Eric Van Lustbader & Robert Ludlum – Die Bourne-Intrige (Jason Bourne 7)

Agenten-Duell: Treffen der Titanen

Nach ihrem tödlichen Katz-und-Maus-Spiel in „Das Bourne Attentat“ tauschen Jason Bourne und Leonid Arkadin die Rollen von Jäger und Gejagtem. Als Bourne in einen Hinterhalt gerät und schwer verletzt wird, täuscht er seinen Tod vor und geht in den Untergrund. In dieser relativen Sicherheit nimmt er (wieder einmal) eine neue Identität an und begibt sich auf eine Mission, um herauszufinden, wer ihn töten wollte. Er beginnt zu hinterfragen, wer er in Wirklichkeit ist, wieviel von sich er der Bourne-Identität schuldet und was er werden könnte, wenn diese ihm fehlen würde.

Ein amerikanisches Passagierflugzeug wird über Ägypten abgeschossen, und der Verdacht fällt auf den Iran. Eine globale Ermittlungsgruppe wird zusammengestellt, um die Wahrheit herauszufinden, bevor die Sache sich zu einem Krieg auswächst. Auf seiner Mission gerät Bourne in Kontakt mit dieser Gruppe. Sein Weg führt ihn dadurch in eine der gefährlichsten und kritischsten Situationen, in denen er sich je befunden hat. Ein Rennen gegen die Zeit beginnt – und gegen einen unbekannten Killer…

Die Autoren

a) Robert Ludlum wurde 1927 in New York City geboren. Nach dem II. Weltkrieg begann er eine Karriere als Schauspieler, die er verfolgte, bis er vierzig wurde, also bis 1967. Er studierte Kunstgeschichte und fing mit dem Schreiben an. 1971 schießt sein erster Thriller „Das Scarlatti-Erbe“, an dem er 18 Monate schrieb, an die Spitze der Bestsellerlisten. Als ähnlich erfolgreich erwiesen sich auch alle weiteren Romane, so etwa „Das Osterman-Wochenende“ (verfilmt), „Die Scorpio-Illusion“ oder „Der Ikarus-Plan“.

Seine Erfahrung als Schauspieler kam ihm zugute: „Man lernt, wie man die Aufmerksamkeit des Publikums behält.“ Seine Bücher wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und erreichten eine Auflage von mehr als 280 Millionen Exemplaren (Verlagsangabe Heyne). Zuletzt wurden die drei legendären Bourne-Thriller mit Matt Damon höchst erfolgreich verfilmt. Ludlum lebte bis zu seinem Tod am 12. März 2001 mit seiner Frau Mary und seinen Kinder in Florida und Connecticut.

Mehrere Autoren schreiben an den Serien, die Ludlum schuf, weiter. Derzeit befinden sich die Verfilmungen zu „The Matarese Circle“/“Der Matarese-Bund“ (mit Denzel Washington) und „The Chancellor Manuscript“/“Das Kastler-Manuskript“ (mit Leonardo DiCaprio) in der Produktion. Außerdem gibt es seit 2008 das Videospiel „Robert Ludlum’s: Das Bourne-Komplott“ für PlayStation 3 und Xbox360.

Die Bourne-Serie

1) Die Bourne-Identität (The Bourne Identity, von Ludlum, 1980)
2) Das Bourne-Imperium (The Bourne Supremacy, von Ludlum, 1986)
3) Das Bourne-Ultimatum (The Bourne Ultimatum, von Ludlum, 1990)
4) Das Bourne-Vermächtnis / The Bourne Legacy (von Eric Lustbader, 2004)
5) Der Bourne-Betrug / The Bourne Betrayal (von Eric Lustbader, 2007)
6) The Bourne Sanction / Das Bourne Attentat (von Eric Lustbader, 2008)
7) The Bourne Deception / Die Bourne-Intrige (von Eric Lustbader, Veröffentlichung 2009. dt. 2011/12)
8) The Bourne Objective / Das Bourne-Duell (von Eric Lustbader, 2010)
9) The Bourne Dominion / Der Bourne-Befehl (von Eric Lustbader, 2011)
10) The Bourne Imperative / Der Bourne-Verrat (von Eric Lustbader, 2012, dt. 2014)
11) The Bourne Retribution / Die Bourne-Vergeltung (von Eric Lustbader, Veröffentlichung 2013, dt. 2015)
12) The Bourne Ascendancy / Die Bourne-Herrschaft (von Eric Lustbader, Veröffentlichung 5/2014, dt. 2017)
13) The Bourne Enigma / Das Bourne Enigma (2016/ 2018)
14) The Bourne Initiative (2017) (noch nicht auf deutsch)
15) The Bourne Nemesis (geplant für 2020)

