Reisen und Touristik 2005

Womit beginnt man am besten einen Überblick über die aktuelle Reisebuch-Branche? Ich dachte mir, ich gehe ganz ungewohnt auf die speziellen Nischen-Verlage zuerst ein.

Da wäre z. B. der _Trescher Verlag_, der sich seinen Namen als Osteuropaspezialist errungen hat. Insgesamt ein sehr anschauliches Programm und dabei mit vielen Ländern und speziellen Regionen sogar die einzigen deutschsprachigen Titel.

Sehr speziell und aus der Reihe fallend ist der kleine Spezialverlag _Ilona Huper_, der sich ausschließlich auf Reiseführer für Afrika und Australien beschränkt. Innerhalb einer solchen Nische wird dadurch auch sehr erfolgreich ein ausgezeichnetes Image erzielt. Durch ständige Neuauflagen der Titel ist eine hohe Aktualität gewährleistet. Eine große Besonderheit stellt auch dar, dass alle afrikanischen Titel von den Verlagsinhabern selber geschrieben sind, die seit zwanzig Jahren stets selbstständig, unabhängig und intensiv den afrikanischen Kontinent bereisen. Mit ihren Titeln beschränken sie sich auch auf die Länder, die sie hervorragend kennen.

Einer der weiterhin unabhängigen Verlage ist die _Edition Temmen_ in Bremen, mit einigen sehr feinen Reiseprogrammreihen. Für das touristische Erschließen der deutschsprachigen Heimat und angrenzenden Ländern bietet die kompakte Reihe „Illustrierte Reisehandbücher“ ausführliche Geschichten über das touristische Ziel mit reicher Bebilderung bei kleinem Preis. Als in Bremen ansässiger Verlag, liegen die vorliegenden Titel beim Schwerpunkt Norddeutschland, der Küste und Polen. Etwas teurer sind dann die Bildbandreihen, die in zwei Editionen – eine eher nationale sowie eine internationale – erscheinen. Eine dritte Bildbandreihe „Städteführer“ dagegen ist sehr preisgünstig und damit ein gut kalkuliertes Serviceangebot. Zwei innovative Themenreihen sind im Programm: die Reise- und Lesebücher, die mit einer unvergleichlichen Mischung praktische Informationen mit anderem Lesestoff mischen, sowie die Reihe historischer Reiseberichte. Mit der „Edition Erde“, in welcher Reiseführer für ausgewählte internationale Länder erscheinen, hebt sich der Verlag qualitativ von entsprechender Konkurrenz durchweg um einiges ab. Für diejenigen, die mehr erfahren wollen über Land und Leute, Kunst und Kultur, Geschichte und Gegenwart der jeweiligen Länder, stellen sie die auf dem Markt besten Begleiter für Studienreisen dar. Diese internationale Reihe für Kulturreisende erhielt bei den ITB-Buch-Awards 2005 als einzige der Kategorie „Klassische Reiseführer“ Höchstnoten für die Hintergrundinformationen „Natur, Kultur und Gesellschaft“.

Seit langem hält eigentlich der _Peter Meyer Verlag_ diese ITB-Auszeichnungen, zuletzt 2005 in „Anerkennung hervorragender publizistischer Leistungen“ mit dem Award „Beste Reiseführer-Reihen“ in der Kategorie Individualreiseführer. Diese Preise gelten als Gütesiegel auf dem Reiseführermarkt. Peter Meyer ist ein unabhängiger Verlag, der vor 30 Jahren in der Alternativszene entstand.

Gleich in drei Kategorien erhielt der _Michael Müller Verlag_ die begehrten Awards: Individualreiseführer, City Guides und „Griechische Inseln“. Der Verlag startete in den 70er Jahren, als der Markt von Kunst- und Kulturführern beherrscht wurde, die allerdings die Reiseorganisation selbst nicht berücksichtigten. Mittlerweile gehört Michael Müller unter den vielfältigen Individualreise-Buch-Verlagen zum Marktführer. In allen Titeln werden auch kleinere Sehenswürdigkeiten abseits vom touristischen Hauptstrom beachtet. Anschaulich bieten Übersichtskarten, Stadtpläne und Wanderskizzen die schnelle Orientierung mit allen relevanten Eckpunkten: Anfahrtswege, Entfernungen, Standorte von Museen, Hotels, Restaurants usw. Natürlich fehlt auch nicht die Hintergrundinformation zu Politik, Kultur und landespolitischen Themen. Das Programm umfasst vier Reihen in unterschiedlichen Formaten: Stadt, Region, Land und Tour-Guide.

