Alle Beiträge von Michael Drewniok

Ed McBain – Long Dark Night

Zwei unabhängig voneinander ablaufende Mordermittlungen werden zu Irrfahrten durch eine Welt, die von Zufällen mit verhängnisvollen und bizarren Folgen regiert zu werden scheint; im Wissen um die Hoffnungslosigkeit ihres Handelns tun die Beamten ihre Pflicht … – Die mehrfach gegen den Strich gebürstete, überaus verwickelte, aber final sauber aufgelöste Handlung wird sarkastisch und bitterböse präsentiert. Der 48. Roman um das 87. Polizeirevier bietet wieder einmal mehr als unterhaltsame Routinen.
Ed McBain – Long Dark Night weiterlesen

Ed McBain – Polizisten leben gefährlich

In einer US-amerikanischen Großstadt eröffnet ein Mörder die Jagd auf Polizeibeamte, die er aus dem Hinterhalt niederschießt. Unter großem Druck auch der Medien versuchen die Kollegen, den Täter dingfest zu machen, bevor der nächste Cop zu Boden geht … – Schon der erste von insgesamt 55 Romanen um das 87. Revier bietet knappe, spannende, dabei gefühlsduselfreie aber keineswegs emotionslose Krimi-Unterhaltung und verdeutlicht, wieso die ein halbes Jahrhundert fortgesetzte Serie so erfolgreich war: ein moderner Klassiker.
Ed McBain – Polizisten leben gefährlich weiterlesen

Alfred Hitchcock präsentiert: Verrammelt die Türen

Zwar gab Alfred Hitchcock nur seinen werbewirksamen Namen für diese Sammlung her, die nichtsdestotrotz acht klassische Storys bündelt, in denen es manchmal tatsächlich aber meist nur scheinbar übernatürlich umgeht; in der Regel ist es der Mensch selbst, dem das gestörte Hirn Schreckensbilder vorgaukelt, denen fürchterliche Taten folgen: auch ohne Hitchcock-Faktor angenehm gruselige Lektüre.
Alfred Hitchcock präsentiert: Verrammelt die Türen weiterlesen

Greg F. Gifune – Finstere Nacht

Eine kollektive Gedächtnislücke löst sich zum Entsetzen der Betroffenen allmählich auf und enthüllt die Heimsuchung durch Geistwesen, die ihre Opfer als Botschafter des Schreckens missbrauchen, um über sie die Menschheit unter ihre Knute zu zwingen … – Die Invasion aus einer fremden Dimension wird von Greg Gifune wortreich heraufbeschworen; wie bei Stephen King trifft das Grauen ‚normale‘ und von der Situation überforderte Menschen. Allerdings tritt die Story oft auf der Stelle oder schlägt stimmungsfeindlich ins Pseudodramatische um: an sich spannend und gruselig aber eher umständlich als anspruchsvoll.
Greg F. Gifune – Finstere Nacht weiterlesen

Alan Dean Foster – Die Eissegler von Tran-ky-ky (Icerigger 1)

Der Absturz auf einen einsamen Eisplaneten endet für fünf Erdmenschen ausgerechnet zwischen den Fronten zweier verfeindeter Stämme, wo sie sich mit Entschlossenheit und Einfallsreichtum auf die Seite ihrer Retter schlagen, um sich deren Unterstützung für die weite Reise zur rettenden Station am anderen Ende dieser Welt zu verdienen … – Der erste Band der „Eissegler“-Trilogie ist ein seltenes Juwel des Genres: nie als Science-Fiction mit literarischem Anspruch gedacht, liefert es, unverfälschte, rasante Unterhaltung mit lebendigen, liebenswerten Figuren, ohne in den Jahrzehnten seit seiner Entstehung an Frische verloren zu haben.
Alan Dean Foster – Die Eissegler von Tran-ky-ky (Icerigger 1) weiterlesen

Jeremy Robinson – Nemesis

Geheime Forschungen an den Überresten einer außerirdischen Kreatur führen zur Erschaffung eines Mischwesens, das aus dem Labor ausbricht, durch den US-Nordosten tobt und dabei stetig wächst, bis es ganze Städte ausradieren kann … – Eine kleine Gruppe aus dramaturgischen Gründen eigentlich untauglicher aber heldenhafter Retter folgt dem Monster, dessen Untaten detailscharf beschrieben werden: Dies ist pure, klischeegespickte Horror-SF-Action, dessen wendiger Verfasser dem überraschungsfreien Stoff erstaunliche Unterhaltungswerte abringt: Monster- und Lesefutter.
Jeremy Robinson – Nemesis weiterlesen

George P. Pelecanos – Big Blowdown

Kurz nach dem II. Weltkrieg legt sich ein Mitglied der griechischen Gemeinde von Washington mit der örtlichen Mafia an. Als auch ein Freund bedroht wird, schlägt er sich auf dessen Seite. Der Konflikt eskaliert zum finalen Showdown mit beachtlichem Bodycount … – Thriller-Drama in ausgezeichnet recherchiertem historischen Umfeld; die Stimmung ist düster, der Handlungsverlauf konsequent und spannend: ein moderner Klassiker.
George P. Pelecanos – Big Blowdown weiterlesen

