DeCandido, Keith R. A. – Resident Evil: Extinction

_Story_

Nachdem das T-Virus Racoon City völlig dezimiert hat, scheint die gesamte Menschheit sich in blutdurstige Zombies verwandelt zu haben. Nur noch eine kleine Schar Überlebender ist imstande, sich der Invasion der Bestien zu entziehen und ohne wirkliches Ziel vor der grausamen Bedrohung zu fliehen. Auch Carlos Oliveira und die Amazone Claire haben sich einem Trupp Flüchtiger angeschlossen und hoffen, irgendwo dennoch eine Kolonie zu finden, in der sich ihnen Schutz und Hoffnung bietet.

Bei einem Angriff mutierter Krähen lernen sie die mysteriöse Alice kennen und schließen sich ihrem Konvoi an; es geht das Gerücht um, dass Alaska einen sicheren Zufluchtsort bietet, allerdings ist es durch die Wüste Nevadas bis in den Norden des Kontinents noch eine ewige Reise. Carlos und Claire schöpfen aus diesem neuen Hoffnungsschimmer dennoch Mut, der ihnen jedoch in jeder weiteren Konfrontation mit den mordlüsternen Zombiebruten immer mehr genommen wird. Lediglich Alice will von derartigen Zwischenfällen nichts wissen. Fest entschlossen, die Umbrella-Organisation für ihre Verbrechen büßen zu lassen, startet sie einen weiteren Rachefeldzug. Allerdings ist Chefwissenschaftler Isacs bestens vorbereitet und schickt unterdessen seine Häscher auf die womöglich letzte Hoffnungsträgerin dieser Erde.

_Persönlicher Eindruck_

Dank der fantastisch aufspielenden Milla Jovovich und zwei bislang wirklich sehr interessanten Storys konnte sich die Kino-Adaption des Videospiel-Hits „Resident Evil“ in den vergangenen Jahren als eine der besten Zombie-Verfilmungen der Moderne etablieren und bewies wider alle Skepsis, dass die Hintergrundgeschichten von einschlägigen PC-Games mitnichten für eine Verfilmung zu wenig Potenzial bieten würden. Zwar waren „Apocalypse“ und das Debütwerk im weitesten Sinne brutale Slasher mit einem Hang zur Überproduktion von Untoten, doch gelang es den beiden Regisseuren Alexander Witt und Paul Anderson im Rahmen dessen immerhin, eine wirklich taugliche Handlung unterzubringen, die nicht bloß auf das effektreiche Schlachtfest ausgelegt war.

Sowohl die Gradlinigkeit der Action-Sequenzen als auch die Kreation eines weiteren ordentlichen Plots sind auch Merkmale der neuesten „Resident Evil“-Produktion mit dem Titel „Extinction“, die Ende des vergangenen Monats wieder die Herzen der Horror-Gemeinde höher schlagen ließ. Jovovichs dritte Monsterhatz markiert den bisherigen Höhepunkt des scheinbar noch nicht erschöpften Fundus‘ der Serie und scheint in Sachen Gemetzel ebenfalls neue Rekorde aufzustellen. Derweil versucht der offizielle Roman zum Kino-Event, die Atmosphäre und die grundlegende Stimmung des Streifens adäquat zu adaptieren – was überraschenderweise auch sehr gut funktioniert hat.

Vorab sollte jedoch erst einmal erwähnt werden, dass „Extinction“ alleine schon wegen der Ursprungsgeschichte kein wirklich anspruchsvoller Roman werden konnte. Wer den Film bereits angeschaut hat, wird um die brutalen Szenen und die ständige Action der Handlung wissen und muss seine Erwartungen diesbezüglich ein wenig herunterschrauben. Schließlich kann gerade in diesem Beispiel die literarische Vorstellungskraft nicht die effektreiche Leinwandinszenierung ersetzen. Nichtsdestotrotz bekam Keith R. A. DeCandidio wieder ausreichend Gelegenheit, sich als einer der besten Autoren dieser Materie zu beweisen. Wie auch schon in unzähligen anderen PC-Adaptionen, gelingt ihm eine realistisch anmutende Inszenierung, die sehr nahe mit dem Geschehen des Films in Verbindung steht, sich jedoch gerade zu Beginn durch einzelne Retrospektiven und Zukunftsaussichten entscheidend erweitert. DeCandido wählt darüber hinaus auch einige verborgene Szenen in seinem Roman und durchbricht somit einige Grenzen, die das gleichnamige audiovisuelle Spektakel nur kurz streift. Dies wäre letztendlich sogar eine berechtigte Begründung, sich auch nach Genuss der Leinwandproduktion noch einmal mit dem Buch auseinanderzusetzen, da es verschiedene Inhalte noch etwas präziser angeht, dafür allerdings auch starke Einbußen bei der Darstellung der Action-Sequenzen hinnehmen muss – doch dies war bei der Aufarbeitung der Thematik auch nicht anders zu erwarten.

Andererseits muss man aber natürlich auch der Tatsache ins Auge sehen, dass die Handlung ziemlich stark auf die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Alice, ihren Gefährten und den Bestien ausgerichtet ist und in diesem Spielraum eine gewisse Flexibilitätseinschränkung eben schon an der Tagesordnung ist. Dies macht sich aber gottlob insofern nicht wirklich negativ bemerkbar, alsdie Spannungskurve trotz allem steil nach oben zeigt und die Story aufgrund der absolut fehlenden Transparenz und Vorhersehbarkeit für Überraschungen jeglicher Art gut ist – und dies wirklich bis zur letzten Seite.

Daher kann man zusammenfassend auch von einer wirklich sehr ordentlichen Umsetzung sprechen, die natürlich – so sollte es bei einem ‚Roman zum Film‘ auch sein – hauptsächlich die Inhalte des Effektfeuerwerks, welches Ende September auf die Leinwand kam, wiedergibt, darüber hinaus jedoch alle möglichen Freiräume für eine Fülle unvorhergesehener Details nutzt. „Resident Evil: Extinction“ ist ein Event – im Kino, aber auch in literarischer Form!

http://www.paninicomics.de

|Siehe ergänzend dazu auch:|
[„Resident Evil – Die Umbrella-Verschwörung“ 1813
[„Resident Evil 9 – Tödliche Freiheit“ 3481

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