Lucas, George – Star Wars Episode I: Die dunkle Bedrohung

Wer von der „Rache der Sith“ Appetit auf mehr Sternenkriege bekommen hat, der greife zu diesem intergalaktischen Hörspiel, das direkt auf den Stimmen und Musikmotiven der Filme basiert. Hier kann man noch einmal das halsbrecherische Pod-Rennen auf Tattooine, die gigantische Schlacht auf und über dem Planeten Naboo sowie den dramatischen Laserschwert-Kampf gegen den bösen Darth Maul nacherleben. Das 12-seitige Booklet ist ein besonderer Bonus, den man zum Preis einer Kinokarte erhält.

_Das Hörspiel_

Der technische Standard der Hörspiels ist vom Feinsten – wie es sich für eine Lucas-Produktion gehört. Der Ton erklingt in Stereo, und wer seine HiFi-Anlage ordentlich aufdreht und den Subwoofer zuschaltet, wird ein Klangerlebnis ernten, das dem der DVD-Version (in DD 5.1) kaum nachsteht. Leider kommt der Soundstandard der CD momentan nicht über DD 2.0 hinaus. Die vom London Symphony Orchestra gespielte Musik stammt selbstredend von John Williams.

Regisseur des Hörspiels ist Oliver Döring, der Macher der erfolgreichen neuen „John Sinclair“-Hörspiele, die mit ihrem Sound zu beeindrucken wissen. Die Story ist auf das Nötigste, den roten Faden, zusammengekürzt. Doch Hörer, die das [Buch]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3442363136/powermetalde-21 nicht kennen, werden über so manchen Namen stolpern, der in den Filmen entweder nicht erklingt oder überhört wird.

_Das Booklet_

Ein ganz besonderes Schmankerl stellt das zwölfseitige Booklet dar. In Vierfarbdruck sind hier etliche Szenenfotos zu sehen. Davon sind einige laut Verlagsangabe sehr selten. Sehr lustig ist zum Beispiel die ursprüngliche Form von C3PO, Anakins Protokolldroide: Er sieht aus wie eine Ansammlung von Röhren und Kabeln, die so schwarz sind, dass er aus der Hölle zu kommen scheint.

Viel beeindruckender finde ich daher das doppelseitige Ausklappbild. Es zeigt ein riesiges Gebäude, das wie ein Mittelding aus Pilz, Fußballstadion und UFO aussieht, von unzähligen schlanken Statuen umstanden ist und sich offensichtlich in Coruscant befindet – die Umgebung ist gespickt mit Wolkenkratzern. In Ermangelung einer Bildunterschrift tippe ich mal, dass dies das Gebäude ist, in dem der Hohe Rat der Republik wie auch der Jedi-Ritter tagt.

Star-Wars-Fans werden sogleich auch die Poster Art wiedererkennen. Sie ist auch auf der Innenseite und Rückseite der Jewelbox zu finden. Das Motiv auf der Vorderseite des CD-Booklets selbst zeigt das bekannte Filmplakat und die Rückseite eine Wasserwelt mit einem Raumschiff im Anflug. Die CD ist mit dem Abbild eines Wasserplaneten bedruckt – Naboo? Nimmt man die CD heraus, fällt der Blick auf drei Ansichten des Sith-Attentäters Darth Maul … Diese Grafik-Elemente dürften auch den letzten Zweifler überzeugen, dass es sich um ein echtes, hundert Prozent originales |Lucasfilm|-Produkt, lizenziert von |WortArt|, handelt.

_Der Sprecher_

Joachim Kerzel, 1941 in Hindenburg/Oberschlesien geboren, erhielt seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Als gefragter Synchronsprecher leiht er Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Dennis Hopper und vielen anderen Stars seine sonore Stimme. Ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist mir seine Beteiligung an der Hörbuchfassung von Stephens Kings „Das Mädchen“, die er zusammen mit Franziska Pigulla bestritt. Seine charismatische Stimme macht aus jedem Gegenstand etwas Grandioses. Daher ist er häufig auch in der Werbung zu hören, so etwa zu den Medienprodukten um Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung.

_Handlung_

Die Zeiten sind schlecht, und eine Krise zieht herauf. Die Handelsföderation hat den Planeten Naboo blockiert, um ihre Forderungen durchzusetzen. Sie will ihren Vizekönig in der Regierung haben, doch die junge Königin Padme Amidala wehrt sich standhaft gegen die Repressalien. Hinter der Handelsföderation und ihrem rückgratlosen Vizekönig steht ein Sith-Lord: Darth Sidious. Eigentlich sollten die Sith schon seit tausend Jahren verschwunden sein, doch da täuschen sich die Jedi-Ritter wohl.

