John Norman – Mariners of Gor (Gor 30)

Abenteuerliche Reise ans Ende der Welt

MARINERS OF GOR ist die direkte Fortsetzung zu SWORDSMEN OF GOR (siehe meinen Bericht), und die Handlung nimmt den dort beendeten Faden direkt auf: Das große Schiff des verrückten Erbauers Tersites sticht in See – und versenkt gleich mal eine cosianische Küstenpatrouille. Doch wohin wollen die Pani, die japanischen Krieger, die das Schiff bauen ließen?

Der Autor

In seinem bis dato 34 Bände umfassenden Gor-Zyklus erzählt der amerikanische Geschichts- und Philosophie-Professor John Norman (eigentlich John Lange) die Abenteuer von Menschen auf der Welt Gor, einem Planeten, der sich in seiner Umlaufbahn um unsere Sonne der Erde genau gegenüber befindet. Gor ist somit eine Art Zwillingswelt, allerdings weitaus wilder, altertümlicher, wenig erforscht und von zwei Alienspezies umkämpft, den auf Gor im Verborgenen herrschenden Priesterkönigen und den sie bedrängenden Kurii. Raumschiffe der Priesterkönige, der Kurii und der Schmuggler verkehren zwischen Erde und Gor: Sie bringen geheime Technik, Gold und entführte junge Damen auf die Gegenerde.

1: Tarnsman of Gor
2: Outlaw of Gor
3: Priestkings of Gor
4: Nomads of Gor
5: Assassin of Gor
7: Captive of Gor
8: Hunters of Gor
9: Marauders of Gor
10: Tribesmen of Gor
11: Slave Girl of Gor
12: Beasts of Gor
13: Explorers of Gor
14: Fighting Slave of Gor (Jason Marshall 1)
15: Rogue of Gor (Jason Marshall 2)
16: Guardsman of Gor (Jason Marshall 3)
17: Savages of Gor
18: Bloodbrothers of Gor
19: Kajira of Gor
20: Players of Gor
21: Mercenaries of Gor
22: Dancer of Gor
23: Renegades of Gor
24: Vagabonds of Gor
25: Magicians of Gor
26: Witness of Gor
27: Prize of Gor
28: Kur of Gor
29: Swordsmen of Gor
30: Mariners of Gor
31: Conspirators of Gor
32: Smugglers of Gor
33: Rebels of Gor
34: Plunder of Gor

Handlung

PROLOG

Der Fremde sitzt noch spät am Abend in einer Hafentaverne in Brundisium, direkt an der Küste des schimmernden Ozeans Thassa. Er ist unbewaffnet, hat kein Geld und will sein Bier mit einer Geschichte bezahlen. Das macht den Wirt keineswegs glücklich, denn welche Geschichte könnte schon sein Bier wert sein? Doch dann erwähnt der Fremde zwei Namen: Talena und Tersites. Sofort ist das Interesse des Wirtes und der letzten verbliebenden Gäste geweckt.

Erstens ist Talena ist die meistgesuchte Frau des Planeten Gor; auf ihre Ergreifung ist ein astronomisches Kopfgeld ausgesetzt. Und Tersites ist ein verrückter Schiffbauer aus dem Piratennest Port Kar, der ein gigantisches, völlig größenwahnsinniges Schiff bauen wollte, um damit ans Ende der Welt zu segeln.

Und der Fremde behauptet nun, er sei auf eben diesem Traumschiff mitgereist und hätte dort Talena getroffen. Wenn dem so ist, warum hat er sich dann nicht das hohe Kopfgeld verdient und ist als Krösus in seine Heimat Cos zurückgekehrt? Um dieses Rätsel lösen zu können, müssen die Gäste notgedrungen die Geschichte anhören, die der Fremde auf seine ganz eigene Weise zu erzählen weiß.

Haupthandlung

Callias – so wird er später genannt – stammt aus Cos und eroberte einst die stolze Stadt Ar, den Erzfeind von Cos. Doch als deren einstiger Ubar Marlenus zurückkehrte, erhoben sich die gedemütigten und ausgeplünderten Bürger, vertrieben die Besatzer und versklavten oder exekutierten die Kollaborateure. Talena, die als Marionettenregentin von Cos eingesetzt worden war, verschwand auf geheimnisvolle Weise. Callias schlug sich mittellos nach Brundisium und schließlich Cos durch, doch sein Willkomm war alles andere als warm. Vielmehr musste er sich als Matrose auf einer Kriegsgaleere verdingen, um sein karges Brot zu verdienen.