Ebenfalls ideal für individuelle Entdecker sind die Titel von _Iwanowski`s Reisebuchverlag_. In allen Titeln stehen die Bedürfnisse der Individualreisenden im Vordergrund und mittlerweile sind die Bücher mit detaillierten Reisekarten zum Herausnehmen ausgestattet. Es liegen drei Programmreihen vor: die Reisebücher als ausführlichstes Segment, die Reisegast-Reihe mit Tipps zum Verständnis der jeweiligen Kultur und die erwähnten Reisekarten. Innerhalb dieser Reihen liegen aber auch Stadtführer, Insel- und Wanderführer vor.

30 Jahre ist es her, als sich alternativ reisende Globetrotter zusammentaten, um ihre Erfahrungen in aller Welt anderen Globetrottern zugänglich zu machen. 1984 entstand daraus der _Reise Know-how Verlag_, der, was persönliche Erfahrungen angeht, unverändert der führende Alternativ-Reise-Verlag geblieben ist, und das in einer unüberschaubaren Vielfalt zu allen Regionen dieser Erde. Es gibt die Reisehandbücher, die City-Guides, die Urlaubshandbücher, die etwas dünneren Reisehandbücher „kompakt“, Wohnmobil-Tourguides und auch eine Sachbuchreihe rund ums Reisen allgemein. Dies sind aber nur die eigentlichen Hauptreihen. Das Programm bietet darüber hinaus ist noch viel mehr. Eine sehr wichtige Reihe nennt sich „KulturSchock“ und informiert über die vielleicht doch sehr ungewohnten Denk- und Lebensweisen von Menschen anderer Länder. Ähnlich geartet sind die Reihe „Praxis-Ratgeber für Reisen“ und noch einige mehr. Die auffälligste Unterscheidung zu all den anderen Reisebuchverlagen liegt aber dann noch mal im Zusatzangebot. Im „World Mapping Project“ erscheinen weltweite Landkarten, mittlerweile superreiß- und wasserfest. Um sich verständlich zu machen, bieten die „Kauderwelsch“-Sprachprogramme in den Segmenten „Wort für Wort“ für das wichtigste, „Slang“ für das authentische Vokabular jenseits der sonstigen Fremdsprachenlehrgänge, „Dialekt“ die Sprache der einzelnen Regionen, aber auch „Deutsch für Ausländer“ ist vorhanden. Zu all diesen Reihen gibt es entsprechende Begleit-CDs oder auf CD-ROM auch alles zum digitalen Lernen am PC.

Fehlen darf in dieser Bestandsaufnahme keinesfalls der DuMont Reise Verlag, den sicherlich jeder kennt. Durch den Zusammenschluss des DuMont Reise Verlags mit dem Mairs Geographischer Verlag heißt das Programm neuerdings _MairDumont_, wobei als Reihe der mehr als eingeführte Name wirtschaftlich gesehen konsequent erhalten bleibt. Es gibt eine große Vielfalt verschiedener Programmreihen und insgesamt wohl mit das größte Titelangebot – im Vergleich zu anderen Verlagen – überhaupt. DuMont zeichnet sich selbstverständlich durch seine hohe Seriosität und vor allem Qualität aus.

Ganz wichtig und ein richtiger Klassiker ist auch _Polyglott_ bei Langenscheidt. „Polyglott on tour“ beispielsweise setzt in diesem Jahr neue Maßstäbe mit einer Flipmap, die in einem Etui vorne auf dem Reiseführer aufsitzt. Diese Mini-Karte hat eine patentierte Zick-Zack-Faltung und ist sehr einfach und praktisch, da klein genug, um in jeder Hosentasche Platz zu finden. Eine ganz neue Reihe ist „Polyglott go!“ für Strand-, Aktiv- und Wellness-Urlauber. Auch hier gibt es einen extra Atlasteil. Der schon im letzten Jahr gestartete „Polyglott mobile guide“ wurde weiter ausgebaut; dies sind keine Bücher, sondern regelmäßig aktualisierte Downloads direkt aufs Handy. Der damit erzielte Erfolg in den ersten zwölf Monaten hatte alle Erwartungen weit übertroffen. Bei den Sprachführern gibt es eine neue Reihe „Unzensiertes“ für Jugendliche mit Vokabular aus der Umgangssprache, die man normalerweise nicht erlernt, sodass man sich künftig nicht mehr blamiert in fremden Betten – Szeniges, Ehrliches und Scharfes. Slang, Schimpfwörter und Szeneausdrücke und das für hetero, gay und auch bi. Ein Thermometer zeigt den Schärfegrad der Ausdrücke an, weil ja nicht alles für die Ohren einer Gastfamilie geeignet ist.

