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Carol O‘Connell – Es geschah im Dunkeln (Mallory 11)

In einem Broadway-Theater sorgt erst ein „Ghostwriter“ für Verwirrung und Verdruss, bevor er den eigentlichen Autor des gespielten Stückes umbringt. Weitere Versuche, es trotzdem aufzuführen, führen zu neuen Leichen … – Ihr 11. Fall führt die ebenso geniale wie soziopathische Polizistin Mallory in eine Welt der professionellen Täuschung, die sich als mörderische Spiegelung einer alten Bluttat erweist: Der verwickelte Plot ächzt spürbar unter der Last originell und schräg gemeinter Einfälle, dennoch bringt die Autorin ihr Werk routiniert über die Runden.
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[NEWS] Carol O’Connell – Es geschah im Dunkeln (Mallory 11)

Etwas ist faul in diesem Theater am New Yorker Broadway. Erst gruselt sich eine Zuschauerin bei einer Premiere im Saal zu Tode, dann wird der Autor des Stückes in der ersten Reihe umgebracht. »Zum Sterben schön« titelt die Presse über das Stück, doch zum Lachen ist niemandem zumute. Hinter den Kulissen trifft Detective Mallory auf geballtes Zwielicht: einen abgehalfterten Hollywoodstar, eine Hauptdarstellerin auf Koks, ein ziemlich unheimliches Zwillingspaar und einen Ghostwriter, der im Verborgenen die Strippen zieht. Was ist Wahrheit, was Fiktion? Kaum beginnt Mallory zu ahnen, dass das Massaker, um das es in dem Stück geht, gar nicht mal so ausgedacht sein könnte, da scheint auch ihr eine Rolle in dem Drama zugedacht – als die nächste Tote. (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 478 Seiten
Originaltitel: It Happens in the Dark
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Carol O‘Connell – Tödliche Geschenke

Als der vor Jahren verschollene jüngere Sohn knochenstückweise auf der Veranda des Elternhauses auftaucht, versucht sein Bruder die Lösung des makabren Rätsels und lüftet dabei gleich mehrere sorgfältig vertuschte Familien- und Ortsgeheimnisse … – Mit dem üblichen Sinn für das Absurde entwirft die Autorin ein klassisches Krimi-Rätsel, das nach vielversprechendem Auftakt zähflüssig wird und bis ins theatralische Finale bleibt: Jenseits ihrer „Mallory“-Serie liefert O‘Connell hier nur Durchschnitt ab.
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James Hamilton-Paterson – Drei Meilen tief

1995 scheitert eine Schatzsuche auf hoher See. Ein teilnehmender Schriftsteller interessiert sich mehr für die Menschen an Bord des Schiffes, das er als Mikrokosmos der damaligen Zeit darstellt: das fesselnde, klug interpretierende Buch eines Mannes, der hinter die Kulissen blickt und gleichzeitig sachlich und poetisch darüber berichtet und erzählt.
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David Liss – Die Papierverschwörung

Im London des Jahres 1719 gerät ein Privatermittler ins Getriebe einer Verschwörung, deren Mitglieder sich finanziell bereichern und die politische Macht an sich ziehen wollen; Mitwisser sind unerwünscht und wurden bisher erfolgreich ausgeschaltet … – Auf realhistorischem Fundament gründet Autor Liss einen trotz des Titels niemals trockenen, sondern schlüssigen und spannenden Historienthriller mit gut gezeichneten Figuren: zeitloses Lesefutter.

Das geschieht:

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Mattias Boström – Von Mr. Holmes zu Sherlock. Meisterdetektiv. Mythos. Medienstar

Mit der Biografie des Arztes und Schriftstellers Arthur Conan Doyle beginnt der Autor seine Geschichte von Sherlock Holmes, der von einer Literaturfigur zu einer multimedialen Weltmacht und einem globalen Kult mutierte, sich dabei stetig weiterentwickelte und weiterhin neu erfunden wird … – (Manchmal allzu) detailverliebte, vor allem die Jahre bis ca. 1970 sehr ausführlich behandelnde, später abflachende und ausfasernde Darstellung, die leider auf Bilder fast völlig verzichtet; dennoch ein ebenso informatives wie unterhaltsames Buch.
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Joel F. Harrington – Die Ehre des Scharfrichters

