dem Präsidenten der Vereinigten Stadt, der in seiner Hauptstadt Neu-Washington sitzt. Conant will natürlich der mächtigste werden. Als Kidder ihm auf Anfrage von einer neuen billigen und schier unerschöpflichen Energiequelle berichtet und den Bauplan eines Empfängers faxt, ist Conant überzeugt, dass dies der letzte Baustein für die Weltherrschaft ist. Doch er braucht natürlich den Sender.

Als Conant Kidder auf dessen Insel besucht, raubt er ihm erst das Modell des Senders, dann seine Freiheit. Er lässt seine Ingenieure den Sender bauen, während Kidder auf seine Forschungsanlage beschränkt ist. Kidders Neoteriker erfinden ein Schutzfeld für seine Anlage. Als er jedoch Conant abhört und mitbekommt, dass Conant den US-Präsidenten erpresst hat und nun die Insel bombardieren lassen will, muss Kidder feststellen, dass sein Feld nicht die hunderte von Arbeitern und Ingenieuren schützen kann, geschweige denn die ganze Insel.

Er schickt einen Dringlichkeitsbefehl an seine Neoteriker. Unterdessen steigen Conants Bomber auf, mit Kurs auf Kidders Teil der Insel.

|Mein Eindruck|

Dies ist vielleicht eine der frühesten Geschichten über das Thema, dass Wissenschaft, und sei sie noch so exotisch, die Verantwortung für die Folgen ihrer Hervorbringungen übernehmen muss. Zweitens ist es eine Geschichte über einen Erfinder, der zwar genial, aber auch ein despotischer Schöpfer anderer Wesen ist.

Dessen Geschöpfe haben sich ein Credo gegeben, das alle Zuwiderhandlungen gegen den Willen des Despoten – des mikrokosmischen Gottes – mit dem Tode bestraft. Es besteht also ein direkter Zusammenhang zwischen Tod und Leben von Geschöpfen sowie nützlichen Erfindungen. Wenn man weiß, um welchen Preis die Erfindungen geschaffen wurden, ist es dann noch moralisch verantwortbar, sie zu einzusetzen? Übertragen auf unsere Gegenwart, könnte man sich fragen, ob es verantwortbar ist, Teppiche zu kaufen, die in Kinder- und Sklavenarbeit hergestellt wurden. Ich glaube, die Antwort sollte „nein“ lauten.

Vielfach wurden diese beiden Themen in der SF wieder aufgegriffen und auf andere Bereiche übertragen, so etwa auf Computertechnik und Virtuelle Realität. Aber Sturgeons Erzählung ist im Vergleich dazu sehr einfach und leicht verständlich erzählt, fast schon im Märchenton. (Aber in Märchen kommen kaum jemals richtige Namen vor.) Dennoch entwickelt die Handlung zunehmend Spannung und spitzt sich zu einem Höhepunkt zu. Deshalb und weil ihre Aussage überzeitlich gültig ist, wird sie immer wieder abgedruckt.

4) _Isaac Asimov: Lügner!_ (Liar!)

Die Roboterpsychologin Dr. Susan Calvin ist für die Entwicklung positronischer Roboter verantwortlich. Diesmal wird sie durch die Nachricht des Mathematikers Bogert überrascht, dass der neue Typ RB-34 Gedanken lesen könne! Das findet ihr und Bogerts Boss Alfred Lanning nicht witzig, denn es hat alle möglichen Implikationen. Es gibt nämlich bereits zunehmende Antiroboterpropaganda. Wie sollen sie den Roboterfeinden einen Gedankenleser akzeptabel machen? Man würde ihnen das Werk schließen!

Während Lanning und Bogert die knifflige Problemfindung in Angriff nehmen und sich zerstreiten, beschäftigt sich Susan mit der Psyche des Roboters, den sie Herbie nennt. Sie wundert sich, dass er sich nicht für Wissenschaft, sondern für das menschliche Gefühlsleben interessiert und deshalb vor allem Liebesromane liest. Er weiß genau, dass sie in das Vorstandsmitglied Milton Ashe verliebt ist, und versichert ihr, dass die Kusine, die Ashe eingestellt hat, dem Mann, den Susan anhimmelt, nichts bedeutet. Susan schwebt fortan auf Wolke sieben.

Doch der Absturz ist umso härter, als Ashe ihr – ganz im Vertrauen natürlich – verrät, dass er ein Haus suche, weil er seine Kusine heiraten wolle. Susan weiß nicht, wie ihr geschieht, doch Herbie unterstützt ihren zusammenbrechenden Verstand nach Kräften. Als sie dann auch noch erfährt, dass Herbie auch Bogert und Lanning genau das gesagt hat, was sie jeweils hören wollten, erkennt sie die Natur des Problems, das Herbie darstellt. Es hat mit den drei Robotergesetzen zu tun, was sonst.

|Mein Eindruck|

Spock würde sagen: Eigentlich ist es ja logisch, dass sich die Anwendung der drei Gesetze der Robotik auch auf Emotionen erstreckt. Ein Roboter darf keinen Menschen töten oder durch Untätigkeit zulassen, dass der Mensch verletzt wird. Das Ergebnis hätte Susan Calvin also absehen müssen, aber da sie selbst durch Liebe verblendet ist, versäumt sie es, ihre grauen Zellen einzuschalten.

Als sie aus allen Wolken fällt, kehrt zwar ihre Vernunft wieder, um den Kern des Problems herauszufinden, doch was sie dann tut, schockiert denn doch in seiner Brutalität. Wenn Herbie kein mechanisches Konstrukt wäre, müsste man Dr. Susan Calvin wegen Mordes einbuchten. Dass sie ihn obendrein einen Lügner (siehe Titel) nennt, sagt mehr über die Realität der Menschen aus als so manche langatmige Romantik.

5) _Ross Rocklynne: Die Zeit braucht ein Skelett_ (Time wants a skeleton)

Lieutenant Tony Crow von der Planetarischen Polizei stürzt auf dem Asteroiden Nr. 1007 ab, auf dem sich drei Banditen aufhalten. Als er das Trio stellt, feuern sie zurück. Er kann noch einen erledigen, doch dann muss er in Deckung springen. Er gelangt per Zufall in eine Höhle, doch diese ist nicht leer. Ein Skelett liegt darin, und an seinem Finger steckt ein grüner Smaragdring. Ihn schaudert. Crow verlässt die Höhle wieder, feuert auf die Banditen, die fliehen. Den Felsblock, der über dem Raumschiff der Banditen hängt, sprengt er mit einem Schuss, so dass der Block auf das Schiff fällt und es zerdrückt. Sie sitzen fest. Na, toll!

Er legt Johnny Braker und Harry Jawbone Yates trotzdem Handschellen an – sicher ist sicher. Werden sie auf diesem Steinbrocken sterben, fragen sie sich. Nein, denn in dieser Sekunde erscheint das Forschungsschiff von Professor Overland nur hundert Meter über ihnen und landet. Overlands hübsche Tochter Laurette steckt den Lockenkopf aus der Einstiegsschleuse und fragt die drei Kerle, ob sie Einheimische oder Menschen seien. Sie seien definitiv Menschen, meint Crow. Dann dürfen sie an Bord gehen.

Außer Laurette und ihrem Vater, einem Biologieprofessor, ist ihr Verlobter Erle Masters an Bord, ein Wissenschaftler. Er forscht mit dem Professor nach jenem präasteroiden Riesenplaneten, aus dem die Asteroiden zwischen Jupiter und Mars entstanden sein müssen, zertrümmert durch eine gigantische Kollision mit einem anderen Himmelskörper. Zufällig fällt Crows Blick auf Brakers Hand. Dort glänzt an einem goldenen Reif ein smaragdgrüner Ring. Er weicht entsetzt zurück. Ist es der gleiche, den auch das Skelett trug?

Aber er fragt als vorsichtiger Mann des Gesetzes nicht danach, sondern nach dem Zusammenhang. Liegt es am Antrieb von Overlands hypermodernem Schiff? Als es startet, setzt es diesen Antrieb ein, doch durch einen Unfall wird es Jahrmillionen in die Vergangenheit zurückgeschleudert. Bei der Bruchlandung wird die Hülle so verbogen, dass an einen Start vorerst nicht zu denken ist. Sie steigen aus. Draußen wartet ein kompletter Planet auf sie, grünes Gras, ein rauschender Fluss. Und ein Skelett mit einem Ring am Knochenfinger.

Als Crow den anderen von seiner Entdeckung jenes uralten Skeletts erzählt, hätte er ihnen genauso gut ihren Tod prophezeien können. Die Zeit will ein Skelett, doch wem wird es gehören? Und plötzlich wird der Ring zu einem verfluchten Symbol des baldigen Todes. Über ihnen nähert sich der fremde Himmelskörper dem Planeten, das Verhängnis scheint unaufhaltsam. Doch die beiden Verbrecher haben nicht vor, dieses Schicksal tatenlos hinzunehmen …

|Mein Eindruck|

Dieser Kurzroman ist einfach umwerfend. Immer wieder scheint die Lage für Tony Crow und seine geliebte Laurette ausweglos zu sein, doch dann geschieht etwas Unvorhergesehenes, das der ganzen Achterbahnfahrt neue Hoffnung verleiht. Ein Rätsel ums andere muss gelüftet werden, und die Erklärungen sind eine irrsinniger als die andere. Der Leser muss seinen Unglauben schon ziemlich früh über Bord werfen. Und doch ist hier ein glaubwürdiges Verständnis von Psychologie am Werk, und die Figuren sind nicht bloß Pappkameraden wie bei E. E. Smith 13 Jahre zuvor, sondern handeln folgerichtig. Es ist ein Pulp-Fiction-Garn in bester Tradition.

Dass die Asteroiden irgendwann mal aus einem massiven Ursprungsplaneten entstanden sein müssen, ist heute wie anno 1941 eine gängige Theorie. Der hohe Erzgehalt der Asteroiden zwischen Jupiter und Mars macht die Brocken zu einem begehrten Ziel für Bergbaukonzerne – irgendwann, wenn sich die Raumflüge dorthin rentieren. Die spannende Szene, als der fremde Planetoid mit diesem Urplaneten kollidiert, gehört zu den ungeheuerlichsten in der ganzen SF – da kann nur Niven/Pournelles Schmöker „Luzifers Hammer“ mithalten.

Doch von wem stammt nun das Skelett in der Höhle? Das werde ich ganz sicher nicht sicher verraten, um die Überraschung nicht zu verderben.

6) _Cyril M. Kornbluth: Die Worte des Guru_ (The words of guru)

Peter ist erst zwei Monate alt, als er seine Mutter Clara und seinen Vater Joe mit seinen ersten Worten überrascht. Als er eine Schnecke an der Wand erblickt, die Clara nicht sehen kann, lernt er von ihr das Wort „Illusion“. Kaum hat er zweimal dieses Wort in die Nacht gerufen, als auch schon Guru erscheint. Guru bietet ihm Wissen an – und viele Worte des Wissens. Mit acht Jahren klettert Peter schon die Dachrinne hinab, um Guru in die Nacht zu folgen.

An seinem zehnten Geburtstag folgt er ihm mit einem bestimmten Wort zu einem seltsamen Ort. Dort ist alles in Rot getaucht, auch die Frauen, die Guru und Peter begrüßen. In dem versammelten Kreis trinken alle Blut aus einer Schüssel, und nachdem die dritte Frau nackt getanzt hat, wird sie getötet. Aus ihrem Blut erhebt sich die ERSCHEINUNG. Deren autoritäre Worte verwandeln Peter endgültig, und er hat die Macht, mit einem Wort einen anderen realen Menschen zu töten.

Doch als letztes Wort bringt ihm Guru eines bei, das die Macht hat, Peters Planeten zu vernichten. Er verschmäht alle Kostbarkeiten und Schönheiten der Welt nur für dieses eine Wort. Doch aus Furcht, sich selbst und alles um sich herum zu vernichten, wagt er nicht, es auszusprechen.

|Mein Eindruck|

Was sich hier wie eine ziemlich abgefahrene und obendrein blutige Fantasygeschichte liest, die sich der 18-jährige Autor nur mal so zum Spaß ausgedacht hat, ist in Wahrheit etwas völlig anderes. Denn das letzte Wort, das Peter von jenem Dämon des Wissens gelernt hat, entspricht dem Wissen, das zur Selbstvernichtung nötig ist: die Atombombe. Peters Entwicklung ist nichts anderes als die Entwicklung der Menschheit und vor allem die ihres Wissens.

Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott. So steht es im ersten Buch der Genesis. Der Autor hat lediglich dieses Konzept weitergesponnen, es vielleicht auch auf den Satan übertragen, als welcher der Guru erscheinen mag. Da das Wort offensichtlich auch Macht ist, begehrt Peter, dieser Jedermann, immer mehr davon, doch die Wörter, die er einsetzt, töten stets nur oder treiben in den Wahnsinn – die Geschichte der Menschheit?

Wäre dies eine Vampir- oder Horrorstory, so könnte man damit einen ganzen Zyklus anfangen. Selten habe ich eine so schaurige Story und faszinierende Erzählung gelesen. Und sie ganz sicher nicht in den Jahren 1939 bis 1944 vermutet.

7) _A. E. van Vogt: Die Schaukel_ (The seesaw; korrekt wäre: „Die Wippe“)

In der amerikanischen Stadt „Middle City“ des Jahres 1941 ereignen sich merkwürdige Dinge. Als ein Waffenladen aus dem Nichts auftaucht und später wieder verschwindet, heftet sich der Reporter Chris McAllister an die Fersen dieses Phänomens. Wir erfahren praktisch nichts über ihn, sondern nur über sein Schicksal. Er betritt den Waffenladen vor Polizeiinspektor Clayton – und landet in einer Zeit, die 7000 Jahre in der Zukunft liegt und von der Kaiserin Innelda Ischer beherrscht wird.

Das erfährt er jedoch erst peu à peu von der jungen Frau, die ihn mit einer futuristischen Pistole bedroht, und von ihrem Vater, der dem Oberrat der Gilde der Waffenhändler angehört. Weil McAllister durch seine Unwissenheit offenbart, dass er selbst nicht zur Gilde gehört und somit nicht zum Betreten des Waffenladens berechtigt ist, rätseln die beiden, wie es ihm dennoch gelingen konnte, hier einzudringen.

Die einzige plausible Erklärung, die ihnen einfällt, besteht in der Annahme einer neuartigen Energiewaffe der Kaiserlichen Truppen. Tatsächlich offenbart ein adjustierter Blick nach draußen, dass sich die Truppen unsichtbar gemacht haben und eine Reihe von Energiewaffen in Stellung bringen, um den Waffenladen ins Nichts zu pusten. Hinter ihnen ragt ein kolossales Gebäude in den Himmel: die für den Angriff erforderliche Energiezentrale. Diese hat offenbar auch dafür gesorgt, dass McAllister in diese Zeit geschleudert worden ist.

