Caluka, Erin D. – Earth Universe: 2140 – Der letzte Krieg (Band 1)

_Story_

Die Erde im Jahr 2140: Die Eurasische Dynastie (ED) und die United Civilized States (UCS) stehen sich in einer erbitterten Schlacht gegenüber. Mit hoch technisierter Kriegsmaschinerie und Cyborg-Armeen erobern sie die letzten neutralen Territorien und streiten um die wenigen Rohstoffe, die auf dieser Welt noch vorhanden sind. Vor allem das wertvolle Uran löst einige brutale Konflikte aus und heizt die Spekulationen um einen bevorstehenden Atomkrieg weiter an.

Der junge Wissenschaftler Ben Hagvenn bekommt von diesen Aktivitäten nur am Rande etwas mit; vor genau zwölf Jahren hat man ihn in einem Evakuierungskommando auf eine Mondbasis gebracht und währenddessen seine Eltern gefangen genommen. Seitdem hat Ben nie wieder Frieden mit sich und den Mächten der Welt schließen können; er verabscheut die Politik und hofft lediglich, eines Tages wieder zu seiner Familie zurückzukehren. Als sich schließlich die Chance bietet, wieder auf der Erde zu arbeiten, nimmt er dankend an, geht jedoch entgegen den Abmachungen seinen eigenen Weg.

Angetrieben vom unbändigen Willen, seine verschollene Schwester zu finden, schlägt er sich durch das weltweite Kampfgetümmel und wird Zeuge der erbitterten Rivalität zwischen den eurasischen Kräften des Khans mit seiner Militärstrategin Suzan Mercowa und den Diplomaten des UCS, angeführt von ihrem erst 15-jährigen Präsidenten Chuck und dem Superhirn Mastercom. Als er schließlich selber zum Spielball der beiden verfeindeten Fronten wird und zur letzten Hoffnung für den Frieden avanciert, wird ihm erst bewusst, wie ernst die Lage um die schon fast komplett zerstörte Erde ist. Und dennoch verfolgt er konsequent sein Ziel – bis zum bitteren Ende.

_Meine Meinung_

Mittlerweile bin ich Romanadaptionen von erfolgreichen Computerspielen gegenüber sehr skeptisch eingestellt, schließlich war die Zahl der Enttäuschungen in diesem Genre zuletzt ziemlich groß. Überraschenderweise konnte mich dann aber der erste Band zu „Earth Universe“ komplett vom Gegenteil überzeugen, denn die eiskalte Science-Fiction-Story, die hier in relativ kompakter Form aufgerollt wird, hat’s wirklich in sich.

Autorin Erin D. Caluka hat hier ein atmosphärisch sehr dichtes, allerdings auch sehr beängstigendes Werk erschaffen, dessen apokalyptischer Tenor sich auf mitreißende Art und Weise durch die abwechslungsreiche Story zieht. Bereits in den ersten Zeilen wird dem Leser der Ernst der Lage bewusst, als der kleine Ben Hagvenn auf grausame Weise von seiner Familie getrennt wird. Doch so dramatisch diese Trennung erscheint, so gefühlskalt wird sie im direkten Anschluss behandelt und dient quasi nur als Aufhänger für einen elementaren Teil der Story. Statt hier nämlich am Ball zu bleiben, unternimmt die Autorin einen plötzlichen Zeitsprung und schildert sofort die Folgen dessen, was vor Bens Flucht noch angedeutet wurde. Der Krieg ist in vollem Gange und nach jahrelangen Zerstörungen steht eine Entscheidung unmittelbar bevor. Der junge Hagvenn hat in dieser Zeit maßgeblich an der Entwicklung von Atombomben gearbeitet, ohne dabei zu wissen, dass diese bereits in naher Zukunft zum Einsatz kommen könnten, um seinen Herkunftsplaneten komplett zu vernichten.

Bevor ihm das Ausmaß der technischen Entwicklungen und der politischen Kriegsführung jedoch bewusst wird, ist er damit beschäftigt, seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Er nutzt das erste sich bietende Schlupfloch, um seinem Arbeitgeber zu entkommen und nach seiner Schwester zu suchen, die kurz vor der damaligen Flucht bei der ED angeheuert hatte. Doch die Suche gestaltet sich als schier unlösbare Aufgabe, als Ben ins Kreuzfeuer der beiden Kriegsmächte gerät und als Spion der UCS ins Herz der ED eindringen soll, um Informationen zu beschaffen, die eines Tages doch noch den ersehnten Frieden bringen sollen. Aber der blinde Fanatismus der Ostmächte und der kaum zu schwächende Siegeswille ihres Diktators ist nicht zu brechen; selbst Suzan Mercowa, die einst als die wohl beste Militärstrategin ihrer Nation in Szene getreten war, mittlerweile aber durchschaut hat, dass die ED mit dem angekündigten Atomschlag die gesamte Welt vernichten wird, kann das brutale Inferno aus eigener Kraft nicht mehr aufhalten. Lediglich eine enge Zusammenarbeit von DD und UCS könnte das Desaster noch abwenden; doch auf beiden Seiten will niemand Eingeständnisse machen. Und so rennt die Welt trotz allen Bemühens von Diplomaten und neutralen Personen mitten in ihr Verderben.

„2140 – Der letzte Krieg“ – der Titel deutet bereits an, welch bedrückte Atmosphäre diesen Roman prägt; er lässt jedoch nicht darauf schließen, dass die Geschichte mitsamt der apokalyptischen Inhalte auch tatsächlich das hält, was man sich nach den Erfahrungen mit dem PC-Game davon erhofft hat. Dies ist nämlich beim ersten Teil der gerade gestarteten Roman-Serie der Fall. Die Story ist voller Überraschungen und macht sich sämtliche Elemente zunutze, um die klirrende Gefühlskälte, die das gesamte Szenario bestimmt, auch in ihrem Grundwesen zu betonen. Das Resultat ist für ein verhältnismäßig knapp bestücktes Buch wie dieses – immerhin ist nach 280 Seiten schon wieder Schluss (vorläufig zumindest) – absolut überzeugend. Es mangelt zwar an echten Identifikationsfiguren, weil einfach jeder in gewisser Weise Dreck am Stecken hat, doch das hier geschilderte Komplott entwickelt sich zu einem sphärisch immer beeindruckenderen Monster, das einen bis zur letzten Seite fesselt. Auch wenn die Speerspitze der Science-Fiction-Schriftsteller sicher noch nicht erreicht wird, so muss man „2140 – Der letzte Krieg“ ohne Einschränkungen attestieren, einen begeisternden Einstieg in diese neue Serie zu liefern und allen Befürchtungen zum Trotz bestens zu unterhalten. Na also, das geht doch mit dem Game-Adaptionen!

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