John Norman – Fighting Slave of Gor (Gor 14)

Bewährung in der Arena

Mit diesem Roman begann John Norman 1980 eine zusammenhängende Trilogie um den Aufstieg eines Erdenmannes namens Jason Marshall, der auf die Gegenerde entführt wird. Die Trilogie löst vorübergehend die Erzählungen ab, in deren Mittelpunkt bislang Tarl Cabot alias Bosk stand.

Die Trilogie ist nicht schlecht, was ihren Actiongehalt angeht, reicht aber nicht an die vielschichtige Tiefe heran, die Tarls Abenteuer erreichen. Und die deutschen „Zurichtungen“ des Textes lassen kaum etwas von goreanischer Erotik bzw. Exotik übrig: Alle deutschen Ausgaben sind stark gekürzt.

Handlung

Der amerikanische Student Jason Marshall trifft sich mit der Literaturstudentin Beverly Henderson in einem New Yorker Restaurant. Beide sind kultivierte Angehörige der weißen angelsächsischen protestantischen mehrheit in New York. Jason, liebt die entzückende Beverly und hört sich verblüfft ihre intimen Wünsche und Träume an – so gern wäre er mit ihr zusammen. Leider wehrt die teuerste sämtliche Annäherungsversuche ab. Sie erzählt ihm vielmehr von einer unheimlichen Begegnung mit einem Fremden, der eine überwältigende Autorität ausstrahlte. Was sie nicht ahnt: Dieser Mann kommt von Gor, um sie zu holen.

Leider erhält Gentleman Jason keine Gelegenheit mehr, Beverly seine Liebe zu zeigen. Vielmehr werden beide nach dem Restaurantbesuch in einem extra zu Entführungszwecken präparierten Taxi betäubt. Eigentlich sollte ja nur die hübsche Beverly gekidnappt werden. Doch der arme Jason fleht so steinerweichend um sein Leben, dass sein Entführer Gnade vor Recht ergehen lässt und ihn auf die Gegenerde namens Gor verschleppt.

Von Miss Beverly findet Jason zunächst keine Spur. Natürlich hat er zunächst keine Ahnung, was hier Sache ist, wird aber bald aufgeklärt: Denn er wird mit einem besonders grausamen Tod bedroht, falls er nicht gehorcht. Er selbst ist ebenso unfrei wie seine Mitsklaven und –sklavinnen. Mit letzteren macht er besonders enge Bekanntschaft, während sie ihm die hiesige Sprache beibringen. Das darf man sich aber nicht besonders vergnüglich vorstellen: Als man ihm eine nackte Sklavin in die Zelle schickt, macht er genau das, was man von ihm erwartet: Er gibt ihr zu essen und zu trinken und erklärt ihr ganz genau, warum er ihre Dienste ablehnen muss. Die Ärmste denkt zunächst, es mit einem narren zu tun zu haben. Dann jedoch erscheint ihr dieser Erdling immer seltsamer und sie ruft nach ihren Herren, um sie aus dieser Zelle zu holen, in der ein Geisteskranker sitzt…

Doch mit seinen wechselnden Besitzern ist umso weniger zu spaßen. Lady Tima und ihre Assistentin Lady Tendite aus Vonda lassen ihn zunächst zu seinem Entsetzen zu einem sogenannten „Seidensklaven“ ausbilden, der dem Vergnügen der Damen zu dienen hat. Nachdem er aber im Haushalt der reichen Lady Florence gelandet ist, wird er von deren Erzfeindin Lady Melpomene entführt und missbraucht.

An Lady Florence zurückgegeben, verbannt diese den so „Befleckten“ ihn in die Ställe. Dort bekommt Jason durch die anstrengende Arbeit ordentliche Muskelpakete, die sein Aufseher Kenneth profitabel zu nutzen weiß: Er bildet jason zum Kampfsklaven aus, der sich neben anderen Faust- und Ringkämpfern in den Stallkämpfen zu bewähren hat. Schon bald hat jason keinen Rivalen mehr im Umkreis von 40 bis 50 Kilometern. Als er auch den Champion der Großstadt Ar, Krondar, besiegt, kennt Jasons Ruhm keine Grenzen.

