Way, Daniel / Saltares, Javier – Ghost Rider 2 – Die Legende von Sleepy Hollow

_Story_

In einem verschlafenen Örtchen in der Nähe Chicagos versetzt ein wahnsinniger Mörder die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Ein junger Knabe namens Cameron wurde unter anderem beim Versuch, seine neue Liebe zu vergewaltigen, von dessen unbarmherzigem Feuer heimgesucht, und auch einige weitere Leichen gehen auf das Konto des Unbekannten. Der Sheriff ist sich indes sicher, die Identität des Täters aufgedeckt zu haben, als ein verwahrloster Gammler in der direkten Umgebung entdeckt wird. Jener gibt sich als Johnny Blaze aus und beweist ihm auf allzu schmerzliche Weise, dass er mit den Morden nichts zu tun hat. Allerdings ist der Ghost Rider kompromissbereit und stellt sich mit dem Gesetzeshüter gegen die neue maskierte Bedrohung in Sleepy Hollow.

_Persönlicher Eindruck_

Nach dem eher durchwachsenen [Auftakt]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3724 der neuen „Ghost Rider“-Serie geloben Daniel Way und Javier Saltares im zweiten Band der Marvel-Horror-Reihe nun deutliche Besserung. Zwar basiert ihr feuriger Tie-in zum Crossover-Epos „Civil War“ auf einer allzu bekannten cineastischen Vorlage, bewegt sich darin jedoch sehr frei und spannungsgeladen, so dass der etwaige Vergleich letztendlich fast nur noch im Titel eine vollständige Berechtigung findet. Ansonsten ist der Aufhänger „Sleepy Hollow“ lediglich ein geringfügiger, letztendlich aber kaum mehr relevanter Orientierungspunkt für das Publikum des Ghost Rider.

Die Story indes ist als Verknüpfung zu besagtem Mega-Event angedacht, erstellt diesbezüglich jedoch keine echte Verbindungslinie, so dass sie schließlich doch als unabhängiges Element agieren muss. Johnny Blaze muss sich erneut seinem schärfsten Widersacher Luzifer stellen und ihn in einem diabolischen Kleinkrieg aus Sleepy Hollow vertreiben. Außerdem beteiligt er sich währenddessen daran, den Urheber einer Mordserie dingfest zu machen, der jedoch unter derselben feurigen Kürbismaske steckt wie der aufs Neue personifizierte Höllenfürst.

Die Story schreitet schließlich zügig voran und setzt vorrangig auf die äußerst lebendige Action, die von den beiden kontrahierenden Flammenköpfen getragen wird. Gleich mehrfach kommt es zu gravierenden Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ausgeburten der Hölle, verstärkt durch den Rachefeldzug des Sheriffs, der einzig und alleine danach sinnt, Vergeltung für seinen verstorbenen Sohn Cameron zu üben. Dies alles verläuft weitestgehend stringent und bestimmt, hat jedoch den Nachteil, dass die Geschichte kaum Überraschungspunkte offenbart und alles in allem doch recht durchschaubar bleibt. Auch der groß erwähnte Zusammenhang zum „Civil War“ ist abgesehen von einigen wenigen Szenen äußerst dürftig, prinzipiell aber kaum präsent, was insofern absurd ist, als die Geschichte auch ohne Namedropping und dergleichen ganz gut funktioniert und derartig werbeträchtige Darstellungen insgesamt eher unnötig sind.

Damit wären die Kritikpunkte des zweiten Bandes der neuen Saga aber auch schon auf den Punkt gebracht und im Vergleich zur schwachen Auftaktstory schon merklich reduziert. Der Verfechter der innovativen Komponenten mag zwar noch bemängeln, dass sich Way und Saltares bisweilen zu sehr auf bewährten Klischees ausruhen und dem Image des Ghost Rider keinen erfrischenden Stempel aufdrücken, allerdings muss man dies vor dem Hintergrund wiederum relativieren, dass die beiden Autoren diesbezüglich definitiv in erster Linie die Erwartungen der konservativeren Leserschaft berücksichtigen, die elementare Veränderungen im Bezug auf ihre Heldenfigur nicht sofort akzeptieren würde.

Schlussendlich darf man also bis auf weiteres mit der Umsetzung von „Die Legende von Sleepy Hollow“ zufrieden sein, da ein Großteil der vorherigen Schwächen schon ausgemerzt und die Story darüber hinaus tatsächlich spannend und abwechslungsreich gestaltet wurde. Sollte sich dieser Aufwärtstrend in den nächsten Ausgaben weiterhin bestätigen – und das wollen wir ja wohl hoffen –, sollte der „Ghost Rider“ sich schon bald wieder dort einpendeln, wo er eigentlich hingehört, nämlich an die Spitze eines kompletten Genres. Für den Anfang ist „Die Legende von Sleepy Hollow“ ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung und sicherlich mehr, als man zuletzt noch erhoffen durfte.

http://www.paninicomics.de/ghost-rider-s10473.html

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