Robert Jackson Bennett – Die Stadt der toten Klingen (Die göttlichen Städte 2)

Die göttlichen Städte

Band 1: Die Stadt der tausend Treppen“
Band 2: „Die Stadt der toten Klingen“
Band 3: „Die Stadt der träumenden Kinder“

Nach den dramatischen Ereignissen in Bulikov ist es Shara gelungen, in das höchste Amt Saypurs aufzusteigen. Doch es gibt eine ganze Menge Leute, die mit ihrer Politik überhaupt nicht einverstanden sind. Und ausgerechnet in dieser angespannten Situation verschwindet eine Agentin, die sie nach Voortyashtan geschickt hat, um ein dort gefundenes, unbekanntes Metall zu untersuchen. Um herauszufinden, was mit der jungen Frau geschehen ist, schickt Shara eine der wenigen Personen, denen sie vollkommen vertraut: Turyin Mulagesh.

Turyin Mulagesh war bereits in Bulikov mit von der Partie, eine der Nebenfiguren mit etwas mehr eigenem Profil: die Frau ist erfahren, zäh und so schnörkellos direkt, dass man es schon grob nennen muss, außerdem ziemlich resigniert. Wie man jetzt im zweiten Band erfährt, ist sie auch traumatisiert, ihre eigenen Taten im vergangenen Krieg bescheren ihr Alpträume. Dass der kommandierende Offizier in Voortyashtan ausgerechnet ihr damaliger direkter Vorgesetzter General Lalith Biswal ist, macht es nicht einfacher!

Die Charakterzeichnung dieser Frau ist wirklich hervorragend gelungen, weit besser als Sharas im ersten Band, wobei eine tiefgründige Darstellung natürlich umso leichter ist, je mehr einschneidende Erfahrungen eine Figur bereits gemacht hat.

Die Situation in Voortyasthan ist einerseits ähnlich wie in Bulikov, andererseits aber wieder völlig anders. Die Sekularisationsregularien wurden gelockert, das Erwähnen von Göttern oder Mirakeln ist daher nicht mehr straftbar. Dennoch ist die Stadt voller Spannungen: Die Dreylinge bauen im Auftrag Saypurs den Hafen Voortyashtans wieder auf. Doch obwohl das Projekt noch weit von einer Fertigstellung entfernt ist, gibt es bereits Gerangel darum, wie der Kuchen einmal verteilt werden soll. Dabei streiten sich nicht nur die einheimischen Stämme untereinander, auch die Dreylinge haben ein starkes Interesse daran, am erwarteten Profit des Hafens beteiligt zu werden.

Den Saypuri als Besatzungsmacht obliegt es, sich um diese Dinge zu kümmern, sprich: sie haben den Vorsitz bei den Stammesversammlungen, was General Biswal gehörig wurm, nicht nur, weil ihn das allgemeine Gezeter nervt, sondern vor allem, weil er als General seine Aufgabe ganz woanders sieht. Außerdem traut er den Stämmen nicht, denn jedes Mal, wenn Vertreter der Stämme nach Voortyasthan kommen, passiert irgendetwas: Nachschubzüge werden überfallen, Sprengstoff verschwindet, Menschen werden ermordet, eine streng geheime Mine stürzt ein.

Mulagesh ist sich allerdings sicher, dass nicht alle diese Ereignisse mit den Einheimischen zu tun haben. Denn das seltsame Metall, das in der zerstörten Mine gefördert wurde, ist bisher gänzlich unbekannt und entwickelt, obwohl es nachweisbar nicht göttlich ist, mirakulöse Wirkungen. Und die verschwundene Agentin hat sich mit diesem Material befasst.

Also beginnt Mulagesh, Nachforschungen anzustellen, und was sie nach und nach entdeckt, wird nicht nur immer bedrohlicher, sondern auch immer unglaublicher! Denn wenn eine Gottheit als nachweisbar tot gilt, dann ist es Voortya! Wie nur soll sie General Biswal davon überzeugen, dass die Einheimischen möglicherweise gar nichts mit all dem zu tun haben?

Während der Leser der alten Generalin dabei folgt, wie sie der Frage, was da wirklich vor sich geht, auf den Grund geht, lernt er nebenher neue Details über die alten Kulte, diesmal vornehmlich den Voortyas, und die Vergangenheit des Kontinents. Die Spannung steigt dabei kontinuierlich mit der wachsenden Bedrohung, und als endlich klar ist, wer dafür verantwortlich ist, schlägt die Handlung einen überraschenden Haken und dreht die Spannungsschraube nochmal ganz gehörig nach!

Um es kurz zu machen: der zweite Band des Zyklus kann mit dem ersten problemlos mithalten. Der Krimiteil ist ähnlich aufgebaut wie im Vorgänger, und doch mit einer Menge neuer, interessanter Aspekte verwoben, sowohl historischer, religiöser als auch persönlicher. Wie in der Stadt der tausend Treppen ist auch hier alles nahtlos miteinander verwoben, der magische Aspekt ist so aufgebaut, dass es zu keinen logischen Widersprüchen kommt, und die Protagonistin passt wie angegossen in das Szenario. Außerdem ist die Geschichte absolut spannend erzählt. Besser kann es eigentlich nicht mehr werden.

Robert Jackson Bennett ist Amerikaner und lebt mit seiner Familie in Texas. Seine Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet, allerdings wurde bisher lediglich der Zyklus Die göttlichen Städte ins Deutsche übersetzt.

Taschenbuch 720 Seiten
Originaltitel: „City of Blades“
Deutsch von Winfried Czech
ISBN-13: 978-3-404-20871-5

http://robertjacksonbennett.com
http://www.luebbe.de/

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