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Eoin Colfer – Meg Finn und die Liste der vier Wünsche (Lesung)

Die 14-jährige Meg Finn hat schon einiges auf dem Kerbholz. Doch nun ist sie dabei, ein richtiges Verbrechen zu begehen. Leider geht alles schief, was schiefgehen kann, steht Meg vor den Toren des Himmels – mit der Betonung auf VOR. Denn Petrus und der Höllenwächter Beelzebub streiten sich, ob Meg den Einlass in die himmlischen Gefilde verdient hat. Ob sie noch mal eine zweite Chance bekommt?

Der Autor

Eoin Colfer, geboren 1968, ist Lehrer und lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in Wexford, Irland. Er hat mehrere Jahre in Saudi-Arabien, Tunesien und Italien unterrichtet. 2001 erhielt er den |Children’s Book Award|, den wichtigsten Kinder- und Jugendbuchpreis Großbritanniens, und 2004 den |Deutschen Bücherpreis| in der Kategorie „Kinder- und Jugendbuch“. Seine bislang drei „Artemis Fowl“-Romane wurden allesamt Bestseller und sind von Rufus Beck kongenial ins Medium Hörbuch übertragen worden.

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Colfer, Eoin / Bigott, Gabriele / Czesienski, Andrea – Meg Finn und die Liste der vier Wünsche. Das Hörspiel

_Vier Wünsche und ein Hallelujah_

Die 14-jährige Meg Finn hat schon einiges auf dem Kerbholz. Doch nun ist sie dabei, ein richtiges Verbrechen zu begehen. Leider geht alles schief, was schiefgehen kann, und dann steht Meg vor den Toren des Himmels – mit der Betonung auf VOR. Denn Petrus und der Höllenwächter Beelzebub streiten sich, ob Meg den Einlass in die himmlischen Gefilde verdient hat. Die Experten sind sich nicht einig, und deshalb schicken Petrus und ein Diener des Teufels die 14-Jährige zur Bewährung zurück ins Erdendasein.

Hienieden soll sie ihrem letzten Opfer, Lowrie McCall, beistehen. Der alte Mann will unbedingt vier Dinge nachholen, die er bisher versäumt hat. Meg soll dabei helfen.

_Der Autor_

Eoin Colfer, geboren 1968, ist Lehrer und lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in Wexford, Irland. Er hat mehrere Jahre in Saudi-Arabien, Tunesien und Italien unterrichtet. 2001 erhielt er den Children’s Book Award, den wichtigsten Kinder- und Jugendbuchpreis Großbritanniens, und 2004 den Deutschen Bücherpreis in der Kategorie „Kinder- und Jugendbuch“. Seine bislang sechs „Artemis Fowl“-Romane wurden allesamt Bestseller und sind von Rufus Beck kongenial ins Medium Hörbuch übertragen worden.

Mehr von Eoin Colfer auf |Buchwurm.info|:

[„Artemis Fowl“ 172
[„Artemis Fowl – Die Verschwörung“ 180
[„Artemis Fowl – Der Geheimcode“ 569
[„Artemis Fowl – Die Rache“ 1279
[„Artemis Fowl – Die verlorene Kolonie“ 4025
[„Artemis Fowl – Die Akte“ 3135
[„Fletcher Moon, Privatdetektiv“ 4463
[„Cosmo Hill: Der Supernaturalist“ 4677

_Die Inszenierung_

Dieses Hörspiel ist eine Produktion des Rundfunks Berlin-Brandenburg.

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Meg Finn: Claudia Eisinger
Lowrie McCall: Christian Grashof
Belch Brenan: Christian Ehrich
Beelzebub: Jürgen Holtz
Satan: Hilmar Eichhorn
Sissy: Ursula Werner
Brendan Ball: Dieter Mann
Dessie/Murt: Thomas Schmidt
Flit/Frisöse/Verkäufer/Moderator/Sicherheitsbeamter: Stefan Kaminski

Regie führte Gabriele Bigott, die auch für die Dramaturgie zuständig war. Die Bearbeitung des Textes erfolgte durch Andrea Czesienski. Den Ton nahm Peter Avar auf.

Die Musik stammt von Lutz Glandin, die Sängerin ist Jelena Kuljic.

_Handlung_

Meg Finns irdische Existenz als Menschenwesen findet in ihrem 14. Lebensjahr ein abruptes Ende. Sie ist verpflichtet, ihrem Bekannten Belch Brennan einen Gefallen zu tun (die Gründe werden erst spät verraten) und muss ihm helfen, einen Einbruch zu begehen. Hier wohnt der alte Rentner Lowrie McCall, und Belch rechnet mit keinem Widerstand. Falls doch, würde er dem Alten seinen Pitbull Raptor („Räuber“) auf den Hals hetzen.

Was sich leider als notwendig erweist. Denn der alte Lowrie steht plötzlich mit einer Schrotflinte im Zimmer, das Belch auszuräumen gedenkt. Der Pitbull senkt auf Geheiß seines Herrn die Beißer ins Bein des Alten, doch Meg Finns Flehen veranlasst Belch, seinen Hund zurückzupfeifen. Das ist Megs einzige gute Tat an diesem Tag, denn gleich danach ergreift sie die Flucht, Raptor und Belch ihr hinterher.

Schon wieder hat sie Pech: Sie hat die falsche Richtung eingeschlagen und ist in der Sackgasse gelandet, wo der Gastank des Hauses steht. Belch legt mit Lowries Schrotflinte auf sie an, um eine lästige Verräterin aus dem Weg zu räumen. Wenigstens will er ihr eine Warnung verpassen, an die sie noch lange denken wird. Doch der Warnschuss trifft leider auch den nicht allzu gut geschützten Gastank, vor dem Meg steht. Kawumm!

|Im Jenseits|

Bekanntlich werden alle Seelen per Tunnelsystem an die für sie vorgesehenen Endstation befördert, also entweder in die Hölle oder in den Himmel. Dieses Tunnelsystem ist keineswegs unbewohnt, sondern wird von Seelenklaubern und Tunnelkratzern bevölkert, die das System sauber halten. Die Seelen gelangen je nach ihrer Färbung durch Löcher an die Endstation: rote Farbe – ab in die Hölle, blaue Farbe – hosianna! Bei der Mischung aus Belch und Raptor, die an Meg vorüberschwebt ist der Fall klar: Roter geht’s gar nicht mehr.

Bei Meg hingegen hat die Hölle ein Problem, und deshalb ruft der Oberdämon Beelzebub – nicht zu verwechseln mit seinem Boss Satan – per Handy bei Petrus an, der bekanntlich an der Himmelspforte Wache schiebt. Bub schickt Petrus ein paar Daten auf dessen PC rüber und lässt fragen, ob man nicht einen praktischen Deal abschließen könnte. Das Sündenkonto dieser Meg Finn sei nämlich ausgeglichen: Sie habe zwar ihrem Stiefvater Franco Kelly übel mitgespielt (was später noch breit erklärt wird), doch durch die Hilfe, die sie Lowrie McCall angedeihen ließ, sei sie quasi rehabilitiert worden.

Was tun, spricht Bub. Petrus entscheidet, dass Meg auf Bewährung zur Erde zurückmuss. Hätten wir uns ja gleich denken können. Es dürfte auch klar sein, dass Bub einen Hintergedanken bei dem Deal hat. Er schickt einen Seelenfänger hinterher: Belch/Raptor, aufgerüstet mit einem logischen Schaltkreis namens ELF, der sich als Hologramm sichtbar machen kann. Auch die Hölle verfügt über Computergenies.

|Die vier Wünsche|

Inzwischen sind auf der guten alten Erde zwei Jahre ins Land gegangen. Als Meg Finns Geist bei Lowrie McCall landet, um hier Wiedergutmachung zu leisten und ihr Seelenkonto aufzubessern, reagiert der Alte natürlich zunächst ein wenig befremdet. Kein Wunder, hat er doch keinerlei Erfahrung im Umgang mit Geistern. Nach ein paar Kabbeleien raufen sich die beiden zusammen, so dass eine erste mentale Verschmelzung stattfinden kann. Sofort fühlt sich Lowrie verjüngt. Meg bekommt daraufhin ganz schön Mitleid mit dem alten Knacker: Er hat nämlich nur noch ein paar Monate zu leben: das Herz. Und das Leben, das er bisher gehabt hät, scheint ihm aus lauter verpassten Gelegenheiten und Fehlentscheidungen zu bestehen.

Sobald Meg ihm klargemacht hat, worin ihre Aufgabe und ihre Fähigkeiten bestehen, stellt Lowrie eine Liste von Wünschen zusammen. Doch um die alle zu erfüllen, reicht die Zeit nicht. Also streicht er alle bis auf vier. Und um deren Erfüllung muss das seltsame Gespann hart kämpfen, denn nicht nur der Seelenfänger der Hölle vereitelt die guten Taten, für die Meg hierhergeschickt wurde, sondern auch genügend boshafte oder dumme Menschen.

Als Erstes will Lowrie McCall der beliebtesten Fernsehoma von Irland einen dicken Kuss verpassen. Sie war mal seine Jugendliebe, und eigentlich wollte er sie ja heiraten, hatte dann aber nicht die Traute – wie es halt so geht. Meg sieht da ein paar Schwierigkeiten auf sie beide zukommen. Wwürde man zum Beispiel beim staatlichen Sender RTE einen Mann einlassen, der aussieht wie der letzte Penner? Und diese Komplettüberarbeitung des Lowrie McCall ist erst der Anfang ihrer Mühen …

_Mein Eindruck_

„Meg Finn“, das Eoin Colfer noch vor „Artemis Fowl“ veröffentlichte, ist eine metaphysische Komödie mit Spannungselementen. Diese Art von Literatur ist in angelsächsischen Regionen keineswegs unbekannt. Mervyn Wall hat 1965 mit „Der unheilige Fursey oder das Irland der Frommen“ (übersetzt von Harry Rowohlt!) eine ähnliche Komödie veröffentlicht, in der Satan um die Seelen der Iren kämpft, insbesondere um die des bravsten Laienbruders Fursey (der Ärmste wird mit einer Hexe verkuppelt). Colfer greift also auf bekannte Vorbilder zurück.

Und das liegt in einem erzkatholischen Land ja auch nahe. Schließlich sind die Versuchungen sonder Zahl, und irische Bischöfe haben stets genügend Grund, gegen die Verfehlungen ihrer Schäflein zu wettern. Wenn sich also die Guten gegen die Anfechtungen des Bösen bewähren sollen, wo sonst als in Irland?

