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Michalewsky, Nikolai von / Redeker, Jochim-C. / Weymarn, Balthasar von – Mark Brandis: Unternehmen Delphin (Hörspiel, Folge 3)

_Erwachsene Helden in spannender Handlung_

Das Jahr 2120: General Gordon B. Smith beherrscht nach seinem Putsch die Erde und die Venus – bei seinem Aufstieg zur Weltherrschaft stehen ihm nur noch die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) im Weg. Die Aufrüstung für einen Krieg mit den VOR läuft auf Hochtouren. Commander Mark Brandis sind Dokumente in die Hände gefallen, die über das Schicksal der Republiken entscheiden werden. Er fasst einen verzweifelten Plan und reist zum alten Erzfeind nach Peking … (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Nikolai von Michalewsky (1931-2000) war bereits Kaffeepflanzer, Industriepolizist, Taucher und Journalist gewesen, als sein erster Roman 1958 veröffentlicht wurde. Am bekanntesten wurde er ab 1970 mit den Mark-Brandis-Büchern, der bis heute (nach Perry Rhodan) mit 31 Bänden erfolgreichsten deutschsprachigen SF-Reihe.

Seine konsequente Vorgehensweise, Probleme der Gegenwart im Kontext der Zukunft zu behandeln, trug Michalewskys Serie eine treue Leserschaft und hohe Auflagenzahlen ein. Seine besondere Zuneigung galt besonders dem Hörspiel. Er gehörte zu den meistbeschäftigten Kriminalhörspiel- und Schulfunkautoren Deutschlands. (Verlagsinfo)

Folge 1: [„Bordbuch Delta VII“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4995
Folge 2: [„Verrat auf der Venus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5013

_Die Macher / Die Sprecher / Die Inszenierung_

Die Macher und Regisseure sind |Interplanar.de|:

Jochim-C. Redeker: Sounddesign, Musik und Schnitt
Balthasar von Weymarn: Dramaturgie, Wortregie und Schnitt

Jochim-C. Redeker, geboren 1970, lebt seit 1992 in Hannover. Gelernt hat er das Produzieren in der SAE Frankfurt, seither arbeitet er als Tonmeister für Antenne Niedersachsen. An zwei Virtual-Reality-Projekten hat er als Sounddesigner gearbeitet. Er gibt Audio- und Hörspielseminare und arbeitet als Werbetexter und Werbesprecher für zahlreiche Unternehmen sowie für Kino- und Radiowerbung. Musikalisch betreut er neben seinen eigenen Projekten auch Jingle- und Imageproduktionen. Bereits 1988 brachte ihm eine frühe Hörspielarbeit mit Balthasar den Sonderpreis der Jury für akustische Qualität beim Maxell-Momentaufnahmen-Wettbewerb ein.

Balthasar von Weymarn, geboren 1968, lebt seit 2006 im Taunus bei Frankfurt. Ausgebildeter Dramaturg und Filmproduzent (Filmstudium Hamburg); arbeitet auch als Skriptdoktor, -autor und Ghostwriter für Unternehmen wie Bavaria Film, Odeon Pictures, Tandem Communications, Storyline Entertainment u. a.

Die Aufnahmeleitung lag in den Händen von Thomas Weichler.

Die Sprecher und ihre Rollen:

Michael Lott spricht: Commander Mark Brandis
Luis Abrero: Lt. Yun Haneul
Wolf Frass: Prolog
Zhong Danhong: Majorin My-Lang
Fang Yu: VOR-Minister Tschou Fang-Wu
Martin Wehrmann: Lt. Iwan Stroganow
Christine Mühlenhof: Bordcomputer CORA
Holger Umbreit: Cpt. Robert Monnier
Georg Matthias: Dr. Martin Horvath
Rasmus Borowski: Lt. Antoine Ibaka
Christian Rode: Gen. Gordon Smith
Martin Kunze: Col. Maxime Larriand
Andreas Martens: Kap. Tjark Hildebrand
Gerhart Hinze: John Harris
Esther Schramm: Cpt. Karen Danielson
Werner Möhring: Lt. Michael Horstmann
Dorothea Anna Hagena: Ruth O’Hara
Kai Henrik Mäller: Radio Metropolis
Und weitere.

Das Hörspielmanuskript schrieb Balthasar v. Weymarn nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky.

_Hintergrund und Vorgeschichte_

Die Mark Brandis-Hörspielreihe begann 2005-2007 mit [„Bordbuch Delta VII“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4995 Inhaltlich unterscheidet sie sich in einigen wichtigen Punkten von den Büchern.

* Die Geschichten sind um 50 Jahre in die Zukunft verlegt, die Saga beginnt also 2119;

* Die Kürzel EAAU und VOR sind zu „die Union“ und „die Republiken“ geworden;

EAAU: Die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union (EAAU) ist ein transkontinentaler Staatenverbund und wurde als Zusammenschluss der drei Kontinente Europa, Amerika und Afrika ca. 1999 gegründet – ihr assoziiert ist Australien. Während Europa der Kontinent ist, der über die längste Tradition verfügt, haben sich Afrika und Amerika zu den industriell bedeutendsten Kontinenten entwickelt.
Flagge: ein Ring goldener Planeten um drei kleeblattartig angeordnete grüne Kontinente auf weißem Grund.
Hauptstadt: Metropolis

VOR: Die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) sind ein transkontinentaler Staatenverbund und umfassen zwischen Ural und der Pazifikküste die asiatischen Staaten einschließlich Ozeaniens.
Flagge: zwei gekreuzte Mongolenschwerter vor einer gelb-roten Sonne.
Hauptstadt: Peking

* Computer müssen nicht jedes Mal neu programmiert werden, sondern kümmern sich selbständig um ihre Aufgaben (daher kein „Technobabble“). |Delta VII| besitzt eine sprechende „Persönlichkeit“ mit dem Namen CORA, die von jedem Ort im Schiff aus zu erreichen ist;

* Die |Delta VII| besteht aus Brücke, Aufenthaltsraum/Messe, Maschinenraum und den Quartieren, dazu noch zwei Schleusen (Hauptschleuse kielseits und Dingischleuse deckseits); sie ist außerdem kein raketenartiger Vertikalstarter mehr;

* Mark Brandis und Ruth O’Hara können sich „Videobriefe“ schreiben; sog. Homeservice-Tapes (erinnert sich hier wer an „Das Arche Noah-Prinzip“?***) und sind bereits verheiratet, dafür hat Lt. Antoine Ibaka seine Frau Lydia erst auf der Venus kennengelernt;

* Die Geschichte ist gestrafft – so beginnt sie bereits mit dem Anflug auf die Erde (statt dem Anflug auf die Venus);

* Die „Reinigende Flamme“ hat bereits einmal (vor dem ersten Band) versucht, die Macht in der EAAU zu übernehmen. Da dieser Putsch damals vereitelt wurde, sind Mitglieder der Regierungen der Bedrohung gegenüber nachlässig geworden;

* Tom Collins‘ Rolle als Wegbereiter Smiths ist ausgedehnt;

* Alexander Repin ist nicht „Vorsitzender des Rates für Innere und Äußere Sicherheit“ auf der Venus, sondern Gouverneur;

* Die Venus leitet Energie aus dem Treibhauseffekt per Fernübertragung an die Erde;

* |Delta VII| kann in der SK-Konfiguration bis zu acht schwere Raketentorpedos neben den Energiewaffen abfeuern;

* Robert Monnier hat eine medizinische Zusatzausbildung;

* Die Technik der Gehirntransplantation (Brigadegeneral Rodriguez) ist durch ein verfeinertes Scanning-Verfahren ersetzt;

* Der Frachterkapitän Nelson (vgl. Aufbruch zu den Sternen) hat eine Tochter, die als Reporterin arbeitet.

