John Norman – Bloodbrothers of Gor (Gor 18)

So actionreich wie David Gemmell, aber erotischer

Im 17. Abenteuer der Gor-Saga macht sich Tarl Cabot, der Agent der Priesterkönige, auf den Weg, um in den östlichen Einöden nach einem angeblich abtrünnigen Kur-General zu suchen, doch er bekommt es mit indianerähnlichen Kriegern zu tun. Ein ehrloser Wilder teilt sein Schicksal als Sklave und Flüchtling. Sie stoßen auf andere Eingeborene, die sich der seltsamen Idee der Gleichheit von Mann und Frau verpflichtet fühlen – und anscheinend auch danach leben.

Dieses Abenteuer wird in Band 18, „Blutsbrüder von Gor“, fortgesetzt und abgeschlossen. Mein Bericht setzt die Kenntnis von Band 17 voraus.

Handlung

Inzwischen ist Tarl Cabot, unser Mann auf der Gegenerde, von den Kaiila-Kriegern der prärie zu einer Art Sklave pro forma und ehrenhalber gemacht worden. Dadurch ist die Ehre des Stamms ebenso gerettet wie sein Leben. Er lebt sich ein und vedient sich die Achtung seines pro-forma-Herrn, des Kriegers Canka.

Sein niederer Stand hindert Tarl nicht daran, Nachforschungen anzustellen, was es mit dem geplanten Friedensschluss des Kaiila-Stammes mit den verfeindeten Gelbmessern auf sich hat. Beim Stamm der Kaiila ist man sich aber offenbar der lauteren Absichten der Gelbmesser sicher und fürchtet keinen Angriff, da ja schließlich die Zeit der Feste und Feiern im Sommerlager jedem Stamm heilig ist. Tarl findet jedoch heraus, dass die drei angeblichen Friedenshäuptlinge, die bei Häuptling Watonka auf Besuch sind, in Wahrheit Kriegshäuptlinge sind!

Rufer in der Wüste

Mit seiner Erkenntnis rennt Tarl verzweifelt von Pontius zu Pilatus, denn sowohl Canka als auch andere Häuptlinge sind verschwunden. Dabei soll doch in Kürze der große Friedensrat beginnen, allerdings in einer Halle, die Tarl nicht betreten darf. Als er den Unterhäuptling Watonka informiert, wird er barsch abgewiesen und kann froh sein, nicht getötet zu werden – Watonka wird bereits von drei Gelbmesser-Häuptlingen bewacht. Nur sein Freund Cuwignaka, ein angeblicher Feigling, glaubt ihm und ergreift Maßnahmen. Aber auch die kommen bereits zu spät: Der Angriff der Gelbmesser ist bereits in vollem Gange, in der Versammlungshalle werden die hohen Ränge der Kaiila ausgelöscht.

Widerstandskampf

Plötzlich tauchen obendrein indianische Krieger auf Tarn-Vögeln auf und beschießen die in wilder Panik umherlaufenden Menschen. Als sich unter Cuwignakas und Tarls Führung der Widerstand an einer Stelle organisiert, taucht unvermittelt die verschollene Kavallerie des Oberst Alfred auf. Sie hat sich dem Bündnis gegen die Kaiila, die Wochen zuvor Alfreds Feldzug vernichteten, angeschlossen. Die Chancen stehen schlecht. Als dann auch noch die furchterregenden Kurii-Aliens auftauchen, glauben die Verteidiger an Geister und ergreifen in heilloser Verwirrung das Hasenpanier. Cuwignaka und Tarl gelingt die Flucht.

Die Schlacht

Diese erste Schlacht nimmt rund hundert Seiten ein. Auf den restlichen 200-250 Seiten gelingt es den beiden Helden, die versprengten Kaiila zusammenzuführen und den Widerstand zu organisieren. Mit recht einfallsreichen Methoden gelingt es ihnen, eigene Tarnvögel zu fangen und abzurichten. Schließlich kommt, was kommen muss: die entscheidende Schlacht. Weil man das Bündnis, das die Kurii mit den Soldaten und den Gelbmessern geschmiedet haben, in eine Falle gelockt hat, gelingt eine großartige Kriegslist.