2) Eric Van Lustbader, geboren 1946, ist der Autor zahlreicher Fernost-Thriller und Fantasyromane. Er lebt auf Long Island bei New York City und ist mit der SF- und Fantasylektorin Victoria Schochet verheiratet. Sein erster Roman „Sunset Warrior“ (1977) lässt sich als Science Fiction bezeichnen, doch gleich danach begann Lustbader (das „Van“ in seinem Namen ist ein Vorname, kein holländisches Adelsprädikat!), zur Fantasy umzuschwenken. Der Dai-San-Zyklus gehört dem Genre der Sword & Sorcery an und besteht aus folgenden Romanen:
Sunset Warrior (Ronin), Shallows of Night (Dolman), Dai-San; Beaneath an Opal Moon (Moichi); Beyond the Sea of Night (Der Drachensee).

1980 begann Lustbader mit großem Erfolg seine Martial-Arts & Spionage-Thriller in Fernost anzusiedeln, zunächst mit Nicholas Linnear als Hauptfigur, später mit Detective Lieutenant Lew Croaker: The Ninja; The Miko; White Ninja; The Kaisho usw. Zur China-Maroc-Sequenz gehören: Jian; Shan; Black Heart; French Kiss; Angel Eyes und Black Blade. Manche dieser Geschichten umfassen auch das Auftreten von Zauberkraft, was ihnen einen angemessenen Schuss Mystik beimengt.

Dann erschien bei uns die Kundala-Trilogie: „Der Ring der Drachen“, „Das Tor der Tränen“ und „Der dunkle Orden“. Da diese Fantasy ebenfalls in einem orientalisch anmutenden Fantasyreich angesiedelt ist, kehrt der Autor zu seinen Wurzeln zurück, allerdings viel weiser und trickreicher. Kürzlich hat er noch einmal eine Wendung vollziehen und schreibt nun die Thriller seines verstorbenen Kollegen Robert-Ludlum fort, so etwa „Die Bourne-Verschwörung“. 2007 erschien der Mystery-Thriller „Testamentum“ in der Art von Dan Browns „The Da Vinci Code“, den der Autor zu einer Trilogie aausgebaut hat.

Hintergrund

Viele Leser wissen, dass Jason Bourne ein Auftragskiller ohne Gedächtnis ist, eine Mann ohne Zukunft und ohne Vergangenheit. Aber das stimmt nicht ganz. Erstens war Jason Bourne als Auftragsmörder im Auftrag der CIA unterwegs, bis er auf einer Yacht vor Marseille den Terroristen Carlos umlegen sollte. Doch erhielt einen Schuss in die Brust und stürzte über Bord. Verletzt und beinahe ertrunken verlor er sein Gedächtnis. Während sein Mentor und Führungsoffizier Alex Conklin ihn suchen ließ, versuchte sich Jason Bourne an sein früheres Leben zu erinnern.

Das Bourne-Vermächtnis

Der Psychiater Mo Panov hat ihm geholfen, sich an seine Jahre in Asien zu erinnern. In den sechziger Jahren muss er wohl im diplomatischen Dienst in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, stationiert gewesen sein. Er hatte eine geliebte Familie: seine Thai-Frau Dao, seine vierjährige Tochter Alyssa und seinen sechsjährigen Sohn Joshua. Bis die Amerikaner eines Tages den Vietnamkrieg auf Kambodscha ausweiteten. Ein Kampfjet beschoss Bournes Familie und tötete alle.

