Armintrout, Jennifer – Blutsbande 1: Die Verwandlung

Carries größte Angst ist es zu versagen. Und als sie endlich ihr Ziel erreicht hat und Ärztin ist, wird ihre größte Angst bittere Wahrheit: Als ein völlig verstümmelter Patient in das Krankenhaus eingeliefert wird, ist sie unfähig, diesen zu behandeln. Während sie untätig dasteht, stirbt der Patient.

Um sich ihrer Angst zu stellen, geht Carrie später in den Leichenkeller des Krankenhauses, um sich die Leiche des Patienten noch mal anzusehen. Da kommt es allerdings zu einem Vorfall, der Carries ganzes Leben auf den Kopf stellt: Sie wird von dem Toten angefallen und gebissen, bevor dieser das Weite sucht. Carrie kann trotz der schweren Wunde am Hals gerettet werden, aber seitdem ist ihr Leben nicht mehr so, wie es einmal war. Sie kann weder Hunger noch Durst stillen, tagsüber verbrennt die Sonne ihre Haut und ihre Körpertemperatur will nicht aufhören zu sinken.

Als sie auf den jungen Vampirjäger Nathan trifft, wird ihr Verdacht bestätigt: Sie ist ein Vampir! Außerdem erfährt sie, dass ihr Schöpfer der gefährliche Vampir Cyrus ist. Und schon bald stellt Nathan sie vor die Wahl: Entweder sie schließt sich der so genannten „Bewegung“ an und bekämpft alle Vampire, die sich nicht an gewisse Regeln halten, oder sie muss sterben. Da sie sich zu Nathan hingezogen fühlt, scheint die Entscheidung nicht allzu schwer zu sein, doch das Blutsband, welches sie mit ihrem Schöpfer verbindet, ist stärker als Carries freier Wille …

Es dauert ziemlich lange, bis „Blutsbande 1: Die Verwandlung“ in die Gänge kommt. Zwar sind die ersten paar Seiten nicht uninteressant und machen Lust auf mehr, aber bis die Geschichte richtig losgeht und der Leser auch wirklich gut unterhalten wird, dauert es eine ganze Weile. Auf den ersten 150 Seiten des Buches passiert nicht allzu viel, wenn man Carries Verwandlung nicht mitzählt, und die Geschichte ist bis dahin einfach nur langatmig. Ich musste mich wirklich immer wieder zum Weiterlesen zwingen, da die Geschichte mich überhaupt nicht fesselte, mir die Charaktere nicht besonders sympathisch waren, keine richtige Atmosphäre aufkam und mir anfangs auch nicht klar war, worauf die Geschichte eigentlich hinauswill. Die Story plätschert langatmig vor sich hin und der Wendepunkt, an dem „Blutsbande 1: Die Verwandlung“ interessanter wird, lässt lange Zeit auf sich warten.

Erst später, wenn man das erste Drittel des Buches schon hinter sich gelassen hat, wird die Lektüre interessant. Die Geschichte entwickelt sich in eine Richtung, wie man es von den üblichen, derzeit angesagten Vampirgeschichten nicht gewohnt ist. Die Atmosphäre wird mit fortschreitender Handlung immer bedrückender und düsterer. Carrie wird wegen eines Handels, den sie mit ihrem Schöpfer Cyrus geschlossen hat, bei ihm gefangen gehalten. Während ihres Aufenthaltes in Cyrus‘ Schloss wird nicht nur Carrie, sondern auch der Leser Zeuge von Cyrus‘ abstoßenden und bösartigen Methoden, wie er seine Opfer behandelt und quält. So kann es an der ein oder anderen Stelle der Geschichte schon einmal vorkommen, dass sich beim Leser ein ungutes, bedrückendes Gefühl breitmacht.

