Alten, Steve – Schatten der Verdammnis

Die Invasion der Aliens hat begonnen und das Ende der Welt ist nahe. Doch die Menschheit hat diesmal keine Chance, denn die Aliens sind bereits hier: seit 65 Millionen Jahren.

„Schatten der Verdammnis“ beschäftigt sich mit der geheimnisvollen Kultur der Maya – und natürlich mit dem Ende der Welt, das diese für den 21.12. 2012 vorhergesagt haben.

„Doch wo Not ist, wächst das Rettende auch“, sagt der Dichter (oder wenigstens so ähnlich). Leider ist der Retter diesmal ein armer Irrer, der in der Psychiatrie eingesperrt ist.

_Der Autor_

Der amerikanische Autor (www.stevealten.com) ist bei uns mit drei Thrillern bekannt geworden. Die beiden ersten Romane „meg – Die Angst aus der Tiefe“ und [„Höllenschlund“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=531 lösten eine neue Welle von B-Filmen über urzeitliche Riesenhaie (Stichwort: Jurassic Shark) aus, die unter dem Titel „Shark Attack“ veröffentlicht wurden. Zuletzt erschien von ihm ein U-Boot-Thriller namens „Goliath“.

_Handlung_

Nach über 30 Jahren mühseliger Forschung in aller Welt machte der britische Archäologe Julius Gabriel, wie man seinem umfangreichen und hier zitierten Tagebuch entnehmen kann, bei der Entschlüsselung eines dreitausend Jahre alten Maya-Kalenders eine furchtbare Entdeckung: Der Kalender sagt für den Tag „4 Ahau 3 Kankin“, also für den 21. Dezember 2012, das Ende der Menschheit voraus. So viel ließe sich auch anderen Quellen entnehmen, etwa dem geheimnisvollen Maya-Buch „Popol Vuh“.

Doch Gabriel findet auch heraus, dass die ägyptischen Pyramiden, das englische Monument Stonehenge (Jungsteinzeit) und die große Pyramide von Chitzén Itza auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán allesamt Teile eines weltumspannenden Rätsels sind. Leider will ihm die Wissenschaft nicht glauben, und so stirbt Gabriel verbittert, ehe dieses Rätsel entschlüsselt ist.

Jetzt gibt es nur noch eine Person auf der nichts Böses ahnenden Welt, die die Menschheit vor dem drohenden Untergang bewahren kann: Gabriels Sohn Michael. Und es ist bereits September 2012. Leider sitzt Michael eingesperrt hinter Mauern und Gittern in einer psychiatrischen Anstalt in Miami. Diagnose: paranoide Schizophrenie. Die Chancen für die Rettung der Welt stehen denkbar schlecht.

Die Handlung beginnt mit dem ersten Tag, den die neue Praktikantin Dominique Vazquez an dieser psychiatrischen Anstalt verbringt. Dominique stammt aus Guatemala und hat olmekische Vorfahren. Sie kennt den Maya-Kalender von ihrer Großmutter. Ihr neuer Chef betraut sie sofort mit einem Spezialprojekt: der therapeutischen Heilung eines gewissen Michael Gabriel.

Für beide beginnt ein Abenteuer, das über das Schicksal der Welt entscheiden wird.

_Mein Eindruck_

Auf den ersten Blick wirkt das Buch wie ein bunter Mischmasch aus allen verfügbaren esoterischen Ideen, wie sie ein gewisser Erich von Däniken, der auch erwähnt wird, vorgebracht hat. Aber der Autor bringt im Tagebuch von Julius Gabriel eine Reihe von zwingenden Argumenten vor, die den Rest des Plots einigermaßen plausibel erscheinen lassen. Alle Ausgrabungsstätten, an denen Julius seine „Beweise“ sammelt, sind zudem mit Fotos und Zeichnungen illustriert.