Die Armee suchte die Leichen eine Stunde lang. Bis zum heutigen Tag glaubt der von Schuldgefühlen zerrissene Jason Bourne, dass in den drei Särgen, die er beisetzen ließ, auch alle drei Familienmitglieder bestattet seien. Das erwies sich in „Das Bourne-Vermächtnis“ als Irrtum.

Der Bourne-Betrug

Jason Bournes einziger Freund Martin Lindros, der Stellvertretende Direktor des Geheimdienstes Central Intelligence, wird bei einem Kommandoeinsatz in Äthiöpien von Terroristen gefangengenommen und verschleppt. Da Bourne der einzige ist, der ihn befreien könnte, bittet ihn der CI-Direktor, Lindros zu befreien.

Doch vor Ort stößt Jason auf Spuren starker Radioaktivität. Womöglich wollen diese Terroristen eine Atombombe bauen. Er ahnt nicht, dass nicht nur der Geheimdienst CI, die Hauptstadt Washington, sondern besonders erst selbst im Fadenkreuz der Terroristengruppe ist. Sie wollen sich für ein Verbrechen rächen, an das sich Jason nur in seinen schlimmsten Albträumen erinnern kann.

Das Bourne Attentat

Jason Bourne kämpft einen Zweifrontenkrieg. Auf der einen Seite hilft er seinem Mentor Prof. Dominic Specter bei der Bekämpfung einer geheimen Terrororganisation namens Schwarze Legion, die im Dritten Reich von den Nazis aus unterdrückten muslimischen Russen zusammengestellt wurde und nun offenbar einen Anschlag in New York City plant.

Auf der anderen Seite wird er von dem militärischen US-Geheimdienst NSA gejagt, der ihn als Bauernopfer im Übernahmekampf gegen den „zivilen“ Geheimdienst CI einsetzen will. Doch der CI und dessen Agentin Soraya Moore gehört Jasons Loyalität. Er berichtet Soraya von seinen Infos über die Schwarze Legion. Aus irgendeiner Quelle erfährt auch die NSA davon. Sie setzt einen Killer auf ihn an, der ihn in Moskau erledigen soll: Leonid Arkadin, der einst ebenfalls von „Treadstone“ ausgebildet wurde…

„Die Bourne Intrige“ ist die direkte Fortsetzung zu „Das Bourne Attentat“.

Handlung

PROLOG

Der amerikanische Außenminister Bud Halliday trifft in München einen Mann, der sich als russischer Geheimdienstoffizier Boris Karpov ausgibt. Tatsächlich jedoch handelt es sich um Leonid Arkadin, einen von Conklins Treadstone-Projekt ausgebildeten Killer. Arkadin, den Jason Bourne für tot hält, lebt putzmunter. Und als Karpov bietet er dem Amerikaner Halliday an, Bourne zu eliminieren. Im Gegenzug sollen die Amis Abdulla Khoury, den Kopf der Eastern Brotherhood Bewegung, töten. Die Brotherhood ist eine Terroristenorganisation wie Al Qaida, und Khoury ist ihr Osama bin Laden. Nach ein wenig Handeln ist der Außenminister einverstanden.

Jason Bourne verbringt 14 Tage Urlaub auf Bali – was könnte es Schöneres geben? Noch dazu mit der schönen Moira Trevor an seiner Seite, einer Agentin des privaten Sicherheitsdienstes Black River. Jason will herausfinden, wer er wirklich ist. Moira bringt ihn zu einem heiligen Mann, der ihm eröffnet, dass Jason nicht am 15. Januar, sondern am 31. Dezember geboren sei, dem Monat Shivas, des Zerstörers und Verwandlers. Jason findet, dass der Heilige zuviele Fragen und zu wenige Antworten liefert, und verabschiedet.