***: Am Anfang seiner Spielfilmkarriere ging es Roland Emmerich um eins: Um die Umwelt. Das ARCHE NOAH PRINZIP (1984) könnte man als Öko-Klimakatastrophen-Science-Fiction-Thriller bezeichnen.

|Die Venus-Kolonie|

Die Chinesen errichteten auf dem Mars die erste Kolonie, deshalb wollte die westliche Union lieber die Venus besiedeln. Erst mit der Entdeckung einer chemischen Konstante Mitte des 21. Jahrhunderts gelang ein Durchbruch, und seither macht die Zersetzung von Schwefelsäure und Kohlendioxid in der Venus-Atmosphäre Fortschritte, wird aber erst Ende des 22. Jahrhundert abgeschlossen sein. Aufgrund der hohen Oberflächentemperatur von zunächst 450 °C und der langen Venustage (1 Tag entspricht 5832 Stunden) war und ist eine Besiedlung nur in Polnähe möglich. Bis 2095 wurde eine Strafkolonie unterhalten. Ein Schirm wurde errichtet, Forscher und Zivilisten folgten. Bodenwärme wurde in Energie umgewandelt, und die Venuskolonie prosperiert. (aus dem Booklet, abgewandelt)

_Handlung_

Mark Brandis befindet sich als Gefangener an Bord eines Schiffes der VOR-Flotte. Er versucht, einen Leutnant zu überzeugen, dass er wichtige Unterlagen über die Angriffspläne des Generals Smith bei sich trägt, die einen bevorstehenden Angriff der Union vereiteln könnten. Keiner glaubt, dass ein Gegner so närrisch sein könnte, ein Freund der VOR-Regierung in Beijing zu sein und ihr helfen zu wollen. Brandis steht nach einem Schauprozess bereits vor dem Exekutionskommando (vermutlich als Spion), als die Begnadigung eintrifft.

Der Verteidigungsminister der VOR, Tschou Fang-Wu, hat aus den Dokumenten erfahren, dass der Angriff des Unionsgenerals in 40 Stunden erfolgen soll: ein gelenkter Wirbelsturm mit schwerem Stickstoff, der Millionen Tote fordern würde. Fang-Wu will einen atomaren Präventivschlag führen, es sei denn, es gelänge Brandis, eine Alternative anzubieten.

Um zur unterseeisch operierenden Widerstandsbewegung von John Harris zu gelangen, muss Brandis mit der |Delta VII| zur nordpazifischen Insel Malden fliegen. Doch es ist eine Falle. Ein Verräter muss dieses Manöver dem General zugespielt haben, der nun Brandis in einer kleinen, stinkenden Hütte ein sensationelles Angebot unterbreitet. Brandis soll im Widerstand als Sündenbock agieren, um die innen- und außenpolitischen Unterdrückungsmaßnahmen des Generals zu rechtfertigen. Darauf lässt sich Brandis selbstredend nicht ein und wird deshalb an Bord eines U-Bootes geschafft, das ihn zu seinem Schauprozess nach Metropolis bringen soll.

Doch das U-Boot wurde zuvor von der Widerstandsbewegung gekapert. Als Kapitän Hildebrand seinen „Gefangenen“ Brandis unter Deck in die Messe führt, ist es sein alter Commander John Harris, der ihn begrüßt. Brandis hatte Harris verschollen geglaubt. Nun kann ihm Brandis von dem bevorstehenden Angriff berichten und an einer Konferenz des Militärs der Widerstandsbewegung teilnehmen.

Da Smith den Angriff mit schwerem Stickstoff führen will, der nur in dem Inustriekomplex der „Totalchemie“ hergestellt wird, muss ein erster Präventivschlag darin bestehen, die Produktion und Lieferung dieser Chemikalie zu verhindern. |Delta VII| unter Brandis soll sich am Angriff beteiligen, nachdem zuvor ein anderer Angriff die Abwehr des Feindes ausgeschaltet hat. Captain Karen Danielson bringt Brandis zur |Delta VII|.

Der Angriff, an dem auch Danielsons |Apollo| teilnimmt, kann beginnen. Doch es sind ein paar unorthodoxe Manöver nötig, um zum Erfolg zu gelangen.

_Mein Eindruck_

Die Handlung dieser Episode ist folgerichtig gestaltet – und im Gegensatz zu den vorhergehenden Episoden auch nicht zu lang. Mark Brandis verhandelt mit seinem Wissen erst mit den Chinesen, dann mit deren Gegner General Smith, um sich schließlich doch dem Widerstand gegen Smith anzuschließen. Es folgen Planung und Durchführung eines Präventivschlags gegen Smith. Der Gewalteinsatz ist das kleinere Übel im Vergleich zu einem Weltkrieg und insofern zu rechtfertigen.

Damit könnte eigentlich Schluss sein, gäbe sich der Autor mit halben Sachen zufrieden. So aber sind noch humanitäre Aufräumarbeiten fällig. Und im Epilog bleibt noch ein loses Ende, das die Motivation für die nächste Episode liefert – Ruth zu suchen, Marks Frau. Man sieht also, dass der rote Faden sauber herausgearbeitet ist. Es kommt keine Verwirrung auf.

Das bedeutet aber nicht, dass es keine Überraschungen oder Aha-Effekte gäbe. Das Auftauchen des Generals auf einer einsamen Pazifikinsel ist eine solche Szene. Sie wurde mit erheblichem akustischen Aufwand gestaltet, so dass von vornherein klar ist, dass es sich um etwas Wichtiges handeln muss, das nun gleich passiert: ein moralischer Test des Helden durch einen Versucher, der immerhin die halbe Welt beherrscht und sich anschickt, die andere Hälfte zu erobern.

Die Welt von Mark Brandis ist zweigeteilt, so als gelte das Blockdenken des Kalten Krieges immer noch. Das bedeutet zwar, in alten Mustern zu denken, macht die Handlung und ihre Schauplätze aber auch ziemlich übersichtlich. Im Unterschied zu den vorhergehenden Episoden ist die Handlung fast vollständig auf die Erde beschränkt. Dass dies nicht so bleiben kann, wenn es weiter eine SF-Serie sein soll, versteht sich von selbst: Die |Delta VII| muss wieder hinaus ins All. Dort warten schon die Roboter …

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Zu den vorhergehenden Folgen schrieb ich, dass die Sprecher zu Lieferanten von Sprechblasen degradiert worden seien. Dies trifft zu meiner positiven Überraschung diesmal nicht mehr zu. An drei Stellen finden sich ausgezeichnete, längere Dialoge: beim chinesischen Verteidigungsminister; der Dialog mit General Smith; und die Stelle, in der sich Brandis bei Bob Monnier entschuldigt.

Diese Dialoge belegen die Verhaltensweisen von Erwachsenen statt von Jugendlichen. Man nimmt den Figuren jetzt ab, dass sie über Krieg und Frieden sowie den Tod von Menschen zu entscheiden in der Lage sind. Die Ernsthaftigkeit von „Raumpatrouille Orion“ ist nun mit der schnellen Handlung von „Perry Rhodan“ bestens kombiniert.

|Die Geräusche|

Die Geräuschkulisse erstaunt den Hörer mit einer Vielzahl mehr oder weniger futuristischer Töne, so etwa die Triebwerke der |Delta VII| oder das Öffnen und Schließen ihrer Luken und Schleusen. Doch wenn man ein Fan von SF-Fernsehserien ist, dann dürfte einen dies nicht gerade umhauen, sondern eher ganz normal vorkommen. Immerhin trägt der gute Sound dazu bei, den Hörer direkt ins Geschehen hineinzuversetzen, und das kann man von den wenigsten SF-Fernsehserien behaupten.

