Alle Beiträge von Michael Drewniok

Bella Bathurst – Leuchtfeuer. Die außergewöhnliche Geschichte vom Bau der schottischen Leuchttürme

Im 19. Jh. entwickelt sich die schottische Familie Stevenson zu einer Dynastie, die sich auf den Leuchtturm-Bau spezialisiert. Die Autorin schildert die enormen technischen Herausforderungen, bezieht dabei das historische Umfeld ein und entwirft eine Familiengeschichte, die durch Perfektionsdrang und Patriarchen-Zwang verdunkelt wurde und trotzdem einen Schriftsteller von Weltruf hervorbrachte. Inhalt und Form stehen in perfektem Einklang und sorgen für ein Sachbuch von hoher erzählerischer Qualität. Bella Bathurst – Leuchtfeuer. Die außergewöhnliche Geschichte vom Bau der schottischen Leuchttürme weiterlesen

William Shatner (mit Judith Reeves-Stevens/Garfield Reeves-Stevens) – Das Gespenst (Star Trek)

Weltenretter-Rentner James T. Kirk wird reaktiviert, als das böse Spiegel-Universum die Föderation unterwandert und nach der Macht greift. Zusammen mit alten Freunden und neuen Verbündeten – darunter Jean-Luc Picard – wirft sich Kirk abermals ins Gefecht … – Start einer Trilogie, die in epischer Länge die ‚klassischen‘ Star-Trek-Helden mit der „Next Generation“ mischt und trotz der penetranten Zentralfigur ein richtig spannendes Garn spinnt: So gut KANN „Star Trek“ sein!
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Robert Poe – Rückkehr ins Haus Usher

Ausgerechnet die Nachfahren des im Wahnsinn geendeten Roderick Usher führen ein übel beleumundetes Sanatorium, das ins Visier gieriger Finanzhaie gerät, wie der Amateur-Detektiv John Poe herausfindet, ohne den neuerlichen Untergang des Hauses Usher verhindern zu können … – Ein marginal talentierter Neu-Autor nutzt seine (entfernte) Verwandtschaft zum berühmten Schriftsteller Edgar Allan Poe, um sich an dessen Werk zu vergreifen: zumindest aufgrund der Dreistigkeit des Versuchs und seines Scheiterns interessantes (Mach-) Werk.
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Dennis Wheatley – Der schwarze Pfad

Eine Schriftstellerin, ihr Sohn und ein Geheimdienst-Offizier wollen eine junge Frau retten, die nicht nur von Satanisten entführt werden soll, sondern in den Nachtstunden vom Teufel besessen ist. Quer durch Frankreich bis in die englische Provinz führt die Jagd, an deren Ziel Satan schon ungeduldig mit dem Huf scharrt … – Ebenso klassisch wie trashig rührt Autor Wheatley spannend an, was die Populärkultur in Sachen Schwarzer Magie hergibt. Nicht grundlos (aber grausig schlecht) wurde dieses Garn verfilmt, denn es bietet Action, Archetypen und (sacht anrüchigen) Horror.
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Mark Sinnett – Eiskalt funkelt der Tod

Die Mafia drängt einem Restaurantbesitzer ihre ‚Unterstützung‘ auf. Eine Ablehnung scheint unmöglich. Gleichzeitig forscht ein FBI-Agent besagte Mafiosi aus, denen das nicht entgeht, was eine Kette tödlicher Reaktionen auslöst … – Routiniert geplotteter und geschriebener Thriller, der seine doppelzügige Handlung um Schmuggel und Undercover-Schattenspiele spannend entwickelt und ein angemessen dramatisches Finale findet: Kanada ist in Sachen Krimi definitiv kein Entwicklungsland mehr!
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S. S. Van Dine – Der Mordfall Benson

Als ein reicher Spekulant und Frauenheld ermordet wird, ist aufgrund der Indizien für die Polizei der Fall rasch klar. Feingeist Philo Vance schaltet sich als Hobby-Detektiv ein, hinterfragt die Fakten und stellt klar, dass sie keine Beweise sein müssen, sondern manipuliert sein können … – Der erste Band der Vance-Serie ist hartes Brot für heutige Leser: Unerbittlich langsam entwickelt ein zudem impertinent seine Überlegenheit zelebrierender Detektiv seine Schlussfolgerungen, bis sie endlich in einem „grande finale“ aufgelöst werden: vor allem aus literaturhistorischer Sicht interessanter, auf seine gründliche Art durchaus spannender Rätsel-Krimi. S. S. Van Dine – Der Mordfall Benson weiterlesen

Ben Benson – Gefühl ist unmodern

Ein junger Polizist gerät in das Zentrum einer Mordermittlung, wird das Opfer dienstlicher Intrigen und verliebt sich unglücklich in eine womöglich kriminelle Frau … – Der dritte Roman der Ralph-Lindsey-Serie mischt routiniert Krimi und Drama, ohne letzterem allzu viel Raum zu gewähren. Zwar ist der Plot weder komplex noch originell, doch der nüchtern geschilderte Polizei-Alltag einer vergangenen Ära sorgt für gealterte aber gut lesbar gebliebene Unterhaltung.
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Antonia Hodgson – Der Galgenvogel

