Vaughan, Brian K. / Guerra, Pierra / Marzan jr., José – Y: The Last Man 3 – Ein kleiner Schritt

Band 1: [„Entmannt“ 3282
Band 2: [„Tage wie diese“ 3586

_Story_

Nach der unheilvollen Begegnung mit den Amazonen befinden sich Yorick, Dr. Mann und Agentin 355 weiterhin auf der Flucht vor denjenigen, die die Jagd auf den letzten verbliebenen Mann eröffnet haben. Auf einer Zugfahrt treffen sie dabei auf die kasachische Agentin Natalya, die mit einer Riesenüberraschung aufwarten kann: Ein russischer Astronaut und ein amerikanischer Kollege befinden sich gemeinsam mit einer Wissenschaftlerin an Bord der Raumkapsel Sojus und werden in unmittelbarer Zukunft zurück in die Erdatmosphäre treten.

Die Gefährtin und ihre Begleiterin aus Kasachstan reisen zur vermeintlichen Landestelle der Kapsel und treffen dort auf zwei weitere namhafte Wissenschaftlerinnen, die das Team sofort willkommen heißt. Doch kurz bevor die Raumfahrer sich ankündigen, kommt es zu einem erneuten Eklat. Eine israelische Söldnerinnen-Truppe greift das Lager aus einem Hinterhalt an und entführt Yorick. Aus Verlegenheit berichtet 355 den Radikalen von der Ankunft zweier weiterer Männer, in der Hoffnung, Yorick im Austausch dafür zurückzubekommen. Doch statt ihm wirklich zu helfen, bedroht sie hiermit alles männliche Leben, das auf dieser Welt noch existiert.

_Meine Meinung_

Auch im dritten Band von „Y – The Last Man“ zeigt sich Autor Brian K. Vaughan äußerst erfinderisch und integriert Inhalte und Ideen in seinen außergewöhnlichen Plot, die einerseits vollkommen nahe liegen, andererseits aber auch wieder so originell wirken, dass man dem Erschaffer der Geschichte um die entmannte Welt ein großes Lob aussprechen muss.

Die Story beginnt dabei ähnlich fulminant, wie sie in der Schlacht gegen die Amazonen endete; Yorick und seine Begleiterinnen machen Bekanntschaft mit einer kasachischen Reisenden und erfahren, dass der junge Mr. Brown ggf. doch nicht der letzte Mann auf Erden ist. Eine Weltraumkapsel, die seit Monaten zur Landung überfällig ist, schwebt nach wie vor in der irdischen Umlaufbahn und verharrt doch auch, weil die Insassen fürchten, ihre Rückkehr mit dem Tod durch die Seuche zu bezahlen. Von dieser Neuigkeit in ihrer Motivation bekräftigt, folgen Agentin 355, Dr. Mann, Yorick und dessen Äffchen Ampersand der Osteuropäerin auf ihrer Fährte in das Geheimlabor der beiden Hartle-Schwestern Heather und Heidi.

Dort finden sie nicht nur Unterschlupf, sondern auch weitere Informationen über die Befindlichkeit der längst überfälligen Astronauten. Jene bereiten sich mittlerweile auf ihre oft verschobene Rückreise vor, angetrieben durch das Problem, dass die Gerätschaften langsam nicht mehr über die nötigen Energiekapazitäten verfügen. Nichts ahnend treten sie in die Erdatmosphäre ein, werden dort aber ebenso wie Yorick und Co. Opfer einer militanten Gruppe israelischer Söldnerinnen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Schicksal der Männerwelt selber in die Hand zu nehmen. Denn Yorick zu besitzen, heißt unter den aktuellen Bedingungen auch, Macht zu haben. Daher möchte die kriegerische Einheit den Krieg schon gewinnen, bevor er überhaupt angefangen hat. Und dabei ist ihnen jedes Opfer recht, schließlich ist ihr Besitz nur dann wirklich einmalig, wenn die verbleibenden Optionen, also die beiden männlichen Astronauten, ausgeschaltet sind.

