Schlagwort-Archive: Greg Bear

Greg Bear – Mariposa (Quantico 2)

Techno-Thriller: ein Blick in den Abgrund

Das bewährte FBI-Team aus „Quantico“ bekommt einen neuen Auftrag. Das Unternehmen Talos, geleitet von Axel Price, schickt sich an, die wirtschaftliche Kontrolle über die bankrotten Vereinigten Staaten von Amerika zu übernehmen. Zum Glück hat das FBI einen Maulwurf in die Talos-Organisation einschleusen können: Fuad Al-Husam wartet auf die Sicherheitslücke, die ihm Jane Rowland, in der Talos-IT verschaffen soll. Jane arbeitet für Spider/Argus, einen Ableger der NSA…
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Greg Bear – Der Schlangenmagier (Songs of Earth and Power 2)

Der Wissenschaftler als Magier – eine gute Idee?

Dies ist der zweite Teil einer Dilogie, die später überarbeitet als „Songs of Earth and Power“ (1994) erschien. Der erste Teil, „The Infinity Concerto“ (1984, dt. als „Das Lied der Macht“, Heyne 06/4382), führte das Konzept ein, dass man durch Dimensionstore in ein Fantasyland namens „Das Reich“ gelangen könne, ein schönes Land mit leider reichlich rauen Sitten.
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Greg Bear – Dinosaur Summer

Photogene Echsen in rasantem Drama

In dem Jugendbuch „Dinosaur Summer“ geht es dem bekannten SF-Autor Greg Bear statt um Nanotechnologie und Planeteneroberung um die Realität der Fiktion und um das Thema der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen: Dinosaurier im Jahr 1947? Die gibt es wirklich. Sie leben frei auf einem Plateau in Südamerika. Als der Abenteurer Peter Belzoni mit seinem Vater die Attraktionen eines Dinosaurier-Zirkus in ihren natürlichen Lebensraum zurückbringen wollen, sehen sie sich nach einem brutalen Angriff gstrandet. Sie müssen sich der anderen Raubwesen wie etwa Riesenvögeln erwehren, soll ihnen die Flucht gelingen…

„Dinosaur Summer“ wurde im November 1999 mit dem Endeavour Award ausgezeichnet.
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Bear, Greg – Jäger

Der Biologe Hal Cousins sucht nach einer Methode, Langlebigkeit mit Hilfe genetischer Veränderung herbeizuführen. Doch er muss feststellen, dass diverse Unbekannte ihm ins Handwerk pfuschen und seine Forschungen unterbinden. Da beginnt eine mysteriöse Serie von Anschlägen gegen ihn, und nur zwei zwielichtige Leute helfen ihm: ein als Antisemit diskreditierter Ex-Professor – und Lisa, die Frau von Hals Zwillingsbruder Rob, der kürzlich in New York City ermordet wurde. Hal ist sich absolut nicht sicher, ob er diesen beiden trauen darf.

_Der Autor_

Greg Bear wurde 1951 in San Diego, einer wichtigen US-Marinebasis, geboren* und studierte dort englische Literatur. Unter den Top-Hard-SF-Autoren ist er der einzige, der keine naturwissenschaftliche Ausbildung hat. Seit 1975 als freier Schriftsteller tätig, gilt er heute dennoch als einer der ideenreichsten wissenschaftlich orientierten Autoren. Sein zuletzt veröffentlichter Roman „Das Darwin-Virus“, der hierzulande in einem Wissenschaftsverlag erschien, wurde zu einem preisgekrönten Bestseller. Erst damit konnte sich Bear aus dem Science-Fiction-Ghetto herausschreiben, so dass man ihn heute ohne weiteres mit Michael Crichton vergleicht. Nur dass Bear da anfängt, wo Crichton aufhört. Dieses Jahr erschien bei uns „Die Darwin-Kinder“, die Fortsetzung von „Darwin-Virus“, im Dezember wird der Roman „Stimmen“ bei |Heyne| veröffentlicht.

* Einer der Hauptakteure in „Jäger“ ist Weltkriegsveteran und Marinehistoriker in der Nähe von San Diego.

Bear hat eine ganze Reihe von Science-Fiction- und Fantasyzyklen verfasst. Die wichtigsten davon sind (HSF = Heyne Science-Fiction):
– Die Thistledown-Trilogie: „Äon“ (HSF 06/4433), „Ewigkeit“ (HSF 06/4916); „Legacy“ (bislang unübersetzt).
– Der Amboss-Zyklus: „Die Schmiede Gottes“ (HSF 06/4617); „Der Amboss der Sterne“ (HSF 06/5510).
– Der Sidhe-Zyklus: „Das Lied der Macht“ (06/4382); „Der Schlangenmagier“ (06/4569).
Weitere wichtige Werke: „Blutmusik“ (06/4480), „Königin der Engel“ (06/4954), „Slant“ (06/6357) und „Heimat Mars“ (06/5922). Er hat zudem Beiträge für die Buchreihen des Foundation-, Star-Trek- und Star-Wars-Universums geschrieben.