Die meisten SF-Serien wie etwa „Classic Star Trek“ oder „Raumpatrouille Orion“ sind viel zu alt für solchen Sound, und „Babylon 5“ oder „Andromeda“ klingen zwar toll, spielen aber in abgelegenen Raumgegenden, wo irdische Ereignisse kaum eine Rolle spielen. Dadurch hebt sich „Mark Brandis“ im Hörspiel bemerkenswert von solchen TV-Produktionen ab, von SF-Hörspielen ganz zu schweigen. Nur |Lübbe|s [„Perry Rhodan – Sternenozean“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5479 kann in dieser Liga mitspielen.

Besonders gut gefiel mir die realistisch gestaltete Szene auf der Pazifikinsel. Wellenrauschen, Fliegensummen, eine quietschende Tür, dann verzerrte Funksprüche, ein Donnern von Maschinen und schließlich ein kühler Drink zwischen dem General und seinem Gefangenen. Ebenfalls eindrucksvoll sind das Tauchen in die Operationsbasis der Rebellen, aber auch die Rettungsaktion in Metropolis: Explosionen, Schüsse, Treffer von Raketen und Granaten – hier geht die Post ab. Das ist wirklich spannend und akustisch beeindruckend gestaltet.

|Musik|

Ja, es gibt durchaus Musik in diesem rasant inszenierten Hörspiel. Neben dem Dialog und den zahllosen Sounds bleibt auf der Tonspur auch ein wenig Platz für Musik. Sie ist wie zu erwarten recht dynamisch und flott, aber nicht zu militärisch – ganz besonders im Intro und den Intermezzi. In der chinesischen Szene mit dem Verteidigungsminister dudelt im Hintergrund ein wenig chinesisch anmutende Musik. Ganz am Schluss erklingt ca. drei Minuten lang zum Abspann ein trauriges, ruhig gespieltes Piano, das mir gut gefiel.

|Das Booklet|

Das achtseitige Beiheft erzählt dem Hörer, was bisher geschah: Das wurde in „Bordbuch Delta VII“ und „Verrat auf der Venus“ berichtet. Eine weitere Seite zeigt ihm auf einer Weltkarte, wie sich VOR und Union verteilen. Etwas verblüffend: Metropolis liegt mitten im Atlantik.

Weitere Seiten liefern Kurzbiografien von:

General Gordon B. Smith
Tschou Fang-Wu
Col. Maxime Larriand
Cpt. Karen Danielson

Eine weitere Seite liefert Infos über das „Leben im 22. Jahrhundert“. Nach etwas Werbung für den |Wurdack|-Verlag, der die 31 Mark-Brandis-Romane alle neu auflegt, liefert die letzte Seite Infos zu den Machern (siehe oben). Die Rollenliste ist auf dem Rückcover der Jewelbox abgedruckt, ebenso die Kapitelüberschriften.

_Unterm Strich_

Ähnlich wie manche Handlungsstränge der „Perry Rhodan“-Hörspiele greift auch die Mark-Brandis-Serie politische Themen auf, statt nur auf die Karte der abenteuerlichen Erforschung fremder Welten zu setzen. Das finde ich schon mal sehr löblich, denn so kann der Hörer die gezeigten Vorgänge mit seinen eigenen sozialen und politischen Verhältnissen vergleichen und sie, mit etwas Verstand, auch kritisch bewerten. Unterschwellig warnt der Autor dieses Stoffes vor einer faschistischen Diktatur.

„Mark Brandis“ ist als Hörspiel professionell inszeniert, spannend, stellenweise actionreich und mitunter sogar bewegend. Im Unterschied zu den vorhergehenden Folgen wurden nun größere Dialogszenen eingebaut, die mir sehr gut gefallen haben. Sie charakterisieren besonders Mark Brandis als einen moral- und verantwortungsbewussten Erwachsenen, der auch mal seine Fehler korrigieren kann. Dies ist beruhigend weit entfernt von Kinderkram und rückt die Serie in die Nähe der POE-Hörspiele, die mir fast durchweg gut gefallen.

Fazit: ein Volltreffer.

|75 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-88698-939-3|
http://www.sprechendebuecher.de
http://www.markbrandis.de
http://www.interplanar.de
http://www.wurdackverlag.de

Arne Dahl – Tiefer Schmerz

Packend und vielschichtig: Angriff der Rachegöttinnen

Ein Zuhälter dient im Tierpark von Stockholm den Vielfraßen als Futter, ein arabischer Handy-Dieb wird auf den Schienen einer U-Bahn-Station zerstückelt und einem ehemaligen KZ-Häftling wird ein Draht in die Schläfe gestoßen … Diese eher privaten Lebensläufe verknüpft der Autor mit globalen Problemen, so dass sich mehr ergibt als „nur“ eine Kriminalgeschichte.

_Der Autor_

Arne Dahl – Tiefer Schmerz weiterlesen

Michalewsky, Nikolai von / Redeker, Jochim-C. / Weymarn, Balthasar von – Mark Brandis: Aufstand der Roboter (Hörspiel, Folge 4)

_Spannend: Entscheidungskampf gegen die Klon-Armee_

Das Jahr 2121: General Gordon B. Smith beherrscht nach seinem Putsch die Erde und die Venus – bei seinem Aufstieg zur Weltherrschaft stehen ihm nur noch die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) im Weg. Die Aufrüstung für einen Krieg mit den VOR läuft auf Hochtouren. Smith hat einen Plan, wie er den Frieden nach innen und die Überlegenheit der Union gegenüber den Republiken sichern will.

Ein Jahr ist die |Delta VII| seit dem „Unternehmen Delphin“ schon in den Weiten des Sonnensystems unterwegs, ohne Stützpunkt und immer auf der Flucht vor Smiths fanatischer Sekte, der „Reinigenden Flamme“, die sie unerbittlich jagt. Der Hunger treibt Commander Mark Brandis und seine Besatzung zu einer aufgegebenen Raumstation. Dort entdecken sie das grausame Geheimnis Smiths, das dem Bürgerkrieg eine neue Wendung geben kann …

Dieses Hörspiel schließt den „Bürgerkriegs-Zyklus“ in der Mark-Brandis-Serie ab.

_Der Autor_

Nikolai von Michalewsky (1931-2000) war bereits Kaffeepflanzer, Industriepolizist, Taucher und Journalist gewesen, als sein erster Roman 1958 veröffentlicht wurde. Am bekanntesten wurde er ab 1970 mit den Mark-Brandis-Büchern, der bis heute (nach Perry Rhodan) mit 31 Bänden erfolgreichsten deutschsprachigen SF-Reihe.

Seine konsequente Vorgehensweise, Probleme der Gegenwart im Kontext der Zukunft zu behandeln, trug Michalewskys Serie eine treue Leserschaft und hohe Auflagenzahlen ein. Seine besondere Zuneigung galt besonders dem Hörspiel. Er gehörte zu den meistbeschäftigten Kriminalhörspiel- und Schulfunkautoren Deutschlands. (Verlagsinfo)

Folge 1: [„Bordbuch Delta VII“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4995
Folge 2: [„Verrat auf der Venus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5013
Folge 3: [„Unternehmen Delphin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5524

_Die Inszenierung_

Die Macher und Regisseure sind Interplanar.de:

Joachim-C. Redeker: Sounddesign und Musik
Redeker und Balthasar von Weymarn: Produktion, Regie und Schnitt

Jochim-C. Redeker, geboren 1970, lebt seit 1992 in Hannover. Gelernt hat er das Produzieren in der SAE Frankfurt, seither arbeitet er als Tonmeister für Antenne Niedersachsen. An zwei Virtual-Reality-Projekten hat er als Sounddesigner gearbeitet. Er gibt Audio- und Hörspielseminare und arbeitet als Werbetexter und Werbesprecher für zahlreiche Unternehmen sowie für Kino- und Radiowerbung. Musikalisch betreut er neben seinen eigenen Projekten auch Jingle- und Imageproduktionen. Bereits 1988 brachte ihm eine frühe Hörspielarbeit mit Balthasar den Sonderpreis der Jury für akustische Qualität beim Maxell-Momentaufnahmen-Wettbewerb ein.

