Glenda Larke – Trügerisches Licht (Der Bund der Illusionisten 2)

Der Bund der Illusionisten:

Band 1: „Flüsternder Sand“
Band 2: „Trügerisches Licht“
Band 3: „Brennender Wind“ (15.07.2013)

Ligea hat trotz ihrer Liebe zu Temellin und obwohl sie ein Kind von ihm erwartet auf ihr Geburtsrecht, die Herrschaft über Kardiastan, verzichtet und ist nach Tyrans zurückgekehrt. Sie will sich nicht nur persönlich am Exaltarchen Bator Korbus und seinem Vorsteher Rathrox Ligatan rächen, sie will ganz Tyrans umkrempeln: die Sklaverei abschaffen, die eroberten Provinzen in die Freiheit entlassen … ein Mammutprojekt, und teuer obendrein! Sie muss schnell sein, denn sobald Favonius‘ Nachricht von den Ereignissen in der Illusion Tyr erreicht, wird der Exaltarch versuchen, ihren Besitz zu beschlagnahmen. Doch ihr Vermögensverwalter ist gar nicht glücklich über Ligeas Pläne …!

Tatsächlich ist Ligeas Vorhaben eigentlich kaum in die Tat umzusetzen. Zwar ist Ligea realistisch genug, um langfristig zu denken, gleichzeitig ist das aber auch das größte Manko des Plans, worauf ihr designierter General Gevenan sie gleich zu Beginn hinweist. Denn Ligea sammelt ja nicht eine Bevölkerung um sich, die ohnehin schon mit ihrer Regierung unzufrieden ist und sich deshalb leicht rekrutieren lässt. Sie baut ihre Rebellion auf Sklaven auf: Menschen, die nicht aus Tyrans stammen, sondern dorthin verschleppt wurden, und die nun von ihren Besitzern überwacht werden. Deshalb muss Ligea ihre künftigen Soldaten erst einmal befreien und vor Verfolgung durch tyrannische Soldaten in Sicherheit bringen. Und dann muss sie sie auch noch überzeugen, ihrer Armee beizutreten, anstatt in ihre Heimatländer zurückzukehren. Zu guter Letzt muß eine Armee, die auf zehntausend Mann anwachsen soll, erst einmal verborgen, verpflegt und ausgebildet werden. Und nicht nur die Armee selbst, sondern auch die Frauen und Kinder, denn natürlich befreit Ligea nicht nur die Männer und läßt alle anderen zurück!

Kaum vorstellbar, daß es Ligea tatsächlich acht Jahre lang gelingt, unentdeckt und nahezu unbehelligt zu bleiben! Dem im Grunde doch so gerissenen Rathrox gelingt es nicht, die Stützpunkte der Rebellen aufzuspüren. Dabei sollte das für jemanden, der nahezu überall Informanten hat, nicht allzu schwierig sein. Immerhin können Zehntausend Menschen nicht einfach vom Erdboden verschwinden, sie müssen irgendwo unterkommen. Wenn sich also auf einmal immer mehr verlassene Dörfer und Gehöfte in einer Region plötzlich mit neuen Bewohnern füllen, muß das doch irgendjemandem auffallen. Da sowohl Rathrox als auch Favonius nicht die geringsten Skrupel haben, wie das Schicksal des Dorfes Prianus beweist, hätte es ihnen ein leichtes sein sollen, die Zwingburg zu finden. Im Grunde war das nur eine Frage des Aufgebots: Ein paar mehr solcher Trupps, die gleichzeitig und systematisch sämtliche Bewohner des Grenzgebietes auf dieselbe Weise befragt hätten, hätten die Sache sicherlich sehr beschleunigt.

Ebenso erstaunlich, dass es Ligea offenbar so leicht fiel, die Forts der Legionen oder die Sklavenhändler zu überfallen und auszuplündern. Ist denn in all den Jahren niemand auf den Gedanken gekommen, die Fortbesatzungen zu vergrößern, oder sich für die Karawanen Begleitschutz anzuwerben? Ich muss sagen, insgesamt ging mir das alles irgendwie zu leicht. Ligea verliert zwar in den ständigen Scharmützeln gelegentlich Männer, muss aber keinen einzigen echten Rückschlag einstecken.