Doch wie ihm die junge Frau namens Lystra erklärt, hat McAllister eine ungeheure Menge von Zeitenergieeinheiten in sich angesammelt. Die geringste Berührung mit einem Menschen aus dieser Zeit würde diese Energie freisetzen und ihn wahrscheinlich dabei umbringen. Folglich ist Isolierung das Gebot der Stunde. Das Material des Ladens selbst ist nichtleitend, sonst wäre bereits ein Unglück passiert. Der Oberrat drängt McAllister, in einen leichten Isolationsanzug zu steigen und wieder zu jener Tür hinauszugehen. Doch was wird dann geschehen? So etwas wie das archimedische Prinzip mit der Hebelwirkung werde zum Tragen kommen …

Mit der Energiezentrale als Gegengewicht schleudert ihn eine Art Zeitwippe erst in sein eigenes Jahr 1941, dann wieder in die Zukunft, wieder zurück in die Vergangenheit und so weiter, schließlich Millionen Jahre in die Vergangenheit. Um den Preis seines Lebens verursacht er die Entstehung des Sonnensystems.

|Mein Eindruck|

Diesen Vorgang nennt Stanislaw Lem „Autokreation“, Selbsterschaffung des Menschen und seiner Umwelt. Wie kann der Kosmos denn aus Nichts entstanden sein – es muss eine Zutat, ein Etwas gegeben haben. Also beschließt ein Wissenschaftler in ferner Zukunft, ein einziges Elektron entgegen dem Zeitstrom in die ferne Vergangenheit zurückzuschießen, um den Urknall auszulösen – soweit die Theorie Lems. Dieser Mensch spielt Gott.

Van Vogts Lösung sieht jedoch anders aus: McAllister wird unfreiwillig in die Lage eines Gewichtes am Ende einer Zeitwippe versetzt; bei jeder Schwingung der Wippe lädt sich dieses Gewicht mit einem immer größeren Energiepotential auf. Es explodiert schließlich in unvorstellbarer Vergangenheit und löst jenen Urknall aus, dem auch das Sonnensystem seine Entstehung verdankt.

Doch bereits 1949 wurde dieses Szenario widerlegt: Zur laufenden Vergrößerung des Ausschwingens der Wippe müsste dem System ständig neue Energie zugeführt werden – woher soll die aber kommen? Darüber verliert van Vogt kein Wort.

8) _Fredric Brown: Armageddon_ (Armageddon)

Der neunjährige Herbie Westerman geht mit seinen Eltern ins Show-Theater, wo heute erneut der Zauberer „Gerber der Große“ auftritt. Herbie, selbst ein Lehrling der Magie, hat schon die erste Vorstellung gesehen und ist deshalb ganz vorne an der Bühne, als Gerber, wie er weiß, nach einem Jungen aus dem Publikum ruft. Selbstredend ist Herbie als erster Junge auf der Bühne. Kritisch beäugt er die Utensilien für den nächsten Zaubertrick, bei dem drei Tauben erscheinen soll …

In diesem Moment reißt sich in Tibet eine uralte Gebetsmühle aus ihrer Verankerung und wird von einem Hochwasser mitgerissen. Das wäre nicht weiter schlimm, denn wie jede Gebetsmühle dreht sie sich weiter, doch dann bleibt sie an einem Felsen stecken und kommt zu einem abrupten Stopp.

Herbie traut seinen Augen nicht, als sich Gerber der Große vor seinen Augen in den Herrscher der Hölle verwandelt, offenbar endlich befreit von einem uralten Bannspruch. Doch Herbie fackelt nicht lange, hebt die mitgebrachte Wasserpistole und spritzt mit einer ganz speziellen Flüssigkeit …

|Mein Eindruck| (SPOILER!)

Obwohl Herbie das Armageddon – im biblischen Sinne die vorausgesagte Wiederkunft Satans/Luzifers/des Antichristen – verhindert, bekommt er von seinem Vater eine ordentliche Tracht Prügel mit dem Streichriemen (das ist ein Lederriemen, an dem das Rasiermesser geschärft wurde). Denn die Flüssigkeit, die Herbie benutzte, durfte er eigentlich nicht verwenden: Weihwasser.

Die Story ist sehr einfach erzählt und sofort zu kapieren. Doch sie ist pure Fantasy, beruht sie doch auf der Wirkung einer ausgefallenen Gebetsmühle in Tibet. Natürlich lässt sich das Grundprinzip übertragen: Sollten die Kontrollen, die in die Handhabung von Waffen – wie etwa der Atombombe – eingebaut sind, versagen, würde wirklich das Armageddon hereinbrechen. Indirekt ist die harmlose Kindergeschichte also eine ernst gemeinte Warnung.

9) _Alfred Bester: Adam und keine Eva_ (Adam and no Eve)

Stephen Crane ist mit seiner Mondrakete auf eine Erde zurückgekehrt, die verwüstet ist: nichts als Staub und Asche. Bei der Landung hat er sich das Bein gebrochen, nun kriecht er auf Knien und Ellbogen durch die Wüste Richtung Meeresküste. Wie konnte es nur dazu kommen? Er erinnert sich …

Sein Assistent Hallmyer hat ihm von Anfang an abgeraten, den neuen Katalysator im Raketentreibstoff zu verwenden, aber Crane war uneinsichtig. Da griff Hallmyer zu einem faulen Trick, der Crane mit einem Anruf seiner Verlobten Evelyn so lange ablenkte, bis Hallmyer Feuer an die Rakete legen konnte. Crane merkte noch rechtzeitig, was los war, rannte Hallmyer um, stürzte mit seiner dänischen Dogge Umber an Bord der Rakete und startete sofort, bevor alles in Flammen aufging.

Der Geist Hallmyer grinst hämisch. Es sei alles so gekommen, wie er es prophezeit hatte, nicht wahr? Das muss Crane zugeben. Und nur der Geist Evelyns tröstet ihn in seiner Einsamkeit. Er ist Adam, doch ohne sie als Eva. Plötzlich warnt sie ihn. Nein, es ist nicht wieder einer der wütenden Staubstürme, sondern Umber, seine Dogge. Doch warum knurrt ihn sein bester (und einziger) Freund auf der Erde so wütend an? Könnte es sein, dass Hunger die Gefühle von Treue und Freundschaft vertrieben hat? Umber fletscht die Zähne und springt …

|Mein Eindruck|

Durch die eingeschobene Rückblende und die beiden eingebildeten Figuren von Hallmyer und Evelyn bedient sich die Erzählung der Stilmittel, die für die New Wave erst 20 Jahre später erst kennzeichnend wurden. Die Umgebungsschilderungen wirken so surrealistisch wie von J. G. Ballard. Natürlich gab es schon 1941 ausgezeichnete moderne Literatur, so etwa „Ulysses“ von James Joyce sowie T. S. Eliots Gedichte etc. Aber sie fand höchst selten Eingang in die abgeriegelte Welt der Science-Fiction- & Fantasy-Magazine. Bester ist eine dieser raren Ausnahmen. Und deshalb werden seine Storys noch heute abgedruckt.

Die Erzählung Stephen Cranes (es gab im 19. Jahrhundert einen US-Autor dieses Namens) erinnert an die Welt nach dem Atomkrieg. Sie entpuppt sich als die Welt vor Jahrmilliarden, aber erst im allerletzten Satz. Diese Pointe wirkt sehr aufgesetzt und wir haben sie wahrscheinlich dem Lektor oder Herausgeber des Magazins, in dem die Story erschien, zu verdanken. Außerdem entspricht die Zeitangabe „hundert Millionen Jahrhunderte“ einem Zeitraum von 10 Milliarden Jahren – damals gab es noch nicht mal die Erde, vielleicht nicht mal das Sonnensystem. Diese Volte wird nur geschlagen, damit Crane seinen Körper dem Meer anvertrauen kann, und zwar jener Ursuppe, aus der vor Jahrmilliarden das erste Leben an Land kroch.

10) _James Blish: Solarplexus_ (Solarplexus)

Brant Kittinger ist Astronom des Planetarischen Instituts. Sein gegenwärtiger Arbeitsplatz liegt in der Nähe jenes „unsichtbaren Gasriesen“, der sich jenseits der Umlaufbahn des Pluto befindet (zumindest in dieser Story) und den er beobachtet und untersucht. Plötzlich pocht es an die Luftschleuse seines Forschungsbootes. Nachdem er niemanden sieht und hört sowie niemand durch die geöffnete Schleuse eintritt, macht er sich selbst auf den Weg, um durch eine undurchsichtige Brücke zu dem anderen Raumschiff hinüberzugehen.

Doch es scheint niemand an Bord zu sein, wie er im Cockpit feststellt. Nur eine Stimme begrüßt ihn mit seinem Namen. Die Stimme nennt sich Murray Bennett, aber so hieß ein Pilot, der vor acht Jahren ein Raumschiff namens „Astrid“ stahl und entführte. „Dies IST die ‚Astrid‘, Kittinger“, behauptet Bennett, und tatsächlich sind die Armaturen ziemlich veraltet. Aber wie kann dieser Bennett sie steuern? Weil er sein eigenes Gehirn und seinen Verstand mit den Schaltkreisen des Schiffes verbunden hat. Motorische und sensorische Nerven durchzögen das Schiff, erzählt Bennett.

Als Kittinger sich nicht in der Lage sieht, die Bitte, Bennett zu mehr Kreativität zu verhelfen, zu erfüllen, nimmt ihn das Schiff gefangen. In seiner entsprechenden „Zelle“ stößt er auf Powell, den Piloten eines UN-Patrouillenbootes, der nach Bennett gesucht hatte und gefangen genommen wurde. Sie überlegen sich, wie sie aus der Patsche wieder herauskommen. Da das Schiff sie nicht sehen, sondern nur hören kann, kommunizieren sie schreibend.

Kittinger entwickelt einen gewagten Plan und robbt mit Powell Richtung Cockpit …

|Mein Eindruck|

Dieser flott und schnörkellos erzählten, aber mit einer pfiffigen Idee versehenen Story merkt man an, warum James Blish später derjenige Autor wurde, der sämtliche klassischen Abenteuer des Raumschiffs Enterprise in Prosa fassen durfte. Geradeaus erzählt, mit knappen, präzisen Charakterisierungen von Figuren und Orten, treibt er die Handlung auf die unerwartete Pointe zu. Der Leser hat eine Vorstellung von Umgebung und Vergangenheit, bevor die Action beginnt.

Nur eine Schwäche zeigt der Autor, nämlich dann, als es um die eigentliche Konstruktion dieses Kyborgs (KYBernetischer ORGanismus) von einem Schiff plus Gehirn geht. Wie konnte Murray Bennett das Fleisch seines Hirns mit dem Metall der Schiffes verbinden? Noch dazu unter Aufbietung von (völlig unerklärter) Telepathie! Der Solarplexus des Titels ist natürlich ein idealer Angriffspunkt an einem Kyborg. Preisfrage: Wo befindet er sich auf diesem Schiff?

Erinnerungen an Siodmaks Roman „Donovan’s Brain“ werden wach, in dem ein isoliertes Gehirn es schafft, seine Umgebung zu beeinflussen. Auch Stanislaw Lem hat in seinen Parodien und Satiren einmal ein solches Gedankenexperiment durchgeführt.

11) _Isaac Asimov: Die Nacht wird kommen_ (Nightfall)

Auf der Welt Lagash steht nahe der Stadt Saro City ein Observatorium, in dem der Reporter Theremon Zeuge eines ungeheuerlichen Vorgangs werden will. Eines Vorgangs, von dem nur im obskuren „Buch der Offenbarungen“ der Kultisten die Rede ist. Darin ist von mysteriösen „Sternen“ die Rede. Was soll das denn sein?

Er befragt den Astronomen Aton, den Direktor der Saro-Universität, denn der hat ja den kommenden Weltuntergang vorausgesagt. Aton weist an den Himmel. Von den sechs Sonnen, die Lagash abwechselnd bescheinen, steht nur noch die rötliche Beta schwach leuchtend am Firmament. Na und? Aton verliert die Geduld mit diesem respektlosen Hornochsen Theremon, deshalb übernimmt der Psychologe Sheerin die Erklärungen.

Nach einem Exkurs über Himmelskörper, Gravitation und Dunkelheit schwirrt Theremon zwar der Kopf, aber er sieht das Problem immer noch nicht. Na, schön, es wird dunkel werden. Was soll denn daran so schlimm sein? Eine einfache Demonstration durch zugezogene Vorhänge erklärt ihm, was Sheerin meint: Klaustrophobie, die durch den ungewohnten Mangel an Licht hervorgerufen wird. Ja, und wie einmal gezeigt wurde, kann die Klaustrophobie eine dauerhafte Schädigung sein.

Aber das ist noch gar nichts gegen das, was nach der Dunkelheit kommt: die Sterne. Aber was diese Objekte sein könnten, vermag auch Sheerin nicht zu sagen, denn kein Lebender hat Sterne bislang gesehen. Von jenem Ereignis, das vor 2049 Jahren stattfand und das sich heute wiederholen soll, berichtet nur das „Buch der Offenbarung“. Und der Grund dafür, dass es keine historischen Berichte gibt, liegt darin, dass jedes Mal die Zivilisation unterging. Denn was wollen die Menschen am dringendsten, wenn es völlig dunkel ist? Licht! Und womit macht man Licht? Mit allem, was greifbar ist, und zwar egal wie …

Die Scheibe von Beta wird von etwas angeknabbert, das wie ein schwarzer Fingernagel aussieht: Es ist der Mond, der sonst unsichtbar ist. Theremon wird beklommen ums Herz. Er hört kaum den von den Kultisten angestachelten Mob, der aus Saro City kommt, um das Observatorium zu stürmen und die Frevler zu töten. Die Dunkelheit beginnt zu fallen. Als sie vollkommen ist und kein Licht mehr scheint, beginnt der Wahnsinn. Denn das Licht der Sterne ist völlig anders als alles, was je ein Mensch auf Lagash gesehen hat.

|Mein Eindruck|

Noch heute verursachen mir die letzten Szenen und Sätze dieser Erzählung eine Gänsehaut. Niemand kann sich der Wirkung dieses Bildes entziehen, das zugleich schrecklich und schön ist. Statt der auf der Erde durchschnittlich sichtbaren 3600 Sterne sehen die Lagasher rund 30.000 Sterne auf sich herniederstarren wie Millionen kalter Augen! Satt der erwarteten sechs Sonnen sehen sie sich einem ganzen Universum gegenüber, dem sie sich nackt und schutzlos ausgesetzt fühlen. Dunkelheit, Angst und Klaustrophobie lassen selbst die vorbereiteten Kultisten komplett den Verstand verlieren. Wenn jemand von diesem Ereignis kündet (es werden Fotos und Filme gemacht), dann nur von den Überlebenden aus den abgeschotteten und verriegelten Schutzräumen. Nicht einmal der wahnsinnige Mob kann sie dort erreichen.