Balthasar von Weymarn, geboren 1968, lebt seit 2006 im Taunus bei Frankfurt. Ausgebildeter Dramaturg und Filmproduzent (Filmstudium Hamburg); arbeitet auch als Skriptdoktor, -autor und Ghostwriter für Unternehmen wie Bavaria Film, Odeon Pictures, Tandem Communications, Storyline Entertainment u. a.

Die Aufnahmeleitung lag in den Händen von Thomas Weichler.

Die Sprecher und ihre Rollen:

Michael Lott spricht: Commander Mark Brandis
Wolf Frass: Prolog, Samuel Hirschmann
Fang Yu: VOR-Minister Tschou Fang-Wu
Martin Wehrmann: Lt. Iwan Stroganow
Christine Mühlenhof: Bordcomputer CORA
Holger Umbreit: Cpt. Robert Monnier
Rasmus Borowski: Lt. Antoine Ibaka
Christian Rode: Gen. Gordon Smith
Martin Kunze: Col. Maxime Larriand
Gerhart Hinze: John Harris
Esther Schramm: Cpt. Karen Danielson
Werner Möhring: Lt. Michael Horstmann
Dorothea Anna Hagena: Ruth O’Hara
Dennis Bruhn: Sgt. Fahrettin Kemal
Joachim-C. Redeker: Homo factus
Michael Westphal: Cpt. Martin van Kerk
Und weitere.

Das Hörspielmanuskript schrieb Balthasar v. Weymarn nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky.

_Hintergrund und Vorgeschichte_

Die Mark Brandis-Hörspielreihe begann 2005-2007 mit [„Bordbuch Delta VII“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4995 Inhaltlich unterscheidet sie sich in einigen wichtigen Punkten von den Büchern.

* Die Geschichten sind um 50 Jahre in die Zukunft verlegt, die Saga beginnt also 2119;

* Die Kürzel EAAU und VOR sind zu „die Union“ und „die Republiken“ geworden;

EAAU: Die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union (EAAU) ist ein transkontinentaler Staatenverbund und wurde als Zusammenschluss der drei Kontinente Europa, Amerika und Afrika ca. 1999 gegründet – ihr assoziiert ist Australien. Während Europa der Kontinent ist, der über die längste Tradition verfügt, haben sich Afrika und Amerika zu den industriell bedeutendsten Kontinenten entwickelt.
Flagge: ein Ring goldener Planeten um drei kleeblattartig angeordnete grüne Kontinente auf weißem Grund.
Hauptstadt: Metropolis

VOR: Die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) sind ein transkontinentaler Staatenverbund und umfassen zwischen Ural und der Pazifikküste die asiatischen Staaten einschließlich Ozeaniens.
Flagge: zwei gekreuzte Mongolenschwerter vor einer gelb-roten Sonne.
Hauptstadt: Peking

* Computer müssen nicht jedes Mal neu programmiert werden, sondern kümmern sich selbständig um ihre Aufgaben (daher kein „Technobabble“). |Delta VII| besitzt eine sprechende „Persönlichkeit“ mit dem Namen CORA, die von jedem Ort im Schiff aus zu erreichen ist;

* Die |Delta VII| besteht aus Brücke, Aufenthaltsraum/Messe, Maschinenraum und den Quartieren, dazu noch zwei Schleusen (Hauptschleuse kielseits und Dingischleuse deckseits); sie ist außerdem kein raketenartiger Vertikalstarter mehr;

* Mark Brandis und Ruth O’Hara können sich „Videobriefe“ schreiben; sog. Homeservice-Tapes (erinnert sich hier wer an „Das Arche Noah-Prinzip“?***) und sind bereits verheiratet, dafür hat Lt. Antoine Ibaka seine Frau Lydia erst auf der Venus kennengelernt;

* Die Geschichte ist gestrafft – so beginnt sie bereits mit dem Anflug auf die Erde (statt dem Anflug auf die Venus);

* Die „Reinigende Flamme“ hat bereits einmal (vor dem ersten Band) versucht, die Macht in der EAAU zu übernehmen. Da dieser Putsch damals vereitelt wurde, sind Mitglieder der Regierungen der Bedrohung gegenüber nachlässig geworden;

* Tom Collins‘ Rolle als Wegbereiter Smiths ist ausgedehnt;

* Alexander Repin ist nicht „Vorsitzender des Rates für Innere und Äußere Sicherheit“ auf der Venus, sondern Gouverneur;

* Die Venus leitet Energie aus dem Treibhauseffekt per Fernübertragung an die Erde;

* |Delta VII| kann in der SK-Konfiguration bis zu acht schwere Raketentorpedos neben den Energiewaffen abfeuern;

* Robert Monnier hat eine medizinische Zusatzausbildung;

* Die Technik der Gehirntransplantation (Brigadegeneral Rodriguez) ist durch ein verfeinertes Scanning-Verfahren ersetzt;

* Der Frachterkapitän Nelson (vgl. Aufbruch zu den Sternen) hat eine Tochter, die als Reporterin arbeitet.

***: Am Anfang seiner Spielfilmkarriere ging es Roland Emmerich um eins: Um die Umwelt. Das ARCHE NOAH PRINZIP (1984) könnte man als Öko-Klimakatastrophen-Science-Fiction-Thriller bezeichnen.

|Die Venus-Kolonie|

Die Chinesen errichteten auf dem Mars die erste Kolonie, deshalb wollte die westliche Union lieber die Venus besiedeln. Erst mit der Entdeckung einer chemischen Konstante Mitte des 21. Jahrhunderts gelang ein Durchbruch, und seither macht die Zersetzung von Schwefelsäure und Kohlendioxid in der Venus-Atmosphäre Fortschritte, wird aber erst Ende des 22. Jahrhundert abgeschlossen sein. Aufgrund der hohen Oberflächentemperatur von zunächst 450 °C und der langen Venustage (1 Tag entspricht 5832 Stunden) war und ist eine Besiedlung nur in Polnähe möglich. Bis 2095 wurde eine Strafkolonie unterhalten. Ein Schirm wurde errichtet, Forscher und Zivilisten folgten. Bodenwärme wurde in Energie umgewandelt, und die Venuskolonie prosperiert. (aus dem Booklet, abgewandelt)

_Handlung_

Sieben Monate und zwei Wochen ist die |Delta VII|, das schnellste Raumfahrzeug im Sonnensystem, bereits unterwegs, stets verfolgt von den Schergen des Generals Gordon Smith, der Sekte, die sich „Reinigende Flamme“ nennt. Inzwischen hat die Besatzung nur noch für zwei Tage Wasser übrig. Das Wasser ist streng rationiert. Lt. Antoine Ibaka, der Bordingenieur, hat Fieber und braucht medizinische Hilfe. Lt. Iwan Stroganoff, dem Navigationsoffizier, gelingt es auf geniale Weise, eine verlassene Raumstation zu orten. Sofort fliegen sie nach Astrostad.

Brandis und Danielson dringen in die Station ein – und stoßen auf einen Scatz: Massen von Nahrungsmitteln und Getränken. Doch der Hort hat einen Wächter: einen geklonten Menschen, einen homo factus. In einer wilden Schießerei können sie ihn unschädlich machen. Jetzt wissen sie, dass diese Station der Reinigenden Flamme gehört. Aber wozu diente sie? Eine Woche später geht es Ibaka wieder gut und er findet einige Fakten darüber heraus.

