Bova, Ben – Rückkehr zum Mars

In [„Mars“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1206 erzählte Ben Bova mit großem Erfolg die Geschichte der ersten Expedition zum Mars. Darin fand der Navaho-Halbindianer Jamie Waterman einen Hinweis auf eine außerirdische Zivilisation, und seine Kollegen fanden Leben: winzige Flechten im Marsboden – ein Riesenerfolg.

Nun müssen Jamie, der aktuelle Leiter, und seine Kollegen auf der zweiten Marsexpedition erst ihre Funde untermauern und ihre Hoffnungen belegen. Ohne dabei erneut fast umzukommen, wie beim ersten Mal.

_Der Autor_

Ben Bova ist schon über 70 (Jahrgang 1932) und ein verdammt erfahrener Bursche. 1956 bis 1971 arbeitete er als technischer Redakteur für die NASA und ein Forschungslabor, bevor er die Nachfolge des bekanntesten Science-Fiction-Herausgebers aller Zeiten antreten durfte, die von John W. Campbell. Campbell war die Grundlage für das „Goldene Zeitalter der Science-Fiction“, indem er mit seinem Magazin „Analog Science Fiction“ jungen Autoren wie Asimov, Heinlein, van Vogt und anderen ein Forum gab. Hier entstanden der „Foundation“-Zyklus und andere Future-History-Zyklen.

Für seine Herausgeberschaft von |Analog| wurde Bova sechsmal (von 1973-79) mit einem der beiden wichtigsten Preise der Science-Fiction ausgezeichnet, dem |Hugo Gernsback Award|. Von 1978-82 gab er das Technik-&-Fiction-Magazin „Omni“ heraus. 1990-92 sprach er für alle Science-Fiction-Autoren Amerikas in seiner Eigenschaft als Präsident der Berufsvereinigung. Seit 1959 hat er eigene Bücher veröffentlicht, die sich oftmals an ein jugendliches Publikum richten, darunter die Kinsman- und Exiles-Zyklen.

Ebenso wie Robert A. Heinlein und Larry Niven ist Bova ein Verfechter der Idee, dass die Menschheit den Raum erobern muss, um überleben zu können. Und dies wird nur dann geschehen, wenn sich die Regierung zurückzieht und die Wirtschaft den Job übernimmt. Der Brite Stephen Baxter hat in seiner [Multiversum-Trilogie]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=389 diese Idee aufgegriffen und weiterentwickelt.

1992 begann Bova mit der Veröffentlichung seines bislang ehrgeizigsten Projekts: die Eroberung des Sonnensystems in möglichst detaillierter und doch abenteuerlicher Erzählform. Folgende Bände sind bislang erschienen:

1) [Mars;]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1206
2) Rückkehr zum Mars;
3) Venus;
4) Jupiter;
5) [Der Asteroidenkrieg]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1075 (The Asteroid Wars 1: The Precipice);
6) Asteroidensturm (The Asteroid Wars 2: The Rock Rats);
7) Asteroidenfeuer (The Asteroid Wars 3: The Silent War; deutsche Fassung im September 2005);
8) [Saturn.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=557

Es fehlen also noch Romane über die äußeren Planeten Neptun, Uranus und Pluto. Merkur, der innerste Planet, wurde bislang ebenfalls nicht berücksichtigt.

Diese Auswärts-Bewegung spiegelt sich im Werk anderer Science-Fiction-Autoren. So hat der Schotte Ken MacLeod mit [„Das Sternenprogramm“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=175 „Die Mars-Stadt“ und „Die Cassini-Division“ einen ähnlichen Zyklus vorgelegt. Allerdings ist seine politische Überzeugung der Ben Bovas genau entgegengesetzt: MacLeods Figuren sind Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten!

_Handlung_

Rund zehn Jahre nach „Mars“ erfolgt die zweite Expedition zum roten Planeten, allerdings wird sie nicht uneigennützig finanziert und geleitet, sondern von einem Konsortium von Universitäten und einem Industriemagnaten. Dessen Sohn Dexter Trumball gehört der Expedition als Geologe an. Dex hat den Ehrgeiz, seinem Vater zu beweisen, dass er selbst zu großen Leistungen fähig ist. So will er beispielsweise einen bedeutenden Teil zum Profit aus dieser Unternehmung beitragen.

Statt seine Arbeit als Wissenschaftler zu erledigen, übernimmt Dex nun die Kameraaufnahmen vom Mars, der Forschungsstation und der Aktivitäten der acht Expeditionsmitglieder: drei Frauen, fünf Männer. Zudem will er alte Marslander zur Erde zurückbringen: als Museumsstücke, die an den Meistbietenden verkauft werden. Dass dazu ein Ausflug über 4000 Kilometer zu machen ist, stört ihn nicht. Immerhin lernt er in einem der gewaltigen Staubstürme ein wenig Respekt vor dem Planeten.

Jamie hingegen packt das kalte Entsetzen, als er von den Plänen der beiden Trumballs erfährt: Sie würden Mars zu einer Art Disneyland-Freizeitpark für Erdtouristen machen. Und er ist erst recht wütend, als er eine verlassene Felsenbehausung der Marsianer entdeckt, die Dex in eine Touri-Attraktion umwandeln will. Das wäre wie ein McDonald’s in der Akropolis!

Die Dinge entwickeln sich in der zweiten Häfte des Buches auf zwei Höhepunkte zu. Jamie entdeckt das Geheimnis der verschwundenen Marsianer bzw. den Grund, warum sie verschwanden. Die Wahrheit bedroht die gesamte Menschheit. Und als wäre dies nicht genug, mündet die Reihe der heimlichen Sabotageversuche der Expedition in eine Katastrophe, die den Abbruch der Expedition erfordert.

Nur zwei Menschen bleiben zurück, um Mars in Besitz zu nehmen: Jamie, der von Trumball abgesetzte Expeditionsleiter, reklamiert die erkundeten Gebiete als Eigentum der Navaho-Nation, und die Inderin Vijay bleibt bei ihrem Geliebten – eine der unwahrscheinlichsten, aber romantischsten Entscheidungen am Schluss des Buchs.

_Mein Eindruck_

Diese Fortsetzung von „Mars“ ist nicht so actionbetont wie ihr Vorgänger und daher für manche Leser nicht so spannend. Dafür erzählt der Autor die Geschichte der psychologischen Spannungen, insbesondere zwischen Jamie und dem Möchtegernleiter Dex Trumball. Zwischen ihnen steht die Geliebte beider, Vijay. Schön, dass sich die Figuren auch weiterentwickeln können.

Dass die Expedition sabotiert wird, ist leider eine Wiederholung: Offenbar kommen manche Menschen mit den lebensfeindlichen Bedingungen nicht zurecht und richten ihre Ängste gegen sich selbst und die Expedition insgesamt. Plausibel werden diese Ängste durch die intensive Schilderung der Marslandschaft mit ihren fremdartigen Farben und Formen.

Dennoch ist auch „Rückkehr zum Mars“ unterhaltsam, sehr gut lesbar und in wenigen Tagen zu schaffen. Ben Bova hat den geschichtlichen Hintergrund der zwei Romane weitergeführt in „Venus“, „Jupiter“ und „Saturn“, die inzwischen bei uns veröffentlicht wurden. Und dazwischen gibt es natürlich noch die Asteroidenkrieg-Trilogie.

|Originaltitel: Return to Mars, 1999
Aus dem US-Englischen übertragen von Peter Robert|