Bova, Ben – Asteroidenkrieg, Der

Bei der Erschließung der reichen Rohstoffvorkommen im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter wird mit harten Bandagen gekämpft. Dan Randolph ist der technische Pionier beim ersten Vorstoß mit einem bemannten Raumschiff. Doch sein wirtschaftlicher Partner Martin Humphries hat eigene, weiter reichende Pläne.

Dies ist die Vorgeschichte zu dem seit 2002 auf Deutsch vorliegenden Roman „Venus“ von Ben Bova. Dort lernten wir Martin Humphries und Lars Fuchs als alte Männer und Feinde kennen, die in „Asteroidenkrieg“ eine Hauptrolle spielen.

Doch dies ist nur der erste Teil des Dramas. Die Fortsetzung muss den eigentlichen Krieg schildern und ist bislang in „Asteroidensturm“ (Februar 2005) nachzulesen. Im September 2005 wird |Heyne| auch diese Trilogie abschließen: mit „Asteroidenfeuer“.

_Der Autor_

Ben Bova ist schon über 70 (Jahrgang 1932) und ein verdammt erfahrener Bursche. 1956 bis 1971 arbeitete er als technischer Redakteur für die NASA und ein Forschungslabor, bevor er die Nachfolge des bekanntesten Science-Fiction-Herausgebers aller Zeiten antreten durfte, die von John W. Campbell. Campbell war die Grundlage für das „Goldene Zeitalter der Science-Fiction“, indem er mit seinem Magazin „Analog Science Fiction“ jungen Autoren wie Asimov, Heinlein, van Vogt und anderen ein Forum gab. Hier entstanden der „Foundation“-Zyklus und andere Future-History-Zyklen.

Für seine Herausgeberschaft von |Analog| wurde Bova sechsmal (von 1973-79) mit einem der beiden wichtigsten Preise der Science-Fiction ausgezeichnet, dem |Hugo Gernsback Award|. Von 1978-82 gab er das Technik-&-Fiction-Magazin „Omni“ heraus. 1990-92 sprach er für alle Science-Fiction-Autoren Amerikas in seiner Eigenschaft als Präsident der Berufsvereinigung. Seit 1959 hat er eigene Bücher veröffentlicht, die sich oftmals an ein jugendliches Publikum richten, darunter die Kinsman- und Exiles-Zyklen.

Ebenso wie Robert A. Heinlein und Larry Niven ist Bova ein Verfechter der Idee, dass die Menschheit den Raum erobern muss, um überleben zu können. Und dies wird nur dann geschehen, wenn sich die Regierung zurückzieht und die Wirtschaft den Job übernimmt. Der Brite Stephen Baxter hat in seiner [Multiversum-Trilogie]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=389 diese Idee aufgegriffen und weiterentwickelt.

1992 begann Bova mit der Veröffentlichung seines bislang ehrgeizigsten Projekts: die Eroberung des Sonnensystems in möglichst detaillierter und doch abenteuerlicher Erzählform. Folgende Bände sind bislang erschienen:

1) [Mars;]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1206
2) Rückkehr zum Mars;
3) Venus;
4) Jupiter;
5) Der Asteroidenkrieg (The Asteroid Wars 1: The Precipice);
6) Asteroidensturm (The Asteroid Wars 2: The Rock Rats);
7) Asteroidenfeuer (The Asteroid Wars 3: The Silent War; deutsche Fassung im September 2005);
8) [Saturn.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=557

Es fehlen also noch Romane über die äußeren Planeten Neptun, Uranus und Pluto. Merkur, der innerste Planet, wurde bislang ebenfalls nicht berücksichtigt.

Diese Auswärts-Bewegung spiegelt sich im Werk anderer Science-Fiction-Autoren. So hat der Schotte Ken MacLeod mit [„Das Sternenprogramm“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=175 „Die Mars-Stadt“ und „Die Cassini-Division“ einen ähnlichen Zyklus vorgelegt. Allerdings ist seine politische Überzeugung der Ben Bovas genau entgegengesetzt: MacLeods Figuren sind Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten!

_Handlung_

Dan Randolph sieht sich am Ende seiner Träume als Raumfahrtunternehmer. Alles geht den Bach runter: Die Klimakatastrophe ist blutige Realität, und seine geliebte Frau kam beim Versuch, Flutopfer zu bergen, ums Leben. Da tritt Martin Humphries in sein Leben, der Erbe des milliardenschweren Humphries-Trusts. Er will Randolph helfen, seinen Traum zu verwirklichen: die Rohstoffe, die in den Asteroiden zwischen Mars und Jupiter schlummern, zur bedürftigen Erde zu schaffen.

Dazu aber benötigt man einen preisgünstigen Fusionsantrieb, also keinen, der auf Kernspaltung beruht, sondern auf der Verschmelzung von Atomkernen. Diesen Antrieb lässt Randolph von einem Forschungsteam in der spanischen Wüste nahe der Sierra Morena testen: Er funktioniert!

Was Randolph leider fast zu spät herausfindet: Humphries will die Asteroiden selbst und alleine ausbeuten, um dann Randolphs Firma seinem Imperium einzuverleiben. Dazu muss er Randolph allerdings erst einmal ausbooten. Notfalls geht Humphries über Leichen.

Er schleust eine Spionin ein, die kesse Priscilla „Pancho“ Lane, die stets mit einer giftigen Schlange durch die Korridore der Mondbasen und Orbitalstationen marschiert. Pancho ist eine gewiefte Trickbetrügerin, hat aber noch ganz andere Tricks auf Lager. Wenn ihr einer blöd kommt, kennt sie keine Gnade. Doch als sie Dan Randolph kennen lernt, erkennt sie, dass er eigentlich der Mann mit den erstrebenswerteren Zielen ist und schließt sich ihm an: Sie wird zur Doppelagentin.