_Handlung_

Hal Cousins, ein ehrgeiziger junger Molekularbiologe, hat sich zum Ziel gesetzt, was schon Generationen von Wissenschaftlern vor ihm gewollt haben: den Alterungsprozess des Menschen zu verlangsamen, und zwar durch genetische Veränderungen. Um das zu erreichen, macht er sich auf die Jagd nach den ältesten Lebensformen, die es gibt, den Mikroben – insbesondere in ihrer Ausprägung als Mitochondrien, die in jeder menschlichen Zelle vorkommen und ihr die Energiequelle ATP liefern. Mitochondrien waren vor Jahrmilliarden bakterielle Invasoren, sind aber nun unentbehrlich geworden. Um alte Zellformen zu finden, die keine Mitochondrien besitzen, muss er in entlegenen Gegenden suchen.

Seine Forschungen führen ihn in die Tiefe des Pazifischen Ozeans, unweit von Vancouver und Seattle, wo primitive Organismen seit Jahrmillionen überleben – in der Nähe unterseeischer Wärmequellen, der „Schlote“. Doch bei diesem Tauchgang läuft etwas schrecklich schief. Sein Pilot Dave Press rastet unvermittelt aus, will ihn umbringen und das Tauchboot zerstören. Zum Glück kann Hal ihn mit einem Kinnhaken ins Reich der Träume und das Boot an die Oberfläche schicken. Dort steigt Press jedoch unvermittelt aus und stürzt sich in die stürmische See.

Doch an Bord des Mutterschiffs ist die Lage keineswegs beruhigend für Hal. Ein gewisser Dr. Mauritz ist ebenfalls ausgerastet und hat mehrere Besatzungsmitglieder erschossen, so dass man nun seltsamerweise auf Hal sauer ist. Als ob er etwas mit den Vorfällen zu tun hätte. Hat er auf indirekte Weise auch, aber anders, als er sich träumen lassen würde.

Nachdem ihn die Polizei als unverdächtig hat laufen lassen, werden Hals Funde und seine Forschungsarbeit von Unbekannten vernichtet. Jemand hat eindeutig etwas gegen ihn. Ist es jemand, vor dem ihn sein Zwillingsbruder Rob Cousins gewarnt hatte? Da bekommt Hal die Nachricht, dass Rob in New York City in einer Seitengasse erschossen aufgefunden worden sei.

Nach einer ruhigen Phase und einem Umzug taucht ein älterer Typ namens Rudy Banning auf, der sich seiner annimmt. Schon bald hat Banning Gelegenheit, Hal vor einem Angriff durch Dobermänner zu retten, doch währenddessen geht Halls neues Domizil – und Labor – in Flammen auf. Anscheinend beginnt nach der Verschnaufpause der Wahnsinn von Neuem.

Als Robs schöne Witwe Lissa mit einer Pistole in der Handtasche auftaucht, ahnt Hal, dass eine erneute Achterbahnfahrt ansteht. Denn Rob war hinter dem gleichen Geheimnis her wie Hal: Wie man Langlebigkeit durch genetische Veränderung an bestimmten Bakterien erzielt. Und wer auch immer Rob ausschaltete, will auch Hal ans Leben. Hatten die Hintermänner lediglich Rob mit Hal verwechselt?

_Mein Eindruck_

So sieht also ein Wissenschaftsthriller der Oberliga aus. Man nehme einen packenden Auftakt, lasse den betreffenden „Helden“ sodann in ein tiefes Loch fallen, aus dem ihn andere wieder herausholen müssen und werfe ihn sodann in einen Strudel aus mehr oder weniger undurchsichtigen Machenschaften, wenn er und seine Gefährten einer Krümelspur zur Lösung des Rätsels folgen. Obligatorischer Showdown sollte möglichst folgen.

|Kein Schema F|

Das wäre natürlich nur das Schema F, doch der Autor ist inzwischen so versiert in seinem Schreiben, dass er dieses abgedroschene Schema nicht mehr für tragfähig hält. Daher schiebt er zwei zeitliche Rückblenden ein, die mindestens ebenso packend sind wie der Anfang des Buches. Das dient zwar sowohl der Lösung des Rätsels und der Unterhaltung des Lesers, kann aber auch unversehens zu mangelndem Überblick und somit Verwirrung führen.

Auf die Handlung übertragen, bedeutet dies konkret, dass auf Seite 229 ein neuer Ich-Erzähler auftritt: Ben Bridger, seines Zeichens Weltkriegs- und Vietnam-Veteran sowie Marinehistoriker, der nach dem Tod seiner Frau Janie kein Land mehr sieht. Da taucht Rob Cousins bei ihm auf und fragt ihn nach russischen Wissenschaftlern von vor dem Zweiten Weltkrieg. Damals herrschte Stalin mit seinem Geheimdienstchef Berija auf blutigste Weise, doch in der Wissenschaft der Molekularbiologie machte ein gewisser Maxim Golochow beträchtliche Fortschritte, die später zur Verhaltens- und Gedankenkontrolle führten. Dieser Besuch, ein grauenerregendes Russen-Video und ein massiver Überfall der Sicherheitsbehörden auf sein Haus bewegen Bridger dazu, sich Rob Cousins und Rudy Banning anzuschließen.

