Kirkman, Robert – Was das Herz begehrt (The Walking Dead 4)

Band 1: [„Gute alte Zeit“ 2257
Band 2: [„Ein langer Weg“ 2677
Band 3: [„Die Zuflucht“ 3735

_Story_

Hinter den Mauern des Gefängnisses spitzt sich die Lage zu. Dexter, einer der vier ursprünglich dort beheimateten Insassen, droht mit Waffengewalt, wenn nicht alle seinen Befehlen Folge leisten. Als dann jedoch einige Zombies den Weg ins Innere finden, bleibt den Überlebenden nichts anderes übrig, als zusammen gegen den gemeinsamen Feind zu kämpfen. Dabei wird auch Dexter von einer Kugel getroffen und somit die Situation vorerst bereinigt.

Unterdessen steht die Beziehung zwischen Tyreese und Carol vor ihrem Ende. Der stämmige Dunkelhäutige hat seine Frau mit dem seltsamen Neuankömmling Michonne betrogen und wird von Craol aus der gemeinsamen Wohnung verbannt. Rick erfährt von der Sache und sucht Kontakt zu den beiden, entdeckt dabei jedoch lediglich die Frau, die gerade versucht hat, sich infolge der herben Enttäuschung das Leben zu nehmen. Wutentbrannt steuert Rick auf Tyreese zu und verstrickt sich in ein wirres Wortgefecht mit unschönem Ende.

_Meine Meinung_

„Was das Herz begehrt“ scheint ein ziemlich ungewöhnlicher Titel für einen Zombie-Roman und wirkt auch auf den Inhalt bezogen nicht ganz so treffend, wenngleich die Emotionen im vierten Band von „The Walking Dead“ kochen wie nie zuvor. Dabei fängt alles recht unspektakulär bzw. mit nur wenigen echten Überraschungen an. Wieder mal wird ein Irrläufer im Team aufgespürt, wieder einmal überwiegt hierbei der Zusammenhalt gegen den untoten Gegner, und wieder einmal scheint die Gefahr fürs Erste ausgemerzt. Nichts also, was man innerhalb der gefeierten Reihe nicht schon einmal erlebt hätte.

Dies ändert sich jedoch schlagartig, als die Schwertkämpferin Michonne zum Lager stößt und kurzerhand einen zum Tode verurteilten Bewohner vor der grausamen Zombie-Bedrohung schützt. Der seltsame Gast fügt sich jedoch unerwartet den Regeln des Lagers und gibt ohne Gegenwehr Waffen und Freiheit her. Und trotzdem ist es sie, die den nächsten Stein ins Rollen bringt, als sie Tyreese oral befriedigt und somit die Sinn- und Beziehungskrise zwischen ihm und Carol auslöst. Der Lagerkoller und nicht zuletzt sein gerade noch verhinderter Tod haben auch den bulligen Tyreese nicht unberührt gelassen. Seine Reizschwelle ist denkbar niedrig, seine (sexuelle) Frustration umso höher.

So kommt eines zum anderen und inmitten der wohl schwierigsten Zeit aller, in einer Phase, wo alle dazu gezwungen sind zu realisieren, dass es nie wieder eine Rückkehr zu ihrem alten Leben geben kann, entsteht ein heftiger Streit zwischen den beiden offensichtlichen Anführern, in dessen Verlauf sich beide Parteien mit Anschuldigungen für ihre jüngsten Gesetzeswidrigkeiten nicht zurückhalten und nach Ende dieser eskalierenden Auseinandersetzung klarstellen, dass keiner von ihnen die alleinige Obhut der Überlebenden tragen kann. Neue Umstände erfordern auch hier neue Gesetze und damit den ersten Schritt in Richtung Demokratie innerhalb der schützenden Gefängnisumzäunung.

Nach verhaltenem Beginn ist die Klimax in „The Walking Dead 4“ umso überragender. Erst die beklemmenden Vorfälle im Lager, denen unter anderem Allen zum Opfer fällt, dann der Selbstmordversuch Carols und schließlich der brutale Fight zwischen Tyreese und Rick, der das Fass zum Überlaufen bringt. Die wichtigen Figuren der Geschichte lassen ihrer Hoffnungslosigkeit freien Lauf und handeln teils vom Irrsinn geplagt, indes nur selten bei klarem Verstand. Die Spannung innerhalb der Zellen war schon lange zu spüren, doch nun entlädt sie sich in einem starken Finale mit vielen inhaltlichen Hochs und Tiefs sowie einigen erneut bewegender Szenen, in denen die Verzweiflung der Geplagten sehr authentisch nach außen getragen wird.

Letzten Endes werden in „Was das Herz begehrt“ die Karten neu gemischt und so manche Rollen neu verteilt. Die Geschichte eröffnet komplett neue Handlungsspielräume, die Charaktere entwickeln sich unheimlich rasant weiter und auch das ‚Zusammenleben‘ mit den Zombies verläuft auf einer professionelleren Ebene, weil es unabdinglich ist, Mittel und Wege zu finden, den Überlebenskampf kreativ und produktiv zu gestalten. Insofern erfüllt auch der vierte Teil alle in ihn gesteckten Erwartungen und übertrifft sie in den letzten Szenen sogar. Lediglich Anhänger der deftigen Zombie-Action könnten ein wenig enttäuscht sein, weil diesbezüglich nicht sonderlich viel geschieht. Aber da dies dem Plot spürbar dient, kann man darüber wohl kaum böse sein – jedenfalls nicht, wenn zum wiederholten Male eine derart fantastische Story mit solch dichter Atmosphäre herausspringt.

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