John Norman – Rebels of Gor (Gor 33)

Wenn der Eiserne Drache fliegt: packende Action-Fantasy

REBELS OF GOR ist die direkte Fortsetzung zu MARINERS OF GOR und SWORDSMEN OF GOR (siehe meine Berichte dazu), und die Handlung nimmt den dort beendeten Faden direkt auf.

Die Pani haben mit ihrem Riesenschiff das Ende der Welt erreicht: ihre Heimat, die stark an Japan erinnert. Die zwei Fürsten Noshida und Okimoto schließen sich dem Shogun Temmu an. Doch sofort sehen sie sich von Verrat hintergangen, und die Festung Temmus wird von seinem Rivalen Yamada belagert.

Im Laufe der Monate verliert Tarl Cabot, der Hauptmann der Luftkavallerie, durch Verrat den Großteil seiner Streitmacht – und seine Sklavin Cecily wird für einen Fuder Reis an den Feind verkauft. Höchste Zeit also, das Blatt zu wenden. Doch wer ist der Verräter in den eigenen Reihen, der jede Initiative unter den Rebellen heimlich an Yamada weitergibt?

Der Autor

In seinem bis dato 34 Bände umfassenden Gor-Zyklus erzählt der 1931 geborene, amerikanische College-Professor John Norman (eigentlich John Frederick Lange) die Abenteuer des Erdenmenschen Tarl Cabot auf Gor, einem Planeten, der sich in seiner Umlaufbahn um unsere Sonne der Erde genau gegenüber befindet. Gor ist somit eine Art Zwillingswelt, allerdings weitaus wilder, altertümlicher, wenig erforscht und von zwei Alienspezies umkämpft, den auf Gor im Verborgenen herrschenden Priesterkönigen und den sie bedrängenden Kurii. Raumschiffe der Priesterkönige verkehren zwischen Erde und Gor: Sie bringen geheime Technik, Gold und Sklavinnen auf die Gegenerde. Mit einer solchen Entführung beginnt Tarl Cabots Aufenthalt auf Gor.

1: Gor – die Gegenerde
2: Der Geächtete von Gor
3: Die Priesterkönige von Gor
4: Die Nomaden von Gor
5: Die Meuchelmörder von Gor
6: Die Piratenstadt von Gor
7: Die Sklavin von Gor
8: Die Jäger von Gor
9: Die Marodeure von Gor
10: Die Stammeskrieger von Gor
11: In Sklavenketten auf Gor
12: Bestien von Gor
13: Die Erforscher von Gor
14: Kampfsklave auf Gor (Jason Marshall #1)
15: Der Schurke von Gor (Jason Marshall #2)
16: Der Leibwächter von Gor (Jason Marshall #3)
17: Die Wilden von Gor
18: Die Blutsbrüder von Gor
19: Kajira von Gor
20: Die Spieler von Gor
21: Die Söldner von Gor
22: Dancer of Gor / Die Tänzerin
23: Die Verräter von Gor
24: Die Vagabunden von Gor
25: Die Zauberer von Gor
26: Witness of Gor
27: Prize of Gor
28: Kur of Gor
29: Swordsmen of Gor
30. Mariners of Gor
31. Conspirators of Gor
32. Smugglers of Gor
33. Rebels of Gor
34. Plunder of Gor

Handlung

Sie müssen verraten worden sein. Die Lords Okimoto, Noshida und Temmu, der Shogun, beraten auf den Zinnen der belagerten Küstenfestung Temmus, was zu tun ist. Tarl Cabot, der Hauptmann der Luft-Kavallerie, ist der Hauptleidtragende des Verrats: Seine Streitmacht wurde in ihrem geheimen Lager in den Bergen von sehr gut unterrichteten und organisierten Soldaten des gegnerischen Shoguns Yamada stark dezimiert. Nur seiner Vorsicht ist es zu verdanken, dass überhaupt welche der riesigen Tarn-Vögel entkommen konnten. Von den wichtigsten Kriegern fehlt jede Spur. Wahrscheinlich werden sie gerade zu Tode gehetzt.

Seltsamerweise denken die Lords nicht daran, zum Angriff überzugehen oder Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um ein Gleichgewicht der Kräfte herzustellen. Vielmehr denkt Fürst Okimoto daran, rituellen Selbstmord zu begehen. Als Tyrtaios, der verräterische Unterhändler Fürst Yamadas, die Übergabe der Festung fordert, ist es daher Shogun Temmu, der ihn mit harschen Worten zurückweist und fortschickt.