Das geschieht:

Frantz Schmidt (1554-1634) wurde 1578 Henker der Reichsstadt Nürnberg. Schon seit dem 19. Lebensjahr hatte er sein schauriges Gewerbe vom Vater gelernt, der in Bamberg Todesurteile vollstreckte. Einige Lehr- und Wanderjahre schlossen sich an, bis „Meister Frantz“ in Nürnberg Fuß fasste und es dort zu einem Vermögen aber nicht zu Ansehen brachte: Henker galten als zwar notwendige und nützliche aber ansonsten unheimliche und ehrlose Zeitgenossen, mit denen der ‚anständige‘ Bürger nichts zu tun haben wollte. Joel F. Harrington – Die Ehre des Scharfrichters weiterlesen

Carol O‘Connell – Kreidemädchen [Mallory 10]

Bizarre Morde in New York City erregen die Aufmerksamkeit der soziopathischen Polizistin Mallory; ihre Ermittlungen drohen ein Komplott aufzudecken, was gewissenlose High-Society-Prominente und korrupte Amtsträger unbedingt verhindern wollen … – Nach fünfjähriger Pause führt Autorin O’Connell die „Mallory“-Serie mit Band 10 fort; ihr gelang abermals ein brutaler aber spannender, mit überraschenden Wendungen und grotesken Details gespickter Thriller: empfehlenswert.
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[NEWS] Melanie Raabe – Die Falle

Sie stellt ihm eine Falle. Aber ist er wirklich ein Mörder?

Die bekannte Romanautorin Linda Conrads, 38, ist ihren Fans und der Presse ein Rätsel. Seit gut elf Jahren hat sie keinen Fuß mehr über die Schwelle ihrer Villa am Starnberger See gesetzt. Trotz ihrer Probleme ist Linda höchst erfolgreich. Dass sie darüber hinaus eine schreckliche Erinnerung aus der Vergangenheit quält, wissen nur wenige. Vor vielen Jahren hat Linda ihre jüngere Schwester Anna in einem Blutbad vorgefunden – und den Mörder flüchten sehen. Das Gesicht des Mörders verfolgt sie bis in ihre Träume. Deshalb ist es ein ungeheurer Schock für sie, als sie genau dieses Gesicht eines Tages über ihren Fernseher flimmern sieht. Grund genug für Linda, einen perfiden Plan zu schmieden – sie wird den vermeintlichen Mörder in eine Falle locken. Doch was ist damals in der Tatnacht tatsächlich passiert? (Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
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Bruce Alexander – Von unbekannter Hand

Alexander Fielding04 Unbekannte Hand Cover kleinDas geschieht:

London im Jahre 1770: Das Waisenkind Jeremy Proctor steht seit zwei Jahren im Dienste Sir John Fieldings, Richter am Gericht in der Bow Street und Chef der Bow Street Runners, der ersten regulären Polizeitruppe der Stadt. Der Fünfzehnjährige hat ein Glückslos gezogen, denn Fielding ist ein gütiger Mann, der darüber hinaus seinem Mündel eine ordentliche Erziehung und Ausbildung angedeihen lässt. Mehr noch: Jeremy wird zum Vertrauten des Richters, zu seiner rechten Hand: Sir John Fielding ist blind.

Mit seiner Behinderung hat Fielding sich arrangiert. Sein Scharfsinn und seine Energie haben ihn in die hohe Stellung gebracht. Er erfreut sich eines ausgezeichneten Rufes und eines Ansehens, das alle gesellschaftlichen Schichten einschließt. Bahnbrechend sind für die noch junge Polizei Londons Fieldings ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden. Sammle aufmerksam alle Spuren und Indizien und schließe dann – und nur dann – auf den Hergang eines Verbrechens und womöglich auf den Täter: Das ist die Maxime des blinden Richters, der gern auch persönlich einen Tatort in Augenschein nimmt bzw. nehmen lässt, denn der junge Jeremy ersetzt seinem Mentor Augen und manchmal auch Ohren und entwickelt sich dabei selbst zu einem gewieften Kriminologen.