Aber es gibt auch jede Menge Humor in dieser Erzählung, die viele Male zur besten SF-Story aller Zeiten gewählt wurde. So erzählt der Astronom und Fotograf Beenay von zwei verwegenen Ideen, die ihn eher an Science-Fiction gemahnen. Dass es nämlich a) woanders weitere Sonnen mit Planeten geben könnte und b) dass es sogar – verrückter Gedanke, schon klar – eine Sonne geben könnte, die nur einen einzigen Planeten hat. Natürlich könne sich darauf niemals Leben entwickeln, versteht sich von selbst, denn da auf dieser Welt den halben Tag Dunkelheit herrschen würde, fehle einfach die nötige Wärme und Energie, die für die Entstehung von Leben einfach unerlässlich sind. War nur so ein spinnerter Einfall, Leute.

Was die Story aber eigentlich zu tragischer Größe erhebt, ist jene bemerkenswerte Diskrepanz zwischen dem Wissen, dass etwas geschehen wird, das es so bereits einmal vor 2049 Jahren gegeben hat, und der Befürchtung, dass dieses Etwas absolut unausweichlich sein wird. Der Leser fühlt sich in die Lage der Seherin Kassandra versetzt, deren sicheren Prophezeiungen niemand Glauben schenkte. Die Katastrophe kommt, aber es gibt nichts, was man dagegen tun kann (außer in die Schutzbunker zu gehen, aber jemand muss ja die Fotos anfertigen).

Noch ein weiterer Aspekt macht diese Geschichte unsterblich. Aufgehend von einer vorangestellten Bemerkung des amerikanischen Philosophen und Schriftstellers Ralph Waldo Emerson zeigt Asimov, was passieren könnte, wenn der Mensch in der Lage wäre, eines Tages das Antlitz Gottes zu sehen. Die Menschen Lagashs haben noch nie die Nacht gesehen (jedenfalls nicht gemäß historischen Aufzeichnungen) und sehen auf einmal die Sterne. Nicht bloß sechs ihrer Sonnen, sondern 30.000 Sonnen! Diesen Anblick interpretiert Emerson als „die Stadt Gottes“, und Asimov zeigt sie uns.

Die „Stadt Gottes“, Gottes Antlitz ist ebenso schön wie schrecklich. Gemäß Shaftesburys Definition aus dem 18. Jahrhundert sind dies die Merkmale, die die Empfindung des Erhabenen kennzeichnen. Wenn Gott also erhaben ist, dann ist sein Anblick, kommt er unvorbereitet, unerträglich und zeitigt Vernichtung. Vielleicht ist doch besser, ein Erdenwurm zu bleiben …

12) _Kuttner/Moore: Es war einmal ein Zwerg_ (A gnome there was)

Ein idealistischer Arbeitsreformer namens Tim Crockett begibt sich in die Kohleminen von Pennsylvania, um dort für den Eintritt in die Gewerkschaft zu agitieren. Bei der Sprengung eines Stollens wird er verschüttet, findet sich aber zu seinem Entsetzen in der hässlichen Gestalt eines Zwergs wieder am Leben. Er bekommt einen Tritt in den Hintern. Von Gru Magru, dem Wächter in den Außenbezirken der Zwergenstadt, über die König Pdranga der zweite herrscht. Die Zustände hier unten findet Tim verständlicherweise fürchterlich, ganz besonders dann, als er selbst zehn Stunden am Tag schuften muss.

Doch es gelingt ihm natürlich auch hier, erfolgreich zu agitieren, besonders als er das Gerücht in die Welt setzt, der König wolle das Kämpfen verbieten. Zwerge prügeln sich für ihr Leben gern, und zwar möglichst brutal. Die erste Vollversammlung der streikwilligen Zwerge ist ein voller Erfolg, doch als Tim in seiner Ansprache erwähnt, der König wolle das Kämpfen verbieten, entsteht ein Tumult. Dieser wird noch verschärft durch die Ankunft des Königs, der sich gegen angreifende Zwerge mit magisch herbeibeschworenen „Basiliskeneiern“ zur Wehr setzt. Sie verwandeln Zwerge in alles mögliche: Würmer, Fledermäuse, Mondkälber – und Menschen.

Tim gelingt es, ein solches Basiliskenei zu erbeuten und in letzter Sekunde, bevor Podranga ihn erwischt, zu aktivieren. Als er wieder an die Erdoberfläche gelangt und dort dem ersten Menschen begegnet, einem Bauern, entspricht das Ergebnis der Verwandlung jedoch keineswegs dem, das Tim erwartet hat …

|Mein Eindruck|

Diese nette Fantasygeschichte sollte wohl ein flotter Spaß sein, als Kuttner und C. L. Moore sie schrieben. Im Kern versuchten sie allerdings das Thema Gewerkschaft und Arbeitskampf unterzubringen. Eine relativ angestrengte Mischung, die denn auch nicht ganz zündet. Nicht weil die Kombination schwierig wäre, sondern weil Tim Crockett als unglaubwürdiger Freitzeitrevoluzzer diskreditiert wird, und zwar gleich am Anfang.

Schon sein Start ist der eines ziemlich dämlichen Schnösels, der zwar hochgebildet sein mag, aber von Arbeitern null Ahnung hat. Und so einer will sich anmaßen, Arbeitern – hier als hässliche Zwerge diffamiert – von der Notwendigkeit einer Gewerkschaft und besserer Arbeitsbedingungen zu überzeugen? Als nächstes will er vielleicht sogar den Sozialismus einführen!

Ganz klar, dass die beiden Autoren mit dieser Verarbeitung dem Thema Arbeitskampf und -gerechtigkeit einen Bärendienst erwiesen, selbst wenn sie dieses Thema auch einmal auf die Seiten der SF- und Fantasymagazine bringen konnten. Die Amis, sowieso gegen Gewerkschaften und Sozialismus eingestellt, schrieben meines Wissens nie wieder solche Storys.

13) _Anthony Boucher: Snulbug_ (Snulbug)

Der Biochemiker beschwört mit einem Zauberspruch einen Dämonen namens Snulbug. Snulbug ist kein guter Dämon, wie er selbst bedauernd zugibt. Und er ist auch kein großer Dämon: Er misst gerade mal 2,54 Zentimeter. Aber wenigstens kann er in die Zukunft reisen. Sagt er. Bill braucht zehntausend Dollar für sein Forschungslabor, um die Embolie zu bekämpfen. Um diese Summe zu bekommen, soll ihm Snulbug helfen. Er schickt ihn, um die Zeitung von morgen zu holen.

Gesagt, getan. Hitchens Tod wird nicht darin verkündet, aber immerhin der des Bürgermeisters. Bill sieht seine Chance gekommen. Wenn ihm der Bürgermeister dafür dankt, dass er ihm das Leben vor dem Attentäter gerettet hat, dann wird sicher eine hübsche Belohnung dabei herausspringen. Snulbug warnt Bill vergeblich vor seinem Denkfehler. Bill muss es auf die harte Tour lernen: Es gibt keine Möglichkeit, die Zukunft zu ändern, die bereits in der Zeitung steht.

Aber es gibt einen Menschen, der etwas für die Zeitung von morgen zahlen würde …

|Mein Eindruck|

Anthony Boucher (ein Pseudonym) war der Gründer und erste Herausgeber des bis heute erscheinenden „Magazine of Fantasy and Science Fiction“. Er schrieb nie einen Roman, aber unzählige Storys, und dies ist seine erste Fantasygeschichte. Bemerkenswerterweise greift er mit Fantasymitteln ein Science-Fiction-Thema auf: Zeitreisen.

Er fragt ganz dezent mal, was es denn überhaupt bringen würde, über die Ereignisse des nächsten Tages Bescheid zu wissen. Denn offensichtlich kann man weder beim Pferderennen noch an der Börse noch sonstwo etwas damit anfangen – weil das Ergebnis bereits feststeht und man, wenn man eingreift, erst in einer Zeitschleife – sehr lustig geschildert – und dann wieder am Ausgangspunkt landet. Der Grund ist, dass sich der Ablauf der Dinge offenbar nicht ändern lässt.

Vielleicht kannte Boucher schon Heinleins Zeitreisestory „By his Bootstraps“ (1941). Diese Story fehlt leider in diesem Auswahlband.

_Die Übersetzung_

Die Übersetzung von Eva Malsch wimmelt vor Druckfehlern. Das wäre nicht weiter schlimm, aber sie machte auch ein paar schwerer Fehler. Wenn sie auf Seite 55 unten von „delikateren Zellen“ schreibt, dann sind nicht Geschmacksfragen betroffen, sondern es sollte „zerbrechlichere Zellen“ heißen. Auf Seite 222 macht sie den alten Anfängerfehler, amerikanische Billionen mit europäischen gleichzusetzen. Gemeint sind Milliarden.

Auf Seite 238 ergibt der Satz „Dort müssen die persönlichen Residuen liegen“ erst einmal wenig Sinn. Mit Residuen werden normalerweise Überbleibsel und Überreste bezeichnet. Doch wo soll man diese in einem Raumschiff, das von einem Gehirn gesteuert wird, finden? (Es geht um die Story „Solarplexus“ von James Blish) Da der Autor keine näheren Details nennt, musste sich die Übersetzerin mit einem faulen Kompromiss aus der Affäre ziehen.

_Unterm Strich_

Der Kurzroman „Die Zeit braucht ein Skelett“ gehört neben Sturgeons Novelle „Der Gott des Mikrokosmos“ und Asimovs „Die Nacht wird kommen“ zu den herausragenden Beiträgen dieses an guten Storys nicht gerade armen Auswahlbandes.

Die übrigen Kurzgeschichten sind mal weise, mal witzig, mal wirklich furchteinflößend – eine gute Auslese aus einer bunten Palette, wie sie in den Magazinen der damaligen Pulp Fiction üblich war. Ich empfehle deshalb, Asimovs ergänzende Auswahlbände für die Jahre 1939-1940 sowie 1942/43 (alle bei |Moewig|) und 1944 (bei |Heyne|) zu lesen, um einen Gesamteindruck von diesem Goldenen Zeitalter der amerikanischen SF zu erhalten. Alle Bände sind heute sehr kostengünstig zum
bekommen, ebenso wie die „Titan“-Bände des |Heyne|-Verlags.

Taschenbuch: 334 Seiten
Originaltitel: Isaac Asimov presents: The great stories 3 (1941) 1980
Taschenbuch: 334 Seiten
Aus dem US-Englischen von Eva Malsch

Asimov, Isaac / Greenberg, Martin / Olander, Joseph (Hgg.) – Fragezeichen Zukunft

_Ewige Fragen, bis ans Ende aller Dinge_

Dies ist wieder mal eine jener Anthologien, denen Isaac Asimov, einer der bekanntesten SF-Autoren, nur seinen Namen, das Vorwort und eine Story geliehen hat. Die Kärrnerarbeit hatten Marty und Joe zu erledigen, d. h. die Herausgeber Martin Greenberg und Joseph Olander. Und entgegen der Ankündigung des Rückseitentextes sind weder Arthur C. Clarke noch Alfred Bester noch James Blish mit Beiträgen vertreten.

Dennoch ist die Storysammlung kein kompletter Reinfall, sondern bietet mit Novellen von John W. Campbell (Vorlage zu Nybys & Hawks‘ sowie Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“) und Theodore Sturgeon (über das Paradies der freien Liebe) zwei herausragende Beiträge, die man als SF-Fan kennen sollte.

_Die Herausgeber_

Isaac Asimov, geboren 1920 in Russland, wuchs in New York City auf, studierte Biochemie und machte seinen Doktor. Deshalb nennen seine Fans ihn neckisch den „guten Doktor“. Viel bekannter wurde er jedoch im Bereich der Literatur. Schon früh schloss er sich dem Zirkel der „Futurians“ an, zu denen auch der SF-Autor Frederik Pohl gehörte. Seine erste Story will Asimov, der sehr viel über sich veröffentlicht hat, jedoch an den bekanntesten SF-Herausgeber verkauft haben: an John W. Campbell. Dessen SF-Magazin „Astounding Stories“, später „Analog“, setzte Maßstäbe in der Qualität und den Honoraren für gute SF-Storys. Unter seiner Ägide schrieb Asimov nicht nur seine bekannten Robotergeschichten, sondern auch seine bekannteste SF-Trilogie: „Foundation“. Neben SF schrieb Asimov, der an die 300 Bücher veröffentlichte, auch jede Menge Sachbücher, wurde Herausgeber eines SF-Magazins und von zahllosen SF-Anthologien.

Übrigens ist in den biobliografischen Daten auch Martin H. Greenberg als Herausgeber ausgewiesen. Er gibt wahrscheinlich noch heute Anthologien zu einfallsreichen Themen heraus. Auch Joseph Olander ist ein Anthologist, denn Anthos sind in den USA ein einträgliches Geschäft für Verlage, um ihr Copyright mehrmals zu verwerten.

_Die Erzählungen_

_1) Brian W. Aldiss: Wer kann einen Menschen ersetzen? (1959)_

Nach dem Atomkrieg sind die Menschen fast vollständig ausgestorben. Das kapieren die Robotmaschinen aber erst nach und nach. Sie können nicht arbeiten, weil ihnen niemand mehr Anweisungen gibt, und weil das Klasse-eins-Zentralgehirn in der Hauptstadt sich im Krieg mit zwei Klasse-zwei-Gehirnen befindet, kommt es als Befehlsgeber auch nicht in Frage. Die verwaisten Maschinen machen sich auf nach Süden, weil es dort noch eine winzige Kolonie überlebender Menschen geben soll. Als sie einen zerlumpten, halbnackten, verletzten und ungeniert pinkelnden Mann treffen, sind sie glücklich, endlich ihren Meister gefunden zu haben.

|Mein Eindruck|

Teils eine traurige Post-Holocaust-Satire, teils eine Lewis-Carroll-Fantasie, liest sich die Story kurzweilig und wie ein Märchen. Sie wäre lustig, wenn der Anlass dafür nur nicht so ernst wäre.

_2) Mark Clifton: Was habe ich getan? (1958)_

Der Erzähler ist ein Stellenvermittler (so wie der Autor jahrelang Personaldirektor war) und kann von Berufs wegen einen Menschen im Handumdrehen einschätzen und beurteilen. Aber nicht diesen Typen, den er eines Tages am Imbissstand sieht. Der ist völlig ohne Ausdruck. Wenig später sitzt der Typ in seinem Büro, um sich vermitteln zu lassen. Aber obwohl der Fremde Astronomie studiert haben will, sagt er, seine Mathekenntnisse seien bescheiden – und er verspricht sich, als er angibt, das Sonnensystem haben zehn Planeten.

Spätestens jetzt ist unserem Chronisten klar, dass er es mit einem Fremdweltler zu tun hat, und sagt dies auch. Dessen Augen werden auf einmal völlig schwarz. Ja, das Ganze war ein Selbsttest. Dann verschwindet er. Doch unser Mann verfolgt ihn unauffällig. Allerdings wohnt in dem Häuschen, worin der Fremde verschwunden ist, nur ein altes Ehepaar, das äußerst misstrauisch ist. Wochen später ist der Fremde wieder im Stellenmaklerbüro, diesmal verkleidet als eine Art Romeo mit umwerfendem Charme. Die totale Übertreibung, aber das sagt unser Mann nicht.