Belagerung

Die Monate der Belagerung sind eine schwere Belastung. Ratten werden bereits mit Silber und vielleicht bald schon in Gold bezahlt. Auf einem Erkundungsflug in die Berge kann Tarl Cabot zwei wertvolle Krieger retten: den Schwertmeister Nichida und seinen Schüler Tajima. Er fast wieder Mut und verlagert seine restliche Streitmacht in ein Lager, dessen Standort er niemandem anvertraut. Denn offenbar gibt es einen Verräter in den höchsten Rängen der Verteidiger.

Der Tropfen, der für Tarl das Fass zum Überlaufen bringt, ist der Verkauf seiner Sklavin Cecily an den Feind – ohne seine Einwilligung. Sie brachte lediglich einen Fuder Reis ein, eine Nahrungsquelle, die allenfalls für drei Tage reichte. Endlich kann er Okimoto und Noshida überreden, etwas zu unternehmen. Sie locken den Feind, der gierig auf die vermuteten Schätze der Festung ist, in eine Falle. Er selbst geht dazu über, einen Guerillakrieg gegen Yamadas Truppen zu führen, und weiß dabei die hungernde, ausgeplünderte Landbevölkerung auf seiner Seite.

Der eiserne Drache

Doch um eine Entscheidung herbeizuführen, ist diese Taktik der Nadelstiche natürlich nicht ausreichend. Als ein Luftgefährt auftaucht, das die Tarns der Luftkavallerie abschießt, verbreiten sich im Palast Angst und Schrecken: „der eiserne Drache“! Lord Temmu vollzieht schließlich eine Kehrtwende und liefert Tarl an seinen Widersacher aus. Auch Lord Yamada würde natürlich gerne eine so schlagkräftige Truppe gerne in seinen eigenen Diensten wissen und drängt Tarl, sich unter sein Kommando zu stellen.

Doch Tarl mag es nicht, wie ein Gefangener behandelt zu werden. Dieser Lord Akio beispielsweise droht ihm versteckt mit einem Kampffächer aus Metall, der ohne weiteres einen Gärtner köpfen könnte. Mit eben diesem Gärtner schließt Tarl Freundschaft. Haruki kennt einen geheimen Fluchtweg über die Palastmauer in einen Tunnel. Er warnt ihn vor dem „Eisernen Drachen“: Er habe ihn selbst gesehen. Vor der Flucht jedoch entdeckt Tarl im fünften Stockwerk der Palastfestung eine beunruhigende Spur: Kurii sind hier…

Mein Eindruck

REBELS OF GOR ist die direkte Fortsetzung zu MARINERS OF GOR und SWORDSMEN OF GOR (siehe meine Berichte dazu), bildet also den Abschluss einer Trilogie. Tatsächlich hat der Autor seitdem keinen neuen Gor-Band mehr vorgelegt, sondern die Serie verlassen.

Kontinuität

Die Handlung nimmt den in „Mariners“ und „Swordsmen“ beendeten Faden direkt wieder auf. Zahlreiche Verweise und Rückblenden helfen, den Zusammenhang mit den Vorgängerbände zu festigen. Das ist vor allem deshalb nötig, weil seit dem Ende des Vorgängerbandes, als sich die gelandeten Pani auf dem Strand einem Angriff gegenübersehen, einige Wochen vergangen sein müssen. Schon der Angriff war ein Akt des Verrats und seitdem wurde auch die Tarn-Luftkavallerie durch Verrat schwer dezimiert. Das ist für Tarl Anlass genug, in der Wahl seiner Verbündeten sehr vorsichtig zu sein.

Die richtige Loyalität ist ein durchgehendes Thema aller Gor-Romane. Doch wem können tarl und seine Freunde trauen? Dass Pertinax und Tajima seine treuen Freunde sind, erweist sich immer wieder. Doch das gleiche kann man von nden drei Fürsten des Nordens Temmu, Okimoto und Nishida nicht unbedingt behaupten. Es sind vielmehr diese drei Fürsten, die durch ihren Feind Lord Yamada zweifach verraten worden sind. Kein Wunder also, dass Verrat und Täuschung an höchster Stelle verheerende Auswirkungen zeitigen.

Kosmisches Spielbrett

Doch als Tarl von dem Eisernen Drachen hört und ihn schließlich mit eigenen Augen fliegen sieht, wird klar, dass das Spielbrett ein wesentlich größeres ist als nur die Inseln am Ende der Welt. Kurii, Invasoren von den Stahlwelten, und Priesterkönige, die Herrscher von Gor, liefern sich auf irgendeine Weise eine Auseinandersetzung. Sollte Gor an die Aliens fallen, wäre auch die Erde in höchster Gefahr. (Der Eiserne Drache scheint eine der Flugmaschinen aus dem Gor-Band 3 „Die Priesterkönige von Gor“ zu sein, stellt also einen sehr weit zurückgreifenden Rückgriff dar.)