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Carol O’Connell – Such mich! [Mallory 9]

Die gefühlskalte Polizistin Mallory stößt auf der Suche nach ihrem vor Jahren verschwundenen Vater auf die Spur eines Serienkillers, der seine Opfer auf dem Highways findet; womöglich sind Vater und Killer identisch … – Der neunte Band der Mallory-Serie kombiniert noch intensiver als sonst Krimi mit Mystik; das hohe Tempo gibt die legendäre Route 66 vor, auf dem der Killer, Mallory, die Polizei und das FBI Katz & Maus mit ständig wechselnden Rollen spielen: ein spannendes Buch.
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Monica Kristensen – Suche

Das geschieht:

Longyearbyen ist die Hauptstadt von Spitzbergen. Die zu Norwegen gehörende Insel am Rand des Arktischen Ozeans birgt reiche Kohlevorkommen, weshalb hier trotz des rauen Klimas – der Nordpol liegt nur noch 1000 km entfernt – intensiv Bergbau betrieben wird.

Die „Store Norsk Spitsbergen Kulkompani“ ist der größte und praktisch einzige Arbeitgeber vor Ort. Um Kumpel und Ingenieure in den hohen Norden zu locken, zahlt die Gesellschaft gute Löhne und lockt mit Sonderleistungen. Außerdem schaut man nicht so genau auf frühere Verfehlungen, weshalb Longyearbyen beliebt bei denen ist, die einen Neuanfang suchen. Zu ihnen gehört der Ingenieur Steinar Olsen, der jedoch weiterhin an der Flasche hängt, weshalb Gattin Tone droht, ihn mit der fünfjährigen Tochter Ella zu verlassen.

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Frank Tallis – Kopflos

tallis-liebermann04-kopflos-cover-kleinIm Wien des Jahres 1903 reißt ein mysteriöser Mörder seinen Opfern buchstäblich die Köpfe ab. Während allerlei Interessengruppen die Bluttaten propagandistisch missbrauchen, bemühen sich ein Polizeibeamter und ein Arzt, den Täter zu stoppen, bevor Panik und Pogrome ausbrechen … – Auch im vierten Band seiner Liebermann-Serie erzählt Autor Tallis von einem rätselhaften Kriminalfall, wobei ihm dessen Einbettung in die zeitgenössischen politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten mindestens ebenso wichtig sind: guter aber überfrachteter Historienkrimi.
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Carol O’Connell – Ein Ort zum Sterben [Mallory 1]

Der Mord an ihrem Stiefvater führt eine junge, schwer verhaltensgestörte aber ungemein fähige Polizistin auf einen unerbittlichen Rachefeldzug, der sie außerdem auf die Spur eines uralten Komplotts bringt … – Der erste Band der Mallory-Serie beeindruckt nicht nur durch seinen raffinierten Plot, sondern auch durch die Wucht einer außergewöhnlichen Hauptfigur, die fern bekannter Klischees agiert: ein bemerkenswerter Roman!
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Carol O’Connell – Der Mann, der die Frauen belog [Mallory 2]

Um einen Frauenmörder zu entlarven, mietet sich Polizistin Mallory inkognito in ein nobles Mietshaus ein. Unter den nur oberflächlich vornehmen Mietern lauert der Mörder auf seine Chance, die ihm Mallory nur scheinbar bieten will … – Dem zweiten Band der „Mallory“-Serie fehlt der Überraschungseffekt dieser gänzlich unzugänglichen Figur, aber Plot und Story sorgen zuverlässig für überdurchschnittliche Unterhaltung.
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Tim Binding – Inselwahn

Das geschieht:

Etwa auf halber Strecke zwischen der englischen Hauptinsel und dem kontinentalen Frankreich liegt dort, wo sich der Ärmelkanal zum Atlantik weitet, die Insel Guernsey. Zwar mit der britischen Krone verbunden aber politisch nicht Teil Großbritanniens, hat sich hier ein eigenwilliger Menschenschlag angesiedelt, der gern unter sich bleibt. Die Außenwelt erreichte Guernsey lange höchstens in Gestalt der Touristen, bis im Sommer 1940 nazideutsche Truppen die Insel stürmen.

