John Norman – Assassin of Gor (Gor 5)

Agent Tarl Cabot in der Arena – im Sand und in der Luft

Tarl Cabot sucht in der Verkleidung eines Attentäters seinen eigenen Mörder. Er ist auf der Suche nach demjenigen Mann, der ihn auf einer Brücke hinterrücks mit einem Wurfmesser ermorden wollte und stattdessen einen jungen Soldaten traf. Tarl gerät mitten hinein in die Intrigen, die um die Wettkämpfe der Tarn-Rennen von Ar gesponnen werden. Tarl hat mit Vella, einem Erdenmädchen namens Elizabeth, den Auftrag der Priesterkönige, nach dem Kontaktmann zu den Kurii, den feindseligen Aliens, in Ar zu suchen.

Der Autor

In seinem bis dato 34 Bände umfassenden Gor-Zyklus erzählt der amerikanische Geschichts- und Philosophie-Professor John Norman (eigentlich John Frederick Lange, geb. 1932) die Abenteuer von Menschen auf der Welt Gor, einem Planeten, der sich in seiner Umlaufbahn um unsere Sonne der Erde genau gegenüber befindet. Gor ist somit eine Art Zwillingswelt, allerdings weitaus wilder, altertümlicher, wenig erforscht und von zwei Alienspezies umkämpft, den auf Gor im Verborgenen herrschenden Priesterkönigen und den sie bedrängenden Kurii. Raumschiffe der Priesterkönige verkehren zwischen Erde und Gor: Sie bringen geheime Technik, Gold und entführte junge Damen auf die Gegenerde.

1: Gor – die Gegenerde (Tarnsman of Gor)
2: Der Geächtete von Gor (Outlaw of Gor)
3: Die Priesterkönige von Gor
4: Die Nomaden von Gor
5: Die Meuchelmörder von Gor
6: Die Piratenstadt von Gor
7: Die Sklavin von Gor
8: Die Jäger von Gor
9: Die Marodeure von Gor
10: Die Stammeskrieger von Gor
11: In Sklavenketten auf Gor
12: Bestien von Gor
13: Die Erforscher von Gor
14: Kampfsklave auf Gor (Jason Marshall #1)
15: Der Schurke von Gor (Jason Marshall #2)
16: Der Leibwächter von Gor (Jason Marshall #3)
17: Die Wilden von Gor
18: Die Blutsbrüder von Gor
19: Kajira von Gor
20: Die Spieler von Gor
21: Die Söldner von Gor
22: Dancer of Gor / Die Tänzerin
23: Die Verräter von Gor
24: Die Vagabunden von Gor
25: Die Zauberer von Gor
26: Witness of Gor
27: Prize of Gor
28: Kur of Gor
29: Swordsmen of Gor
30: Mariners of Gor
31: Conspirators of Gor
32: Smugglers of Gor
33: Rebels of Gor
34: Plunder of Gor

Handlung

In der wiederaufgebauten Stadt Ko-ro-ba wird Kuurus, ein Mann aus der Kaste der Attentäter, Zeuge einer Trauerfeier: Eine Leiche wird auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Als die Trauergäste abgezogen sind, wagt sich Kuurus aus seinem Versteck, um seinen neuen Auftraggeber zu begrüßen. Der Kopf des Mannes ist völlig haarlos. Das soll Kuurus nicht verdrießen, denn der Kunde hält als Lohn nicht weniger als 20 Goldstücke bereit. Der Auftrag ist einfach: Er soll den Mörder des Toten finden. Einziger Hinweis ist ein grünes Loyalitätsband, wie es die Zuschauer der Tarnrennen in Ar tragen, um die Unterstützung ihrer Mannschaft zu bekunden. Und der Name des Toten, der gerächt werden soll, fragt Kuurus. „Tarl Cabot“, lautet die lapidare Antwort.

In Ar

Der geheimnisvolle Kuurus aus der Kaste der Attentäter ist in Ar, der größten Stadt Gors, aufgetaucht. Er trägt das Zeichen des Schwarzen Dolchs auf der Stirn, den Beweis dafür, dass er einen Auftrag angenommen hat und sich auf der Suche nach seinem Opfer befindet. Schon das erste Mädchen, das er vor einer Taverne anspricht, ist zu Tode erschrocken. Dennoch bucht er sie beim Wirt, für später.

Denn zuvor hat er etwas zu erledigen. Als vier Schwertkämpfer von Portus, dem Sklavenhändler, hereinplatzen, um den Zwerg Hup fertigzumachen, stellt sich ihnen Kuurus entgegen. Der Schwertkampf ist denkbar kurz: Vier tote Portus-Kämpfer liegen am Borden. Portus selbst tritt an Kuurus heran: Er möchte sich der Dienste dieses formidablen Schwertkämpfers sichern, vor allem für das Haus des Administrators Hinrabius – und gegen das konkurrierende Haus Cernus. Kuurus lehnt ab: Er will lieber, zu Portrus’ Entsetzen, dem Haus Cernus dienen.