Diesmal allerdings will der Autor nicht Erwachsene ansprechen, sondern Jugendliche im rebellischen Alter von vierzehn Jahren. Und die Pubertät ist ja bekanntlich für jeden Jugendlichen die Hölle auf Erden. Auch Meg Finn hat schon Schulschwänzen und dergleichen auf dem Kerbholz. Sie ist auf dem „besten“ Weg, eine Kriminelle zu werden. Und dann ist da noch die Sache mit ihrem Stiefvater Franco Kelly – aber hierzu darf ich nichts verraten.

|Auch für Jungs|

Doch Colfer spricht nicht nur Mädchen an. Die vier Wünsche, die sich Lowrie McCall erfüllen will, reichen alle bis weit in seine Vergangenheit zurück, als er selbst noch ein Jugendlicher von fünfzehn bis achtzehn Jahren war. Hier dürften sich einige junge männliche Leser wiederfinden – besonders wenn sie Iren sind.

Meg muss lernen, für den alten gebrechlichen Knacker Verantwortung zu übernehmen, damit er sich die Wünsche erfüllen kann. Natürlich nicht ohne dabei an die Aufbesserung ihrer eigenen Seelenfarbe bzw. Aura zu denken. Bei diesen geradezu herkulischen Arbeiten gerät sie immer weiter in die Gefühlswelt des Alten, und er wird ihr Freund. Es zeigt sich, dass sie ebenfalls einen solchen Freund gebraucht hat. Denn wegen der Franco-Sache hat sie ein schlechtes Gewissen (und einen roten Fleck auf ihrer Aura). Lowrie aber kann sie verstehen, warum sie das getan hat und verzeiht ihr.

|Showdown|

Als es daran geht, den vierten und letzten Wunsch zu erfüllen, sieht sich daher Meg in der Lage, zwei Dinge zu tun, die sie selbst sehr verwundern, weil sie nämlich überhaupt mit ihrem üblichen Egoismus in Einklang stehen. Und sie tut dies zum einen, weil sie Lowrie liebt und zum anderen, weil sie Franco endlich selbst verzeihen kann, was er ihr angetan hat. Damit macht sie im Showdown um die Seelen von Lowrie, Franco und ihrer eigenen einen entscheidenden Punkt. Ob’s wohl reicht, ihr Konto ins Plus zu bringen? Vielleicht kann sie dann sogar ihre Mutter wiedersehen, die sie mit dreizehn durch einen betrunkenen Autofahrer verlor? Aber nur, wenn Petrus sie einlässt.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Jede einzelne Figur in „Meg Finn“ hat ihre eigene, deutlich unterscheidbare Stimm- und Tonlage. Der alte Lowrie, gesprochen Christian Grashoff, klingt natürlich heiser und die aufmüpfige Meg in Claudia Eisingers moderner Darstellung nicht zu jung, sondern aufgeklärt – schließlich ist sie ja eine Einbrecherin. Es klingt sehr ulkig, wenn sie beide gleichzeitig sprechen.

Witziger ist da schon Satan, der so ölig und hinterhältig droht wie John Malkovich in „Gefährliche Liebschaften“. Oder sein untergebener Dämon Beelzebub, der sich gerade noch zurückhalten kann, jemanden mit seinem Dreizack aufzuspießen, so frustriert ist der Ärmste von Satans Demütigungen. In der Hölle hat man’s eben nicht leicht.

Sehr zu Herzen gehend ist die Szene im TV-Studio gestaltet, wo Lowrie die Moderatorin Sissy, seine Jugendliebe, küssen will. Die ganze Aktion wird ja landesweit live übertragen, und jeder spricht nachher von dem rührenden Augenblick, als das Paar das aktuelle Thema „Liebe im Alter“ veranschaulicht.

Die schönste Kreation ist jedoch meines Erachtens ein unscheinbares Wesen im Tunnelsystem des Jenseits, das den schönen Namen Flit trägt. Flit ist ein Tunnelkratzerwurm. Er sammelt Seelenreste auf, um den Tunnel sauber zu halten, und gibt Meg einen solchen Stein mit, quasi als Ersatzbatterie. Insgesamt also ein recht nützliches Wesen, und ein freundliches obendrein. Meg lernt viel von ihm, selbst wenn es nicht einfach ist, die Laute eines Wurms zu verstehen. Es ist eine Art von Säuseln.

|Geräusche|

Die Geräusche lassen sich leicht einteilen: in natürliche, künstliche und übernatürliche. Natürliche Geräusche sind solche wie der Wind und der Regen, künstliche solche wie von Motoren, zerbrechendem Glas oder von einem explodierenden Gastank. Weitaus weniger einleuchtend sind übernatürliche Geräusche. Ja, man könnte sich die Frage stellen, ob das Übernatürliche an sich überhaupt einen Ton von sich gibt.

Von solchen Spitzfindigkeiten sind die Tonmeister beim |rbb| jedoch weit entfernt. Wie hört es sich beispielsweise an, wenn ein Geist in einen Menschen fährt, also etwa Meg in Lowrie? Es klingt wie ein gigantisches, hinausgezogenes Saugen. Und der umgekehrte Klang ertönt, wenn Megs Geist Lowrie wieder verlässt. Es ist kein sonderlich angenehmes Geräusch, aber es klingt faszinierend – und vor allem anschaulich.

|Musik|

Ein irisches Ambiente benötigt auch irische Musik, um richtig wirken zu können. Lutz Glandin hat auf dieser traditionsreichen Grundlage eigene Kompositionen geschaffen. Für dynamische Szenen hat er sich flotte Folk Music einfallen lassen, für besinnlichere Momente und für Szenen im Himmel etc. auch langsamere.

Das durchgehende Leitmotiv scheint jedoch ein alte Folk-Melodie darzustellen, die das Lied begleitet, welches Lowrie zu seinen vier Wünschen inspiriert hat. Er zitiert das Volkslied jedenfalls, besonders in der Szene des vierten Wunsches auf den Klippen von Moher. Diese Weise ist auf merkwürdige Weise sowohl trotzig wie auch wehmütig.

_Unterm Strich_

Diese Geschichte hat zum Glück nur wenig mit Goethes „Faust“ zu tun. Vielmehr standen einige irische Autoren, darunter Mervyn Wall, Pate. Die metaphysische Komödie mit Spannungseinlagen erinnert zwar stellenweise an „Artemis Fowl“, doch dort ist die Unterwelt nicht mehr mit Satans Kohorten bevölkert, sondern wird von der elfischen Untergrundpolizei ZUP überwacht. Was ja schon mal ein Fortschritt ist. Meg Finn ist nicht so techniksüchtig wie Artemis, aber genauso fähig zu durchtrieben ausgeführten Schandtaten wie ihr Kollege.

Allerdings hätte ich mir als vierten und letzten Wunsch Lowries doch etwas anderes gewünscht, als über die Klippen von Moher zu spucken. Ich meine: Was ist schon dabei? Eine ganze Menge, wie sich herausstellt. Dieser Ort hat für Iren etwas Mythisches, und selbst Flachlandtiroler wie wir könnten den 150 Meter hohen grauen, sturmumtosten Klippenwänden im Westen Irlands etwas Eindrucksvolles abgewinnen. Hier in den Wind zu spucken, ohne selbst getroffen zu werden, ist eindeutig ein Kunststück.

|Das Hörspiel|

Die Handlung bietet reichlich unterhaltsame und spannende Momente, die jedes pubertierende Kind nicht kaltlassen dürften. Wie sich Meg an ihrem miesen-fiesen Stiefvater rächt und sie den alten Lowrie gegen den Hölle-Hund Belch-Raptor verteidigt, das hat schon dramatischen Charakter. Die Auftritte von Belch-Raptor wurden jedoch stark zusammengestrichen, wodurch das Hörspiel einen anrührend-besinnlichen Charakter erhält, der jeden bischöflichen Christenhirten erfreuen dürfte. Aller technischer Schnickschnack, wie ihn Colfer so liebt, fehlt hier ebenfalls.

Relativ realistisch sind die Geräusche gelungen, und selbst das Saugen beim Einfahren des Geistes von Meg Finn in Lowries Körper (mit reichlich Hall bzw. Dämpfung) ist anschaulich und gewinnt durch seine Wiederholung eine Art Signalwirkung. Sehr schön fand ich die Musik Lutz Glandins, die einwandfrei ins irische Ambiente passt.

Fazit: ein Volltreffer.

|Originaltitel: The Wish List, 2000
Aus dem Englischen von Claudia Feldmann
55 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-86742-636-7|
http://www.hoerbuch-hamburg.de
http://www.rbb-online.de

Michael Peinkofer – Der Schwur der Orks (Hörbuch)

Shnorsh! Eine orkische Action-Komödie

Die Fortsetzung von „Die Rückkehr der Orks“. Die Ork-Brüder Balbok und Rammar werden in ihrer Heimat Modermark seit einem Jahr als Helden verehrt, und sie sind Kriegshäuptlinge. Doch dann wird ein Mensch gefangen, der sich als Botschafter zu erkennen gibt: Zum ersten Mal seit Anbeginn der Zeit bitten die Menschen die Orks um Hilfe, und nicht irgendwelche Menschen, sondern der König und die Königin, denen die Orks ein Jahr zuvor auf den Thron von Tirgaslan geholfen haben. Eine schreckliche Gefahr drohe aus dem Osten – ein finsteres Geschöpf, das über unermessliche Macht verfügt und in seinem Hass alles Lebendige in der Welt vernichten will. Die beiden Orkbrüder brechen zu ihrer gefährlichsten Mission auf.

Der Autor

Michael Peinkofer, 1969 geboren, schreibt seit einigen Jahren sehr erfolgreich historische Romane. Als Jugendlicher war er selbst eine Leseratte und hat Abenteuer- und Fantasygeschichten verschlungen. In seinen Romanen will er ein wenig von dem Zauber weitergeben, den er dabei erfahren durfte. Mit Frau und Tochter lebt Peinkofer in Kempten im Allgäu, wo er auch arbeitet.

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Hearn, Lian – Glanz des Mondes, Der (Der Clan der Otori 3)

_Der dornige Weg der fünf Schlachten_

Endlich sind Takeo Otori und Kaede Shirakawa als Mann und Frau vereint. Heimlich und gegen den Willen der anderen mächtigen Clans haben sie sich im Kloster Terayama trauen lassen. Doch ihnen bleibt nicht viel Zeit, ihr gemeinsames Glück zu genießen. Denn eine Prophezeiung, die ihm eine heilige Frau in den Bergen gab, bestimmt Takeos Schicksal. Kaum hat er die geerbte Domäne Maruyama in Besitz genommen, hört er schon von den anrückenden Truppen seiner Gegner Arai und Fujiwara. Fünf Schlachten werde Takeo schlagen, viermal siegen und einmal verlieren – die Prophezeiung wird Wahrheit, bis zur letzten Konsequenz.

_Die Autorin_

Lian Hearn, die eigentlich Gillian Rubinstein heißt und vor etwa 60 Jahren geboren wurde, lebte als Journalistin in London, bevor sie sich 1973 mit ihrer Familie in Australien niederließ. Ihr Leben lang interessierte sie sich für Japan, lernte dessen Sprache und bereiste das Land.