Auf diesem kosmischen Spielbrett müssen selbst sterbliche Akteure wie Tarl und seine Freunde ihre Verbündeten mit Sorgfalt wählen. Doch Tarl geht dabei sehr unkonventionell vor. So findet er in dem Banditen Arashi, der Yamandas Reich heimsucht, einen unerwarteten Alliierten, der den Aufstand der Bauern anführt und in die richtigen Bahnen lenkt. Auch der Schwertmeister Nodachi, der Pertinax und Tajima ausgebildet hat, taugt als- recht ungewöhnlicher und eigenständiger – Verbündeter. Haruki, der bescheidene Gärtner Yamadas, entwickelt sich zu einem der treusten Freunde Tarls und mobilisiert die ausgebeuteten Bauern gegen Yamada und Temmu.

Action

Angesichts so vieler Änderungen hinsichtlich der Beziehungen kann es nicht ausbleiben, dass in der Handlung ständig für Abwechslung gesorgt ist und es zu zahlreichen handfesten Auseinandersetzungen kommt. Am besten sind die Schwertkämpfe nach Samurai-Art, denn sowas hat der Leser sicher schon in irgendeinem Martial-Arts-Film gesehen, etwa in „Hero“ oder „House of Flying Daggers“. Aber auch die geniale Szene in einem Landgasthof erfreute mich mit mehreren Auseinandersetzungen: Sie fängt ganz langsam an, steigert sich über mehrere Stationen immer weiter – und endet mit einer scheinbaren Niederlage für Tarl.

BDSM-Romantik

Auf der anderen Seite sind da noch die Mädchen. Der Leser wundert sich zusammen mit Tarl die ganze Zeit, warum sein Freund Tajima an Sumomo, der schönen „Kontraktfrau“ – einer Exklusiv-Sklavin – einen derartigen Narren gefressen hat. Sumomo, so stellt sich heraus, ist eine Spionin Yamadas an Lord Temmus Hof. War es Zufall oder Absicht, dass sie sich dabei sehen ließ, wie sie nachts eine geheime Botschaft über die Burgzinnen warf? Tarl hat da so einen Verdacht.

Jedenfalls wird Sumomo zurückgerufen, fällt bei ihrem Vater Yamada in Ungnade und soll gefräßigen Aalen vorgeworfen werden, um den Tod einer Verräterin zu erleiden. Ganz wunderbar ist die Szene vorbereitet und ausgeführt, in der Tajima Sumomo vor dem sicheren Tod bewahrt, indem er sie mit einem Tarnvogel von einer Planke holt und davonfliegt. Wer könnte es ihr verdenken, wenn sie fortan ihm allein gehören will? Aber dazu sind ein paar Bedingungen zu erfüllen, die jedem Gor-Fan wohlbekannt sind…

Die Akte „Talena“

Von Anfang an sind wir nicht im Unklaren darüber gelassen worden, dass sich an Bord des namenlosen Schiffs des Tersites eine ganz besondere Sklavin befindet. Diese Sklavin wurde von Lord Temmu auch als einzige nicht für einen Fuder Reis verkauft. Den Grund dafür erfahren wir und Tarl erst ganz zum Schluss – ein wahnsinnig langer Spannungsbogen, der nun erst sein Ende findet.

Besagte Sklavin ist die schönste Frau von Gor, heißt Talena und war die erste Geliebte und Sklavin des Helden der Serie. Zahlreiche Rückblenden erhellen ihre Bedeutung für Tarl. Nun soll Talena Lord Temmus Fürsten dazu dienen, Tarl zu beeinflussen. Falsch gedacht! Er weiß, dass sie nur eine Sklavin unter vielen ist. Sie versucht immer wieder, über die Liebe, die sie ihm unterstellt, ihn zu unterwerfen, doch er hat keine Gefühle mehr für sie.

Schon in Band 25 („Die Zauberer von Gor“) hat sie sich ihm als Sklavin unterworfen und ihre Stadt Ar verraten. Wie es kam, dass die Priesterkönige sowohl sie als auch die Pani mit unbekannten Mitteln (Teleportation?) entführten und dann zusammenbrachten, wird nicht genauer ausgeführt. Aber wenn man sich vorstellt, dass die Pani Talena als Trumpfkarte gegen Tarl einsetzen wollen, dann ist auch klar, warum sie ihn als Ausbilder ihrer „Luftwaffe“ engagierten: Sie konnten sich, so oder so, stets seiner Loyalität sicher sein.

Wie auch immer: Am Schluss von Band 33 wird die Akte „Talena“ vorerst geschlossen. Soll uns recht sein, denn das Mädchen hat ja auch zuvor kaum eine Rolle gespielt.