Doch auf dem Weg zu einem Bergdorf verfolgt ihn ein Indonesier und feuert auf ihn. Nach einer wilden Verfolgungsjagd mit den Motorrädern gelangen beide auf eine Lichtung, wo drei tempel stehen. Hier lauert Arkadin bereits auf die ihm zugetriebene Beute und feuert mit einem präzisionsgewehr. Schwer getroffen stürzt Jason zu Boden, doch Arkadin wird von ihm weggetrieben und kann den Mordanschlag nicht vollenden. Aber es gibt ja immer ein nächstes Mal.

Haupthandlung: Drei Monate später

Jason ist fast schon wieder hergestellt, als er den Heiligen auf einem heiligen Tempelberg wiedertrifft. Suparwati sagt ihm, dass er schon einmal hier war, aber mit einer Frau: Holly Marie Moreau. Diese stürzte über ein Geländer in den Tod, möglicherweise wurde sie gestoßen. Klingt wie aus einem anderen Leben, das Jason vor Treadstone führte. Was hat Alex Conklin bei Jasons Gehirnwäsche noch aus seiner Vergangenheit gelöscht, fragt sich der Genesende.

Er geht den Weg zurück, wo die Kugel um ein Haar sein Herz verfehlte. Dort findet er eine ganz besondere Patronenhülse: Scharfschützenmunition. Es gibt nur sehr wenige Menschen auf Bali, die solches Zeug einschmuggeln können. Willard, sein letzter Kontakt bei Treadstone und ein Ex-NSA-Agent, hilft ihm, die Infos zu bekommen: Die Spur führt nach Sevilla zu einem Bankier namens Don Fernando Hererra. Auf dem Weg dorthin schließt sich ihm eine Engländerin namens Tracy an – Zufall oder Absicht?

Washington, D.C.

Unterdessen tragen sich finstere Dinge zu. Über Ägypten holt eine, wie sich herausstellt, iranische Boden-Luft-Rakete ein amerikanisches Passagierflugzeug vom Himmel. Es 181 tote US-Staatsbürger zu beklagen, und der US-Präsident will eine angemessene Antwort von seinem Sicherheitsrat, aber pronto. Soll er dem Iran den Krieg erklären, oder was? Dann hätten die USA Russland und China gegen sich, und das würde den 3. Weltkrieg bedeuten.

Verteidigungsminister Bud Halliday rät davon ab – vorerst. Natürlich sollte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen diesen barbarischen Akt verurteilen, aber zugleich sollten die USA, d.h. das Pentagon und das Heimatschutzministerium sowie die NSA eine inneriranische Dissidentengruppe unterstützen, damit sie die iranische Regierung von innen stürzt. Obwohl Veronica Hart, die neue Direktorin des Central Intelligence (DCI), Hallidays Quellen misstraut, stimmt sie zu, vorausgesetzt ihre Mitarbeiterin Soraya Moore kann mit dem ägyptischen Militärgeheimdienst an der Absturzstelle sein und ihr eigene Eindrücke berichten. Der Präsident gibt diesem Wunsch statt, sehr gegen den Willen Hallidays, der Hart bis aufs Blut hasst.

Ägypten

Soraya Moore findet mit der US-Spezialtruppe heraus, dass die Rakete iranischen Ursprungs war und findet sogar die Abschussstelle mitten in der Wüste. Amun Chaltoum, der operative Chef des ägyptischen Geheimdienstes Al-Makhabarat und ein früherer Bekannter, bittet Soraya, die Halb-Ägypterin, um ihre Mithilfe. In seiner Organisation sitzt ein Verräter, und zwar weiter oben als er, vielleicht im Innenministerium. Sie und er, Amun, müssen den Verräter austricksen und selbst herausfinden, woher die Iraner die Rakete eingeschmuggelt haben. Nach Soraya ihre Chefin Veronica Hart informiert hat, begebt sie sich zusammen mit Amun auf eine gefährliche Suche…

Washington, D.C.