Natürlich kreuzt Bridgers Weg über kurz oder lang (eher lang) auch den von Hal Cousins, doch da ist es für dessen Bruder Rob bereits zu spät. Ob das Zusammentreffen für Hal noch rechtzeitig kommt, kann man nur hoffen. Doch ich darf nichts weiter verraten. Das verhindert auch, dass ich mich hier mit der Thematik des Schreckensszenarios auseinandersetzen kann, das der Autor vor unserem geistigen Auge erstehen lässt. Eines kann ich aber sagen: Es ist der maximale Horror, denn dann ist die Freiheit des Willens wirklich nur eine Illusion.

|Das Grauen des 20. Jahrhunderts|

Immer wieder hat mich erstaunt, wie kritisch die Figuren das 20. Jahrhundert betrachten. All die Massenvernichtung, die in zwei Weltkriegen und zahllosen Stellvertreterkriegen erfolgt, die so genannten „Säuberungen“ – was für ein Euphemismus! – und Progrome. Gut möglich, dass dabei insgesamt eine halbe Milliarde Menschen umkamen (meine Schätzung).

|Zwei Seiten einer Medaille|

Doch der Autor führt uns vor Augen, dass das vergangene Jahrhundert nicht nur hinsichtlich der Quantität der Vernichtung ein übles Zeitalter war, sondern auch bezüglich der Qualität des Schreckens, den Menschen anderen Menschen zufügen konnten. Eines der abgefahrensten Szenarien, das ich je gelesen habe, breitet der Autor vor uns aus. Dass dabei genau jene primitiven Bakterien eine Rolle spielen, hinter denen Hal Cousins so verzweifelt her ist, zeigt die andere Seite der Medaille. „Prinz Hal“ will den Menschen, die es sich leisten können, die ewige Jugend schenken. Sein Bruder hat die dunkle Seite genau dieses Mittels bereits entdeckt: totale Manipulation. Zwei Hälften eines Rätsels. Allerdings braucht Hal bis zum Showdown auf einem Ozeanriesen, um das alles auf die Reihe zu bekommen. Und dort erwartet ihn ein heilsamer Schock.

|Es ist nicht alles Gold, was glänzt|

Und das gilt auch für diesen Roman. Mal vom Fachjargon der Biologen und Genetiker ganz abgesehen, der das Verständnis erschwert, trägt auch die Darstellung der Beziehung, die sich zwischen dem guten Hal und der zwielichtigen Lissa, Robs Witwe, anbahnt, nicht gerade zur Glaubwürdigkeit der Story bei. Natürlich kommt es dazu, dass die beiden miteinander im Bett landen, was denn sonst. Aber die Sache geht doch ganz anders aus, als sich Prinz Hal das vorgestellt hatte. Er wird nämlich zu Lissas Schoßhündchen. Da er sich dabei im wahrsten Sinne des Wortes pudel-wohl fühlt, macht ihm das auch gar nichts aus. Die Glückshormone bringen ihn denn auch fast um den Rest seines verbliebenen Verstandes.

Der Leser könnte dies für sehr komisch und sogar originell halten, wäre da nicht der schale Nachgeschmack einer Vergewaltigung. (Zu erklären, wie diese erfolgt, hieße, des Rätsels Lösung zu verraten – sorry!).

_Unterm Strich_

Gehirnwäsche als Thema ist in den amerikanischen Medien wieder in. In den USA ist der Thriller „The Manchurian Candidate“ mit Denzel Washington angelaufen, das Remake des Films „Botschafter der Angst“ mit Sinatra aus dem Kalten Krieg (ca. 1960). Statt der ursprünglichen Nordkoreaner haben nun nationale Großkonzerne einen „Schläfer“ so präpariert, dass er auf einen bestimmten Befehl hin – etwa Zahlen, übers Telefon durchgegeben – eine Aktion ausführt, beispielsweise die Ermordung des Präsidenten. Dass Al-Kaida über Schläfer innerhalb der USA verfügen soll, ist bekannt.

Der Autor führt nun eine neue – möglicherweise völlig abstruse – Methode ein, die zwar schon unter Stalin und Berija entwickelt wurde, aber offenbar auch woanders binnen Sekunden Wirkung zeitigt. Bis diese Verschwörung aufgedeckt und besiegt ist, vergehen durchaus fesselnde 444 Seiten.

Ähnlich wie in Crichtons Thriller „Beute“ sind die kleinsten Lebewesen die Stars – und geben deshalb leider nicht sonderlich viel her. Daher muss das Ergebnis ihres Treibens umso drastischer ausfallen. Die Effekte sind stets filmreif und mitunter sogar komisch. Die Entwicklungsgeschichte dieser „Kleinen Mütter der Welt“, wie Russen die Bakterien nennen, wird als Hintergrund-Story scheibchenweise enthüllt, doch dabei treten zwangsläufig Überlappungen – Redundanzen – auf, die als Wiederholung nicht so wahnsinnig spannend sind.

Bears Roman ist flott zu lesen, wenn man mit dem Biologen- und Genetikerkauderwelsch mithalten kann. Aber die Lektüre bedeutet keinen größeren Durchbruch in Sachen Erkenntnisse über das grauenerfüllte 20. Jahrhundert. Da auch die Figuren nicht übermäßig sympathisch sind, fiebert man nicht unbedingt mit ihrem Schicksal mit. Insofern könnte auch die ganze Welt den „Kleinen Müttern“ in die Hand fallen – es würde uns nicht kümmern.

