Hegen, Hannes (Hrsg.) / Dräger, Lothar (Text) / Hegenbarth, Edith (Zeichnungen) – Digedags am Mississippi, Die (Amerikaserie, Band 2)

Band 1: [„Die Digedags in Amerika“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4169

Sie sind einer der wenigen Exportartikel, welche den Sprung aus der DDR nach Gesamtdeutschland geschafft haben. Die Digedags. Die Dige-Wer? Schon seit den Fünfzigerjahren bereicherten die drei Kleinwüchsigen aus den |Mosaik|-Comics unter der Schirmherrschaft von Hannes Hegen Monat für Monat die deutsche Comiclandschaft. Zumindest die östliche. Hier im Westen waren die umtriebigen Kerlchen Dig, Dag und Digedag weitgehend unbekannt und auch die Hefte bzw. später Sammelbände kaum bis gar nicht zu bekommen – selbst wenn man als einer der wenigen Wessis um ihre Existenz wusste. Höchstens mit viel Vitamin B und oftmals noch mehr harter West-Mark.

Nach der Wiedervereinigung wurde es still um sie, bis die Digedags 2005 ein kleines Comeback feierten. Alle bisher Serien wurden vom wiederauferstandenen Verlag |Junge Welt| noch einmal komplett neu aufgelegt. Von der Römerserie über Ritter Runkel, Erfinder-, Amerika-, Orient- bis hin zur Weltraumserie kann man nun endlich alle Abenteuer der drei sympathischen Zeitwanderer wieder als Frischware erwerben. Bis dato war man auf private Sammlungsauflösungen, Trödelmärkte u. ä. angewiesen, um fehlende Exemplare in (hoffentlich) akzeptablen Zustand abzugreifen.

Die drei mutmaßlichen Brüder tauchen in verschiedenen Menschheitsepochen auf und erleben dort ihre Abenteuer bzw. begleiten Persönlichkeiten dieser Ära mit Fleiß, Wissen und Witz. Die stets jugendlich wirkenden Digedags altern nicht und ihr markantes Äußeres bleibt weitgehend unverändert – sämtliche leichten Variationen in ihrem Aussehen sind wohl eher der Weiterentwicklung Edith Hegenbarths als Zeichnerin zuzuschreiben. Die Texte legte ihnen Lothar Dräger in den Mund, das heißt: Nein, nicht direkt in den Mund. Bei den Digedags herrscht nämlich weitgehend Sprechblasenfreiheit. An die Untertitelung der Panels hat man sich aber schnell gewöhnt und sie schätzen gelernt.

Wenn ihre „Mission“ erfüllt ist, ziehen sie weiter zur nächsten Baustelle. Dabei sind die entsprechenden Serien unterschiedlich lang. Die Amerikaserie, welche 1979 erstveröffentlicht wurde, ist eine der größten und umfasst 60 Einzelhefte (von 152 bis 211). Diese schafften es, ursprünglich zusammengefasst in insgesamt zehn Sammelbände, bis zur stolzen achten Auflage. Diese erschien noch 1989, kurz vor dem Mauerfall. Die Geschichte der Amerikaserie beginnt in New Orleans 1860, bevor der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach, und sie endet in New York vier Jahre später. Bis dahin haben sich die Digedags quer durch den nordamerikanischen Kontinent gewuselt und im Kampf gegen die Sklaverei allerhand erlebt.

_Band 2 – Die Digedags am Mississippi (Mosaik 156 bis 159)_

Das von den Digedags leichtfertig provozierte Schiffsrennen (vgl.: „Die Digedags in Amerika“) zwischen dem Renommierschiff für die Schönen und Reichen „Louisiana“ und der scheinbar unterlegenen, klapprigen „Mississippi Queen“ geht in die zweite Etappe. Tatsächlich hat es Kapitän Joker geschafft, die buchstäblich dicke Konkurrentin hinter sich zu lassen – eine Sandbank wurde dem großen Raddampfer zum Verhängnis, auf welche sie der mit allen Mississippiwassern gewaschene Skipper der „Queen“ gelockt hat. Auf dieser verbringen Kapitän Baxter nebst Crew, Reederin Mrs. Jefferson und ihr Busenfreund Colonel Springfield eine angestrengte und ereignisreiche Nacht. Es gilt, die „Louisiana“ zu leichtern, damit sie freikommt.

Ein Unterfangen, welches nicht unbeobachtet und ohne schicksalshafte Folgen bleibt. Unter den Gegenständen, welche über Bord gehen, befindet sich ein Banjo, das für den Rest der Geschichte bestimmend sein wird. Sklavenjunge Ben fischt es aus den Fluten und kann mit dem grade wieder flottwerdenden Dampfer dem Plantagenaufseher und dessen Hunden mit knapper Not als blinder Passagier entkommen, nicht ahnend, dass das heiß begehrte Instrument mehr ist, als es äußerlich erscheint. Das weiß auch Mrs. Jefferson (noch) nicht; für sie war es im Prinzip nur ein Erbstück ihres verstorbenen Gatten. Doch die geheimnisvolle Klampfe ist zunächst einmal Schnee von morgen. Heute Nacht nutzt man die letzte Chance, den verhassten Proleten-Kahn der Jokers doch noch wieder einzuholen.