„Das Schwert in der Stille“ ist der erste Band der Trilogie „Der Clan der Otori“. Der zweite Band „Der Pfad im Schnee“ ist im Herbst 2004 im |Carlsen|-Verlag erschienen und wurde im Februar 2005 bei |Hörbuch Hamburg| veröffentlicht. Der dritte Band „Der Glanz des Mondes“ erschien im Mai 2005.

„Das Schwert in der Stille“, der mittlerweile in 26 Sprachen übersetzt wurde, wurde mit dem Deutschen Jugendbuchpreis 2004 ausgezeichnet. Die HR2-Jury hat das Hörbuch dazu im Dezember 2004 auf die Bestenliste gewählt. Mehr Infos unter http://www.otori.de.

_Die Sprecher_

Marlen Diekhoff, vielseitige Bühnen- und Filmschauspielerin, gehört nach Verlagsangaben seit vielen Jahren zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. Für |Hörbuch Hamburg| hat sie bereits Texte von A. Baricco, Amélie Nothomb, Colette, Sándor Márai und „Tausendundeine Nacht“ gelesen.

August Diehl ist einer der angesehensten deutschen Schauspieler der jüngeren Generation. Er wurde für den Film „23“ mit dem Deutschen Filmpreis und dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Seitdem war er in „Kalt ist der Abendhauch“, „Tattoo“, „Was nützt die Liebe in Gedanken“ (neben Daniel Brühl) und in Schlöndorffs „Die neunte Stunde“ zu sehen.

Regie führte bei diesem Hörbuch Gabriele Kreis. Auch diese Lesung ist gekürzt. Das Titelbild zeigt die Schlacht- und Schwert-Abbildung der Buchausgabe.

_Vorgeschichte_

Das Booklet unterrichtet den Hörer darüber, was in den vorhergehenden zwei Bänden grob gefasst passiert ist. Japan, Ende des 15. Jahrhunderts: Eines Morgens wird Takeos Dorf überfallen, und er überlebt als einziger. Lord Shigeru vom Clan der Otori rettet ihn und nimmt ihn in seine Familie auf. Von ihm, einem Helden wie aus versunkenen Zeiten, lernt Takeo die Bräuche des Clans. Er lehrt ihn Schwertkampf und Etikette. Die Liebe zu Kaede entdeckt Takeo allein.

Als er herausfindet, dass er dunkle Kräfte besitzt – die Fähigkeit, an zwei Orten gleichzeitig zu sein und sich unsichtbar zu machen, und dass er so gut „hören kann wie ein Hund“ – gerät er immer tiefer in die Verstrickungen der Lügen und Geheimnisse, aus denen die Welt der Clan-Auseinandersetzungen besteht. Trotz seines Widerwillens ist es ihm bestimmt, sich an den Mördern seiner Familie zu rächen. Takeo verbindet sein Schicksal mit dem der Otori.

Am Schluss von Band 1 ließ Lord Shigeru sein Leben, nachdem auch Lord Iida getötet worden war. Als Folge dieser beiden einschneidenden Ereignisse kam es in der Hauptstadt Inuyama zu einem Aufstand, den sich die Armee unter Lord Arai Daiichi zunutze machte, um die Macht zu übernehmen und die tyrannischen Tohan zu stürzen. Er bringt die Drei Länder in seine Gewalt.

Man glaubt, Takeo sei Iidas Mörder, doch in Wirklichkeit war es Lady Kaede. Takeo ist verschwunden, was Arai, der auf ein Bündnis mit dem Krieger hoffte, erzürnt. Er beschließt, gegen den „Stamm“, der ihm Takeo entrissen hat, vorzugehen. Es ist abzusehen, dass Takeo und Kaede im Machtspiel zwischen den Otoris, Lord Arai und dem „Stamm“ eine Schlüsselrolle zufällt. Wenn sie nicht aufpassen, könnte dies ihren Untergang bedeuten.

Doch inzwischen hat sich Takeo dem „Stamm“, aus dem sein leiblicher Vater Isamu stammte, unterwerfen müssen. Mit der Kikuta Yuki zeugte er ein Kind, doch Yuki, die ihm einst in Inuyama Shigerus Schwert brachte, wurde Takeo entrissen und musste einen Stammesangehörigen heiraten. Takeo kann sich nicht mit den opportunistischen Zielen des Stammes anfreunden, er flieht über die Berge. Mehrere Anschläge überlebt er und begegnet einer heiligen Frau, die ihm sein Schicksal prophezeit (s.o.).

Außerdem lernt er die „Verborgenen“ kennen, die verfolgten und ausgestoßenen Christen. Seine Eltern hingen selbst diesem Glauben an, der alle Werte, die die Japaner hochhalten, für ungültig erklärt und sie unterminiert. Der Christ Jo-an hilft ihm, ins Kloster Terayama zu entkommen. Dort kann er endlich Kaede heiraten und die Übernahme ihres Erbes vorbereiten: der Domänen Shirakawa und Maruyama. Dann wäre er als Clanherr eine beachtliche Macht im Westen.

In den Begleittexten ist die Rede davon, dass Kaede Takeos Kind erwarte. Das ist im 3. Band nicht mehr zutreffend. Vielmehr verhält es sich so, dass sie sich Vorwürfe macht, dass sie ihm nicht schon längst einen Erben geschenkt hat. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so. Die heilige Frau hat nämlich geweissagt, Takeo werde einst von der Hand seines eigenen Sohnes fallen …

_Handlung_

Takeo braucht dringend eine Machtbasis, deshalb reitet er mit einer Bauernarmee und wenigen Otori-Kriegern gen Westen Richtung Maruyama. Diese Domäne hat Kaede von ihrer Mutter geerbt. Ihr Vater kam auf unglaublich dramatische Weise in ihrer Heimatstadt Shirakawa ums Leben (Band 2). Die erste von fünf Schlachten, die Takeo bestehen muss, ereignet sich gleich am Grenzfluss. Banditen haben auf der anderen Seite eine Schreckensherrschaft errichtet, und nachdem Takeo den Übergang mit Schwimmflößen geschafft und einen Riesen namens Jin-emon besiegt hat, greifen die Banditen an. Takeos fähige Krieger machen sie nieder. Er gewinnt zwei fähige Gefolgsleute namens Hiroshi und Jiro.

|Schlacht Nr. 2|

Auf halbem Wege zwischen diesem Fluss und der Hauptstadt Maruyama melden Späher eine feindliche Streitmacht im Anmarsch. Als Takeos kleine 1000-Mann-Armee durch ein Tal vorstößt und auf eine Ebene tritt, befinden sich die Feinde – es sind Seishuu und Tohan – bereits in vollem Gefecht mit Truppen aus der Hauptstadt. Takeos Eingreifen entscheidet die Schlacht. Er besiegt den gegnerischen Befehlshaber, Iida Noriaki, der noch einpersönliches Hühnchen mit Takeo zu rupfen hat. Kurzer Prozess: Kopf ab!

|Zu den Piraten|

Nach einer gewissen Restaurationszeit in Maruyama und schönen Tagen mit seiner Frau treibt Takeos Unrast ihn zu einer Expedition an die nördliche Küste. Er hat nämlich vor, die Otoris aus Hagi vertreiben und so Shigerus Tod zu rächen. Das geht aber nicht von Land her, sondern nur von der Seeseite. Der einzige Freund, den er an der Nordküste, auf der Insel Oshima, hat, ist Terada Fumio. Es gelingt ihm, ein Bündnis mit den Teradas zu schließen, damit ihre Piraten die Festung Hagi angreifen, sobald er sie ruft.

|Lady Kaedes Irrwege|

Doch ein Taifun verhindert seine zeitige Rückkehr. Da sie das Warten leid ist, unternimmt die ungeduldige Kaede gegen heftigen Protest eine eigene Expedition. Diese hat drei Ziele. Erstens will sie ihre zwei Schwestern aus Shirakawa nach Maruyama holen. Zweitens versteckt sie die kopierten Aufzeichnungen Lord Shigerus über den „Stamm“ in den heiligen Höhlen vor Shirakawa. In diesen Höhlen, die nur Frauen betreten dürfen, betet sie drittens zur Göttin um Fruchtbarkeit.

Als sie endlich in Shirakawa auf ihrem Gut eintrifft, erlebt sie eine böse Überraschung. Lord Fujiwara (den sie schon aus Band 2 zur Genüge kennt) hat ihre Schwestern abgeholt und hält sie als Geiseln fest. Wozu? Er lädt Kaede ein, um sie zu seiner Frau zu machen! Die Ehe mit Takeo sei annulliert worden, argumentiert er. Wütend reitet Kaede mit wenigen Getreuen zu Lord Fujiwaras prächtiger Residenz. Das ist sehr unvorsichtig, denn unversehens findet sie sich in der Gewalt des Lords. Nur ihr Begleiter Hiroshi (s.o.) kann entkommen und Takeo benachrichtigen.

|Die Falle wird gestellt|

Es ist klar, dass Takeo mit so vielen Männern wie möglich aufbrechen wird, um Kaede zu befreien. Doch sie ist nur der Köder in einer großen Falle, die Fujiwara mit Lord Arai aufgestellt hat und in die Takeo blindlings hineinzutappen droht. Können ihn seine übermenschlichen Sinne auch hier retten? Ist dies eine Schlacht, die er gewinnen, oder eine, die er verlieren wird?

_Mein Eindruck_

Der dritte und abschließende Band der Trilogie um den Otori-Clan ist auch der actionreichste und – für Actionfreunde wie mich – spannendste Teil. Fünf Schlachten hintereinander, da ist man fast schon froh, wenn es eine Verschnaufpause gibt. Und die liefert in der Tat Lady Kaede. Obwohl erst 16 Lenze alt, ist sie doch eine ausgebildete Kriegerin und Attentäterin. Und diese Frau sperrt Lord Fujiwara in einen goldenen Käfig. Es ist eine seelische Folter von erlesener Bosheit. Er hält seine Frau nämlich gar nicht, um sich an ihr zu verlustieren, sondern lediglich, um sie zu betrachten wie eine seiner zahlreichen Kostbarkeiten, ähnlich wie ein Kunstobjekt.

|Es wird kompliziert|

Während Kaedes Gefangenschaft bereiten sich wichtige andere Entwicklungen vor. Die Piraten schließen ein Bündnis mit Takeo, und Takeo muss sich mit Arai arrangieren. Beide wollen sowohl gegen die Otori-Verräter als auch gegen den „Stamm“ vorgehen. Nun wird es kompliziert: Der „Stamm“ ist gespalten. Auf der einen Seite beherrschen die Kikuta das Vorgehen des „Stamms“ nach außen und schicken Attentäter und Spione aus.