Moira Trevor sucht unterdessen Hilfe bei Veronica Hart, obwohl diese sie früher verraten hat. Moira ist nur knapp einem Anschlag entgangen, dem ihr Mitarbeiter Jason Weston zum Opfer fiel. Jason hatte brisante Informationen versprochen, und diese hat Moira auf einem winzigen USB-Laufwerk gefunden, kann aber nichts damit anfangen. Was bedeutet „PINPRICKBARDEM“? Nachdem die beiden ihre Vergangenheit geklärt und das Kriegsbeil begraben haben, suchen sie den Unterstaatssekretär Steve Stevenson.

Wie sich herausstelt, ist er einem „Unfall“ zum Opfer gefallen, und zwar kurz nachdem er mit Moira gesprochen hatte. Merkwürdiger Zufall! Als sie seinen Freund Humphry Bamber besuchen, stellt sich heraus, dass die beiden Lover waren und Moiras Ex-Chef, Noah Perlis von Black River, ihn damit erpresste. Noah Perlis, der nun ein dicker Freund des NSA ist. Moira kommt ins Grübeln. Und als Bamber auch noch verrät, was unter BARDEM zu verstehen ist, fallen eine ganze Menge Puzzlesteine an ihren Platz.

Sevilla

Leonid Arkadin hat Jason nicht vergessen, denn der hat schließlich die zwei engsten Freunde Arkadins auf dem Gewissen. Er ist zwar überrascht, dass Bourne nicht auf Bali gestorben ist, aber er hat an der iranischen Grenze Wichtigeres zu tun, nämlich die Ausbildung von hundert Kämpfern der Black Legion. Dennoch ist von Bali aus ein weiterer Killer Bournes Spur gefolgt – wer hat ihn geschickt? In Sevilla kommt es hinter den Kulissen der Stierkampfarena zu einer blutigen Auseinandersetzung, als Jason den Angriff des Killers abzuwehren versucht…

Mein Eindruck

„Die Bourne Intrige“ fängt genau dort an, wo „The Bourne Sanction/Das Bourne-Attentat“ aufhörte. Dort warf Jason bekanntlich Arkadin über Bord eines Flüssiggastankers – rund 50 Meter in die Tiefe. Nur ein übermenschlicher Topmann wie Arkadin konnte den Aufschlag aufs betonharte Wasser überleben und eine Jacht kapern, die ihn an den Suchtrupps der Polizei vorbeischipperte. Für einen Moskauer Geheimdienstchef überfiel er einen mexikanischen Drogenboss und stahl dessen Laptop mit geheimen Daten über Kontaktleute, Transaktionen usw. Daten, die Gold wert sind. Und so kauft sich Arkadin in eine neue NSA-Operation ein, die die Invasion in den Iran vorbereiten soll…

Der Iran ist einer der wichtigsten „Schurkenstaaten“ und steht auch in diesem Thriller am Pranger. Seltsamerweise kommt kein einziger Vertreter dieses Staates zu Wort. Der Autor enthält sich wohlweislich eines jeden Kommentars zu Schuld oder Unschuld Irans in irgendeiner Sache. Man kann ihn also schlecht verklagen. Dafür tun seine Figuren jede Menge anderer unfeiner Dinge. Aber welcher Plan steckt dahinter?

Es gibt insgesamt drei Ermittlungen, die von Jason Bourne, Soraya Moore und Moira Trevor. Die Schauplätze sind Ägypten und Sudan (Soraya), Washington (Moira) und schließlich Sevilla sowie Khartum (Jason). Alle Spuren in der Alten Welt scheinen zunächst zu dem Khartumer Waffenhändler Yevsen zu führen, doch ist es wirklich ein Zufall, dass Noah Perlis, der Mann von Black River, im gleichen Hochsicherheitsgebäude residiert? So wie wir unsere Agententhriller kennen, ist das höchst unwahrscheinlich.