Der homo factus ist eine aggressive Züchtung, um den Feind mit geballter Feuerkraft als loyale Einheit anzugreifen. Das Geheimnis: Die Persönlichkeit eines Originals wird gespeichert (wobei das Original zerstört wird) und beliebig weiterkopiert, wobei weitere Originale zerstört werden. Auf diese Weise lassen sich von Tausenden von – meist gezüchteten – Originalen in Windeseile Kopien von wenigen, natürlich loyalen Dienern des Generals erzeugen. Im Handumdrehen hat der General eine Armee. Aber es gibt eine Achillesferse in diesem Plan. Brandis findet dies extrem schaurig und will dem Spuk ein Ende machen. Doch der Weg dorthin verläuft ganz anders, als er erwartet hat …

Sobald er wieder Kontakt zur Erde hat, erfährt er, dass jetzt sein alter Kommandeur John Harris das Amt des Präsidenten innehat. Harris befiehlt ihm, einen Konvoi des Gegners abzufangen, der etwas sehr Wichtiges von der Venus zur Erde bringen soll. Diese Fracht ist an Bord der |Najade|. Als Brandis mit einem VOR-Kreuzer den Konvoi angreift, erschallt jedoch die Stimme seiner Frau Ruth O’Hara im Kopfhörer: Sie ist eine Geisel des Feindes! Und sie ist in Lebensgefahr!

Dennoch fragt sich Brandis, ob es sich die VOR-Kräfte leisten können, einen kriegswichtigen Konvoi passieren zu lassen, dessen Fracht womöglich über den Ausgang des Krieges entscheidet. Brandis befiehlt, den Angriff fortzusetzen. Es ist die richtige Entscheidung, wie sich am Ende zeigt …

_Mein Eindruck_

(Für den weiteren Text setze ich die Kenntnis der Hintergrundinformationen voraus.)

So eine Raumschlacht ist schön und gut, wenn sie in einer Space Opera auftaucht, die sich über mehrere Folgen hinzieht. Da ist jeder Actionhöhepunkt willkommen. Zum Glück besteht die Handlung keineswegs aus Raumschlachten: Das Geballer könnte einfach zu dumpfsinnig erscheinen. Deshalb haben der Autor und die Hörspielmacher dafür gesorgt, dass immer wieder sehr ruhige Passagen folgen, in denen sich sowohl der Verlauf der Handlung ändert als auch ein Licht auf die Welt geworfen wird, in der die Handlung angelegt worden ist.

Es ist eine Welt, in der ein einziger Despot sich anschickt, eine faschistische Diktatur zu errichten. Obwohl schon eine sektenartige Organisation nach Vorbild der SS ihm dient, baut er noch eine Armee aus Klonen auf, die alle das Gleiche denken. Diese roboterhafte Armee aus Gleichgeschalteten erinnert ebenfalls an Hitlers Drittes Reich. Der Gipfel der Perfidie: Der homo factus soll über den homo sapiens Mark Brandis ein Urteil fällen.

Diese Gerichtsfarce ist eine spannende Szene, denn Brandis stellt die Prämissen des homo-factus-Klons in Frage, so dass deren Absurdität offenbart wird. Diese Szene ist ein Wendepunkt des Hörspiels, denn nach der Verkündung des Todesurteils gegen Mark & Co. findet ein unerwarter Aufstand statt – ausgerechnet unter den Massen des homo factus. Die Ursache soll hier aber nicht verraten werden, um die Spannung nicht zu zerstören.

Der Showdown mit dem General bildet den finalen Höhepunkt des Hörspiels, danach folgen nur noch mehrere Epiloge, die den Zuschauer sich entspannen lassen. Der Showdown ist folgerichtig eingefädelt. Wenn der General sich selbst auf die empfangsbereiten homines facti überträgt, kann es zu keinen Loyalitätskonflikten mehr kommen. Entscheidend ist nun, dass Mark diese Übertragung rechtzeitig verhindert. Dies gelingt natürlich erst in allerletzter Sekunde. Aber bedeutet dies auch die Rettung der VOR? Weiterhören!

Einziger Schönheitsfehler dieser Produktion: Die Roboter aus dem Titel kommt nicht vor. Aber das ist vielleicht Definitionssache. Der Aufstand findet unter dem homines facti statt. „Ob nun Klon oder Roboter, wo ist der Unterschied?“, mag man sich fragen. Für mich liegt ein himmelweiter Unterschied zwischen einem mechanischen Konstrukt und einer biologischen Züchtung. Von den zahllosen Fehlerquellen beim Klonezüchten mal ganz abgesehen.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Wurden in den anfänglichen Folgen Sprecher zu Lieferanten von Sprechblasen degradiert, so trifft dies zu meiner positiven Überraschung seit Folge drei nicht mehr zu. An mehreren Stellen finden sich ausgezeichnete, längere Dialoge. Der beste ist sicherlich jener, in dem Brandis Abschied von Ibaka nehmen muss. Ibaka ist verletzt und zieht den Freitod vor, der seinem Volk nützt. Hier mischen sich Trauer, Betroffenheit und Hoffnung zu einem bewegenden Gesamteindruck.

Auch das Wiedersehen Marks mit seiner Frau ist ähnlich schön gestaltet, allerdings viel kürzer. Dennoch hatte ich nicht den Eindruck, als wäre dieses Szene nur dazu da, um Minuten zu schinden. Sie ist vielmehr der private Höhepunkt des Geschehens für Mark, die Hauptfigur, und insofern unerlässlich.

Diese Dialoge belegen die Verhaltensweisen von Erwachsenen statt von Jugendlichen. Man nimmt den Figuren jetzt ab, dass sie über Krieg und Frieden sowie den Tod von Menschen zu entscheiden in der Lage sind. Die Ernsthaftigkeit von „Raumpatrouille Orion“ ist nun mit der schnellen Handlung von „Perry Rhodan“ bestens kombiniert. Auch Gewaltszenen an Bord von Raumfahrzeugen sind nicht selten. Der Gewalt geht ohne Ausnahme eine verbale Auseinandersetzung voraus, und sie hat immer personelle Konsequenzen. Daher ist Gewalt nicht um ihrer selbst willen inszeniert, sondern hat eine durchaus einsehbare Funktion.

|Die Geräusche|

Die Geräuschkulisse erstaunt den Hörer mit einer Vielzahl mehr oder weniger futuristischer Töne, so etwa die Triebwerke der |Delta VII| oder das Öffnen und Schließen ihrer Luken und Schleuse. Doch wenn man ein Fan von SF-Fernsehserien ist, dann dürfte einen dies nicht gerade umhauen, sondern eher ganz normal vorkommen. Ungewöhnlich sind eher Sounds, die an das Brutzeln von Eier erinnern, an stockende Sounds – das lässt aufhorchen. Hier haben die Macher dazugelernt. Der gute Sound trägt dazu bei, den Hörer direkt ins Geschehen hineinzuversetzen, und das kann man von den wenigsten SF-Fernsehserien behaupten. Ich fand es beispielsweise ungewöhnlich, eine Episode ohne jedes Wort beginnen zu lassen, sondern eine Minute lang Töne zu kombinieren, so etwa Delphinpfeifen und ähnliches.