Der Fremdweltler stellt ihn vor eine entscheidende Wahl, ein Dilemma: Entweder hilft er den Arkturianern bei ihrer Invasion der Erde, indem er ihnen beibringt, völlig glaubwürdig menschlich aufzutreten – oder die Menschheit wird ausgerottet. Der Arkturplanet hat ein Übervölkerungsproblem und braucht Lebensraum – auf der Erde. Das Dilemma: Die Menschheit wird entweder schnell oder langsam vernichtet. Protest fruchtet nichts. Also entschließt sich unser Mann zu einem hinterlistigen Plan.

Natürlich haben sich die Arkturianer in Beverly Hills niedergelassen. Unter der Hollywood-Bande fallen sie kaum auf mit ihrem marionettenhaften Auftreten. Es sind dreißig, die Vorhut, alle mit menschlichen Körpern versehen. Unser Mann lehrt sie, woraus Menschen bestehen: Körper, Geist, Seele. Und dann lehrt er sie Dinge über den Menschen, die ihnen zum Verhängnis werden, sobald sie sie anwenden …

|Mein Eindruck|

Das ist mal eine Invasionsstory der ungewöhnlichen Art. Die Kenntnisse, die unser Chronist – und mit ihm der Autor – einbringt, sind sehr interessant, denn man findet sie kaum jemals in der SF: gewöhnliche menschliche Eigenschaften aus dem Alltag. Was uns aber völlig normal erscheint, unterscheidet sich radikal von unseren Idealen, wie sie in der Literatur zu finden sind, etwa in frommen Büchern und romantischen Dramen.

Der Autor erweist sich als völlig desillusioniert, was die Besserungsfähigkeit der menschlichen Natur anbelangt. Und so fällt es dem Stellenvermittler leicht, den Aliens alle Ideale anzutrainieren, welche die Menschen ersehen – und aufs Heftigste ablehnen, sobald sie ihnen begegnen … Das sagt schon viel über diese Ideale aus. Und dass der Erzähler dazu gezwungen ist, sie zu lehren und zugleich zu verraten, veranlasst ihn zu der Frage im Titel der Story.

_3) Robert Silverberg: Warum? (1957)_

Wozu Raumfahrt, warum? – Brock und Hammond sind zwei Weltraumerforscher, die inzwischen schon elf Jahre unterwegs sind und 146 (oder 164) Welten besucht haben. Nirgends fanden sie intelligentes Leben, und allmählich hat Brock die Nase voll. Er stellt Hammond die unausweichliche Frage: „Warum? Warum machen wir das noch?“ Sie fingen an, als sie beide dreiundzwanzig Jahre alt waren und von der kleinen, engen, schmutzigen Erde genug hatten. Sie waren beileibe nicht die ersten Raumerkunder und werden nicht die letzten sein. Aber ihr Tun erscheint Brock allmählich sinnlos.

In der Nacht hat Hammond auf der Welt Alphecca II einen seltsamen Traum. Er träumt, er habe Wurzeln und würde wie eine Pflanzen wachsen. Doch gleichzeitig wünscht er sich, über den nächsten Hügel wandern zu können. Bevor er Brock davon erzählen kann, zeigt dieser ihm am Morgen, dass ihr Raumfahrzeug von Ranken überwuchert ist. Als sie die Gegend erkunden, wird Brock von einer dieser Ranken gepackt und um ein Haar entzwei gerissen. Natürlich gelingt die Befreiung, und sie ziehen sich ins Schiff zurück.

Endlich findet Hammond die Antwort auf die Frage seines Freundes …

|Mein Eindruck|

Silverberg ist ein Meister darin, sich einer vielfach vernachlässigten und missachteten Empfindung des Menschen anzunehmen: Langeweile, |ennui|. Wenn man schon alles gesehen, erlebt und besessen hat, wenn man unsterblich ist und ewig lebt, welche Werte gibt es dann noch, die einen Menschen veranlassen könnten, weiterleben zu wollen? Es ist eine der Fragen, die sich die SF stellt: Was bedeutet es, menschlich zu sein?

In dieser Story findet sich durch die Erfahrung des Gegenteils die Antwort auf die Frage, warum Menschen den Raum befahren. Weil sie eben Menschen sind und sich fortbewegen können. Pflanzen, selbst wenn sie intelligent sind, können dies nicht. Und wenn die Ranken einen Raumfahrer umschlingen, dann nicht, um zu fressen, sondern aus Neid und Eifersucht! Es ist das Privileg des Menschen, mobil zu sein, erkennt Hammond. Fortan nutzen die beiden Erkunder dieses Vorrecht weidlich aus und fliegen weiter in Regionen, die noch nie zuvor ein Mensch sah.

_4) Ron Goulart: Was ist aus Schraubenlocker geworden? (1970)_

Der Privatdetektiv Tom ist auf der Suche nach der kalifornischen Millionenerbin Mary Redland. Sie ist aus einer psychiatrischen Klinik verschwunden. Als er ihr Strandhaus betritt, wird er von einer intelligenten Spülmaschine attackiert, doch er kann sie überlisten, so dass sie über die Klippe ins Meer fällt. Mary Redlands Vater, der Erfinder, scheint eine ganze Reihe solcher Roboter gebaut zu haben – manche davon zu dem Zweck, Menschen zu töten.

Nach einigen Recherchen stößt er auf das mondäne Herrenhaus der Redlands. Im „Spielhaus“ hat sich Mary versteckt. Sie scheint ganz allein zu sein, als er sie findet. Tom scheint ein alter Freund der Familie zu sein, denn sie schüttet ihm sogleich ihr Herz aus. Der Grund, warum sie in der Psychiatrie war, scheint eine Gehirnwäsche gewesen zu sein. Die hatte ihr ihr Vater verpasst, um einen Mordplan zu vertuschen, den sie mitangehört hatte. Sowohl beim Mord als auch bei der Vertuschung half ihm dabei der Roboter Schraubenlocker. Dieser war als Marys Privatlehrer angestellt und sollte sie beschützen. Doch warum tat er ihr die Gehirnwäsche an?

Da tritt ein Mann ein, der eine Pistole auf Tom und Mary richtet. Es ist Schraubenlocker selbst. Er beschützt Mary immer noch vor der Wahrheit, warum dies alles damals geschah, als sie ein kleines Mädchen war, und besuchte sie sogar in der Klinik. Das löste ihre Flucht aus. Doch was hat er als Entschuldigung vorzubringen?

|Mein Eindruck|

Die Story ist eine hübsche kleine Detektivgeschichte. Das Besondere daran: Die Übeltäter scheinen Roboter zu sein. Was zunächst recht lustig wirkt, wird zunehmend ernst, bis es auf einer tragischen Note endet. Diese Roboter scheinen nicht den Asimov’schen Gesetzen der Robotik zu gehorchen, und doch ist es so. Bekanntlich dienen die Gesetze dazu, den Menschen ebenso wie den Roboter vor Schaden zu bewahren. Aber wie bewahrt man ein kleines Mädchen davor, einen dauerhaften seelischen Schaden davonzutragen?

_5) Kate Wilhelm: Wo bist du gewesen, Billy Boy, Billy Boy? (1971)_

Als Billy Gordon erst acht ist oder so, erlebt er, wie sein Vater, ein Professor (vermutlich der Soziologie oder Ökonomie), dem Senat vorschlägt, den drohenden Untergang der Welt durch eine radikale Lösung aufzuhalten. Die Überbevölkerung, die zu einer tödlichen Umweltverschmutzung führt, könne nur noch durch ein Mittel aufgehalten werden: Die Hälfte der Bevölkerung muss sterben, damit die andere überleben kann. Man erklärt Prof. Gordon für wahnsinnig.

Nichtsdestotrotz führt allein schon die Drohung und Überlegung über die Maßnahme zu Demonstrationen, die just, als Billy mit seiner Mutter Weihnachtsgeschenke kaufen will, zu gewalttätigen Ausschreitungen führen, in deren Verlauf seine Mutter ums Leben kommt. Doch Billy überlebt. Verfügt er über eine besondere Gabe?

Als er erwachsen ist, hat die Regierung einen Orwell’schen Überwachungsstaat errichtet, der gegen seine rebellischen Gegner brutal vorgeht. In seiner Marketingfirma sind keine Mitarbeiter mehr, er ist der letzte. In seiner Drei-Mann-Band verfasst er einen melancholischen Song, und als er am Abend mit ihnen nach Hause geht, fasst er mit Rhonda den verrückten Plan, sich mit einem Panzerwagen zum platten Land durchzuschlagen, raus aus der umkämpften Stadt.

|Mein Eindruck|

Diese Story, die völlig unchronologisch und nonlinear erzählt wird, muss man wahrscheinlich mehrmals lesen, um sie vollständig zu verstehen. Allerdings hat sie mich so deprimiert, dass ich dazu keinerlei Lust verspüre. Auf jeden Fall geht es um das Eintreffen der von Prof. Gordon vorhergesagten Katastrophe, aber auch um die Lösung, die er vorschlug: Die andere Hälfte der Bevölkerung verschwindet – und das in nur etwa 15 bis 20 Jahren, die Billy braucht, um erwachsen zu werden und einen führenden Job in seiner Firma zu erringen. Die beunruhigende Frage ist allerdings: Wie kam es zu diesem massenhaften Verschwinden? Könnte Billy etwas damit zu tun haben?

_6) Theodore Sturgeon: Wenn alle Menschen Brüder wären, würdest du einen davon deine Schwester heiraten lassen? (1967)_

Eigentlich ist Charli Bux nur ein Sesselfurzer und Rechnungsprüfer, aber er arbeitet im zentralen galaktischen Archiv und stolpert dabei über merkwürdig billige Rohstoffangebote. Hartnäckig, wie Charli nun mal ist, versucht er mehr darüber herauszufinden, außerdem mag er Jamaica Blue Mountain Kaffee und würde ihn selbst gerne so günstig kaufen. Auf der Welt Lethe jedoch kommt er nicht weiter, denn allen seinen Bemühungen, nach Vexvelt weiterzukommen, scheinen „unglückliche Umstände“ einen Riegel vorzuschieben. Dass es im Zentralarchiv keine Aufzeichnungen über diesen Planeten gibt, findet Charli ebenfalls ziemlich verdächtig.

Nun ist jedoch der Raumhafen von Lethe ein übles Pflaster, und so kommt es, dass Charli Gelegenheit hat, einem echten Vexveltianer im Kampf gegen nächtliche Räuber beizustehen. Zum Dank nimmt ihn der Mann namens Vorhidin an Bord seines Raumschiffs mit zu seiner verbotenen und versteckten Heimatwelt. An Bord lernt Charli die bezaubernde Tamba kennen, eine freigebige Schönheit mit rabenschwarzem Haar, die Charli gerne in die Mysterien der vexveltianischen freien Liebe einführt. Vorhidin hat absolut nichts dagegen, ganz im Gegenteil. Charli, das ist klar, verliebt sich auf der Stelle in Tamba. Klar, dass er neugierig ist auf die Welt, von der Tamba stammt.

Kurz gesagt, ist Vexvelt ein ökologisches Utopia mit dem besonderen Flair von Kalifornien. Die Gesellschaft gedeiht und alle sind happy. Doch schon in der ersten Nacht erleidet Charli einen Schock: Tamba will nicht mit ihm schlafen, sondern mit ihrem Bruder Stren. Sie habe es diesem versprochen. Charli braucht Wochen, bis er darüber hinwegkommt, und verantwortlich ist dafür vor allem die Fürsorglichkeit von Tambas rothaariger Schwester Tyng. Doch als er diese eines Morgens im Bett ihres Vaters Vorhidin vorfindet, bricht Charli vollkommen zusammen. Wieder dauert es Wochen, bis Vorhidin Charli so weit hat, dass Charli bereitet ist, die Besonderheit von Vexvelt zu verstehen und zu akzeptieren.

Doch eine Sache hat Charli immer noch nicht begriffen: Warum die anderen Welten eher bereit wären, Vexvelt auszuradieren, als mit den Verfemten Handel zu treiben, und sei er noch so lukrativ. Ja, die Vexvelter können sogar Krebs heilen. Erst als er mit seinem Boss, dem Archivmeister, gesprochen hat, muss er resignierend anerkennen, dass es nun mal so ist, das niemand etwas mit dieser Kultur zu tun haben will. Wenn er auf Vexvelt umsiedeln will, muss er allem entsagen, was er gekannt und geliebt hat. Eine schwere Wahl.

|Mein Eindruck|

Diese Novelle wurde 1967 als Beitrag für Harlan Ellisons berühmte Anthologie „Dangerous Visions“ veröffentlicht. Alle Beiträge sollten eingefahrene Vorstellungen in Frage stellen und den Leser provozieren. Und tatsächlich ist diese Geschichte auch heute noch – und solange es das Inzest-Tabu geben wird – dazu angetan, Aversionen und Diskussionen auszulösen. Denn keineswegs wird hier Inzest mit Eltern und Geschwistern als negativ dargestellt, sondern vielmehr als positiver kultureller und biologischer (!) Faktor.

Die Geschichte braucht sehr lange, bis dem Leser die Wahrheit enthüllt wird, warum die Außenwelt diesen Planeten so schrecklich findet und geächtet hat. Das ganze Drumherum wird in dem langen Dialog durchgekaut, den Charli mit seinem Archivmeister führt. Charlie erzählt nicht alles, und deshalb erfahren wir seine zurückgehaltenen Erinnerungen in Kursivschrift. Erst das letzte Drittel ist praktisch Charlis Erlebnis aus erster Hand und besteht wiederum in der Hauptsache aus einem langen Dialog, wobei Vorhidin alle Punkte vorbringt, die für Inzest und gegen dessen Ächtung sprechen. Warum aber Charli so disponiert ist, am Ende zu den Vexveltianern überzulaufen, wird aus der Geschichte nicht ersichtlich. Das ist eine weitere Schwäche.

All diese Quasselei fand ich jedenfalls sehr ermüdend. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leser von „Dangerous Visions“ zusätzlich zu dieser Story auch noch das obligatorische, ausführliche Vorwort von Herausgeber Harlan Ellison ertragen konnten.

Jedenfalls würde ich dem Leser, der Sturgeon als einen der wichtigsten und besten Story-Erzähler kennenlernen will, die neuen Storysammlungen empfehlen, die der |Shayol|-Verlag veranstaltet. Michael Iwoleit hat Sturgeon in seinem Essay im „Heyne SF Jahr 2007“ ausführlich vorgestellt (ab. S. 285).

_7) John W. Campbell: Wer geht dort? (1938)_

Dies ist die literarische Vorlage für Howard Hawks‘ & Christian Nybys SF-Film „Das Ding aus einer anderen Welt“ – und natürlich auch für dessen Remake von John Carpenter!

Die Besatzung der amerikanischen Südpol-Station ist im ewigen Eis auf ein außerirdisches Raumschiff gestoßen, das seit zwanzig Millionen Jahre hier liegen muss – es hat einen zweiten magnetischen Südpol verursacht. Um eindringen zu können, sprengen sie das U-Boot-förmige Vehikel mit Thermit – und setzen es dabei in Brand, weil sie zu spät merkten, dass es vor allem aus Magnesium bestand. Doch ein Insasse ist entkommen, nur um jedoch sogleich zu Eis zu gefrieren. Und diesen Eisblock haben sie nun auf einem Tisch in ihrer Basis liegen.