Seit drei Jahre halten die Deutschen Guernsey nunmehr besetzt. Weiter ist die Eroberung der britischen Inseln allerdings nicht gediehen, denn das Kriegsglück begann sich gegen die Deutschen zu wenden. Auf Guernsey ist davon jedoch nichts zu spüren. Im Gegenteil: Hitler ist mehr denn je vom „Inselwahn“ besessen und lässt die Insel zur Festung gegen die Alliierten und zum Brückenkopf für eine Invasion Englands ausbauen. Tim Binding – Inselwahn weiterlesen

Miles Harvey – Gestohlene Welten. Eine Kriminalgeschichte der Kartographie

Landkarten waren und sind mehr als simple Wegweiser. Um das in ihnen fixierte Wissen entbrannten früher regelrechte Kriege. Heute sind alte Karten wertvolle Dokumente und begehrtes Diebesgut, das oft viel zu nachlässig geschützt wird … – Ein nur scheinbar papiertrockenes Thema der Historie wird kundig und spannend erläutert. Leider lassen die Abbildungen zu wünschen übrig, und der Autor wird ein wenig esoterisch; trotzdem ein Lern- und Lesevergnügen.
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Luciano Mecacci – Der Fall Marilyn Monroe und andere Desaster der Psychoanalyse

Sie gehört noch zu den vergleichsweise jungen Wissenschaften – und nicht wenige Kritiker zweifeln, ob sie sich überhaupt als solche bezeichnen darf: die Psychoanalyse, deren Vertreter davon ausgehen, dass das menschliche Hirn unerfreuliche Erlebnisse und Erfahrungen quasi „verschlüsselt“, um sich so vor größerem Leid zu schützen. Eine ausgiebige Analyse durch den Fachmann soll das Unterbewusste ans Licht bringen und den Betroffenen zur (Selbst-)Erkenntnis befähigen, wodurch seiner Störung oder Krankheit die „Lebensgrundlage“ genommen wird. (Dies ist hier natürlich überaus laienhaft und arg verkürzt ausgedrückt.)

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Simon Winchester – Krakatau. Der Tag, an dem die Welt zerbrach

Inhalt:

Der 27. August 1883 ist ein Tag, den nicht nur Augenzeugen nie vergessen werden. Krakatau ist ein unbedeutendes Eiland in der ostindischen oder besser indonesischen Inselwelt zwischen Sumatra und Java. Batavia, die koloniale Handelsmetropole, liegt zwar nur einige Schiffsstunden entfernt an der javanischen Nordküste, aber auch dort hat seit jeher kaum jemand einen Gedanken an die von sich hin rumpelnde Vulkaninsel verschwendet. Hier und da hat die Erde in den letzten Monaten zwar gezittert, aber was soll schon geschehen? Die geschäftigen und geschäftstüchtigen niederländischen Kolonialherren haben Ostindien fest im Griff und sonnen sich im Glanz ihrer politischen, wirtschaftlichen und (angeblich) kulturellen Überlegenheit.

Tief unter der Erdoberfläche staut sich seit geraumer Zeit ein Gemisch aus heißem Gas und Magma an, das keinen Raum zum Entweichen findet. Als die Erdkruste dem Druck nicht mehr standhalten kann, kommt es zur Katastrophe: Krakatau, eine Insel von 130 qm Größe, fliegt in die Luft, wird in Myriaden kleiner Stücke zerrissen. Der Knall ist noch 4700 Kilometer entfernt vernehmbar. Die Druckwelle rast siebenmal um den Erdball. Das Wasser des Ozeans türmt sich zu mörderischen Wasserwänden auf, die den indonesischen Archipel heimsuchen und ganze Inseln tier- und menschenleer spülen. 36000 unglückliche Insulaner verlieren ihr Leben. Das Klima der gesamten Erde wird auf Monate in Mitleidenschaft gezogen. Knapp 40 km hoch hat der sterbende Vulkan Asche, Staub und Steine geschleudert. Gigantische Wolken werden über den halben Globus getrieben, sorgen für einen quasi atomaren Winter und spektakuläre Sonnenuntergänge. Simon Winchester – Krakatau. Der Tag, an dem die Welt zerbrach weiterlesen

Bruce Alexander – Wer die Wahrheit kennt

Das geschieht:

London 1772: Die Reichen & Mächtigen zittern, denn eine Rotte ruchloser Räuber erdreistet sich, sie in ihren feudalen Stadtsitzen zu überfallen und auszurauben. Die Bande ist gut organisiert, geht professionell und schwer bewaffnet zu Werke und schreckt vor Gewalt nicht zurück. Wütende VIPs, verängstigte Bedienstete und leere Schmuckschatullen bleiben zurück, wenn die Schurken das Feld räumen – und dieses Mal eine Leiche: Im Haus von Lord Lilley of Perth haben die Schurken einen Hausdiener erschossen, der ihnen in die Quere kam.

