Marklund, Liza – Weißer Tod

_|Annika Bengtzon| (chronologisch nach Handlungsfortschritt):_

Band 1: [„Studio 6“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=904
Band 2: [„Der Holzdieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2519
Band 3: [„Paradies“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1197
Band 4: [„Prime Time“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=385
Band 5: „Olympisches Feuer“
Band 6: [„Der rote Wolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=573
Band 7: „Nobels Testament“
Band 8: [„Lebenslänglich“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6255
Band 9: „Silvesternacht“
Band 10: „Kalter Süden“
Band 11: _“Weißer Tod“_

Bei Liza Marklund heißt es „Hopp oder Topp“! Entweder begeistert sie mich mit ihren Büchern vollauf, fesselt mich für Stunden an ein und dasselbe Buch, oder eben ich langweile mich ganz schrecklich und muss mich von Seite zu Seite quälen. Dazwischen gab es bislang für mich nichts. Mit großen Erwartungen habe ich ihr neuestes Werk aus der „Annika Bengtzon“-Reihe „Weißer Tod“ aufgeschlagen, denn die beiden letzten Bücher, die ich von ihr gelesen habe, waren einfach nur spannend. So aber leider nicht mit ihrem aktuellsten Werk …

_In Afrika entführt_

Im Schnee liegt eine tote Frau – in direkter Nähe zu einer Kindertagesstätte. Wie ist die Frau ums Leben gekommen? Wurde sie ermordet? Und wenn ja, von wem? Alles Fragen, die Annika Bentzon stark beschäftigen. Sie ist ins Mark getroffen und will diesem Fall sofort auf den Grund gehen. Doch dann platzt eine neue Schreckensnachricht in ihr Leben: Ihr Mann Thomas, der sich zurzeit mit einer Delegation in Afrika aufhält, wurde von Rebellen entführt! 40 Millionen Dollar fordern die Geiselnehmer. Völlig ausgeschlossen, dass Annika eine solche Summe aufbringt, auch wenn sie einige Millionen Kronen aus der Versicherungssumme für ihr abgebranntes Häuschen auf dem Konto hat.

Thomas‘ Kollege Jimmy Halenius übernimmt den Kontakt mit den Entführern, er verhandelt mit ihnen und zieht praktisch bei Annika ein, um immer in Reichweite zu sein, wenn ein Anruf aus Afrika kommt. Dabei kommen Annika und Jimmy sich allmählich näher.

Der Fall um die ermordete Frau ist für Annika vergessen, zu groß ist die Sorge, dass Thomas nicht wiederkommen könnte und die Frage, was dann aus den Kindern wird. Um mit Jimmy Halenius in Afrika die Geldübergabe zu machen, muss Annika sich um eine geeignete Betreuung kümmern: Ihre Mutter und ihre Schwester lehnen ab, auch wenn Annika bei ihnen zu Kreuze kriecht. Schweren Herzens fragt sie bei der Frau an, mit der Thomas sie betrogen hat und zu der er zeitweise gezogen war.

Doch in Afrika droht die Geldübergabe zu scheitern, was nun?

_Kuddelmuddel_

Zunächst beginnt das Buch wie ein ganz normaler Kriminalfall, nämlich mit dem Fund einer Frauenleiche. Annikas journalistisches Gespür ist geweckt, gibt es vergleichbare Fälle in Schweden? Haben sie es gar mit einem Serientäter zu tun? Oder handelt es sich schlicht und einfach um häusliche Gewalt? Bevor Annika diese Fragen klären kann, erreicht sie die Nachricht, dass ihr Mann Thomas entführt worden ist. Ihre Welt bricht zusammen, was soll nun aus ihr werden? Und vor allem aus den Kindern?

Annika kratzt alles Geld zusammen, um eine vernünftige Lösegeldsumme zusammen zu bekommen. Gleichzeitig verhandelt Jimmy Halenius mit den Rebellen, um ihnen klar zu machen, dass ihre Forderungen völlig überzogen sind. Dann jedoch wird eine Geisel ermordet – für Thomas wird die Situation immer brenzliger, immer gefährlicher, Annika muss sich beeilen.

Obwohl sie sich schrecklich um Thomas sorgt, nagen die ersten Zweifel an ihr: Wieso ist er eigentlich mit dieser Delegation nach Afrika geflogen? Hat es mit der jungen, gutaussehenden Frau zu tun, die dabei war? Betrügt Thomas sie gar wieder? Immer mehr fühlt sie sich zu Thomas‘ Kollegen hingezogen – was ist hier bloß los?