Ein Wiedersehen

Das Sklavenmädchen wartet immer noch in seinem Alkoven. Als Kuurus es aufsucht, begrüßt sie ihn als „Tarl“ und er sie als „Vella“. Die vormalige Elizabeth Cardwell, jetzt Vella, stammt von der Erde und wurde von Tarl in den Steppen von Turia (in „Die Nomaden von Gor“) erobert und hierhergebracht. Beide sind Agenten der Priesterkönige. Tarl alias Kuurus gibt Vella Anweisungen, zum Haus ihres Besitzers zurückzukehren: zu Cernus. Dort soll sie für Tarl, der sich ebenfalls von Cernus anstellen lässt, spionieren.

Der Plan tatsächlich: Doch Vella tut natürlich, als wäre sie entsetzt darüber, einem solchen Flegel, der sie misshandelte, im Haus Cernus dienen zu müssen. Und das auch noch während ihrer harten Ausbildung. Denn Cernus glaubt natürlich, was Kuurus berichtet: Dass er den Mörder von „Tarl von Bristol“ suche. Daher das Zeichen des schwarzen Dolches auf seiner Stirn. Dieser Mörder, so weiß Tarl, wollte ihn auf einer Brücke bei Koroba hinterrücks mit einem Wurfmesser ermorden und traf stattdessen einen jungen Soldaten. Das Messer war vergiftet: So etwas würden Assassinen nie benutzen. Wer steckt also hinter dem feigen Anschlag? Der einzige Anhaltspunkt: das Band der grünen Fraktion in den Tarnrennen. Leider kommen tausende von Männern in Betracht.

Vorgeschichte

Doch aus welchem Grund befinden sich Vella und Tarl ausgerechnet im Haus von Cernus? Was erwarten sie hier zu finden? Die Erklärung gibt uns Tarl in einem langen Exkurs, zu dem unter anderem die Vorgeschichte zu Kuurus’ und Vellas Mission gehört. Im ersten Band führte Tarl den Sturz des Ubars von Ar, Marlenus, herbei und raubte dessen Tochter Talena sowie den Heimstein von Ar, ein unverzeihliches Verbrechen. Im zweiten Band wurden Koroba von einer Fraktion der Priesterkönige zerstört und alle Bewohner in die Winde zerstreut – Talena verschwand in den Wirren. Das war vor acht Jahren.

Dann begann der Nestkrieg, dessen Zeuge Tarl wurde. Die den Menschen wohlgesonnene Fraktion unter Priesterkönig Misk obsiegte. Misk schickte Tarl nach Turia, um ein Ei sicherzustellen, das die Anderen (die Kurii) haben wollen. Dies gelingt Tarl ebenso wie die Befreiung Vellas. Zusammen fliegen sie zu Misk.

Dank Misk werden die Anderen in ihren Raumschiffen weiterhin davon abgehalten, die Erde oder Gor zu erobern. Doch die Priesterkönige haben den Anderen erlaubt, a) Menschen von der Erde in ihren Dienst zu stellen und als Agenten auf Gor zu platzieren sowie b) wenigen Anderen erlaubt, in zugewiesenen Regionen auf Gor zu leben.

Nun scheint es so zu sein, dass die Anderen einige Agenten unter den Menschen von Gor platziert haben, um mit diesen enger in ihrem Kampf gegen die Priesterkönige kooperieren zu können. Einer dieser Kontaktpunkte ist das Haus des Sklavenhändlers Cernus in Ar. Obwohl Misk es keineswegs von Tarl erbeten hat, beschließt Tarl, dort den Kampf gegen die Anderen aufzunehmen. Vella, deren Besitzer Tarl keineswegs ist, sondern vielmehr eine freie Frau, will mitmachen: Sie will sich ebenfalls bei Cernus einschleusen lassen. Da Cernus ein Sklavenhändler ist, wird Vella am besten als Handelsware, sprich: Sklavin, deklariert. Sie begibt sich zuerst nach Thentis und wird dort vom Haus Clark an Cernus verkauft.

(Ende der Vorgeschichte)

Im Haus von Cernus, dem Sklavenhändler, arbeitet bereits ein Agent der Priesterkönige: Caprus, der Erste Schreiber und Buchhalter. Er registriert Vella als eine Nummer unter vielen. Erst Cernus entscheidet, Vella die volle Ausbildung zukommen zu lassen. In Tarls Gemach streiten die beiden freien Menschen auf amüsante Weise über die Technik von Schlösser und wer den besseren Knoten knüpfen kann. Doch gegenüber dem Sklavenaufseher gibt sich Vella sehr unterwürfig. Er ruft Tarl zu Cernus’ Tafel.

Er findet heraus, dass in einem der umfangreichen Verliese und Gehege ein blutdürstiges Ungeheuer lebt: ein Kur. Cernus erhält von den Raumschiffen der Kurii Nachschub an irdischen Sklavinnen, die bei ihm ausgebildet werden, an Gold und verbotenen Waffen. Mit dem Gold kann er andere Sklavenhändler unterbieten und an den Tarnrennen teilnehmen. Schau- und Wettkämpfe finden in der Arena der Stadt statt.