Der Fall geht an Sir John Fielding, Richter am Gericht in der Bow Street und Chef der Bow Street Runners, der ersten regulären Polizeitruppe der Stadt. Obwohl er sein Augenlicht verloren hat, ist Fielding ein begnadeter Kriminalist, der sich höchst fortschrittlicher Methoden bedient. An den Tatorten führt er gern selbst die ersten Verhöre und lässt sich bei der Indiziensicherung von Jeremy Proctor, seinem jungen Assistenten und Leibwächter, zur Hand gehen.

Viel hat das Personal in Lord Lilleys Haus nicht zur Lösung des Falls beizutragen. Allen ist allerdings aufgefallen, dass die Räuber von schwarzer Hautfarbe waren – eine bemerkenswerte Tatsache in einer Zeit, da den Farbigen in der englischen Gesellschaft höchstens die Rolle unterwürfiger und exotischer Diener vorbehalten ist. Hier gehen offensichtlich nicht vom britischen Herrenvolk beeindruckte und deshalb doppelt gefährliche Männer ihrem verbrecherischen Metier nach.

Schwarze Männer attackieren weiße Herren! Das sorgt für Aufregung in London, was vielen unglückseligen Dienern aus Afrika oder aus den amerikanischen Kolonien unerfreuliche Aufmerksamkeit beschert. Aber ist etwa genau das die Absicht der Räuber? Sind die Verbrecher wirklich farbig, oder geben sie dies der Ablenkung wegen nur vor? Diese Fragen stellt sich Richter Fielding, nachdem ein Attentat auf ihn verübt wurde, das ihn allerdings nicht von weiteren Ermittlungen abhält. Dies missfällt seinen Kontrahenten – mit den zu erwartenden lebensbedrohlichen Folgen …

Die Angst des Herrn vor seinem Sklaven

Dass sich pöbelhaftes Diebespack am Eigentum der von GOTT dem HERRN begünstigten Oberschicht vergreift, ist schon ein starkes Stück, das allein in diesem Jahr 1772 die Schuldigen unverzüglich an den Galgen bringen würde. Aber dass hinter den Überfällen womöglich farbige Menschen zweiter Klasse stehen, gibt den Ereignissen eine ganz andere Dimension: Schwarze Männer sind zum Gehorchen und Arbeiten unter der weisen Führung weißer Herren auf dieser Welt! Ein Verstoß gegen diese Regel ist geradezu eine Todsünde. Vor allem rüttelt es an politischen und gesellschaftlichen Grundfesten und kann daher keinesfalls geduldet werden.

Ohnehin wirft die Anwesenheit schwarzen Mitbürger in England ein diffiziles juristisches Problem auf: Kluge und der Gerechtigkeit verpflichtete Männer stellen die Frage, wieso es möglich sein kann, dass die Sklaverei auf der Insel selbst verboten ist, während in den Kolonien, die denselben Gesetzen unterstehen wie das Mutterland, Menschen ge- und verkauft werden können. Jene, die davon profitieren, sind selbstverständlich nicht an einer Änderung des status quo interessiert und gern bereit, gegen gefühlsduselige = geschäftsschädliche Philanthropen vorzugehen.

So kämpft Sir John Fielding in seinem aktuellen Abenteuer gleich gegen zwei Feinde. Die Entlarvung der Räuber verursacht ihm dabei nicht halb so viel Kopfweh wie die „Hängt-sie-vorsichtshalber-alle-auf!”-Stimmung, die sich in London breitzumachen beginnt. Viele unschuldige schwarze Menschen geraten in Gefahr. Auf Fürsprecher können sie kaum hoffen, auf Schutz noch weniger.