Schwächen & Fehler

An manchen Stellen wirkt der Text, als sei er nicht getippt, sondern diktiert worden und der Sprachaufzeichner (sei es ein Mensch, sei es eine Maschine) habe nicht gewusst, wie das Wort korrekt geschrieben wird. Merke: Diesen Text hat kein Korrektor je zu Gesicht bekommen. Das findet man bei E-Books leider immer häufiger. Ich bespreche den on demand gedruckten Text.

S. 56: „horde“ statt „hoard“. Der Fehler taucht mehrfach bei Norman auf.

S. 62: „illusive apprehension“ (eingebildete Beklommenheit) sollte besser „elusive apprehension“ (flüchtige Beklommenheit) heißen, denn eine Beklommenheit kann man sich nicht einbilden. Man hat sie oder hat sie nicht.

S. 131: „with which [to] intrigue clients…“ Das Wörtchen „to“ fehlt.

S. 269: „imminently suitable“ (= bevorstehend passend) sollte besser „eminently suitable“ (= äußerst passend) heißen. Der Fehler ist der gleiche wie auf S. 62.

S. 467: Ein Bezugsfehler bei „he said“: Hier ist nicht der Schwertmeister Nodachi, wie man annehmen müsste, sondern Yamada, sein Vater, gemeint.

S. 488: „presence if the Ashigaru“ muss korrekt „presence OF the Ashigaru“ heißen.

S. 507: „It would [be] meaningless to most Goreans.“ Das Wörtchen „be“ ist hier nicht ganz unwichtig.

S. 619: „But this [???] gave every appearance of being a free woman.“ Hier könnte das Wörtchen „girl“ oder „woman“ fehlen.

S. 620: „going to be marked,
collared and sold…“ Der Zeilenbruch steht auch so im Buch! Der Grund ist der Verlauf der Zeilen am Ende der Seite bzw. am Anfang der nächsten.

S. 642: „These things (…) confirm[s] her bondage and ressure[s] her…“: Der Plural von „things“ zieht auch die Pluralform des Verbs nach sich. Die zwei „s“ sind daher überflüssig.

Unterm Strich

In seinen GOR-Romanen ab Band 28 läuft der betagte Autor zu neuer Hochform auf. „Rebels“ ist nach „Mariners“ und „Swordsmen“ das bislang ungewöhnlichste Abenteuer, das ich bis dato lesen durfte – allenfalls „Kur of Gor“ kann da mithalten. Auf der Action-Schiene bekam ich alles geboten, was das Herz begehrt, und die ganz spezielle Erotik Gors kommt ebenfalls nicht zu kurz. So konnte es nicht ausbleiben, dass ich den gewichtigen Band von rund 650 Seiten in wenigen Tagen – mit Pausen – gelesen hatte.

Ein besonderes Schmankerl ist das Auftauchen der Kurii und ihres „Eisernen Drachen“. Dessen Erscheinen wird dementsprechend lange und sorgfältig vorbereitet, schließlich ist er der Clou der Story. Und wie es das Schicksal (und der Autor) will, ist auch Tarl in der Lage, dieses Fluggerät zu steuern. Das hat er bei seinem Aufenthalt im „Nest“ der Priesterkönige gelernt, von dem er in Band 3 erzählt hat. Mit so einem fliegenden Flammenwerfer lässt sich natürlich einiges anstellen und erreichen, was politisch angenehm ist.

Die Rebellen des Titels – das könnten eine Reihe von Gruppen sein. Das ist zunächst mal Tarls eigene Truppe in der Luft, dann aber auch die sich erhebenden Bauern im Land der Pani, schließlich aber auch diverse Individuen. Unter diesen ragt besonders der unkonventionelle Schwertmeister Nodachi heraus, der eine nicht bloß zufällige Ähnlichkeit mit Musashi Miyamoto hat, dem größten japanischen Schwertmeister aller Zeiten. Dieser bäurische Kämpfer soll der Sohn des großen Shogun sein, wundern sich die Leute. Daraus ergeben sich etliche überraschende Konsequenzen.

Die Akte „Talena“, die Tarl seit seinem allerersten Abenteuer anno 1966 begleitet hat, dürfte mit diesem Band endgültig ad acta gelegt werden können. Die Sauereien, die sie alle angestellt hat, gehen auf keine Kuhhaut, und damit muss endlich Schluss sein. Tarl liest ihr die Leviten und bringt ihr die Flötentöne bei – kurz bevor das Schiff in die Heimat ablegt.

Alles in allem ist „Rebels“ ein actionreicher Abschluss der Pani-Trilogie. Aber für die zahlreichen weiblichen Leser John Normans dürfte – nach „Prize“ und „Conspirators“ – mal wieder ein Abenteuer anstehen, in dem eine weibliche Heldin im Mittelpunkt steht.

Taschenbuch: 654 Seiten
Sprache: Englisch

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)