Da Michael Gabriel stets am Glauben seines Vaters festhielt und somit als Opfer paranoider Schizophrenie erscheinen muss, ist es ein geschickter Schachzug des Autors, ihm eine kritische Figur wie die in psychischen Krankheiten geschulte Dominique gegenüberzustellen. Dominiques Skepsis schwankt hin und her, bis sie endlich durch Michaels Liebe von seinem Glauben an diese verrückten Ideen überzeugt ist. Sie ist stets das schwächere Glied dieses Paares, und so macht sie Michael angreifbar. Das sorgt bis zur letzten Minute ununterbrochen für Spannung.

|Das Ende der Welt: lieber ein Atomkrieg|

Ich möchte lieber nichts weiter über den Plot verraten, nur so viel, dass sich die Perspektive der Ereignisse in Yucatán und im Golf von Mexiko kontinuierlich ausweitet. Schließlich sind sämtliche Staaten betroffen, ob sie wollen oder nicht: Die Aliens zünden eine Fusionsbombe nach der anderen, um die Menschheit auszulöschen und den Planeten Terra für sich selbst bewohnbar zu machen: eine zweite Venus.

Dieser Verlauf der Ereignisse gibt dem Autor Gelegenheit, die Mechanismen der atomaren Abschreckung, des Nationaldünkels und der Selbsttäuschung darzustellen, die alle dazu beitragen, dass es zu einem Atomkrieg kommt – als ob der Krieg der Aliens nicht bereits genug wäre. Das Problem: Keiner will an die Existenz der Aliens auf der Erde glauben! „Kindermärchen! Fantastereien! Amerikanische Erfindungen!“ lauten die Anklagen. Dann wohl doch lieber einen handfesten Atomkrieg. Da weiß man wenigstens, was man zu erwarten hat.

|Letzter Akt: Transzendenz|

Wie so viele Mystery-Romane, treibt auch dieser seine „Phantasterei“ bis zur letzten Konsequenz fort. Dann allerdings wird ein Science-Fiction-Roman daraus. In diesem uramerikanischen Genre besteht der letzte Akt stets aus einer Transzendenz (wörtlich: Überschreitung, Übersteigung): Sie besteht diesmal darin, dass Michael zu einem Wesen wird, das mehr als ein Mensch ist: ein Überwesen, das seine Aufgabe auf der Erde erfüllt (der Endkampf gegen das Böse) und zur nächsten Stufe schreiten muss: der Kampf gegen das Böse auf einer anderen Welt. Das könnte also gut für eine Fortsetzung reichen, zumal auch Dominique Mutter wird.

_Unterm Strich_

Die Mayas sind „in“, daran besteht kein Zweifel. Wie man in den letzten 20 Jahren herausgefunden hat, verfügten sie über astronomische und mathematische Kenntnisse, die uns noch heute verblüffen. Darin ähneln sie den Erbauern der Pyramiden von Gizeh, den Erbauern von Stonehenge und der Tempel von Angkor Wat. Welches Geheimnis verbirgt sich hinter diesen imposanten und rätselhaften Bauten? Sind sie der Schlüssel zur Rettung der Erde vor dem Untergang am 21.12.2012?

In einem verblüffend plausiblen Bericht wird die Erkenntnis der Zusammenhänge dargelegt, eingebettet und erkauft mit einer Familientragödie. Ab der Mitte des Buches überschlagen sich die Ereignisse, und es ist schier unmöglich, das Buch zur Seite zu legen.

Als Mystery- und Archäologie-Thriller funktioniert das Buch einwandfrei, in Sachen Science-Fiction hätte ich einige Zweifel anzumerken – hier wirkt der Plot einfach zu amerikanisch, zu sehr auf einen Messias und Weltenretter ausgerichtet.

|Die Übersetzung|

Bernhard Kleinschmidt hat eine wirklich gelungene Übertragung des US-Originals erreicht. Nur wenige Endungen sind irgendwie fehlerhaft gestaltet – ein Phänomen, das schon in seiner Übersetzung von Steve Altens „Goliath“ auftauchte.
Die Illustrationen sind leserlich reproduziert worden, so dass man nicht über den Preis meckern kann (ursprünglich 7,95 €, das Buch ist leider schon wieder |out of print|).

|Originaltitel: Domain, 2001
Aus dem US-Englischen übersetzt von Bernhard Kleinschmidt|