Und auf dieser Galeere begegnet er dem Schiff des Tersites: Sein Boot wird von diesem Giganten einfach über den Haufen gefahren. Er allein überlebt den Untergang und wird als Gefangener an Bord gebracht. In seiner Zelle besucht ihn eine Sklavin namens Alcinoe, die er als Lady Flavia von Ar wiedererkennt. Sie ist entsetzt. Wenn man sie enttarnt, wird sie womöglich als Kollaborateurin von Ar, eine Freundin der verhassten Talena, gepfählt!

Also erzählt sie ihm alles, was er wissen will. Ihre Flucht aus der rebellischen Stadt war kurz, denn sie fiel weiteren cosianischen Söldnern in die Hände, die sie kurzerhand in Brundisum versteigerten. Dass sie nicht als Lady Flavia enttarnt und nach Ar zur Hinrichtung zurückgebracht wurde, verdankt sie lediglich einer ihrer Sklavinnen. Zu dumm, dass Alcinoe nun den Pani gehört, denn sonst könnte er sie für sich beanspruchen.

Die japanischen Herren des großen Schiffes verhören Callias, um danach über sein Schicksal entscheiden zu können. Es sind zwei Krieger und ein Fürst. Doch an ihrer Seite stehen ein rothaariger Krieger namens Tarl Cabot – und der frühere Hauptmann von Talenas Leibgarde, Seremides. Er nennt sich hier Rutilius und will – angesichts von Callias‘ Wissen über Ar – den schnellstmöglichen Tod des Gefangenen, um nicht enttarnt zu werden. Doch Tarl Cabot und Tajima vereiteln diesen Plan.

Das Riesenschiff ist weder den Göttern geweiht worden noch wurde dem Ozean Thassa geopfert. Während die Stürme zunehmen, stachelt ein Matrose namens Tyrtaios die Männer zur Meuterei an: Diese Reise werde nicht gut ausgehen und man müsse den Kapitän zur Umkehr zwingen, koste es, was es wolle. Callias entdeckt, dass sich mindestens 200 Sklavenmädchen eingesperrt unter Deck befinden – und inzwischen seekrank geworden sind. Welchem geheimnisvollen Zweck soll diese menschliche Fracht dienen?

Schließlich gelangt das namenlose – ein weiterer Frevel – Schiff in die Region des Eises. So verkürzt es zwar die Strecke auf die andere Seite der Kugel, die Gor bildet, doch gegen die Kälte sind die wenigsten Leute an Bord gewappnet. Schließlich kommt es wegen der Unzufriedenheit mancher Besatzungsmitglieder zur Meuterei, und Callias sieht sich unvermittelt an der Seite von Tarl Cabot um die letzten Tarn-Vögel kämpfen. Denn diese wollen die Meuterer benutzen, um nach Hause zu fliegen – ein sinnloses Unterfangen, denn Torvaldsland ist bereits unerreichbar, selbst für die Riesenvögel.

Bevor jedoch Callias auf der anderen Seite des Ozeans Thassa anlangt, muss er noch in pechschwarzer Nacht und in einem Hagelsturm einen heimtückischen Mordanschlag überleben. Dreimal darf man raten, wer dahintersteckt …

Mein Eindruck

In seinen GOR-Romanen ab Band 28 läuft der Autor John Norman zu neuer Hochform auf. „Mariners“ ist das bislang ungewöhnlichste Abenteuer, das ich bis dato lesen dürfte – allenfalls „Kur of Gor“ kann da mithalten. Auf der Action-Schiene bekam ich alles geboten, was das Herz begehrt. Gefährliche Seegefechte, die Tücken unbekannter Meere voller Monster, eine Seeschlacht gegen feindliche Schiffe und nicht zuletzt ausbrechende See-Vulkane – und schließlich eine fremde Küste, die einen Hinterhalt bereithält.

Aber auch das Schiff und seine Besatzung sind keineswegs ungefährlich, sondern vielmehr eine Schlangengrube. In diesem Mikrokosmos geben zwar die Pani den Ton an, doch ihre goreanischen Handlanger um Seremides und Tyrtaios scheinen der Kaste der Assasinen anzugehören. Immer wieder vernimmt Callias, unser cosianischer Gewährsmann, von gemeuchelten oder spurlos verschwundenen Matrosen. Eine Meuterei bricht aus, als die Besatzung verzweifelt, jemals das Ende der Reise ins Nichts erleben zu können. Später findet sogar noch eine Massendesertion statt, bei der nur Callias ein gutes Bild abgibt: Er will die Deserteure aufhalten.