Im _Bruckmann Verlag_ erscheint ein vielerlei gewohntes Buchangebot, das sich nicht sonderlich absetzt. Die Reihen umfassen einige interessante Einzeltitel mit Länderportraits, sind ansonsten vollkommen auf Outdoor, Trecking und Tourenführer ausgerichtet (Radführer, Wanderführer, Genusstouren, Auto- und Motorradtouren). Ähnlich gelagert ist der _J. Berg Verlag_ mit seinen Wander- und Freizeitführern, die allerdings vollkommen regional begrenzt sind und die bayrische Heimat erleben lassen. Der ähnlich firmierende und dadurch verwechselbare _Berg Verlag Rother_ hat sich ebenso auf Wanderbücher und Wanderziele spezialisiert, allerdings nicht in solch regional begrenzter Weise. Diese über 170 Titel zu den beliebtesten Regionen sind mit ihren sehr zuverlässigen Tourenvorschlägen mit Schwierigkeitsbewertung und einem Farbfoto zu jeder Wanderung sowie farbigem Wanderkärtchen im Maßstab 1 : 50000 sehr zu empfehlen. Zusätzlich gibt es Bildbände und diverse Multimedia.

Und solcherart Nischen sind weiteren Verlagen nicht fremd. Der auf Sport spezialisierte _Delius Klasing Verlag_ führt in seinem Wassersportprogramm unter dem Label „Maritime Reiseführer“ eine ganze Reihe Törnführer für die Reise mit dem privaten Schiff. Diese Führer sind ideal für Planung und Reise selbst, und liefern exakte Pläne und Beschreibungen von Häfen und Ankerbuchten sowie jede Menge Information für die Reisevorbereitung, zu Liegeplätzen, Ansteuerung und Versorgungsmöglichkeiten vor Ort.

Unzählige andere Nicht-Reisebuch-Verlage, die dennoch Reisenden programmatisch etwas zu bieten haben, wären natürlich in großer Zahl ebenso aufzuführen. Dies würde den thematischen Rahmen allerdings sprengen. Deswegen nur als Beispiel vielleicht der _Picus Verlag_, welcher eine sehr anspruchsvolle belletristische Reihe „Lesereisen und Reportagen“ mit umfangreicher Backlist anbietet. Ähnliches bietet seit langem sehr spezialisiert auch _Frederking & Thaler_, der _Peter Hammer Verlag_ und auch der _Malik Verlag_ (Piper). Über Landeskundliches informiert auch _C.H. Beck_.

Die Branche hat trotz Terrorismus oder Naturkatastrophen einen weiterhin hohen Stellenwert. Es wird heutzutage immer noch viel gereist, wenn auch wieder öfter in die heimatlichen Regionen – wo der Markt mittlerweile aber auch entsprechend bedient wird. Die Konkurrenz untereinander ist selbstverständlich groß und alle überlegen, wie sie direkt am Kunden bleiben können, und das geschieht vor allem über Service-Leistung. Da bietet sich das Internet an. Deswegen folgen nun am Ende die jeweiligen Internet-Adressen der vorgestellten Verlage. Es lohnt sich, da ein wenig zu stöbern und diejenigen Anbieter, die Foren, News und Aktuelles bieten, selber herauszufinden.

http://www.meyer-reisefuehrer.de/
http://www.loose-verlag.de/
http://www.reise-know-how.de/
http://www.michael-mueller-verlag.de/
http://www.tondok-verlag.de/
http://www.edition-temmen.de/
http://www.hupeverlag.de/
http://www.trescherverlag.de/
http://www.rother.de/Rother.htm
http://www.bruckmann-verlag.de/
http://www.delius-klasing.de/
http://www.reisebuch.de/
http://www.iwanowski.de/
http://www.footprintbooks.com/
http://www.lonelyplanet.com/
http://www.ulysse.ca/
http://www.roughguides.com/
http://www.moon.com/
http://www.picus.at/
http://www.frederking-thaler.de/
http://www.piper.de/
http://www.thorbecke.de/
http://www.horlemann-verlag.de/
http://www.peter-hammer-verlag.de/
http://www.jonas-verlag.de/
http://rsw.beck.de/
http://www.dumontverlag.de/
http://www.schimper.de
http://www.polyglott.de/