Markus K. Korb – Grausame Städte II (Edgar Allan Poes phantastische Bibliothek, Band 9)

Edgar Allan Poes phantastische Bibliothek auf Buchwurm.info:

Band 1: „Grausame Städte“ (Markus K. Korb)
Band 2: „Das Alptraum-Netzwerk“ (Thomas Ligotti)
Band 3: „Spuk des Alltags“ (Alexander Moritz Frey)
Band 4: „Die weißen Hände und andere Geschichten des Grauens“ (Mark Samuels)
Band 5: „Cosmogenesis“ (Jörg Kleudgen)
Band 8: „Der dünne Mann“ (Anthologie, herausgegeben von Alisha Bionda)

Der neunte Band der |phantastischen Bibliothek| aus dem |BLITZ|-Verlag ist ein Ergänzungsband zu dem ersten Buch der Reihe, das den Titel „Grausame Städte“ trägt, und wurde ebenfalls von Markus K. Korb verfasst, der diese wunderbare Reihe ins Leben gerufen hat. Im Mittelpunkt stehen dieses Mal die Städte Paris und Prag, und dem Autor ist es gelungen, die besondere Atmosphäre dieser Metropolen in seinen Geschichten einzufangen.

Den Auftakt bildet die Kurzgeschichte „Geliehene Zeit“, welche in Paris spielt und von einem Künstler der besonderen Art handelt. Eindrucksvoll stellt Korb unter Beweis, dass er den subtilen Horror eines Edgar Allan Poe mit dem plakativen Grauen eines modernen Grusel-Thrillers in einzigartiger Art und Weise verbinden kann. „Der Passant“ lehnt sich anschließend an Poes Erzählung „Der Mann in der Menge“ an und ist nicht weniger schauerlich, wenngleich vom Tenor her ein wenig ruhiger.

Herzstück des Paris-Zyklus ist aber mit Sicherheit die Geschichte „Nachts im Observatorium“, die aufgrund ihres Aufbaus und ihrer Länge eher schon einen Kurzroman darstellt. Hier geht es um eine Séance, die ein renommierter Astronom abhält, der mit Hilfe der Sterne Kontakt zu den Toten aufnehmen will. Der Ich-Erzähler möchte mit seiner verstorbenen Frau Kontakt aufnehmen, und auch die anderen Anwesenden haben alle ein bestimmtes Anliegen, das ihnen nur die Toten erfüllen können. Selbst die bekannte Physikerin Madame Curie ist dabei, als eines Nachts im Observatorium der Kontakt mit den Verstorbenen hergestellt wird. Was die Menschen aber schließlich erwartet, ist das absolute Grauen, denn es kommt etwas zur Erde, das nur Tod und Vernichtung im Sinn hat. – Obwohl die Erzählung sehr verhalten, fast schon langweilig beginnt, gewinnt sie schon nach wenigen Seiten an Tempo. Der Spannungsaufbau steigert sich enorm, um am Ende in einer gelungenen und gruseligen Pointe zu kulminieren.

In seinem kleinen Exkurs „Der dreizehnte Astronaut“ mischt Markus K. Korb Elemente des Horror-Romans mit denen der Science-Fiction-Literatur und verfasste eine eindringliche, phantastische Erzählung mit einer wahrlich surrealen Auflösung. Obwohl die Story hinter den atmosphärisch dichten Paris-Geschichten zurücksteht, lohnt sich die Lektüre der Erzählung allemal, bietet sie doch eine angenehme Abwechslung zum Grundthema und vermeidet daher, dass sich ein lähmender Gewöhnungseffekt einstellt.

Weiter geht’s dann mit dem Prag-Zyklus, der gleich mit einer wahrhaft schauerlichen Mär aufwartet. „Gefangener des Auges“ berichtet von einem Freskenmaler, der allein in finsterer Nacht ein Deckengemälde in einer alten Kirche fertigstellen soll. Dabei erblickt der Maler das pure Grauen, und entsetzt muss er feststellen, dass nicht alle Gemälde so harmlos sind, wie es den Anschein erweckt. – Eine der bedrohlichsten Erzählungen dieses Bandes mit einem Ende, das unter die Haut geht. Diese Geschichte hat alles, was eine gute Horror-Story vorweisen muss: glaubhafte Charaktere, einen hervorragenden Spannungsaufbau, Suspense und einen unheimlichen Plot. Dagegen verblasst „Der ultimative Sound“ unweigerlich, was nicht heißt, dass nicht auch diese Geschichte zu fesseln vermag. „Neu Gomorrha“ ist dann die kürzeste Story der Sammlung und zugleich Vorlage für die grandiose Titelillustration von Mark Freier.

Seine dichterische Schaffenskraft stellt Korb in seinem zweiten Exkurs noch einmal richtig unter Beweis. „Der Nachzehrer“ entführt den Helden der Geschichte nach Franken, Rom und Wien und berichtet von einem Mann, dessen große Liebe unversehens stirbt, und als er einen alten persischen Text rezitiert, um seine Angebetete angemessen zu verabschieden, ahnt er noch nicht im Mindesten, welche Kette von grauenhaften Ereignissen er damit in Gang setzt. – Eine Erzählung, die erneut in der Ichform dem Leser dargelegt wird und den Vergleich mit anderen großen Schriftstellern wie King nicht zu scheuen braucht. Dabei fragt man sich unweigerlich, weshalb Markus K. Korb nicht öfter Novellen oder komplexe Romane verfasst.

Das Coverartwork und die Innenillustrationen von Mark Freier vervollkommnen diesen erstklassigen Band und machen auch dieses Buch der |phantastischen Bibliothek| zu einem Schmuckstück in jedem Bücherregal.

Fazit:

Wer die einmalige Verquickung subtilen Horrors mit dem plakativen Schrecken sucht, ist bei Markus K. Korb an der richtigen Adresse. Auch in seinem zweiten Werk über die grausamen Städte legt der Schriftsteller Zeugnis ab von seinem großartigen erzählerischen Talent. Die Exkurse nach den beiden Städte-Zyklen bieten das optimale Maß an Abwechslung. Hinzu kommen grandiose Illustrationen des Grafikers Mark Freier, die auch das Auge des Buchliebhabers verwöhnen.

256 Seiten Paperback
ISBN-13: 978-3-89840-929-2
www.BLITZ-Verlag.de

Florian Hilleberg

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