Doch an diesem Höhepunkt nehmen die politischen Ereignisse für Vonda und Lady Florence eine sehr ungünstige Wendung: Vonda gehört der mächtigen Salerianische Föderation an, die Ar ein Dorn im Auge ist, zumal sie sich in Allianz mit Cos befindet, dem Erzrivalen Ars um die Vorherrschaft auf Gor. Ars Krieger machen Vonda dem Erdboden gleich, Söldnertrupps brennen das Anwesen der Lady Florence nieder, sie selbst entkommt mit dem nackten Leben (und das ist wörtlich zu nehmen).

Zum Dank dafür, dass er ihr das Leben rettete, gibt Lady Florence Jason seine Freiheit zurück. Allerdings beschließt er, sich an seiner Peinigerin zu rächen und sie seinerseits zu seiner Sklavin zu machen. Nach einer ganzen Weile erst kann er damit beginnen, seine verschwundene Beverly zu suchen. Auch sie ist im Sklavenstand gelandet und befindet sich im Besitz eines gewissen Oneander aus dem feindlichen Ar.

Unterm Strich

Eigentlich müsste dieser Roman ein absolutes Kultbuch für sadomasochistisch veranlagte Lederladies sein: Es schildert in allen nötigen Details, wie man einen kultivierten Mann von der Erde zu einem gehorsamen und effizienten Sklaven umwandelt. Dieser Teil der Geschichte nimmt praktisch das erste Drittel der rund 300 Seiten ein. Das zweite Drittel zeigt Jason in den Diensten der Lady Florence und der grausamen Lady Melpomene. Erst im letzten Drittel erfährt der so Misshandelte Genugtuung, Freiheit und vielleicht so etwas wie Gerechtigkeit – wenn man auf Gor von so etwas überhaupt sprechen kann. Die goreanischen Verhältnisse, die denen der irdischen Antike ähneln, sind doch von denen der modernen Erde sehr verschieden. (Diese Einteilung gilt ausschließlich für die Originalausgabe.)

Dieser Auftaktband zu einer Trilogie mit den Abenteuern des Sklaven Jason Marshall ist wie stets mit Abenteuer und Erotik gewürzt, aber dennoch weit entfernt von dem ernsthaften Grundton der Agentenaufträge eines Tarl Cabot. Daher erscheinen diese drei Romane ein wenig trivial, obwohl sie im Grunde die genretypische Mischung bieten und so dem Leser das Erwartete liefern. Die beiden Folgebände steigern den Action-Anteil dann noch beträchtlich.

Aber das ist eben nur der halbe John Norman. Den ganzen wird man sowohl nur in den Tarl-Romanen finden, aber auch nur in den ungekürzten, unzensierten Originalausgaben. Doch diese sind in Deutschland nur über den Antiquariatshandel oder über Ebay zu bekommen.

Hintergrund

In seinem bis dato 34 Bände umfassenden Gor-Zyklus erzählt der amerikanische Geschichts- und Philosophie-Professor John Norman (eigentlich John Lange) die Abenteuer von Menschen auf der Welt Gor, einem Planeten, der sich in seiner Umlaufbahn um unsere Sonne der Erde genau gegenüber befindet. Gor ist somit eine Art Zwillingswelt, allerdings weitaus wilder, altertümlicher, wenig erforscht und von zwei Alienspezies umkämpft, den auf Gor im Verborgenen herrschenden Priesterkönigen und den sie bedrängenden Kurii. Raumschiffe der Priesterkönige verkehren zwischen Erde und Gor: Sie bringen geheime Technik, Gold und entführte junge Damen auf die Gegenerde.

1: Tarnsman of Gor
2: Outlaw of Gor
3: Priestkings of Gor
4: Nomads of Gor
5: Assassin of Gor
7: Captive of Gor
8: Hunters of Gor
9: Marauders of Gor
10: Tribesmen of Gor
11: Slave Girl of Gor
12: Beasts of Gor
13: Explorers of Gor
14: Fighting Slave of Gor (Jason Marshall 1)
15: Rogue of Gor (Jason Marshall 2)
16: Guardsman of Gor (Jason Marshall 3)
17: Savages of Gor
18: Bloodbrothers of Gor
19: Kajira of Gor
20: Players of Gor
21: Mercenaries of Gor
22: Dancer of Gor
23: Renegades of Gor
24: Vagabonds of Gor
25: Magicians of Gor
26: Witness of Gor
27: Prize of Gor
28: Kur of Gor
29: Swordsmen of Gor
30: Mariners of Gor
31: Conspirators of Gor
32: Smugglers of Gor
33: Rebels of Gor
34: Plunder of Gor

Taschenbuch: 432 Seiten
Sprache: Englisch

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