Die meisten SF-Serien wie etwa „Classic Star Trek“ oder „Raumpatrouille Orion“ sind viel zu alt für solchen Sound, und „Babylon 5“ oder „Andromeda“ klingen zwar toll, spielen aber in abgelegenen Raumgegenden, wo irdische Ereignisse kaum eine Rolle spielen. Dadurch hebt sich „Mark Brandis“ im Hörspiel bemerkenswert von solchen TV-Produktionen ab, von SF-Hörspielen ganz zu schweigen. Nur |Lübbe|s „Perry Rhodan“ kann in dieser Liga mitspielen. Auch das Design von verzerrten Meldungen ist ähnlich professionell gehandhabt. Ein Satz kann mittendrin seine Klangcharakteristik ändern – faszinierend.

|Musik|

Ja, es gibt durchaus Musik in diesem rasant inszenierten Hörspiel. Neben dem Dialog und den zahllosen Sounds bleibt auf der Tonspur auch ein wenig Platz für Musik. Sie ist wie zu erwarten recht dynamisch und flott, aber nicht zu militärisch – ganz besonders im Intro und in den Intermezzi. Ganz am Schluss erklingt ein flottes Crescendo, das den Ausklang zu dieser enorm langen Episode bildet.

Danach folgt nur die Absage, bei der der Sprecher sämtliche Sprecher und, wo sinnvoll, ihre Rollen aufzählt. Den Abschluss bildet der Hinweis auf die nächste Folge mit dem Titel „Testakte Kolibri“. Die dynamische Hintergrundmusik stimmt den Zuhörer erwartungsfroh. Ich kann es kaum erwarten.

|Das Booklet|

Das achtseitige Beiheft erzählt dem Hörer, was bisher geschah: Das wurde in „Bordbuch Delta VII“, „Verrat auf der Venus“ sowie „Unternehmen Delphin“ berichtet. Eine weitere Seite listet astronomische und andere Begriffe auf.

Die mittlere Doppelseite liefert Kurzbiografien von:
Prof. Dr. Juan Segovia
Cpt. Martin van Kerk (SR)
Lt. Michael Hartmann (SR)
Sgt. Konstantinos Simpopoulos (SR)

Die nächste Seite enthält einen Auszug aus der „Allgemeinen Erklärung der Menschenpflichten“, worauf die Macher etwa Werbung für Ihren VEGA-Shop und dessen Produkte machen: T- und Sweatshirts sowie ein Kaffeebecher sind das bescheidene Angebot. Die letzte Seite bringt Infos zu den Machern (siehe oben). Die Rollenliste ist auf dem Rückcover der Jewelbox abgedruckt, ebenso die Kapitelüberschriften.

_Unterm Strich_

Ähnlich wie manche Handlungsstränge der „Perry Rhodan“-Hörspiele greift auch die Mark-Brandis-Serie politische Themen auf statt nun auf die Karte der abenteuerlichen Erforschung fremder Welten zu setzen. Das finde ich schon mal sehr löblich, denn so kann der Hörer die gezeigten Vorgänge mit seinen eigenen sozialen und politischen Verhältnissen vergleichen und sie, mit etwas Verstand, auch kritisch bewerten.

Unterschwellig warnt der Autor dieses Stoffes vor einer faschistischen Diktatur. Die Handlung präsentiert keine einfachen Lösungen, so etwa wenn sich Brandis zwischen dem taktischen Vorteil und dem Leben seiner Frau zu entscheiden hat. Auch Gewalt ist nie die Lösung, sondern das Problem, so als Lt. Ibaka den Kommissars, der seine Frau hinrichten ließ, nicht nur niederschlägt, sondern auch noch vorsätzlich tötet.

Die spannende Frage ist nun, ob Ibaka mit der Tötung eines Feindes davonkommt oder vors Kriegsgericht gestellt wird. Beides ist der Fall, doch das ist beileibe nicht das Ende vom Lied, denn sonst käme ein Soldat ja mit jedem Mord durch. Das ist nicht die Moral, die der Autor hier vorbringt. Und so hat Ibakas Tat noch ein bitteres Nachspiel.

|Das Hörspiel|

„Mark Brandis“ ist als Hörspiel professionell inszeniert, spannend, stellenweise actionreich und mitunter sogar bewegend. Im Unterschied zu den ersten Folgen wurden nun mindestens zwei größere Dialogszenen eingebaut, die mir sehr gut gefallen haben. Sie charakterisieren besonders Mark Brandis als einen moral- und verantwortungsbewussten Erwachsenen, der auch mal seine Fehler korrigieren kann.

Dies ist beruhigend weit entfernt von Kinderkram und rückt die Serie in die Nähe der POE-Hörspiele, die mir fast durchweg gut gefallen. In zehn Jahren wird man diese Serie als Vorbild für eine gelungene SF-Serie aus deutschen Landen auf gleicher Höhe mit „Perry Rhodan“ setzen. Und die Sammler werden sich die Finger danach lecken.

Hinweis: Die Fortsetzung trägt den Titel „Testakte Kolibri“.

|80 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-88698-436-7|
http://www.sprechendebuecher.de
http://www.markbrandis.de
http://www.interplanar.de
http://www.wurdackverlag.de

Donna Leon – Sanft entschlafen (Lesung)

Finstere Machenschaften „heiliger“ Männer

Commissario Brunettis sechster Fall. Er hat gerade nicht viel zu tun, denn Venedig erwacht erst allmählich aus seinem Winterschlaf. Doch da beginnen die Machenschaften der Kirche sein Berufs- und Privatleben zu überschatten: Suor Immacolata, die schöne Sizilianerin und aufopfernde Altenpflegerin von Brunettis Mutter, ist nach dem unerwarteten Tod von fünf Patienten aus ihrem Orden ausgetreten. Sie hegt einen schrecklichen Verdacht, denn die Verblichenen haben zuvor ihr gesamtes Vermögen der Kirche vermacht. Wird Brunettis Mutter das nächste Opfer sein? Brunetti stößt auf einen zwielichtigen Geheimorden.
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Ingrid Noll – Stich für Stich. Erzählungen (Lesung)

Der Noll-Faktor: spannend, kurios, amüsant, makaber

Das Hörbuch umfasst fünf „schlimme“ Geschichten, die entgegen der Erwartung, die man an Noll-Storys hat, nicht immer mit dem Ableben eines Beteiligten enden. Fünf Protagonisten – eine Domina, eine virtuose Stickerin, eine blonde Krankenschwester, die alle Klischees erfüllt, die Ehefrau eines passionierten Anglers, die verheiratete Ärztin mit der Hundedame. Fünf überraschende Wendungen – auch wenn man „seine“ Ingrid Noll schon kennt.

Die Autorin

Ingrid Noll wurde 1935 in Schanghai geboren, also kurz vor der japanischen Invasion, und studierte in Bonn Germanistik und Kunstgeschichte. Nachdem ihre drei erwachsenen Kinder das Haus verlassen hatten, begann sie, Kriminalgeschichten zu schreiben, die allesamt Bestseller wurden. „Die Häupter meiner Lieben“ wurde mit dem Glauser-Preis ausgezeichnet, und „Kalt ist der Abendhauch“ sowie „Die Apothekerin“ wurden verfilmt.

Weitere Noll-Hörbücher:
– Die Häupter meiner Lieben
– Die Apothekerin (verfilmt)
– Kalt ist der Abendhauch (verfilmt)
– Selige Witwen
– Die Sekretärin
– Der Hahn ist tot

Die Sprecherin

Ursula Illert, 1946 in der Nähe von Frankfurt/M. geboren und aufgewachsen, ist eine Schauspielerin mit Erfahrung bei Theater, Funk und Fernsehen. Als passionierte Sprecherin hat sie für |Steinbach Sprechende Bücher| bereits zahlreiche Hörbücher gelesen. Ihre Begeisterung gilt Lesungen mit musikalischer Begleitung vor Publikum.

Handlung der 5 Erzählungen

1) Ein milder Stern herniederlacht

Eine Domina setzt sich mit 37 zur Reihe und verkauft all ihre Accessoires und Möbel – für ihre „Sklaven“ eine echte Überraschung. Drei Wochen später ist sie mit Oliver verheiratet, der sich schon auf das gemeinsame Kind freut. Mit dem drögen, anstrengenden Leben als Hausmütterchen werde sie schon zurechtkommen. Denkt sie. Denn Oliver weiß natürlich nichts von ihrem anrüchigen Vorleben.