Wie in Khartum kommt es auch in Washington zu schweren Verlusten für die Seite der drei genannten Ermittler. Moira entkommt um Haaresbreite Noah Perlis’ Bombenanschlag auf Veronica Hart, die Chefin des CI-Geheimdienstes. Sie selbst ist nur einen Millimeter den Agenten von Black River und NSA voraus, bevor es ihr mit Humphry Bambers Hilfe gelingt, das Programm BARDEM zu entschlüsseln, das Noah Perlis benutzt, um das sauber eingefädelte Kriegsszenario zu planen.

Black River

Wer ist dieser Strippenzieher namens Noah Perlis eigentlich, der so lange vor den Augen unserer Ermittler verborgen geblieben ist? Dies erfahren wir erst im Epilog, der passenderweise auf Bali spielt und so den Reigen der Schauplätze schließt. Perlis ist eigentlich nur eine kleine Nummer im privaten Sicherheitsdienst Black River, der nicht von ungefähr genau wie „Blackwater“ klingt. Blackwater ist auf US-Seite bekanntlich für die Sicherheit im Irak und wohl auch in Afghanistan zuständig, hat aber einigen Dreck am Stecken, seit Bilder bekannt wurden, die Blackwater-Offiziere bei Orgien und Gelagen zeigen – Verbrüderungsrituale unter Männern.

Doch Noah Perlis ist im Grunde seiner Seele ein Hasenfuß, schon immer ein schmächtiger Außenseiter und immer schüchtern bei den Frauen, die ihn nicht bloß einmal abwiesen. Nicht nur an Moira rächte er sich, indem er sie beim afghanischen Antiterroreinsatz in eine Falle tappen ließ, sondern, wie wir erstmals staunend lesen, an einer gewissen Holly Marie Moreau, die mit Jason auf dem heiligen Berg der Balinesen war und dort zu Tode stürzte. Es wird im Epilog mehr als deutlich, welche Rolle Perlis dabei spielte. Höchste Zeit, dass Perlis bekommt, was er verdient.

Aber welche Rolle spielte Holly für Jason? Das muss im nächsten Band geklärt werden, denn der Ex-Agent muss immer noch herausfinden, wer er vor seiner Identität als Jason Bourne oder David Webb gewesen ist. Diese Lücke, verursacht durch Treadstones Gehirnwäsche, ermöglicht es dem Autor, alle möglichen Gestalten aus der Vergangenheit auftreten zu lassen. So geht Jason nie die Zahl seiner Gegner und Ex-Geliebten aus.

Doppelgänger

Jasons Doppelgänger ist eindeutig Leonid Arkadin, und der sagt das in der finalen Konfrontation auch so. Auf diese Auseinandersetzung steuert der Verlauf der Handlungsstränge zwischen Arkadin und Bourne unausweichlich zu. Denn nur Bourne kann verhindern, dass die Iran-Invasion stattfindet und den Dritten Weltkrieg auslöst. Ich könnte mir kein befriedigenderes Finale für diesen Thriller vorstellen. Leider entkommt Arkadin auch diesmal dem Tod.

In „The Bourne Sanction“ erfuhren wir vom Werdegang Arkadins und seiner Herkunft aus einem Drecksloch von Industriestadt, Nischni-Targhil (gegründet 1698). Jetzt erfahren wir in „The Bourne Deception“, wie es Arkadin gelang, diesem Drecksloch lebendig zu entkommen. Er tat es nicht aus eigener Kraft, sondern weil der Moskauer Drogenbaron Dimitri Maslov diesen außergewöhnlichen Kämpfer haben wollte und deshalb seinen Vollstrecker die halbe Tagiler Unterwelt hinrichtete, bis endlich einer der Bosse, Lev Antonin, „bereit“ war, Arkadin gehen zu lassen.

Es kommt zu einer tragischen Verstrickung Arkadins mit dem Schicksal von Lev Antonins Ehefrau, die er unbedingt mit nach Moskau nehmen will. Er fühlt sich für den Tod ihres kleines Sohnes verantwortlich und will Wiedergutmachung leisten. Sie gibt ihm als erste Frau neuartige Gefühle von Elternschaft und Kindesliebe.

