Bajram, Denis – Universal War One 3: Kain und Abel

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_Story_

Nach der Explosion des Wormholes entdecken die Überlebenden des Einsatzes in der Mauer eine scheinbar verlassene Raumstation, in der sie bereits am Portal von zahlreichen vertrockneten Leichen begrüßt werden. Erst hier wird ihnen klar, dass die Zeit nicht nur stehen geblieben ist, sondern ihr aktuelles Dasein in der Chronologie noch vor dem Einsatz in der Mauer einzuordnen ist. Dies würde auch bedeuten, dass Balti noch leben müsste und sein bevorstehender Tod noch abgewendet werden könnte. Kalish ist jedoch nicht damit einverstanden, ihn zu retten und wird infolge dessen von Mario ausgeknockt.

Doch während sich die anderen noch über verschiedene Möglichkeiten des Zeitparadoxons unterhalten und sich darüber in die Haare bekommen, gelingt es ihrem vorzeitig ausgeschalteten Anführer, in den Hauptraum der Kommandozentrale einzudringen und dort den letzten Verbliebenen der Raumstation zu treffen. Kalish erfährt alle Details über die Existenz dieser Basis und diskutiert ebenfalls über die Möglichkeit des Zeitreisens. Balti wird indes unfreiwillig über die wahren Gründe seines Tods informiert und beschließt, die Dinge ihren gerechten Lauf gehen zu lassen.

_Meine Meinung_

Nachdem Action, Spektakuläres und Emotionen nach dem zweiten Band von „Universal War One“ kaum noch übertreffbar schienen und die Erwartungen daraufhin in exorbitante Höhen aufstiegen, geht Denis Bajram erneut ungeahnte Wege und führt die Geschichte auf ein inhaltlich völlig neues Level und den Plot zu einem komplett frischen Abschnitt. Beschäftigte die Zweiteilung des Uranus auf der letzten Seite von „Die Frucht der Erkenntnis“ noch die Gemüter der Leser, trägt der Autor von „Universal War One“ die Story nun auf einer philosophischeren Ebene fort und beschäftigt sich im Gesamtverlauf vorwiegend mit Regelmäßigkeiten und Besonderheiten physikalischer Naturgesetze und letztendlich auch mit dem Ursprung der Science-Fiction, welche hier mehr denn je im Vordergrund steht.

Bajram hat den Plot langsam aber sicher an das Phänomen des sich wandelnden Raum-Zeit-Kontinuums herangeführt und analysiert nun Möglichkeiten und unerforschte Eigenarten der Materie, indem er seine Charaktere in hitzige Diskussionen zu dieser Thematik verstrickt. Allerdings baut er diese teils heftigen Wortwechsel nicht zu rasant aus. Langsam wird der Leser mit der neuen Befindlichkeit der Hauptfiguren vertraut gemacht, bekommt Gelegenheit, die Masse an Informationen und Thesen zu verarbeiten und dürfte wegen der recht logischen Erklärungen, die in den Sprechblasen geliefert werden, auch kaum bzw. keinerlei Verständnisprobleme bekommen.

Schwieriger wird es hingegen, wenn die beiden Handlungsstränge im raschen Zickzack parallel dargestellt werden. Man ist einerseits damit beschäftigt, das Gros an Neuigkeiten und Vermutungen aufzugreifen, muss derweil dann aber auch die Geschichte um den geretteten Balti einzuordnen lernen, da hierdurch die Logik dennoch leicht gesprengt wird. Die Story nimmt in dieser Phase ungeheuer an Komplexität zu, ohne dabei an Tempo zu sparen. Somit ist besonders im mittleren Drittel gehörige Konzentration erforderlich, um auch ja keine der jederzeit wichtigen Facetten der Handlung zu übersehen. Dieser Prozess ist die bis dato wohl heftigste Herausforderung an den Leser dieser ambitionierten, gleichzeitig aber auch sehr anspruchsvollen Science-Fiction-Comic-Saga, die auch im komplett neuen Setting wieder mal glänzt.

Bajram geht noch fokussierter auf die einzelnen Charaktere ein – speziell auf bislang vernachlässigte Personen wie den unberechenbaren Mario – eröffnet gleichzeitig aber auch völlig neue Stränge und überdies unerwartete Möglichkeiten für die zukünftige Handlung. Kristallisierte sich zuletzt noch heraus, dass die Story langsam aber sicher schon auf ein überwältigendes, pompöses Finale zusteuerte, muss sich diese Vermutung nun widerlegt geben. Es geht nämlich gerade erst so richtig los mit dem „Universal War One“. Und durfte man kürzlich noch begeistert und fasziniert ob des Autors brillanten Ideen sein, so bleibt einem auch nun in „Kain und Abel“ der Mund offen stehen. In Sachen illustrierter Science-Ficton setzt diese Serie ganz neue Akzente und ist derzeit wahrscheinlich das beste derartige Produkt auf dem deutschen Markt.

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