Marshall Ryan Maresca – Der Zirkel der blauen Hand (Novels of Maradaine 1)

Novels of Maradaine

Band 1: „Der Zirkel der blauen Hand“
Band 2: „Die Alchemie des Chaos“ (vrsl. 02/19)
Band 3: „The Imposters of Aventil“ (noch ohne dt. Titel)

Eigentlich ist Veranix Student der Magie an der Universität von Maradaine. Allerdings hat er noch eine Rechnung offen mit einem gewissen William Fenmere, einem Drogenschmuggler, der seine Eltern auf dem Gewissen hat. Und so schlägt Veranix sich insgeheim die Nächte um die Ohren, um Fenmeres Handel mit Effitte so nachhaltig zu stören wie nur möglich. Bis er eines Nachts eine Warenübergabe der anderen Art platzen lässt, ohne auch nur zu ahnen, in welches Wespennest er da gestochen hat …!

Veranix ist eine Art fantastischer Robin Hood, immer bereit, sich neben seiner persönlichen Rache auch noch für die Schwachen und Wehrlosen einzusetzen. Dabei hilft ihm, dass er ausgebildeter Akrobat, ein guter Bogenschütze und ein passabler Stockkämpfer ist. Magie setzt er eher intuitiv ein, denn so gut er im Kämpfen ist, so faul ist er als Student. Sein Glück, dass er seinen Freund Delmin hat.

Delmin ist ein langer, dünner Kerl, an dem ein Wissenschaftler verloren gegangen ist, denn er kann Numina, die magische Energie, zwar außerordentlich gut wahrnehmen, aber nur wenig damit anfangen. Dafür gleicht er durch sein theoretisches Wissen und seine guten Recherchen Veranix‘ Desinteresse an magischen Zusammenhängen aus.

Außerdem wäre da noch Kaiana, ein junges Mädchen, das in den Ställen und Gärten arbeitet. Auch sie hat ihren Vater an Effitte verloren und unterstützt deshalb Veranix bei seinen Ausflügen, indem sie ihn hinterher wieder zusammenflickt.

Mir hat die Charakterzeichnung sehr gut gefallen. Abgesehen davon, dass die Figuren alle recht sympathisch sind, ist die Darstellung plastisch und lebendig ausgefallen. Selbst weniger wichtige Personen wie Hetzer oder Graf Sirath verfügen über ein gewisses eigenes Profil, wenn auch nicht über echte Tiefe.

Auch das Setting fand ich gelungen. Die Universität blieb in Lokalität und Abläufen eher blass, ebenso das Meiste, was mit Magie und den Zirkeln der Zauberer zu tun hat. Außer den paar mageren Informationen, die Delmin ausgegraben hat, erfährt der Leser so gut wie nichts über diesen Aspekt der Welt, was ich ein wenig schade fand, aber wahrscheinlich hat der Autor sich hier einiges für die Folgebände aufgehoben.

Dafür fiel das Leben in den Straßen außerhalb des Campus umso lebendiger aus. Durch Verwandtschaft und Vergangenheit hat Veranix Verbindungen zu einer der Gangs in den Straßen des benachbarten Viertels, und dass er mit seinem Kampf gegen Fenmere und dessen Effitte-Handel schlafende Hunde weckt, wirkt sich massiv auf das fragile Machtgleichgewicht auf den Straßen aus.

Der eigentliche Plot schließlich ist sauber angelegt und aufgebaut, und er wird immer spannender, je weiter sich die Ereignisse entwickeln. Das liegt nicht nur daran, dass Veranix dazu neigt, durch sein Desinteresse an Magietheorie offensichtliche Zusammenhänge zu ignorieren, sondern auch daran, dass er, ohne es zu wissen, mehr als nur einen Gegner hat, und der zweite ist auf seine Art noch unangenehmer als Fenmere. Er steht unter Zeitdruck, und je mehr er diesen Druck an Fenmere weitergibt, damit dieser Veranix aufspürt, desto deutlicher wird gleichzeitig, dass es im Grunde einfach ist, Veranix zu fangen, denn er wird so ziemlich in jede Falle gehen, ganz gleich, welchen Köder man verwendet.

So kommt es, wie es kommen muss, und doch ist der Showdown nur wenig vorhersehbar, da sich noch eine weitere Partei einmischt, mit der keine der anderen gerechnet hat. Tatsächlich ist sogar das Ergebnis des Showdowns offen, denn es ist nicht eindeutig, ob der zweite Gegner am Ende dauerhaft außer Gefecht gesetzt ist oder nicht. Der Leser muss also damit rechnen, dass er in den Folgebänden noch eine Rolle spielen könnte. Wie gemein!

Insgesamt kann man diesen Band als gelungenen Einstieg in einen vielversprechenden Zyklus bezeichnen. Er bietet einen Helden, der stur und leichtsinnig genug ist, um immer wieder Fehler zu machen, und deshalb trotz aller Fähigkeiten nicht zum Klischee des Überhelden mutiert; eine Welt mit vielen interessanten Anlagen voller Ausbaupotential für weitere Bände, und einen spannenden Plot, der bisher allerdings lediglich einen kurzen Höhepunkt überschritten hat, aber noch lange nicht bis zum Ende ausgefochten ist. Wer kein Problem mit vielbändigen Zyklen und dem Warten auf den nächsten Band hat, dürfte mit den Chroniken von Maradaine bestimmt nicht falsch liegen, aber auch andere Leser könnte die Geschichte durchaus bei der Stange halten, sofern der Autor es mit der Gesamtzahl der Bände und den zeitlichen Abständen dazwischen nicht übertreibt.

Marshall Ryan Maresca ist Amerikaner, studierte Film und Videoproduktion und schreibt unter anderem auch Kurzgeschichten und Theaterstücke. „Der Zirkel der blauen Hand“ ist sein Romandebut und der erste Band der Novels of Maradaine, die inzwischen bei Band drei angekommen sind. Als Erscheinungsdatum für die Fortsetzung „Die Alchemie des Chaos“ ist bisher Februar 2019 angegeben. Zuvor erscheint jedoch noch „Die Fehde der Magier“, der in der deutschen Veröffentlichung als Band zwei bezeichnet wird und zwar ebenfalls in Maradaine spielt, eigentlich aber zum Zyklus The Maradaine Constabulary gehört und von einer anderen Hauptfigur erzählt.

Taschenbuch 432 Seiten
Originaltitel: The Thorn of Dentonhill – Novels of Maradaine 1
Deutsch von Alexander Lohmann
ISBN-13: 978-3-404-20916-3

http://mrmaresca.com
http://www.luebbe.de

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