Just im schönsten Moment in ihrem neuen Leben, beim Abendessen zu Weihnachten, klingelt es an der Tür und eine Gestalt der Vergangenheit verlangt ihr Recht: Georg, der Bankier, ist einer ihrer früheren „Sklaven“ und hat wegen Urlaub noch nicht mitgekriegt, dass sie aus dem Gewerbe ausgestiegen ist. Er verlangt hartnäckig sein Recht auf eine fachgerechte Demütigung.

Da die Ex-Domina nicht mit der Wahrheit über Gregors Verhältnis zu ihr herausplatzen kann, dauert es eine ganze Weile, bis Oliver die Sache endlich kapiert. Dann jedoch handelt er konsequent: Georg wird angekettet und darf den Abwasch machen. Ein weiterer „Sklave“ muss mit Demütigung versorgt werden: Er darf das Auto blitzblank schrubben. Schon bald finden sich jede Menge Haushaltsarbeiten, die es zu erledigen gilt, und der Haushalt ist endlich auf Vordermann gebracht.

Es gibt nur ein winziges Problem: Wie erklärt man den Familien der Sklaven ihr allzu langes Fernbleiben vom trauten Weihnachtsabendfeiern? Geniale Idee: Man inszeniert einen Frontalzusammenstoß der Autos, so dass man auch noch die Versicherung abzocken kann. Bei diesem im Schnee inszenierten Manöver geht leider etwas mächtig schief …

2) Stich für Stich

Das Geschlecht der Person, die ihre Geschichte erzählt, bleibt bis zuletzt unklar, denn darin besteht ja der Clou. Die Person liebt es schon seit ihrem 17. Lebensjahr zu sticken. Damals lag sie lange Zeit mit Hepatitis im Bett und musste ruhen. Ihre Mutter brachte ihr das Sticken bei und fortan stickte sie, was der Faden hergab: Deckchen, Brieftaschen, eine komplette Gemäldegalerie klassischer Meister.

Bis zu jenem verhängnisvollen Tag, da die Person bei einem Schwächeanfall im Supermarkt umkippt und ihr der Arzt eine Kneipp-Kur in Bad Wörishofen verordnet. Gesagt, getan. Man findet einen Kurschatten, eine echte Freundin: Gunda Mortensen. Nach dem Abschied setzt ein Briefwechsel die Freundschaft fort.

Der freudige Tag naht, da Gunda unsere Hauptfigur in ihren eigenen vier Wänden besuchen wird, wo auf sie eine handfeste Überraschung wartet. Nein, die Stickereien habe keineswegs die werte Frau Mutter gefertigt, sondern seien alle selbstgemacht. Langes Schweigen. Danach kommt Gunda nie wieder … Schade, ein solches Talent links liegen zu lassen.

3) Die blaurote Luftmatratze

In der Privatklinik für psychosomatische Krankheiten hat sich eine Krankenschwester – nennen wir sie Isolde – in einen besonderen Patienten verliebt, den sie gerne Tristan nennt. Wie sie steht er auf altmodische Luftmatratzen, denn darauf liegt er gerne im schönen Park der Klinik. Sie nennt ihn aber auch den „Schlangenmenschen“, denn er sagt, er habe eine Phobie vor Schlangen. Sie fragt ihn, wie es dazu gekommen sei. Ach, das sei nur ein Vorwand, um in Ruhe gelassen zu werden, meint er.

Mit 24 sei er Privatdetektiv geworden und wurde von der deutschen Textilindustrie damit beauftragt, die Herkunft von besonders schönen Pullovern etc. festzustellen, die zu Dumpingpreisen angeboten wurden. Folglich blieben die deutschen Fabrikanten auf ihren Erzeugnissen sitzen.

Er flog nach Hongkong und entdeckte eine Spur, die ins Innere Asiens führte. Er versteckte sich auf einem LKW und fuhr dort zwei Wochen lang mit, denn obwohl ihn die Fahrer entdeckten, blieben sie freundlich. Und so gelangte er in eine tropische Region, in der eine versteckte Anlage von Männern in weißen Kitteln geleitet wurde. Lügen erwies sich als zwecklos, daher rückte er mit der Wahrheit heraus.

Statt ihn wegzuschicken, weil er spionierte, zeigten ihm die Männer voller Stolz ihre Anlage. Aber wo kamen die fabulösen Strickwaren her? Nirgendwo waren Strickmaschinen zu sehen. Da wies einer der Forscher ins Zentrum der weitläufigen Anlage, wo mehrere große Bäume standen. Und in den Bäumen befanden sich große Schlangen. Und jede Schlange strickte, was das Zeug hielt: Pullover, Westen, Schals, in allen Farben. Ja, er durfte sich sogar einen eigenen Pulloverentwurf wünschen.

Der Oberarzt glaubt natürlich kein Wort von diesem Garn. Professor Higgins wird von den gespannt lauschenden Patienten indigniert weggeschickt. Doch in der folgenden Nacht will Schwester Isolde die Wahrheit über den „Schlangenmenschen“ herausfinden und schleicht sich zu seiner Tür …

4) Fisherman’s Friend

Als sie 17, dumm und noch unschuldig war, lernte sie bei einer Fischerparty Eugen kennen, heiratete ihn mit 18 und wurde mit 19 Mutter von Jonas. Als Ladenbesitzer konnte ihr Eugen, der mittlerweile auf die 40 zuging, zwar ein Leben in Wohlstand bieten, doch sie erfuhr mit dem passionierten Angler weder Freude noch Liebe.

Da ist Uli schon ein ganz anderer Typ. Der Textilingenieur ist jung, gut aussehend und lustig. Sie verliebt sich sofort in ihn und hat eine Affäre. Sie überlegt, dass sie mit Eugens Erbschaft ziemlich angenehm mit Uli leben könnte. Ihren zielstrebigen Plan setzt sie in mehreren Phasen um, an deren Ziel sie und Uli Eugens Unfalltod beschließen. So weit, so gut. Doch der Plan sieht nicht vor, dass Uli und Eugen gute Kumpels werden und gemeinsam Angeln gehen!

Wütend und frustriert greift sie zur Selbsthilfe. Das unverdächtige Mordinstrument: selbstgemachte Frikadellen aus Fischpaste, in die sie ein paar Gräten platziert. Das funktioniert auch ganz hervorragend, allerdings mit einem ganz anderen Opfer als vorgesehen. Nach dem nächsten Angelwochenende berichtet die Zeitung von einem tot am See aufgefundenen Förster …

Monate vergehen, niemand wird festgenommen, doch die Affäre mit Uli endet. Da ruft die Witwe des Försters an und bittet um ein Treffen. Au weia, der Fluch der bösen Tat, denkt unsere Heldin und ist auf das Schlimmste gefasst. Zu ihrer Verwunderung bedankt sich jedoch Adelheid herzlich für die Tat. Sie erklärt, wie sie die Wahrheit herausgefunden habe und dass sie nun herrlich von der Erbschaft leben könne. Ob sie sich nicht erkenntlich zeigen könne?

Der Plan ist ganz einfach. Und tatsächlich hat Eugen diesmal keine Chance, der Falle zu entgehen.

5) Der gelbe Macho

Sie ist eine gefühl- und fantasievolle Ärztin, ihr Mann Oswald ein eher prosaischer Typ. Sie holt aus dem Tierheim einen Hund, der sehr anhänglich wird und sich als sehr klug erweist: Klara. Über ihre Spaziergänge lernt die Ärztin einen anderen Hundehalter kennen: Der junge Jens hat einen gelben Hund namens Macho. „Macho ist spanisch und bedeutet männliches Tier“, erklärt er. Macho und Klara werden unzertrennliche Freunde. Zwischen der Ärztin und Jens klappt es nicht gleich, denn erstens ist sie verheiratet, und zweitens hat er eine Freundin.