Brian K. Vaughan lässt es im dritten Teil mit dem Untertitel „Ein kleiner Schritt“ mal wieder in allerlei Hinsicht krachen. Die einerseits beklemmende, andererseits aber auch wieder paradiesisch anmutende Stimmung, die sich wie ein Wechselbad durch den gesamten Plot zieht, hält auch hier weiter an und bringt die drei Hauptakteure von einer nervenaufreibenden Situation in die nächste. Ist es zunächst das seltsame Aufeinandertreffen mit Natalya bzw. die gehaltvolle Nachricht, welche die Dame aus Osteuropa überbringt, kommen später brisante politische Inhalte hinzu und erweitern das thematische Spektrum von „Y – The Last Man“ um eine weitere interessante Nuance.

Diesbezüglich hatte der Autor bereits im vergangenen Band einige Andeutungen gemacht, nun aber zeichnet er ein exaktes Bild davon, wie radikal die Beteiligten versuchen, den außergewöhnlichen Aspekt dieser Extremsituation für sich zu nutzen und mit dem Besitz des einzig verbliebenen Mannes das Weltgeschehen zu kontrollieren. Yorick ist sich dessen indes immer noch nicht bewusst und stattdessen stets zu Scherzen aufgelegt. Er überspielt seine Sonderrolle mit einem gesunden Humor und glaubwürdigem Zweckoptimismus, denn wirklich wichtig sind ihm nur zwei Dinge: seine Freundin wiederzufinden und endlich wieder zur Ruhe zu kommen.

Daran ist jedoch vorerst nicht zu denken, denn in immer größeren Kreisen scheint bekannt zu werden, dass die Katastrophe über eine Ausnahme hinweggesehen hat. Yorick läuft immer mehr Gefahr, zum Spielball verschiedener Interessengemeinschaften und schließlich auf überregionalem Gebiet zum Zünglein an der Waage der internationalen Machtansprüche zu werden. In der dritten Folge ist ihm diese zweifelhafte Ehre sogar mehrfach beschieden, was an anderer Stelle dazu führt, dass den verschollenen Astronauten nur noch eine geringfügige Bedeutung innerhalb der Machtpolitik der beteiligten Staaten zukommt. Es geht in der gesamten Geschichte nur noch um die Verteilung von Macht bzw. darum, diese vor den falschen Vertretern fernzuhalten, und auch wenn sich die Begleiterinnen von Yorick Brown dieser Tatsache bewusst sind, so können sie zu zweit insgesamt doch nur wenig ausrichten – und müssen tatenlos zusehen, wie das militante Ensemble die neuesten Informationen zu einem Attentat auf das im Landeanflug befindliche Raumschiff nutzt.

So geht die Flucht schließlich weiter, mit unbestimmtem Ziel, unbekannten Größen auf der Gegenseite und hoffentlich auch mit demselben unverhältnismäßig großen Glück, das der junge Brown bislang gepachtet hat. Die Faszination für die Situation bleibt indes auch im dritten Teil erhalten, unter anderem dadurch begünstigt, dass Vaughan einige überragende Charakterzeichnungen erstellt und die Geschichte weiterhin mit außergewöhnlichen Szenarien versorgt hat, die den Mix aus skurrilen Inhalten und einer (in diesem Fall sogar recht großen) Prise Gesellschaftskritik sehr schön zur Geltung kommen lässt. Die Attribute ‚amüsant‘, ‚unterhaltsam‘, ’spannend‘ und ‚vielschichtig‘ bleiben also auch bei „Ein kleiner Schritt“ stilprägend und verhelfen der dritten deutschen Ausgabe zum Status der exzellenten Fortsetzung einer elegant inszenierten, authentisch wirkenden Gesamtstory.

[Verlagsseite zur Serie]http://www.paninicomics.de/?s=gruppen&gs__gruppe=10452

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