John Norman – Dancer of Gor (Gor 22)

Des Monsters tanzende Beute

Die Bibliothekarin Doreen Williamson führt ein heimliches Doppelleben. Tagsüber arbeitet sie als Bibliothekarin, nachts näht sie durchsichtige Kleider aus Seide und träumt davon, darin für starke Männer zu tanzen. Eines Tages lässt sich ein Fremder von Doreen das Buch „Harpers Wörterbuch der klassischen Literatur und des Altertums“ aus einem Regal holen. Darin befindet sich ein Zettel, den Doreen vorliest und auf dem „Ich bin eine Sklavin“ steht.

Drei Monate später tanzt Doreen heimlich, wie so oft, als Bauchtänzerin leicht bekleidet und mit Glöckchen geschmückt nachts in der Bibliothek. Plötzlich erscheinen der Fremde, Teibar, und seine beiden Helfer. Sie fangen Doreen und legen sie in Ketten. Dann wird sie gezwungen, für die Fremden zu tanzen und sich ihnen wie eine Sklavin zu präsentieren. Anschließend wird sie betäubt und in einer Lieferung, bestehend aus hundert Frauen, nach Gor verschleppt. Wird das Tanzen ihr das Leben retten? (Quelle teilweise: Wikipedia.de)

Dieser Band ist zwischen die Bände 21 (Söldner) und 23 (Verräter) eingeschoben, also mitten in eine kontinuierliche Sequenz von Band 20 bis 25 hinein, die der cosianschen Invasion des Kontinents von Gor gewidmet ist. Warum dieser Einschub erfolgte, ist unbekannt, aber er sorgt auf jeden Fall für einen erfrischenden Wechsel des Blickwinkels auf die Geschehnisse auf dem Kontinent…

Handlung

Doreen Williamson ist nach außen hin eine schüchterne Bibliotheksangestellte, doch abends, wenn alle bereits gegangen sind, übt sie heimlich den Bauchtanz und stellt sich begehrliche Männerblicke vor. Bis sie eines Nachts von einem goreanischen Sklavenhändler namens Teibar nach Gor entführt wird.

Nach ihrer Versteigerung verwirklichen sich ihre Fantasien: In Tavernen tanzt sie vor Männern zu deren Vergnügen. Ihre Mitsklavinnen werden schnell eifersüchtig und spinnen Intrigen. Doch ihre wechselnden Besitzer merken schließlich, dass mit ihr etwas nicht stimmen kann: Widerstreitende Mächte haben Doreen insgeheim zu einer Figur in ihrem Schachspiel erkoren, und diese Mächte sind keine Geringeren als Ar und Cos, die um die Vorherrschaft auf dem goreanischen Hauptkontinent kämpfen. Es scheint, als sei der Besitz Doreens für ihren jeweiligen Eigentümer sehr ungesund.

Schließlich kommt es auf einer Wiese irgendwo bei Venna zu einer dramatischen Begegnung. Drei Kurii, Aliens von Raumschiffen in der Umlaufbahn des Planeten Gor, erheben Anspruch auf die Sklavin und ihre drei Schicksalsgenossinnen. Sie setzen mehrere goreanische Krieger außer Gefecht, die zumindest Doreen ans Leben wollen. Die Kurii zahlen einen hohen Blutpreis, geben aber nicht auf.

Da erscheint ein maskierter Krieger auf der Wiese, der so fabelhaft gut mit dem Schwert umgehen kann, dass ihm der Sieg über die riesigen, intelligenten Ungeheuer sicher sein muss. Oder doch nicht? Doreen und die anderen Mädchen zittern und bangen. Verliert der unbekannte Krieger, ist ihr Leben verwirkt…

Mein Eindruck

Ich habe mehrere Jahre gebraucht, um diesen Roman ein zweites Mal im Original zu lesen. Das Hindernis lag nicht etwa darin, dass der Autor einen schwierigen Stil hätte. Der Stil ist sogar vergleichsweise einfach. Es sind auch die selbst im Englischen äußerst unüblichen Satzkonstruktionen, die das Lesen beeinträchtigen.

Nein, es muss an der Story und gewissen Grundannahmen liegen. Es dauert zum Beispiel fast das halbe Buch, bis so etwas wie ein Plot zustande kommt. Doreen gerät in Konflikt mit ihren Kolleginnen, wird verkauft und als Locksklavin benutzt. In dieser Eigenschaft bringt sie ihren geliebten Herrn Hendow in eine missliche Lage: Er wird gefangengenommen. Man kann sich vorstellen, dass er fortan nicht gut auf sie zu sprechen ist. Das zeigt sich auf der Wiese des Showdowns: Er will die Schmach rächen und sie umbringen.