Stephen Baxter/Alastair Reynolds – Die Medusa-Chroniken

Ein zum Cyborg ‚umgestalteter‘ und unsterblicher Astronaut wird Zeuge eines Jahrtausends zukünftiger Geschichte als Triumphzug spektakulärer astronomischer Entdeckungen aber auch eines Krieges zwischen Menschen und intelligent gewordenen Robotern … – Mit der Novelle von Arthur C. Clarke und diesem SF-Garn gibt es keine echte inhaltliche Verknüpfung. Stattdessen spinnt das Autoren-Duo routiniert aber unterhaltsam eine eigene Story, die episodisch eine Zukunft beleuchtet, in der – in diesem Punkt sehr realistisch – die Menschheit höchstens naturwissenschaftlich und technisch dazulernt: Lesefutter.
Stephen Baxter/Alastair Reynolds – Die Medusa-Chroniken weiterlesen

Ben Benson – Anhalten!

Ein Handelsvertreter wurde offensichtlich von einem Anhalter umgebracht. Viele Spuren enden in Sackgassen, bis ein junger Polizeibeamter die widersprüchlichen Indizien zu einem überraschenden Ergebnis bündeln kann … – Früher Krimi des Subgenres „police procedural“. Der nüchtern und spannend geschilderten Ermittlung schadet ein simpel-konservatives Weltbild, das jegliches Abweichen von der gesellschaftlichen Norm zum Schritt ins Verderben stilisiert: trotzdem lesenswert.
Ben Benson – Anhalten! weiterlesen

Russell Wangersky – Walt

Walt ist einsam und unscheinbar; seine Zeit vertreibt er sich damit, fremde Frauen zu beobachten. Parallel dazu ermitteln zwei Polizisten im Fall einer verschwundenen Frau. Allmählich deutet sich an, dass Walt nicht so harmlos ist, wie er sich gibt … – Seine Geschichte erzählt Walt selbst: betont nüchtern und emotionslos, wobei sich Brüche ergeben, die einen unheilvollen Subtext hervortreten lassen: ein nur scheinbar ereignisarmer Psychothriller, dessen Spannung der Autor systematisch und sehr geschickt zu schüren versteht.
Russell Wangersky – Walt weiterlesen

James Lee Burke – Straße der Gewalt [Dave Robicheaux 13]

Polizist Robicheaux ermittelt gegen einen Südstaaten-Monarchen, der zur Erhaltung von Reichtum und Macht auch über Leichen geht; diese Dreistigkeit wird erst heimlich und dann offen mit Druck, Drohungen und Gewalt geahndet, während im Hintergrund ein reumütiger Killer mörderisch nach Erlösung sucht … – Der 13. Dave-Robicheaux variiert das typische James-Lee-Burke-Thema vom einsamen Idealisten, der längst verschwundenen Werten nachhängt aber nicht davor zurückschreckt, das Gesetz zu biegen, um ihnen Geltung zu verschaffen: komplex, spannend und sehr stimmungsvoll, obwohl hin und wieder ein wenig zu weltschmerzhaft.
James Lee Burke – Straße der Gewalt [Dave Robicheaux 13] weiterlesen

Michael Crichton – Beute (Prey)

Eigentlich als Wohltäter entwickelte Mini-Maschinen machen sich selbstständig und offenbaren dabei ihre Zweit-Wurzel als Instrumente eines zukünftigen Krieges, der im Mikrokosmos stattfinden soll … – Diese Schauermär wird als „science thriller“ verkauft und ist eine mit Klischees gespickte Variation bekannter Spannungselemente, die vor allem aufgrund der Prominenz ihres Verfassers zum Bestseller hochgehypt werden konnte, der tatsächlich nur Highspeed-Leerlauf bietet. Michael Crichton – Beute (Prey) weiterlesen

Geoffrey Jenkins – Das Logbuch der „Waratah“

1909 verschwand der Großvater, 1967 der Vater, nun geht der Bruder im stürmischen Atlantik vor der südafrikanischen Südspitze verloren: Für Seemann Ian Fairlie wird die Suche nach einem legendären Wrack zum Lebenszweck, von dem er besessen ist, was ihn immer wieder in lebensgefährliche Situationen geraten lässt … – Autor Jenkins versucht fiktiv aber unter Berücksichtigung historischer Fakten die Klärung eines Schiffbruchs, der bis heute ungeklärt blieb. Die ausgezeichnet recherchierte und spannend erzählte Geschichte hakt dort, wo der Verfasser ihr eine „love story“ aufpfropfen will; dennoch überaus lesenswert. Geoffrey Jenkins – Das Logbuch der „Waratah“ weiterlesen

Michael Connelly – Scharfschuss (Harry Bosch 19)