Auf der anderen Seite steht die bislang loyale Familie der Muto. Zu diesen gehört Takeos Lehrer Kenji und seine Nichte, Kaedes Freundin Shizuka. Shizuka wiederum war die Mätresse von Lord Arai und gebar ihm zwei Söhne, die mittlerweile über zehn Jahre alt sind und sich bereits als Spione einsetzen lassen: Auch sie können sich, wie Takeo, unsichtbar machen und sind so äußerst nützlich – für den, der sie anzuheuern versteht.

|Finale|

Doch der Mord an Kenjis Tochter Yuki, den die Kikuta zu verantworten haben, geht Kenji eindeutig zu weit. Er läuft auf Takeos Seite über und wendet das Blatt zu dessen Gunsten. Doch noch ist Hagi nicht erobert, und der Weg zum Frieden, den Takeo laut Prophezeiung bringen soll, ist noch lang. Das Finale muss alles entscheiden. Es ist von langer Hand vorbereitet und fulminant inszeniert. Dieser Höhepunkt der dramatischen Entwicklungen setzt eine weitere Weissagung in die Tat um, die die wenigsten beachtet haben: Es zeigt sich der Willen von Erde und Himmel …

Das mag zwar schon relativ mystisch klingen, aber es handelt sich in den meisten Szenen um Zitate der Weissagung – und die sollte man schon aus Band 2 kennen (außerdem steht sie zur Sicherheit auch auf der Rückseite des Buchumschlags). Echte Religion findet sich noch am ehesten in Gebeten Kaedes und Takeos zu ihren jeweiligen Göttern. Ich hätte mir noch ein wenig mehr davon gewünscht.

|Köpfe werden rollen|

Für meinen Geschmack rollen ein wenig zu viele Köpfe in dieser Geschichte. Alle Naslang muss ein armer Tropf dran glauben, manchmal auch ein Lord. Dieses Köpfen erinnert an den Film „Highlander“, und dort hat es bekanntlich seine Berechtigung: Kopf ab, Kraft frei, Sieger stärker. Ob das Köpfen einen abergläubischen Hintergrund hat, wie etwa das Verhindern von Wiedergängern und Dämonen, erfahren wir leider nicht. Daher wirkt es doch etwas aufgesetzt und brutal.

|Barbaren|

Übrigens tauchen diesmal auch am Rande Barbaren auf, das heißt: Leute aus dem Abendland. Sie haben das Fernrohr eingeführt und etwas, das der Pirat Terada Fumio eine Feuerwaffe nennt: ein Luntenschlossgewehr. Wird eine Kugel daraus abgefeuert, ist diese, anders als ein Pfeil, in der Lage, eine traditionelle japanische Ritterrüstung zu durchschlagen. Und das ist ein überraschender Spezialeffekt, den sich die Autorin selbstverständlich für das Finale aufhebt.

_Die Sprecher_

August Diehl spricht den Ich-Erzähler Otori Takeo. Takeo erscheint als kräftiger, selbstsicherer junger Mann, der schon früh größtes Leid erfahren und bewältigen muss. Doch Grübelei und Melancholie sind seine Sache nicht. Ironie und Zynismus sind Takeo ebenso fremd, doch aufrichtigen Humor bekommen wir von ihm fast nie zu hören. In „Der Glanz des Mondes“ erscheint der 17- oder 18-jährige Takeo ebenso als energischer Kämpfer und Befehlshaber wie auch als einfühlsamer Menschenbeobachter. Diehl gelingt es, beide Aspekte eindrucksvoll darzustellen.

Marlen Diekhoff spricht Lady Kaede in der dritten Person. Dieser Wechsel der Erzählperspektive ist leicht zu bewältigen und sorgt für Abwechslung. Diekhoff verfügt über eine sanfte, honigweiche Stimme, die ich stellenweise ein wenig zu leise finde. In „Das Schwert in der Stille“ monierte ich Diekhoffs brüchige Stimme. Auf „Pfad im Schnee“ und „Der Glanz des Mondes“ klingt diese Stimme jedoch hörbar erholt und kräftig. Sie moduliert die Tonhöhe und die Satzintonation besser und abwechslungsreicher. Es fällt ihr keineswegs schwer, auch mal einen Ausruf und ein Flüstern einzuflechten. Ihr Vortrag ist wesentlich emotionaler als jener von Diehls.

|Aussprache und Schreibweise|

Beide Sprecher bewältigen die sprachlichen Schwierigkeiten, die das Japanische bietet, mit großer Bravour. Sie haben sich offenbar kundig gemacht. Ganz besonders August Diehl muss mit vielen Namen zurechtkommen, die stets ein wenig von der Schreibweise abweichen. Ein paar Beispiele:

Otori: Die Betonung liegt im Japanischen eine Silbe VOR derjenigen, die im Indogermanischen betont wird. Hier würde man „Otori“ auf der zweiten Silbe betonen: otóri. Doch im Japanischen liegt die Betonung auf der ersten: Es klingt wie [ottori]. Analog dazu wird „Shirakawa“ auf der zweiten statt der dritten Silbe betont: [shirà kawa]. Analog dazu die Städtenamen Inúyama, Yamágata und Teráyama. Der Name der Lady Kaede wird in nur zwei Silben ausgesprochen, denn [ae] ist ein Doppellaut und klingt wie [ei], nicht wie [ä].

Allerdings scheinen sich die beiden Sprecher nicht hinsichtlich der Aussprache abgesprochen zu haben. Diehl spricht zum Beispiel den Namen Kahei wie „ka’hej“ aus, doch Diekhoff sagt „kachei“. Auch die Betonung bestimmter Namen kann variieren. Aber das kann „im Eifer des Gefechts“ passieren.

_Personenliste_

Weil das Personal recht umfangreich ist, enthält das Hörbuch eine Liste der auftretenden Figuren, die auch schon im Buch unschätzbare Dienste leistet. Dennoch bleibt eine Quelle der Verwirrung. Ständig tauchen Angehörige des Stammes auf, die als „Skuta“ bezeichnet werden. Manchmal steht diese Bezeichnung für den Stamm im Allgemeinen, dann aber wieder nur für eine bestimmte Familie (Akio usw.), die sich Takeo zum Feind gemacht hat – im Unterschied zu der Stammesfamilie der Muto. Um die Verwirrung vollständig zu machen, tauchen die Skuta überhaupt nicht im Personenregister des Buches auf, aber nur die Stammesfamilie Kikuta hat die entsprechenden Vornamen. Das ist auch keine Ausspracheabweichung, denn es werden durchaus im gesprochenen Text auch Kikuta genannt.

Lediglich im Buch kann sich der Interessierte anhand einer Landkarte orientieren, wie die Ortsnamen und die Namen der Clan-Domänen geschrieben werden. Meine Schreibweise ist der im Buch angeglichen.

_Die Übersetzung_

Nicht Irmela Brender arbeitete hier als Übersetzerin, sondern Salah Naoura, die mir unbekannt ist. Die Sprachebene, die verwendet wird, ist natürlich nicht die des modernen Alltags, sondern die der klassischen Erzählung, also ein überhöhender Tonfall, wie er etwa einem Heldenepos wohlansteht. Er passt ausgezeichnet zu dem Sujet der Liebe, der Ehre und des Kampfes.

Leider fehlt ein Glossar, aber immerhin gibt es jetzt – im Buch wie auch im Hörbuch-Booklet – das lang ersehnte Personenverzeichnis. Im Buch gewährt eine Landkarte Aufschluss über Namen sowie Orientierung. Ich habe darauf zwar nicht gefunden, wo die dargestellte Gegend liegt – im Westen der japanischen Hauptinsel Honshu, 100 km westlich von Hiroshima –, aber wenigstens kenne ich nun die Schreibweise der Namen. Und wenn im Text vom „Festland“ die Rede ist, kann es sich ja wohl nur um die Mandschurei oder das Reich der Mitte handeln.

_Unterm Strich_

Der Abschlussband der Otori-Trilogie ist auf weiten Strecken auf Action und das Ränkespiel der Lords ausgerichtet, was in der Schlacht um Hagi gipfelt. Das Ränkespiel der „Stammes“-Familien bleibt weiterhin kompliziert. Lady Kaede wird schon in der Mitte der Handlung auf einen Nebenschauplatz abgestellt, der Takeo in eine Falle locken soll. Als Takeo seine Frau endlich wiedersieht, bietet sie einen schockierenden Anblick …

Das Schicksal Takeos und Kaedes ist bewegend und auch für westliche Leser bzw. Hörer interessant. Die gesamte Trilogie „Der Clan der Otori“ richtet sich an Jugendliche um 16 bis 17 Jahre. Sowohl Lady Kaede (16) als auch Otori Takeo (17 oder 18) sind in diesem Alter, als das dritte Buch „Der Glanz des Mondes“ beginnt. Beide wachsen in einer Erwachsenenwelt auf, die ebenso von Geheimnissen wie von Gefahren erfüllt ist. Und die Gefahr gilt immer dem Leben. Hier rollen die Köpfe reihenweise.

Das Hörbuch finde ich diesmal rundum gelungen. Sowohl Diehl als auch Diekhoff hauchen ihren Figuren Takeo und Kaede auf glaubwürdige und einnehmende Weise Leben ein, so dass man sich lebhaft für ihr weiteres Wohlergehen interessiert. Immer noch halte ich Diehl für den besseren Sprecher, aber Diekhoff hat aufgeholt.

|Originaltitel: Tales of the Otori, Book 3: Brilliance of the Moon, 2004
Aus dem US-Englischen übersetzt von Salah Naoura
570 Minuten auf 8 CDs|

Harold Brodkey – Unschuld (Lesung)

Erotisches Er(d)beben

„Unschuld“ beschreibt die Bemühungen des Ich-Erzählers, die Studentin Orra Perkins zum ersten Mal in ihrem Leben zu einem Orgasmus zu bringen. Der Autor hat die Möglichkeiten, zugleich plastisch als auch reflektiert über Sexualität zu sprechen, erweitert: Momentaufnahmen des Bewusstseins in unterschiedlichsten Zuständen.

Der Autor

Harold Brodkey, geboren 1930 in Illinois,, veröffentlichte 1958 unter dem Titel „Erste Liebe und andere Sorgen“ seinen ersten Erzählband. Erst dreißig Jahre später legte er den Band „Stories in an almost classical mode“ („Nahezu klassische Stories“) vor, dem „Unschuld“ entnommen ist. Brodkey erkrankte an AIDS und starb 1996.
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Henning Mankell – Wallanders erster Fall (Hörspiel)

Backpfeifen und Messerstiche: Wallander lebt gefährlich

Als Kurt Wallander seinen ersten Fall löst, ist er Anfang zwanzig, ein junger Kriminalassistent in Malmö und in seine Freundin Mona verliebt. Man schreibt den Juni 1969, und Polizisten gehen gegen Anti-Amerika-Demonstranten vor. Eines Abends findet er seinen Nachbarn erschossen auf dem Küchenboden vor. Die Kripo tippt auf Selbstmord, doch Wallander zweifelt an dieser Erklärung – ganz besonders dann, als die Wohnung des Nachbarn in Brand gesteckt wird und man wenig später auf eine zweite Leiche stößt. (aus der Verlagsinfo)
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Tracy, P. J. – Mortifer (Lesung)

_Als der Krieg nach Wisconsin kam_

Irgendwo in den weiten, einsamen Wäldern von Wisconsin: Kein Laut ist zu hören in dem verschlafenen Nest Four Corners. Eine Autopanne verschlägt FBI-Agentin Sharon Miller und die beiden Computerspezialisten Grace McBride und Annie Belinsky in diese geisterhafte Szenerie. Weder Handy noch Festnetz funktionieren, kein Kontakt zur Außenwelt. Die Agentinnen werden Zeugen eines Mordes: Soldaten erschießen vor ihren Augen Zivilisten und Polizisten.