Das war aber schon ziemlich alles an Konfliktstoff, der sich ausmachen lässt, und das ist für knapp 500 Seiten doch ziemlich mager.

Erotik

Dann gibt es natürlich, wie in jedem GOR-Roman, ein gerüttelt‘ Maß an Sex und Erotik. Dies ist leider in den bisherigen deutschen Ausgaben, die allesamt gekürzt wurden, nicht ohne Weiteres evident. Auch das von Star Books veröffentlichte Original fand nicht immer die Zustimmung des Autors, und so verwundert es nicht, wenn die Umschreibungen von sexuellen Handlungen zuweilen wunderlich blumig ausfallen: „He put me to his pleasure / to his purposes“ ist davon noch die harmloseste Umschreibung.

Für heutige Zeitgenossen schwer zu akzeptieren ist die vielfach in den GOR-Romanen erörterte These, dass die „wahre/echte/wirkliche“ Frau nur als Sklavin, die dem überlegenen Manne untertan ist, glücklich sein und eine erfüllte Sexualität erleben könne. Dass ein Sklave in der goreanischen Gesellschaft – ebenso wie in der antiken römischen oder griechischen – nur ein Besitzgegenstand vom Range eines Tieres ist, wird allenthalben demonstriert und schließlich auch von der jeweiligen Sklavin verinnerlicht und unterstützt. Auch dies fällt uns heute schwer zu akzeptieren.

Doch wie Doreen zu ihrer Freude herausfindet, wird ihre weiblich-sexuelle Attraktivität nicht mit den Jahren schnell schwinden, sondern für eine ganze Weile erhalten bleiben. Verantwortlich dafür, so ihr vergötterter Gebieter Teibar, sind die ihr verabreichten Stabilisierungsseren, die man ihr spritzte, als sie auf Gor landete. Doreen – oder vielmehr „Tuka“, wie sie momentan genannt wird – kann also mehrere Dutzend Jahre lang eine putzmuntere und wunderschöne, sprich: begehrenswerte Tänzerin bleiben.

Unterm Strich

„Dancer of Gor“, der 22. GOR-band, erfordert eine Menge Geduld und viele lange Nächte, um ihn durchzuarbeiten. Er ist teils leicht, teils zäh zu lesen, denn ein Plot kommt erst spät zustande und in Gang. Bis zum Showdown muss der Leser rund 380 Seiten warten. Dann wird er auf 100 Seiten mit einem doppelten Finale belohnt. Bis dahin wird Doreen unzählige Male dem Willen ihres jeweiligen Gebieters unterworfen, denn dafür wurde sie zur Sklavin gemacht. Selbstredend kann sie keinem der männlichen Prachtexemplare von Goreaner widerstehen – kein Wunder: Er würde sie sonst einen Kopf kürzer machen.

Es viele bessere GOR-Romane, aber nur wenige schlechtere. „Dancer“ muss man nicht kennen, nicht einmal in der ungekürzten deutschen Ausgabe des Basilisk-Verlages.

Der Gor-Zyklus

1: Tarnsman of Gor
2: Outlaw of Gor
3: Priestkings of Gor
4: Nomads of Gor
5: Assassin of Gor
7: Captive of Gor
8: Hunters of Gor
9: Marauders of Gor
10: Tribesmen of Gor
11: Slave Girl of Gor
12: Beasts of Gor
13: Explorers of Gor
14: Fighting Slave of Gor (Jason Marshall 1)
15: Rogue of Gor (Jason Marshall 2)
16: Guardsman of Gor (Jason Marshall 3)
17: Savages of Gor
18: Bloodbrothers of Gor
19: Kajira of Gor
20: Players of Gor
21: Mercenaries of Gor
22: Dancer of Gor
23: Renegades of Gor
24: Vagabonds of Gor
25: Magicians of Gor
26: Witness of Gor
27: Prize of Gor
28: Kur of Gor
29: Swordsmen of Gor
30: Mariners of Gor
31: Conspirators of Gor
32: Smugglers of Gor
33: Rebels of Gor
34: Plunder of Gor

Taschenbuch: 558 Seiten
Sprache: Englisch

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