Was ist damit zu tun, lautet nun die Frage, die die Wissenschaftler zu entscheiden haben. Bringt der Außerirdische Mikroben mit, die Menschen schaden könnten? Nachdem man sich entschieden hat, den Block aufzutauen, ist schließlich zu erkennen, dass das Fremdwesen drei rote Augen in einem blauen Fell hat und sich Tentakel am „Kopf“ bewegen – es lebt! Doch keiner hat daran gedacht, dass es Gedanken lesen oder beeinflussen könnte. Noch ahnt auch keiner, dass es die Gestalt von organischen Lebensformen annehmen könnte.

Als das Alien auf einmal verschwunden ist und es nicht gefunden werden kann, dämmert Kommandant Garry und seinem Vize McReady die schreckliche Wahrheit: Das Alien kann sich in jeden der Männer verwandelt haben, indem es dessen Zellsubstanz imitiert. Und ebenso schnell kann es sich mit der zusätzlichen Zellmasse vermehren und andere Lebewesen, etwa Schlittenhunde, übernehmen und imitieren.

Die Frage ist nun: Gibt es einen endgültigen Test, der beweist, dass ein menschlich aussehender Proband mit absoluter Sicherheit kein Alien ist?

|Mein Eindruck|

Anfang und Ende des Textes sind der Action gewidmet, und Hawks dürfte wohl alles bis Seite 30 verwendet haben. Doch dann kommt eine Zäsur, die einen ruhigen Mittelteil einleitet, in dem fast nur geredet wird. Das ist ziemlich ermüdend, wenn auch notwendig, um die Lage zu begreifen, in der sich die Leute nach dem Verschwinden des Alien befinden (man denke an den Alien-Film von Ridley Scott). Sie haben zudem nicht viel Zeit, denn das Alien wird versuchen, die ganze Erde zu erobern und mit seiner Art zu bevölkern.

Mir hat das Lesen nicht viel Spaß gemacht, denn die Szenen sind wie gesagt nicht sonderlich anschaulich, bis auf das Finale, und die Erzählmethode derartig antiquiert, dass ich nur den Kopf schütteln konnte. Am Anfang berichtet McReady seitenlang in einem ununterbrochenen Monolog von den Ereignissen beim Raumschiff der Aliens. Dann treten die einzelnen Wissenschaftler auf, und allein schon die Aufgabe, sich deren Namen zu merken, ist anspruchsvoll.

Noch seltsamer ist jedoch die Methode der Charakterisierung. Das war wohl der damalige Groschenheftstil, aber so holzschnittartig trieben es selbst Asimov und Heinlein nicht. McReady ist ein bronzener Riese und ein anderer Mann scheint nur aus Stahl zu bestehen. Klar, dass wir diesen Typen trauen sollten. Aber nur weil das behauptet und mehrmals wiederholt wird, muss es noch lange nicht glaubhaft klingen. Wahrscheinlich hielt der Autor seine (meist jugendlichen) Leser für begriffsstutzig.

In der Übersetzung durch Rosemarie Hundertmarck, die hier vorliegt, wurden alle Kapitel säuberlich nach Sinn- und Zeiteinheiten getrennt.

_8) Damon Knight: Auge um Auge – aber wie? (1957)_

Die Vorhut der irdischen Flotte unter dem Kommando von Commander Carver versucht auf der erdähnlichen Welt eines Sterns vom Sol-Typ einen Stützpunkt zu errichten und Handelsbeziehungen zu etablieren. Während eine Delegation auf dem Planeten Kontakt mit dem Ältestenrat der intelligenten Gorgoner aufnimmt, nimmt das Raumschiff einen Vertreter der Gorgoner an Bord. Die Forscher für Fremdwesen, die Xenologen, taufen ihn auf den Namen George. Nach einer Weile können sie sich gut mit ihm verständigen, doch der Begriff „panga“ ist ihnen ein Rätsel. Ist es eine Verwandtschaftsbezeichnung? Aber warum ist sie dann so verwirrend?

Da kommt es zum einem peinlichen Zwischenfall bei einem Bankett im Kapitänszimmer. Während George sich bislang immer zurückgehalten hat, reißt er beim Dessert der Gattin des Kapitäns das Dessert weg und verzehrt es selbst! Die werte Dame kippt hintenüber und bekommt einen hysterischen Anfall. Klar, dass George erst einmal in Sicherheit gebracht wird. Die Xenologen wollen keinen diplomatischen Zwischenfall riskieren, wenn ihre Delegation auf dem Planeten als Geisel genommen werden könnte. Erst einmal die Gorgoner fragen.

Der Ältestenrat urteilt, dass George von den Geschädigten, also den Menschen, bestraft werden müsse. Und zwar muss diese Strafe so angemessen ausfallen, als wenn sie von einem Gorgoner vollstreckt worden wäre. Falls die Bestrafung nicht angemessen und rechtzeitig bis Ablauf einer Frist erfolgt ist, werde die Delegation stattdessen bestraft. Nun ist guter Rat teuer: Wie bestraft man ein Wesen, das kugelrund ist, sich beliebig strecken und unter Wasser atmen kann? Wie sich herausstellt, spielt „panga“ eine Schlüsselrolle – in letzter Sekunde …

|Mein Eindruck|

Nach Bewältigung dieser Krise beim Erstkontakt hat der Kapitän jedoch keinerlei Interesse mehr an der Welt dieser Gorgoner und zieht mit seiner Flotte weiter. Die Logik dahinter erschließt sich dem Leser bei genauerem Nachdenken durchaus, allerdings wird sie ihm nicht auf dem Silbertablett serviert.

Die Story ist wunderbar anschaulich erzählt, und eine ganze Reihe von komisch-drastischen Szenen sorgen ebenso für Unterhaltung wie die überraschenden Wendungen am Schluss. Auf jeden Fall weiß man am Ende auch, was unter „panga“ zu verstehen ist.

_9) Frederik Pohl: Ich Plinglot, wer du? (1958)_

Vor dem US-Senat sagt ein Mr. Robert S. Smith aus, er habe einen Aktenordner gefunden, in dem stehe, dass die Russen Kontakt zu den Außerirdischen vom Aldebaran hätte und sie demnächst erwarten würden. Wenig später trifft Mr. Smith (der sich nun anders nennt) den kommunistischen Parteisekretär in Moskau und verrät ihm bzw. seinen Unterlingen, die Amis würden demnächst Besuch vom Aldebaran bekommen. Wenig später taucht Mr. Smith in Paris auf, um einem Monsieur Duplessin vom Liebesleben der edlen Aldebaran vorzuflunkern. Enthusiastisch bietet M. Duplessin den Aldebaranern seinen Schutz vor den schurkischen Amis und Russkis an.

Da nun der Boden für seine Mission bereitet ist, verschnauft Mr. Smith für einen Moment, bevor er in der Mojave-Wüste seine Rakete auf Kurs zum Mars schickt. Doch kurz vor ihrem Start entdeckt er einen Aldebaraner an Bord, einen blinden Passagier. Das etwa dreißig Zentimeter große Wesen beschwert sich bitterlich darüber, was Mr. Smith mit seinem Volk auf dem schönen aldebaranischen Planeten angerichtet hat. Er habe alle Völker, die seit hundert Jahren friedlich kooperiert hätten, aufeinander gehetzt, bis der Atomkrieg ausbrach und dabei die Meere verdampften.

Mr. Smith – oder Plinglot von Tau Ceti – schickt den letzten Mohikaner mitsamt seiner Rakete zum Mars, damit diese von dort zur Erde zurückkehre und die Menschen gehörig in Aufruhr versetze – oder sogar mehr. Dann begibt er sich nach Washington zum Senat. Durch den Aldebaraner abgelenkt, hat Plinglot jedoch vergessen, wieder eine menschliche Gestalt anzunehmen. Ups, er erlebt eine Überraschung nach der anderen …

|Mein Eindruck|

Mr. Smith ist offensichtlich ein |agent provocateur|, der einen Kriegsausbruch hervorrufen will. Wie sich zeigt, ist er für unseren galaktischen Sektor zuständig und handelt im Auftrag seiner Mutter. Und wie könnte man eine Rasse, die gerade die Raumfahrt entdeckt, besser kurzhalten, indem man einen Krieg provoziert, der diese Rasse um Jahrhunderte zurückwirft oder gar völlig vernichtet?

Geschickt und anschaulich erzählt, warnt diese Story aus dem Kalten Krieg ebenso wie William Tenns (folgende) Story vor dem Atomkrieg und dem Holocaust. Sie ist zugleich ein Aufruf zu Frieden und Versöhnung, aber auch zu Wachsamkeit gegenüber Kriegstreibern wie Mr. Smith.

_10) William Tenn: Wollt ihr nicht ein bisschen schneller gehen? (1951)_

Der SF-Autor, der den Ich-Erzähler darstellt, wird eines Tages von einer Art Gartenzwerg in einer Fliegenden Untertasse entführt und zum Mutterschiff geflogen. Dort befinden sich andere Vertreter der menschlichen Rasse. Sie fragen sich alle, was sie hier sollen und wer die Kobolde sind.

Der Oberkobold hält per Live-Übertragung eine Ansprache an die Menschen. Er stellt sie vor eine Wahl. Da sie eine selbstmörderische Spezies sind und da die Kobolde gerne diesen schönen blauen Planeten als neue Heimstatt übernehmen würden, sollten die Menschen doch bitteschön die ultimative Waffe wählen, die ihnen die Kobolde anbieten, und sich gefälligst selbst eliminieren.

Das Problem der Kobolde ist nämlich: a) Sie haben wenig Zeit und b) die Menschheit hat sich mit den Atombomben (noch) nicht in die Luft gejagt und c) ein Krieg mit H-Bomben würde den Planeten Erde auf Jahrmillionen unbewohnbar machen. Höchste Zeit daher, dass sich die Menschen gegenseitig umbringen. Also, wie wär’s?

Als der Erzähler wieder nach Hause gebracht worden ist, fragt er sich, welcher Vertreter der Menschheit so verrückt sein könnte, den Kobolden ihre Wahl positiv zu beantworten. Ein einfaches Signal würde schon genügen. Man stellt eine Schüssel Milch vor die Tür …

|Mein Eindruck|

Diese kurze Story wurde 1951 veröffentlicht, und sicherlich unter dem überwältigenden Eindruck der ersten H-Bomben-Versuche der USA und – wenig später – der Sowjetunion. Das Wettrüsten im Kalten Krieg begann, der Weltuntergang schien in greifbare Nähe gerückt zu sein. Und dann kommen die Außerirdischen in ihrer Gartenzwergverkleidung und stellen die Menschheit vor eine verhängnisvolle Wahl.

Auf diese Weise macht der Autor klar: Wenn schon die Menschen nichts Vernünftiges mit diesem Planeten anfangen können, so gibt es doch eine Reihe anderer Interessenten, die dieses nette Weltraumgrundstück haben wollen. Möglichst ohne lästige Mitbewohner. Dummerweise haben die Menschen bloß diese eine Welt. Aber wie lange wird der Frieden dauern, bis es einem Selbstmörder einfällt, das letzte Signal zu geben?

Wie man sieht: eine Geschichte mit einem grimmigen Hintergrund und einer ernsten Botschaft, aber lustig vorgetragen.

_11) Isaac Asimov: Die letzte Frage (1956)_

In den 1950er Jahren (als diese Story entstand) stellen zwei angesäuselte Computertechniker zum ersten Mal jene Frage an das leistungsfähigste Elektronengehirn. Die Frage, die Multivac beantworten soll, lautet: „Gibt es eine Möglichkeit, die Entropie umzukehren?“ Die Entropie ist bekanntlich die allgemeine Bewegung des Universums zu allgemeinem Chaos, Energieverlust und Wärmetod. „Ließe sich beispielsweise eine neue Sonne schaffen, um die Entropie umzukehren?“ Diese Frage wird den jeweiligen Superhirnen ihrer Zeit immer wieder gestellt, heißen sie nun Mikrovac, Galaktischer AC, Universaler AC oder gar Kosmischer AC. Noch in Milliarden Jahren wird sie gestellt.

Und immer lautet die Antwort gleich: „Bisher reichen die Daten für eine sinnvolle Antwort noch nicht aus.“ Bis auf das letzte Mal, als der Kosmische AC, der vollständig im Hyperraum existiert, auf eine geniale Antwort verfällt. Schließlich verfügt er nach dem Ende des Universums über genügend Daten …

|Mein Eindruck|

Die letzte Frage gilt, wie zu erwarten, den letzten Dingen. Eines dieser letzten Dinge ist das Ende von allem. Lässt es sich aufhalten oder gar – verwegener Gedanke – umkehren? Bemerkenswert ist an der Story, dass die Frage nicht dem Papst oder dem Dalai Lama gestellt wird, sondern dem leistungsfähigsten künstlichen Gehirn. Denn die Frage gilt ja nicht einem Glaubenssatz – wo ist Gott? -, sondern einem wissenschaftlichen Faktum: Die Entropie nimmt unendlich zu. Das ist einfach einer der Hauptsätze der Thermodynamik. Er gilt schon seit Jahrhunderten unangefochten. Warum sollte ihn also ein wissenschaftlich errichtetes Gerät nicht beantworten können?

Da die Frage nie beantwortet wird – „unzureichende Daten“ -, begleitet sie die Menschheit bei ihrer Ausbreitung über das Sonnensystem, die Galaxis und alles darum herum. Denn die Menschen sind nicht nur überall, sondern auch unsterblich geworden. Trotz dieser annähernden Allmacht können sie den Hauptsatz der Thermodynamik nicht beugen, sondern werden vielmehr dessen Opfer. Auch sie können der Entropie nur auf dem Wege des Hyperraums entgehen, wo der Kosmische AC weiterexistiert. Und nur von dort aus lässt sich ein Neuanfang wagen: „Es werde Licht …“

Der Biochemieprofessor Asimov vermittelt in seiner Geschichte einige wertvolle Einsichten über die Begrenztheit menschlichen Wollens und Erkennens angesichts der Gesetze der Physik. Und ob Computer nun wirklich aus Molekülen gebaut werden oder nicht, spielt eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Heute wird jedenfalls schon daran geforscht.

_Unterm Strich_

Anthologieherausgeber haben sich schon die abgelegensten Themen einfallen lassen – von Katzen und Einhörner über den Götter-Olymp bis hin zu Nanotechnologie. Warum nicht auch zu Fragen, um mal eine überflüssige zu stellen? Aufgrund des Alters dieses Buches – es erschien 1980 – sind die Storys zwar nicht gerade die neuesten (die modernste erschien 1971), aber dafür sind ein paar gute Namen unter den Autoren, und es sind nicht, wie so oft, alles Männer.