Immerhin sind die Kniffe, mit denen Ligea die Sklaven aus Tyr aus der Stadt bringt, sowie die Wege, auf denen sie ihre Armee insgeheim zur Eroberung zurück nach Tyr bringt, durchaus interessant, die Schlacht um Tyr selbst wiederum ist zwar eine turbulente Angelegenheit, aber nicht übermäßig spannend. Der Showdown kommt erst wesentlich später und ist weit kniffliger und unspektakulärer, und auch viel spannender.

Auslöser dafür ist Arrent, Ligeas Sohn, dessen Entwicklung der Leser neben den Ereignissen des Aufstands über die Jahre mitverfolgt. Tatsächlich ist es so, dass Arrent Ligea als Hauptperson nahezu ersetzt hat, sie wird jetzt größtenteils aus seiner Sicht beschrieben. Das Tempo der gesamten Geschichte richtet sich nach seinem Aufwachsen aus. Da Arrent zu Beginn des Buches noch nicht geboren, am Ende aber bereits dreizehn Jahre alt ist, sind Zeitsprünge unvermeidlich. Das stört aber nicht weiter, denn Glenda Larke hat sie durch die Aufteilung des Buches deutlich kenntlich gemacht. Der einzige Buchteil, der auch in sich Zeitsprünge enthält, ist glatt und fließend gestaltet, und da die Autorin nicht mehr in der Ich-Form erzählt, wechselt gelegentlich auch die Erzählsicht, sodaß die einzelnen Etappen in den übrigen Wechseln einfach aufgehen.

Die Loslösung von der Ich-Form hat nicht nur zu mehr Komplexität geführt, es hat auch der Handlung als solcher gut getan. Denn Arrent als neue Hauptfigur ist nur am Rande Zeuge der Rebellion. Schließlich ist er noch ein Kind und deshalb nicht am eigentlichen Kampf beteiligt. Weit stärker gewichtet als die Rebellion ist deshalb Arrents persönliche Entwicklung. Vor allem seine Schwierigkeiten im Umgang mit der Magie machen ihm zu schaffen, und als er das erste Mal seinem Vater begegnet, und dieser sich weigert, ihn bei sich zu behalten, fühlt Arrent sich zurückgewiesen und nutzlos. Er schämt sich so sehr dafür, dass er sich immer mehr in sich selbst zurückzieht, und wird dadurch zur leichten Beute für Intriganten.

Dass der Schwerpunkt der Geschichte sich auf Arrant verlagert hat, hat dem Buch sehr gut getan, denn Arrants Charakterentwicklung ist wesentlich glaubwürdiger und realistischer als der so überraschend problemlos verlaufende Aufstand.

Unterm Strich fand ich den zweiten Teil des Zyklus nicht schlechter als den ersten. Auch der enthielt einige Details, die mir unwahrscheinlich vorkamen, aber beide Bände wurden von einer gelungenen Charakterentwicklung der Hauptfigur getragen und boten Spannung. Vielleicht war der erste Band noch etwas stimmungsvoller durch die lebhafte Beschreibung der Örtlichkeiten Kardiastans, ansonsten konnte der Nachfolger problemlos mit seinem Vorgänger mithalten. Und wer die magischen Aspekte der Illusion und der Verheerung eventuell etwas vermisst hat, der kann sich damit trösten, dass sie im dritten Band wohl im Zentrum der Ereignisse stehen werden.

Glenda Larke stammt aus Australien und wollte schon als Kind Schriftstellerin werden. Zunächst kamen jedoch eine Heirat und ein Lehrerberuf dazwischen. Bei einem längeren Aufenthalt in Wien kehrte die Lust am Schreiben zurück, seither hat die Autorin den Einzelroman „Havenstar“ sowie die Trilogien Die Inseln des Ruhms und Watergivers geschrieben, wobei Letzterer auf Deutsch bisher nicht erhältlich ist. „Flüsternder Sand“ ist der erste Band der Trilogie Der Bund der Illusionisten, der dritte Band erscheint im Juli unter dem Titel „Brennender Wind“. Die nächste Trilogie mit dem Arbeitstitel Sorcery and Spice ist bereits in Arbeit.

Taschenbuch 670 Seiten
Originaltitel „The Mirage Makers 2:  The Shadow of Tyr“
Deutsch von Susanne Gerold
ISBN-13: 978-3-442-26797-2

www.glendalarke.com
www.randomhouse.de/blanvalet

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