Kurt Vonnegut – Galápagos

Die merkwürdigen Folgen des Antifrauenbakteriums

Ein weiterer Roman vom Ende der Welt, wie wir sie kennen. Ein ähnliches Szenario wie es Vonnegut bereits in „Katzenwiege“ und „Zeitbeben“ mit Erfolg zum Einsatz gebracht hat. In „Galapagos“ ist jedoch alles noch einen Dreh merkwürdiger: Es ist ein Rückblick aus einer Zukunft, die eine Million Jahre entfernt ist.

Der Autor

Der amerikanische Autor Kurt Vonnegut jr. wurde 1922 am Tag des Waffenstillstands, dem 11.11., geboren. Wie man seinem Namen schon entnehmen kann, ist er deutscher Abstammung. Seine Eltern lebten in Germantown, einem Ortsteil von Indianapolis, und entsprechend war auch sein Umfeld von deutschen Traditionen geprägt.

Wenn es nach Familientradition gegangen wäre, dann hätte auch Kurt Architekt werden müssen. Doch da die Branchenaussichten schlecht waren, zog er zunächst den Militärdienst vor. Allerdings wurde er erst 1944 in den Einsatz geschickt. Er wurde mit seinem Bomber abgeschossen und kam in Kriegsgefangenschaft nach Dresden. Doch erlebte er im Februar 1945 den alliierten Bomberangriff, der die Stadt in Schutt und Asche legte. Dies erzählt er eindrucksvoll in seinem verfilmten Roman „Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug“ sowie in „Mutter Nacht“.

Nach seiner Rückkehr in die USA heiratet Kurt am 1.9.1945 seine Jugendliebe Jane Marie Cox, zieht mit ihr nach Chicago, um Anthropologie zu studieren, beginnt als Reporter zu arbeiten und zieht 1947 nach Schenectady an der Ostküste, um als Public-Relations-Mann für den Konzern General Electric zu arbeiten. Das ist eine ganz neue, ganz andere Welt für ihn. Dass sein Bruder Bernard in der Forschungsabteilung arbeitet, hält Kurt nicht davon ab, die Atomwaffenproduktion des Rüstungskonzerns aus tiefstem Herzen abzulehnen. Ab 1949 betrachtet er sich als Schriftsteller und verkauft die ersten Stories und Artikel. Er kündigt den GE-Job 1951 und zieht nach Cape Cod, Massachusetts.

Bis heute hat Vonnegut über ein Dutzend Romane geschrieben, Dutzende von Kurzgeschichten veröffentlicht sowie einige Theaterstücke produziert. Einiges davon wurde aufgeführt, verfilmt, in eine Oper („Schlachthof 5“) umgearbeitet und vieles mehr. In den neunziger Jahren erklärte Vonnegut, er wolle nicht mehr schreiben. Zuletzt erschien auf Deutsch im Jahr 2006 jedoch das Erinnerungsbuch „Mann ohne Land“ (Pendo-Verlag). Er starb am 11. April 2007.

Handlung

Die Sache war nämlich folgendermaßen: Vor einer Million und einem Jahr erschien der neueste Roman von einem gewissen Kurt Vonnegut. Er beschrieb das Leben der heutigen Menschheit und wie das damals A.D. 1988 – also vor einer Mio. Jahren – alles anfing.

Mittlerweile gibt es die Menschen nur noch auf den wenigen Galapagos-Inseln. Mit ihren Flossen, den kleinen Köpfen und ihrem pelzartigen Fell sind sie dem Prinzip des Überlebens allemal dienlicher, als sie es anno dunnemals waren.

In jener längst entschwundenen Epoche der „großen Gehirne“ lebten diese Menschen in einer Gemeinschaft namens Zivilisation, deren Zusammenhalt sich vor allem auf Geld gründete. Als anno ’88 dieses Geldsystem zusammenbrach, zerfiel logischerweise auch die Zivilisation. Fast gleichzeitig machte ein neues Bakterium alle Frauen unfruchtbar. Die Geschichte wäre damit eigentlich zu Ende, wenn da nicht…

…eine Kreuzfahrt nach Galapagos hätte stattfinden sollen. Das Schiff sollte in Guayaquil am Äquator ablegen. Eingeladen waren Jackie Onassis, Mick Jagger, usw. – jedenfalls alles, was Rang und Namen hatte. Etwas unbedeutender: Mary Hepburn, Witwe; Hisako Hiroguchi, schwangere Japanerin; Selena MacIntosh, eine blinde junge Frau, sowie sechs kleine Kanka-bono-Mädchen, die letzten Überlebenden ihres afrikanischen Stammes.

Nach dem Untergang der Zivilisation sagten natürlichen Ränge und Namen ab, übrig blieben nur die genannten neun Frauen sowie Kapitän Adolf von Kleist von der „Bahia de Darwin“. Als das Hotel von der Luftwaffe Perus angegriffen wird, machen sich diese zehn auf der „Bahia“ aus dem Staub und schippern gen Westen, bis sie durch einen mehr oder weniger glücklichen Zufall vor der Insel Santa Rosalia im Galapagos-Archipel auf Grund laufen.

Geschützt vor dem Antifrauenbakterium, von dem sie nichts wussten, vergessen von einer Menschheit, die sich Wichtigeres zu kümmern hat als um neun verschwundene Frauen, gründet Kleist das neue Menschengeschlecht. Von ihm und der kleinen Akiko, der leicht mutierten Tochter Hisakos, stammen alle heutigen Menschen ab. Und dafür dürfen wir dankbar sein, bewahrt es uns doch vor den schrecklichen Folgen, die große Gehirne so mit sich bringen. Unsere neue Zivilisation wird so bald nicht untergehen!

Unterm Strich

Diese witzige Geschichte der modernen Menschheit, die sich zunächst nach einer feuchten Männerphantasie anhört, ist mit heiterem Zynismus geschrieben, der seine humanistischen Züge nicht versteckt. Vonnegut erzählt in seiner bekannt fahrigen Art und Weise, nämlich in der Cut-up-Erzählweise, die er (und viele weitere Autoren) sich von der Montagetechnik des Films abgeguckt haben. Das erlaubt es ihm, in kurzen Bemerkungen die Lebensgeschichten der Haupt- und Nebenpersonen ebenso einfließen zu lassen wie Zitate aus Literatur und Geschichte. Dass er sich über das künftige Menschengeschlecht ebenso lustig macht wie über das heutige, steht einem Hofnarren gut zu Gesicht.

Zu beanstanden ist lediglich die winzige Schrifttype, die auch in der Goldmann-Taschenbuchausgabe verwendet wurde. Sie ist maximal 6-8 Punkt hoch und eine Zumutung für die Augen.

Mehr Details und Infos zum Buch findet man in der englischen Wikipedia.

Taschenbuch: 254 Seiten
Originaltitel: Galapagos, 1986;
Aus dem Englischen von Lutz-W. Wolff
ISBN-13: 9783442096244

www.randomhouse.de

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