Eine Flucht aus dieser Hölle scheitert, denn der Ort ist hermetisch abgeriegelt. Ein Überlebenskampf beginnt, und nur langsam verstehen die Agentinnen, was aus Soldaten Mörder gemacht hat und warum niemand den Ort lebend verlassen darf. Doch die Suche nach den drei Frauen hat begonnen. Aber wird man sie rechtzeitig finden, bevor der Countdown abläuft?

_Die Autorinnen_

P. J. Tracy ist das Pseudonym eines Autorenteams aus Mutter und Tochter, die in Minneapolis und Los Angeles leben. Sie haben als Drehbuchautorinnen begonnen und mit ihrem Krimidebüt „Spiel unter Freunden“ einen internationalen Überraschungserfolg erzielt, der von Lesern und Kritikern mit Lob überhäuft wurde. Seitdem ist P. J. Tracy laut Verlag eine feste Größe für Krimifans. [„Memento“ 3958 ist ihr vierter Roman, „Mortifer“ war der dritte nach „Der Köder“.

_Der Sprecher_

Burghart Klaußner, geboren 1949 in Berlin, absolvierte seine Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Berlin. Es folgten Engagements an verschiedenen Bühnen. Er war in zahlreichen Fernseh- und Kinofilmen zu sehen, so u. a. „Good Bye, Lenin!“, „Die fetten Jahre sind vorbei“ und „Requiem“. 2005 wurde er mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. 2006 erhielt er den Goldenen Leopard in Locarno als bester männlicher Darsteller in „Der Mann von der Botschaft“.

Die Aufnahme erfolgte 2007 im Eimsbütteler Tonstudio, wo Charlotte Kleist Regie führte.

_Handlung_

Das Missaqua County liegt im nördlichen Wisconsin schon fast an der Grenze zu Kanada, also am Arsch der Welt. Doch schon bald werden sich die Augen aller amerikanischen Sicherheitsbehörden auf diesen einsamen Landstrich richten. Hier gibt es Funklöcher noch in rauen Mengen, und wenn man einmal in so eines hineingerät, so kommt man durch die dichten Kiefernwälder nicht so schnell wieder heraus.

Gelobt sei das gute alte Festnetz, doch wo sind die Apparate zu finden? Vielleicht in diesem kleinen, verwilderten Kaff namens Four Corners, wo sich zwei Bezirksstraßen kreuzen. An der Kreuzung hat die alte Hazel ihr Café schon seit über dreißig Jahre, und die Leute, die hier einkehren, lieben ihre selbstgebackenen Donuts. Heute will auch der kleine Tommy Dale, der morgen am Sonntag Geburtstag hat, zwei Donuts für seine Eltern Jean und Harold. Dann aber hören alle Gäste sowie ihre Gastgeber einen merkwürdigen lauten Knall. Klang das, als käme es von der Svenson-Farm herüber? Doch als die Detonationsfront sie erreicht, erledigen sich alle Fragen von selbst …

|Drei Hingerichtete|

Sheriff Michael Halloran bedauert sehr, dass er seine beste Deputy-Polizistin Sharon Miller beurlaubt hat. Jetzt macht sie Jobs fürs FBI. Und er könnte jeden Mann und jede Frau gebrauchen. Sein Deputy, der fette Boner, macht ihm deshalb laufend vorsichtig formulierte Vorwürfe. Da stehen sie nun am See, der den Kalksteinbruch füllt, und vor ihnen liegen drei nackte Männerleichen. Doc Hanson stellt die Todesursache fest: Die Körper wurden von einer MG-Salve fast in zwei Hälften geteilt. Als Hanson die Körper umsortiert, ergibt sich sogar ein noch grausigeres Bild. Die Linie der Einschüsse geht in einer geraden Linie durch alle drei Männer. Eine Exekution, mein Gott. Wer waren sie? Und wer warf sie achtlos in den See, als wären sie Abfall?

|Zwangshalt|

Grace McBride holt mit ihrer Kollegin Annie, Belinsky Sharon Miller in deren Wohnung ab, damit alle drei zum FBI in Green Bay fahren können, das im Osten von Wisconsin liegt. Von Minneapolis aus sind es einige Stunden Fahrt durch eine nette Gegend. Four Corners liegt keinesfalls auf dem Weg dorthin, aber wie sich zeigt, übt dieser Ort einen unwiederstehlichen Sog aus. Grace und Annie sind die Computerspezialisten vom Team Monkey Wrench und haben eine Menge entsprechende Hardware in ihren Range Rover gepackt, mit der sie Sharon Millers Arbeit beim FBI unterstützen sollen. Warum Annie ausgerechnet heute für diesen Trip ein Seidenkleid für 8000 Dollar sowie hochhackige Pumps angezogen hat, weiß nur sie selbst. Die anderen Damen sind wesentlich praktischer angezogen: in Hemd und Jeans.

Nachdem sie die letzte Tankstelle hinter sich gelassen haben, hält sich Grace seltsamerweise stur nach Norden. Sie will einen Abstecher machen und den beiden anderen eine Überraschung zeigen. Da gibt es eine laute Fehlzündung, und der Motor geht aus. Unter Schreien des Erstaunens lässt Grace den Rover ausrollen, bis er auf einem besseren Feldweg in einem schattigen Waldstück zum Stehen kommt. Was jetzt? Aussteigen und gehen natürlich, meint Grace mit stoischer Ruhe. Der nächste Ort dürfte Four Corners sein.

|Die Suche beginnt|

Ein paar Stunden beginnen Graces Kollegen Harley Davidson und Roadrunner Sorgen zu machen. Wegen der Funklöcher funktionieren die Handys in Missaqua County nicht, und ein paar Anrufe in Green Bay ergeben, dass die Damen wider Erwarten nicht eingetroffen sind. Kurz entschlossen, beschließen die beiden, eine Suchaktion zu starten.

Als die Detectives Magozzi und Roseth anrufen und nach Grace fragen, können sie ihnen nicht helfen. Diese sind von Sheriff Halloran kontaktiert worden, der Hilfe bei der Identitifikation seiner drei Leichen braucht. Da Leo Magozzi sehr viel für Grace übrig hat (um es gelinde auszudrücken), ist er sofort dabei, als Harley und Roadrunner ihm anbieten mitzukommen. Gino Roseth, Magozzis bester Kumpel, entschuldigt sich bei seiner Frau Angela und kommt mit. Endlich passiert mal wieder was! Und da Harleys Wohnmobil bis zur Halskrause mit feinster Elektronik vollgestopft ist, haben sie sogar mehr Chancen, etwas unterwegs herauszufinden als im Büro ihr Glück zu versuchen.

|In der Todeszone|

Four Corners ist ein ruhiger Ort, finden die drei Frauen, die nach einem Festnetztelefon suchen. Es ist sogar so ruhig, dass niemand auf der Straße zu sehen ist. Auch das Café und die Tankstelle sind leer, die Telefone kaputt. Merkwürdig: Die Telefonkabel sind durchgeschnitten. Grace beschleicht ein ungutes Gefühl. Sie befinden sich gerade in Hazels Café, als sie die Straßensperre entdecken und ein Motorengeräusch hören.

Aus ihrer Deckung heraus beobachten sie gespannt, was passiert. Zwei bewaffnete Soldaten der Nationalgarde – nun, jedenfalls sind sie uniformiert und haben je ein M-16-MG im Anschlag – stoppen einen Pickup-Laster. Sie wissen es nicht, aber es handelt sich um die Eltern des kleinen Tommy, die vom Einkaufen in der nächsten größeren Stadt zurückkehren. Die Soldaten halten die beiden Insassen an, und als Harold protestiert, entschuldigen sie sich mit „militärischen Manövern“. Doch Harold ist ein freier Bürger der Vereinigten Staaten und lässt sich von irgendwelchen dummen Nationalgardisten – die gerade mal eine Grundausbildung bekommen haben – nicht vorschreiben, wohin er fahren darf und wohin nicht. Er tritt aufs Gaspedal und durchbricht die Straßensperre. Die Maschinengewehre beginnen zu hämmern. Der Pickup kommt nicht weit und seine Insassen haben nicht mehr lange zu leben.

Annie, die emotionalste der drei Frauen, rastet beinahe aus: „Gütiger Gott, sind wir in einem Kriegsgebiet gelandet? Das hätte man uns doch sagen müssen!“ Doch dies nur der erste einer ganzen Reihe von Schrecken, die in Four Corners auf sie warten. Was ist hier nur los?

_Mein Eindruck_

Wenn die Nationalgarde anrückt, es aber keinen Einsatzbefehl von Seiten der Bundesregierung gibt, dann ist etwas oberfaul. Manche Zeitgenossen, die mit den politischen Strukturen der Vereinigten Staaten von Amerika vertraut sind, denken jetzt vielleicht an die Milizen oder die Aryan Brotherhood – tatsächlichen fallen diese Bezeichnungen auch im Verlauf der Handlung. Doch wenn es weder die Milizen aus Orgegon und Montana sind noch die Arier, dann können es ja nur Terroristen sein, oder zumindest deren fünfte Kolonne, also einheimische (eingeschleuste) Anhänger. Die sind es aber auch nicht, jedenfalls nicht solche aus dem Ausland. Wer hat aber dann Four Corners ausgelöscht?

SPOILER

Auf ihrem Schleichweg durch die Wälder und Hecken in und um Four Corners stoßen die drei Frauen immer wieder auf Soldaten, die sich über den Sinn ihres Einsatzes Gedanken machen. Und einmal können sie sogar Colonel Frank Hammer belauschen, der zu seinem Adjutanten Acker sagt, wie er sich den weiteren Verlauf der Operation vorstellt. Anscheinend sind diese Typen ganz normale Bürger, denkt sich Annie und wundert sich, wie es denen gelungen ist, Nervengas herzustellen. Doch dann lenkt die Berührung einer toten Kuh an ihrem Hintern Annies Gedanken in andere Richtungen.

Colonel Frank Hammer und seine Mitverschwörer, so stellt sich heraus, berufen sich nicht etwa auf die Verfassung, sondern auf die Unabhängigkeitserklärung der amerikanischen Gründerväter. Darin steht angeblich, dass die Bürger nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht haben, sich gegen eine Regierung zur Wehr zu setzen, die nicht in der Lage oder willens ist, sie angemessen zu schützen.