Das „Ende der Welt“ schließlich hat sehr viel Ähnlichkeit mit der Ära des mittealterlichen Japans der Fürsten und Shogune, die in der Schlacht von Skeigahara anno 1600 ihr Ende fand. Die Schiffseigner Okomoto und Nishida stehen auf der Seite des einen Shoguns Temmu, der sich in seiner Festung an der Steilküste verschanzt hat. Temmu sieht sich schon bald von seinem Rivalen, dem Gegen-Shogun Yamada belagert – und die Goreaner geraten zwischen die Fronten.

Kriegerehre

Dieser Roman zeigt Tarl Cabot, Normans Dauerhelden, nur in einer Nebenrolle, zwar nicht unwichtig, aber dennoch verfolgen wir mehr das Schicksal von Callias, dem Cosianer. Schließlich macht der PROLOG klar, dass er diese Geschichte erzählt. Callias ist zwar nicht auf den Kopf gefallen und hat auch Sinn für Kriegerehre, aber nicht immer weiß er, wo die Front verläuft. Verrat, Intrigen, Täuschung – damit muss er ständig herumschlagen. Das macht die Geschichte äußerst spannend.

Zunächst bekommt er es mit Seremides, dem Assassinen, zu tun, der ihn nur zu gerne killen würde. Während der Meuterei muss sich Callias in Acht nehmen, nicht im Gemenge abzumurkst zu werden. Diese Rivalität ändert sich radikal, als er Gelegenheit erhält, Seremides in gefahrvollen Hai-Gewässern das Leben zu retten. Nun hat ihn jedoch Tyrtaios im Visier. Callias muss zeigen, wo letzten Endes seine wahre Loyalität liegt. Ich habe mich gewundert, dass diese beim Schiff des Tersites liegt. So kommt es, dass Callias schließlich eine ungewöhnliche Aktion wählt. Die Folgen: Auf ihn wird in der Hafenschenke in Brundisium ein Anschlag verübt …

Liebe und andere Verrücktheiten

Was wäre ein Gor-Roman ohne die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau? Natürlich handelt es sich bei dem Mann um einen Freien und bei ihr um eine Sklavin. Nun in Sachen Sklaventum hat die einst solze Lady Flavia aus Ar noch einiges zu lernen. Und das bringt ihr unter anderem Callias bei. In diesem „romantischen“ Handlungsstrang kommt die Gor-typische BDSM-Variante von Erotik voll zum Tragen.

Der Epilog, der als Rahmenhandlung den Prolog wieder aufnimmt und immerhin 120 Seiten umfasst, erzählt, was aus Callias und Lady Flavia, die jetzt Alcinoe heißt, geworden ist. Mit Verwunderung las ich, dass Callias Pläne hat, zurück ans Ende der Welt zu reisen, nur um eine ganz bestimmte Sklavin wiederzusehen, nämlich eine gewisse Alcinoe. Offenbar bedeutet sie ihm wesentlich mehr, als es ihr niedriger Sklavenstatus vermuten lassen würde. Zum Glück haben dies seine Freunde ebenfalls erkannt und ihm Alcinoe mit dem ersten Schiff von Shogun Temmu, das Brundisium anlief, zurückgeschickt …

Des Schreibers neues Glück

Während die Binnenhandlung von Callias in der Schenke wiedergegeben wird, ist der Erzähler der Rahmenhandlung ein Schreiber namens Calisthenes. Diesem mittellosen, aber klugen Burschen erweist Callias, der bis zu Alcinoes Ankunft selbst mittellos ist, einen großen gefallen. Calistenes kann sich nicht mal jene barbarische Sklavin leisten, die ihm in der Schenke aufgefallen ist. Na, diesem Mangel kann abgeholfen werden, wie sich zeigt. Die Barbarin kommt von der Sklavenwelt, die sich selbst „Earth“ nennt, und muss noch viel lernen. Zum Glück ist sie selbst Studentin alter Sprachen wie Latein und Altgriechisch – das dürfte zum Verständnis der goreanischen Kultur, die auf der römischen (Ar) und der griechischen (Cos) Kultur basiert sehr hilfreich sein …

Die Akte Talena

Vom allerersten Band an, der vor fast 50 Jahren anno 1966 erschien, tritt Talena auf, die erste Geliebte und Sklavin von Tarl Cabot. Au weia, wie sie dem armen Kerl zusetzte! Talena, die Tochter des Ubars Marlenus von Ar, kollaborierte sogar mit dem Feind aus Cos, um ihre Heimatstadt Ar selbst regieren zu können. Die intrigante Prinzessin bekam aber von Tarl in Band 25 ein Schnippchen geschlagen, Ar fiel zurück an Marlenus und Talena – tja, wo ist sie abgeblieben?