Bei einem der Tarn-Rennen stößt Tarl unerwartet auf Marlenus, der vertriebenen früheren Ubar. Was hat das zu bedeuten, fragt er sich aufgeregt. Denn Tarl hat selbst vor Jahren (in Band 1) durch seinen Diebstahl des Heimsteins von Ar die Vertreibung des Ubars in Gang gesetzt. Will Marlenus aus dem Exil zurückkommen, um die Macht an sich zu reißen?

Mein Eindruck

Die erste Hälfte des Romans, also rund hundert Seiten, dient nur der Einführung, wirkt recht schleppend, und es scheint zunächst überhaupt nichts zu passieren außer ein paar Begegnungen. Dazu gehören vor allem erotische Momente, denn die von der Erde verschleppten jungen Damen – darunter eine Deutsche – haben zwar Geschichten über die Gegenerde gehört, glaubten sie aber nicht. Aber sie haben immerhin von Tarl Cabots Abenteuern gehört!

Eine von ihnen spricht deutsch: „Meine Herren!“ ruft sie im Original. Und sie müssen erfahren, dass Goreaner keinen Spaß verstehen, wenn es um Gehorsam geht. Und so nutzt der Erzähler, Tarl, die Gelegenheit zu detaillierten Beschreibungen des Trainings der drei Sklavinnen Elizabeth, Phyllis und Virginia, das mit psychologischen, rhetorischen und körperlichen Mitteln erfolgt.

Diese erotische Seite der Geschichte kontrastiert mit der Agentenstory Tarls und Vellas, die noch durch Andeutungen über die Entwicklung der Politik verstärkt wird. Diese politische Entwicklung steuert allmählich einer Katastrophe zu, die im Aufstieg Cernus‘ zum Administrator Ars kulminiert. Zur Agentenstory gehört unter anderem eine sehr schöne, sehr lebendig erzählte Szene in den Capacischen Bädern, wo Tarl eine Gegenagentin näher kennenlernt …

Vor dem Start der zweiten Hälfte des Romans liegt der Karneval der Sklaven, die Kajuralia. In dieser Ausnahmezeit von einem Tag dürfen Sklaven freie Menschen gefangennehmen und lieben und auch sonst viel Unsinn treiben. So ist auch dies eine Zeit, die Wahrheit ans Licht zu bringen und alle Verhältnisse zu ändern …

Die zweite Hälfte des relativ umfangreichen Romans ist dafür umso reicher an Action, Auseinandersetzungen, spannenden Wettkämpfen usw., die schließlich zur Entscheidung führen. Denn der gefangen genommene Tarl soll nach Cernus‘ Willen in der Arena unter dem Schwert von Gardesoldaten sterben. Er dreht den Spieß um.

Anschließend begibt er sich in die Arena, in der die Wettflüge mit den Tarn-Vögeln stattfinden. Diese Szenenfolge entspricht dem berühmten Wagenrennen in „Ben Hur“ und bildet den absoluten, bis ins letzte Detail hinein fein säuberlich beschriebenen und ausgetüftelten Action-Höhepunkt. Denn Tarl fliegt nicht für sich, sondern mit seiner Fraktion der Steels gegen den neuen Administrator Cernus persönlich. Und der weiß alle möglichen fiesen Tricks aufzubieten, um die drohende Niederlage abzuwenden. Dies ist „Ben Hur“ hoch zwei!

Die Geschichte ist also doch relativ clever aufgebaut. Nach diesen zwei Actionhöhepunkten folgen zwei Szenen mit Abrechnungen – mit Cernus und Marlenus, der hinter dem Aufstand des Volkes gegen den Thronräuber steckt. Vor Marlenus stehend muss Tarl Angst haben, wegen des Raubs des Heimsteins von Ar zum Tode verurteilt zu werden. Er kommt mit Verbannung davon. Doch wo steckt Vella? Ohne die will er Ar nicht verlassen.

Unterm Strich

Insgesamt vergebe ich vier von fünf Sternen, denn die zwei Actionhöhepunkte – besonders das phänomenale Tarn-Rennen – entschädigen für die anfangs etwas ziellos wirkende erste Hälfte des Romans. Verglichen mit „Marauders of Gor“ und „Raiders of Gor“ ist „Assassin“ (Nr. 5) etwas weniger wild und actionbetont, dafür aber mehr an politischen Entwicklungen interessiert.

Sehr lustig fand ich hingegen die Kajuralia, erotisch die Erziehung der drei neuen Ladys von der Erde – und erhellend den gesamten Schluss, in dem alles aufgeklärt wird, was mir zunächst ein Rätsel war. Dann herrscht wieder Friede, Freude, Eierkuchen – und Kuurus, der titelgebende Attentäter, der den Mörder von „Tarl Cabot“ gefunden hat – wird nicht mehr gebraucht. Bis zum nächsten Abenteuer.

Taschenbuch: 392 Seiten
Sprache: Englisch

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