Aber sie merkt bald, dass sie Jens liebt, und die schlaue Klara merkt das auch. Sie beißt ihr Herrchen Oswald und gehorcht ihm nur noch widerwillig. Bei einer Abi-Party tanzt die Ärztin wild mit Jens und küsst ihn. Welch ein feinfühliger Mann: Er will nach dem Abi Psychologie studieren. Nachts darf Klara ins Bettchen von Frauchen, und Oswald muss im Arbeitszimmer schlafen.

Danach nimmt die Natur unaufhaltsam ihren Lauf. Klara wird läufig, und Macho muss weggesperrt werden. Doch während eines Schäferstündchens mit Jens vergeht die Zeit wie im Flug, und wer denkt da schon an die Hunde? Das Ergebnis der doppelten Liebesnacht ist schon nach wenigen Monaten zu besichtigen: Mischlinge.

Mein Eindruck

Im Grunde folgt nur eine einzige dieser fünf Erzählungen dem klassischen Muster, dass dem Schicksal „nachgeholfen“ und ein Mann geopfert wird – aber dies natürlich in unnachahmlicher Noll-Manier. Die anderen Geschichten fallen ziemlich aus diesem Rahmen und lassen sich wohl eher unter der Bezeichnung „ironisch erzählte Kuriosa“ zusammenfassen.

Unter diesen vier Geschichten hat mir jene mit den spinnenden und strickenden Schlangen auf den Bäumen am besten gefallen. Sie ist so wunderbar schrullig und doch unglaublich detailreich ausgeschmückt. Natürlich ist kein Wort davon wahr, würde jetzt Prof. Higgins wie in „My Fair Lady“ knurren. Aber hat das jemals passionierte Geschichtenerzähler und -lauscher gestört? Natürlich nicht. (Übrigens scheint dies eine der Storys zu sein, die seinerzeit für die „Süddeutsche Zeitung“ über „Die blaurote Matratze“ geschrieben wurden.)

Es ist ein wenig auffällig, welch eine bedeutende Rolle Erotik in diesen Storys spielt. Dass eine Ex-Domina ihre Ex-Sklaven wieder einspannt, ist ein netter Einfall. Doch dass auch der Ex-Domina-Mann der Sache auf pragmatische Weise einige positive Seiten abgewinnen kann, ist der typische Noll-Schlenker, der die Sache erst richtig interessant macht. Womit es natürlich nicht sein Bewenden haben kann.

Eine ganz andere Seite der Erotik zeigt sich in „Der gelbe Macho“. Hier kommt die Liebe sozusagen auf den Hund, um es mal flapsig zu sagen. Doch der Hund – gemeint ist die schlaue Klara – trägt viel dazu bei, der Liebe Gelegenheit zu machen, indem sie Herrchen Oswald auf Abstand hält. Der Hund ist doch der beste Freund des Menschen.

Die Sprecherin

Ursula Illert kann sich sehr gut in die Lage der weiblichen Protagonisten hineinversetzen. Mit Verve trägt sie ihre Geschichten vor, mit deutlicher Aussprache und der Betonung auf die richtigen Stellen. Allerdings ist die letzte Geschichte wegen der immerhin fünf Akteure so vertrackt, dass man sie vielleicht noch einmal anhören sollte.

Unterm Strich

Bis auf eine eher konventionelle – und daher umso willkommenere – Geschichte („Fisherman’s Friend“) wissen die fünf Beiträge in dieser Sammlung mehr durch ihre Schrulligkeit zu amüsieren als durch Spannung zu fesseln. Das macht aber nichts, denn der typische Noll-Faktor ist durchweg gegeben: eine ungewöhnliche, zuweilen makabre und augenzwinkernde Note ist stets eingeflochten. Ich kann nur hoffen, nicht zu viel verraten zu haben – und um Vergebung für meine Sünden zu bitten, falls ich es doch getan habe.

Die Sprecherin bringt die Erzählungen voll zur Geltung und beeinträchtigt die Botschaft der Autorin in keiner Weise. Das Hörbuch kann einem Zuhörer durchaus einen schönen Nachmittag bereiten.

120 Minuten auf 2 CDs
steinbach sprechende bücher

Ingrid Noll – Die Sekretärin. Erzählungen (Lesung)

Rache ist süß. Ob Sekretärin, Putzfrau oder Hausfrau, wenn sie zu sehr gedemütigt werden und ihnen der Kragen platzt, dann zahlen sie es ihren Chefs, ihren Herrschaften, ihren Pantoffelhelden heim. (Verlagsinfo)

Die Buchvorlage erschien im Jahr 2000 im Diogenes-Verlag.

Die Autorin

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Gerard Donovan – Der Rächer aus den Wäldern

Der Winter in den Wäldern von Maine ist kalt und einsam. Bisher hat das Julius Winsome nicht gestört, er lebt schon lange allein, und er hat einen treuen Gefährten, seinen Pitbullterrier Hobbes. Als sein Hund eines Nachmittags offenbar absichtlich erschossen wird, bricht Julius Welt zusammen. Und er fasst einen erschreckenden Entschluss … (Verleihinfo)

Der Autor

Gerard Donovan wurde 1959 in Wexford, Irland, geboren und lebt heute im Staat New York. Er studierte Philosophie und Germanistik in Irland, arbeitete in einer bayerischen Käsefabrik, studierte klassische Gitarre in Dublin und trat als Musiker mit Schwerpunkt J. S. Bach auf. Er veröffentlichte Gedichtbände, Shortstorys und Romane und wurde mit dem „Kerry Group Irish Fiction Award“ ausgezeichnet.

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Deon Meyer – Countdown in Kapstadt: Jagd auf Leben und Tod

5 Uhr 36: Ein Telefonanruf reißt Inspector Benny Griessel aus dem Schlaf: Eine junge Amerikanerin ist ermordet aufgefunden worden, eine andere wird durch die Stadt gejagt, und eine berühmte Sängerin hat offenbar ihren Mann erschossen. Und dann ruft auch noch seine Frau an. Sie will ihn treffen und ihm sagen, wie es mit ihnen weitergehen kann. Bennie Griessel hat dreizehn Stunden, die Morde aufzuklären – und sein Leben wieder in Ordnung zu bringen. (bearbeitete Verlagsinfo)

Der Autor

Deon Meyer, Jahrgang 1958, gilt als einer der erfolgreichsten Krimiautoren Südafrikas. Er begann als Journalist zu schreiben und veröffentlichte 1994 seinen ersten Roman. Mit seiner Frau und vier Kindern lebt er in Melkbosstrand. „Das Herz des Jäger“ wurde mit dem ATKV Prose Prize ausgezeichnet, einem begehrten südafrikanischen Literaturpreis. In den USA wurde der Roman zu den zehn besten Thrillern des Jahres ernannt. Zeitgleich erschien im Aufbau Taschenbuch Verlag sein Roman „Der traurige Polizist“. Mehr unter www.deonmeyer.com.

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Rafik Schami – Märchen aus Malula

„Märchen aus Malula“ ist eine Auswahl von sechs Erzählungen, die seit vielen Generationen in Rafik Schamis Heimatdorf Malula in Syrien erzählt werden. Wenngleich sie auch inhaltlich sehr unterschiedlich sein mögen, verbindet alle sechs Märchen eine ähnliche moralische Botschaft. Auf verschiedenste Weise beschäftigen sich die Erzählungen mit den Vorstellungen von Gerechtigkeit und von Respekt und Dankbarkeit gegenüber Mitmenschen.

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