Das Raumschiff wird mit Nanomaschinen gebaut, die nur auf dem Mond legalisiert sind. Die zuständige Ingenieurin, Kris Cardenas, wird jedoch von Humphries erpresst und begeht eine folgenschwere Sabotage des neuen Raumschiffs. Als die „Starpower I“ in den Asteroidengürtel vordringt, hängt daher das Leben der Besatzung an einem seidenen Faden.

Sollte Humphries doch noch die Oberhand behalten?

_Mein Eindruck_

Anders als die ziemlich actiongeladenen Romane „Jupiter“ und „Venus“ in Bovas Sonnensystem-Zyklus verläuft die Handlung in „Der Asteroidenkrieg“ recht gemächlich – für so manchen Geschmack vielleicht zu gemächlich. Denn nur wenig scheint zu passieren. Den Höhepunkt liefern lediglich die letzten 150 Seiten. In den vorhergehenden 300 Seiten wird die Bühne für das Drama aufgebaut, werden die wichtigsten Akteure vorgestellt und miteinander verknüpft sowie die ersten zaghaften Handlungseinheiten abgewickelt. Erst dann geht’s richtig los, sobald ein paar Überraschungen und neue Akteure wie Lars Fuchs sowie Kris Cardenas auftauchen. (War ja wohl auch Zeit!)

Die Handlung verlagert sich von der Erde, die von der Treibhauskatastrophe inzwischen mit voller Wucht getroffen worden ist, hin zur Mondoberfläche, wo sich Bova von früheren Zyklen her bestens auskennt. Von dort geht’s weiter zum Gürtel, zwischen Mars und Jupiter.

Dan Randolph als technischer Pionier ist durchaus sympathisch, aber manchmal würde man ihm wesentlich mehr wirtschaftspolitischen Verstand wünschen. Über den verfügt nämlich sein Gegenspieler Humphries in überreichlichem Maße, muss er sich doch vor seinem eigenen skrupellosen Vater beweisen, der die Erde beherrscht (zudem gibt dieser ihm kleine Tipps). „Humpy“, wie Pancho ihn nennt, benutzt alles und jeden für seine Zwecke: seien es Frauen, Regierungen, Behörden, Wissenschaftler – alles hat seinen Preis und ist käuflich. Nur Pancho nicht.

Daher ist Pancho die interessanteste Figur in dem Spiel. Sie bewegt sich zwischen den Kulissen, wie es ihr gefällt, und gewinnt Randolph für sich, bewahrt aber sowohl ihre im Kälteschlaf liegende Schwester als auch Amanda Cunningham, ihre sexy-verführerische Kollegin, vor Humpys Zugriff. Daher ist es nur konsequent, dass ihr am Schluss eine ganz besondere Rolle im Krieg gegen Humphries zufällt (was hier nicht verraten werden darf).

Dieser Band erzählt also „nur“ den Beginn des „Asteroidenkrieges“, der nächste Band „Asteroidensturm“ muss jenen Verlauf schildern, der in „Venus“ von Lars Fuchs nur skizzenhaft wiedergegeben wird. Der Schluss dieses Bandes lässt den Leser daher ein wenig unbefriedigt zurück, aber dennoch gespannt auf die Fortsetzung. Humphries muss ja Lars noch die Frau ausspannen – wer das ist, wird hier nicht verraten.

Vielleicht darf man daher den flachen Spannungsverlauf im Buch nicht zu sehr kritisieren. Aber stellenweise fühlte ich mich doch an jene Bürokraten-Science-Fiction erinnert, die Alexis Gilliland 1981/82 in seiner Rosinante-Trilogie vollendet humorvoll in parodistische Romanform gegossen hatte. Leider fehlt bei Bova die feine Ironie weitgehend: Hier ist Texanerhumor geboten, und der kommt nicht überall gut an. Im ersten Drittel droht die Handlung im wirtschaftspolitischen Gerangel festzufahren. Man muss sich gedulden bis zum letzten Drittel.

|Zur Übersetzung|

Die Übersetzung durch Martin Gilbert ist grundsätzlich einwandfrei. Allerdings setzt er ein wenig Grundwissen über Raumfahrt und Astronomie voraus. So erschließt sich dem Leser die Bedeutung der Abkürzung NEA nur aus dem Kontext: Near-Earth Asteroids. Das sind Asteroiden, die der Erde auf ihren Bahnen relativ nahe kommen.

Ein weiterer solcher Fall ist EVA. Das Akronym steht für Extra-vehicular Activity, also Aktivität außerhalb des Raumfahrzeugs. In den Nachrichten wird EVA meist mit „Raumspaziergang“ übersetzt, auf der Mondoberfläche dann als „Mondspaziergang“.

_Unterm Strich_

Die Mischung aus Wirtschaftsintrigen und Space-Abenteuer kommt zunächst schlecht aus den Startlöchern, läuft dann aber im letzten Drittel der 460 Seiten zu Hochform auf. Da das Buch als erster Band über den Asteroidenkrieg angelegt ist, kann man hier noch Gnade vor Recht ergehen lassen. Sonst müsste man sagen: Der Roman ist eindeutig zu langsam für einen Abenteuerroman.

Doch für Science-Fiction, die die heutige Realität der NASA mit den zukünftigen Techniken verknüpft und dabei die Wirtschaft berücksichtigt, ist der Roman einigermaßen annehmbar.

|Originaltitel: The Asteroid Wars: The Precipice; 2001
Aus dem US-Englischen übersetzt von Martin Gilbert|