Dennoch steht es auf Messers Schneide, ob die knapp 200 Kaiila-Krieger den mehreren tausend Angreifern auf einem großen Felsen standhalten können. Die Schlacht dauert drei Tage, bis sich eine entscheidende Wende zeigt, als sich der Kur-General namens Zarendargar, den zu suchen Tarl überhaupt erst in die Prärie gekommen ist, den feindlichen Kurii, der ihn verfolgenden Todesschwadron, stellt…

Mein Eindruck

Wie man sieht, ist der Roman recht einfach aufgebaut: In der Mitte steht die Niederlage und Beinahe-Vernichtung des Kaiila-Stammes, die Formierung des Widerstands und die abschließende siegreiche Schlacht. Ein David Gemmell etwa – er ruhe in Frieden – könnte diese Struktur ebenso wirkungsvoll umsetzen und mit interessanten Details ausschmücken. Die letzte Schlacht beispielsweise erinnert stark an die Abwehrkämpfe des Helden Druss aus den ersten Drenai-Romanen.

Wandlungen

Ebenso wie bei Gemmell durchlaufen viele Figuren bei John Norman eine Wandlung, mit der Ausnahme von Tarl selbst. Diese Wandlungen sind sehr interessant zu verfolgen und machen den eigentlichen Reiz des Buches aus. Da sind zunächst die zwei Blutsbrüder Tarls. Cuwignaka wird als „Frauenhemd“ bezeichnet, weil er sich weigerte, gegen den Stamm der Fleer zu kämpfen. Cuwignaka ist Pazifist, wird aber nach dem Überfall der Gelbmesser zum Krieger, und Tarl bildet ihn aus. Ironischerweise macht er durch seine mutigen Taten seinem Schand-Namen alle Ehre, und zweitens kommen die Fleer im Finale den Kaiila nur zu Hilfe, weil sich ein Kaiila – eben Cuwignaka – weigerte, gegen sie zu kämpfen.

Blutsbrüder

Der andere Blutsbruder ist der Kaiila-Krieger Hci, und seine Wandlung ist noch weitaus interessanter. Durch eine Verunstaltung im Gesicht war er eine Art Menschen- und Frauenhasser geworden. Besonders auf Cuwignaka und Tarl als die vermeintlich Schwächsten hatte er es abgesehen, wobei sie einmal fast umgekommen wären. Doch Hci glaubt auch an die Geisterwelt und den Code des Kriegers. Durch eine große Lüge, deren Wahrheit er bei seinem heiligen Schild beschwor, verletzte er seinen Code und glaubte fortan, dass sein mit magischen Sprüchen, der „Medizin“, gesegneter Schild ihn nicht mehr schützen würde. Tarl sieht verblüfft, wie sich Hcis Schild von selbst bewegt. Im entscheidenden Moment der Schlacht gegen die Gelbmesser hebt sich tatsächlich der Schild, um Hci schutzlos preiszugeben! Erst nachdem er von Tarl und Cuwignaka gesundgepflegt worden ist, wandelt sich Hcis Einstellung gegenüber Tarls, dem Ungläubigen, und Cuwignaka, dem vermeintlichen Feigling, grundlegend. Hci spielt eine wichtige Rolle im Guerillakrieg und in der finalen Schlacht am Ratsfelsen.

Frauenfiguren

Es gibt noch viele weitere Wandlungen, die aber vor allem Frauen betreffen. Von diesen ist die wichtigste diejenige Wandlung unter den Waniyanpi, den „Gleichen“, die der Lehre anhingen, dass Mann und Frau gleich und daher geschlechtslos seien. Interessanterweise sind es die Frauen unter den Waniyanpi, die diesen widernatürlichen Irrsinn als erste zurückweisen, da er ihnen verbietet, ihr Frausein zu leben. Lady Mira ist glücklich, in den Armen Tarls, ihres Herrn, dem „Wahnsinn“ der Waniyanpi entkommen zu sein.

Zwei weitere Frauen sind Iwoso, eine Agentin der Gelbmesser, und Bloketu, eine Kaiila-Häuptlingstochter. Iwoso ist zunächst eine Sklavin Bloketus, doch nach dem Sieg der Gelbmesser wird sie zur Herrin Bloketus, die sie als ihre Leibsklavin schikaniert. Indem die beiden durch Tarl seine zwei Guerillahelfer Cuwignaka und Hci entführt worden sind (eine Kriegslist), bleibt Iwoso vorerst eine freie Frau, eine Gefangene Hcis.

