Perry, Steve / Perry, S. D. – Aliens versus Predator 1: Beute

|Auf der einen Seite: ein alptraumhaftes Geschöpf mit schwarz glänzendem Panzerkörper, messerscharfen Zähnen, Säure statt Blut und einem tödlichen Zungenkuss. Der perfekte Organismus. Das Alien! Auf der anderen Seite: ein gnadenloser Killer mit perfekter Tarnung, unfehlbarem Instinkt und einem Arsenal an High-Tech-Waffen. Der perfekte Jäger. Der Predator! In Computerspiel, Comic und Kinofilm stießen die beiden Ikonen des Science-Fiction-Horrors hier in Deutschland bereits aufeinander. Jetzt ist bei Dino der erste Roman zum Clash der Weltraummonster erschienen.|

_von Bernd Perplies
mit freundlicher Unterstützung unseres Partnermagazins http://www.ringbote.de/ _

1979 kam Ridley Scotts Tiefraumschocker „Alien“ in die Kinos, ein klaustrophobisch-düsterer Streifen über eine Frachtercrew, die sich fernab jedweder Zivilisation einen feindseligen Organismus an Bord holt und diesem Mann für Frau zum Opfer fällt. Der Film brachte eine neue Dimension des Horrors in das Science-Fiction-Genre und sein Erfolg zog drei Sequels und zahlreiche Nachahmer nach sich. Acht Jahre später trat in John McTiernans darwinistischem Dschungelbuch „Predator“ mit einem unsichtbaren galaktischen Trophäenjäger ein weiterer extraterrestrischer Schrecken auf die große Leinwand. In der Fortsetzung „Predator 2“ (1990) kam jemandem dann der Gedanke, das perfekte Raubtier mit dem perfekten Jäger zu verknüpfen, was in der augenzwinkernden Schlusspointe eines Alien-Schädels in der Trophäensammlung des Predators resultierte. Dieser Moment, so will es der Mythos, war die Geburtsstunde des Franchises „Alien vs. Predator“.

Besonders groß oder öffentlichkeitswirksam war es nie – vielleicht schon deshalb, weil es auf zwei Filmreihen basierte, die sich mit Einstufungen „FSK 16 aufwärts“ und den Genres Sci-Fi/Horror kaum an ein wirkliches Massenpublikum wandten. Trotzdem erschienen, neben den zwei recht bekannten Ego-Shooter-Games aus den Jahren 1999 und 2001, zwischen 1989 und 2000 eine ganze Reihe Comics, in denen sich der außerirdische Safari-Tourist und der säureblütige Xenomorph graphisch gewalttätig gegenseitig und ihrer Umgebung die Rübe einschlugen. Der Klassiker unter diesen Konfrontationen trägt den simplen Titel „Alien vs. Predator“ (1989/1990).

Die Geschichte handelt von einer Gruppe Kolonisten auf dem Planeten Ryushi, deren einfaches Leben als Rancher auf nachhaltige Weise gestört wird, als sie in einen Initiationsritus für eine Rasse tödlicher Jäger – Predatoren! – geraten, die es allerdings nicht auf die Menschen abgesehen haben, sondern auf etwas weit gefährlicheres: Aliens! (Die zu diesem Zwecke auf der Planetenoberfläche „gesäht“ wurden.) Durch die ungeplante Anwesenheit der Menschen geraten die Aliens allerdings außer Kontrolle und um zu überleben, sehen sich Predator und Mensch letztendlich gezwungen, zusammenzuarbeiten, namentlich die Kolonie-Aufseherin Machiko Noguchi und der Jäger-Veteran Dachande, die den fiesen ‚Hartfleischern‘ am Ende mit großem Feuerzauber den Garaus machen.

Exakt dies ist auch der Inhalt des 1994 erschienen Romans von Steve Perry und S. D. Perry, der mit zehn Jahren ‚Verspätung‘ im Rahmen des Hypes um Paul W. S. Andersons Kino-Monsterhatz „Alien vs. Predator“ über den |Dino|-Verlag den Weg in deutsche Buchhandlungen fand. Die Handlung ist dabei konsequent zweigeteilt und folgt einerseits der Perspektive Noguchis, die sich als neue Aufseherin der Rancher-Community auf Ryushi mit abweisenden Rynth-Züchtern herumschlagen muss, und andererseits jener Dachandes, der als Ausbilder eine Gruppe junger Yautja (so nennen sich die Predatoren selbst; die Bezeichnung „Predator“ fällt im ganzen Roman kein einziges Mal) auf die abgelegene Welt begleitet, auf der sie ihre Mannbarkeitsprüfung bei der Jagd auf die „Kainde amedha“, die Hartfleischer, ablegen sollen.

Dadurch, dass diese doppelte Perspektive auch dann noch durchgehalten wird, wenn sich Noguchi und Dachande als letzte Krieger gegen die Alienhorden zusammengeschlossen haben, erhält die Geschichte zwischenzeitlich sogar eine unterschwellig humoristische Note, denn es wird klar, wie unterschiedlich die Mentalitäten der beiden ungleichen Partner sind, deren gemeinsamer Erfolg gerade aus grenzwertigen Missverständnissen resultiert. Will Noguchi beispielsweise eher kameradschaftlich erscheinen, hält Dachande sie für aggressiv und gerade diese Dreistigkeit der kleinen Menschin imponiert ihm, womit der beabsichtigte Schulterschluss erreicht wäre, wenn auch unter völlig unterschiedlichen Grundvoraussetzungen.

Die Handlung an sich ist relativ gradlinig und folgt bekannten Mustern. Eine Gruppe Menschen an einem Ort fern jedweder Zivilisation führt ein beschauliches Leben, dann häufen sich seltsame Vorzeichen – Leute verschwinden, Schleim an den Wänden, Unsichtbare vor den Toren usw. – und schließlich kommt es zum rasenden Showdown mit horrender Todesrate. Trotzdem macht es Spaß, die Konfrontation zu verfolgen, gerade weil sie eine gekonnte Mischung aus Bekanntem und neuen Elementen ist. Vermutlich kann man den Autoren vorwerfen, dass sich die kreative Eigenleistung in Grenzen hält, denn ich nehme an, dass sich Comicvorlage und Roman tatsächlich sehr ähnlich sind (umso mehr fragt man sich, warum die Bücher seinerzeit überhaupt in Auftrag gegeben wurden). Kennt man die Comics indes nicht, wird dieser Kritikpunkt hinfällig.

Für Fans auf jeden Fall spannend sind die zahlreichen Einblicke, die uns die Autoren in die Gesellschaft der Predatoren gewähren, vor allem die Motivationen und Rituale rund um die Jagd. Wer den Kinofilm von Anderson gesehen, der wird einiges davon bereits kennen, aber hier muss für die Autoren (bzw. die ursprünglichen Comicautoren Randy Stradley und Phill Norwood von Dark Horse) eine Lanze gebrochen werden: Sie waren zehn Jahre vor dem britischen Regisseur dran.

_Fazit:_ Für Fans der zwei berühmten Weltraummonster bietet „Aliens vs. Predator: Beute“ ohne Zweifel gute Unterhaltung. Gekonnt vermischen die Autoren bekannte (und beliebte) Elemente beider Universen mit neuen Ideen und gewähren dabei interessante Einblicke in die Gesellschaft und Denkweise der Predatoren. Das einzige wirklich Manko ist der hohe Preis: Knapp 10 Euro für 267 Seiten Lesestoff sind ziemlich viel Holz, selbst für einen Fan der Materie. (Aber relativ hohe Buchpreise sind leider ein generelles Problem des |Dino|-Verlags.)

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