In einem anderen Handlungsstrang begleiten wir Anders Schyman, Annikas Chef beim Abendblatt, der die Lösegeldsumme aus Zeitungsgeldern erheblich aufstockt, wenn Annika verspricht, ihm eine Exklusivgeschichte zu liefern. Zeitgleich versucht er, die Auflage durch die Berichterstattung über die toten Frauen in die Höhe zu pushen, merkt aber, dass er gar nicht mehr der Richtige ist für den Job und reicht kurzerhand seine Kündigung ein.

Spätestens jetzt wird klar, dass Liza Marklund sich offensichtlich nicht entscheiden konnte, worüber sie überhaupt schreiben will – sollte es ein Buch über einen Entführungsfall werden? Oder über die Sensationsgier der Journalisten? Oder über einen vermeintlichen Serienmörder, der in Schweden Frauen tötet? Die Geschichte franst total aus, mal liefert uns Marklund neue Infos zu den toten Frauen, dann aber geht es über weite Strecken wieder um Thomas‘ Entführung. Als sie schließlich noch beginnt, Anders Schymans Zwiespalt zu thematisieren, reichte es mir komplett. Aus meiner Sicht hätte sie sich mal für ein Thema entscheiden und sich darauf konzentrieren sollen. Dadurch, dass die Serienmorde nur nebenbei abgehandelt werden, bleibt diese Geschichte völlig nebulös, und gleichzeitig bremst sie den eigentlichen Handlungsstrang rund um Thomas‘ Entführung komplett aus.

Sehr wirr fand ich auch die Handlungen der einzelnen Charaktere – man muss schon sehr gut in der Geschichte um Annika Bengtzon drinstecken, um Liza Marklund folgen zu können, denn sie selbst praktisch alles aus Annikas Vergangenheit voraus, wiederholt lediglich mehrfach, dass ihr Exfreund Sven einst ihr kleines Kätzchen ermordet hat, aber alles andere wird vorausgesetzt. Kennt man andere Bücher aus der Reihe, wird einiges klarer, aber wer direkt mit diesem Buch einsteigt, dürfte komplett verwirrt sein: Welche Kämpfe ficht Annika mit ihrer Mutter und ihrer Schwester aus? Was ist da in ihrer Ehe mit Thomas los? Und was ist das für ein Häuschen, das abgebrannt ist? Nichts davon klärt Liza Marklund auf, dieses Wissen muss man aus früheren Romanen mitbringen. Vor dem Hintergrund von Annikas Vorgeschichte wird vielleicht halbwegs verständlich, wie merkwürdig sie manchmal reagiert, dass sie plötzlich mit Jimmy Halenius in die Kiste springt und vor allem, wie sie am Ende des Buches reagiert. Ich fand das alles nicht sonderlich glaubwürdig. Besonders lächerlich fand ich Annikas Verhalten in Afrika. Anders Schyman hat ihr unter anderem aufgetragen, ein Videotagebuch zu drehen. In Afrika allerdings bringt Annika sich und ihre Begleitung zweimal in eine sehr brenzlige Lage, weil sie in den dämlichsten Situationen ihre Videokamera rauskramt. Hier benimmt sie sich dermaßen dämlich, dass ich das nicht mehr nachvollziehbar fand-

Auch Anders Schymans Verhalten fand ich schwer zu durchschauen, für mich kam seine Kündigung aus heiterem Himmel, irgendwie passte der Handlungsstrang rund um seine Karriere, sein Tun und Wirken beim Abendblatt überhaupt nicht hierher.

_Was für ein Flopp_

Es bleibt dabei: Entweder ich versinke komplett in Liza Marklunds Büchern oder sie langweilt mich mit ihren Geschichten halb zu Tode. Letzteres war leider bei ihrem neuesten Werk der Fall. Hätte sie sich auf den Entführungsfall, der wirklich über weite Strecken auch spannend und ergreifend ist, in den Mittelpunkt gestellt und alles Drumherum weggelassen, hätte ein spannendes Buch draus werden können. So aber zerfasert die Handlung komplett, mir ist bis zum Schluss nicht klar geworden, was der Fall um den Serienmörder hier zu suchen hatte und auch diese ganze Diskussion rund um die Auflage der Zeitung, fand ich einfach nur überflüssig. Sehr schade, dieses Buch hatte definitiv Potenzial, aber aus meiner Sicht verschenkt Liza Marklund das komplett!

|Gebunden mit Schutzumschlag, 384 Seiten
Originaltitel: Du Gamla, du fria
Aus dem Schwedischen von Anne Bubenzer, Dagmar Lendt
ISBN-13: 9783550087523|
http://www.ullsteinbuchverlage.de

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