Jackson, Steve / Kovalic, John – Munchkin beißt!

_Von Vampiren und Werwölfen_

Nachdem man sich bereits als Agent, Sternenkrieger und Dungeonmaster versuchen durfte, geht es für den handelsüblichen „Munchkin“ nun in die Szene der Düsterheimer: In „Munchkin beißt!“ kämpft man in der Gruft gegen allerlei finsteres Geziefer.

Angeführt von Höllenfürsten wie Asmodeus, Thesaurus und der Dunkelheit im Allgemeinen, verfolgt eine Horde düsterster Schergen die Spieler und versucht ihnen mit allerhand Flüchen und Fallen das Leben zur Hölle zu machen. Also beschließt man kurzerhand, das Ruder herumzureißen, selber in die Rolle von Vampiren, Werwölfen und Wechselbälgern zu schlüpfen und sich der Bedrohung aus dem Jenseits zu stellen. Doch es ist Vorsicht geboten, denn dieses Mal scheinen die Gegner stärker als je zuvor.

_Spielmaterial/Design_

Wie gehabt besteht auch „Munchkin beißt!“ aus einem 168 Karten starken Blatt, welches sich dieses Mal mit verschiedenen Inkarnationen der Hölle beschäftigt und die gemeinsten, hinterhältigsten und vor allem finstersten Monster offenbart, die man im Laufe der Serie bislang vor Augen geführt bekommen hat. So weisen alle Karten einen blutroten Rand auf, wohingegen die Schriftzüge auf den Karten dem schaurigen Genre angepasst sind. Leider sind die Zeichnungen von John Kovalic dieses Mal nicht so originell. Der Mann zitiert sich in den meisten Fällen weitestgehend selbst und führt zum Beispiel einige bekannte Figuren der „Chez Goth / Chez Geek“-Reihe ins Spiel ein. Witzig sind seine Illustrationen zwar allemal, aber woran es dieses Mal mangelt – und das überrascht gerade bei diesem Themenbereich –, sind neue, frische Ideen.

_Der besondere Reiz_

Es ist ziemlich offensichtlich, dass „Munchkin beißt!“ eines der interessantesten Themen der gesamten Serie aufweist und daher vollkommen berechtigt auch mit einer entsprechenden Erwartungshaltung begrüßt wird. Diese wird aber heuer nicht mit den hochwertigen Zeichnungen Kovalics befriedigt sondern vielmehr mit den interessanten Karteninhalten, die das Spiel ein wenig komplexer gestalten und gleichzeitig auch mehr Möglichkeiten offenbaren. Gerade für die Kampfhandlungen mit den Monstern eröffnen sich zum Beispiel durch die Fledermäuse, die hier meistens im Rudel auftreten und einen gerade begonnen Kampf maßgeblich beeinflussen können, einige interessante Nuancen, die den Mechanismus des Spiels spürbar erfrischen. Davon abgesehen, bieten die Karten generell einige neue systematische Verbesserungen, weil das Einsatzfeld so manchen Blattes einfach breiter ist.

Das Team Jackson & Kovalic hat indes auch ganze Arbeit bei der Gestaltung der Kartentexte geleistet, wohingegen die Monster ebenso wie die Rassen und Klassen nun nicht wirklich verblüffend sind. Aber Sachen wie das Haarwuchsmittel, die Tränen einer Jungfrau oder das Kompaktpuder entlocken dem Spieler doch zumindest den einen oder anderen Lacher. Ähnlich verhält sich dies mit den Flüchen, die partiell wie eine Strip-Show der Vampire anmuten. Man verliert Rüstung, Kopfbedeckung und Schuhwerk, ist gezwungen, das Geschlecht zu wechseln (möglicherweise sogar von Vorteil) oder aber man muss sein Gehirn opfern, weil es von LARP zerfressen wurde – Kult im „Munchkin“-Gewand!

Getoppt wird Letzteres schließlich von diversen Möglichkeiten, direkt eine Stufe aufzusteigen; Bela Lugosi zu imitieren wäre eine Möglichkeit, Kain auferstehen zu lassen eine weitere. Genau hier blitzt dann auch wieder dieser fantastische Humor auf, der bis jetzt noch jedem „Munchkin“-Titel zum abendfüllenden Vergnügen verholfen hat und auch „Munchkin beißt!“ (ergänzt durch die einzelnen schematischen Neuerungen der Kartentexte) so richtig empfehlenswert macht.

_Fazit_

Nach immer weiter reichender Kundigkeit des „Munchkin“-Universums wähnte ich mich vorab an einem Punkt, an dem es sehr schwierig sein würde, jedem neuen Titel der Edition noch etwas Besonderes abgewinnen zu können. Und nach den ersten Eindrücken der Illustrationen der „Munchkin beißt!“-Variante schien mir die Arbeit des erfolgreichen Zweigespanns Jackson/Kovalic auch zum ersten Mal ein wenig abgedroschen, gerade im Hinblick auf die teils schon bekannten Zeichnungen. Im Spiel erwies sich dann jegliche Befürchtung aber wieder als Ente; „Munchkin beißt!“ beinhaltet nämlich wieder alles, was von diesem Kartenspiel verlangt werden darf: bissigen Humor, herrlich bizarre Texte, niedliche Bilder und ein Spielsystem, das scheinbar nicht tot zu bekommen ist. Letzten Endes hat man die Möglichkeiten in „Munchkin beißt!“ sogar noch ein wenig gestreckt und den allseits bekannten Run auf die Stufen 1-10 durch einen dezent komplexeren Aufbau des Kartenmaterials weiter verbessert. Das lässt die wohl finsterste Variante des Spiels enorm frisch erscheinen und widerlegt auch die von Unwissenden geäußerte These, alle „Munchkin“-Spiele seien gleich. Sind sie nämlich – Jackson hat’s erneut bewiesen – definitiv nicht! Ergo: Ob humorvoll, begeistert oder fanatisch, ist egal – auch dieser Titel gehört ins („Munchkin“)-Kartenspielregal.

http://www.pegasus.de

Schreibe einen Kommentar