John Grisham – Theo Boone und der unsichtbare Zeuge

Die Handlung:

Theo Boone, Anwaltssohn mit ausgeprägtem Sinn für Recht und Gerechtigkeit, löst die schwierigsten Fälle – und er ist erst dreizehn! Als in seinem Heimatstädtchen Strattenburg, Louisianna, ein Aufsehen erregendes Verbrechen geschieht, ist Theo wie elektrisiert – nun endlich kann er aus nächster Nähe einen großen Prozess verfolgen. Es scheint das perfekte Verbrechen zu sein, und schnell zeichnet sich ab, dass der Angeklagte seiner gerechten Strafe entkommen wird. Doch niemand hat mit Theo gerechnet: Er allein weiß, dass es einen Augenzeugen gibt …
(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

John Grisham hat ein Jugendbuch geschrieben? Kann er das überhaupt? Überfordert das nicht den jugendlichen Leser/Hörer? Wenn man mal seine ganzen Justiz-Romane mit den knackigen Zwei-Wort-Titeln betrachtet: „Die Firma“, „Die Akte“, „Der Anwalt“ … könnte man das leicht annehmen. Und, warum taucht sein erstes Jugendbuch auf seiner offiziellen Homepage gar nicht auf? An der mangelnden Aktualität der Seite liegt es nicht.

Aber an der Qualität des Romans liegt es zum Glück auch nicht. Mit einer die Zielgruppe nicht überfordernden Schilderung der Zusammenhänge, schafft es der Autor auch mit „einfacher“ Sprache, den Leser/Hörer für das zu interessieren, was Grisham erzählen möchte. Sicher nicht jeder Jugendliche wird sich mit seinem Helden, Theodore Boone, identifizieren können, aber, vielleicht ist das auch nicht die Absicht gewesen. Eher scheint das Leben, das Theo führt, immer umgeben von Anwälten, Richtern und Prozessen, eine Alternative zu ständigem Fernsehkonsum oder Computerspielen zu sein. Denn Theo hat Spaß daran, ist dennoch gut in der Schule und kann seine Mitschüler in rechtlichen Fragen sogar beraten.

Unfreiwillig wird er in diesem Roman in den größten Mordprozess von Strattenburg hineingezogen. Theo weiß nämlich, dass es in diesem Fall einen Augenzeugen gibt, dessen Aussage beweisen könnte, dass ein Mann seine Frau wegen einer Versicherungspolice selbst ermordet hat. All diese Umstände und deren Auflösung werden für Heranwachsende spannend und ohne große Gewaltdarstellungen erzählt. Es soll ein Jugendbuch sein und es ist ein Jugendbuch. Auch Erwachsene, die dennoch das Abenteuer mit Theo erleben möchten, werden gut unterhalten, wenn sie keinen Psycho-Thriller oder komplizierte Justiz-Beschreibungen erwarten.

Das Hörerlebnis:

Ich gehe davon aus, dass der Verlag Oliver Rohrbeck als Sprecher ausgesucht hat, weil seine Paraderolle als Justus Justus von den „Drei Fragezeichen“ schon Ähnlichkeiten zur Figur Theo Boone zeigt. Beides sind aufgeweckte Jungen, auch wenn Justus ein sympathischer Klugscheißer und Theo einfach nur sympathisch ist.

Allerdings wurde meine Vorfreude auf Rohrbeck schon nach wenigen Sätzen geplättet. Er liest den Text ab, natürlich tut er das, aber der Hörer merkt das auch und das darf nicht sein. Denn es klingt auch abgelesen, wie ein Märchen-Onkel, der ruhig und in immer gleichem Tempo die Geschichte aus einem dicken Märchenbuch vorliest. Außerdem klingt er, als würde er zu einem Kleinkind sprechen und nicht zu einem 13-Jährigen.

So kommt leider manchmal nur wenig Spannung auf, wenig Hektik und Dramatik, wenig Abenteuer-Feeling, wenig echter Spaß … Rohrbeck liest fast immer in der gleichen Geschwindigkeit, und oftmals klingt es sogar, als würde er sich selber bremsen. Bei wörtlicher Rede allerdings blitzt das Talent von Oliver Rohrbeck auf, auch eine Menge Schauspiel vor dem Mikro abliefern zu können. Wenn sich die Charaktere unterhalten, dann wird das Hörbuch lebendig und Rohrbeck zeigt, was er kann. Im Vergleich zu seinen beiden Detektiv-Kollegen Fröhlich und Wawrczek, die auch Hörbücher gelesen haben, zeigt sich hier aber auch, dass Rohrbecks Stärken absolut in den Dialogen liegen. Als Hörspielsprecher und Synchronsprecher ist er klasse, aber bei dieser Lesung fehlt ihm leider häufig diese Lebendigkeit.

Der Sprecher:

Oliver Rohrbeck (* 21. März 1965 in Berlin) ist ein deutscher Schauspieler, Hörspielsprecher, Synchronsprecher und Hörbuchinterpret. Darüber hinaus ist er als Dialogregisseur und Dialogbuchautor tätig. Bekannt wurde Rohrbeck vor allem durch seine Rolle des ersten Detektivs Justus Jonas in der Europa-Hörspielserie |Die drei Fragezeichen|. Seit 1998 ist Rohrbeck die feste deutsche Synchronstimme des US-amerikanischen Schauspielers Ben Stiller
(Quelle: wikipedia)

Die Ausstattung:

Eine Jewel-Case-Box, aus der die vier grünen, mit weißem Titel bedruckten CDs leicht aus den Trays zu entnehmen waren. Das beiliegende Booklet ist ein einfaches Faltblatt, in dem drei „Steckbriefe“ mehr Infos zu den beteiligten Personen geben: Theo Boone, John Grisham und Oliver Rohrbeck.

Mein Fazit:

Grisham hat es geschafft, ein Justiz-Jugendbuch zu schreiben, das nicht langweilig und für Jugendliche nicht überfordernd ist. Leider hat es Oliver Rohrbeck nicht immer geschafft, seine Qualitäten aus dem Synchron- und Hörspielgeschäft auf diese Lesung zu übertragen.

Der Hörspiel-Fan weiß, was Rohrbeck abliefern kann und möchte ihn oftmals beim Vortrag antreiben. Dennoch ist es beileibe keine schlechte Leistung und das Hörbuch ist auf jeden Fall zu empfehlen, gerade weil die Story gut ist.

Gekürzte Lesung auf 4 Audio-CDs
Gesamtspielzeit: 292 Minuten
Originaltitel: Theodore Boone: Kid Lawyer (2010)
Gesprochen von Oliver Rohrbeck
ISBN-13: 978-3837107388
www.randomhouse.de/cbjaudio

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