Dort hat man sich derweil nicht auf den Lorbeeren ausgeruht, sondern tüchtig Dampf gemacht. Mit dem Effekt, dass auf dem Schiff unserer Working-Class-Heroes der Brennstoff zur Neige geht. Gar nicht dumm, wie die Digedags nun mal sind, wird kurzerhand sämtliche brennbare Einrichtung im Kessel verfeuert. Als man den letzten Holzladepunkt vor dem Zieleinlauf vor Baton Rouge erreicht, geht der „Queen“ doch noch allmählich die Puste aus. Schlimmer noch: An der letzten nicht mal einen Kilometer zurückliegenden Flussbiegung rauscht die nächtens wiederauferstandene „Louisiana“ mit Volldampf ums Eck. Ein Kopf-an-Kopf Rennen der ungleichen Rivalinnen mit anschließendem Fotofinish entwickelt sich. Wer wird im letzten Moment die Nase vorn haben und das Zielband zerteilen? Arbeiterklasse oder Bonzen?

_Eindrücke_

Nachdem bereits im ersten Band die Grundsteine für den 15 Bände dauernden Plot gelegt wurden – u. a. die Vorstellung der Figuren Mrs. Jefferson und Colonel Springfield -, kommt nun weiter Fahrt in die Sache und weitere wichtige Personen betreten die Bühne: der Rest der Joker-Familie, speziell Onkel Jeremias und seine Tochter Jenny. Beide werden während der folgenden Episoden immer wieder wichtige Rollen spielen. Jonathan, seine Frau Jesse, Ted und Grandpa kennt der Leser ja hoffentlich bereits aus dem ersten Band. Zumindest sollte er diesen gelesen haben, denn ohne Kenntnis der Vorgeschichte ist Band 2 nämlich ziemlich witzlos. Das gilt allerdings nur für die 2005er Neuauflage. Diese ist entgegen der ursprünglichen DDR-Originalausgabe anders aufgeteilt; sehr zu ihrem Leidwesen. Und ganz besonders dem der Fans.

Die letzte „alte“ Version von Band 1 enthielt einen sehr großen und wichtigen Teil der Geschichte – nämlich den Ausgang des Rennens – bereits, und (um die Verwirrung zumindest bei den Fans und Sammlern komplett zu machen, bekam er gleich noch ein anderes Cover) der gleichnamige Band 2 von Anno Dunnemals setzte dafür etwas später – auf Onkel Jeremias Farm – auf. Somit wird die Geschichte, welche vorher in den ersten beiden Büchern schlüssig erzählt und plausibel zu einer Zwischenbilanz geführt wurde, nunmehr sogar auf deren drei getreckt. Zu diesem, nennen wir ihn mal: „Mississippi-Komplex“, gehört der seit 2005 eingeschobene Band 3 („Die Digedags bei den Piraten“) ebenfalls. Das rührt daher, weil der reanimierte Verlag |Junge Welt| die enthaltenen |Mosaik|-Heftausgaben in den Sammelbänden von früher sechs (insgesamt 150 Seiten/Band) auf heute vier (je 100 Seiten) reduziert hat.

_Fazit_

Die ganze Neuauflage wirkt ein wenig zerrissen und hat den Beigeschmack der versuchten Gewinnmaximierung, schließlich sind 12,95 € pro Band ja nicht grade ein Discountangebot. Dabei darf man nicht vergessen, dass eingedenk der Reduzierung der Seitenzahl nun nicht mehr zehn, sondern fünfzehn Bände allein der Amerikaserie gekauft werden wollen. Denn eines ist klar: Nur die komplette Serie in Regal und/oder Hirn macht wirklich Sinn. Auch Band 2 ist natürlich wieder liebevoll gezeichnet, knackig getextet und voll mit tugendhaften Lehren, sodass es zumindest von dieser Seite aus wieder nichts bei den Digedags zu bekritteln gibt. Klare Leseempfehlung, allerdings sollte man versuchen, an die Originalausgaben heranzukommen, wann immer es geht.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_

„Die Digedags am Mississippi“ – Amerikaserie, Band 2
Enthält die Mosaik-Hefte 156 bis 159
© 1979 und (Neuauflage) 2005 – Buchverlag Junge Welt, Berlin
Herausgeber: Hannes Hegen
Text: Lothar Dräger
Figurinen: Edith Hegenbarth
ISBN: 3-7302-1874-3 (neu)

http://www.digedags.de/

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