Burkhardt, Günther – On Top

Auch wenn der Trend im Spielsegment seit einiger Zeit zur Materialschlacht geht, so sind klassische Legespiele mit Strategieanteil spätestens seit „Einfach genial“ wieder sehr gefragt. Günther Burkhardt hat diese Entwicklung für seine neue Spielidee „On Top“ aufgegriffen und ein Spiel entworfen, das ganz in der Tradition der simpel gestrickten Taktikspiele aus dem Hause |Kosmos| steht und dort nun auch ein passendes Zuhause gefunden hat. Doch erfüllt die Frühjahrsneuheit auch die berechtigt hohen Erwartungen?

_Spielidee_

In „On Top“ legen zwei bis vier Spieler reihum rautenförmige Spielplättchen aneinander und versuchen dabei, die an den Ecken der Plättchen befindlichen Teilkreise so anzulegen, dass sie bei der Entstehung eines fertigen Kreises mit ihrer Farbe am besten vertreten sind. In diesem Fall nämlich kassiert man Punkte in der Anzahl, in der andere Farben am jeweiligen Kreis vertreten sind. Allerdings wird auch derjenige, der bei der Wertung eines Kreises an zweiter Position landet, noch belohnt, da er ebenso wie der Gewinner eines seiner Hütchen auf den Kreis positionieren darf – und für jedes Hütchen, das man zum Ende des Spiels noch besitzt, muss man wieder einen Punkt zurückzahlen. So taktiert und legt man fortlaufend, bis alle Flächen auf dem Spielplan belegt sind. Wer nun die meisten Siegpunkte gesammelt hat, hat das Spiel gewonnen.

_Spielmaterial_

• 1 Spielplan
• 84 Spielsteine in 4 Farben
• 10 Dreiecke
• 34 rautenförmige Legeteile
• 1 Spielregel

Rein optisch ist „On Top“ alles andere als ansprechend; der Spielplan erinnert an eine Spielshow aus den Achtzigern, die Legeteile wiederum sind ebenfalls keine Hingucker, sondern eher als zweckdienlich zu verstehen. Allerdings ist bei der Suchtgefahr solcher Spiele auch der Verschleiß zu bedenken, und der ist bei der Stabilität der Hartplastikelemente sicherlich gering. Insofern: Auch wenn besonders das Spielfeld etwas mehr Schwung gut vertragen hätte, so ist die Wahl der Materialien in dieser Form sicher nicht verkehrt.

_Spielaufbau_

Der Spielplan wird in die Mitte des Tisches gelegt und die beiden roten Flächen darauf mit Driecksplättchen bedeckt. Nun erhält jeder Spieler die Spielsteine in seiner Farbe und setzt einen davon auf die Wertungsleiste. Sollte man nicht zu viert spielen, werden die übrigen Farben trotzdem bereitgelegt und als neutrale Steine in der Wertung der Kreise verwendet. Als Letztes werden die rautenförmigen Legeteile verdeckt ausgelegt. Nun kann das Spiel beginnen.

_Spielablauf_

Der jüngste Spieler zieht zu Beginn des Spiels ein neues Legeteil und setzt es an eines der bereits ausliegenden Dreiecke an. Wichtig ist auch im weiteren Verlauf, dass man immer anlegt und sein Legeteil nicht auf eine beliebige, freie Fläche legt. Im Uhrzeigersinn nimmt nun jeder Spieler ein neues Legeteil und besetzt damit ein neues Feld. Sollte dabei ein Kreis geschlossen werden, indem die Ecken der Legeteile einen solchen ergeben, kommt es zu einer ersten Wertung. Der Spieler, dessen Farbanteile am häufigsten vertreten sind, legt nun einen seiner Spielsteine an die Spitze des Turmes, den man auf den Kreis stellt. Der zweitstärkste Spieler setzt seinen Stein direkt darunter. Sollten mehrere Farben die größte Häufigkeit aufweisen, bleibt der Kreis leer. Bei mehreren Zweitplatzierten wiederum werden auch mehrere Steine unter das Hütchen, das sich ‚On Top‘ befindet, gesetzt, was für den Spieler aber auch mehr Punkte bedeutet. Anschließend wird der Turm nämlich anhand seiner Elemente gewertet. Für jeden enthaltenen Spielstein (also auch den eigenen) gibt es einen Punkt.

Am oberen Rand des Spielfeldes gibt es nun auch eine Randleiste, die einen lukrativen Bonus bietet. Wer hier einen Kreis (und sei es nur ein halber) fertigstellt, bekommt die doppelte Punktzahl. Aber da hier keine kompletten Kreise gebildet werden, ist es ungleich schwerer, auch sofort zu punkten.

Das Spiel wird nun so lange gespielt, bis entweder alle Felder belegt sind (einzelne Lücken werden dabei mit Dreiecken gefüllt) oder ein Spieler vorzeitig alle Spielsteine auslegen konnte. Alle übrigen Spielsteine werden in der Schlusswertung nun auch berücksichtigt und vom Gesamtpunktestand subtrahiert. Der Spieler, der nun auf der Wertungsleiste die Nase vorn hat, hat das Spiel gewonnen.

_Persönlicher Eindruck_

„On Top“ verfolgt definitiv ein interessantes Spielprinzip und sollte vor allem Strategen ansprechen, hat aber insgesamt nicht ganz das Suchtpotenzial von Spielen wie „Einfach genial“, an dem sich Burkhardt mit seinem neuen Titel einfach messen lassen muss. Man gerät in manchen Situationen einfach zu stark ins Hintertreffen und kann seine Geschicke situationsabhängig nur minimal beeinflussen, da man stellenweise einfach zu stark vom Verhalten der Gegner abhängig ist. Darüber hinaus ist das Spiel häufig schon durch das Ziehen eines neuen Plättchens vorgezeichnet, weil es oft nur eine zwingende Möglichkeit gibt, wo man es nun anlegen sollte. Auch hier entsteht eine leichte Diskrepanz, da man nie ein besonders hohes Risiko eingehen muss, um seinen Zug durchzusetzen, was den Spielreiz aber leider auch ein wenig mindert.

Insgesamt nimmt „On Top“ einfach nicht so recht Fahrt auf, auch wenn die Systematik wirklich gut ist. Allerdings sind die Prioritäten nicht ganz so vorteilhaft verteilt, da die Einflussmöglichkeiten einfach zu schmal bleiben. Fans klassischer Legespiele sind zwar dennoch gut bedient, aber ganz so hohe Ansprüche wie an besagten Titel von Dr. Kinzia sollte man an „On Top“ jetzt nicht stellen.

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