Die Wiederaufnahme eines Mordfalls stört erheblich jene, die einst dafür verantwortlich waren. Zwei hartnäckige Polizisten geraten unter Druck, der sich zur Lebensgefahr steigert, als sie der Wahrheit näherkommen … – Der 19. Band der Harry-Bosch-Reihe bietet weder inhaltlich noch formal Neues, sondern bewährte Krimi-Unterhaltung auf hohem Niveau, wobei im Detail weiterhin Bizarres & Boshaftes zu entdecken ist: Autor Connelly behält sein scharfes Auge für die Grauzonen der US-Gesellschaft.
Michael Connelly – Scharfschuss (Harry Bosch 19) weiterlesen

Edmund Crispin – Der wandernde Spielzeugladen

Ein Schriftsteller will Urlaub machen. In der Universitätsstadt Oxford stolpert er in dunkler Nacht in einen einsamen Spielzeugladen und darin über eine Leiche. Beide lassen sich am nächsten Tag nicht mehr auffinden. Von der Polizei als Spinner verlacht, wendet sich der Unglückliche an Gervase Fen, Wissenschaftler und Amateurdetektiv … – „Whodunit“-Krimi der klassischen britischen Schule, dargeboten von einem der Könige des Genres; versponnen, witzig, stilsicher, spannend: ein Tritt in die Kniekehlen vieler, vieler Krimi-Schwafler.
Edmund Crispin – Der wandernde Spielzeugladen weiterlesen

Bella Bathurst – Leuchtfeuer. Die außergewöhnliche Geschichte vom Bau der schottischen Leuchttürme

Im 19. Jh. entwickelt sich die schottische Familie Stevenson zu einer Dynastie, die sich auf den Leuchtturm-Bau spezialisiert. Die Autorin schildert die enormen technischen Herausforderungen, bezieht dabei das historische Umfeld ein und entwirft eine Familiengeschichte, die durch Perfektionsdrang und Patriarchen-Zwang verdunkelt wurde und trotzdem einen Schriftsteller von Weltruf hervorbrachte. Inhalt und Form stehen in perfektem Einklang und sorgen für ein Sachbuch von hoher erzählerischer Qualität. Bella Bathurst – Leuchtfeuer. Die außergewöhnliche Geschichte vom Bau der schottischen Leuchttürme weiterlesen

William Shatner (mit Judith Reeves-Stevens/Garfield Reeves-Stevens) – Das Gespenst (Star Trek)

Weltenretter-Rentner James T. Kirk wird reaktiviert, als das böse Spiegel-Universum die Föderation unterwandert und nach der Macht greift. Zusammen mit alten Freunden und neuen Verbündeten – darunter Jean-Luc Picard – wirft sich Kirk abermals ins Gefecht … – Start einer Trilogie, die in epischer Länge die ‚klassischen‘ Star-Trek-Helden mit der „Next Generation“ mischt und trotz der penetranten Zentralfigur ein richtig spannendes Garn spinnt: So gut KANN „Star Trek“ sein!
William Shatner (mit Judith Reeves-Stevens/Garfield Reeves-Stevens) – Das Gespenst (Star Trek) weiterlesen

Robert Poe – Rückkehr ins Haus Usher

Ausgerechnet die Nachfahren des im Wahnsinn geendeten Roderick Usher führen ein übel beleumundetes Sanatorium, das ins Visier gieriger Finanzhaie gerät, wie der Amateur-Detektiv John Poe herausfindet, ohne den neuerlichen Untergang des Hauses Usher verhindern zu können … – Ein marginal talentierter Neu-Autor nutzt seine (entfernte) Verwandtschaft zum berühmten Schriftsteller Edgar Allan Poe, um sich an dessen Werk zu vergreifen: zumindest aufgrund der Dreistigkeit des Versuchs und seines Scheiterns interessantes (Mach-) Werk.
Robert Poe – Rückkehr ins Haus Usher weiterlesen

Dennis Wheatley – Der schwarze Pfad

Eine Schriftstellerin, ihr Sohn und ein Geheimdienst-Offizier wollen eine junge Frau retten, die nicht nur von Satanisten entführt werden soll, sondern in den Nachtstunden vom Teufel besessen ist. Quer durch Frankreich bis in die englische Provinz führt die Jagd, an deren Ziel Satan schon ungeduldig mit dem Huf scharrt … – Ebenso klassisch wie trashig rührt Autor Wheatley spannend an, was die Populärkultur in Sachen Schwarzer Magie hergibt. Nicht grundlos (aber grausig schlecht) wurde dieses Garn verfilmt, denn es bietet Action, Archetypen und (sacht anrüchigen) Horror.
Dennis Wheatley – Der schwarze Pfad weiterlesen

Mark Sinnett – Eiskalt funkelt der Tod

Die Mafia drängt einem Restaurantbesitzer ihre ‚Unterstützung‘ auf. Eine Ablehnung scheint unmöglich. Gleichzeitig forscht ein FBI-Agent besagte Mafiosi aus, denen das nicht entgeht, was eine Kette tödlicher Reaktionen auslöst … – Routiniert geplotteter und geschriebener Thriller, der seine doppelzügige Handlung um Schmuggel und Undercover-Schattenspiele spannend entwickelt und ein angemessen dramatisches Finale findet: Kanada ist in Sachen Krimi definitiv kein Entwicklungsland mehr!
Mark Sinnett – Eiskalt funkelt der Tod weiterlesen