_Lesetipp_

Deshalb empfehle ich stattdessen lieber die Lektüre von Bears erstem Bestseller „Blutmusik“, der mit Preisen überhäuft wurde. Es erstaunt nicht besonders, dass sich die Grundideen in den beiden Romanen ähneln: Mikroben übernehmen die Weltherrschaft und verwandeln sie nach ihrem Gusto, falls der Mensch ihnen nicht Einhalt gebietet. Nur dass in „Blutmusik“ diese Vision grandios und kosmisch (und somit Science-Fiction) ist, während „Jäger“ ganz auf dem Teppich bleibt und in der Liga von Crichton oder Preston & Child spielt.

Mehr zu Greg Bear unter: http://www.gregbear.com

Greg Bear – Der Fall der Foundation / Foundation und Chaos (2. Foundation-Zyklus 2)

Das Abenteuer der FOUNDATION geht weiter

Auch der 2. Band der 2. Foundation-Trilogie-Band ist endlich auf Deutsch erhältlich – ein wesentlich besser geschriebenes Buch als der erste Band! Er setzt die Handlung aus „Der Aufstieg der Foundation / Foundation’s Fear“ von G. Benford fort. Mit David Brins unter dem Titel „Der Sieg der Foundation“ veröffentlichtem Roman (Mitte Dezember 2000) wird die zweite Foundation-Trilogie komplett in Deutsch verfügbar.

Da die ursprüngliche FOUNDATION-Trilogie von Altmeister Isaac Asimov nur 500 der 1.000 Jahre der Übergangszeit abdeckt, baten die Nachlassverwalter Asimovs Gregory Benford, einen weiteren Foundation-Roman zu schreiben. Hieraus wurde, zusammen mit je einem Roman von Greg Bear und David Brin, die zweite Trilogie, die chronologisch vor der ersten steht.
(Quelle: WIKIPEDIA)

Diese Trilogie umfasst die Romane:

6031 – Der Aufstieg der Foundation – 667 Seiten – ISBN: 3453179269
6302 – Foundation und Chaos / Der Fall der Foundation*** – 473 Seiten – ISBN: 3453179323 / 3453521579
6303 – Der Sieg der Foundation – 441 Seiten – ISBN: 3453179382
***: Der Verlag hat den Titel der Paperback-Ausgabe in der TB-Ausgabe geändert!

Im letzten Band ist eine Zeittafel für das Roboter- und Foundation-Universum vorhanden.
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Greg Bear – Blutmusik

Darwins Nanotech: Eine Schöpfung kleiner Organismen

Greg Bear schlug 1983 bei der Vergabe von Science-Fiction-Preisen gleich zweimal zu: Seine Erzählung „Blood Music“ und seine Novelle „Hardfought“ erhielten beide – in ihren jeweiligen Kategorien – den begehrten Nebula Award der SF-Kritiker. Auf Bitten seiner Freunde und seines Verlegers baute er „Blood Music“ zu einem Roman aus.

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Greg Bear – Quantico

Ironisch, aber spannend: Das FBI rettet Mekka vor den Amis

Wäre es nicht schön, wenn sich die drei Weltreligionen nicht mehr länger bekriegen würden und endlich Frieden auf der Welt einkehren würde? Es gibt auch einen Plan, wie das zu bewerkstelligen wäre: Man müsste die Menschen nur vergessen lassen, dass es diese Religionen überhaupt gibt. Mit einem biologischen Erreger könnte man die Pilger in den religiösen Zentren infizieren und diese den Erreger verbreiten lassen. Das Vergessen brächte Frieden. Und was ist dazu nötig? Nur ein hübsches kleines Feuerwerk… (Matzer)

„Als ein in einem Labor erzeugter Virus in die Hände von Dieben fällt, schickt die CIA ihre besten Leute, um ihnen das Handwerk zu legen. Denn dieser Virus ist kein gewöhnlicher Virus, sondern eine Substanz, die sich tief in das Gehirn gräbt und alle Erinnerungen löscht. Doch was die CIA-Agenten nicht wissen: Die Diebe sind auch keine gewöhnlichen Diebe, sondern gefährliche Terroristen …“ (Amazon.de)
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Greg Bear – Die Macht der Steine

Von Gott verlassen: bibelfeste Science Fiction

Vor Jahrtausenden bauten Christen, Moslems und Juden gewaltige selbsterhaltende Städte auf dem Planeten Gott-der-Schlachtenlenker, die ständig in Bewegung sind. Sie sollten das Leben der Gläubigen schützen und erhalten – aber auch die Reinheit von Glaube und Lehre, denn jeder, der gegen die Gebote verstößt, wird ausgesetzt. Da jeder Mensch ein potenzieller Sünder ist, sind diese Kolosse längst menschenleer und dem Verfall preisgegeben – und zu einer Bedrohung für die Bewohner dieser Welt geworden … (Verlagsinfo)
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[NEWS] Greg Bear – Die Rache des Titan (War Dogs 3)

Das All ist nicht genug!

