Remes, Ilkka – Operation: Ocean Emerald

In der Remes-Chronologie ist „Operation: Ocean Emerald“ eigentlich das Kriminal-Debüt seiner Jugendbuchserie. Nachdem die Eindrücke des Zweitwerks aus dieser Reihe jedoch nicht ganz so stark waren wie in den regulären Thriller-Werken des finnischen Bestseller-Autors, waren natürlich einige Zweifel angebracht, was die erste Geschichte um Hauptakteur Aaro Nortamo betrifft. Doch erstaunlicherweise fügen sich die Dinge im ersten jugendlichen Output viel harmonischer zusammen als in der etwas durchwachsenen Nachlese, so dass Chronologie-Brüchige sich nicht abhalten lassen sollten, auch hier mal einen Blick oder zwei zu riskieren!

_Story_

Eigentlich hätte alles so schön sein können: Nachdem Aaro und sein bereits erwachsener Freund Niko die Papiere einer französischen Touristin beim Fund eines rätselhaften Koffers aufspüren, beschließt das Duo, den Fund alsbald in Geld umzusetzen. Aaro erfährt, dass sich die Dame an Bord der |Ocean Emerald|, einem Kreuzfahrtschiff, das gerade in Helsinki angelegt hat, befinden soll, und schleust sich selbst auf dem Luxusliner ein, um die Prämie zu kassieren.

Doch bevor sich der Sohn des gewieften Interpol-Mitarbeiters Timo Nortamo versieht, gerät er in die Fänge einer Verbrecherorganisation, die Unmengen an Sprengstoff auf das Schiff geschafft hat und nun droht, es in die Luft zu sprengen. Mit ein wenig Geschickt gelingt es Aaro zwar, das Funkverbot zu umgehen und Timo eine Nachricht zu senden, aber mit jeder weiteren Seemeile, die die |Ocean Emerald| hinter sich lässt, gerät das Kreuzfahrtschiff mehr zur tickenden Zeitbombe – und niemand weiß wirklich, was die Bande im Schilde führt und welche Motive hinter dem angedrohten Anschlag stehen …

_Persönlicher Eindruck_

Obschon der Anfang von „Operation: Ocean Emerald“ ähnlich zäh verläuft wie im nachfolgend aufgelegten [„Schwarze Kobra“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5937 erhält man viel schneller Zugang zu den Hauptcharakteren und lernt derweil auch, den zuletzt eher stumpf ausgearbeiteten Aaro Nortamo relativ bald in seiner Funktion als jugendlicher Hauptermittler und risikofreudiger Held zu akzeptieren – und zu schätzen. Der junge Nortamo handelt zwar manchmal kopflos und hat bei seinen riskanten Manövern auch immer das Quäntchen Glück, das in einem Erwachsenenroman sicherlich nicht so gebündelt auftreten würde, schafft es aber nun viel besser, die Handlung auf seinen Schultern zu tragen.

Remes spielt seinem Liebling diesmal aber auch viel bessere inhaltliche Pässe zu; die gesamte Situation wirkt bedrohlicher, einfach ernsthafter strukturiert, so dass man selbst in den flotteren, actionbetonten Passagen des Romans nicht ständig auf ein Happyend fixiert ist. Die Geschichte bekommt einige unberechenbare Züge, die unter anderem auch auf die akzentuierter ausgearbeiteten Wechsel zurückzuführen sind. Das Blatt wendet sich gleich mehrfach, und auch wenn man mit Aaro mitfiebert, sieht man sich als Leser immer wieder neuen Ausgangssituationen ausgesetzt, durch deren stete Brisanz das Spannungsniveau die gewohnten Remes-Höhen erreicht. Insofern ist bei „Operation: Ocean Emerald“ also schon mal alles im Lot.

Die Story selber bietet ein ganz anständiges Potenzial, wenngleich sie durch die jugendlichere Sprache und die nur geringfügig ausgeprägte Komplexität des Handlungsapparats natürlich noch einmal entschärft wird. Allerdings bekommt man nie den Eindruck, dass hier zunächst die Zielgruppe und erst dann die Story im Fokus stand, als das Manuskript erarbeitet wurde. Und dieser Punkt wirkt sich noch einmal zusätzlich auf die Harmonie aus, mit der die Story voran fließt, und die auch dafür bürgt, dass das komplette Konstrukt schlüssig und – vor dem Hintergrund eines Jugendbuchs – gleichzeitig knallhart ist! Gerade dieser harte finnische Akzent, den Remes in „Operation: Ocean Emerald“ kaum dezenter einarbeitet als in seinen brutaleren Thriller, ist es, der hier den Grundstein für ein typisches Werk dieses Autors legt und dessen gute Handschrift würdig vertritt. Na also, geht ja doch!

Vielleicht ist es daher auch gut, dass der Rezensent die beiden Jugendbücher aus Remes‘ Feder in der genannten Reihenfolge gelesen hat, denn anders herum wäre die Enttäuschung wohl zu groß gewesen. Fakt ist, und das zeigt „Operation: Ocean Emerald“ ganz deutlich, dass der finnische Star-Schreiber sich auch im Jugendbuch-Sektor heimisch fühlt und in seinem ersten Buch vor diesem Hintergrund gleich voll und ganz überzeugt!

http://www.ilkka-remes.de
http://www.dtv.de
http://www.ilkkaremes.com

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