Máni, Stefán – Schiff, Das

_Handlung:_

Neun Männer machen sich mit dem Schiff |Per se| auf die lange Reise nach Südamerika, wo sie Aluminiumoxid laden sollen. Doch einige der Männer hüten ein dunkles Geheimnis. Saeli wird von einem Unbekannten mit dem Leben seiner Familie erpresst und soll Rauschgift von Südamerika nach Island schmuggeln. Mehrere Besatzungsmitglieder planen eine bewaffnete Meuterei, nachdem Gerüchte die Runde machen, nach denen die Reederei ihre Verträge kündigen will.

Jónas hat seine Frau ermordet und will deren Bruder als Matrosen an Bord bringen. Doch der liegt tot im Straßengraben, und an seiner Stelle betritt Jón „Satan“ Karl das Schiff. Karl ist in der isländischen Unterwelt kein Unbekannter, und als seine Identität an Bord bekannt wird, sind die restlichen Besatzungsmitglieder alles andere als erfreut. Doch nachdem die Funkanlage des Schiffes und der Motor sabotiert wurden und Piraten die |Per se| entern, ist Jón Karl die letzte Hoffnung der Männer …

_Meinung:_

Für seinen Thriller „Das Schiff“ erhielt Stefán Máni den isländischen Krimipreis 2007, und das nicht zu Unrecht. Allein der ausgeklügelte, raffinierte Handlungsablauf ist bemerkenswert und hebt sich erfrischend von dem üblichen Thriller-Mainstream ab, der sich gerade bei amerikanischen Schriftstellern aus Serienkillern zusammensetzt, die sich in ihrer Perfidie gegenseitig zu übertreffen versuchen. Máni erstellt zielsicher neun eindrucksvolle Psychogramme von Männern, die das Schicksal auf engstem Raum zusammengeschweißt hat.

Die unbekannte Größe ist selbstverständlich Jón Karl, der in der isländischen Unterwelt nur „Satan“ genannt wird. Natürlich spielt der Zufall in Mánis Roman eine große Rolle, doch sind es gerade diese kleinen Fügungen des Schicksals, die auch im Leben immer wieder für Überraschungen sorgen. Gespräche und Handlungen der einzelnen Personen wirken absolut glaubwürdig und der Spannungsbogen wird vom Autor langsam, aber stetig aufgebaut, fällt dabei nie ab und gipfelt im Überfall moderner Piraten, wie sie tatsächlich auch heute noch die Weltmeere unsicher machen. Allein auf hoher See, der Willkür der Naturgewalten ausgesetzt, entwickelt sich wie von selbst eine beklemmende Atmosphäre, die es allein schon wert ist, das Buch zu lesen.

„Das Schiff“ wird nach dem Ablegen der |Per se| schnell zum Schauplatz eines düsteren Kammerspiels, bei dem der Leser nie weiß, von wem eigentlich die größte Gefahr ausgeht. Jón Karl ist sicherlich der skrupelloseste Mitreisende, aber zugleich auch der besonnenste, während Jónas und seine meuternden Kollegen von Angst und Unsicherheit getrieben sind. Und dann ist da noch der Heizer, der den dunklen Gottheiten aus Lovecrafts Cthulhu-Mythos huldigt und darüber den Verstand verloren zu haben scheint. Stil und Handlungsaufbau merkt man häufig an, dass H. P. Lovecraft zu den Idolen von Máni gehört und sein Roman dem Meister des Schreckens Tribut zollt.

|“Was ewig schläft, ist nicht tot …“| ist ein bedeutungsschwangerer Satz, der an den tentakelbewehrten Gott Cthulhu in der unterirdischen Stadt R’lyeh gemahnt. Das Schiff selbst wird zum alles verschlingenden Moloch, der den Verstand der Männer gierig aufsaugt, und der Überlebenskampf der restlichen Männer in der feindlichen Umwelt der Antarktis erinnert an Lovecrafts großartige Novelle [„Berge des Wahnsinns“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4779

Die Übersetzung von Tina Flecken ist sehr sorgfältig und gekonnt durchgeführt worden und erklärt darüber hinaus, weshalb sich alle Personen im Roman duzen. Das Hardcover wurde auf hochwertigem Papier gedruckt. Den Schutzumschlag ziert ein Foto, dessen Motiv nicht nur die stürmische See zeigt, mit der die Männer zu kämpfen haben, sondern auch die aufgewühlte Psyche der Charaktere symbolisiert.

_Fazit:_

„Das Schiff“ ist ein durch und durch packendes Lesevergnügen, das den Leser bis zur letzten Seite in Atem hält. Die Stärken des Autors liegen in der Ausarbeitung der Charaktere und der beklemmenden Atmosphäre an Bord des Schiffes.

_Der Autor:_

Stefán Máni wurde 1970 in Reykjavík geboren. Aufgewachsen ist er in Ólafsvík in West Island. Bevor er mit dem Schreiben begann, arbeitete er als Gärtner, Tischler und Buchbinder, in der Fischindustrie und auch als Sozialarbeiter mit Jugendlichen und in psychiatrischen Kliniken. „Das Schiff“ ist sein siebter Roman.

|Originaltitel: Skipid; Island 2006
Aus dem Isländischen von Tina Flecken
414 Seiten, gebunden
ISBN-13: 9783550087400|
http://www.ullstein.de

_Florian Hilleberg_

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