Im Krieg zwischen Menschen, Gurus und Antags haben alte Bündnisse keine Gültigkeit mehr, Feinde sind zu Freunden und Freunde zu Feinden geworden. Während unser Sonnensystem von anhaltenden Scharmützeln und politischen Intrigen zermürbt wird, begibt sich Sergeant Michael Venn mit seinem Team von Skyrines auf eine Mission, die sie bis an die Grenzen des bekannten Universums führen wird – direkt zum Planeten X, der Heimatwelt der einst mit den Menschen verfeindeten Antags. Denn dort, Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, wird sich das Schicksal der Menschheit entscheiden … (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 448 Seiten
Originaltitel: Take back the Sky – War Dogs Book 3
Heyne

[NEWS] Greg Bear – Im Schatten des Saturn (War-Dogs-Trilogie 2)

Vom Regen in die Traufe

Seine jüngste Mission führt Sergeant Michael Venn und seine Crew auf den größten Saturnmond Titan. Hier hofft Venn, mehr über die geheimnisvollen Alien-Artefakte herauszufinden, die kürzlich auf dem Mars entdeckt wurden und die möglicherweise endlich das Rätsel um den Ursprung des Lebens in unserem Sonnensystem lösen können. Doch Titan ist das Zentrum des interstellaren Krieges zwischen zwei Alien-Völkern, den Antags und den Gurus. Für Venn und sein Team beginnt ein galaktisches Abenteuer, bei dem Feinde zu Freunden und Freunde zu Feinden werden … (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 432 Seiten
Originaltitel: Killing Titan – War Dogs Book 2
Heyne

Greg Bear – Äon

Visionäres SF-Abenteuer – mit geklauten Ideen

Als eines Tages im Jahr 2000 im Sonnensystem ein hohler Asteroid auftaucht, erkunden ihn die Amerikaner als Erste, vor den Russen. Die siebte und letzte Kammer des Steins enthält einen Dimensionskorridor, der zu einer Parallelerde führt, die nach einem Atomkrieg unterging. Diese ernste Warnung sollte man beachten, doch der Verlauf der Ereignisse auf dem irdischen Stein lässt schnell Zweifel an dem Überlebenden unserer eigenen Erde aufkommen.

_Der Autor_

Greg Bear gehört in die gleiche Liga von Hard-Science-Fiction-Autoren wie David Brin, Gregory Benford und Larry Niven, allerdings mit einem Unterschied: Er hat keinen Abschluss als Physiker gemacht, sondern sich einfach hochgearbeitet, jedoch mit steigendem Erfolg. Seinen internationalen Durchbruch erzielte er mit dem Roman „Blutmusik“ und dem vorliegenden „Äon“.

Greg Bear wurde 1951 in San Diego, einer wichtigen US-Marinebasis, geboren und studierte dort englische Literatur. Unter den Top-Hard-SF-Autoren ist er der einzige, der keine naturwissenschaftliche Ausbildung hat. Seit 1975 als freier Schriftsteller tätig, gilt er heute dennoch als einer der ideenreichsten wissenschaftlich orientierten Autoren.

Sein „Das Darwin-Virus“, der hierzulande zuerst in einem Wissenschaftsverlag erschien, wurde zu einem preisgekrönten Bestseller. Erst damit konnte sich Bear aus dem Science-Fiction-Ghetto herausschreiben, so dass man ihn heute ohne weiteres mit Michael Crichton vergleicht. Nur dass Bear da anfängt, wo Crichton aufhört. Im Jahr 2004 erschienen bei uns „Die Darwin-Kinder“, die Fortsetzung von „Darwin-Virus“, sowie die Romane „Jäger“ und „Stimmen“. 2006 erschienen die Taschenbuchausgabe von „Die Darwin-Kinder“ sowie der Roman „Quantico“.

Bear hat eine ganze Reihe von Science-Fiction- und Fantasyzyklen verfasst. Die wichtigsten davon sind (HSF = Heyne Science Fiction):
– Die Thistledown-Trilogie: Äon (HSF 06/4433), Ewigkeit (HSF 06/4916); Legacy (bislang unübersetzt).
– Der Amboss-Zyklus: Die Schmiede Gottes (HSF 06/4617); Der Amboss der Sterne (HSF 06/5510).
– Der Sidhe-Zyklus: Das Lied der Macht (06/4382); Der Schlangenmagier (06/4569).

Weitere wichtige Werke: „Blutmusik“ (06/4480), „Königin der Engel“ (06/4954), „Slant“ (06/6357) und „Heimat Mars“ (06/5922). Er hat zudem Beiträge für die Buchreihen des Foundation-, Star-Trek- und Star-Wars-Universums geschrieben.

_Handlung_

Am Anfang des 21. Jahrhunderts taucht im Visier der Erdastronomen plötzlich ein rätselhafter, hohler Asteroid auf, der die Erde in weiter Entfernung umkreist. Aufgrund seiner Beschaffenheit kann er nicht natürlichen Ursprungs sein. Die pionierhaften Amerikaner landen als Erste auf dem Stein, nehmen ihn in Besitz und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus: Die letzte der sieben Kammern im Stein, die voller technologischer Wunder stecken, hat nämlich kein Ende – sie führt in einen endlosen Raumzeitkorridor.

