Dunne, Patrick – Pestglocke, Die

Der schwarze Tod, die Strafe Gottes: die Pest, die im Mittelalter ein Drittel der Bevölkerung Europas tötete. Ein Leichentuch, das vor keinem Land haltmachte und etwa 20 bis 25 Millionen Menschen grausam dahinraffte. Gegen diese bakterielle, hochgradig ansteckende Krankheit waren die meisten Mediziner dieser Epoche machtlos, und die wenigen, die richtig vermuteten, woher diese tödliche Krankheit kam, wurden milde belächelt.

Die Inkubationszeit konnte bei wenigen Stunden liegen, genauso gerne aber auch bis zu sieben Tage betragen. Immer wieder aufkehrende Symptome sind hohes sich schnell entwickelndes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Wenig später kommt es zu Bewusstseinsstörungen. Der Ausdruck ‚Beulenpest‘ stammt von den stark geschwollenen Beulen am Hals bzw. Achselhöhlen und Leisten. Die Lymphgefäße und -knoten werden befallen. Diese oftmals eitrigen Beulen können dabei einen Durchmesser von etwa zehn Zentimetern erreichen.

Ein Autor aus der Zeit des Mittelalters schildert die verheerenden Auswirkungen der Pest folgendermaßen: |“So konnte, wer – zumal am Morgen – durch die Stadt gegangen wäre, unzählige Leichen liegen sehen. Dann ließen sie Bahren kommen oder legten, wenn es an diesen fehlte, ihre Toten auf ein bloßes Brett. Auch geschah es, dass auf einer Bahre zwei oder drei davongetragen wurden, und nicht einmal, sondern viele Male hätte man zählen können, wo dieselbe Bahre die Leichen des Mannes und der Frau oder zweier und dreier Brüder und des Vaters und seines Kindes trug.“|

Die Ärzte, deren Ausbildung zum Teil viel mit der Astrologie zu tun hatte, gaben die Schuld an der Pest den Sternbildern und besonders religiöse Medizi bezeichneten in ihrem Aberglauben und ihrer Gottesfurcht die Krankheit immer wieder als Strafe Gottes für die sündigen Menschen. Später suchte man sich als Sündenbock die jüdische Bevölkerung, die immer schon mit Argwohn und Neid gemieden und verachtet wurde. Trotz aller Vorurteile, aller Ängste und des Aberglaubens konnte die Pest von einigen Ärzten, die ihrer Zeit voraus waren, mit einem System von Sauberkeit und Vorsorge erfolgreich bekämpft werden.

Zweifelsfrei hatte die Krankheit, so makaber es klingen mag, auch für die wirtschaftliche und kulturelle sowie medizinische Entwicklung viel beigetragen. Die Bevölkerung in den Städten wurde sauberer und sich ihrer Verantwortung bewusster, Kanalisation und Abfallorte wurden geschaffen, zugleich entstanden neue Berufe, die Mediziner taten einen gewaltigen Sprung nach vorn und fingen an, die Leichen von Pestopfern systematisch zu untersuchen. Für die damalige Forschung und Entwicklung war all dies ein großer Schritt.

Patrick Dunne hat diese Krankheit in seinem neuen Roman „Die Pestglocke“ als Nebenfigur auftreten lassen.

_Die Story_

Bei einer Ausgrabung findet die Archäologin Illaun Bowe zwei Bleisärge. Alles spricht dafür, dass sich hier im Mittelalter ein Pestfriedhof befunden haben muss. Vorsichtig und bedächtig wird versucht, diese Särge von ihrem nassen Grab zu befreien, um sie und den Inhalt später wissenschaftlich untersuchen zu können.

Während der Bergung geschieht jedoch ein Unfall und überschüttet den Arbeiter Terry, der Illaun bei ihrer archäologischen Arbeit behilflich ist, mit dem Inhalt des Sarges. Diese ‚Leichensuppe‘ aus geronnenem, verwesendem Körperfett ergießt sich über Terry. Illaun, die weiß, dass ein Pesttoter immer noch hochgradig ansteckend sein kann, schickt Terry auf schnellstem Wege ins benachbarte Krankenhaus, um sich dort auf mögliche Infekte untersuchen zu lassen.

Beim Öffnen des zweiten Sarges finden die Wissenschaftler zwischen den Knochen eine wunderschöne aus Holz geschnitzte Madonna. Warum wurde dieses fantastische Kunstwerk zusammen mit einem Pesttoten in einem Bleisarg vergraben? Illaun soll die Madonna dem Nationalmuseum übergeben, das die Heilige Jungfrau untersuchen und später ausstellen will, doch an einem Freitag ist dort niemand mehr, um das Kunstwerk entgegennehmen zu können, und so lagert sie die Madonna in einem ungenutzten Raum der Bibliothek ein.