Die Angst des Bürgers vor seiner Polizei

Denn wir befinden uns hier in einer Zeit, und einer Stadt, in der es geradezu eine Beleidigung ist, „Polizist“ genannt zu werden. Der typische „Bow Street Runner“ klärt ein Verbrechen höchstens, wenn es unter seinen Augen geschieht, und selbst dann in der Regel unter Einsatz seines Knüppels. „Deduktion“ ist ein Fremdwort, eine Ermittlung anhand von Indizien gilt beinahe als Zauberei. Das Mittelalter ist dem London von 1772 immer noch näher als die Moderne. Seit dem Großen Brand von 1666 ist schon wieder ein Jahrhundert verstrichen, das nicht dem Fortschritt der desolaten Gesellschaftsordnung gewidmet wurde. Es gibt kein soziales Netz, das Gesetz basiert eher auf Rache als auf Gerechtigkeit und ist ganz sicher auf jenem Auge blind, das sich auf die Unterprivilegierten richtet.

Sind dem Leser solche Fakten bewusst, gewinnt die an sich wenig originelle Handlung eigenen Qualitäten. Andere Zeiten, andere Sitten: Bruce Alexander führt es uns plastisch vor Augen, weil er es selbstverständlich in seine Geschichte eingehen lässt. Ein bisschen didaktisch geht er dabei manchmal vor, aber anschließend hat man begriffen, was London in ein Pulverfass verwandelt.

Sehr erfreulich ist Alexanders Verzicht auf jene offensive Entrüstung – „Nein, wie ungerecht!“ -, wie sie z. B. Anne Perry zum Stilmittel erhebt bzw. missbraucht. Man kann und darf die Menschen einer vergangenen Epoche nur bedingt nach den moralischen Standards der Gegenwart beurteilen; sie wussten es bis zu einem gewissen Grad tatsächlich nicht besser.

Geschichte ohne genaue Zielrichtung

Schade nur, dass die vielversprechenden Elemente dieses Romans sich nur mühsam zu einer schlüssigen Handlung fügen wollen. Über mehr als vierhundert Seiten erstreckt sie sich, doch der Leser fragt sich bald nach dem Grund, denn die meiste Zeit beschreibt der Verfasser, wie Jung Jeremy von Ort zu Ort läuft, um des Richters kryptischen Anweisungen Folge zu leisten.

Es geht kaum voran mit der Kriminalgeschichte, die durch historische Anekdoten und behagliche Beschreibungen des städtischen Alltags keinesfalls ersetzt werden kann. Die Kriminalistik ist ein mühsames Geschäft voller Sackgassen und Irrtümer. Fatal ist nur, dass man Autor Alexander nicht abnimmt, dass er genau diese Mühsal darstellen wollte.

Stattdessen scheint er selbst nicht recht zu wissen, was er eigentlich erzählen möchte. So schindet er Zeit und füllt viele Seiten mit unnötigem und nicht einmal interessantem Geplänkel. Statisch mäandert die Handlung bis zum angestrengt wirkenden Finale umher. Man liest manchmal gespannt, aber man fiebert niemals mit. Ohnehin legt Alexander keine Indizien, sondern eher Fußangeln aus, sodass man schon allzu früh weiß, wohin der Hase laufen wird. Überraschungen bleiben erwartungsgemäß aus.

Der Mann vor Sherlock Holmes

John Fielding ist eine historische Gestalt. Ob er im Winter des Jahres 1721 schon blind geboren wurde oder sein Augenlicht erst später verlor, weiß man nicht. Fest steht, dass Fielding in der historischen Kriminologie eine prominente Stellung einnimmt, auch wenn er heute meist im Schatten seines als Schriftsteller berühmter gewordenen Halbbruders Henry – sein „Tom Jones“ ist ein unsterblicher Klassiker des Schelmen- und Gesellschaftsromans – steht.