Und Hammer & Co. sehen sich durch den zunehmenden Anteil an unerwünschten Ausländern (es gibt offenbar auch erwünschte) in ihrer Existenz oder ihrem Wohlstand und Glück (was in Amerika alles ein und dasselbe ist) bedroht. Ergo müssen sie der Regierung einen Denkzettel verpassen. Und dafür haben sie drei Anschläge vorbereitet. Der erste ging durch einen unglücklichen Zu- und Unfall schief. Doch die zwei anderen Zeitbomben warten auf den Ablauf des Countdowns.

SPOILER ENDE

|Search & Rescue|

Im Grunde besteht der Plot in einer Search-&-Rescue-Mission und ist demnach ziemlich einfach gestrickt, so dass man jederzeit den Überblick behält. Allerdings laufen verschiedene Handlungsstränge gleichzeitig ab, die dann erst im spannenden Countdown-Finale zusammengeführt werden. Eine Jagd auf die Drahtzieher erübrigt sich, weil die drei Damen in Four Corners mit ihren Fallen ganze Arbeit geleistet haben. Wer hätte gedacht, dass Computerspezialisten wie Grace und Annie zu so etwas fähig wären?

|Frauen im Kampfeinsatz|

Wer bislang Frauen im Kampfeinsatz geringschätzig betrachtet hat, der wird hier eloquent eines Besseren belehrt. Sie wissen nicht nur, wie man einen Molotov-Cocktail herstellt und fachgerecht wirft („Yeah, kick some ass!“), sondern wie man Patronen per Heizung zeitverzögert zündet. Damit haben Hammer und seine Freizeitsoldaten nicht gerechnet. Aber der Anschlag auf die Tankstelle sorgt für eine riesige Feuersbrunst und Rauchsäule, die den anrückenden Suchmannschaften als Signal dienen kann. Falls man es denn als solches erkennt, was Magozzi & Co. irgendwie schwerzufallen scheint. Könnten die drei vermissten Grazien wirklich so ingeniös sein, ein Signalfeuer zu entfachen?

|Nützliche körperliche Grundausstattung|

Ja, sie können! Auch wenn sie, wie Annie leidvoll am eigenen molligen Leib erfahren muss, unter manchem Handicap zu leiden haben, das der weibliche Körper für sie bereithält. So ein Penis ist beispielsweise zum Stehendpinkeln eine sehr nützliche Grundausstattung, und dass umfangreiche Brüste beim Robben in feuchten Straßengräben hinderlich sein können, muss Annie nicht nur einmal leidvoll feststellen. Alle diese Details werden uns keineswegs verschwiegen, sondern genüsslich unter die Nase gerieben. Hauptsache, es fördert die gegenseitige Achtung und das Verständnis für die körperlichen Unzulänglichkeiten oder Vorteile des jeweils anderen Geschlechts. Dann ist das völlig in Ordnung. Dergleichen drastische Details habe ich jedenfalls in anderen Thrillern von weiblichen Autoren vergeblich gesucht.

|Der Sprecher|

Burghart Klaußner verfügt über eine wunderbar flexible Stimme, mit der er in der Lage ist, sowohl mehrere männliche als auch eine Reihe von weiblichen Figuren wiedererkennbar zu charakterisieren, und zwar auch abhängig von Emotion und Stimmung. Dadurch erwachen die Figuren quasi zum Leben und der Hörer kann sich in sie hineinversetzen, um so an ihrem Schicksal Anteil zu nehmen.

Die Hauptfiguren sind sicherlich Gino Rolseth, Leo Magozzi und die drei Damen in den Wäldern. Größere Gegensätze lassen sich kaum vorstellen. Gino, der typische hibbelige Joe-Pesci-Nörgler-Typ, wieder stets von seinem Einsatzpartner Leo Magozzi mit einem tiefen, ruhigen Tonfall wieder zur Besinnung gebracht, wenn Gino wieder mal aus dem Häuschen gerät. Und das passiert ganz besonders dann, wenn die Dinge nicht so laufen oder liegen, wie Gino sich das vorstellt.

Von den drei Grazien ist Grace McBride ist die verlässlichste und ruhigste, ausgedrückt durch ihre relativ tiefe Stimmlage und ruhige Ausdrucksweise. Sharon Miller ist da schon ein wenig nervöser und unsicherer, was sich sogleich an ihrer Sprechweise ablesen lässt. Aber sie erscheint wie ein Fels in der Brandung im Vergleich zu Annie Belinsky. Sie spricht in einer sehr weiblichen, enorm hohen Tonlage – ein Wunder, wie der Sprecher das schafft – und tut sich durch ihre vielfältigen „Gütiger Gott!“-Ausrufe hervor. Sie ist das emotionalste Mitglied des Trios, aber keineswegs das schwächste.

Die beiden männlichen Kollegen von Annie und Grace im Monkey Wrench Team sind bekanntlich Harley Davidson und Road Runner, der Hacker. Road klingt selbst fast wie der Rennkuckuck, dem er seinen Namen verdankt. Seine Stimme ist hoch und krächzend. Harley hat die tiefste Stimmlage von allen, so dass ich ihn mir nur als einen Berg von einem Kerl vorstellen kann. Aber seine Grace möchte er trotzdem sehr gern wiederhaben. Das genaue Gegenteil der beiden ist Special Agent Knudson, der sich einer gepflegten und ruhigen, manchmal sogar monotonen Ausdrucksweise befleißigt. Allerdings gibt es auch für ihn eine wunderbare Szene, in der wir ihn fröhlich lallen hören. Er ist also doch kein Kyborg (Gott sei Dank).

Geräusche und Musik gibt es nicht, denn sie würden nur von der spannenden und witzigen Handlung ablenken. Darüber brauche ich also keine Worte zu verlieren.

_Unterm Strich_

Dieser Thriller war für mich, wie schon [„Memento“, 3958 das pure Vergnügen. Nicht nur ist die Story ziemlich spannend, sondern auch mit einer geradezu diebischen Lust an der Ironie erzählt. Dieser Humor verdeckt jedoch zu keiner Zeit, dass es hier im Grunde um ziemlich erschreckende und eigentlich gruselige Vorgänge geht, wie etwa den Einsatz von Giftgas, die Aussetzung der Bürgerrechte, Massenhinrichtungen und geplante Anschläge auf Ausländereinrichtungen.

Aus einer gewissen Distanz betrachtet könnte man das zentrale Ereignis sehr gut mit einer Invasion vergleichen, die einen Angriff mit „Massenvernichtungswaffen“ umfasst. Das klingt doch schon ziemlich nach Irak-Krieg. Geschrieben im Jahr 2006, lässt sich der Thriller als Kommentar auf den Einmarsch der alliierten Truppen in Irak und Afghanistan verstehen.

Anhand des Schicksals der drei mitten hinein geratenen Frauen kann der amerikanische Leser (und Hörer) nachvollziehen, was es bedeutet, Ziel eines solchen massiven und rücksichtslosen Angriffs zu sein. Vielleicht fördert diese Vorstellung dann das Verständnis für die Zivilbevölkerung in Irak und Afghanistan. Allerdings muss dies nicht als Vorwurf an die Amis verstanden werden, sondern an die Adresse aller kriegsführenden Gruppierungen, sei es in Ruanda, Beirut oder Afghanistan. Krieg ist überall gleich schrecklich, und leider sind seine ersten Opfer häufig Kinder – Kinder wie Tommy Whittick beispielsweise.

Der vielseitige Sprecher Klaußner erhöht das Vergnügen, das mir dieses Hörbuch bereitet hat, noch ganz beträchtlich. Er erweckt die Figuren zum Leben und macht sie zugleich sehr gut unterscheidbar. Es ist immer ein Spaß, gewisse Figuren wie Harley Davidson oder Gino Roseth zu hören, und diesmal kommt auch die arme Annie Belinsky in ihrem ramponierten 8000-Dollar-Kleid hinzu. Es hatte keinerlei Überlebenschancen.

|Originaltitel: Dead Run, 2006
Aus dem US-Englischen übersetzt von Axel Merz
387 Minuten auf 5 CDs|
http://www.hoerbuch-hamburg.de

Oliver Kuhn / Alexandra Reinwarth / Axel Fröhlich – Arschgeweih – Das wahre Lexikon der Gegenwart

Dunkelziffer: Lexikon mit Scheuklappen

Ist es nicht merkwürdig, dass Caffé-Latte-Gläser keine Henkel haben, obwohl sie sauheiß sind? „Das wahre Lexikon der Gegenwart“ nimmt solche und viele andere Seltsamkeiten unserer Zeit zum Anlass, sich darüber zu wundern und zu mokieren, mal amüsant und lustig, manchmal aber auch ernst und zornig.

Die Autoren
Oliver Kuhn / Alexandra Reinwarth / Axel Fröhlich – Arschgeweih – Das wahre Lexikon der Gegenwart weiterlesen

Karin Slaughter – Belladonna (Lesung)

Willkommen in der Freak Show!

Sara Linton, Kinderärztin und Gerichtspathologin, findet Sybil Adams verblutend auf der Toilette eines Restaurants. Zwei tiefe Schnitte in Sybils Bauch bilden ein tödliches Kreuz. Dass sie blind und damit so gut wie wehrlos war, macht den brutalen Mord noch entsetzlicher … (Verlagsinfo) Die Handlung dieses Romans geht jener in „Dreh dich nicht um“ zeitlich voraus.

Die Autorin

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Chris Mooney – Secret (Lesung)

Moderne Kripo-Schutzhelfer: Batman, Maria und Hannibal Lecter

Als Emma Hale, eine junge Hardvard-Studentin und Millionenerbin, aus Boston verschwindet, fehlt monatelang jede Spur von ihr. Bis ihre Leiche im Charles River entdeckt wird. Nun ist die Studentin Judith Chen nach zwei Monaten des Verschwindens ebenfalls im Wasser gefunden worden. Die Bostoner Polizeipräsidentin weist der Erkennungsdienstlerin Darby McCormick (aus „Victim“) den Fall zu.

Sie und ihr Kollege Tim Bryson geraten schnell auf die Spur eines in Ungnade gefallenen FBI-Profilers. Was weiß er über die psychiatrischen Akten der beiden Mordopfer? Und welche Rolle spielt der schwerreiche und trauernde Vater von Emma Hale? Darby beginnt, Geheimnisse zu lüften, die besser unentdeckt geblieben wären. Da verschwindet schon wieder eine Studentin. Ihre Zeit wird knapp.

