Mondfeld, Wolfram zu / Wertheim, Barbara zu – Schule der Gladiatoren, Die

Morituri te salutant – die Totgeweihten grüßen Dich: Diese Parole ist wohlbekannt aber historisch nicht korrekt, denn nur ein einziges Mal ist dieser Gruß an dem herrschenden Cäsar (Kaiser) überliefert worden.

Trotzdem kennen wir Gladiatoren aus Filmen wie „Spartacus“ mit Kirk Douglas oder zuletzt „Gladiator“ mit Russel Crowe, der zwar ein wirklich guter Film war, aber mit der Darstellung einer echten Gladiatur historisch gesehen nichts zu tun hatte. Wenn wir von Gladiatoren hören oder lesen, selbst in „Asterix“, so verbinden wir das immer mit einem Kampf zweier Kontrahenten auf Leben und Tod.

In der Regel stimmt das schon, aber ein solcher Kampf hatte ähnlich wie ein Boxkampf heute feste Regeln, mehrere Schiedsrichter, und ein Kämpfer hatte, wenn er die Gunst des Publikums erlangte, eine große Chance, das Kolosseum oder überhaupt die Arena, durch eine Missio (eine Begnadigung für diesen Kampf) zu verlassen.

Gladiatorenkämpfe gab es von ca. 264 vor Christus bis etwa Anfang des 5. Jahrhunderts. Nicht alle römischen Kaiser waren gewillt, die legitimen und gesetzlichen Kämpfe zwischen zwei Gladiatoren zu befürworten; Augustus, Tiberius und Mark Aurel waren jedoch zweifellos Verfechter dieses Kampfsportes.

Der Roman „Die Schule der Gladiatoren“ von Wolfram zu Mondfeld und seiner Frau Barbara zu Wertheim gibt ein recht gut recherchiertes historisches Bild dieser Epoche und des Berufsstandes der Kämpfer wieder und räumt mit Vorurteilen und falschen Informationen der antiken Welt auf.

_Die Geschichte_

Im Jahre 55 nach Christus im 13. Regierungsjahr des erhabenen Cäsars Claudius wächst der junge Eppor im großen Römischen Reich auf. Seine Familie bewirtschaftet einen eigenen Hof mit Landwirtschaft und Viehzucht und verkauft ihre Waren an die Legionäre (Soldaten) und ihre Familien. Doch es gibt hin und wieder Raufereien zwischen den Einheimischen und den römischen Kindern besserer Herkunft, die sich als Patrizier bezeichneten. Eppor verprügelt und demütigt den Sohn eines angesehen römischen Offiziers, was nicht ohne Folgen bleibt.

Die Geldstrafe würde den Hof der Familie in einen finanziellen Abgrund stürzen und keiner seiner Familienangehörigen dürfte sich danach noch als frei bezeichnen.

Eppor ist stolz und vernünftig, und sieht ein, dass er seine Familie nur retten kann, wenn er in die Sklaverei geht. Auf dem Sklavenmarkt wird er von der Gladiatorenschule „Felix Felix“ gekauft, und für Eppor, der den Namen Scorpio erhält, beginnt eine harte und sehr lehrreiche Ausbildung zum Retiarius – einem Kämpfer, der sich in der Arena mit Dreizack und Netz behaupten muss. In der Schule und während der Ausbildung wird „Felix Felix“ zu seiner neuen Familie. Neue Freundschaften entstehen und er findet Freude am doch oftmals rauen Leben. Nach seinem ersten Kampf gewinnt Scorpio nicht nur die Gunst der Zuschauer, sondern wird auch für seine hervorragenden Leistungen im Gefecht mit einem Lorbeerkranz ausgezeichnet.

Im Laufe der Jahre wird Scorpio einer der bekanntesten Gladiatoren im Römischen Imperium und die Freundschaft des mysteriösen Etruskers Tarquinius, der sich nicht zu Unrecht für einen Gott hält, wird ihn prägen und begleiten. Nach vielen Siegen und dem Gewinn von Preisgeldern kann sich Scorpio nun die Freiheit erkaufen, doch er bleibt der Laufbahn eines Gladiatoren und seiner Schule „Felix Felix“ treu. Der Lanista, der Inhaber der Schule, erkennt in dem jungen Mann viel Potenzial und möchte in ihm seinen Nachfolger sehen, doch Scorpio lehnt zunächst ab.

Als Kaiser Nero in Rom die besten Gladiatoren der Schulen für seine Spiele anfordert, wird auch Scorpio in der Arena kämpfen müssen. Es kommt zu einem ungleichen Kampf, den er trotzdem für sich entscheiden kann. Doch sein Gegner, ein arroganter Senatssohn, kann seine Niederlage nicht verkraften und verletzt Scorpio schwer, als dieser dem Gegner den Rücken kehrt, um von Kaiser Nero den Preis entgegenzunehmen.

Von diesem Tage an ist Scorpio querschnittsgelähmt und verliert fast seinen Lebenswillen. Doch seine Freunde und nicht zuletzt Tarquinius stärken seine Lebensfreude, und schließlich nimmt er das Angebot des Inhabers der Gladiatorenschule an und hilft diesem beim Leiten der Schule und der Ausbildung der neuen Generation von Gladiatoren.