Das Niveau bewegt sich meist im guten Mittelmaß, wie mir scheint, und nur ein oder zwei Ausreißer nach oben sind zu verzeichnen. Einer davon könnte als „Wer geht da?“ angesehen werden, doch ich bin kein Fan von John W. Campbell. Aber auch Theodore Sturgeon, von dem ich ansonsten viel halte, hat mich diesmal etwas enttäuscht. Die restlichen Storys sind ganz nett, aber sicherlich nicht weltbewegend. Nur bei Kate Wilhelms „Billy“-Story könnte man ins Grübeln verfallen, denn sie liefert keine fixe Lösung, sondern nur ein Puzzle, das man selbst zusammensetzen muss.

Am lustigsten und hintersinnigsten ist wohl Damon Kinights Geschichte über die Gorgorianer. Sie erfordert, nach etlichen überraschenden Wendungen, ein wenig Nachdenken über den Schluss der Story. Aber die Lösung sollte kein Problem sein. Alles in allem bietet der Band also eine Menge Antworten – und stets auch Informationen über den jeweiligen Autor, ideal für Einsteiger.

Taschenbuch: 303 Seiten
Originaltitel: The Future in Question, 1980
Aus dem US-Englischen von Rosemarie Hundertmarck

Isaac Asimov – Die phantastische Reise

asimov phantastische reise cover kleinUm einen ins Koma gefallenen Wissenschaftler zu retten, wird ein Ärzteteam auf Mikrobengröße verkleinert und macht sich im Mini-U-Boot durch die Adern auf den gefährlichen Weg ins Gehirn … – Das Buch zum Kinoklassiker erzählt die spannende Handlung nicht einfach nach, sondern ergänzt sie durch Hintergrundinformationen, liefert ausführliche Charakterisierungen der Figuren und unternimmt sogar den (rührend gescheiterten) Versuch, die krude Story wenigstens ansatzweise plausibel wirken zu lassen: keine simple Beigabe zum Film, sondern ein eigenständiger, sehr lesbarer Science-Fiction-Roman.
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Isaac Asimov – Das galaktische Imperium (Foundation-Zyklus 4)

Isaac Asimov bemühte sich gegen Ende seiner Schaffenszeit, seine beiden großen Steckenpferde, die Robotergeschichten mit ihren Gesetzen der Robotik und die Geschichte der Menschheit mit der Foundation-Trilogie, zu einer zusammenhängenden, umfassenden Erzählung zu verknüpfen. »Das galaktische Imperium« wurde so zum vierten Band des erweiterten Foundation-Zyklus und bildet den endgültigen Übergang von den Robotergeschichten zur galaktischen Menschheitsentwicklung mit Hilfe der Psychohistorik.

Zweihundert Jahre nach Elijah Baleys letztem Fall auf Aurora, in dessen Verlauf er den Erdenmenschen einen neuen Anlauf für die Besiedlung der Galaxis ermöglichte, droht eine neue Krise: Die Spacer, die in ihrer von Robotern behüteten Zivilisation verharren, sehen ihre Macht über die Erdenmenschen durch die neuen Siedler bedroht, die allein durch ihre Masse zur Gefahr werden könnten. Der oberste Robotiker macht den hinterhältigen Plan eines seiner Kollegen zu dem seinen, der darauf abzielt, die Erde als Zentrum der Siedlerbewegung zu vernichten.

Inzwischen scheinen die Bewohner des letzten von Spacern besiedelten Planeten, die Solarianer, einen eigenen Plan zu verfolgen. Ihre Bevölkerung war schon immer die niedrigste aller Spacerwelten, und in dieser Krisenzeit haben sie ihren Planeten plötzlich verlassen.

Die bekannten Roboter Daneel und Giskard sehen sich vor die schwierige Aufgabe gestellt, nach den Gesetzen der Robotik zu handeln und die Menschen zu beschützen und gleichzeitig die Vernichtung der Erde durch Menschen zu verhindern. Sie als intelligenteste Roboter machen sich Gedanken um die Zukunft der gesamten Menschheit, was ursprünglich die Kapazität von Positronengehirnen übersteigt.

In typischer Weise entwickelt Asimov die Geschichte um seine Protagonisten, wobei diesmal ein deutlicher Schwerpunkt auf Daneel und Giskard und ihren inneren Konflikt zwischen ihren Erkenntnissen bezüglich der Menschheit und der Robotikgesetze gelegt wird. Es ist erstaunlich, über welchen Zeitraum (seiner Lebenszeit) und welchen Umfang (zehn, ursprünglich noch mehr, inzwischen zusammengelegte, Bände) er den großen Bogen spannt. Dass dem Leser dabei nicht langweilig wird, da er (in dieser Ausgabe nicht zuletzt wegen der wirren Veröffentlichungsstrategie des Verlags) die Romane wahrscheinlich nicht in chronologischer Reihenfolge gelesen hat und somit Details der Zukunft, auf die Asimov hinarbeitet, bereits kennt, ist ein Merkmal des Unterhaltungswerts der Geschichte und Asimovs Fähigkeit, spannende und verstrickte Abenteuer zu schreiben.

Ein wichtiger Punkt des Stils sind die langen Unterhaltungen, die einen Großteil der Geschichte ausmachen. Hier wird Stellung bezogen, Handlungen werden rückblickend dargestellt, neue Rätsel ausgestreut oder alte gelöst, und der Leser denkt mitunter zusammen mit den Protagonisten in die völlig falsche Richtung oder meint, Hintergründe noch vor ihnen durchschaut zu haben.

Geschickt flicht Asimov Fäden ein, die bereits in späteren Romanen gelöst wurden, und erklärt zum Beispiel, wie Daneel und Giskard zu ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten kommen. Bereits in vorangehenden Bänden wird angedeutet, dass nicht der geniale Hari Seldon (siehe Foundation Bände 7, 8) auf die Idee mit der Psychohistorik kam, sondern diese ein wichtiges Anliegen ursprünglich Giskards und ausgefeilter Daneels ist, wozu auch im vorliegenden Roman deutliche Grundsteine gelegt werden. Daneel, der durch Elijah Baley noch an dessen Sterbebett in Richtung Menschheit beeinflusst wurde (»ein einzelner Faden ist nichts im Gegensatz zum ganzen Gewebe«), schafft es sogar, sich selbst endgültig das Nullte Gesetz der Robotik einzuprogrammieren und es den ursprünglichen drei Gesetzen voranzustellen: Ein Roboter darf der Menschheit nicht schaden oder durch Untätigkeit zulassen, dass ihr Schaden widerfährt. Demzufolge wird die Unverletzbarkeit von Individuen der Abstraktion der Menschheit untergeordnet, was für den Einzelnen durchaus zur Gefahr werden könnte.

Es ist schwierig, darüber zu urteilen, aber ging Asimov vielleicht etwas zu weit, als er den Robotern die Macht zusprach, sich über die zum Schutz der Menschen eingesetzten Drei Gesetze hinwegzusetzen? Sollte es einem Roboter, und sei er noch so intelligent, zustehen, über die Zukunft der Menschheit zu entscheiden und damit vielleicht Einzelne zu gefährden? In dem Zusammenhang lässt er seine Roboter eine brisante Idee fassen:

[…] Wir müssen eine wünschenswerte Spezies formen und sie dann schützen, damit wir uns nicht wieder gezwungen sehen, zwischen zwei oder mehr unerwünschten Alternativen wählen (d.h. welcher unerwünschten Menschengruppe ihr Schutz gelten soll!) zu müssen. […] (Seite 492f)

Bei diesem Satz kann den Leser Unbehagen befallen, denn was wäre das für eine Menschheit, die nach den Wünschen von Robotern geformt ist? Ähnliches Unbehagen beschleicht einen ganz zum Ende des Zyklus, doch es soll nicht zu viel vorweggenommen werden.

Was den Roman gegenüber seinen Vorgängern so besonders macht, ist die gewisse Überlegenheit der Roboter gegen die Menschen; so spielte Daneel in den Bänden Foundation 2 und 3 zwar eine wichtige Rolle, dominiert wurden die Geschichten aber von Elijah Baley. Jetzt, nach Baleys Tod, bemüht sich Daneel um die Denkweise der Menschen allgemein und der Baleys im Besonderen, um der Menschheit möglichst perfekt dienen und sie schützen zu können. Dabei wird er in seinen Gedanken, Gefühlen und seiner Handlungsweise immer menschlicher, und darum wirkt es auch menschlich tragisch, als er sich seiner Aufgabe endgültig allein gegenübergestellt sieht.
Ein den anderen Bänden ebenbürtiger Beitrag zum großen Foundationuniversum.

Der Foundation-Zyklus im Überblick

1. Meine Freunde, die Roboter
2. Die Stahlhöhlen
3. Der Aufbruch zu den Sternen
4. Das galaktische Imperium
5. Die frühe Foundation-Trilogie
6. Die Rettung des Imperiums
7. Das Foundation-Projekt
8. Die Foundation-Trilogie
9. Die Suche nach der Erde
10. Die Rückkehr zur Erde

Isaac Asimov – Der Aufbruch zu den Sternen (Foundation-Zyklus 3)

„Der Aufbruch zu den Sternen“ ist die direkte Fortsetzung der Ermittlungsromane um Elijah Baley und R. Daneel Oliwav, mit denen Asimovs „Foundationzyklus“ seinen Anfang nimmt, lässt man die Robotergeschichten ein bisschen außen vor. In diesen Romanen wird der Grundstein zur Foundation-Trilogie gelegt, die weltweite Berühmtheit erlangte. Im vorliegenden Roman findet erstmals das Konzept der „Psychohistorik“ Erwähnung, überraschend ist allerdings der Ursprung dieser Idee.

Aufbruch oder nicht?

Auf der Erde trainieren mutige Menschen unter Baleys Leitung den Aufenthalt im Draußen, unter freiem Himmel, fern der überkuppelten Stahlhöhlen. Baley selbst, der durch seine Ermittlungserfolge bei den Spacern große Sprünge auf der Karriereleiter machte (s. „Die Stahlhöhlen“) und dessen Taten durch hollywoodartig übertriebene Vorführungen berühmt wurden, muss eine weitere Ermittlung aufnehmen. Diesmal verschlägt es ihn nach Aurora, der ersten durch Menschen besiedelten Welt, auf der Dr. Fastolfe (Konstrukteur und Entwickler des humaniformen Roboters Daneel) in politische und gesellschaftliche Bedrängnis geriet.

Er ist Befürworter eines Plans, nach dem die weitere Besiedlung der Galaxis durch Erdenmenschen mit Hilfe der Spacertechnik erfolgen soll, da sie weitgehend unabhängig von Robotern sein können, im Gegensatz zu den Spacern selbst, die die Galaxis durch Roboter erschließen lassen wollen, um sich ins gemachte Nest zu setzen. Jetzt wird ihm zur Last gelegt, einen zweiten humaniformen Roboter zerstört zu haben, um damit die Bestrebungen seiner politischen Gegner zu sabotieren.

Mit seinem politischen Ende wäre der Traum der Menschen um Baley, die Erde zu verlassen, ausgeträumt. Es liegt also alles an ihm, durch geschickte Ermittlung die Unschuld Fastolfes zu beweisen.

Isaac Asimov ist zweifellos einer der bedeutendsten Science-Fiction-Schriftsteller aller Zeiten, wird oft sogar als der bedeutendste bezeichnet. Seine wichtigsten Hinterlassenschaften finden sich in den Drei Gesetzen der Robotik und in der Foundation-Saga, in deren Verlauf er den Weg der Menschheit ins All und ihr dortiges Bestehen schildert. Asimov wurde 1920 in der Sowjetunion geboren und verstarb im April 1992 in den Vereinigten Staaten.


Das Zwei-Wege-Rätsel

Der typische Stil Asimovs führt in diesem Roman, so man bereits etwas von Asimov gelesen und sich mit seinem Stil bekannt gemacht hat, schon auf der Anreise auf Aurora zur Ahnung einer Erkenntnis, die entscheidend für die Geschichte ist. Wie ist es möglich, dass der offensichtlich alte und überholte Roboter Giskard, der trotzdem ein Favorit des Robotikers Fastolfe ist, und der zusammen mit dem überragenden humaniformen Roboter Daneel zur Erde reist, um Baley abzuholen, eine konkrete Gefahr für den Geist Baleys vor Daneel bemerkt und eingreift, obwohl er sich im Gegensatz zu Daneel nicht mit Baley in einem Raum befindet? Es ist nicht nur diese Situation, die auf eine besondere Fähigkeit Giskards schließen lässt. Schrittweise führt Asimov den Leser an die offensichtliche Erkenntnis heran, die bereits in den ersten Kapiteln möglich ist – aber nur, da dem erfahrenen Leser klar ist, dass Asimov keine für die Geschichte irrelevanten Details einbringt, sondern sich so klar wie kaum jemand sonst an der Linie seiner Erzählung hält. Natürlich umfasst das auch Verwirrungsstrategien, denen der Leser wie auch der Protagonist erliegt und auf falsche Fährten gelockt wird.

Die Lösung des Rätsels gelingt Baley schließlich auf eine Art, die nicht vorhersehbar ist, und damit gelingt Asimov wieder eine Wendung, die selbst jene Leser überrascht, die den oben angesprochenen Aspekt der Geschichte früh durchschaut haben, oder zu haben glaubten. Bei der Lösung lässt Asimov nämlich die Frage, wer den zweiten humaniformen Roboter zerstört hat, in den Hintergrund treten und hangelt sich stattdessen an den eigentümlichen gesellschaftlichen Eigenschaften der Auroraner im Gegensatz zu jenen der Erdenmenschen entlang, bis es Baley gelingt, Fastolfe auf diese Art zu entlasten. Hier könnte man enttäuscht sein, würde das doch bedeuten, dass es zu einem Stilbruch gekommen wäre und der mitdenkende Leser seinen Erfolg nicht zu greifen bekommt. Aber selbstverständlich gibt sich Baley nicht nur mit der Lösung des Falls zufrieden, sondern sucht nach eben jener Erkenntnis, die Asimov tröpfchenweise in die Geschichte träufelte und die so wichtig ist für den Zusammenhang mit der Foundation-Trilogie und der Psychohistorik.

Hier wirft sich nämlich eine weitere interessante Frage auf, die keine direkte Beziehung zur Lösung des Falles Fastolfe hat: Wie kommt es zur Entstehung des Begriffs „Psychohistorik“ Jahrtausende vor dem genialen Hari Seldon, der die psychohistorische Mathematik entwickeln und den Begriff prägen wird? Es ist erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit Asimov dieser Brückenschlag zu fallen scheint, ein in unserer realen Zeit Jahrzehnte umfassender Brückenschlag zwischen diesen wichtigen Werken, die er erst später zu einem zusammenhängenden Zyklus zusammenstellte und kleine Lücken mit mehr oder weniger großem Geschick füllte (siehe „Das Foundation-Projekt“).