Die Mathematikerin Patricia Vasquez, die von der Beraterin des US-Präsidenten die höchste Sicherheitsfreigabe erhalten hat, soll im Jahr 2004 das Rätsel dieses Korridors erkunden. Sie arrangiert sich mit dem höchsten Verwaltungsbeamten des Steins, Lanier, und erkundet unter anderem eine Singularität (= Schwarzes Loch), die man in der sechsten Kammer entdeckt hat. Die Technik der Steinler war offensichtlich sehr fortgeschritten. Sie ahnt nicht, dass inzwischen einer der Steinler, ein Wesen namens Olmy, von der eine Million Kilometer entfernt im Korridor gelegenen Achsstadt ausgesandt worden ist, um die neuen Bewohner von Thistledown, dem Stein und seiner Stadt, zu untersuchen …

In den höchst geheimen Bibliotheken der vor fünfhundert Jahren verschwundenen Steinbewohner versuchen die Wissenschaftler nun das Rätsel seiner Herkunft und seines Schicksals zu ergründen. Der Stein kommt von der Erde eines anderen Universums, deren geschichtliche Entwicklung fast mit der unseren identisch ist. Zur Bestürzung der Forscher war die Geschichte dort schon weiter vorangeschritten: Stein und Korridor sind erst nach einem Atomkrieg von den Überlebenden geschaffen worden, sie kommen also aus unserer Zukunft, als Warnung. Und dieser Atomkrieg ist nur noch wenige Wochen entfernt!

|Der „Tod“|

Trotz dieses brisanten Wissens, das der ganzen Welt zur Warnung dienen sollte, können die wenigen Eingeweihten die Katastrophe auch bei uns nicht verhindern. Russische Militärs, die den Stein nicht als den Besitz der tonangebenden Amis anerkennen, versuchen, sich seiner durch einen schwer bewaffneten Angriff zu bemächtigen – und lösen so auf der Erde den von den Steinlern prophezeiten Krieg aus. In den Annalen der Steinbewohner ist er als der „Tod“ verzeichnet. Es gab zuvor schon den „Kleinen Tod“. Nun jedoch ist der Tod ziemlich endgültig. Nur wenige Menschen überleben, vor allem auf der Südhalbkugel und in Raumstationen.

Das militärische Geschehen setzt sich auf dem Stein fort, denn auch die Amerikaner haben sich illegal bewaffnet. Nach einigen harten Gefechten kommt es endlich zu einem Waffenstillstand, und eigentlich könnte nun Ruhe einkehren, doch die drei Politkommissare der Russen gönnen dem neuen Kommandeur Pawel Mirski keine Ruhe. Sie wollen den Stein und die Bibliothek mit ihren unglaublichen Wissensschätzen in ihre Gewalt bringen und die Amerikaner bekämpfen, um der Revolution zum Sieg zu verhelfen. Die rote Fahne soll auf dem Stein gehisst werden. Doch Pawel Mirski hat von der Bibliothek viele Sprachen gelernt und die Geschichte der Zukunft studiert. Er weiß, wer den Atomkrieg herbeigeführt und wie viele Milliarden Opfer der „Tod“ gefordert hat. Als er die Politkommissare in der Bibliothek vom Frieden zu überzeugen versucht, erschießen sie ihn.

Aber er stirbt nicht, denn die hoch entwickelte Bibliothek hat einen automatisierten Selbstverteidigungs- und Rettungsdienst, der Mirskis halb weggeschossenen Kopf wieder repariert, mit Nanogewebe. Also kann Mirksi nach Tagen der Unsicherheit aus der abgeschotteten Bibliothek zurückkehren und seine Anhänger vor der Gefahr, die von den Politkommissaren ausgeht, warnen. Er selbst entlässt sich in den Ruhestand.

|Fremdlinge|

Unterdessen sind aus dem Korridor ehemalige Steinbewohner aufgetaucht, die von der Axis City in einer Million Kilometer Entfernung kommen. Dieser Agent namens Ser Olmy hat erkannt, dass Patricia Vasquez genial genug ist, um den Antrieb in Kammer Nr. 6 wieder in Betrieb zu nehmen und den Korridor, einen Dimensionsschlauch um eine Singularität herum, wie eine Straße als Fortbewegungsmittel zu benutzen. Was er Patricia nicht sagt: Ihr künftiger Schüler Korzenowski war eine genialer Ingenieur, der Axis City schuf und eine Partei von Technikfanatikern ins Leben rief. Doch jetzt befindet sich Axis City im Krieg mit feindlichen Aliens, den Jarts, und politische Lösungen sind gefragter als Techniklösungen.

Ser Olmy entführt also Patricia Vasquez nach Axis City, und eine Rettungsexpedition unter Laniers Führung soll die Entführte zurückholen. Es wird für alle eine Reise voller Überraschungen. Doch auch die Zeit für den „Stein“ läuft ab …

_Mein Eindruck_

Die ersten zwei Drittel von „Äon“ strotzen nicht gerade vor Originalität, im Gegenteil: Das BDO – big dumb object – kommt schon in Arthur C. Clarkes klassischem SF-Roman „Rendezvous mit Rama“/“Rendezvous mit 31/439“ vor, und dass uns eine Warnung aus der Zukunft erreicht, erlebt man wesentlich glaubwürdiger in Gregory Benfords wunderbarem Roman [„Zeitschaft“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1222 Bear setzt diese beiden Elemente in den Kontext des Kalten Krieges.

Klischeehafte Politkommissar-Russen, wie sie vielleicht noch um 1984 existiert haben mögen, müssen für fast alle Übel herhalten, die unsere Helden ereilen. Lediglich Pawel Mirski, der nach der Invasion ihr Kommandeur wird, erweist sich als sehr lernfähig und verändert sich – auch physisch. Von Mirski, der als eine der wenigen Figuren über eine durchgehende Lebensgeschichte verfügt, darf der Leser noch einiges erwarten, zumindest in „Ewigkeit“, der Fortsetzung von „Äon“.