Pechvogel Tom Hawkins wird im London des Jahres 1728 erst des Mordes an einem streitsüchtigen Nachbarn bezichtigt, gerät dann in den Bannkreis der intriganten Königin Caroline, bringt einen mächtigen Diebesfürsten gegen sich auf und soll schließlich als unerwünschter Zeuge am Galgen baumeln … – Wie er sich diesem Schicksal nicht nur stellt, sondern trickreich um sein Leben kämpft, schildert Autorin Hodgson dicht, spannend und wendungsreich im zweiten Band ihrer Hawkins-Serie, die abermals ‚historische‘ Stimmung nicht durch Informations-Overkill herbeizwingen will, sondern Fakten handlungsgerichtet einfließen lässt.
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Kurt Singer (Hg.): Horror 3: Klassische und moderne Geschichten aus dem Reich der Dämonen

Acht Gruselgeschichten, die ursprünglich meist in klassischen „Pulp“-Magazinen erschienen und deshalb mehr auf den Knalleffekt als auf Stimmung setzen. Da auch gute Schriftsteller in diesem Metier tätig waren, konnten einige Storys ihren Unterhaltungswert gut konservieren; wirklich schlecht ist keines dieser oft längst vergessenen Geister-Garne.

Inhalt:

– Isaac Asimov u. James McCreagh: Der Gespensterprozeß (Legal Rites, 1950), S. 7-32: Ein bodenständiges Gespenst gedenkt nicht, einem Erbschleicher sein Spukhaus zu überlassen, und zieht gegen ihn vor Gericht.

– Robert Barbour Johnson: Das Leben nach dem Tode des Thaddeus Warde (The Life-After-Death of Mr. Thaddeus Warde, 1964), S. 33-47: Mr. Warde war ein sanftmütiger Zeitgenosse, den erst seine Ermordung in höchsten Zorn versetzt.

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A. D. Garrett – Ihr letzter Blick

Als die Bluttaten eines Killers entdeckt werden, der sich auf Mütter und ihre Kinder ‚spezialisiert‘ hat, kommt ein Team kriminalistischer Spezialisten zusammen, die trotz interner Konflikte und spärlicher Spuren dem Täter nachspürt, während dieser psychopathisch aufblüht und jede Rücksicht fahren lässt … – Auch Band 2 der Fennimore/Simms-Serie ist ein außerordentlich spannender, den „Fall“ und die Ermittlungsarbeit sachkundig ins Zentrum stellender, auf Seifenoper-Elemente verzichtender Kriminalroman: eine Perle im tiefen Taschenbuch-Ozean.
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T. M. Wright – A Manhattan Ghost Story (Horror Movies 1)

Ein psychisch labiler oder besser: empfangsempfindlicher Fotograf plant in New York City ein Buchprojekt. Er lernt eine faszinierende Frau kennen, die allerdings schon tot ist. Diese Beziehung öffnet die Pforte zu einem Zwischenreich, in dem sich Menschen und Geister mischen. Je tiefer der Mann sich dort vorwagt, desto mehr verliert er sich … – Unkonventionelle Mischung aus Grusel- und Liebesgeschichte, wobei der Autor überraschende Schnittstellen herausarbeitet, während er die Realität seiner Hauptfigur zerfallen lässt: kein Roman für die Kopf-ab-Fraktion der Gruselfreunde.
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S. L. Grey – Under Ground

Vor der drohenden Apokalypse flüchtet eine Gruppe betuchter Survivalisten in eine unterirdische Bunkeranlage. Die Anlage ist unfertig, und rasch ist es vorbei mit der ohnehin brüchigen Solidarität. Als ein Mörder umzugehen beginnt, bricht im Bunker ein brutaler Kleinkrieg ohne Rücksicht auf Verluste aus … – Die bekannte Mär von der nicht krisenfesten Zivilisation wird routiniert aber gänzlich ohne Überraschungen erzählt. Für größeren Leser-Unmut sorgen die grob geschnitzten Figuren: Lese-Fastfood im gepimpten Paperback-Format.
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James Lee Burke – Straße ins Nichts

Ermittler Dave Robicheaux ermittelt gegen die Mörder seine Mutter, die vor drei Jahrzehnten grausam zu Tode kam. Da die Täter von damals noch leben und dank der vor Ort blühenden Korruption gut vernetzt sind, setzen sie alles daran, auch den Sohn unter Louisiana-Erde zu bekommen … – Der elfte Roman der ohnehin hervorragenden Robicheaux-Serie ist ein besonderes Glanzstück und bietet eine spannende Handlung sowie düsterer Südstaaten-Gotik: ein Meisterwerk!
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Elmore Leonard – Cuba Libre