Bloketu, als rechtlose Sklavin, sieht keinem so schlimmen Schicksal wie Iwoso entgegen, denkt sie. Iwoso triumphiert bereits, als sie die Gelbmesser, die sie mit einer Information zum Ratsfelsen herbeigerufen hat, zu Tausenden kommen, um sie, die stolze Iwoso, zu befreien. Umso bestürzter ist sie, als sie mitansehen muss, wie die Gelbmesser einer Taktik der Kaiila nach der anderen zum Opfer fallen. Iwoso ist nämlich nur ein Köder, damit die Gelbmesser und Alfreds Soldaten in die Falle der Kaiila laufen.

Freiheit

Nachdem alles vorüber ist, geht es darum zu entscheiden, was mit den beiden Frauen zu passieren hat. Durch das Urteil Oberhäuptling Mahpiyasapas werden beide zu Freien Frauen erklärt. Doch ihre Freude wandelt sich in Entsetzen, als sie erkennen, dass dies auch ihr Todesurteil bedeutet: Sie sollen vom Felsen in die Tiefe gestoßen werden. Ein ehrbarer Tod als Freie Frauen, finden die Indianer. Doch die betroffenen Frauen sind ganz anderer Meinung. Sie wollen lieber in Schande als Sklavinnen leben, als Ehre im Tod zu finden. Doch wer soll diese beiden renitenten Weibsbilder als Sklavinnen akzeptieren?

Unterm Strich

Als Abschluss des Doppelromans aus „Wilde“ und „Blutsbrüder“ bietet der vorliegende Roman die weitere Entwicklung von Tarls Schicksal sowie einen aufregenden Guerillakrieg des beinahe vernichteten Kaiila-Stammes gegen vier Gegner: Gelbmesser, Soldaten, Tarnkrieger und schließlich sogar Kurii. Das sorgt für jede Menge Abwechslung.

Allerdings lockert der Autor diese kriegerischen Aktionen immer wieder mit erotischen Begegnungen auf, bei denen sich Tarl regelmäßig als Lehrmeister der S/M-Liebe hervortun kann. Seine Lehren sind sicher nicht nach jedermanns Geschmack, müssen sich auch nicht mit den Ansichten des Autors decken.

Der Gor-Zyklus

1: Gor – die Gegenerde (Tarnsman of Gor)
2: Der Geächtete von Gor (Outlaw of Gor)
3: Die Priesterkönige von Gor (Priestkings of Gor)
4: Nomads of Gor / Die Nomaden von Gor
5: Die Meuchelmörder von Gor (Assasins of Gor)
6: Raiders of Gor / Die Piratenstadt von Gor
7: Captive of Gor / Die Sklavin von Gor
8: Hunters of Gor / Die Jäger von Gor
9: Marauders of Gor / Die Marodeure von Gor
10: Tribesmen of Girl / Die Stammeskrieger von Gor
11: Slave Girl of Girl / In Sklavenketten auf Gor
12: Beasts of Gor / Bestien von Gor
13: Explorers of Gor / Die Erforscher von Gor
14: Fighting Slave of Gor / Kampfsklave auf Gor (Jason Marshall #1)
15: Rogue of Gor / Der Schurke von Gor (Jason Marshall #2)
16: Guardsman of Gor / Der Leibwächter von Gor (Jason Marshall #3)
17: Savages of Gor / Die Wilden von Gor
18: Bloodbrothers of Gor / Die Blutsbrüder von Gor
19: Kajira of Gor / Kajira von Gor
20: Players of Gor / Die Spieler von Gor
21: Mercenaries of Gor / Die Söldner von Gor
22: Dancer of Gor / Die Tänzerin
23: Renegades of Gor / Die Verräter von Gor
24: Vagabonds of Gor / Die Vagabunden von Gor
25: Magicians of Gor / Die Zauberer von Gor
26: Witness of Gor
27: Prize of Gor
28: Kur of Gor
29: Swordsmen of Gor
30: Mariners of Gor
31: Conspirators of Gor
32: Smugglers of Gor
33: Rebels of Gor
34: Plunder of Gor

Taschenbucn: 572 Seiten
Sprache: Englisch

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