Die Amerikaner sind auch nicht viel besser, aber zumindest Garry Lanier und Patricia Vasquez, die in mancherlei Hinsicht die wichtigste Figur des Romans ist, erhalten Konturen, die über die Zweidimensionalität hinausgehen. Es erscheint mir nur konsequent, wenn sich die beiden sowohl seelisch als auch körperlich näher kommen. Es gibt zwei einfühlsam geschilderte Sexszenen im Roman, und an beiden ist Garry Lanier beteiligt, der Glückspilz. Beide Male wird ein seelisch-körperlicher Notstand behoben – na, wenn das keine gute Ausrede für Liebemachen ist.

|Axis City|

Und dann gibt es da noch die Zukünftigen. Sie blicken auf unsere Zeit aus dem Abstand von 1300 Jahren zurück, haben sich in mehrere Unterspezies aufgespalten: Da gibt es die konservativen Homomorphen, also die Menschgestaltigen, und die Neomorphen, die entweder auf einen Körper ganz verzichten oder die sich nur eine körperliche Hülle, ganz gleich von welcher Gestalt, zu bestimmten Zwecken zulegen. Sie können ihre Persönlichkeit auch aufspalten, auf die so genannten Partiellen, um gleichzeitig an mehreren Orten ihre Pflichten erfüllen zu können, zum Beispiel der Präsident von Axis City.

Alle, die einigermaßen fortschrittlich denken, haben ein Implantat, mit dessen Hilfe sie erstens mit den Zentralrechnern kommunizieren können und mit dem sie zweitens ihre Gedächtnisinhalte im Central Memory hinterlegen können. Sollte der aktuelle Körper ausfallen oder zerstört werden, so lässt sich der Mensch daher wieder rekonstruieren. Wissen ist kostbar.

|Der WEG|

Die Übersetzung von Reinhard Heinz hat sich für den Ausdruck The WAY auf den Ausdruck „der Korridor“ festgelegt. Diese Bezeichnung finde ich etwas irreführend. Den WEG kann man sich als Nichtphysiker als einen Schlauch vorstellen, der bis in die Unendlichkeit reicht, aber in der Apparatur des Stein (die sechste Kammer) beginnt. Deshalb ist die Thistledown, in die die Erdlinge eindringen, so eminent wichtig. Der WEG wird von einer Singularität aufrechterhalten, die einen Zugang zu anderen Bereichen unseres Universums und bei genügend Entfernung womöglich sogar in andere Universen ermöglicht. Patricia Vasquez erklärt das sehr viel besser.

Der WEG bietet mehrere Vorteile. Mit entsprechenden Vehikeln kann man darauf sehr schnell von A nach B gelangen. Ja, sogar die riesige Axis City mit ihren Abermillionen Bewohnern ist um eine Stelle des WEGs herumgebaut und lässt sich darauf bewegen, ist sie doch modular aufgebaut. Doch wozu sich bewegen? Hier kommt der zweite Vorteil ins Spiel: der Zugang zu anderen Welten mit Hilfe von Toren, die sich im WEG öffnen lassen. Die Kaste der Toröffner verfügt dazu über Schlüssel, und einen davon benutzt Patricia Vasquez am Schluss des Hauptteils, um zu versuchen, wieder in ihre eigene, ursprüngliche Welt des Jahres 2005 zurückzugelangen. (Ob es ihr gelingt, kann man in einem der vier Epiloge nachlesen.)

Auf den anderen Welten leben natürlich auch Fremdweltler. Sie machen sich den Menschen auf mancherlei Weise nützlich, so etwa können die Talsits menschliche Gedanken und Gefühle ordnen, um Verwirrung zu beseitigen und zielgerichtetes, verankertes Denken wieder zu ermöglichen. Die Frants hingegen scheinen lediglich nette Begleiter zu sein. Und ihre Welt Timbl, die die Erdlinge besuchen dürfen, ist wirklich sehr schön, äh, wenn sie nicht gerade von Kometen beschossen wird. Dieser Teil des Roman erinnerte mich stark an „Star Wars“. Mos Eisley dürfte auf Timbl gleich um die Ecke liegen …

|Das Finale (VORSICHT, SPOILER!)|

Die dritte Alienrasse sind die feindlichen Jarts. Obwohl man sie nie zu Gesicht bekommt, sind sie die Aliens mit dem größten Einfluss auf den Verlauf der Handlung. Die Leute aus Axis City haben zwar den WEG geschaffen, ihn aber 300 Jahrhundert brachliegen lassen, und das nützten die Jarts aus, um sich breitzumachen und ihrerseits andere Welten zu erobern. Nun kommt es im Finale von „Äon“ zum endgültigen Angriff der Jarts auf die Menschen von Axis City: Sie haben ein Tor ins Herz einer Sonne geöffnet und leiten Millionen Grad heißes Plasma in den WEG!