John begann seine Laufbahn als Assistent des Bruders Henry begann ab 1748 als Friedensrichter und später als Ratsherr damit, der kaum strukturierten Ordnungsmacht seiner Heimatstadt eine solide Basis und Durchsetzungskraft zu verschaffen. Ab 1750 schufen die Brüder gemeinsam die erste echte Polizeiorganisation: die Bow Street Runners. Während es bisher nur Stadtwächter gegeben hatte, schickten die Fieldings die Runners auf die Straße – daher der Name. Sie ‚erfanden‘ den Steckbrief, führten – für die damalige Kopf-ab-Mentalität sensationell – eine Kronzeugenregelung für überführte Verbrecher ein und machten sich für eine Liberalisierung der Gesetze für jugendliche Straftäter stark. Als Henry Fielding 1754 starb, rückte John an seine Stelle und setzte das begonnene Werk trotz seiner Behinderung mit Erfolg fort. 1761 wurde er geadelt; zwanzig Jahre später starb er. Unter seinem Spitznamen „The Blind Beak“ war er längst zu einer legendären Gestalt geworden.

Bruce Alexander macht aus ihm eine Art Sherlock Holmes, setzt seiner ansonsten möglicherweise gar zu offensichtlichen Genialität aber eine Grenze, indem er ihn mit einem Gebrechen schlägt. Das ermöglicht ihm die Einführung einer zweiten Hauptfigur. Jeremy Proctor ist Fieldings Watson, der in Vertretung des Lesers die dummen Fragen stellt, um seinen Herrn in besseres Licht zu setzen. Zudem ist Jeremy jung, neugierig und beweglich, was es Alexander ermöglicht, ihn wie eine Schachfigur durch London springen zu lassen.

Dünnblütige Figuren vor saftiger Kulisse

Jeremy ist ein Kind seiner wenig mitleidvollen Zeit – eine Waise, die das Glück hatte, Sir Johns Aufmerksamkeit zu erregen. Der ist nun Vaterfigur und Lehrer in Personalunion. Die Fielding-Romane schildern auch Jeremys Weg zum erwachsenen, gut ausgebildeten Ermittler.

Dem heutigen Leser dürfte Jeremy als Person flach erscheinen. Er ist stets ein wenig zu eifrig und zu ‚vernünftig‘, um für sich einzunehmen. Damit reiht er sich in das Feld der übrigen Figuren ein. Bruce Alexander ist sicher kein begnadeter Schriftsteller. Er erzählt Geschichten ‚aus zweiter Hand‘. Diese wimmeln von beschränkten & dünkelhaften Adligen, dümmlichen & kichernden Zofen, steifen & hochnäsigen Butlern und was der wandelnden Klischees mehr ist.

Niemand wirkt lebensecht, alle scheinen sie Rollen zu spielen – oftmals im Halbschlaf. Als Leser nimmt man an ihrem Schicksal keinen echten Anteil. Auch der an sich interessante Konflikt um die Menschenrechte der ‚schwarzen‘ Engländer kommt nie über das Niveau politisch korrekter Zustimmungsbekundungen hinaus. Die Vergangenheit ist für Alexander nur exotische Folie für eine Story, die ohne diesen Bonus reichlich mager daherkäme.

Autor

Bruce Alexander Cook wurde am 7. April 1932 in Chicago, US-Staat Illinois, geboren. Sein Interesse an der Schriftstellerei blieb zunächst akademisch: Bruce studierte Literatur. Seinen Wehrdienst leistete Cook als Übersetzer ab; er wurde u. a. in Deutschland eingesetzt.

Nach der Rückkehr ins Zivilleben und inzwischen verheiratet, begann Cook Anfang der 1960er frei- und hauptberuflich für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben. 1971 veröffentlichte er das Sachbuch „The Beat Generation“. Es folgten weitere Sachbücher und Biografien und 1978 „Sex Life“, ein erster Roman. Unter dem Pseudonym Bruce Cook erschienen vier Romane um den südkalifornischen Privatdetektiv Antonio „Chico“ Cervantes.

Erst die örtlich und zeitlich denkbar weit von seiner Heimatstadt Los Angeles entfernt angesiedelten Historienkrimis um den (realen) Richter und frühen Kriminologen Sir John Fielding brachten Alexander 1994 den endgültigen Durchbruch. Er setzte die Reihe bis zu seinem Tod am 9. November 2003 in Hollywood fort. Sie umfasste zehn Bände; ein elfter wurde postum von seiner Witwe und dem Autor John Shannon beendet.

Taschenbuch: 412 Seiten
Originaltitel: The Color of Death (New York : G. P. Putnams Sons 2000)
Übersetzung: Andreas Jäger
http://www.randomhouse.de/btb

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