Ein naiver US-Cowboy gerät 1898 auf der Insel Kuba in die Wirren des dortigen Bürgerkriegs. Er verliebt sich in eine Freiheitskämpferin, legt sich mit der spanischen Kolonialmacht an und fädelt einen lukrativen Betrug ein. Als die USA Spanien den Krieg erklären und auf Kuba einmarschieren, geraten alle Pläne ins Schwimmen … – Autor Leonard zieht alle Register (und bedient sich zahlreicher Klischees), um eine rasante Abenteuergeschichte vor realem historischem Hintergrund zu erzählen: Lesefutter.
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Joseph Mitchell – Joe Goulds Geheimnis

Ein Journalist aus New York verfolgt über viele Jahre die Spuren eines unbehausten Stadtstreichers, der von sich behauptet, die Geschichte der Menschheit von ganz unten zu schreiben, und damit im intellektuellen Milieu Beachtung findet. Nach dem Tod dieses Mannes erzählt der Journalist dessen wahre Geschichte … und die ahnt man zwar, kann sie aber dennoch kaum glauben. Die Geschichte des Joe Gould wird von Joseph Mitchell mit harten Fakten, aber mitfühlend, fast poetisch erzählt und verdichtet sich zu einem Lebensbild, das tragisch und eindrucksvoll gleichzeitig ist.
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Richard Montanari – Tanz der Toten

In Philadelphia treibt der ebenso irre wie geniale Serienkiller „Mr. Marseille“ sein Unwesen und drapiert seine Opfer wie Puppen. Die Polizei versucht der Mordserie ein Ende zu bereiten und stößt dabei auf die leichenreiche Vorgeschichte des Täters … – Band 8 der Balzano-&-Byrne-Serie zelebriert das inzwischen routinierte aber weiterhin spannende Katz-&-Maus-Spiel zwischen zusätzlich privatsorgengeplagten Ermittlern und einem Unhold, der ungemein kompliziert ein eigentlich simples Anliegen deutlich machen will: Was in der Realität an unzähligen Unvorhersehbarkeiten scheitern dürfte, wirkt in der Erzählung unterhaltsam, weist aber Verschleißerscheinungen auf.
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Henry Holt – Die Wolfsklaue

Im mondänen Monaco verliert eine Frau erst ihr Vermögen und dann ihr Leben. Dahinter steckt der „Wolf“, ein Meisterverbrecher, der auch in London die Polizei narrt. Zwei fähige Beamte nehmen ihn jetzt in die Zange, aber der „Wolf“ ist nicht nur gefährlich, sondern schlüpfrig wie ein Aal … – Altmodischer aber genretypischer Rätsel-Krimi, dessen Autor sachkundig die einschlägigen „Whodunit“-Regeln berücksichtigt, um für heute nostalgische Spannung zu sorgen: eine angenehme (Wieder-) Entdeckung.
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Robert L. Pike – Polizeirevier 52, New York

Ein großer Gangster-Fisch will gegen das Syndikat aussagen, doch dessen Killer sind schneller. Dem blamierten Cop bleiben sechs Stunden, um seinen Kopf zu retten; er setzt das Wissen des Toten für einen privaten Feldzug ein … – Rasanter Polizei-Thriller, der ebenso spannend wie nüchtern vom Allein-gegen-alle-Kampf gegen das Böse erzählt. Seinen Klassikerstatus gewann der Roman durch die meisterhafte Verfilmung mit Steve McQueen in der Rolle des Polizisten („Bullitt“, 1968).
Robert L. Pike – Polizeirevier 52, New York weiterlesen

Laurence Bergreen – Louis Armstrong. Ein extravagantes Leben

Biografie eines kulturhistorisch prägenden Musikers, dessen Leben wichtige Kapitel der Zeitgeschichte abdeckt. Beides wird in diesem Buch gewürdigt, wobei das Schwergewicht auf die ersten Jahrzehnte gelegt wird, die der Biograf für ‚wichtiger‘ hält als Armstrongs späteres Leben. Die Faktenfülle ist oft eher erstickend als informativ, und die Darstellung wird beinahe romanhaft inszeniert, während die Sachlichkeit hinterherhinkt: Der Autor hätte sich zum Besseren seines ansonsten lesenswerten Werkes zurückhalten sollen.
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Andrew MacKenzie – Das Haus an der Mündung

Da eine Erpresserbande nicht nur erfolgreich ihre Opfer peinigt, sondern auch die Polizei narrt, bittet der ermittelnde Scotland-Yard-Inspektor einen Kriegskameraden um private Unterstützung, was aufgrund amateurhaften Ungeschicks, misstrauischer Schurken und unverhoffter Liebe für gefährliche Zwischenfällen sorgt … – Erster Band einer (nicht gänzlich zu Unrecht) vergessenen Krimi-Serie, die Rätsel-Elemente mit Action-Einlagen kombiniert aber trotz zahlreicher Routinen und Klischees altmodische Unterhaltung bietet.
Andrew MacKenzie – Das Haus an der Mündung weiterlesen