Die Kämpfe in den Arenen Roms fordern von der Schule „Felix Felix“ einen hohen Blutzoll. Viele angesehene und gute Kämpfer sterben im Sand der Arena für die Unterhaltung der römischen Bevölkerung. Doch nach diesen Wettkämpfen gehört die Ausbildungsstätte Felix Felix endgültig zu den Eliteschulen für Gladiatoren.

Scorpio leitet nun die Geschicke der Schule und sein Freund Tarquinius rächt dessen Verletzung und die Tode seiner Freunde schrecklich. Dieser wird zu einer Legende unter den Gladiatoren, ein etruskischer Totengott, der in der Arena tödliche und perfekt einstudierte Schwerttänze aufführt. Er wird zum Schrecken aller Verbrecher unter den Gladiatoren, die regelwidrig kämpfen und Lust am Töten verspüren.

Der 18.07.64 nach Christus wird zu einem historischen Tag im Imperium. Kaiser Nero verfällt immer mehr dem Wahnsinn und gibt den Auftrag, Rom anzuzünden. Die Verantwortlichkeit und Schuld an dem Inferno gibt er einer neuen Sekte, den Christen, die Nero zu Tausenden auf brutale Weise hinrichten lässt. Auch die Gladiatoren von „Felix Felix“ nehmen an den neuen Spielen teil, allerdings ohne sich am Töten der unschuldigen Christen zu beteiligen. Geschockt und verstört verlassen diese das Zentrum der römischen Welt.

Doch mehr und mehr verliert Nero die Gunst des Volkes und des Senats. Wie viele andere Kaiser wird er das Opfer einer Verschwörung und ermordet. Nun beginnt eine unruhige Zeit mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Viele Herrscher werden gewählt und wieder abgesetzt. Es wird Jahre dauern, bis Ruhe einkehrt, und die Gladiatoren der Schule „Felix Felix“ reisen durchs Römische Reich, um nicht den Säuberungen der amtierenden Kaiser zum Opfer zu fallen.

Erst Kaiser Vespasian bringt wieder Stabilität und Vertrauen, so dass die Gladiatoren wieder ganz ihr Leben auf die Schule ausrichten können. Doch auch hier gibt es Intrigen und Feindschaften. Scorpio und Tarquinius leiten beide nun nach dem Tod des Inhabers die Schule mit viel Geschick und Gespür für gute Gladiatoren, die dem Namen der Schule alle Ehren machen.

Erst der Ausbruch des Vesuv und die totale Zerstörung Pompejis verändert das Leben von Scorpio und Tarquinius.

_Kritik_

„Die Schule der Gladiatoren“ des Autorenehepaars Wolfram zu Mondfeld und Barbara zu Wertheim belebt die Welt der literarischen Antike und ist historisch einwandfrei recherchiert. Die Autoren entführen den Leser in eine andere Epoche, die man auch als Zeit von „Brot und Spielen“ umschreiben könnte.

Durch die gewählte Ich-Form des Scorpio, der die Geschichte von Tarquinius erzählt, kann sich der Leser vom Denken und Handeln der Protagonisten im Römischen Imperium ein sehr gutes Bild verschaffen. Das Lebensgefühl eines Sklaven, eines Römers, eines Christen haben die Autoren fabelhaft in Szene gesetzt. Auch die politische Lage mitsamt der Kaiser und Eroberungskriege birgt viel an historischen verbürgten Informationen. Besonders interessant waren für mich die Passagen der Christenverfolgung sowie die Eroberung und Zerstörung von Jerusalem.

Trotzdem kann dem einen oder anderen Leser „Die Schule der Gladiatoren“ manches Mal langatmig vorkommen, da sich die Autoren im religiösen und gesellschaftlichen Leben etwas verrennen.
Die Einstudierung der Charaktere ist bis ins kleinste Detail durchdacht. Den beiden Hauptfiguren Scorpio und Tarquinius, deren Wichtigkeit und Entwicklung dem Leser unterschiedlich viel Freude bereiten, widmen sich die Autoren besonders deutlich. Der Legende rund um die Figur eines Gladiators haben die Autoren viel, viel Zeit und noch mehr Recherche gewidmet. Das allein zeigt schon, wie wichtig es ihnen war, aus einem historischen Roman nicht wie so oft eine Märchenstunde zu machen.

Der Roman ist unterteilt in drei einzelne Bücher, zwischen den Kapiteln verdeutlichen Zeichnungen der verschiedenen Gladiatorentypen dem Leser, was man sich unter den verschieden ausgerüsteten Gladiatoren vorstellen mag. Im Anhang des Romans werden die Rüstungstypen der Gladiatoren, die Besonderheiten und die Regeln eines Kampfes detailliert beschrieben.

Insgesamt kann ich die unterhaltsame und informative Lektüre dieses Romans guten Gewissens empfehlen.

_Das Autorenehepaar_ lebt in der Nähe von Augsburg, dem antiken Augusta Vindelicum. Wolfram zu Mondfeld ist unter anderem bekannt geworden, durch das Werk [„Der Meister des siebten Siegels“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=54 Spezialisiert hat sich der Autor als Verfasser von Geschichten, die mit der Seefahrt zu tun haben, bis zu einem Standardwerk zu historischen Schiffsmodellen. Seine Frau Barbara zu Wertheim ist eine namhafte Hellseherin, die auch an dem Roman „Mose – Sohn der Verheißung“ mitgewirkt hat.

http://www.bastei-luebbe.de

Schreibe einen Kommentar