Ohne etwas von diesen Hintergründen zu ahnen, schickt der republikanische Erzkanzler Valorum, unterstützt von Naboos Senator Palpatine, zwei Jedi-Ritter aus: Qui-Gon Jin und seinen Schüler, den Padawan Obi-Wan Kenobi. Doch Darth Sidious befiehlt ihren Tod, und so sehen sie sich alsbald rollenden Kampfdroiden, Droidikas, gegenüber, die sie unter Beschuss nehmen. Unsere beiden Jedi flüchten durchs Lüftungssystem, entdecken die Invasionsflotte der Föderation und entkommen in den Wald.

Hier rennen sie einen vorwitzigen Gungan nieder, der zweiten Rasse, die auf Naboo heimisch ist. Es ist der allseits bestgehasste Jar Jar Binks. Er führt sie nach Gungan City, die am Grunde eines Sees liegt. Hier herrscht Boss Nass. Er kann mit Jedi nichts anfangen und will sich nicht in Amidalas Angelegenheiten einmischen. Jar Jar darf die Jedi durch den gefährlichen Kern des Planeten führen.

Sie befreien die inzwischen gefangene Königin Amidala und entkommen der Blockade in ihrem schnellen Raumkreuzer, mit Kurs auf die Zentralwelt Coruscant. Leider kriegt das Schiff dabei einen schweren Schaden ab, der es zwecks Reparatur zur Zwischenlandung auf dem Wüstenplaneten Tattooine zwingt. Doch hier herrschen die Hutten (beispielsweise Jabba the Hutt) und Gesetze der Republik gelten hier nicht. Deshalb stoßen sie auf zwei Sklaven: Shmee Skywalker und ihren kleinen Sohn Anakin. Der Knirps fragt Padme: „Bist du ein Engel?“

Weil Qui-Gon Jin auf dieser Welt sowohl ein Zahlungs- als auch ein Durchsetzungsproblem hat – die Macht funktioniert nicht beim Schrotthändler Wattoo – muss eine andere Lösung gefunden werden, um von hier wegzukommen. Glücklicherweise stellt sich Anakin als Pilot heraus, der am nächsten Tag beim wichtigsten Podrennen der Saison mitfliegen will. Qui-Gon Jin macht mehrere Deals mit Wattoo: Die Wetteinsätze und die Freiheit des Jungen sowie ein neues Triebwerk, wenn Anakin gewinnt. Wenn er verliert, sieht es für alle ganz schlecht aus. Anakin will ihnen im Fall seines Sieges seinen Gewinn geben.

Shmee behauptet, Anakin habe keine Vater, was die Jedi recht verwundert (uns auch), doch Qui-Gon ist noch mehr verwundert, als sich Anakin in Tests als Jedi mit der potentiell größten Kraft herausstellt. Er hat schon einen eigenen Protokolldroiden namens C3PO gebaut (Foto im Booklet!). Unterdessen hat sich der rot und schwarz angemalte und gehörnte Sith-Attentäter Darth Maul in Coruscant bei seinem Meister Darh Sidious Instruktionen geholt. Er soll die Jedi und Amidala auf Tattooine angreifen und töten.

Dann ist der große Tag des Podrennens da! Anakin tritt mit seinem Pod gegen den fiesen Lokalmatador Zebulba und eine Reihe anderer Rennfahrer an. Jabba der Hutte eröffnet feierlich das Rennen in der Arena von Moss Essba. Der Startschuss! Die Pods der Rennfahrer düsen los, allen voran Zebulba.

Doch was ist das?! Anakins Triebwerke sind ausgefallen, und sein Pod sitzt da wie eine lahme Ente! Ob das wohl gut geht – oder werden die Jedi und Königin Amidala ihr Dasein künftig als Sklaven von Wattoo fristen müssen?

_Mein Eindruck_

Die allererste Episode im sechsteiligen Star-Wars-Zyklus hat mehrere Aufgaben. So führt sie erstmals Anakin Skywalker mit Padme Amidala, der künftigen Mutter der Zwillinge Luke und Leia, zusammen. Anakin wird bereits als hervorragender Pilot und größtes Jedi-Talent aller Zeiten vorgestellt. Schon jetzt werden die ersten Fehler bezüglich Anakins Ausbildung gemacht: Qui-Gon setzt sich gegen die Bedenken von Yoda und Mace Windu durch und bildet ihn zum Jedi aus. Obi-Wan Kenobi wird diesen Job in Episode II leider nicht besser machen.