Da der WEG aber Millionen Kilometer lang ist, bleiben den Menschen noch ein paar Stunden, bis das versengende Gas bei ihnen ankommt. Sie müssen nicht nur Axis City in Sicherheit bringen, sondern auch die Endstation des WEGs, die Thistledown. Diese muss evakuiert werden, der Stein wird vom WEG abgesprengt. Zwei Module von Axis City werden zu neuen Monden der atomar verwüsteten Erde. Aber reicht das, um der Jart-Attacke zu entgehen? Einer der vier Epiloge erteilt darüber Auskunft.

|Die Übersetzung|

Wie so oft bei alten |Heyne|-Titeln muss der Leser eine Menge Tipp- und Druckfehler verschmerzen. Aus „kommt“ wird „kommer“, aus „Sausalito“ plötzlich „Sausaslito“ und so weiter. Auf Seite 518 hat der Übersetzer vergessen, das Füllwort „er“ zu streichen, so dass nun doppelt gemoppelt wird: “ … schwirrte er der pfeilförmige Flieger …“ Manchmal sind Konstruktionen übrig geblieben, die anders formuliert viel mehr Sinn ergäben. Auf Seite 362 würde so der Satzteil „vier mechanisch komplizierte Gliederbeine“ umformuliert zu „vier komplizierte mechanische Gliederbeine“ etwas anschaulicher wirken.

Aber der Übersetzer hätte noch ein paar Abkürzungen mehr erklären können. Wir wissen nur zwar, dass unter einem OTV ein Orbital Transfer Vehicle zu verstehen ist, also ein Fahrzeug zum Transfer zwischen Erdumlaufbahnen. Aber was ein DOD sein soll, wird hingegen nicht erklärt. Es wird als allgemein bekannt vorausgesetzt, dass das DOD dem Department of Defense entspricht, welches unter dem Namen „Pentagon“ besser bekannt sein dürfte.

_Unterm Strich_

Der Roman hat, wie man sieht, seine großartigen Seiten und eröffnet dem Leser, zumal dem erfahrenen SF-Leser, durchaus Perspektiven auf faszinierende Möglichkeiten einer künftigen menschlichen Zivilisation. So hat beispielsweise die Idee, Gedächtnis und Geist vom Körper abzukoppeln, bei vielen Autoren Anklang gefunden, so etwa bei Greg Egan in „Qual“. Aber diese platonische Idee ist natürlich antiken Ursprungs und wurde in der SF schon mehrfach benutzt, etwa in Heinleins „Das geschenkte Leben“ und in Farmers [„Flusswelt“-Zyklus.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1190 Bear arbeitet das Konzept in technischer Hinsicht weiter aus und zeigt praktische Nutzanwendungen auf.

„Äon“ ist ein sehr ideenreicher Abenteuerroman. Diese Ideen stammen aber zum Teil nicht von Bear, sondern von Platon, Clarke und Benford. Das letzte Drittel geht jedoch ganz auf Bears Konto, und dies fand ich mit Abstand den interessantesten Teil. Für einen in der SF-Physik nicht bewanderten Leser ist dies der Teil, der am schwierigsten zu verstehen ist.

Der Autor wandelt hier einen schmalen Grat zwischen Erklären und Erzählen, also zwischen Tiefe und Schnelligkeit der Handlung. Der Leser muss mitziehen oder es bleiben lassen. Kann er mitziehen, so bereitet ihm der Roman das Vergnügen, eine einfallsreiche Szenerie mit einer rasant zu zuspitzenden Handlung zu verknüpfen. Kann er nicht mitziehen, fällt alles auseinander. Bears Zerstückelungstaktik, die viele kurze Kapitel mit wechselnden Schauplätzen hervorbringt, stellt sich dem Handlungsfluss entgegen. Andere Stellen wirken um des Umfangs willen aufgebläht, ganz besonders am Anfang, wo Bear viel erklären muss.

Äußerst nützlich wären eine Risszeichnung, ein Glossar und ein ausführliches Namensregister gewesen, da der Leser mit Fachtermini und Alienrassen nur so bombardiert wird. Bei der Beschreibung der Steinstruktur und der Bewohner von Axis City und ihrer komplexen Gesellschaftsstruktur bleibt einiges an Verwirrung übrig. In dieser Hinsicht könnte sich eine Neuausgabe einiges Verdienst erwerben. Man könnte diesen Anhang dann auch in die Fortsetzungen „Ewigkeit“ und „Legacy“ (= Vermächtnis) integrieren

Diese Fortsetzung mit dem Titel „Ewigkeit“ erschien ebenfalls bei |Heyne|. Darin wird der WEG von Außerirdischen, den Jarts, zerstört und die zerstreuten Welten der Menschen müssen sich auf eigene Faust durchschlagen. Wird es im Jahr 2046 gelingen, die Erde des Jahres 2005 wieder mit Leben zu füllen und den WEG wiederherzustellen? Oder kommt es gar zu einer Zeitschleife, in der der verheerende Atomkrieg nie stattgefunden hat?

Das Prequel zu „Äon“ mit dem Titel „Legacy“ (1995) wurde noch nicht übersetzt, ebenso wenig die Novelle „The Way of all Ghosts“ von 1999, die in Robert Silverbergs Anthologie „Far Horizons“ erschien. Höchste Zeit, diese vier Werke mal in einem großen Band als Gesamtwerk zu präsentieren.

Taschenbuch: 601 Seiten
Originaltitel: Eon, 1985
Aus dem US-Englischen übertragen von Reinhard Heinz
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