Alle Beiträge von Michael Drewniok

Stephen Baxter/Alastair Reynolds – Die Medusa-Chroniken

Ein zum Cyborg ‚umgestalteter‘ und unsterblicher Astronaut wird Zeuge eines Jahrtausends zukünftiger Geschichte als Triumphzug spektakulärer astronomischer Entdeckungen aber auch eines Krieges zwischen Menschen und intelligent gewordenen Robotern … – Mit der Novelle von Arthur C. Clarke und diesem SF-Garn gibt es keine echte inhaltliche Verknüpfung. Stattdessen spinnt das Autoren-Duo routiniert aber unterhaltsam eine eigene Story, die episodisch eine Zukunft beleuchtet, in der – in diesem Punkt sehr realistisch – die Menschheit höchstens naturwissenschaftlich und technisch dazulernt: Lesefutter.
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Ben Benson – Anhalten!

Ein Handelsvertreter wurde offensichtlich von einem Anhalter umgebracht. Viele Spuren enden in Sackgassen, bis ein junger Polizeibeamter die widersprüchlichen Indizien zu einem überraschenden Ergebnis bündeln kann … – Früher Krimi des Subgenres „police procedural“. Der nüchtern und spannend geschilderten Ermittlung schadet ein simpel-konservatives Weltbild, das jegliches Abweichen von der gesellschaftlichen Norm zum Schritt ins Verderben stilisiert: trotzdem lesenswert.
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Russell Wangersky – Walt

Walt ist einsam und unscheinbar; seine Zeit vertreibt er sich damit, fremde Frauen zu beobachten. Parallel dazu ermitteln zwei Polizisten im Fall einer verschwundenen Frau. Allmählich deutet sich an, dass Walt nicht so harmlos ist, wie er sich gibt … – Seine Geschichte erzählt Walt selbst: betont nüchtern und emotionslos, wobei sich Brüche ergeben, die einen unheilvollen Subtext hervortreten lassen: ein nur scheinbar ereignisarmer Psychothriller, dessen Spannung der Autor systematisch und sehr geschickt zu schüren versteht.
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James Lee Burke – Straße der Gewalt [Dave Robicheaux 13]

Polizist Robicheaux ermittelt gegen einen Südstaaten-Monarchen, der zur Erhaltung von Reichtum und Macht auch über Leichen geht; diese Dreistigkeit wird erst heimlich und dann offen mit Druck, Drohungen und Gewalt geahndet, während im Hintergrund ein reumütiger Killer mörderisch nach Erlösung sucht … – Der 13. Dave-Robicheaux variiert das typische James-Lee-Burke-Thema vom einsamen Idealisten, der längst verschwundenen Werten nachhängt aber nicht davor zurückschreckt, das Gesetz zu biegen, um ihnen Geltung zu verschaffen: komplex, spannend und sehr stimmungsvoll, obwohl hin und wieder ein wenig zu weltschmerzhaft.
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Michael Crichton – Beute (Prey)

Eigentlich als Wohltäter entwickelte Mini-Maschinen machen sich selbstständig und offenbaren dabei ihre Zweit-Wurzel als Instrumente eines zukünftigen Krieges, der im Mikrokosmos stattfinden soll … – Diese Schauermär wird als „science thriller“ verkauft und ist eine mit Klischees gespickte Variation bekannter Spannungselemente, die vor allem aufgrund der Prominenz ihres Verfassers zum Bestseller hochgehypt werden konnte, der tatsächlich nur Highspeed-Leerlauf bietet. Michael Crichton – Beute (Prey) weiterlesen

Geoffrey Jenkins – Das Logbuch der „Waratah“

1909 verschwand der Großvater, 1967 der Vater, nun geht der Bruder im stürmischen Atlantik vor der südafrikanischen Südspitze verloren: Für Seemann Ian Fairlie wird die Suche nach einem legendären Wrack zum Lebenszweck, von dem er besessen ist, was ihn immer wieder in lebensgefährliche Situationen geraten lässt … – Autor Jenkins versucht fiktiv aber unter Berücksichtigung historischer Fakten die Klärung eines Schiffbruchs, der bis heute ungeklärt blieb. Die ausgezeichnet recherchierte und spannend erzählte Geschichte hakt dort, wo der Verfasser ihr eine „love story“ aufpfropfen will; dennoch überaus lesenswert. Geoffrey Jenkins – Das Logbuch der „Waratah“ weiterlesen

Michael Connelly – Scharfschuss (Harry Bosch 19)

Die Wiederaufnahme eines Mordfalls stört erheblich jene, die einst dafür verantwortlich waren. Zwei hartnäckige Polizisten geraten unter Druck, der sich zur Lebensgefahr steigert, als sie der Wahrheit näherkommen … – Der 19. Band der Harry-Bosch-Reihe bietet weder inhaltlich noch formal Neues, sondern bewährte Krimi-Unterhaltung auf hohem Niveau, wobei im Detail weiterhin Bizarres & Boshaftes zu entdecken ist: Autor Connelly behält sein scharfes Auge für die Grauzonen der US-Gesellschaft.
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Edmund Crispin – Der wandernde Spielzeugladen