Bei einer abendlichen Veranstaltung trifft sich Illaun mit ihrem Verlobten Finian und einem Polizisten. Finians Vater ist bei einem Spaziergang auf die Leiche einer Frau gestoßen, die offensichtlich stark verstümmelt wurde. Die Frau war afrikanischer Abstammung, und ihre Verletzungen deuten auf einen Ritualmord hin, da der Leiche der Kopf, die Brüste und die Genitalien ab- und herausgeschnitten wurden. An den Ermittlungen soll ein Sonderermittler aus Kapstadt teilnehmen, der mit solchen Ritualmorden schon Erfahrungen sammeln konnte.

Etwas später am Abend bringen sie Terry, den wissenschaftlichen Mitarbeiter der von der Leichensuppe überschüttet wurde, wieder ins Krankenhaus, da er fiebert und ständig sein Bewusstsein verliert. Wenig später verschlechtert sich sein Zustand rapide, die Körperfunktionen versagen ihren Dienst und kurz darauf stirbt er.

Die Todesursache ist für die Mediziner zunächst unklar, aber es steht außer Zweifel fest, dass bei ihm innerhalb kürzester Zeit eitrige Geschwüre aufgetreten sind, sowie eine Lungenentzündung und Blutvergiftung. Überraschend wurde bei ihm auch AIDS diagnostiziert, das sein Immunsystem geschwächt hat, so dass eine endgültige Diagnose zunächst schwerfällt.

Wenig später schlagen die Gesundheitsbehörden Alarm und ein kleiner Junge wird ins Krankenhaus eingeliefert, der exakt die gleichen Symptome hat wie der verstorbene Terry. Aber wie oder wodurch ist der Junge infiziert worden? Ist er mit der Ausgrabungsstelle in Verbindung zu bringen? Man ist beunruhigt, und schließlich, um die mysteriöse Krankheit gar nicht erst ausbrechen zu lassen, wird die gesamte Stadt unter Quarantäne gestellt, doch die Krankheit und die ganze Situation beginnen zu eskalieren …

_Kritik_

Der Klappentext und die inhaltliche Zusammenfassung klingen ja zunächst wirklich nach einer dramatischen und spannenden Geschichte. Aber die Erwartung konnte Patrick Dunne mit seiner „Pestglocke“ überhaupt nicht erfüllen. So seicht und emotionslos, wie er die Geschichte und ihre einzelnen Handlungsstränge beschreibt, bleibt dem Leser kaum etwas anderes übrig, als sich gelangweilt zu fühlen.

Anstatt die Grundstory mit Leben zu füllen und sie spannend zu entwickeln, stellen sich einzelnen Passagen wie Tagebucheinträge der Hauptfigur Illaun dar. Ihr derzeitiger Tagesablauf spielt eine viel zu große Rolle und trägt überhaupt nicht dazu bei, dass sich die Geschichte entwickeln kann. Der Basisplot klingt ja wirklich verheißungsvoll und spannend, aber nach wenigen Seiten lässt sich ernüchtert feststellen, was auf den folgenden gut 300 Seiten auf den Leser zukommen wird.

In „Die Pestglocke“ wurden zudem Details eingearbeitet, die absolut unnütz sind und die man nach der Lektüre sowieso gedanklich beiseite schieben kann. Der Autor hat es fabelhaft verstanden, den Leser mit einer Vielzahl von Informationen zu füttern, die einfach unglaublich überflüssig sind.

Die Protagonisten sind nur sehr blass dargestellt, und verzweifelt sucht man nach einem ‚Leitwolf‘, der die Geschichte vorantreibt, der Schwächen und Stärken miteinander vereinbart und für den Leser nachvollziehbar handelt. Illaun denkt alle paar Seiten darüber nach, ob sie ihren Freund wirklich liebt und glücklich ist, Finian ist von der ersten Begegnung an ein unsympathischer Charakter, und die Annäherungsversuche von Groot, der Illaun den Hof macht, beweisen wahre Kindergartenmentalität.

Da bringt selbst die eigentliche Geschichte dem Leser nicht das erwartete Lesevergnügen, denn auch diese wird völlig emotions- und lieblos zwischen die vielen unzähligen Nebengeschichten gebettet.

_Fazit_

Es bleibt letztlich nur eine langatmige und langweilige Geschichte übrig. Patrick Dunne sollte sich bei seinem nächsten Romanprojekt darauf konzentrieren, die Geschichte und ihre handelnden Figuren bildhafter darzustellen, und sich dafür entscheiden, die eigentliche Grundgeschichte stringenter voranzutreiben.

Man hätte viel mehr aus dieser Idee machen können, aber Patrick Dunne macht es sich mit diesem eher missratenen sprachlichen und inhaltlichen Stil eindeutig schwer, eine zufriedene Leserschaft aufzubauen. Wer einen spannenden und unterhaltsamen Roman erwartet, dem sei von der „Pestglocke“ ganz klar abzuraten.

http://www.limes-verlag.de

_Patrick Dunne auf |Buchwurm.info|:_
[„Die Keltennadel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=257
[„Das Maya-Ritual“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1576

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