Fazit

Die beiden wichtigsten Aspekte des Romans (im Gesamtbild des Foundation-Zyklus) stehen nur bedingt mit der Lösung in Zusammenhang, aber direkt im Interesse Baleys, so dass es Asimov trickreich gelungen ist, eine spannende und sehr unterhaltsame Geschichte zum Träger einer wichtigen Idee zu machen. Was fast alle seiner Geschichten mit sich bringen, kommt in dieser sehr stark zum Tragen: die Möglichkeit für den Leser, seinen eigenen Gehirnschmalz mit einzusetzen und die Lösungsschritte Baleys entweder nachzuvollziehen oder vorwegzunehmen. Dieser Roman macht richtig Spaß!

Der Foundation-Zyklus

Meine Freunde, die Roboter
Die Stahlhöhlen
Der Aufbruch zu den Sternen
Das galaktische Imperium
Die frühe Foundation-Trilogie
Die Rettung des Imperiums
Das Foundation-Projekt
Die Foundation-Trilogie
Die Suche nach der Erde
Die Rückkehr zur Erde

Isaac Asimov – Das Foundation-Projekt (Foundation-Zyklus 7)

Aus Isaac Asimovs großem Foundation-Zyklus liegt uns mit „Das Foundation-Projekt“ der siebente Band vor. Es ist der direkte Vorgänger der berühmten „Foundation-Trilogie“, die gleichsam Ursprung und wichtigstes Werk des Zyklus‘ ist. Im Foundation-Projekt lässt Asimov uns den Weg des großartigen Mathematikers Hari Seldon verfolgen, seinen Lebensweg und seine Entwicklung der Psychohistorik, durch die er der Menschheit den Weg aus dem Chaos nach dem Fall des Trantorschen Imperiums ebnen will.

Isaac Asimov wurde in der Sowjetunion geboren und emigrierte mit seinen Eltern in die USA, wo er neben seinem Studium der Chemie bereits Science-Fiction-Erzählungen schrieb und veröffentlichte. Besondere Steckenpferde waren ihm seine Erzählungen um die Roboter und ihre Psychologie sowie der große Entwicklungsbogen um die Zukunft der Menschheit; beide verband er schlussendlich in dem zehnbändigen „Foundation-Zyklus“, der somit als sein großes Werk angesehen werden kann. Asimov starb im April 1992.
Weitere Infos: http://www.asimovonline.com.

DER FOUNDATION-ZYKLUS
1. Meine Freunde die Roboter
2. Die Stahlhöhlen
3. Der Aufbruch zu den Sternen
4. Das galaktische Imperium
5. Die frühe Foundation-Trilogie
6. Die Rettung des Imperiums
7. Das Foundation-Projekt
8. Die Foundation-Trilogie
9. Die Suche nach der Erde
10. Die Rückkehr zur Erde

Hari Seldon arbeitet als Mathematikprofessor an einer Universität auf und in Trantor, der Hauptwelt und –stadt des Imperiums. Vor einigen Jahren hielt er einen übereifrigen Vortrag über seine Idee der Psychohistorik – einem mathematischen Modell zur Berechnung menschlicher Handlungen, nur anwendbar auf sehr große Gruppen, vergleichbar mit den physikalischen Gesetzen der Thermodynamik. Er wurde verlacht, nur Kaiser Cleon I. und sein Kanzler Demerzel (hinter dem sich der Roboter Daneel Oliwav verbirgt – was für eine Überraschung!) interessieren sich vorerst für seine Ansätze, könnte damit doch die Zukunft vorhergesagt und das bereits zerfallende Imperium gerettet werden!

Entgegen vielerlei Gefahren und politischen Attentaten, treibt Seldon seine Forschungen voran und entwickelt dabei mit Hilfe eines Teams die Geräte und die Mathematik, die später von der Zweiten Foundation benutzt werden würden. Gerade seine Enkeltochter entpuppt sich als erste Kandidatin für die zweite Foundation, die mit geistigen Kräften über die erste Foundation wachen soll. Das Projekt steht in den Startlöchern, Seldon ist mittlerweile uralt und hat alle seine Freunde und Verwandten überlebt, abgesehen von seiner Enkelin und ihrem Partner, Stettin Palver.

Dieser siebente Band des Zyklus stellt den Auftakt zur Foundation-Trilogie dar, die viele Jahrzehnte früher geschrieben wurde. Das Foundation-Projekt erschien erstmals im Jahre 1991, wohl als letzter Baustein des großen Zyklus. Man merkt ihm leider auch an, dass er eine Lücke füllt und das Geheimnis um den mysteriösen Entwickler der Psychohistorik lüftet. Die Handlung ist durchdacht und in Asimov-typischem Stil geschrieben, aber gewisse Details (wie die Anwesenheit von Daneel und anderer Roboter) lassen den Roman überladen wirken.

Stettin Palver ist tatsächlich ein Urahn von Preem Palver, der im Laufe der Trilogie eine wichtige Tat zur Rettung des Projekts vollbringt. Somit konnte es Asimov auch hier nicht lassen, Anspielungen auf seine „früheren“ Romane (die zeitlich später spielen) anzubringen. Daneel Oliwav, der Roboter, der bereits in den ersten Agentenromanen um die Entwicklung der Menschheit auftritt (siehe: Die Stahlhöhlen), hat ein kurzes Gastspiel und offenbart schon Fähigkeiten, die erst im zehnten Band ihre Erklärung finden (siehe: Die Rückkehr zur Erde). Insgesamt wirkt der Roman deutlich konstruiert, und mit seiner Entmystifizierung von Seldon hat Asimov dem großen Ganzen keinen Gefallen getan. Die einzelnen Romane bleiben für sich spannend, aber schließlich bleiben so gut wie keine Fragen mehr offen, die zu jenem universellen Gefühl führen könnten, das man allgemein als „sense of wonder“ bezeichnet (und das leider viel zu oft auch sinnentfremdet Verwendung findet).

Empfehlenswert ist, die Foundation-Trilogie und die beiden Folgeromane in Reihenfolge zu lesen und zu genießen, außerdem bieten die ersten Bände um die Roboter und die Agentengeschichten bis mindestens zur „Frühen Foundation-Trilogie“ hervorragende Unterhaltung. Band 6 „Die Rettung des Imperiums“ kann ich nicht beurteilen, da es leider vergriffen ist, aber den vorliegenden Band 7 sollte man nur lesen, wenn man nicht von Asimov lassen kann und der künstlich zusammengestellten Reihe vollständig folgen will. „Das Foundation-Projekt“ ist zweifellos ein unterhaltsames Buch, aber durch Asimovs zwanghafte Versuche, sein Werk in eine Form zu pressen, verliert es durch seine künstliche Konstruktion und die Überladung mit Anspielungen ein nicht unerhebliches Maß an Reiz.

Isaac Asimov – Die frühe Foundation-Trilogie

Isaac Asimov ist zweifellos einer der bedeutendsten Science-Fiction-Schriftsteller aller Zeiten, wird oft sogar als der bedeutenste bezeichnet. Seine wichtigsten Hinterlassenschaften finden sich in den Drei Gesetzen der Robotik und in der Foundation-Saga, in deren Verlauf er den Weg der Menschheit ins All und ihr dortiges Bestehen schildert. Asimov wurde 1920 in der Sowjetunion geboren und verstarb im April 1992 in den Vereinigten Staaten.

Der Sammelband „Die frühe Foundation-Trilogie“ umfasst die drei eigenständigen Romane Ein Sandkorn am Himmel (OT: Pebble in the sky), Sterne wie Staub (OT: The stars, like dust) und Ströme im All (OT: The currents of space), die thematisch nur grob über die Entwicklung der galaktischen Zivilisation der Menschheit zusammenhängen. Der damit verbundenen Entwicklung speziell der Erde als Ursprungsplaneten widmet Asimov über den gesamten Zyklus ein besonderes Augenmerk; interessant zu verfolgen ist gerade in dem vorliegenden Band, wie sie sich vom Außenseiter zur anerkannten Mutterwelt verwandelt und schließlich weitgehend in Vergessenheit gerät.

„Ein Sandkorn am Himmel“ beschreibt den ersten Teil dieser Entwicklung: Die Erde ist der unbeliebteste Posten für die Statthalter des galaktischen Imperiums, da die Welt radioaktiv verseucht ist, bis auf wenige Zonen. Der Ursprung dieser Radioaktivität ist unbekannt, man rätselt schon lange, wie sich die Siedler auf dieser Welt behaupten können und warum sie überhaupt besiedelt wurde, im Gegensatz zu einigen anderen bekannten strahlenden Planeten der Galaxis, die völlig uninteressant, da zu gefährlich für potenzielle Siedler und das gesamte Imperium sind.

Die Geschichte beginnt mit der unerklärlichen Versetzung eines Mannes unseren Zeitalters in die Zukunft, hervorgerufen anscheinend durch ein überraschend fehlgeschlagenes Experiment mit Uran, in dessen Verlauf ein merkwürdiger Lichtstrahl das Labor durchlöchert und den Mann erfasst. Er erwacht in einer Zukunft, deren Sprache nur noch rudimentär mit dem Englisch verwandt ist. Die kleine Bevölkerung der Erde wird lokal diktatorisch regiert; der imperiale Statthalter hat zwar das letzte Wort, aber er hält sich normalerweise aus den internen Angelegenheiten heraus. Hier wird der Zeitreisende von einer Rebellenpartei einer Gehirnaktivierung unterzogen, die seine Lernfähigkeit enorm steigert, aber auch andere, unbekannte Regionen seines Geistes erweckt. Er wird zu einem Gejagten aller Parteien.

Zeitgleich landet ein imperialer Archäologe auf der Erde, der die Theorie vertritt, die Erde sei die Ursprungswelt der Menschheit. Gegen alle Widerstände sucht er hier nach Beweisen, doch seine rein wissenschaftliche Suche verwickelt sich bald mit der emotionalen Jagd nach dem Fremden und einer Liebe mit einer Einheimischen, einer ‚Primitiven‘, was die Erdenmenschen (allein das ist ein galaktisches Schimpfwort!) in den Augen der Galaktiker sind.

Strukturierte Erzählstränge

Asimov ist bekannt für seinen absoluten Logikanspruch in seinen Geschichten. Wenn man also einen seiner Romane liest, kann man sicher sein, dass kein Detail überflüssig ist, sondern alles einen erzählerischen Zweck erfüllt. Der Zeitreisende und seine Gehirnaktivierung führen zu einer neuen geistigen Fähigkeit, die später im Foundationzyklus noch eine große Rolle spielt – eine Art von Empathie, die sich zumindest in diesem frühen Roman noch weiterentwickelt, so dass der Betreffende nicht nur Stimmungen und Gefühle seiner Mitmenschen wahrnehmen kann, sondern ihre echten Gedanken erkennt. Außerdem entwickelt er die Möglichkeit, geistige Kontrolle über mindestens einen Gegner ausüben zu können – für den Handlungsverlauf eine unverzichtbare Fähigkeit.

Der imperiale Archäologe bereitet mit seiner selbst attestierten Vorurteilslosigkeit den Weg für die Zusammenführung der Geschichte, so dass sich alle Protagonisten treffen und gemeinsam in die Hände des Gegners fallen. In der typischen kriminalistischen Gegenüberstellung von ‚Guten‘ und ‚Bösen‘, in der viele von Asimovs Geschichten münden, behält überraschend der Gegner die Oberhand – aber es wäre ja kein Asimov ohne eine rettende Tat mit folgender logischer Überführung des Antagonisten.

Ungereimtheiten und ihre Erklärung

Asimov entschuldigt sich in der ihm eigenen selbstbewussten Art und Weise in einem Nachwort beim Leser für die überholte und widerlegte Vorstellung von Radioaktivität, auf der sein Roman aufbaut. Die Radioaktivität verursacht auf der Erde ein bläuliches Leuchten, das man nachts erkennen kann. Dabei sind die hier lebenden Menschen nicht gefährdet (im Gegensatz zur gängigen Meinung des Imperiums dazu), da die Radioaktivität ‚zu gering‘ ist. Ohne diese Darstellung (also mit unserem heutigen Allgemeinwissen) funktioniert die Geschichte nicht mehr, also lässt Asimov uns die Wahl: Lesen und Genießen oder es lassen.

Die Versetzung des Menschen aus der Vergangenheit in die aktuelle Romangegenwart ist ein wichtiges Detail für die Handlungsauflösung und daher unverzichtbar. Asimovs chemische Erklärungsversuche verleihen dem Ganzen einen mystischen Beigeschmack, eigentlich ganz entgegen seiner sonstigen Erzählweise. Auch hier steht die Unkenntniss der Wirkung von Radioaktivität als Entschuldigung.

Ein letzter Punkt: Wie wir im übernächsten Teil (Ströme im All) sehen werden, existiert das Galaktische Imperium zu dieser Handlungszeit noch gar nicht. Drücken wir ein Auge zu und ersetzen ‚galaktisch‘ durch ‚trantoranisch‘, wie das aufstrebende Imperium der Hauptwelt Trantor später genannt wird.

Das Ziel

Für die irdische Bevölkerung rückt das hohe Ziel, in der galaktischen Gesellschaft als Urspung der Menschheit anerkannt zu werden, in greifbare Nähe. Das Imperium verspricht, durch Mutterbodenlieferungen und Transportmöglichkeiten die Erde von ihrem radioaktiven Mantel zu befreien und langsam wieder eine normale Welt zu schaffen. Der erste Schritt scheint getan, und damit kommen wir zum zweiten Abschnitt:

„Sterne wie Staub“

Biron ist der Protagonist, ein 23-jähriger Student, der auf der Erde studiert (die immer noch radioaktiv ist). In der Nacht überlebt er einen Anschlag auf sein Leben, in den folgenden verwirrten Stunden lässt er sich von einem Mann, den er gar nicht richtig kennt, auf eine merkwürdige Mission schicken. Sein Vater, ein wichtiger Planetengutsherr in einem kleinen, von den Tyranni (Bewohner des Planeten Tyrann) beherrschten Sternenreich, wurde von eben jenen Tyranni hingerichtet, da er in Verbindung mit einer rebellischen Untergrundorganisation gebracht wurde. Biron soll sich von einem schwächlichen Fürsten, der völlig unter dem Einfluss der Tyranni steht, seinen Erbtitel bestätigen lassen.

Mit der Tochter des Fürsten und dessen geistesschwachen Bruder gelingt Biron nach seiner Festnahme durch die Tyranni die Flucht. Er sucht jetzt nach dem geheimen Stützpunkt der Rebellen, um sich ihnen anzuschließen.

Täuschungen

Nicht nur den Gegner täuscht Biron mit seinen Handlungen, sondern auch den Leser, und zwar ganz gewaltig. Aber er ist nicht der einzige, denn jeder der Protagonisten hat entweder etwas zu verheimlichen oder versucht, sein Leben bestmöglich zu gestalten, indem er jedem Mit- oder Gegenspieler etwas vorspielt. Die Vorwürfe Birons gegen jenen Mann, der ihn von der Erde in die Hände der Tyranni schickte, wirken zu offensichtlich, als dass sie in dieser Intrigengeschichte wahr sein könnten. Trotzdem bleiben die Zweifel.