Da sie einem uralten heidnischen Stamm angehört, lehrt sie ihn zudem eine völlig andersartige Weltanschauung als die, die ihn die orthodoxe Kirche NICHT gelehrt hat: die Ehrung von Toten, Gebete, Legenden von Göttern, Elfen, Halbgöttern, die mich an das finnische Nationalepos „Kalevala“ erinnerten, welches Tolkien als Inspirationsquelle diente.

Nun begreift sich Arkadin selbst als eine Art Halbgott, der das Schicksal von Nationen – Russland, Iran, Amerika – beeinflussen kann. Das stellt sich aufgrund seiner Tatkraft und Skrupellosigkeit als zutreffend heraus. Und weil Jason Bourne ebenso ein im Untergrund lebender Halbgott ist, muss es zu einem entscheidenden Zusammentreffen kommen. In „Das Bourne Attentat“ wurde am Rande erwähnt, dass Treadstone auch Arkadin ausbildete. Somit kommen er und Bourne aus dem gleichen Ausbildungslager. Folglich sind sie fast gleich stark.

Ihr Kampf ist der von Titanen, ihr Schlachtfeld die ganze Welt. Das erinnert ein wenig an die Romantrilogie um den Dai-San, die Lustbader in jungen Jahren schrieb. Was damals mythische Fantasy in einem Post-Holocaust-China war, ist nun zur topaktuellen Agentenstory gereift.

Unterm Strich

Wenig ist zu spüren vom klassischen Lustbader-Roman mit seinen ausführlichen Panoramen von weit zurückreichenden Familiengeschichten und Psychogrammen. Nur Arkadin liefert immer wieder eine chronologisch erzählte Rückblende und erfüllt so Bournes Gegenspieler mit so viel Leben, dass stark zu erwarten ist, dass er wieder auftauchen wird.

Purer Ludlum

Zwischen den fein ziselierten Kapiteln des Prologs und des Epilogs, wo der Hauch des alten Lustbaders zu spüren ist, erstreckt sich ein straff inszenierter und temporeich die Szenen wechselnder Agententhriller Ludlumscher Tradition. Wer sich also bei einem klassischen Ludlum à la Das „Osterman-Wochenende“ (verfilmt) spannend unterhalten lassen will, wird vollständig zufriedengestellt. Sex gibt es zwar keinen, dafür aber sind die Damen selbständig und in tödlicher Mission unterwegs. Nur Tracy darf schwach sein und Jason den Spiegel seiner Seele vorhalten.

Der Oberschurke

Der Leser wird auf jeden Fall den Eindruck mitnehmen, den wir in jeder Bourne-Thriller vermittelt bekommen: Die Mächtigen der Welt schrecken vor keinem noch so abgefeimten Mittel zurück, um ihren Willen zu bekommen oder noch mehr Geld zu scheffeln. Der Oberschurke ist wieder mal nicht Arkadin, sondern bezeichnenderweise der amerikanische Verteidigungsminster. Dieser findet in Noah Perlis die ideale Kreatur, um die Strippen zu ziehen, mit denen sich der Dritte Weltkrieg auslösen lässt.

Armes München

Wieder einmal fiel mir auf, wie abfällig sich die Figuren über die schöne Stadt München äußern: Es ist hochnäsig, aber verkommen und wimmelt von Polizisten. Das war schon in „Das Bourne Attentat“ nachzulesen und ließ die ehemalige „Hauptstadt der (Nazi-) Bewegung“ als Sumpf aus Überwachungsstaat und Ex-Nazis erscheinen.

Deutschniveau

Es gibt keinerlei Wissenschaftsjargon, und nur von Politik und Waffen sowie Computern sollte man etwas Ahnung haben. Aber das dürfte für einen Erwachsenen nicht schwer sein.

Taschenbuch: 592 Seiten
Originaltitel: Robert Ludlum’s The Bourne Deception, 2009;
Aus dem Englischen von Norbert Jakober
ISBN-13: 9783453435193

www.heyne.de

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)