Der Autor
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Karin Slaughter – Vergiss mein nicht (Lesung)

Trifft ins Herz: finaler Rettungsschuss

Es ist eine heiße Sommernacht im Städtchen Heartsdale, Georgia. Auf dem Parkplatz der Rollschuhbahn droht die 13-jährige Jenny den drei Jahre älteren Herzensbrecher Mark zu erschießen. Behutsam versuchen die Ärztin Sara Linton und ihr Ex-Gatte, Polizeichef Jeffrey Tolliver, die Situation zu entschärfen. Zunächst sieht es nach einem Liebesdrama unter Teenagern aus, doch dann kommt es zum Showdown: Tolliver muss Jennys Leben opfern, um Marks Hinrichtung zu verhindern. Schließlich findet man in den Toiletten der Anlage ein totes Neugeborenes, und Linton und Tolliver sehen sich einem Fall gegenüber, von dem sie sich wünschen, sie hätten ihn nie übernommen. (abgewandelte Verlagsinfo)

Die Autorin

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Andrea Maria Schenkel / Norbert Schaeffer – Tannöd (Hörspiel)

Intensive Atmosphäre des Verhängnisses

Auf dem abgelegenen Tannödhof in der Oberpfalz hüteten die Bewohner ein Geheimnis, von dem einige wussten. Nun liegen sie erschlagen in Stall und Haus: der alte Danner selbst, seine verhärmte alte Frau, die Tochter mit den beiden Kindern, die neue Magd. Ermordet mit einer Spitzhacke. Eine Familientragödie archaischen Zuschnitts und das Porträt einer von Katholizismus und Bigotterie beherrschten bäuerlichen Dorfgemeinschaft, dargestellt in Monologen, Protokollen, Gebeten.

Die Autorin

Andrea Maria Schenkel / Norbert Schaeffer – Tannöd (Hörspiel) weiterlesen

Anne Holt – Der norwegische Gast (Lesung)

Klassische Vorbilder: der Ermittler im Rollstuhl

Im norwegischen Bergdorf Finse sind wegen eines Schneesturms die Passagiere eines Zuges eingesperrt, unter ihnen die Ex-Kommissarin Hanne Wilhelmsen. Der Zug ist entgleist, an ein Fortkommen ist nicht zu denken. Da geschieht ein brutaler Mord – ein aus dem Fernsehen bekannter Pastor liegt erschossen in seinem Blut. Doch als Hanne einen Zeugen gefunden zu haben glaubt, wird auch dieser ermordet. Und das ist noch nicht alles …

Die Autorin

Anne Holt, 1958 geboren in Larvik, wuchs in Norwegen und den USA auf. Als freie Autorin lebt sie heute in Oslo und Südfrankreich. Mit ihren 13 Krimis gehört sie zu den wenigen skandinavischen Autoren, deren Bücher weltweit gelesen werden und sich über vier Millionen Mal verkauften. Zuletzt erschienen von ihr auf Deutsch „Die Präsidentin“ und „Der norwegische Gast“. (abgewandelte Verlagsinfo 2008)

Mehr von Anne Holt auf |Buchwurm.info|:

[„Die Wahrheit dahinter“ 1523
[„Was niemals geschah“ 1971
[„Der norwegische Gast“ 5168

Die Sprecherin

Ulrike Grote spielte nach ihrer Schauspielausbildung an renommierten Theaterbühnen und war in diversen Film- und Fernsehrollen zu sehen, u. a. im „Tatort“. Seit 2004 arbeitet sie auch als Regisseurin, ihr Kurzfilm „Ausreißer“ war für den OSCAR nominiert.

Regie führte im Eimsbütteler Tonstudio, Hamburg, Gabriele Kreis. Grote liest eine gekürzte Fassung.

Handlung

Der Zug nach Bergen entgleist vor einem Tunnel wegen einer Schneewehe. Die ehemalige Kommissarin Hanne Wilhelmsen findet sich nach einem Moment der Bewusstlosigkeit mit einem Baby im Arm neben den Gleisen wieder. Die Mutter grabscht sich das rosafarbene Bündel. Es herrschen 20 Grad unter Null, Schnee treibt in dicken Flocken. Die Retter fluchen und versuchen Hilfe aus einem nahen Berghotel in dem Dorf Finse zu holen. Einer der Retter weist auf Hannes Wade: Ein Skistock hat sich hindurchgebohrt, ohne dass sie etwas davon spürte. Sie ist seit einer verirrten Kugel, die sie sich vor fünf Jahren im Dienst einfing, querschnittsgelähmt. Hanne ist auf der Fahrt zu einem Rückgratspezialisten gewesen.

Im Berghotel Finse finden die acht Ärzte, die unterwegs zu einem Kongress waren, jede Menge Arbeit. Hanne wird von einem Zwerg behandelt, der sich als Magnus Streng vorstellt. Er unterstützt Hannes Bitte, dass einer der Retter ihren Rollstuhl vom Zug holt. Hanne robbt zum Tresen, der Hotelrezeption, wo sie der Ansprache eines Fettsacks lauscht, den sie aus dem Fernsehen kennt: Pastor Kato Hammer. Er bittet die fast 200 Anwesenden, für den Zugführer Einar Hultas zu beten, der beim Unglück gestorben sei. Neben Hanne flucht ein junger Mann, auf dessen EC-Karte „Adrian“ steht. Ihr fällt das mit Pistolen bewaffnete Ehepaar auf, das sie für Kurden hält. Die Pistolen halten sie versteckt. Eine Buchautorin namens Kare Tue, auch häufig im Fernsehen, schnauzt den Pfarrer an, die Klappe zu halten.

Schon bald machen Gerüchte über den letzten, außerplanmäßig angehängten Zugwaggon die Runde. Es heißt, die Kronprinzessin Mette-Marit sei an Bord gewesen. Alle seien in die Appartements des Hotels gebracht worden, wo nun Wachen stünden. Zu diesem Trakt gelangt man nur über einen alten Waggon, der die Verbindung zum Haupttrakt des Hotels bildet, in dem sich der Großteil der Fahrgäste versammelt hat. Geir Rukholmen, ein Anwalt, hat sich den Rettern angeschlossen und berichtet Hanne: Ein Schneesturm ist im Anzug, und die Temperatur ist auf 25 °C unter null gefallen. Es werde schlimm werden. Keine Chance auf Entkommen. Hanne ist klar, dass dies den mit Laptops bewaffneten Börsenkriegern nicht gefallen wird. Tatsächlich wird sogar einer von ihnen versuchen, durch den Schnee zu entkommen, und dabei umkommen.

Einer der Hunde wird eingesperrt. Erschöpft sinkt Hanne in den Schlaf. Geir Rukholmen weckt sie mitten in der Nacht. Draußen liege eine Leiche im Schnee, erschossen. Wer? Kato Hammer, der Pfarrer. Hanne ist nicht überrascht. Die Hoteldirektorin Berit Tverer hat die Leiche entdeckt und zeigt die Fotos auf ihrer Digitalkamera. Der Schuss erfolgte aus nächster Nähe ins Gesicht, das Ergebnis sieht schaurig aus. Die Leiche sei in der Küche, sagt Berit. Wohin damit? Hanne macht sich mehr Sorgen wegen des Mörders. Ach, sollen sich doch die Wachen der Royals darum kümmern, was geht sie das alles an.

Adrian, der Junge, tut ihr einen Gefallen und fertigt eine Liste mit Personen an, die er beschreiben kann. Es sind immerhin rund 50 Leute, sechs sogar namentlich. Marcus Streng, der Arzt, bittet Hanne in die Küche: Der Pastor war sein Patient. Berit erwähnt, sie habe gemessen, wie lange die Leiche gelegen habe: nur sehr kurz. Sie lässt die Leiche in den Kühlraum schaffen. Geir kehrt mit der Nachricht zurück, dass es in den Appartements keine Royals gebe, wohl aber eine bewaffnete Wache vor einem der Zimmer.

Am nächsten Morgen wundern sich die erwachenden Leute über die Abwesenheit des Pastors. Hanne fällt ein Mann in blauem Anorak auf: Ror Hansson, noch ein Pastor, aber auf Urlaub, wie er sagt. Hammer war sein Kommilitone, und Hansson weiß erstaunlicherweise, dass Hammer umgebracht wurde. Da bricht Panik aus, weil eine Falschmeldung, dass die Royal-Wachen schießen würden, wie eine Bombe einschlägt, Ein Mann namens Elias stirbt an einem Herzinfarkt, das dritte Opfer der Katastrophe. In dieser Lage kann Berit nicht anders, als den Tod von Kato Hammer bekanntzugeben und zu erklären: „Er starb an einer Hirnblutung.“ Eine glatte Lüge.

Hanne fragt Berit, wer im Zimmer mit der Wache sei. Berit berichtet von einem Anruf des norwegischen Geheimdienstes, der angeordnet habe, der letzte Wagen müsse in ein bestimmtes Zimmer evakuiert werden – aus Gründen der Staatssicherheit. Berit habe eine Telefonnummer genannt bekommen. Als Hanne diese Nummer anruft, nennt der allseits bekannte Außenminister seinen Namen, Hanne aber schweigt. Wenig später ist die Nummer „nicht mehr vergeben“. Was geht hier eigentlich vor? Ist unter den Fahrgästen etwa kein Royal, sondern ein Terrorist, der gefangengesetzt wurde?

In einer Stimmung depressiven Wartens kommt Ror Hansson wieder zu Hanne. Offenbar will er sein Herz erleichtern. Er glaubt, Kato Hammer sei wegen seiner Sünden umgebracht worden: Gier und Verrat. Er wisse, wer es gewesen sei. Gerade als er den Namen verraten will, vertreibt der junge Adrian ihn. Der schleimige Typ habe sich an Veronika, Adrians neue Freundin, heranmachen wollen, ist es zu fassen?!

Als ein Mädchen die Leiche im Kühlraum entdeckt, entsteht schon wieder Panik. Als der Sturm ein paar Fenster platzen lässt, die wie Explosionen klingen, verschärft sich die Panik. Kare Tue nutzt die verschärfte Angst ebenso aus wie ein Halbstarker, der eine Bande um sich schart, und die „Kurden“ zielen auf einen imaginären Feind. Jetzt übernimmt Hanne Wilhelmsen das Kommando, bevor alles in die Binsen geht.

Doch dann gibt es weitere Tote …

Mein Eindruck

Man sollte schon genau mitverfolgen, was Hanne beobachtet und mitgeteilt bekommt. Es sind lauter winzige Puzzleteilchen, die sie zusammensetzen muss, damit sie ein halbwegs sinnvolles Muster zu ergeben. Wie sich am Schluss herausstellt, geht es um weit mehr als nur um einen Terroristen, der vielleicht oder vielleicht nicht als Gefangener mitreist.

Die zahlreichen Beobachtungen in einer begrenzten Umgebung erinnern an etliche klassische Krimis, nicht zuletzt an Agatha Christies „Zehn kleine Negerlein“ (And then there were none), aber auch an Krimis mit Seriendetektiven wie Perry Mason und Nero Wolfe. Im Verlauf des Zwangsaufenthalts kommt Hanne einem Korruptionsskandal in der Staatskirche auf die Spur, an dem Kato Hammer und Ror Hansson beteiligt waren. Dabei gab es ein unschuldiges Opfer, das als Sündenbock verurteilt wurde. Die Gelegenheit zur Vergeltung für dieses himmelschreiende Unrecht bietet sich dem oder den Tätern in dem Berghotel von Finse.

Klassisch

Ebenso klassisch ist die Aufklärung dieses Falls. Zwei Morde werden dadurch erklärt. Niemand mag Hannes zwingend erklärte Täterermittlung glauben, zu bestürzend ist das Ergebnis, und Adrian rastet sogar aus. Die körperlich hilflose Hanne muss um ihr Leben bangen, denn da sind ja auch noch die mysteriösen Kurden mit den Bleispritzen.