Biron ist natürlich der starke, große, schöne Protagonist (die einzige Schwäche in Asimovs Geschichten), der schlau und logisch zum Ziel vordringt. Dass er dabei sogar seine neue Geliebte vor den Kopf stößt, sie sogar in die Arme des Feindes treibt, um diesen zu einem Fehler zu veranlassen, macht ihn ein bisschen unsympathisch, aber im Endeffekt findet auch die Liebe ihren Platz.

Die größte Täuschung gelingt Asimov in Bezug auf ein ‚wichtiges Dokument‘, das von der Erde entwendet wurde und von dem anscheinend niemand mehr weiß, als dass es der Tyranniherrschaft ein Ende setzen könnte. Nun denkt jeder an irgendein geheimes Wissen, an eine Waffe oder eine Schwachstelle der Tyranni. Aber wie sollte die alte Erde (also unsere Welt in unserer Zeit!), völlig rückständig in ihren technischen Möglichkeiten, den Tyranni gefährlich werden können? Asimov entwarf mit dem Foundationzyklus eine Zukunft, in der nur Menschen die Galaxis bevölkern, eine Zukunft, die nur auf einem uns völlig utopisch erscheinenden technologischen Niveau basieren kann, die aber trotzdem von den allzu menschlichen Machtbestrebungen jeglicher Regierungen gezeichnet ist. Uns, oder zumindest die Amerikaner, hebt er soziologisch über die Menschen seines Galaktischen Imperiums, die demnach in dieser Hinsicht äußerst rückständig sind.

Das geheimnisvolle Schriftstück soll den Keim einer neuen Freiheit für die Unterdrückten der Tyranni und womöglich auch für die gesamte Galaxis bergen. Es handelt sich um die Verfassung der Vereinigten Staaten.

„Ströme im All“

Eine unabhängige Gesellschaft widmet sich der Erforschung der Materieströmungen im All. Einer ihrer eigenbrötlerischen Forscher entdeckt eine Gefahr für einen wichtigen Planeten und dessen Bewohner, wird jedoch bei seiner Warnung nicht für voll genommen, sondern ‚psychosondiert‘ (eine Psychosonde zerstört bestimmte, einstellbare geistige Ströme und ermöglicht dem Einsetzenden die Kontrolle über den Sondierten). Dabei verliert er mehr als erwartet, wird zu einem lallenden Idioten, dessen beschädigte Hirnregionen sich nur langsam erholen.

Der bedrohte Planet ist der einzige Ort in der Galaxis, wo eine bestimmte, sehr wertvolle und wichtige Naturfaser für alle Bereiche des Lebens und der Technik geerntet werden kann. Seine Bevölkerung wird von einem anderen Planeten unterdrückt und ausgebeutet, der damit die Preise dieser Naturfaser auf dem galaktischen Markt bestimmen kann. Die Gesellschaft, der jener Forscher angehört, vermisst natürlich ihren Mann und gewinnt das Interesse des trantoranischen Botschafters, der sich naturgemäß für diese wichtige Rohstoffquelle interessieren muss. Sie kommen einem Komplott auf die Spur, das nicht nur den Planeten bedroht. Darüber aber schwebt die Nachricht, der Planet stünde vor der Vernichtung.

Theorien

Die Geschichte fußt auf Asimovs Theorie, die Kohlenstoffströme im All würden in einer bestimmten Situation bei Sonnen Supernovae auslösen. Ein wenig Enttäuschung klingt aus seiner Entschuldigung im Nachwort, als wieder einmal eine seiner Theorien widerlegt wurde, die aber Grundlage für eine seiner Geschichten ist.

Der arme Psychosondierte ist in der Hand eines einzelnen Rebellen, der nichts für seine Theorie (der Planetenzerstörung) übrig hat, mit ihrer Hilfe aber versuchen will, sein Volk von der Unterdrückung zu befreien, indem er über diese Theorie Panik verbreiten und für einen Produktionsabfall sorgen will, um den ‚Herrschern‘ Bedingungen stellen zu können oder Trantors Aufmerksamkeit zu erregen.

Auch hier kommt es wieder zu einem ‚Showdown‘ der Worte, der in einem unerwarteten Ergebnis mündet.

Hier haben wir mal einige etwas Asimov-untypische Protagonisten: Den geistig verwirrten Forscher, der auch vorher schon etwas gestört war, da er auf der gefährlichen, radioaktiv verseuchten Erde geboren wurde und nun vor allen Planetenoberflächen Angst hat, sich also nur noch in einem Raumschiff wohl fühlt – übrigens kennt niemand der anderen eine Welt im Sirius-Sektor mit Namen Erde, nur der trantoranische Botschafter erinnert sich schwach an eine dortige radioaktive Welt. Von ‚Ursprungsplanet‘ ist schon lange keine Rede mehr, zumindest nicht unter den außerirdischen Galaktikern. Die Erde selbst kapselt sich immer weiter ab -; die grobe, bäuerliche Freundin, die den Forscher aufnimmt und pflegt; der Sitzriese mit den kurzen Beinen, oberster Herrscher und Unterdrücker des ertragsreichen Planeten, den nur seine engsten Diener (psychosondiert) und seine Tochter ohne Schreibtisch als Schutz zu Gesicht bekommen. Dadurch wird der Geschichte mehr Farbe verliehen, es irritiert aber auch etwas, wenn man gewohnt ist, den Protagonisten schon an seiner Beschreibung zu erkennen. Tatsächlich gibt es hier keinen überlegenen Helden, sondern die Menschen handeln einigermaßen gleichberechtigt.

Im Ganzen

„Die frühe Foundation-Trilogie“ ist sehr lesenwert. Der große Zusammenhang, in den Asimov seine Geschichte der Menschheit auf ihrem Weg zur galaktischen Menschheit schließlich stellen wird, zeichnet sich bereits ab (ist natürlich eigentlich schon völlig klar, wenn man die Foundation-Trilogie und die beiden Folgebände „Auf der Suche nach der Erde“ und „Die Rückkehr zur Erde“ kennt, aber über Asimovs Erzählungen vermittelt, gewinnt die große Geschichte ein kribbelndes Format).

Besonders schön ist die garantierte spannende Unterhaltung in diesen Bänden des großen Foundation-Zyklus, besonders zu kritisieren ist nichts. Seine kleine Schwäche in der Beschreibung seiner Protagonisten ist ihm leicht zu verzeihen, zumal es für die meisten Lösungen auch einer besonderen Kombinationsgabe bedarf, die diesen Menschen zu Eigen ist. Natürlich müssten sie dazu nicht besonders groß, besonders stark, besonders sexy sein, aber schaden tut das auch nicht, da sie dadurch guten Zugang zu Menschen haben, deren Verhaltensweisen oftmals Ansatzpunkte zur Lösung bieten.

Isaac Asimov – Die Rückkehr zur Erde (Foundation-Zyklus 10)

Golan Trevize wurde von Gaia, dem komplexen Planetenorganismus mit starken mentalistischen Fähigkeiten, dazu ausersehen, das Schicksal der Galaxis zu bestimmen. Gaia erkannte in Trevize die Fähigkeit, ohne ausreichende Daten die richtigen Schlüsse zu ziehen, was ihn geradezu prädestiniert, intuitiv zwischen den verschiedenen Möglichkeiten zu entscheiden: Dem zweiten Imperium nach Vorstellung der Foundation oder der zweiten Foundation, die im Hintergrund die Fäden ziehen würde, oder einem galaxisweiten Superorganismus nach Gaias Vorbild, ein Galaxia, ein allumfassendes Wesen, in dem der Mensch als Individuum keine Rolle mehr spielen wird, sondern jedes Wesen Teil des Ganzen wäre.

Trevize entschied sich für Galaxia, doch vertraut er selbst nicht auf seine von Gaia erkannte Fähigkeit, sondern will wahrhaftig wissen, warum er sich so und nicht anders entschied, da ihm persönlich die Vorstellung, alle Individualität aufgeben zu müssen, nicht erstrebenswert erscheint. Doch mit der gleichen Intuition, die ihn zu dieser Entscheidung trieb, weiß er, dass er die Gewissheit nur auf der Erde, dem vergessenen Ursprungsplaneten der Menschheit, erhalten wird. Also setzt er seine Suche nach der Erde mit dem gravitischen Raumschiff der ersten Foundation fort, begleitet weiterhin von Dr. Pelorat, dem Mythologen und Historiker, und Wonne, einem menschlichen Teil Gaias, die mit ihren durch Gaia vermittelten Fähigkeiten für Trevizes Sicherheit sorgen soll. Da sie immer mit Gaia in Verbindung steht, erfährt Gaia gleichzeitig den Fortschritt der Suche.

Trevize ist der Überzeugung, irgendwo in den gigantischen Bibliotheken der galaktischen Menschheit müssten sich Hinweise auf die Erde finden, da fast jeder Planet mit Mythen und Legenden um diese Welt aufwarten kann. Durch Gendibal, den Sprecher der zweiten Foundation, erfuhr er, dass selbst auf der Hauptwelt des ersten Imperiums alle Informationen über die Erde entfernt wurden, und das unter den Augen der Mentalisten von der zweiten Foundation, was auf eine größere Macht hindeutet. Die Hinweise der Mythen über die Erde, die in allerlei Variationen von einer unerreichbaren, radioaktiven Erde erzählen, überzeugen den ehemaligen Ratsherr Trevize endgültig: Jemand oder etwas von der Erde versucht, ihre Existenz zu verheimlichen – mit mächtigen Mitteln.

Nur auf den verbotenen Welten der ersten Siedlungswelle, den fünfzig Planeten der so genannten Spacers, finden sich vergessene oder übersehene Informationen, die Trevize und seinen Begleitern einen mühseligen Weg in Richtung Erde zeigen. Unterstützt durch den fortschrittlichen Computer des Raumschiffs scheint das Ziel endlich erreichbar zu sein …

Mit dem vorliegenden Roman bringt Asimov seinen Zyklus um die Foundation zu einem fulminanten Abschluss. Schon im vorhergehenden Band „Die Suche nach der Erde“ versuchte er einen Ringschluss mit einigen seiner früheren Werke, indem er die bisher im Foundation-Universum gänzlich fehlenden Roboter behutsam erwähnte. Diese Maschinenintelligenzen und eine großartig angelegte Geschichte der galaktischen Menschheit bilden einen wichtigen Punkt im Hintergrund des Abschlussromans. Mit den zwei Siedlungswellen der Spacers und Settlers wirft er einen Blick zurück und bindet weitere Ideen in das Universum ein, wie auch die Ansatzpunkte der Stahlhöhlen (hier noch in Mythen und Legenden verankert) oder die Radioaktivität der Erde. Auch der Lenker im Hintergrund, der Überroboter Daneel Olivav, stellt eine Anekdote der Vergangenheit und ein Verbindungsglied zu früheren Werken dar, so dass Asimov tatsächlich ein geschlossenes Werk seiner Eroberung des Weltraums schafft.

Asimov ist bekannt für sein Bestreben, jede Geschichte in absoluter Logik zu entwickeln. In Golan Trevize fand er einen herrlich passenden Protagonisten für diese seine Leidenschaft, über ihn konnte er die verschiedenen losen Enden des großen Zyklus’ verknüpfen und die angelegten Rätsel befriedigend entwirren. Obwohl Trevize dadurch manchmal wie ein Übermensch oder antiker Held wirkt, ist er nicht ohne menschliche Schwächen und dadurch durchaus sympathisch. Vielleicht merkte Asimov erst nach dem Ende des Vorgängerromans, welche Probleme ein Galaxia für die Individualität bedeuten würde, vielleicht war aber die Lösung durch die Rückkehr bereits geplant. Jedenfalls greift er genau diesen Punkt mit den ersten Worten des Romans auf und widmet die Geschichte einer befriedigenden Lösung. Ob die Lösung, die er ansteuerte, wirklich befriedigend ist, mag jeder für sich entscheiden, logisch ist sie allemal.

Mit dem 0. Gesetz der Robotik schiebt Asimov einen Punkt nach, der einige Probleme in der Robotpsychologie hervorruft oder auch eindeutiger löst. Hier hätte seine Psychologin Susan Calvin sicherlich ihre Freude gehabt: Ein Roboter darf der Menschheit keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, dass ihr Schaden widerfährt. Die drei anderen Gesetze müssen entsprechend abgestuft werden. Ist das wirklich wünschenswert? Mit diesem Gesetz, das die Roboter selbst entwickelten, können sie sich zur Unabhängigkeit von einzelnen Menschen entwickeln, je nach Auslegung. Daneel geht sogar so weit, sein Jahrtausende altes Gehirn mit dem eines Menschen zu verschmelzen, der unabhängig von den Robotergesetzen ist, um eben diese Gesetze umgehen zu können (natürlich zum Wohl der ganzen Menschheit!).

Gaia ist eine durch Roboter entwickelte Entität, das Ausbreiten dieses Wesens auf die Galaxis würde auch durch Roboter gefördert werden. Demnach wäre Galaxia eine künstliche Entwicklung nach Vorstellung der Roboter, die für die Sicherheit der Menschheit handeln und dabei die Individualität des Einzelnen hintanstellen. Trotzdem hat sich Trevize für diese Variante entschieden, und in diesem Buch gibt Asimov Antwort, warum.

Ganz in Asimovs typischem Stil gehalten, dominieren lange Dialoge den Roman. Mag er manchem Leser anstrengend oder gestelzt erscheinen, fasziniert mich diese Art der Erzählung und bietet mir Asimovs Gedanken und Ideen in Form wunderbarer Unterhaltung dar, die spannender nicht sein könnte. Die Geschichte um die Foundation kommt endgültig zu einem Abschluss, und mit den Anspielungen auf frühere Werke (die hinten im Buch als erweiterter Foundation-Zyklus aufgelistet sind) macht Asimov Lust auf mehr. Wer eintauchen möchte in die Welt der Psychohistorik und asimovschen Erzählweise, dem möchte ich die Foundation wirklich ans Herz legen. Allerdings muss erwähnt werden, dass „Die Rückkehr zur Erde“ nicht für sich allein steht, sondern den direkten Anschluss an „Die Suche nach der Erde“ bildet. Empfehlenswert ist der Einstieg mit der Foundation-Trilogie oder nach Asimovs Zusammenstellung mit dem Sammelband „Meine Freunde, die Roboter“.

Isaac Asimov ist einer der bekanntesten, erfolgreichsten und besten Science-Fiction-Schriftsteller, die je gelebt haben. Neben ihm werden oft Robert A. Heinlein und Arthur C. Clarke genannt. Asimov wurde 1920 in der Sowjetunion geboren und wanderte 1923 mit seinen Eltern nach New York aus. Seine erste Story erschien 1939. Zwischenzeitlich arbeitete er als Chemie-Professor in den USA, er schrieb neben seinen weltbekannten Romanen auch zahlreiche Sachbücher. 1992 verstarb er.

Zum Foundation-Zyklus

Meine Freunde, die Roboter
Die Stahlhöhlen
Der Aufbruch zu den Sternen
Das galaktische Imperium
Die frühe Foundation-Trilogie
Die Rettung des Imperiums
Das Foundation-Projekt
Die Foundation-Trilogie
Die Suche nach der Erde
Die Rückkehr zur Erde