Ein Schriftsteller will Urlaub machen. In der Universitätsstadt Oxford stolpert er in dunkler Nacht in einen einsamen Spielzeugladen und darin über eine Leiche. Beide lassen sich am nächsten Tag nicht mehr auffinden. Von der Polizei als Spinner verlacht, wendet sich der Unglückliche an Gervase Fen, Wissenschaftler und Amateurdetektiv … – „Whodunit“-Krimi der klassischen britischen Schule, dargeboten von einem der Könige des Genres; versponnen, witzig, stilsicher, spannend: ein Tritt in die Kniekehlen vieler, vieler Krimi-Schwafler.
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Bella Bathurst – Leuchtfeuer. Die außergewöhnliche Geschichte vom Bau der schottischen Leuchttürme

Im 19. Jh. entwickelt sich die schottische Familie Stevenson zu einer Dynastie, die sich auf den Leuchtturm-Bau spezialisiert. Die Autorin schildert die enormen technischen Herausforderungen, bezieht dabei das historische Umfeld ein und entwirft eine Familiengeschichte, die durch Perfektionsdrang und Patriarchen-Zwang verdunkelt wurde und trotzdem einen Schriftsteller von Weltruf hervorbrachte. Inhalt und Form stehen in perfektem Einklang und sorgen für ein Sachbuch von hoher erzählerischer Qualität. Bella Bathurst – Leuchtfeuer. Die außergewöhnliche Geschichte vom Bau der schottischen Leuchttürme weiterlesen

William Shatner (mit Judith Reeves-Stevens/Garfield Reeves-Stevens) – Das Gespenst (Star Trek)

Weltenretter-Rentner James T. Kirk wird reaktiviert, als das böse Spiegel-Universum die Föderation unterwandert und nach der Macht greift. Zusammen mit alten Freunden und neuen Verbündeten – darunter Jean-Luc Picard – wirft sich Kirk abermals ins Gefecht … – Start einer Trilogie, die in epischer Länge die ‚klassischen‘ Star-Trek-Helden mit der „Next Generation“ mischt und trotz der penetranten Zentralfigur ein richtig spannendes Garn spinnt: So gut KANN „Star Trek“ sein!
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Robert Poe – Rückkehr ins Haus Usher

Ausgerechnet die Nachfahren des im Wahnsinn geendeten Roderick Usher führen ein übel beleumundetes Sanatorium, das ins Visier gieriger Finanzhaie gerät, wie der Amateur-Detektiv John Poe herausfindet, ohne den neuerlichen Untergang des Hauses Usher verhindern zu können … – Ein marginal talentierter Neu-Autor nutzt seine (entfernte) Verwandtschaft zum berühmten Schriftsteller Edgar Allan Poe, um sich an dessen Werk zu vergreifen: zumindest aufgrund der Dreistigkeit des Versuchs und seines Scheiterns interessantes (Mach-) Werk.
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Dennis Wheatley – Der schwarze Pfad

Eine Schriftstellerin, ihr Sohn und ein Geheimdienst-Offizier wollen eine junge Frau retten, die nicht nur von Satanisten entführt werden soll, sondern in den Nachtstunden vom Teufel besessen ist. Quer durch Frankreich bis in die englische Provinz führt die Jagd, an deren Ziel Satan schon ungeduldig mit dem Huf scharrt … – Ebenso klassisch wie trashig rührt Autor Wheatley spannend an, was die Populärkultur in Sachen Schwarzer Magie hergibt. Nicht grundlos (aber grausig schlecht) wurde dieses Garn verfilmt, denn es bietet Action, Archetypen und (sacht anrüchigen) Horror.
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Mark Sinnett – Eiskalt funkelt der Tod

Die Mafia drängt einem Restaurantbesitzer ihre ‚Unterstützung‘ auf. Eine Ablehnung scheint unmöglich. Gleichzeitig forscht ein FBI-Agent besagte Mafiosi aus, denen das nicht entgeht, was eine Kette tödlicher Reaktionen auslöst … – Routiniert geplotteter und geschriebener Thriller, der seine doppelzügige Handlung um Schmuggel und Undercover-Schattenspiele spannend entwickelt und ein angemessen dramatisches Finale findet: Kanada ist in Sachen Krimi definitiv kein Entwicklungsland mehr!
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S. S. Van Dine – Der Mordfall Benson

Als ein reicher Spekulant und Frauenheld ermordet wird, ist aufgrund der Indizien für die Polizei der Fall rasch klar. Feingeist Philo Vance schaltet sich als Hobby-Detektiv ein, hinterfragt die Fakten und stellt klar, dass sie keine Beweise sein müssen, sondern manipuliert sein können … – Der erste Band der Vance-Serie ist hartes Brot für heutige Leser: Unerbittlich langsam entwickelt ein zudem impertinent seine Überlegenheit zelebrierender Detektiv seine Schlussfolgerungen, bis sie endlich in einem „grande finale“ aufgelöst werden: vor allem aus literaturhistorischer Sicht interessanter, auf seine gründliche Art durchaus spannender Rätsel-Krimi. S. S. Van Dine – Der Mordfall Benson weiterlesen