Callias ist es überlassen, die aus Ar entführte und von den Pani gekaufte Sklavin Talena mit der Hilfe Alcinoes aufzuspüren. Auf Talenas Kopf ist eine immense Belohnung ausgesetzt. Nur sehr wenige Personen an Bord von Tersites‘ Schiff wissen von ihrer Existenz, und Tarl Cabot gehört offenbar nicht dazu. Als Callias ihr dies klar macht, hat er sie in der Hand. Sollte er ihre Existenz publik machen, würde man sie in Ar liebend gerne öffentlich pfählen. Kein beneidenswertes Schicksal für eine Prinzessin!

Am Schluss des Romans bleibt das Schicksal Talenas ungewiss. Sie lebt nun im Land der Pani, wo auch Tarl Cabot als Hauptmann der Tarn-Kavallerie dient. Ich kann mir gut vorstellen, dass mit dem Wiedersehen dieser beiden Haupt- und Dauerhelden die Serie ihren (vorläufigen?) Abschluss findet. Dann wird die Akte Talena vielleicht endlich geschlossen. Immerhin zählt der Autor ja auch schon 82 Lenze …

Schwächen im Text

Immer wieder sind mir seltsame Fehler im Originaltext aufgefallen. Da diese nicht aufs Konto eines Übersetzers gehen, fallen sie umso mehr ins Gewicht.

S. 290: „berth“ (Koje) statt „birth“ (Geburt)
S. 406: „abroa[r]d“ statt „aboard“
S. 417: „It [is] pleasant to have you on your knees…“ „Is“ fehlt.
S. 426: „That of the Placid Sea, or that [of] the Three Moons.“ „of“ fehlt. „The Placid Sea“ ist übrigens die wörtliche Übersetzung des lateinischen Namens „Oceanus pacificus“…
S. 470: „are not permitted [to] the slave, only to free women“. „to“ fehlt.
S. 476: „to solicit custom[ers] für their master’s establishment“.
S. 513: „What are your [are your] plans when we sail?“ Sinnlose Wiederholung.

Unterm Strich

Mich hat „Mariners“ gut unterhalten und ich konnte das Buch binnen weniger Tage lesen. Die Haupthandlung setzt mal wieder auf den Topos der Reise ins Unbekannte, doch mit dem guten alten Sindbad-Faktor ließen sich schon immer Action und Abenteuer erzeugen. (Die Riesenvögel bringt das Schiff praktisscherweise gleich selber mit, ein weiterer „Vogel Roc“ ist also nicht erforderlich).

Das namenlose Schiff des verrückten Tersites stelle ich mir so groß vor wie einen Ozeandampfer – an Bord passen locker 2000 Leute plus Verpflegung und Tarnvögel usw. Auch am Ende der Reise reißen die Abenteuer nicht ab, und eine veritable Schlacht, auf die zahlreiche Fans sicher schon gewartet haben, sorgt für einen ordentlichen Adrenalinschub.

Damit auch das gute alte Testosteron zu seinem Recht kommt, erlebt unser Gewährsmann Callias eine recht kuriose Liebesgeschichte mit einer Sklavin, die er nicht anrühren darf. Sie gehört nämlich den Schiffseignern, die sie ihrem Lehnsherren zum Geschenk machen wollen, zusammen mit 200 anderen handverlesenen Schönheiten. Während er sich also in eine Jungfrau verliebt, die früher mal eine wichtige Dame war, ist er doch voll auf Entzug und Mann darf sich wundern, wie er die Reise über bei Verstand bleiben kann. Aber wahrscheinlich ist seine Story sowieso erstunken und erlogen, wie er in der Hafenschenke freimütig zugibt. Marco Polo hat ja auch keiner geglaubt.

Der Roman kombiniert bis zum Ende der Rahmen- und Binnenhandlung Abenteuer und Romantik, sofern man auch mit BDSM-Erotik etwas anfangen kann. Schade, dass der Originalverlag nicht etwas mehr Sorgfalt auf die Textgestalt gelegt hat. Dann hätte ich mich weniger über Druckfehler geärgert.

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 4,00 von 5)

Taschenbuch: 590 Seiten
ISBN-13: 978-0759299894

www.ereads.com