Sie befindet sich in einem kuriosen Zwischenbereich der Berufstätigkeit: Sie ist nicht mehr Polizistin, aber auch noch nicht richtig Zivilistin, sondern wird zu einer Aufgabe genötigt, die eine Ermittlerin erforderlich macht. Darf sie deshalb jedoch die Wahrheit verdrehen oder verschweigen? Das ist eine knifflige moralische Frage. Doch der Status als Zivilistin bietet auch gewisse Freiheiten. Wie sich zeigt, ist sie die richtige Frau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Man verleihe ihr einen Orden.

Windstärken

Explosionen, Schüsse – alles eingebildet, aber nicht weniger wirksam. Ansprachen, Streitigkeiten, Panik – auch dies dreht die Schraube der Anspannung weiter. Ein recht ungewöhnliches Stilmittel, um die Spannung zu steigern, bilden die Zitate aus dem Handbuch zur Beschreibung von Wetterphänomenen in den Bergen. Die Zitate stehen jedem Kapitel voran. Die Phänomene reichen vom lauen Lüftchen bis zum schweren Orkan. Während die Brise noch harmlos erscheint und als erfrischend begrüßt wird, fegt so ein schwerer Orkan schon mal das eine oder andere Haus ins Nichts.

Man kommt nicht umhin, die wachsende Windstärke, die fallenden Temperaturen, den dichteren Schneefall und die in der Kälte platzenden Fenster miteinander in Verbindung zu setzen. Es ist, als würde in einem Dampfkochtopf der Druck steigen, während sich gleichzeitig das Hotel in eine Eishölle verwandelt. Kein Wunder, dass es zu Kurzschlussreaktionen im Finse-Berghotel kommt. Die Frage lautet, ob Hanne, der einzige Ermittler vor Ort, diese Eskalation überleben wird.

Die Sprecherin

Ulrike Grote, eine erfahrene Schauspielerin, erzählt mit beherrschter, selbstbewusster Stimme. Man sich ihr anvertrauen, und schon bald verschwindet sie hinter den Figuren. So etwa dann, als Ror Hansson angstvoll und stockend sein Gewissen erleichtern will. Oder wenn Marcus Streng, der Zwerg, mit einem ungewöhnlichen, rollenden R seine Hilfsbereitschaft demonstriert, als Hanne ihre Puzzlesteinchen zusammenfügt. Einen kleinen Verdacht ob solcher Hilfsbereitschaft konnte ich allerdings nicht unterdrücken. Könnte nicht auch der Zwerg …?

Kontrastprogramm

Der Emotionalität dieser Figurendarstellung steht die Sachlichkeit entgegen, mit der die Sprecherin aus dem Handbuch über Windstärken im Gebirge zitiert. Das bildet einen sowohl reizvollen als auch notwendigen Kontrast. Denn anhand des Maßstabs der Sachlichkeit lässt sich ablesen, wie hoch die emotionalen Wogen in den erzählten Passagen bereits schlagen. Da es keinen allwissenden Erzähler gibt, der uns „objektiv“ bei der Beurteilung anleiten würde, was hier eigentlich los, müssen wir uns auf Hannes subjektive Sicht der Vorgänge verlassen. Wie sich zeigt, ist das eine gute Strategie. Wohl dem, der gut beobachten – und kombinieren – kann.

Alles klar?

Dennoch bleibt uns diese subjektive Schilderung die Erklärung schuldig, was denn bitteschön eine „Blåstür“ sein könnte. Vermutlich handelt es sich um die kleine Lobby am Haupteingang. Hoffentlich wird diese Bezeichnung wenigstens im Buch erklärt.

Unterm Strich

Beobachtungsgabe und gutes Kombinieren sind gefragt, wenn die eingepferchten Gestrandeten des Zugunglücks Mann um Mann dezimiert werden. Wer steckt hinter dieser Eliminierung, lautet die spannende Frage, die zunehmend auch eine Frage des Überlebens wird. Ex-Kommissarin Hanne Wilhelmsen findet sich in der kuriosen Lage wieder, einerseits Zivilistin zu sein, andererseits aber auch die einzige kompetente Ermittlerin vor Ort.

Selbstredend klärt sie in einer großartigen Vollversammlungsrede sämtliche Fälle auf. Das heißt, zumindest die offensichtlichen Morde. Was jedoch mit den Royals oder dem Terroristen ist, kann sie lediglich vermuten. Den Außenminister kann sie jedenfalls nicht mehr anrufen. Ihre subjektive Sicht der Dinge ist keine Garantie dafür, dass sie immer richtig liegt. Aber das immer noch besser, als sich auf das Antiterrorkommando verlassen zu müssen, das sich unerkannt zwischen den Fahrgästen bewegt. Man darf annehmen, dass es ziemlich parteiisch und schweigsam ist.

Das Hörbuch

Ich hätte mir mehr Action gewünscht, doch wer darf von einer Querschnittsgelähmten Luftsprünge erwarten? Nach einer Weile kapiert auch der letzte Zuhörer, dass diese spezielle Ermittlung ganz anders abläuft. Erinnerungen an klassische Agatha-Christie- und Nero-Wolfe-Krimis werden wach. Man sollte sich an diese Vorbilder halten, denn sie bedeuten einen Aufruf, selbst zu beobachten und zu kombinieren.

Die Sprecherin trägt mit nie schwankender Stimme vor und verschwindet bald hinter den Figuren, die sie zum Leben erweckt. Das ist gar nicht so einfach, wenn wir alle Ereignisse durch Hannes Augen betrachten. Sie sagt ja herzlich wenig, sondern sammelt Aussagen und Eindrücke. Im Kontrast dazu stehen die sachlichen Zitate, die einen doch ziemlich erschreckenden Vorgang beschreiben: das Anschwellen des Schneesturms bis zum schweren Orkan.

Originaltitel: 1222
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
386 Minuten auf 5 CDs
ISBN-13: 9783899036350

http://www.hoerbuch-hamburg.de
http://www.piper-verlag.de

Martin Suter – Lila, Lila (Lesung)

Lob der wahren Autorenschaft

Um von seiner Angebeteten beachtet zu werden, gibt ein junger Autor ein in einem Second-Hand-Möbel gefundenes Romanmanuskript als sein eigenes Produkt aus. Womit er nicht gerechnet hat: Sie findet die Geschichte toll und schickt sie an einen Verlag, der das Buch auch prompt veröffentlicht und zu einem Bestseller macht. Schön, dass sich Marie in ihn verliebt, aber mit dem Erfolg beginnen die Probleme …

Der Autor

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Markus Heitz – Die Zwerge (Lesung)

Zwergenkrieg: episch, mit ironischen Untertönen

Seit ihrer Erschaffung durch den Gott Vraccas bewachen die fünf Stämme der Zwerge das Geborgene Land, wo Menschen, Elben und Zauberer friedlich miteinander leben. Doch als die Festung des Zwergenstammes der Fünften von Orkhorden, Ogern und Alben überrannt wird, ergießt sich ein Strom von hasserfüllten Bestien ins Geborgene Land. Als der Rat der Zauberer von einem Verräter fast vollständig vernichtet wird, hängt das Schicksal der Bewohner des Landes von einem einzigen Zwerg ab, der noch nicht mal weiß, woher er kommt: Tungdil wurde als Kind einem Zauberer in die Obhut gegeben.

Der Autor

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Markus Heitz – Gerechter Zorn (Die Legenden der Albae 1) (Lesung)

Dark Fantasy: Hochmut kommt vor dem Fall

Die Albae (Dunkelelben) sind gefährlich, grausam und scheuen keinen Krieg. Ihre Feinde fürchten sie, und ihre Sklaven folgen ihnen bedingungslos. Doch die dunklen Geschöpfe bergen ungeahnte Geheimnisse, und ihre Macht ist nicht unbegrenzt. Das Reich der Albae ist bedroht, und die ungleichen Krieger Sinthoras und Caphalor erhalten vom Herrscherpaar den Auftrag, einen mächtigen Dämon als Verbündeten im Krieg zu gewinnen. Es stellt sich aber schnell heraus, dass jeder der zwei Albae eigene Pläne verfolgt. Der Kampf um Ehre, Macht und Leidenschaft bringt sie in höchste Gefahr. Das Schicksal ihres Volkes steht auf dem Spiel. (abgewandelte Verlagsinfo)
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Ellen Weiss / Chris Van Allsburg – Der Polarexpress (Lesung)

Der amerikanische Weihnachtsklassiker hat am 25. November weltweit Premiere als Zeichentrickfilm. Dabei ist auch die deutsche Stimme von Tom Hanks zu hören. Alle kleinen und großen Träumer können sich dann vom Polarexpress auf eine magische Reise zum Nordpol nehmen lassen, um – wen wohl? – zu besuchen.

Der Autor/Die Autorin
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Daniel Defoe – Robinson Crusoe (Hörbuch)

Abenteuerlich: Vom Schiffbrüchigen zum Vizekönig

Das Leben und die seltsamen Abenteuer des Robinson Crusoe, eines Seemannes aus York, welcher 27 Jahre ganz allein auf einer unbewohnten Insel vor der südamerikanischen Küste nahe der Orinoco-Mündung lebte. Ein Schiffbruch, bei dem die ganze Besatzung ums Leben kam, verschlug ihn auf dieses selbst von Kannibalen nur selten besuchte Eiland.

Der Autor
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Marlen Haushofer – Wir töten Stella (Lesung)

Familienhölle: eine tödliche Maschine

Die Novelle „Wir töten Stella“ ist die eiskalte Bestandsaufnahme einer gescheiterten Beziehung. Aus ängstlicher Bequemlichkeit und dem vergeblichen Wunsch, dem 15-jährigen Sohn eine perfekte Familie vorzugaukeln, nimmt eine Ehefrau und Mutter die Affären ihres Mannes duldend hin. Sie schreitet auch nicht ein, als Richard die 19-jährige Titelfigur verführt. Diese nimmt sich schließlich aus Verzweiflung das Leben, obwohl es dabei wie ein Verkehrsunfall aussieht. Wer hat hier wen getötet? Die Ehefrau klagt sich als Komplizin ihres Mannes an …

Die Autorin

Marlen (eigentlich Marie Helene) Haushofer wurde am 11. April 1920 in Frauenstein, Oberösterreich, als Tochter eines Revierförsters geboren. Sie studierte 1940 Germanistik in Wien und Graz und lebte später mit ihrem Mann, einem Zahnarzt, und zwei Kindern in Steyr. Sie starb am 21. März 1970 in Wien. Sie schrieb neben ihrer Tätigkeit als Hausfrau und Sprechstundenhilfe hauptsächlich Romane, Novellen, Erzählungen sowie Kinder- und Jugendbücher. Sie wurde von österreichischen Schriftstellern gefördert.

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