Ben Benson – Gefühl ist unmodern

Ein junger Polizist gerät in das Zentrum einer Mordermittlung, wird das Opfer dienstlicher Intrigen und verliebt sich unglücklich in eine womöglich kriminelle Frau … – Der dritte Roman der Ralph-Lindsey-Serie mischt routiniert Krimi und Drama, ohne letzterem allzu viel Raum zu gewähren. Zwar ist der Plot weder komplex noch originell, doch der nüchtern geschilderte Polizei-Alltag einer vergangenen Ära sorgt für gealterte aber gut lesbar gebliebene Unterhaltung.
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Antonia Hodgson – Der Galgenvogel

Pechvogel Tom Hawkins wird im London des Jahres 1728 erst des Mordes an einem streitsüchtigen Nachbarn bezichtigt, gerät dann in den Bannkreis der intriganten Königin Caroline, bringt einen mächtigen Diebesfürsten gegen sich auf und soll schließlich als unerwünschter Zeuge am Galgen baumeln … – Wie er sich diesem Schicksal nicht nur stellt, sondern trickreich um sein Leben kämpft, schildert Autorin Hodgson dicht, spannend und wendungsreich im zweiten Band ihrer Hawkins-Serie, die abermals ‚historische‘ Stimmung nicht durch Informations-Overkill herbeizwingen will, sondern Fakten handlungsgerichtet einfließen lässt.
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Kurt Singer (Hg.): Horror 3: Klassische und moderne Geschichten aus dem Reich der Dämonen

Acht Gruselgeschichten, die ursprünglich meist in klassischen „Pulp“-Magazinen erschienen und deshalb mehr auf den Knalleffekt als auf Stimmung setzen. Da auch gute Schriftsteller in diesem Metier tätig waren, konnten einige Storys ihren Unterhaltungswert gut konservieren; wirklich schlecht ist keines dieser oft längst vergessenen Geister-Garne.

Inhalt:

– Isaac Asimov u. James McCreagh: Der Gespensterprozeß (Legal Rites, 1950), S. 7-32: Ein bodenständiges Gespenst gedenkt nicht, einem Erbschleicher sein Spukhaus zu überlassen, und zieht gegen ihn vor Gericht.

– Robert Barbour Johnson: Das Leben nach dem Tode des Thaddeus Warde (The Life-After-Death of Mr. Thaddeus Warde, 1964), S. 33-47: Mr. Warde war ein sanftmütiger Zeitgenosse, den erst seine Ermordung in höchsten Zorn versetzt.

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A. D. Garrett – Ihr letzter Blick

Als die Bluttaten eines Killers entdeckt werden, der sich auf Mütter und ihre Kinder ‚spezialisiert‘ hat, kommt ein Team kriminalistischer Spezialisten zusammen, die trotz interner Konflikte und spärlicher Spuren dem Täter nachspürt, während dieser psychopathisch aufblüht und jede Rücksicht fahren lässt … – Auch Band 2 der Fennimore/Simms-Serie ist ein außerordentlich spannender, den „Fall“ und die Ermittlungsarbeit sachkundig ins Zentrum stellender, auf Seifenoper-Elemente verzichtender Kriminalroman: eine Perle im tiefen Taschenbuch-Ozean.
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T. M. Wright – A Manhattan Ghost Story (Horror Movies 1)

Ein psychisch labiler oder besser: empfangsempfindlicher Fotograf plant in New York City ein Buchprojekt. Er lernt eine faszinierende Frau kennen, die allerdings schon tot ist. Diese Beziehung öffnet die Pforte zu einem Zwischenreich, in dem sich Menschen und Geister mischen. Je tiefer der Mann sich dort vorwagt, desto mehr verliert er sich … – Unkonventionelle Mischung aus Grusel- und Liebesgeschichte, wobei der Autor überraschende Schnittstellen herausarbeitet, während er die Realität seiner Hauptfigur zerfallen lässt: kein Roman für die Kopf-ab-Fraktion der Gruselfreunde.
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S. L. Grey – Under Ground

Vor der drohenden Apokalypse flüchtet eine Gruppe betuchter Survivalisten in eine unterirdische Bunkeranlage. Die Anlage ist unfertig, und rasch ist es vorbei mit der ohnehin brüchigen Solidarität. Als ein Mörder umzugehen beginnt, bricht im Bunker ein brutaler Kleinkrieg ohne Rücksicht auf Verluste aus … – Die bekannte Mär von der nicht krisenfesten Zivilisation wird routiniert aber gänzlich ohne Überraschungen erzählt. Für größeren Leser-Unmut sorgen die grob geschnitzten Figuren: Lese-Fastfood im gepimpten Paperback-Format.
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