Woher die Jedi überhaupt kommen, erfahren wir in den Filmen – meines Wissens zumindest – leider nicht. Doch wenigstens wissen wir mittlerweile aus Episode III bis VI, was aus ihnen wird. Doch steht zumindest fest, dass sie im Gegensatz zu ihren Gegnern nicht an den Einsatz von Killermaschinen glauben, denn Waffen sind nur Werkzeuge, doch der Geist ist die wichtigste Waffe. Mit dem Einsatz der „Macht“ beeinflussen sie den Geist von Polizisten, Händlern, Soldaten. Dass es auch Wesen gibt, die für die Wirkung der „Macht“ unempfänglich sind, ist eine der vielen Überraschungen, die die Jedi erleben. Das ist der einzige Grund, warum Qui-Gon Jin auf das Geld aus dem Podrennen angewiesen ist. Sonst wäre er gleich wieder abgedüst.

Die Schlacht um Naboo veranschaulicht sehr deutlich, welche Mächte aufeinandertreffen: Die „guten“ Jedi ringen gegen die bösen „Sith“, die sich noch verborgen halten, um das Schicksal einer Welt. Streckenweise hat Episode I noch den Charakter eines planetaren Abenteuers, wie es in der Science-Fiction ja sehr beliebt gewesen ist. Man denke nur an Jack Vance, der ganze Trilogien damit füllte. Zu diesen Abenteuern gehört auch die Begegnung mit tierischen Räubern und Ungeheuern (ein schönes Farbfoto im Booklet).

Jar Jar Binks ist immer noch ziemlich schwer zu verstehen, denn er fügt an viele Wörter die Silbe „-se“ an: „michse“ und dergleichen ist das Ergebnis. Wenigstens ist sein schräger Humor in den Hörbüchern – er tritt auch in Episode II auf – besser zu ertragen als im Film.

|Sound und Sprecher|

Der beeindruckende Stereo-Sound entspricht dem digital aufpolierten Sound, der in den Filmszenen auf den DVDs zu hören ist. Das bedeutet, wenn es hier kracht, dann rummst es auch wirklich. Das Gleiche gilt für die aufpolierte Musik von John Williams, die in ihrem Beitrag zur Dramatik dieser Sternenoper nicht zu unterschätzen ist. Sie steuert ganz direkt die Emotionen des Hörers.

Aber sie tut dies auch mit den bekannten Ohrwürmern. Dazu gehören sämtliche Erkennungsmelodien der einzelnen Figuren: Obi-Wan, Padme, Anakin – sobald sie auftreten, erklingt ihr Thema. Genau wie in Howard Shores „Herr der Ringe“-Soundtrack. Die Stimmen stammen auch in der deutschen Synchronisation aus digitalen Quellen, so dass der Zuhörer auch an dieser Stelle die beste Qualität erhält. Das war in den Hörbüchern der Episoden IV bis VI noch anders (siehe meine Rezensionen dazu).

Joachim Kerzel wird in seiner Funktion als Erzählerstimme nicht über Gebühr gefordert, aber sein Vortrag sorgt mit der sonoren Stimme stets für die erforderliche Dramatik, ist kompetent und mitreißend. Die Klangqualität entspricht auch hier höchsten Standards.

_Unterm Strich_

Im Rückblick ergibt sich, dass die übergreifende Produktpräsentation einem echten |Lucasfilm|-Produkt an Qualität in nichts nachsteht, dass aber der Inhalt des ersten Hörspiels – also von „Episode IV“ – mir bislang am besten gefallen hat. Es sind alle Episoden außer III als Hörspiel erhältlich. Die Preise bewegen sich zwischen 7,90 und 9,99 Euro, was durchaus vertretbar ist.

Also lässt sich ohne weitere Umschweife sagen, dass der Käufer jeweils ein sehr gutes Hörspiel erhält, sich die inhaltliche Qualität mit der Ausstattung – siehe meine Ausführungen über das Booklet – immer die Waage hält. Und wer von Star Wars als einem Sternenmärchen sowieso nichts hält, der wird auch mit den Hörspielen nichts anfangen können. Man muss schon eine gewisse Begeisterung mitbringen …

… genau wie bei den Filmen: Seit dem 19. Mai 2005 heißt es zum sechsten Mal wieder: „Es war einmal in ferner Zukunft in einer weit entfernten Galaxis …“

|Star Wars Episode I: The Phantom Menace, 1999
ca. 65 Minuten auf 1 CD
Empfohlen ab 8 Jahren|