„Blutsbande 1: Die Verwandlung“ bietet mehr als das, was man auf den ersten Blick oder beim Lesen der ersten Seiten vermuten könnte. Nicht nur die düstere und beklemmende Atmosphäre, welche sich nach einiger Zeit einstellt, sondern auch einige wirklich gute Ideen, die Jennifer Armintrout in ihre Erzählung eingebaut hat, machen das Buch lesenswert. Sie vermischt die alten Eigenschaften der Vampire mit neuen, die wirklich gut zusammenpassen. So gibt es zwischen dem Schöpfer und dem Zögling ein so genanntes Blutsband, das beide stark zusammenschweißt. Diese Blutsbande spielen auch in „Blutsbande 1: Die Verwandlung“ eine große Rolle, da sie letztendlich alle Schwierigkeiten, die sich in dem Buch auftun, verursachen und für Carrie zu einem großen Verhängnis werden. Ganz zum Schluss hat Jennifer Armintrout noch eine weitere sehr gute Idee eingebaut, die ich aber an dieser Stelle nicht verraten werde.

Dennoch wirken manche Dinge, die Armintrout in ihren Roman integriert hat, doch ein wenig fehl am Platz. So wirkt zum Beispiel die Hexe Dahlia, ein Liebling von Cyrus, eher wie ein Mittel zum Zweck denn als wichtige Persönlichkeit der Geschichte. Die Tatsache, dass sie nur dazu da ist, um die Geschichte richtig in Gang zu bringen, ist einfach zu offensichtlich, und deshalb fällt es schwer, Dahlia irgendwo sinnvoll zuzuordnen.

Die Charaktere, mit denen ich mich anfangs nicht anfreunden konnte, formen sich im Verlauf der Handlung immer besser heraus. Vor allem Carrie wird während der Geschichte zusehends sympathischer. Durch die Ich-Perspektive, in der das Buch geschrieben ist, kommen ihre Gefühle und die Bedeutung der Blutsbande sehr gut zur Geltung, und es fällt dem Leser nach einiger Zeit nicht mehr schwer, mit Carrie mitzufühlen. Ganz besonders gelungen fand ich an den Charakteren, dass Jennifer Armintrout keine durch und durch guten und bösen Charaktere entwickelt hat. Ob nun Carrie, Nathan oder Cyrus – alle Handlungsträger weisen gute wie böse Seiten auf, und diese werden stets so gut begründet dargestellt, dass die Charaktere sehr real wirken. Selbst das Verhalten von Cyrus, der sich wie ein Monster verhält, ist für den Leser nachvollziehbar.

Was mir auch sehr gefallen hat, ist der im Großen und Ganzen nicht vorhersehbare Handlungsverlauf. Zwar kann man sich an manchen Stellen schon denken, wie die Ereignisse sich grob entwickeln werden, aber dennoch ist es recht schwer herauszufinden, wie genau es dazu kommen wird. Auch das Ende ist nicht so, wie man es sich vorstellen würde. Wer hier ein typisches Happy-End erwartet, der liegt eindeutig falsch.

_Fazit:_

Auch wenn „Blutsbande 1 – Die Verwandlung“ nicht gerade Meisterwerk ist, lohnt es sich dennoch, das Buch zu lesen. Wenn man erst einmal die ersten Kapitel überwunden hat, gewinnt die Geschichte an Spannung und weiß den Leser zu fesseln.

_Die Autorin:_

Jennifer Armintrout wurde im Jahr 1980 geboren und lebt in Michigan. Während ihrer Arbeit in der Pathologie eines Krankenhauses stellte sie sich eines Tages die Frage: Was würde passieren, wenn einer der verstorbenen Patienten ein Vampir wäre? Das war die Idee für ihren Debütroman „Blutsbande 1: Die Verwandlung“.

Blutsbande 1: Die Verwandlung
Blutsbande 2: Besessen (Oktober 2008)

|Originaltitel: The Tuning
Aus dem Amerikanischen von Martha Windgassen
460 Seiten
ISBN 978-3-89941-448-6|
http://www.mira-taschenbuch.de

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