Dunne, Patrick – Maya-Ritual, Das

_Arac Attack in Yucatán_

Amerikanische Bürger finden auf der mexikanischen Halbinsel in blutigen Ritualen den Tod. Was steckt dahinter? Es gibt zudem Hinweise auf eine schreckliche Seuche, deren Erreger von Öko-Terroristen nach Florida verfrachtet werden soll. Kann man sie rechtzeitig stoppen?

_Der Autor_

Patrick Dunne wurde in Dublin, Irland, geboren. Nach einem Literatur- und Philosophiestudium wollte er zunächst Musiker werden und führte mit seiner Band ein Musical über keltische Themen auf. Inzwischen blickt er auf 20 Jahre als Regisseur und Produzent beim irischen Rundfunk und Fernsehen zurück.

Bei uns wurde er erst 2000 mit seinem Keltenthriller [„Die Keltennadel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=257 bekannt, der ebenfalls zuerst im |Limes|-Verlag erschien und dann als Taschenbuch bei |Bastei Lübbe|.

_Handlung_

Mexiko, Halbinsel Yucatán, Chitzen Itza: Die Meeresbiologin Jessica Madison, die in der Ich-Form von den Geschehnissen erzählt, und ihr Partner, der Tauchlehrer Ken Arnold, beginnen einen Abstieg in einen gefährlichen Großbrunnen, um dort unter Wasser nach einem makabren Objekt zu suchen: dem abgeschlagenen Kopf eines US-amerikanischen TV-Regisseurs namens Nick Goldberg.

Der Brunnen ist nicht irgendein „Zenote“, deren es auf Yucatán Tausende gibt. Es handelt sich vielmehr um DEN heiligen Brunnen der legendären Maya-Hauptstadt, in den menschliche Opfer gestoßen wurden, nachdem sie zuvor dem Gott Kukulcán (Quetzalcoatl) geweiht worden waren. Wurde Goldberg ebenfalls ein Opfer eines wieder aufgeflammten Maya-Nationalismus‘?

Jessica findet zwar den grässlich zugerichteten Kopf, aber ihr Freund Ken erleidet eine rätselhafte Infektion, die ihn binnen drei Tagen dahinrafft. Dafür, dass die ganze Aktion im Auftrag der mexikanischen Bundespolizei stattfand, hätte man sie auch vor solchen Gefahren warnen können, findet Jessica empört (wenn auch etwas spät).

In dem einheimischen Professor de Valdivia findet Jessica einen kenntnisreichen Ratgeber. Als einheimischer Maya-Abkömmling verfügt er über eine ihrer heiligen Schriften, die über tausend Jahre alt ist. Offenbar kehrt alle zweihundert Jahre eine schreckliche Seuche wieder, die nicht nur die Maya-Kultur binnen kurzem verschwinden ließ. Nun ist es mal wieder an der Zeit, dass die Seuche ausbricht. Ihre Erreger befinden sich nicht nur im heiligen Zenote von Chitzen Itza, sondern in allen Brunnen der Halbinsel. Und Spinnen spielen auch eine Rolle …

Doch nicht genug damit: Die Maya-Nationalisten machen sich diese Tatsache zunutze, um die Tourismusindustrie in Cancún und Cozumel zu vernichten. Ihr nächstes Ziel: die amerikanische Küste und Disneyworld …

_Mein Eindruck_

Die ersten 80 Seiten sind wirklich gut gelungen: ein effektiver Einstieg in das, was ein mitreißender, aktueller Thriller über modernen Ökoterrorismus hätte werden können. Das Finale auf den letzten 50 Seiten ist dann auch wieder recht packend und platzt fast vor intelligent aufgezogener Action.

Leider zieht es der Autor vor, uns zwischen diesen beiden Polen mit diversen Unwichtigkeiten zu langweilen. Man mag die schleppende Entfaltung der Geschichte ja unter dem Aspekt des Realismus akzeptieren, aber das muss nicht bedeuten, den Leser zu langweilen.

So erfahren wir also, geführt von der etwas ahnungslosen Jessica, dass es a) Maya-Nationalisten gibt, die amerikanische Bürger tödlichen Ritualen unterziehen; es b) ehemalige Greenpeace-Mitglieder gibt, die der Menschheit den Garaus machen wollen (Stichwort: Ökoterrorismus) und dass zu „guter“ Letzt Mexiko und die USA kurz vorm Krieg stehen, dank der Internetpropaganda der Maya-Nationalisten.

Dies alles ist nicht so wahnsinnig interessant und wird von Jessica in eher gemächlicher Form erzählt. Das kann man sympathisch finden, verwirrend oder eben langweilig. Jedenfalls geht es weit über einen üblichen Thriller hinaus.

_Unterm Strich_

„Das Maya-Ritual“ ist eine Kombination aus Öko-, Medizin- und Polit-Thriller, die am Anfang und am Schluss mit ordentlicher Action und Spannung aufwartet, aber dazwischen muss man einen langen Durchhänger überwinden, während ein Gewirr von rätselhaften Zusammenhängen aufzuklären ist. Sympathisch ist vor allem die Erzählerin und Hauptfigur, die vor keinem Mysterium zurückschreckt und keinem Befehl gehorcht.

|Originaltitel: The Skull Rack, 2001
Aus dem Englischen übersetzt von Fred Kinzel|

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