Jackson, Steve – Munchkin Impossible

[„Munchkin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3628

_Nichts ist unmöglich …_

… „Munchkin“. Diesen allseits beliebten Slogan einer japanischen Automobilmarke kann man definitiv auch auf das kultige Kartenspiel von Steve Jackson übertragen. In einer der aktuellen Ausgaben schlüpfen die Munchkins daher in die Rolle von Spionen. Als Playboy, Assassine oder Tourist heuert man für die internationalen Geheimdienste an und schlägt sich dabei auf die Seite von Russen, Briten, Amerikanern und Chinesen. Mit den gefährlichsten Waffen und mickrigsten Spezialgegenständen kämpft man gegen Klempner, Fanatiker und Spione von der Gegenseite und hofft, möglichst schnell die heiß begehrte zehnte Stufe erreicht zu haben. Doch nur derjenige, der am geschicktesten verhandelt, am gewieftesten taktiert und die besten Trainingsprogramme durchlaufen hat, kann dies als Erster schaffen.

_Spielmaterial/Design_

Wie üblich besteht das Deck aus 168 Karten, die von Altmeister John Kovalic einmal mehr mit herrlichen, brüllend komischen Illustrationen bereichert wurden. Es ist schier der Wahnsinn, wie es dem Grafiker jedes Mal wieder gelingt, den Balanceakt zwischen dem eigentlichen Thema und dessen satirischer Darstellung zeichnerisch aufzufangen, und genau dies ist auch in „Munchkin Impossible“ mal wieder ein echtes Kaufargument. Einfach stark, was der Mann aus den Gesichtern der unzähligen Figuren herausholt und wie er dies mit dem Hintergrund des Spielsystems kombiniert. Auch die Texte auf den Karten sind mal wieder erste Sahne, wobei die Ideen zu den verschiedenen Monster- und Gegenstandstiteln schlussendlich die Krönung der rundum überzeugenden Aufmachung sind. Keine Frage – dem Team Jackson/Kovalic macht so schnell niemand etwas vor.

_Spielablauf_

Im Vergleich zum ersten „Munchkin“-Set bietet das Reglement dieses Mal keine Neuerungen. Wieder einmal gilt es für die einzelnen Munchkins, verborgene Türen zu öffnen, sich den dahinter versteckten Monstern zu stellen, ihre Schätze bei deren Tod abzukassieren und am Ende eine weitere Stufe emporzusteigen. Hierbei kann man sich mit anderen Mitspielern zusammenrotten, im Zweifelsfalle weglaufen oder aber durch einen ausgeglichenen Kampf den Tod riskieren. Ziel ist es, als Erster Stufe zehn zu erreichen, wobei die grundlegende Voraussetzung darin besteht, den letzten Aufstieg durch den Tod eines Monsters und nicht mit einer speziellen Karte zu erreichen.

_“Munchkin Impossible“ – Die Vorzüge des Sets_

Wie auch bei allen anderen „Munchkin“-Sets stellt sich auch hier die Frage: Warum ausgerechnet dieses? Taugt es als Ergänzung oder ist es gar besser als das Original? Nun, da das Spielsystem sich eigentlich überhaupt nicht verändert hat – mal abgesehen davon, dass man nicht nur Doppel- sondern auch Dreifachagenten besitzen und so verschiedenen Loyalitätsklassen angehören kann (hierzu gleich mehr) -, hat sich am ursprünglichen Prinzip rein gar nichts geändert, so dass diejenigen, die nach taktischen, strategischen oder systematischen Veränderungen bzw. Verbesserungen suchen, mit diesem Set leer ausgehen würden. Doch darum geht es ja nicht, denn grob betrachtet bauen ja alle Sets auf den gleichen Regeln auf. Stattdessen kommt es auch in „Munchkin Impossible“ auf die grafische bzw. textliche Umsetzung des Kartenmaterials und damit auch des Themas an, und was das betrifft, haben die Designer Spitzenarbeit geleistet.

Statt die Rollen von Elfen und Zwergen zu bekleiden, schlüpft man also in das Korsett eines Geheimagenten, der zumeist einer bestimmten Loyalität angehört. Diese Angehörigkeit ist vor allem beim Kampf gegen die Widersacher, die hier in erster Linie von schmierigen Fieslingen bekleidet werden, relevant, weil verschiedene Gegner unterschiedliche Spezialeffekte gegen Briten, Amerikaner, Chinesen oder Russen ausrichten. Guiness und Killer-Kenny zum Beispiel schlagen gegen die Briten stärker zu, Agent Orange hasst Russen und der kommunistische El Presidente Magnifico hat etwas gegen die Nachbarn aus den Vereinigten Staaten.

Unter der Loyalität stehen verschiedene Klassen, darunter aalglatte Playboys, verpeilte Touristen und extrem qualifizierte Assassinen. Auch ihnen gehören verschiedenartige Fähigkeiten an, sofern sie das richtige Training belegt haben. Dies wäre dann die dritte Stufe, mit der man im Kampf noch weitere Vorteile erhaschen kann. Wer gut trainiert ist, hat die halbe Miete für ein erfolgreiches Spiel gezahlt. Man erlernt nützliche Missgeschicke, Schummeln und die Eigenschaft, die Maske im rechten Augenblick fallen zu lassen, was sich in der Bedrängnis gegen Monster stärkerer Stufen als Geheimwaffe äußerst nützlich erweisen kann.

Im Spiel weniger effektiv, in der Illustration jedoch die Favoriten sind die Fallen. Schlimme Dinge erwarten einen in der Schlangengrube, im Nudistencamp oder beim gefürchteten Mordinstrument Numero uno, dem Piano Mortale. Wehe dem, der hier nicht entsprechend ausgerüstet ist

_Meine Meinung_

Sieht man also mal davon ab, dass „Munchkin Impossible“ lediglich ein ummodelliertes Äquivalent zur Originalausgabe ist – und das sollte eigentlich Voraussetzung bei der Bewertung jeder „Munchkin“-Fassung sein –, kann man Jackson und vor allem seinem Partner Kovalic zu einer weiteren exzellenten Variante des Kultspiels gratulieren. Mit anderen Munchkins gegen anrüchige Geheimagenten, skrupellose Gangster und korrupte Fieslinge anzutreten und dabei einmal mehr die merkwürdigsten Waffen einzusetzen, ist ein wahrer Genuss und eine prima Abwechslung zum Basisspiel. Und wem dies noch zu wenig ist, der sollte mal die gemischte Variante ausprobieren, denn obwohl das Spiel mit mehreren kombinierten Fassungen ein wenig an Geschwindigkeit verliert, ist der Spaßfaktor unheimlich hoch, wenn Wesen aus anderen Welten gegen erbarmungslos brutale Mafiosi antreten und Fabelwesen mit der Wasserstoffbombe attackiert werden.

Wie man es auch dreht, das satirische Pendant zur uralten TV-Serie bzw. den effektreichen Kinofilmen ist in jeglicher Hinsicht eine Bereicherung für die heimische Kartenspielsammlung, auch bzw. gerade dann, wenn man schon einen der zahlreichen „Munchkin“-Titel sein Eigen nennt.

http://www.pegasus.de/munchkin.html

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